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Thema: Mein letzter Traum

  1. #1
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    Keller-Traum

    1.
    gestern nacht hatte ich mal wieder keller-träume. kennt das irgendwer? solche träume sind gruselig, man muss in den keller (wahrscheinlich geprägt durch die keller der neubauten, in welchen ich 19 jahre gelebt habe, also in den häusern, nicht in den kellern) und in dem keller ist natürlich alles dunkel und man weiß, hinter irgendeiner ecke sitzt ein monster, ein bösewicht oder ein entstellter verschleppter, dessen anblick einem das herz stehen läßt.

    naja, ich bin ja irgendwann aufgewacht...

    2. gestern abend einen film gesehen, computer, zukunftsmusik, hacker, die versuchen, die bösen zu bekämpfen und es am ende auch schaffen. war ein netter film und brachte mich zu folgender theorie:

    bisher nutzt der mensch ja ca. 5-20% seines gehirns. durdch die technische entwicklung werden wir wahrscheinlich in 50 bis 100 Jahren zunehmend immer weniger unser hirn benutzen, weil man ja immer mehr mediale speichermöglichkeiten hat (1 gb in handys, kameras, palms, siehe jps usw.)
    was solls? wozu noch selbst denken, drei knöpfe gedrückt (ok, man muss immerhin wissen wies geht) und schon steht einem sämtliches wissen zur verfügung. man könnte meinen, irgendwann brauchen wir unser hirn nur noch für lebensfunktionen, alles andere erledigt die technik. (bis die chips in unseren köpfen sitzen...huarrr)

    auch gruselig, oder? aber bis dahin ist ja noch ein wenig zeit, also grips an...

  2. #2
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    AW: Keller-Poet

    jemand sagte mal zu mir, meine gedichte lesen sei wie in einen keller steigen. also hinab, denn hinauf, weil steigen impliziert ja eher... .

    war ich fürbaß überrascht, hielt ich mich doch bis dato für eine frohnatur. so kann man sich irren. inzwischen hab ichs mir im keller behaglich eingerichtet. oder wie herr bargeld im "haus der lüge" singtete: "das ist der keller. hier lebe ich. hier ist es dunkel, feucht und - angenehm."

    sei erwähnt, daß ich seit jahren in einer mansarde mit zugang zum dach, zu den himmeln hause...

    hm. wahrscheinlich werd ich eines tages gemobbt. hoffe ich halte noch bis zum ende meiner tage durch, weil es sei gestanden: ich hab keine ahnung, wie ein händi funktioniert. geschweige denn, daß ich einz hätt.
    na, IMMERHIN hab ich meine schreibmaschine gegen diese kiste hier ausgetauscht. das muß reichen.

  3. #3
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    Mein letzter Traum

    gestern morgen habe ich mal wieder traumdeutung an mir selbst praktiziert und es klappt ganz gut. kürzlich lernte ich bei einer Lesung, daß Freud ja nicht immer so recht hatte, mit seinen ganzen theorien oder zumindest, daß er selbst sich nicht immer ganz sicher sei, was wieso weshalb wie funktioniert...

    ich glaube, der traum ist ein mittel des unter/un/bewußtseins, optische, akustische und seelische eindrücke zu verarbeiten und um wünsche, ängste usw. auszudrücken.

    dabei geht man davon aus, daß die traumbilder sehr metaphorisch bzw. sehr symbolhaltig sind. (das geschieht wohl zum schutz unser selbst und unseres schlafes, denn der traum ist unser schlafwächter, hieß es auf der Lesung)

    nun ist mir heute morgen etwas aufgefallen, bei dem ich mir nicht sicher bin, was es bedeuten soll.

    sonst die standard-geschichten:

    1. ich, eine gruppe von menschen, manche bekannt, manche nicht, laufen durch ein großes haus (oft sowas wie ein einkaufzentrum) zunächst durch die ladenfläche, dann durch treppenhäuser, räume, gänge, usw. zum ende hin wirds auch immer eiliger irgendwie, hauptsache schnell...statt des hauses kann der ort auch wechseln, oft ein schiff oder hotel, mit endlosen räumen, gängen und v.a. mit FAHRSTÜHLEN!

    2. der typische kellertraum selten), irgendwas böses wartet da unten, man geht hin, allein oder maximal zu dritt, jagt den bösen oder wird dann selbst gejagt. das ist immer sehr spannend.

    3. die fallträume (sehr selten), naja, man fällt halt irgendwo runter und kommt ganz sacht unten auf...
    .
    .
    .

    manchmal sind meine träume ganz schön anstrengend, ich erzähle soviel und sehe die leute immer vor mir, dazu kommt das ständige hin und her gerenne, ich bin da ja immer in aktion...

    ok, ich hab lust auf traumdeutung bekommen:

    1. hin und her und schnell steht für mich für ungewisse zukunft, also ich weiß noch nicht, wo ich hin will oder wie ich dahin komme
    2. chaos und durcheinander: will ich das beseitigen? ist in mir ein gewisses chaos? bin ich zu ordentlich für meine umwelt, durch die gesellschaft, daß ich mich vielleicht nach chaos sehne? (keine ahnung)
    3. angst: angst vor neuen wegen? angst allein? angst im dunkeln? angst vor der zukunft?
    4. dann kindlich-sexuelle, das ja laut freud eigentlich alles im traum ist:
    "ich habe keine zeit!" wie auch, wenn ich die ganze zeit aus irgendwelchen gründen von a nach b laufen muß...
    5. wunsch: na vielleicht möchte ich ja einfach nur zu tun haben, nicht daß ich nichts zu tun habe, aber es ist nicht unbedingt etwas, das spaß macht...

    so, das waren jetz einige gedanken und deutungen. vielleicht mag ja jemand was dazu sagen, interpretieren oder von ähnlichen oder anderen träumen berichten.

    ich träum soviel, daß ich es zum glück nicht so ernst nehme, sonst würd ich mich manchmal fragen....

