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Thema: Körperkult

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Körperkult

    der tag lag trüb in ihr, schwer und langweilig. es war schon gegen neunzehnuhr, die sonne senkte sich träge der dunkelheit entgegen, als sie nach hause kam. in der küche setzte sie kaffee auf. heißes wasser, porzellanfilter, melita. sie haßte kaffeemaschinen. im Bad ließ sie wasser ein, stellte ein glas und eine flasche bardolino auf dem kleinen ecktisch neben der wanne bereit. aschenbecher, cigarillos. handtücher und föhn. unterwäsche. badeöl mit cardamine und rosen. ladyshaver, pinzette, nagellack. alles lag bereit. sie ging zurück in die küche, nahm den kaffee, setzte sich ans fenster und dachte nach. was morgen sein wird? immer wieder kalkulierte sie die konsequenz ihrer tat. immer wieder ging die rechnung auf. einige varianten müßten korrigiert werden. die lust ist ein rohdiamant, sie bedarf dem richtigen schliff. sie selbst war ihr meister, der mann nur mittel zur bestätigung.
    langsam erhob sie sich vom stuhl, streifte gedankenverloren ihre kleider ab und säumte damit den weg zum bad. ein wenig musik. telemann. das wasser war heiß. langsam glitt sie hinein, wohlig empfing die hitze. und duft. sie liebte duft. einen moment verharrte die stille hinter ihren geschlossenen lidern. dann der griff nach einer cigarillo. das glas füllte sich mit rotem saft. gierig trank sie ein paar schlucke. inhalierte tief. ihr blick glitt an dem körper hinab. diesem körper, in dem sie schon lange wohnte. die haut glatt, von vielen sonnen gebräunt. brüste, die sich voll aus dem wasser erhoben. wie zwei inseln, dachte sie. zu steil und glatt für ertrinkende. ihren zeige-und mittelfinger legte sie in die drosselgrube, dort fühlte sie den puls eines herzens. bedächtig glitt sie zwischen der schlucht ihrer brüste hinab. ruhte kurz auf dem bauch. glitt weiter zum schoß und streichelte behutsam ihre schenkel. ich bin gut. dachte sie. begehrenswert.


    nach dem baden begann das ritual. abtrocknen. beine rasieren. einölen. wimpern zupfen. der spiegel gefiel ihr. er war ein freund der nicht log.
    die augen untermalte sie mit dunklem blau, die lippen mit einem dezenten rot. chanel no. 5. unterwäsche reizvoll und schwarz. kleidung schwarz.
    es war prickelnd, nicht zu wissen, wer's diesmal sei. am liebsten dunkelhaarig, blaue augen. schöner körper vorausgesetzt. ein schwimmer, kein ertrinkender. sie schlenderte los.


    der nächste morgen war kalt. dumpf wachte sie aus dem schlaf. der raum war fremd wie der körper neben ihr. erinnerung. in einer bar stand er am tresen. attraktiv, mit einer dame plaudernd. sie setzte sich. bestellte martini. rauchte. das spiel begann. blicke, die sich erst scheu haftend genieren. dann suche nach provokanz und tiefe. annäherung.
    die körper verstanden sich auf anhieb, sprachen diesselben worte. die lippen formten belangloses, nicht verstandenes. blauer dunst, der durch die klimaanlage abzog.
    ein taxi brachte die beiden in seine wohnung. aufgeräumt. stilvoll. zum glück. sie haßte unordnung. er machte musik, öffnete eine flasche pinot. immer derselbe ablauf. dann der kuß. erst zurückhaltend, dann fordernd. die hände begannen zu fiebern, tasteten, fühlten. die zungen in erwartung. der ganze körper ein mund. eindringen und aufnehmen. lustvoll füllte ein atemstoß nach dem andern den raum. sie ging auf in diesem schönen körper. jedem zentimeter einen orgasmus. nach der endgültigen erfüllung sackte er neben ihr zusammen. stammelte liebesworte. ein nächstesmal. schlief ein.


    der leib neben ihr bewegte sich, öffnete augen. ich muß gehn, bemerkte sie. die frage nach dem wiedersehn. die antwort im raum. ihre augen lagen kalt in seinen. eine umarmung. steife erregung an ihrem bauch. erneutes aufbäumen von körpern.
    sie zog sich an. fuhr nach hause. kaffee. bad einlassen. arbeiten. dann ein anderes buch aus körper. lesen erweitert den horziont. bestätigt die vermutung des geistes. er hungert in lust.
    es ist ihr egal.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Körperkult

    ein geradliniger text ohne vertiefung. eine notiz, mehr nicht. für eine kurzgeschichte fehlt es an einer eigentlichen geschichte, die über die trivialitäten hinausreicht, die hier genannt werden: eine gelangweilte junge frau sucht sich ihren sonntagsfick, der sie mehr oder weniger langweilt. es wird eher wert auf die vorbereitung gelegt, es fehlt an lesermotivation, an zuspitzung und an dem besonderen. das einzig nennenswerte ist die fähigkeit der autorin, in knappen sätzen zu formulieren, die auch kohärent sind. ich würde gern behaupten wollen, diesen menschen kennenlernen zu wollen, aber wahrscheinlich würde ich mich langweilen. bonjour tristesse.

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