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Thema: Steckbrief

  1. #1
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    Steckbrief

    Steckbrief

    (gesucht wird:)

    Er, verwüstetes Gesicht.
    Gedankenwelt leer.
    Dennoch: zieht Worte an wie ein schwarzes Loch, millionenfache Bilder.
    Geschichten von Verzweiflung.
    Jugendlicher Glanz überströmt seine Erscheinung schon beim leichtesten Anheben seiner Mundwinkel.
    Unbeugsam wie eine tausendjährige Eiche, sein Wille: ungebrochen, und deshalb frei.
    Seine Ohren sind weich und beweglich, recken sich nach allen Erzählungen der Welt.
    Keine Opportunität bewegt ihn, so bleibt er ungerichtet. Butterweich und unbeugsam.
    Contradictio per personae. Ein Ideal, dem jeder Mensch ein Ideal ist, darum ist er allen eines.
    Er spricht nicht viel. Will zuhören, also hören ihm alle zu.
    Die unendliche Zahl finsterer Schatten strömt in seine Münder - in einen einzigen gleißenden Lichtstrahl verwandelt er sie,
    Und indem er den Mund einmal öffnet, durchfließt sein Licht alle Erden.
    In Palästina träumen alte Frauen von erschossenen Söhnen, Töchtern, Enkeln.
    Das ist der schwarze Sabbath.
    In Syrien verlieren Kinder ihre Jugend - da ist kein Frühling mehr.
    Wo wandelt der Weltendichter, zwischen Traumwelten, Ideenwelten, irdischen Welten,
    Der alle Gesetze wahrhaft kennt
    Und durch seine Gesichte diese Liebe verkündet, welche die Herzen nicht bekümmert.
    Er ist ein oszillierendes Geschöpf.
    Nur durch sich selbst begreifbar; er allein kann sich materialisieren.
    Welcher Sinn außer der Dichtung kann ihn ahnden?
    Geändert von saul (18.04.20 um 21:12 Uhr)

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Steckbrief

    Zitat Zitat von saul Beitrag anzeigen
    Steckbrief

    (gesucht wird:)

    Er, verwüstetes Gesicht.
    Gedankenwelt leer.
    Dennoch: zieht Worte an wie ein schwarzes Loch, millionenfache Bilder.
    Geschichten von Verzweiflung.
    Jugendlicher Glanz überströmt seine Erscheinung schon beim leichtesten Anheben seiner Mundwinkel.
    Unbeugsam wie eine tausendjährige Eiche, sein Wille: ungebrochen, und deshalb frei.
    Seine Ohren sind weich und beweglich, recken sich nach allen Erzählungen der Welt.
    Keine Opportunität bewegt ihn, so bleibt er ungerichtet. Butterweich und unbeugsam.
    Contradictio per personae. Ein Ideal, dem jeder Mensch ein Ideal ist, darum ist er allen eines.
    Er spricht nicht viel. Will zuhören, also hören ihm alle zu.
    Die unendliche Zahl finsterer Schatten strömen in seine Münder - in einen einzigen gleißenden Lichtstrahl verwandelt er sie,
    Und indem er den Mund einmal öffnet, durchfließt sein Licht alle Erden.
    In Palästina träumen alte Frauen von erschossenen Söhnen, Töchtern, Enkeln.
    Das ist der schwarze Sabbath.
    In Syrien verlieren Kinder ihre Jugend - da ist kein Frühling mehr.
    Wo wandelt der Weltendichter, zwischen Traumwelten, Ideenwelten, irdischen Welten,
    Der alle Gesetze wahrhaft kennt
    Und durch seine Gesichte diese Liebe verkündet, welche die Herzen nicht bekümmert.
    Er ist ein oszillierendes Geschöpf.
    Nur durch sich selbst begreifbar; er allein kann sich materialisieren.
    Welcher Sinn außer der Dichtung kann ihn ahnden?
    Davon hätte ich gerne mehr gelesen. Vielleicht gesteigert, hin zu einem unbestimmten Höhepunkt?