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    aktuelle schuld- und schmutzentferner

    Mmh. Ich träume viel, fast täglich. Meine Träume sind mehr als nur skuril und finden immer in einer Umgebung statt, die mir gut bekannt ist, wobei sich allerings bekannte Orte miteinander vermischen können oder aber diese derart abstrakt dargestellt werden, dass sie eigentlich nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Ein Beispiel:
    Ich bin in Magdeburg, auf einem berliner Hinterhof, dort wohnt Steffi Graf, übrings allein. Ich fahre durch die Stadt, die DDR existiert immernoch, obwohl ich mein reales Alter habe. Ich besuche meine Großmutter, die mit mir an den See fährt (Neustädter). Wenig später werde ich von Nazis durch Olvenstedt gejagt, was ich aber nicht als Bedrohung empfinde, ganz im Gegenteil zu der Szene die darauf folgt. Andre Agassie will mich verprügeln, weil ich Steffi Graf geküsst habe (was für ein Albtraum). Als nächstes verfolgen mich die Kontrolleure aus der Straßenbahn bis in Steffis Wohnung...

    Ich denke auch das Träume ein Verarbeitungsmechanismus darstellen und gar nicht so durcheinander sind, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Das Problem ist nur, dass das Unterbewusstsein nicht so chronologisch vorgeht, wie wir es absichtlich versuchen würden. Ein anderes Problem ist, dass Ereignisse, welche wir vergessen oder verdrängt haben eine entscheidene Rolle im Traum spielen und wir ihn daher kaum verstehen.

    Ich halte nichts von Träumen als Visionen oder Prognosen. Sie verkörpern immer ein gegenwärtiges Moment, welchem Ausdruck verliehen werden muss. Man kann zwar in dem Sinne von der Zukunft träumen, als das sich zum Beispiel Prüfungsangst in Träumen niederschlägt, dass setzt jedoch voraus, dass man von der Prüfung weiß...

  5. #5
    Kalu
    Laufkundschaft

    Mein letzter Traum

    Er kann Gedanken sehen. In Bunt! Das passiert ja öfter, als man gemeinhin so annimmt, nur werden die meisten Menschen darob ziemlich schnell ziemlich wahnsinnig: Sie können die fremden Emanationen und ihre eigenen nicht auseinander halten. Ihnen fehlt der Abschaltknopf, eine Notunterbrechung der äußeren Einflüsse, wenn diese zu viel werden.

    Beides trifft auf unseren Protagonisten nicht zu. Er ist sich seiner unverschämt sicher und kann jede fremde Einwirkung als solche identifizieren. Manchmal lässt er sich darauf ein, als mentales Training sozusagen, meistens blockt er komplett ab, weil es ihm zu nervig wird.

    Der Leser möge sich eine Art Arena vorstellen. Der frisch geharkte Sandboden bedeckt die Flecken, welche rostrot von der letzten Auseinandersetzung zeugen könnten. Die Zuschauerränge sind dicht gefüllt; der eine Block mit Anhängern von der Fraktion der gusseisenseeligen Lösungsmittelvertretern und der andere gegenüber mit Anhängern des 'WasAuchImmerVereins', vielleicht 'Souveränität, Skrupel nebst schulterzuckenden MirDochEgalPennern'.

    Der Unparteiische, wie üblich eine voreingenommene Sau, erteilt dem Ianista (Das ist so 'ne Art Trainer von Gladiatoren) der Opposition das Wort.

    „Also, wir, äh, … wir meinen, ja, man sollte, … nein, vielleicht doch nicht, oder doch? … immerhin könnte, … unter Umständen, möglicher Weise, … Gegenteil bewirken, … äh, genau, … ; sind uns ganz genau völlig unsicher ob nicht, … (!) Wir beraten uns noch.“

    Der Ianista der konservativen Fraktion lacht laut auf (Mit angemessener Empörung): „Wir müssen Handeln! Die notwendigen Maßnahmen ergreifen! Die Probleme als Chancen erkennen, sie zu lösen! Wer die Initiative verliert, der verliert!“

    „Äh, wir wissen noch nicht genau, wo die ursächlichen ... Probleme liegen. Wo man den, äh, .... archimedischen, äh, Hebel ansetzen kann. Bis dahin backen wir lieber kleine Brötchen und kultivieren unsere Zweifel.“

    „Lasst den Kampf entscheiden!“ Von wegen 'Unparteiisch'. Auch so ein Lösungsmittelvertreter. Und wenn eine Seite gewinnt? Was wäre damit bewiesen?

    Die Tore zu den Gewölben öffnen sich und die Gladiatoren treten in die Arena. Die eine Seite wollte wohl ganz sicher gehen und entschied sich für eine martialisch in Vorurteile und Tradition geschürzte Conan der Barbar Figur. Einen secutor hinter einem großem Schild aus Bigotterie und bewaffnet mit dem scharfen Schwert der überzeugten Gerechtigkeit. Eine wahrhaft beeindruckende Gestalt gehüllt in die Aura von Siegesgewissheit ohne den Hauch jeglichen Selbstzweifels.

