Ich bin mir sicher, einen Ordner für Jünger einst angelegt zu haben. Nun ja, falls er mir bei den Restaurierungsarbeiten begegnet, werde ich ihn mit diesem zusammenführen. Einstweilen soll der hier genügen. Jünger feiert heute seinen 125. Geburtstag. Ein Grund für Befasse.
Sein oder Nichtsein - das war ihm die Frage. Doch er zaudert nicht, er packt an. Besteht. Wird 100. Als Schulversager gefemt, will er das Reich verlassen und nach Afrika gehn, den Sehnsuchtsort fürs Wilde, Abenteuerliche. Der Weltkrieg gerät ihm dazwischen. Nun muß er in den Krieg, das Reich gegen seine Feinde behaupten helfen. Verteidigung, Bewährung, Existenzkampf, ein vierjähriges Stahlgewitter. Jünger durchlebte dieses Gewitter, zehn Mal verwundet, höchstdekoriert. Pour le Merite. Jeder mußte ihn zuerst grüßen, auch ein General! Aber diese Stahlgewitter, es liest sich auch als plurale tantum, war nicht sein Hauptwerk. Es kündigte sich ein zweiter Krieg an. Auch in dem diente er. Als Hauptmann in Paris. Es gibt da diese merkwürdige Episode. Jünger begegnete vor einem Buchladen ein Jude. Der mußte, wie alle Juden in den späten Jahren des Krieges, den gelben Stern tragen. Jünger grüßte militärisch. Der gelbe Stern war für ihn ein Rangabzeichen, das er höher schätzte als seinen Merite. Dieser zweite Krieg wurde ohne Ehre geführt. Ein Vernichtungskrieg, dem der Zusammenbruch der europäischen Kultur voranging. Diesen beschrieb Jünger in dem bereits angekündigten Hauptwerk "Marmorklippen". (Besprechung folgt hier bald)

Heute unterbreche ich mein Fasten und hebe das Glas für diesen Mann, der wie mancher von mir bewunderte Dichter zwischen Realität und Phantasie nur eine Daseinsform kannte, den Grenzgang.