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Thema: Der Renten- und Pensionsskandal

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Der Renten- und Pensionsskandal

    Weil ad hier schon öfter das Thema Renten angesprochen hat, will ich mal meine Meinung dazu in einem eigenen Ordner darlegen. Ich weiß nicht, ob es einen Rentenordner bereits gibt und bin zu faul danach zu suchen.




    Also, Renten und Pensionen (in A gibt es nurmehr Pensionisten und keine Rentner mehr) gehören zu dem Bereich, wo die größte Ungerechtigkeit und die größten Privilegien bestehen. Ich habe dazu seit Jahrzehnten eine eigene Meinung, die fast durchwegs auf Ablehnung und Unverständnis stößt. Ich fand bisher nur wenige, die sich mir grundsätzlich anschließen würden. Deshalb, keine Angst, mein Rentenkonzept findet bis auf weiteres sicher keine Mehrheiten!


    Hier ein paar Grundsätze:



    1. In der Rente werden alle, ausnahmslos alle, vom Obdachlosen bis zum Bundespräsidenten gleich behandelt. Es gibt keinen Unterschied, welcher Erwerbstätigkeit einer nachgegangen ist, ob er Bauer, Angestellter, Beamter oder überwiegend Arbeitsloser war.


    1. In die Rentenkasse zahlen alle ein, die ein Einkommen erwirtschaften, progressiv und ungedeckelt. Die Beitragssätze sind versicherungsmathematisch festzulegen.
    2. Die Mindestrente, die ausnahmslos jedem Bürger zusteht, sobald er das Renteneintrittsalter erreicht hat, entspricht dem statistischen Existenzminimum. Die höchste Rente ist maximal doppelt so hoch.
    3. Die tatsächliche Höhe zwischen den genannten Eckpunkten errechnet sich proportional zu den geleisteten Beiträgen.
    4. Die Rente ist keine Lebensstandardsicherung, sondern eine Existenzsicherung. Wer mit der staatlichen Rente nicht auskommt, muß selbst vorsorgen.
    5. Die Rentenkasse wird ausschließlich aus den Beiträgen der Beitragszahler finanziert. Quersubventionierung aus dem Steuertopf gibt es keine.
    6. Der Übergang aus dem jetzigen Privilegienstadl-system erfolgt schrittweise über einen Zeitraum von 30 Jahren (= 1 Generation).



    So das wär's grundsätzlich. Es gibt sicher noch jede Menge Details zu regeln, doch diese Normen dürfen dabei nicht verletzt werden.


    Mit diesem Rentenkonzept, das generationengerecht und finanzierbar wäre, gewinne ich sicher keine Wahl. Deshalb wird das unwürdige Rententheater weiter gespielt werden. Hier eine privilegierte Klasse von Luxuspensionisten, da ein unwürdiges Gezerre um ein paar lächerliche Almosen.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Gefällt mir, v.a. der Teil, in dem geklärt wird, was eine Rente eigentlich ist. Richtig, sie soll die Existenz sichern, nicht den im Laufe seines Erwerbslebens erworbenen Wohlstand. Doch wenn Du "Rente" so definierst, dann sollte es keine verschiedenen Renten geben, sondern nur eine. Beinahe wie in der DDR. Da gab es 200 M Grundrente. War jemand "Kämpfer gegen den Faschismus" oder Stasi/Staatsbediensteter, gab es noch mal 100 M extra. Kein schlechtes System. Besser noch: man gibt jedem das Geld für die Existenzsicherung. Aber wie berechnen? Da lebt jemand 40 Jahre in einem Haus mit zehn Zimmern, hat Kinder großgezogen und einen Mann versorgt. Dann sind sie alle weg. Aber kann man von einer solchen Witwe verlangen, daß sie das Haus räumt, weil es doch viel zu groß ist und entsprechend kostet? Gehört zu ihrer Existenzsicherung nicht der Erhalt eben dieses Hauses, an das so viele Erinnerungen geknüpft sind?

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Also, es sollte klar sein - vllt. habe ich das nicht klar herausgestellt -, es gibt nur 1 Rente für ALLE. Das sollte § 1 ausdrücken. Eine Volkspension sozusagen. Ausnahmslos für jeden.