    Frenetisches Klatschen und Hurra Rufe!

    Die andere Seite schickte einen Hänfling ohne Rüstung. Aber einen retiarius! Das höhnische Gelächter ignorierend ordnete er sein Netz aus Überlegungen. Sein Dreizack 'Wahrheit, Liebe und Respeckt' wirkt lächerlich klein.

    Auf ein Zeichen des 'Unparteiischen' setzt sich der secutor, der Verfolger in Bewegung. Er will eine schnelle Entscheidung, denn Rüstung und Waffen behindern ihn, je länger um so mehr.

    Der Fischer flüchtet unter den Buh-Rufen der einen Hälfte des Stadions. Der secutor stampft nicht ganz so leichtfüssig hinterher. So geht es eine ganze Weile. Immer knapp außerhalb der Reichweite vom Schwert wirft der Fischer sein Netz aus Überlegungen und tanzt um die schwerfällige Figur herum. Da. Jetzt hat sich das Netz im Schild verfangen. Ein Ruck und nun liegt es auf dem Boden.

    Immer mehr Stiche mit dem Dreizack der Zuversicht an der nicht mehr gegebenen Deckung vorbei zermürben die Siegesgewissheit des Gegners. Die Stimmung im Stadion kippt. Jede Menge Leute stehen auf und wechseln zur anderen Tribüne, von welcher aus sie nun den dürren Flitzer anfeuern.

    Der Gegner wirft sein Schwert weg und hebt einen Finger zum Zeichen der Aufgabe. Dann kniet er nieder in den Staub, den endgültigen Stoß zu empfangen …

    … und der Idiot von Hänfling lässt ihn doch tatsächlich leben? Unglaublich. Selbst im Traum. Mit der Begründung, er wäre nicht so wie der da.

    Im wirklichen Leben geht es natürlich völlig anders zu. Aber träumen darf man doch noch ab und an. Oder?

  6. #6
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    AW: Mein letzter Traum

    Geteilte Träume sind verdoppelte Räume.

    Mit Respeckt fängt man den Duckmäuserich.

    Welchen Vorteil hat der "Gedankenleser" und wie beeinflusst es den "Kampf scheinbarer Dichotomie"?

    Deine Einleitung bleibt ohne roten Faden als Niederschlag im Folgenden.

    Wenn der Hänfling die "gedanklichen Planungen von Aktion und Reaktion" immer sieht, ist er scheinbar unüberwindbar.


    Zitat Kalu: " Sein Dreizack 'Wahrheit, Liebe und Respeckt' wirkt lächerlich klein."


    Der Hänfling sieht die Wahrheit im Gegenüber und seine Selbstliebe macht es für ihn unmöglich, ihn nicht am Leben zu lassen. Das Selbst ist selbst im Traum ein Selbst. Ein Selbst wäre krank, würde es sich selbst schaden wollen.

    Schöne Idee, könntest Du etwas vertiefen.

    Wie wirkt es sich aus, Gedanken zu sehen? Wie verhält sich ein Gegenüber, dem dieses klar wird? Hätte dies den Fall des Lügengeistes zur Folge?

    Wie wirken sich aufgenommene Emotionen aus? Wie sehen sie aus? Warum riechen wir die Angst?

    Auf welchen Ebenen findet welche Form von Kampf statt? Wo wird welche Kampfhandlung beschlossen und WARUM?

  7. #7
    Kalu
    Laufkundschaft

    Die Monster sind unter uns

    „Wir kennen uns seit dem Sandkasten. Wir sind Freunde.“ Der Arzt lehnt sich in seinen Sessel zurück, faltet die Hände über den Bauch und macht den Eindruck, als ob er mich über den Brillenrand hinweg mustern würde, ein echtes Kunststück, da er keine Brille trägt. „Ich habe dich immer für einen Suchtbolzen gehalten, für einen Multitoxomanen. Dein Krankenblatt beweist anhand der von mir netterweise verschriebenen Medikamente, immer knapp am Berufsethos vorbei, dass du dir alles einpfeifst, was knallt. Wenn ich noch das Bier und Gras und deinen Schlafmohntee hinzurechne, komme ich zu dem Ergebnis, dass du noch nie seit dem 17'ten Lebensjahr wirklich nüchtern warst. Ich meine so längere Zeit am Stück. Gut, ich habe deine Entscheidung für diese Art Leben respektiert, ja, sogar unterstützt, damit du halbwegs sauberen Dreck bekommst, obwohl ich es für eine Verschwendung von Talent halte, mit dem du nie gelernt hast vernünftig um zu gehen.“

    Der Arzt ist in eine Art schimmernden Ganzkörperheiligenschein gehüllt. Aber ich wusste ja schon vorher, dass ich es mit einem guten Menschen zu tun habe. Nun beugt er sich vor, nimmt energisch die virtuelle Brille von der Nase und blickt mir gezielt bohrend in die Augen.