    Gruß d.p.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Steckbrief

    Noch scheinen die Tage vielerorten hell auf der Erde,
    Doch ohne Gesichte kann nur die Finsternis hereinbrechen.
    Freudentänze sind Tand, einstudierte Schritte zur Unterhaltung
    Sind nur Wiederhall der Soldatenmärsche.
    Menschenschlachtung.
    Kein Frieden.
    Es bleibt nichts mehr zu deuten.
    Auch die Ideenwelten sind bloßer Trotz.
    Die Straßen bleiben leer von Dichtern.
    "Bitte halten Sie Abstand" bedeutet ein beschrifteter Klebestreifen im Konsum.
    Verzerrt.
    " "Bitte" halten Sie den Mund!" will er die Leute heißen.
    "Erregen Sie keine Aufmerksamkeit!".

    "Haltet die Münder offen" muß er sagen
    "Ohne zu sprechen"
    "Versammelt euch, vereinigt euch"
    "Ohne euch zu treffen"
    Am Nachthimmel schweben mehr als drei Dutzend Drohnen.
    Wir werden beobachtet.

    Der gewaltfreie Widerstand;
    Bis zur Absurdität als Akt der Unmenschlichkeit umgedeutet.
    Die Lüge ist jetzt die Wahrheit.
    Verstand und Aufklärung sind verblaßte Erinnerungen.
    Wir sind verloren.
    Wo wandelt der Weltendichter?

  4. #4
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    AW: Steckbrief

    "Unterwerft euch nicht" "Laßt euch nicht beugen, oder ihr werdet gebrochen" -
    Muß ein Donnerhall die Gemüter erschüttern.
    Zu Egoisten sind die Menschen verkommen, können nicht die Müdigkeit erkennen, die alle durchdringt und deshalb eint.
    Ein Geist wird alle beseeln und von den Irrwegen der Angst befreien.
    Ein Wille.
    Der Freie.
    Ein Götterfunke wird die Herzen entzünden und den Weltenbrand ankünden.
    Unsichtbarer Rauch.
    Noch ist alles still in den Gassen. Hier und da ein Murmeln.
    Wann legen die ersten ihre Uniform ab
    Und verbrennen die Herrschaft, ohne die Herren zu verbrennen?
    Ohne zu richten, außer sich selbst.
    Die Botschaft ist längst unterwegs. Ein Wiederhall aus Urzeiten.
    Die Empfänger sind nicht empfänglich.
    Das Radio hat die Ohren ersetzt.
    Kinder in Erinnerungen bleiben unerhört.
    Hart sind die Herzen; vom Stahl der Kanonenrohre
    Dröhnen erbarmungslose Härte, Kälte.
    Durchdringt die Leiber und stumpft die Schwerter des Mitgefühls zu nutzloser Dekoration ab.
    Stumpf, hart, kalt, unentzündlich.

  5. #5
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    AW: Steckbrief

    Dunkle Traumfelder, trübe Seen, in denen sich in Blut ertränkte Hoffnungen millionfacher Seelen quälen.
    Eisige Winde peitschen über die Oberflächen;
    Erdrücken jedes Aufstreben.
    Dort watet er, durch den eitrigen Morast verschwemmter Massengräber.
    Nähret sich.
    Trinkt das Gift aus den Venen der Überreste.
    Wird zu Eis, wird zu Feuer, wird zu Stein, wird zu Dreck.
    Wird zu Asche.
    Versinkt auf den Grund aller Unterwelten.
    Steigt bald empor mit Flügeln aus Feuer, scharfen Ohren aus Klingen, einer Zunge aus Eisen,
    Mündern aus schwarzen Löchern,
    Einem dröhnenden Gesange, der alle Kanonenrohre zerbersten läßt, keine Zweifel übrig läßt.
    Er ist da, zurückgekehrt aus den Höllen.
    Beatmet die Wassergeister, die ihm helfen, den Frühlingstau der Phantasie zu verbreiten,
    Mit schauerlichem Lachen, das wie ein Geschrei kampfeslustiger Urvölker die Ohren befreit.