    Nochmal: Wer ein Haus besitzt oder eine 5-Zimmerwohnung, die er mit der Volkspension nicht erhalten kann, muß rechtzeitig vorsorgen oder in eine kleinere Behausung umziehen. Es gibt da keine Ausnahmen, der Staat kann und soll nicht den Wohlstand sichern, sondern bloß die Existenz. Ja, ich weiß, das ist für die meisten unvollstellbar. Das ist aber für mich der Skandal, dass hier Pfründe und Privilegien auf Kosten der Allgemeinheit finanziert werden. Damit würde mein Konzept aufräumen.,

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Lebensleistung berücksichtigen. Jemand, der zeitlebens vom Staat lebte, keine Kinder großzog, sich meist den Lenz machte und auch sonst vom Stamme "Nimm!" ist, der darf mit jemandem, der sich zeitlebens für eine Familie und andere Menschen einsetzte, immer brav seine Beiträge zahlte und nie was vom Staat nahm, nicht über einen Kamm geschoren werden. Eine Hausfrau, die zwar in einem großen Haus lebte, aber dort auch viel bewirkte, die hat keine Pfründe, sondern einen Lebensmittelpunkt, den sie im Alter nicht zu verlassen gezwungen werden sollte. Fände ich extrem ungerecht. Und vielleicht konnte sie nicht vorsorgen, weil immer was anderes im Raume stand und sie gerade so zurechtkam. Das Haus erbte sie von ihrer Mutter. Was weiß ich. Jedenfalls fände ich das sehr ungerecht, wenn eine solche Person das gleiche bekäme wie ein lebenslanger Schmarotzer und zu guter Letzt noch ihr Heim verlassen müßte.

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Lieber Robert, entweder hast du das Konzept nicht verstanden, oder hängst eben - wie die meisten übrigens - der Vorstellung nach, der Staat müsse irgendwelche Lebensleistungen belohnen. Nein. Der Staat soll Rahmenbedingungen schaffen, die es ermöglichen, dass jeder nach seinen Möglichkeiten sein Leben bestmöglich gestalten kann.

    Eine staatliche Rente oder Pension soll lediglich die Existenz sichern. Wie gesagt, es gibt eine minimale Bandbreite, über die wir reden können. Ob der Faktor Min.-/Max. 1:2 oder 1:3 sein soll, geschenkt. Aber im Grunde ist meine Volkspension eine Solidarleistung, damit im Alter niemand obdachlos sein muß und hungern muß. Sie belohnt aber nichts.

    Und deine alte Frau, die das Haus von den Eltern geerbt hat, die zahlt ja auch keine Miete. Also müsste sie, wenn nicht grad teure Reparaturen oder Renovierungen anstehen, in ihrem Haus auskömmlich leben können. Und große Renovierungen kann sie auch heute mit ihrer Rente allein nicht finanzieren.

    In meinem System gäbe es allerdings nicht den Skandal, dass Beamte mit dem Vielfachen des Durchschnittsverdienstes in Pension gehen, während die Putzfrau oder die Pflegerin, die ihr Leben lang für andere den Dreck geputzt hat, oder anderen den Hintern gewischt hat, am Ende nicht mal leben kann von ihrer Rente, weil sie zu wenig verdient hat.

    Aber, wie gesagt, ich weiß, dass ich damit kaum auf Verständnis stoßen werde oder schon gar keine Wahlen gewinnen werde. Zu sehr ist diese Fiktion der 'Gerechtigkeit' - die ja gar keine ist - in unseren Köpfen verankert.

    Notiz am Rande, plötzlich werden Krankenschwestern, Sanitäter, Kassierinnen oder Botendienste als systemrelevant gepriesen und gelobt. Mehr Geld gibts aber nicht. Eine Schande.