    „Nun frage ich mich aber...“ Eine Hand mit deutendem Zeigefinger und hoch gestrecktem Daumen simuliert eine Faustfeuerwaffe. „...: Warum lügt mich mein alter Kumpel an? Warum behauptet er, seit einigen Tagen keinerlei zentrales Nervensystem stimulierenden Substanzen zu sich genommen zu haben, noch nicht einmal Nikotin oder Koffein? Warum schwitzt er dann denn nicht und warum ist er kein bisschen nervös? Alleine vom Alkoholentzug – streck mal die rechte Hand aus … aha! – müsstest du zittern wie ein gerupftes Huhn im Winter. Du müsstest nach Beruhigungsmitteln gibbern, Panikattacken aushalten, vielleicht sogar Mäuse hinter den Tapeten sehen … Kein Mensch mit deiner Missbrauchsquantität hört einfach mal so auf.“

    Gelassen erwidere ich seinem Blick. Um den Mann herum wabern silberne Schlieren. Wie auch soll ich ihm klar machen, dass nicht nur die fehlenden Entzugserscheinungen erstaunlich sind?

    „Hans, ich lüge nicht! Aus irgend 'nem Grund geht es mir Prima. Mehr als Prima. Seit einer Woche habe ich nix gegiftet. Keinerlei Beschwerden. Nur meine Wahrnehmung hat sich extrem gesteigert. Ich kann deine Aura sehen. Silbern mit scharfer Kante. Eine Art wohlwollende Erwartung deutet in meine Richtung. Sie summt leise beruhigend. Sie umtanzt mich und sucht nach Eingängen.“

    „Na bitte! Halluzinationen! Delirium Tremens! Synästhesie der Sinne. Summende, wohlwollende Aura, ich bitte dich. Bist du wirklich clean?“

    Grauer Nebel kriecht näher, wird vom blauem Leuchten abgewehrt. An den Kanten wirft es Blasen.

    „Hans, nenne mir bitte einen einzigen Grund, warum ich dir Märchen erzählen sollte.“

    „Ich habe also eine silberne Ausstrahlung? Und du selber?“

    „Meine ist nicht so strahlend wie deine.“

    „Das müssen wirklich seltsame Nebenwirkungen vom Entzug sein. Kein Gliederreißen aber Kurzschluss im Hirn! Hm. Soll ich dir Psychopharmaka oder Flammenwerfer aufschreiben, was ist dir lieber?“

    „Weder noch. Hans, ich kann erkennen, ob jemand Böses im Schild führt und weiß nichts damit anzufangen. Ich bin eine Art Lügendedektor, der die Wahrheit lieber scheut. Ich kann die Gedanken der anderen fast in Farbe sehen, zumindest aber die damit einhergehenden Emotionen. Das nervt. So genau wollte ich nie wissen, was mit ihnen los ist. Fast alle haben nur eine verschmierte Aura, deswegen stechen die mit ausgeprägtem Selbst auch besonders deutlich hervor. Schwarze Löcher und Sonnen. Ich müsste mit diesem Talent eigentlich losziehen, die Menschen vor sich selber zu retten – immerhin könnte ich all die Bösen identifizieren.“

    „Ich kann auch Lügner erkennen, ganz ohne irgendwelchen mystischen Schnickschnack. Das nennt sich normaler Weise Lebenserfahrung und Menschenkenntnis. Und du bist von dem Wahrheitsgehalt deiner Aussage überzeugt, das sehe ich deutlich. Und die Lungenfunktionsprüfung behauptet, du wärst 36 Jahre alt. Letztes Jahr war sie noch der Meinung du müsstest so um die 70 sein. Irgend etwas Besonderes passiert hier tatsächlich. Selbstheilungskräfte? Aber so ausgeprägt? Jungborn? Bist du etwa in einen Genmanipulator gefallen, ein Klon?

    Nun gut, nehmen wir mal an, natürlich rein theoretisch, du hättest eine höhere Wahrnehmungs- also Entwicklungsstufe erreicht, warum dann ausgerechnet du, der du nie nach etwas Höherem gestrebt hast? Womöglich eine Mutation? Ein Übermensch? Der neue Messias? Oder gibt es noch mehr von deiner Sorte? Hast du schon mal nach deinesgleichen gefahndet?“

    „Ja. Bislang ohne Erfolg. Aber viele trübe Wolken fand ich. Auch einige Kerzen. Aber niemanden mit meiner … wie nanntest du es … Synästhesiehalluzination. Vielleicht verstecken sie sich. Ich schalte auch häufig die Außenbeleuchtung ab, damit ich nicht von Leuten und deren Sorgen gestört werde, die instinktiv von einem unbekümmerten Wesen, einer helleren Aura angezogen werden, selbst wenn sie diese nicht als solche wahrnehmen.“

    „Was denke ich gerade?“

    „Du überlegst immer noch streng analytisch und blätterst geistig durch den Pschyrembel um eine rationale Erklärung zu finden. Gleichzeitig würdest du gerne zum Ende kommen und die Sprechstundenhilfe zu Doktorspielchen überreden. Diese Dissonanz äußert sich in roten Flecken auf silbernem Grund. Doch das hier interessiert dich gerade mehr – vermutlich schützt dich dein Alter vor Dummheiten, die diesbezüglich über Wunschvorstellungen hinaus gehen. Gerade fragst du dich, ob du mit deinem ehemaligen Professor Kontakt aufnehmen solltest, aber nun fällt dir ein, dass Prof. Dr. Schmiers letztes Jahr gestorben ist. Jetzt wischt ein gelber Lappen über deine Farben und Gedanken und … oh … jetzt fragst du dich, ob ich heute endlich dahinter komme. Ein Aufnahmeritual? Nur wer von selbst heraus ..., dass … er … Bitte? … Ah, ich habs. Du! Gehörst! Dazu!“

    „Ja. Du hast es erkannt. Und meine Sprechstundenhilfe ist älter als ich. Ich kann meinen Sender kontrollieren. Du musst das auch sehr schnell lernen, wenn du überleben willst.