  6. #6
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    AW: Steckbrief

    Nur ein Wunsch.
    Noch ist es nicht so weit. Tausend dunkele Zeitalter sind gewesen und tausend werden kommen.
    Aber er wird auch kommen.
    Falls nicht, wird jede Kinderhoffnung umsonst gewesen sein. Der Glaube nur Spielzeug und Schmuck.
    Wir können nichts lernen, solange wir seine Stimme nicht gehört haben.
    Werden wir wie er. Begeben uns in Abgründe.
    Müßen das Gift trinken aus den Venen der Überreste. Zu Eis werden, zu Feuer werden.
    Aus dem Tode schöpfen. Die Pest zur Festtagssuppe bereiten.
    Luxus aufgeben.
    Uns dem Tod hingeben, nicht ihm beugen. Nicht den Tod uns bezwingen laßen, sondern auf seiner Welle reiten.
    Tollwütig scheint es.
    Aber nur denen, die gemütlich dem Fernsehapparat und der Tagesschau ihre Aufmerksamkeit schenken,
    Und in Gedanken schon im nächsten Jahr das Kreuz für die CDU gemacht haben.
    Die Herrenmenschen der CDU haben mit ihm nichts gemein.
    Denn sie selbst haben die Angst vor dem Tod, die sie verbreiten.
    "Kaufen Sie sich Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Bleiben Sie zuhause! Und wagen Sie es keineswegs sich zu versammeln!" -
    Das sind ihre Botschaften.
    Da ist kein Platz für Hingabe, Selbstaufgabe, den Ritt auf der Welle des Todes.
    Sie sind keine Herren.
    Sie verklären ihre Opportunität zur Ergreifung von Chancen.
    Blendwerk.
    Machterhalt.
    Kühle, leere Blicke. Keine heißen Herzen.

    Wir müßen der Schrei der kampfbereiten Urvölker werden.
    Als Barbaren werden sie uns richten. Einsperren, foltern, auspeitschen, als Geisteskranke mit Sedativen vollpumpen, fixieren, als unrettbar in dunkele Kammern sperren.
    Aber es sind ihre Drohungen nichts gegen die Massengräber, in denen wir uns verstecken müßen, die Leichenfluten, in denen wir baden müßen,
    Der eitrige Morast aus Gedärmen dessen Ausfluss unsere Kriegsbemalung sein wird.
    Die wahre Hölle.
    Sie zu leugnen ist kein Selbstschutz. Im Gegenteil. Sie leugnen heißt, die Ahnen der Zukunft in sie hineinzustürzen aus Feigheit, uns selbst hineinzustürzen.
    Feige, satt, ängstlich.
    Symptome: Selbstverleugnung, Bauchschmerzen, Blindheit, Taubheit, Apathie.
    Wir harren in einem retardierenden Moment, das für einige wenige unerträglich ist, denen nichts geblieben ist als die Hoffnung;
    Auf ihn.
    Ihm nachspüren bringt uns auf seinen Weg.
    Den Weg der Unbarmherzigkeit gegen uns selbst.
    An ihren Narben werdet ihr sie erkennen. An Händen, Füßen, in den Gesichtern.
    Rauh sind ihre Worte, da sie ungeschönt bleiben müßen.
    Nicht aber pointiert; sie sind in Widersprüchlichkeiten verhangen.
    Sie sind hart, in eine Vielzahl von Legierungen getaucht, in Höllenöfen geschmiedet, unbeugsam, können nicht gebrochen werden.
    Wie aus Teufelsmündern gesprochen, von Teufelszungen gebildet, durch Teufelszähne geformt.
    Es gibt keine Rückkehrer von dort, wo sie wandeln.

  7. #7
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Steckbrief

    Berichtigte Frage (Suche). Habe gerade darüber nachgedacht...welcher zeitgenössischen Figur man zivilen Ungehorsam unterstellen...bzw attestieren könnte. Ob Kunst...Kultur oder Politik...mir fällt da niemand ein. Catweazle und Kühlwalda sind leider nur Romanfiguren und stehen nicht zur Verfügung - ebenso Zorro und Robin Hood...wobei..."die Armen rächen"...wäre in einer Zeit...in der sich das fast jeder auf die Fahne schreibt.. fast schon wieder opportun. Also Catweazle hätte nicht nur vom Balkon Beifall geklatscht...sondern mit dem Zauberspruch "Salmei, Dalmei, Adomei" Klopapier in Atemmasken verwandelt.

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