  6. #6
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Ohne ins Detail zu gehen, aber natürlich muss die Lebensleistung berücksichtigt werden...denn wir sind eine Leistungsgesellschaft - und dazu gibt es keine Alternative...wollen wir unseren Wohlstand behalten. Die Frage ist doch eher die...was wir unter Leistung verstehen...wie wir Leistung definieren. Und da bin ich für eine Art Bonussystem...das Menschen belohnt...die sich einbringen...die das Allgemeinwohl der Gesellschaft sichern...auch wenn sie dabei kein Geld verdienen. Ein klassisches Beispiel wäre der Freiwillige Feuerwehrmann...oder die Frau...die sich jeden Tag in die Kälte stellt um Obdachlose zu versogen. Aber ich darf nicht die Leute auch noch belohnen...die den ganzen Tag auf der Couch sitzen und sich RTLII reinziehen - das würde den sozialen Frieden gefährden. Egal wie man es macht, ganz gerecht wird es nie zugehen. Die hundertprozentige Gerechtigkeit ist etwas...das nur in den Köpfen mancher Leute besteht. Ziel muss es sein eine maximale Gerechtigkeit zu erreichen. Und egal wie die aussieht...es darf nicht sein, dass Menschen um Essen betteln müssen...ob bei der Tafel oder sonstwo. Was die staatliche Rente angeht...da bin ich für eine Untergrenze...die bekommen wir jetzt...aber auch für eine Obergrenze.

  7. #7
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Ich machte auf einen Widerspruch in Deinem Konzept aufmerksam, Till. Unter 1. schreibst Du etwas von "gleich behandeln", um im 2. und 3. Punkte dann doch eine ungleiche Behandlung zu inaugurieren, denn wie sollte ich es verstehen, wenn dort von Beitragsabhängigkeit und maximal doppelter Höhe der Grundrente gesprochen wird? Dann gibt es also keine Gleichbehandlung, sondern eine Rentenzahlung, die auf genau dem gleichen Prinzip beruht wie die gegenwärtige: wer mehr einzahlte, bekommt auch mehr. Beides zusammen, also Gleichbehandlung und Differenzierung der Rentenhöhe in Hinblick auf geleistete Zahlungen geht nicht. Dein Konzept ist hier sogar ungerechter, denn es bestraft diejenigen, die während ihrer Arbeitszeit viel einzahlten, zumeist mehr als doppelt so viel wie diejenigen, die bei Dir eine existenzsichernde Grundrente bekommen sollen.

  8. #8
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Also, die Gleichbehandlung bezieht sich darauf, dass es nur EINE Rente für ALLE gibt, also unabhängig davon welcher Berufsgruppe, welchem Stand und welcher Zunft jemand angehört. Beamte, Bauern, Unselbständige, Freie Berufe und alle anderen werden in der Rente über einen Kamm geschoren. Weil meine Rente eine Alterssicherung ist und sonst nichts. Das sollte sie ursprünglich auch sein.

    Es ist noch gar nicht so lange her, dass es für Alte keine Rente gab. Die waren dann auf die Hilfe ihrer Kinder und Angehörigen angewiesen. Was nicht selten dazu führte, dass sie bis zum Umfallen auf dem Hofe schuften, im Haushalt arbeiten mussten oder buchstäblich verhungerten, wenn sie keine Kinder hatten. Die Rente sollte bloß die Existenz sichern, mehr nicht. Wie der Mensch aber nun ist, begannen sich einige Gruppen natürlich zu exkludieren und ihre eigenen Kassen zu gründen. Beamte als Staatsdiener hatten da natürlich die Nase vorn, hatten sie doch den größten Einfluß auf Monarchen und Gesetzgeber. So entstanden die Schieflagen im Pensionssystem.

    In meinem Rentensystem gibt es immerhin eine begrenzte Leistungsgerechtigkeit, aber eben nicht so schieflagig wie jetzt, sondern immer mit Blick auf die Existenzsicherung und nicht Lebensstandardsicherung. Das ist wirklich eine individuelle Sache. Ich komme sicher mit viel weniger aus, als die meisten meiner Zeitgenossen. Wer mehr will, soll vorsorgen.

    Es mag nun Fälle geben, wo die Mindestrente nicht reicht, weil Pflegebedarf besteht, eine Krankheit zu fortwährender Behandlung zwingt usw. Das ist aber keine Sache der Rentenkasse, sondern muß über Kranken- und Sozialkassen bedient werden.