    Es gibt uns. Wir sind die Guten. Wir verstecken uns tatsächlich. Das ist nicht besonders mutig oder tröstlich, aber sinnig. Wir verfolgen diese Zunahme an Hyperempathen aufmerksam. Was glaubst du wohl, was los wäre, wenn wir uns öffentlich bekennen würden? Wir wollen in keine Labors zwecks genauerer Untersuchung gesteckt werden. Wir können erst zuschlagen, wenn wir stark genug sind.“

    „Zuschlagen?“

    „Wir sind die Guten. Wir müssen die Welt retten. Wir müssen die Macht übernehmen. Hey, wohin rennst du?“

    Und eine dunkle Wolke zog auf und bedeckte das Licht.
    Geändert von Kalu (14.12.15 um 13:44 Uhr)

  8. #8
    Kalu
    Laufkundschaft

    AW: Mein letzter Traum

    Mein letzter Traum ist noch weniger Worte wert, als die vorherigen: Lauter kleine flauschige Küken, die sich nicht einfangen ließen. Immer wenn ich nach einem der Tierchen greifen wollte, flutschte es mir unter den Händen weg und KNURRTE!

    Was könnte dieses für eine Bedeutung haben? Ich kenne die Theorie. Nachts verarbeitet das Hirn die Eindrücke des Tages, Ich würde diese Erklärung auch problemlos akzeptieren, wenn ich Tags über auf einer Hühnerfarm arbeiten würde.

    Später fing ich aber ein weißes Pferd mit Flügeln ein.

    Also mache ich mich in Traumdeuterforen schlau:

    Küken sind nicht nur niedlich anzusehen, sondern versprechen dem Träumer auch viel Freude und finanziellen Zuwachs. Füttert der Träumende ein oder mehrere Küken, darf er sich auf ein harmonisches Familienleben freuen. Tötet er jedoch die Küken, wird er einen Menschen zu Unrecht verdächtigen, beschuldigen und ihn in unverdiente Schwierigkeiten bringen.

    Hum!

    In der Traumdeutung ist Pegasus das Traumsymbol, das die Freiheit schlechthin verkörpert. Der Träumende ist selbstbewusst und selbstbestimmt. Er hat gelernt, sich über innere Beschränkungen hinwegzusetzen und ein Bewusstsein ohne Grenzen zu entwickeln. Das hilft ihm dabei, neuen Herausforderungen mit kreativen Lösungen zu begegnen. In der volkstümlichen Traumdeutung kann das Traumsymbol auch eine Warnung vor einem Höhenflug sein. Möglicherweise strebt der Träumende Unmögliches an.

    Hum-Hum!

  9. #9
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    AW: Mein letzter Traum

    Nur wer Unmögliches anstrebt, wird deinen Traum verstehen.

  10. #10
    kls
    Laufkundschaft

    Viel-viel-wirr-wiee

    Ich bin Robert nicht gram - der Weg zur Hölle ist bekanntlich mit Vertretern irgendwelchen Überzeugungen gepflastert. Wie sollen diejenigen, welche nur den Kant'schen Imperativ ernst nehmen, gegen diese Fülle von absonderbaren Vorstellunmgen ... Wie?

    Der Krieg ist verloren!

    Nehmt dies - nehmt das! Heute: Wie mir ein interessantes Thema aus dem Ruder lief, oder: Wie ich aus lauter Trotz dem Leistungsanspruch Ungenüge tat.

    Das überzeugend 'Schöne', - und deswegen philosophisch gesehen dadurch natürlich auch das 'Persuasiv-Ewig-Imortales', Wahre, (falls man denn den alten Philosophen glauben mag), also kurz in die Länge gezogen: Wenn jemand die Gründe nicht nachvollziehen kann, welche jedem vernünftigen Menschen völlig eindeutig erscheinen, ist er mindestens ein schlechter Gefolgsmann, wenn nicht Schlimmeres. Vielleicht sogar ein Ausländer? Auf jeden Fall aber ein Abtrünniger, eine Gefahr für das Gemeinwesen, ein Unruhestifter, der die einstige Größe einer fulminanten Vergangenheit leugnet und verdreht. Außerdem hält er die Rituale nicht für echter, - so wie es die meisten Leute handhaben - als das, wofür diese (Ich meine die Rituale) ansatzweise bemüht sind zu stehen – die meisten Leute kommen ja über das Stadium nicht hinaus, weil: 'Das macht man so.'

    Ich mache das aber nicht so! Ich lehne als moderat moderner traditioneller Traditionalist die Märtyrer Mentalität ab und bin fest entschlossen, beim Meerschweinchen Klippensprung den Letzten zu machen, ja, u.U. sogar bereit, Zahnseide zu nutzen.

