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Thema: die fehlerquelle

  1. #1
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    die fehlerquelle

    ein kleiner Vers aus meiner Frühzeit



    die fehlerquelle

    leise murmelt in der abendstunde
    auf des tiefen tales grunde
    eine quelle ihr gedicht
    in das fahle dämmerlicht


    da kniet nieder an der stelle
    durstig sehr ein zunftgeselle
    lässt den kopf vornüber sinken
    will vom kühlen brunnen trinken


    kaum sein mund das nass erreicht
    jäh zurück das wasser weicht
    kam wohl an die falsche quelle
    unser armer pechgeselle

  2. #2
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    AW: die fehlerquelle

    In der Frühzeit entstehen nicht selten die besten Werke - vielleicht...weil man da noch eine gewisse Naivität besitzt...mehr der Bauch...und weniger der Kopf die Hand führt.

    Strophe 1 liest sich sehr flüssig, hat einen guten Schwung

    ...verliert sich bei S2...das liegt am Auftakt:

    da kniet nieder an der stelle
    kniet danieder an der stelle

    ...so bleibst Du im Rhythmus

    S3 beginnt mit einer Inversion

    kaum sein mund das nass erreicht
    als sein mund das nass erreicht

    ...allerdings verlangt das auch eine Korrektur bei Z2


    jäh zurück das wasser weicht
    sieht man wie das wasser weicht


    im Ganzen

    leise murmelt in der abendstunde
    auf des tiefen tales grunde
    eine quelle ihr gedicht
    in das fahle dämmerlicht


    kniet danieder an der stelle
    durstig sehr ein zunftgeselle
    lässt den kopf vornüber sinken
    will vom kühlen brunnen trinken


    als sein mund das nass erreicht
    sieht man wie das wasser weicht
    kam wohl an die falsche quelle
    unser armer pechgeselle

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: die fehlerquelle

    Vielen Dank für deine Bearbeitung und Befasse mit dem kleinen Vers. Rhythmisch ist es eine Verbesserung, allein mich stört das 'sieht man ...' im letzten Teil. Das 'man' in so einem Gedicht geht für mich gar nicht. Und 'man sieht' haut mich aus der Stimmung des Ganzen. Ebenso habe ich eine Abneigung gegen Phrasen, die mit 'als' beginnen. Aber das ist vllt. eine Marotte von mir. Jedenfalls ist deine Version eine mögliche und legitime Variation.

    Ich hab mal eine kleine - sehr individuelle und subjektive - Stilkunde geschrieben. Vllt. stell ich sie mal hier ein, aber nicht bevor ich sie nochmal lektoriert habe. Darin hab ich meine Abneigung gegen 'Als ......' begründet. Bin in meiner Textarbeit meiner gesammelten Texte noch nicht so weit vorgedrungen.

  4. #4
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    AW: die fehlerquelle

    An einem "alten" Text würde ich sowieso nichts mehr verändern...um nicht einen Teil der eigenen Vergangenheit auszulöschen. Meine Vorschläge sind exemplarisch - und sollen sich möglichst nah am Original bewegen.


    Zitat eulenspiegel


    Ebenso habe ich eine Abneigung gegen Phrasen, die mit 'als' beginnen

    als sein mund das nass erreicht

    kann ich verstehen - aber exemplarisch heißt eben...dass es sich um ein Beispiel handelt welches verständlichen soll worum es (in der Sache) geht...ist also nicht als finale Lösung.


    möglich wäre zB auch


    und wie sein mund das nass erreicht


    oder auch


    sobald der Mund das nass erreicht


    gibt noch tausend Möglichkeiten mehr..die dann aber Umstellungen erfordern - dann wäre...ist es nicht mehr dein Gedicht.


    Was gefällt...das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks...oder auch eine Frage der Intention. Oder anders ausgedrückt: bei meinem Beispiel geht es nicht um den Inhalt (Subjektiv)...sondern um die Form/Metrik (objektiv)

  5. #5
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    AW: die fehlerquelle

    Alles klar. Ich lass es eh, wie es ist. Interessant ist allemal, wie andere es lesen und wie du dabei auf Dinge stößt, die du selber nicht gesehen hat. Der Tunnelblick ist halt doch kaum völlig zu vermeiden.

  6. #6
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: die fehlerquelle

    Den hab ich auch, den Tunnelblick - vermeintliche "Fehler" entdecke ich sofort...nur bei mir selbst nicht - und das in allen Bereichen so...nicht nur in Sachen Literatur.

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