  9. #9
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Meinst Du eine Rentenkasse...also alle zahlen in die gleiche ein und bekommen dann aus dieser ihre Rente auch ausbezahlt, oder meinst Du tatsächliche eine Einheitsrente, sodass jeder die gleiche Rente bekommt? Das wäre dann Kommunismus pur und würde ALLE rasend schnell verarmen und die Landschaften verkommen lassen. Eine betongraue Welt. Schon als Denkmodell ist das unmöglich...rein schon von der Logik her. Glaub mir, der Marx war ein Spinner und genießt zu unrecht ein hohes Ansehen. Seine Schriften sind die eines Wahnsinnigen, eines Fieberkranken. Blödsinn hoch3. Aber auch aus der Praxis gibt es so viele...und nur Negativbeispiele...sodass solche Überlegungen es noch nicht mal wert sind, dass man auch eine Sekunde damit verschwendet. Wenn jeder das gleiche bekommt wie ich, dann werde ich meine Leistung auf der Stelle um 80% herunterfahren. Es würde von heute auf morgen keine Innovationen mehr geben...denn wer würde da noch Risiken eingehen...seine Zeit, seine Kraft udn sein Geld investieren?! Ne Eulenspiegel, mit solchen Gedanken bist Du voll auf dem Holzweg. Aber, und das könnte der Konsens sein...so wie der Kapitalismus jetzt funktioniert...so kann er nicht bleiben...da wäre ich dann voll auf deiner Seite. Das heißt aber nicht den Kapitalismus gänzlich abschaffen...sondern eine Teilentmachtung der Industrie...der Wirtschaft allgemein. Und vor allem viel mehr Kontrolle und ein härteres Durchgreifen. Aber auch das funktioniert nur dann...wenn die Gesellschaft aufwacht und mitmacht. Wir ärgern uns über Amazon...kaufen aber täglich dort ein. Das ist keine ideologische Frage...sondern eine moralische. Du willst sozusagen das Land, Europa, die Welt..von der Spitze her verändern. Ich behaupte, das muss von der Basis ausgehen...damit es auch von allen mitgetragen wird.

  10. #10
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    AW: Der Renten- und Pensionsskandal

    Ist es wirklich so schwer zu verstehen, oder ist es so naiv und weltfremd, dass es sich keiner vorstellen kann?

    Letzter Versuch. Es gibt nur 1 Rente für ALLE. Ausnahmslos. Und für alle die gleiche Rentenformel. Egal wer oder was man beruflich ist oder war.

    Denn: Meine Rente ist eine reine EXISTENZSICHERUNG und keine Sicherung des gewohnten Lebensstandards. Dafür hat man Jahrzehnte lang Zeit individuell vorzusorgen.

    Und es ist keine Einheitsrente, allerdings eine mit einer begrenzten Bandbreite von sagen wir 1:3 zwischen Mindestrente und Höchstrente. Wo einer liegt, entscheidet sich daran, wieviel er einbezahlt hat übers Erwerbsleben. Bei Frauen werden Kindererziehungszeiten zu 100% angerechnet, als hätten sie volle Beiträge in dieser Zeit eingezahlt.

    Damit ist es keine Volkspension, sondern eine Alterssicherung proportional zur Beitragsleistung.

    Das heutige System ist so ungerecht, wie nur geht. Wenn ich eine durchschnittliche Beamtenpension in Österreich mit der durchschnittlichen allgemeinen ASVG-Pension vergleiche, dann sind da Welten dazwischen.

    Originalzitat finanzonline.or.at (Finanzministerium)
    Die durchschnittliche Beamtenpension in Österreich liegt bei etwas mehr als 3.100 € im Monat. Im Vergleich dazu schneidet die durchschnittliche Pension der ASVG-Versicherten nicht gut ab: sie liegt nur bei etwa 1.100 €.
    Eine Krankenschwester kriegt also nur rund 1/3 der Pension eines Lehrers. Wo bleibt da die Leistungsgerechtigkeit???

    Also da finde ich mein System viel gerechter.

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