    Ich sollte aber auch die Traditionen angemessen ehren, ob dieser, ihnen innewohnenden, gusseiserne axiomatische Legitimierung, - man kann diese Art von Beweisführung natürlich auch als absichtlichen Zirkelschluss beschimpfen: „Weil wir das immer so machen, machen wir das immer so. So!“ Nennt sich 'Hysteron-Proteron' (Lustiges Wort, gelle? Nun muss ich nur noch den Bedeutungsinhalt herausfinden … der lachende Dritte'? Ein Frauenleiden? ) und dagegen gibt es im Prinzip auch nichts einzuwenden, solange sich das 'Hysterproton' dem Neutron und Elektron gegenüber nur halbwegs anständig benimmt und auch immer den Müll trennt. Aber manchmal, meine Großtante nannte es: 'Vom Höckschen auf's Stöckschen kommen', wenn die Themen durcheinander geraten, so wie hier gerade, also manchmal rasten Ratio und Logik, aus (Nennt sich Mentalität?) und basteln sich aus Elementen des Wahnsinns schlüssig anmutende Dichotomien zurecht und halten die Lautstärke und (bei Büchern) Auflagenzahlen für einen Gradmesser der Wahrheit. Im Übrigen: Was für ein stümperhafter Versuch, eine These zu beweisen, indem die These selber als Voraussetzung verwendet wird, wie z.B.: 'Die Bibel ist Gottes Wort, denn es steht geschrieben „alle Schrift ist von Gott eingegeben'. Schlichtere Gemüter zu denen ich mich auch zähle, jedenfalls öffentlich, geben sich damit zufrieden – ich vermeide in diesem Zusammenhang mal jegliche Erwähnung des trivialen Beispiels mit den Millionen Fliegen, die sich nicht irren können. Nachher verklagen die mich auch noch – verklagen ist nämlich zu Zeit sehr modern ...

    Man putze sich die Zähne (vor dem Frühstück – wirklich, außergewöhnlich clever) und zwar 10 Minuten lang in sanften, Zahnfleisch massierend- kreisenden Bewegungen, wegen dem, inzwischen in Vergessenheit geratenen 'Plaque', – ich kenne keinen, der das so handhabt, aber einige Zahnärzte, die genau solche Morgenritual empfehlen. Möglichst mit Karcher-Hochdruckreiniger, was sie allerdings selber niemals so handhaben würden. Oder: Man gebe dem Anderen herzhaft die Hand und blicke offen in die und auch aus den Augen, sonst steht man als Schlappschwanz da. In anderen Kulturen allerdings wird ein direkter Blick als Belästigung empfunden und nicht als Ausdruck von ehrlichem Interesse.

    Und dann gibt es auch noch ein Problem der kulturellen Programmierung: Excremente Beispiele findet man häufig in Form von Schuhabdücken auf Toilettensitzen: Wascher und Wischer finden sich gegenseitig ganz schön unhygienisch und wehe, man reicht dem 'NachDemKackaPfuiDenHinternMitWasserSäubern' die falsche Hand. Das gibt Mecker!

    Du sollst deine Frau nicht mit einem Hut verwechseln ist ein guter Vorschlag, - besonders der Hut ist erleichtert.

    Da fällt mir ein uralter Witz ein: Jedes Jahr wird im finstersten Afrika an einem bestimmten Tag, den ein uralter und weiser Schamane festlegt, das Wasser aus einem größeren Stausee abgelassen und die Fische mit Körben aus den Wasserfall gesiebt. Ein Fischregen, der viele Touristen anlockt und dem Dorf Wohlstand, Neid und Geschlechtskrankheiten bescherte. Nun wollte aber ein Reporter unbedingt wissen, woher der Häuptling den korrekten Termin wisse. Ach, Ihr kennt den Witz also auch schon. Na gut, hier die schwache Pointe für die, welche den Witz weder kannten, noch jetzt, wo sie ihn kennen, zu schätzen wissen, ihn am liebsten nicht kennen würden: „Immer wenn Busse voll mit Touristen kommen, weiß ich, dass es Zeit ist.“
    Ich meine, wie blöde, nein, Entschuldigung, wie traditionsbewusst oder verzweifelt muss ein Mensch wohl sein, um diese, oder andere Schnapsideen, mit aller Gewalt zu vertreten, auf Nagelbrettern zu schlafen, sich in Klöstern oder Tai-Chi-Lehrgängen zu versammeln, 50 Jahre lang nicht zu waschen, Angehörige von 'feindlichen' Religionen zu metzeln? Es gibt da nämlich einen, nicht nur lauttechnischen Grund, wenn: 'Idiologie' sich fast wie 'Idiotologie' anhört, ein Wortspielchen, das es aber wirklich in sich hat und deswegen auch andauernd von mir benutzt wird.

    Und nun, elegant wie eine Auster beim Stabhochspringen, schlage ich wieder einen Purzelbaum in Richtung Überschrift:

    Sind Traditionen in Wirklichkeit nicht nur Vorurteile, die wir kaum bis nie einer Plausibilitätsprüfung unterziehen, weil das Ergebnis ja schon vorgegeben ist? Mehr nicht?

    Kein Astronom war freiwillig bereit, für die Wahrheit zu kämpfen – Die Ausnahmen sind statistische Fehler, die wir getrost ignorieren dürfen.

    Idiotische Rituale, sich als dazugehörig zu identifizieren und von den blöden Ausländern abzugrenzen, die noch nicht einmal integral rückwärts lösen können.

