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Thema: Der Frühling reist stets mit Gepäck

  1. #1
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    Der Frühling reist stets mit Gepäck

    Du atmest schwer, das Fieber steigt,
    doch denkst du nicht dran auszuruhen,
    durchstöberst die verstaubten Truhen
    nach Briefen, die kein Herz verschweigt.

    Den letzten liest Du laut dir vor,
    und Tränen fließen von den Wangen,
    um den Gedanken einzufangen,
    der sich vor langer Zeit verlor.

    Du atmest tief, das Fieber sinkt,
    wohl alle Fenster stehen offen,
    der Frühling hat ins Mark getroffen
    und eine alte Liebe winkt.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Frühling reist stets mit Gepäck

    Ich mag dreiteilige Gedichte, sie erwecken in mir den Eindruck einer Struktur besitzenden Welt. So ließe sich hier auch eine inhaltliche Dreiteilung erkennen, nennen wir den ersten Teil die Thesis: Krankheit und Fieber. Ein Ich und ein Du. Nein, kein Ich, nur ein figuratives Du, das wohl als lyrizides Ich verstanden werden kann. Die wichtigste Tätigkeit, es stöbert. Es ist krank (passiv) und es stöbert (aktiv). Zielgerichtet. Briefe eines toten Mannes, die betörten. Es lenkt die Handlungsrichtung auf ein Gestern, aufgehobene Briefe sind ein nunc stans der Vergangenheit, jederzeit in der Gegenwart statuierbar, regressiv.
    Zweite Strophe: den letzten Brief, den letzten von der Zeit oder aus einem Stapel (inhaltlich sortiert) oder willkürlich der letztgegriffene, der eben zufällig in die Hände fiel oder der Brief, der am Ende einer Brieffreundschaft stand, Abschied anzeigend? Jedenfalls sind wir nun weg vom Kranksein, vielmehr sind wir als lyrisches Ich traurig. Das ist keine Antithese zur ersten Strophe, vielmehr ein episches Element, ein im Sinne eines Erzählstrang erzähltes reminiszentes Geschichtchen.
    Der Brief bewirkte wohl doch etwas. Das Fieber sinkt. Frühling! Alte Liebe wirkt wunder.

    Nun ja. Das sagt Courths Mahler auch.

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