    Und schon haben wir einen Benimm-Kodex, an welchen sich alle anständigen Menschen zu halten haben, und kurz darauf die passenden Gesetze. Folter? Nein natürlich nicht. Das macht man nicht mit Menschen. Also erklären wir die anderen zu Nichtmenschen, auf die humanistische Ideale nicht zuträfen, also: Keine Hemmungen!

    Ich schaffe es einfach nicht, bei einem Thema zu bleiben. Ich wollte doch nur ganz kurz vulgärpsychologisch ein wenig strunzen. Also nochmal und knapp: Sobald sich mehr als ein Mensch zusammentut, entwickelt er kleine Erkennungsmerkmale. Melodien, Begräbniszeremonien Tätowierungen, Sprache und Kultur seiner Leute. Dadurch werden die 'Anderen' geschaffen.

    Wusstet Ihr schon, dass zeitweise das 'Zuprosten' in Wirtshäusern verboten war? Warum? Vielleicht weil das Ausrauben von extra betrunken gemachten Reisenden überhand zu nehmen drohte? Ein traditionelles Ritual und solche zu hinterfragen ist Gottes-, Staats, Religions- und WeißDerGeierLästerung. Na gut, ich glaube Bismarck hat das Zuprosten wieder erlaubt, aber: Die deutsche Frau rauchte dafür jahrelang nicht auf der Straße.

    Rituale wollen gemäß Darwin höher hinaus und zur Idiologie. Auserwähltes Volk zu sein, was natürlich für viel Unmut bei den Unausgewählten sorgt. Glaubt ein Pastor eigentlich wirklich selber, was er da so erzählt? Wenn er Traditionen künstlich beatmet? Seit wann braucht Gott einen Mittler? Nach Moses hatten wir Jesus und der war angeblich nicht mehr zu toppen. Menschenkind, Gottessohn, Erlöser ...

    Ich hingegen glaube nicht – ich weiß es: Die Bergpredigt ist und bleibt wahr (und ein wenig naiv, - deswegen sollte sie auch jedem Deppen verständlich sein! Ganz unabhängig von dem vielen Mist, der durch die 'Heiligen Bücher' verbreitet wird (was dem Wahrheitsgehalt der Bergpredigt keinen Abbruch tut)! Doch nur gründlich Hirnamputierte nehmen die ganze Bibel tatsächlich hin als von irgendeinem gelangweilten Gott diktiertes Wortwerk. Da Gott aber vollkommen sein soll, kann er es nicht gewesen sein. Eine kaputte Uhr beweist nur einen kaputten Uhrmacher und das ist Häresie, Ketzerei wenn nicht sogar 'Heterodoxie'. Dieses Wort habe ich noch nie vorher gelesen oder gehört. Häresie hoch drei?

    Ja, sagt mal, geht’s euch noch gut? Zum Beispiel die Schöpfung innerhalb von sieben Tagen, wie bekannt. Erzbischof James Usher (1580-1656) wollte es genauer wissn und: Triumph der Wahrheit? Fast! Nach langen Recherchen wurde als exaktes Datum der Genesis Sonntag dem 21 Oktober 4004 vor Christus um 9.00 Uhr ermittelt und dem Volke verkündet, welches kaum in Entzückung verfiel. Außerdem irrte sich der Mann – um fast eine ganze viertel Stunde.

    Der Tag musste natürlich als solch- und erster gleich am Anfang erfunden werden, um ihn überhaupt zu erkennen. Soweit, so richtig. Der Rest allerdings wurde verordnet, dreifach gefaltet, eine Quotenfrau ernannte, woran Konstantin und seine konstantinische Wende nicht ganz unbeteiligt waren. Christentum war plötzlich in und die passenden Traditionen wurden auf Nicäa ausgewählt, (vier von angebl. über 200 Evangelien) Ostereier wurden versteckt, den Grund weiß keiner mehr, aber deswegen gibt man ja keine Traditionen auf, nur weil sie alt wurden und sich keiner mehr richtig an die Ursprünge erinnern kann. Tannenbäume sollen vermutlich Grün symbolisieren und Schnee das Weiße, - sehr symbolisch. Das ist wenigstens gewachsene superechte Tradition, wenn kleine hässliche Eis- und Schneedemiurgen zu fröhlichen, ständig Ho-ho-ho von sich gebenden, rotbekittelten Geschenkeverteiler mutieren.

    Ach, ja. Die Tradition, die in einigen Kulturen Vergewaltigung mit Steinigung (der Frauen) ahnden, sind ja hübsche Erinnerungen, Traurig, wer keine Reisebilder aus den Ländern mitbringt, wo man die Sache mit der Tradition noch ernst nimmt und in Ehren hält. Wie schade doch dieser Verlust von Volksweisheit.

    Selfies aus Zentralafrika von der Wiederherstellung irgendeiner Ehre. Dass in einigen Muselländern ... Vergesst vergewaltigte Frauen. Die Todesstrafe ist doch bloß Folklore, Tradition und die Gemeinschaft hat nun mal was gegen unanständige Frauen, die aus anständigen Männern Sittenstrolche machen, weil sie unter dem Tschador frecherweise einen Körper besitzen.

    Allerdings habe ich selber ein Amulett gegen den bösen Blick über meiner Wohnungstür hängen. Ich besitze es seit meiner Kommunikation und wurde mir von unserer Köchin heimlich zugesteckt. Tradition halt, und wenn das Kind dennoch Masern bekommt, braucht es eben größere Opfer als buntes Glas. Wasser aus Lourdes für schlappe 14,90 € pro 0,5 Liter und 4,50 € Lieferkosten für auf Fließbändern geweihtes heiliges Wasser – ich würde mich wundern, wenn es auch nur im Geringsten Fromm ist.

    Das ist gar nicht so lustig, wenn ein 'Schriftgelehrter' seine verbiesterten Interpretationen zu Gottesgesetzen erklärt. Das kann nur in die Hose gehen. Das ist, als ob man jemandem befiehlt sich bloß nichts befehlen zu lassen … Außerdem muss man glauben um eins zu werden mit Kosmos, Weltenseele, Gott etc., aber ich frage mich natürlich sofort: Stimmt das auch? War jemand da und hat mal nachgesehen? Doch meine Zweifel bestätigen ja indirekt die Richtigkeit von Dogmen.

    Kultur, Zivilisation bedeutet völlig unverklärt, so weit wie möglich weg von den grausamen Gesetzen der Natur entfernen. Merkt Euch das mal!!!

    Aber Traditionen!

    Und dann denkt keiner mehr darüber nach, ob die Schädeldeformation durch Einschnürungen im Babyalter wirklich bewahrenswertes altes kulturelles Erbe ist, oder nur ein willkürlich herausgerissenes Extrembeispiel von Beliebigkeit der Rituale: „Um 12.00 Uhr wird gegessen, was auf den Tisch kommt und zwar 'Löffel zum Mund, nicht Mund zum Löffel.“

    Lacht nicht! So fängt der Gehorsam, in Tateinheit mit schlechtem Gewissen, nämlich an, (Iss, denk an die vielen Hungernden auf der Welt. Kein Wunder, wenn es einem den Appetit verdirbt. Spinat ist so gesund, dass er später in solchen Folgesätze zu Dumpfbacken Aussagen gipfelt: „Nur wer gehorchen gelernt hat, kann später auch befehlen.“

    Das sind natürlich nur harmlose Handlungsdirektiven und beweist nur unsere Manipulierbarkeit. außer bei Kindern, die keinen Spinat mögen (ob mit oder ohne Blub), weil das ja auch wie Diarrhöeergebnis aussieht. Erst wird Ekel anerzogen (normale Kinder haben anfangs keine Berührungsängste bei Fäkalien) und direkt im Anschluss an diese Prägung bekommt man etwas ziemlich abscheulich Aussehendes serviert.

    Das ist Tradition, das haben wir immer schon so gemacht! Und wer nicht mitmacht verspottet die Ahnen.“

    Und dann gucken sie ganz komisch, weil Zweifel schon Alltagshäresie bedeuten: „Ja, der Maibaum ist wirklich hübsch, nur, sinnlos geworden. Und die wahre Bedeutung wurde auch ein wenig abgeschwächt.

    Dieser Wahn, jeder Idiotie den Nimbus einer von Gott gegebenen natürlichen Ordnung überzustülpen, mit Aberglauben diejenigen zu Lemminge zu degradieren und ihnen ein 'Springt' hinterherzulachen.

    Berechtigung, Berufung, Pflicht gar zu , als Bewahrer von kostbarem Brauchtum wie Steinigung, Blutrache, Pfählung von Homosexuellen und gelegendliche volksbelustigende Hexenverbrennungen (Europaweit ca. 50.000) führen jedem denkenden Menschen, es sei denn, er ist ein kompletter Idiot, die Notwendigkeit von energischem Durchsetzen historisch gewachsener Bigotterie … äh, Flüchtigkeitsfehler … natürlich meine ich den lobenswerten Versuch,

    oder der Apostasie und der Häresie als „Superverbrechen“ verfolgt , – es gab ja lange, lange Zeit kein Fernsehen - und so Sachen voll altertümlicher Romantik - das hat alles seine Richtigkeit, wenn es im Einklang mit den Traditionen steht und auch das Maß gewahrt wird (Folterfreie Wochenende, Strafbörsen: „Tausche Zunge rausreißen gegen Nase und Ohren abschneiden“).

    Gott sieht es bestimmt mit Wohlgefallen, wenn militante Abtreibungsgegner in seinem Namen zum Ärztemord aufrufen und ihn auch in die Tat umsetzen. (Ca. zwei Stck/anno). Ich meine, der Alte da oben hatte doch damit angefangen, kleine Kinder umzubringen, nur um seinem Anliegen einen gewissen Nachdruck zu verleihen, also was soll diese Bigotterie. In China ist man da nicht ganz so pingelig. Femizid ist kulturell wertvoll, genau so wie das Kastensystem in Indien. Hat es immer schon gegeben, also ist es sakrosankt, gelle?

    Beschneidungen. Hatten vielleicht sogar mal einen Sinn, wegen der mangelhaften Hygiene damals, aber so ein frühkindliches Trauma an seinem Dingdong – klar, dass die Betroffenen ein defektes Verhältnis zum Sex entwickeln müssen. Außerdem war Jesus auch beschnitten – immerhin war er Jude.

    Wo ist da der Unterschied zur Fatwa gegen Salman Rushdie?

    Ja, sinnige Überlegungen wurden gleich zu Dogmen.

    Religionen postulieren die Voraussetzung einer Grundannahme, auf welche sich dann alle weiteren Schlussfolgerungen berufen: 'Die sind nicht so wie wir.' Dadurch werden sie zu Theoreme und sollten etwas ernster genommen werden. Unsere Ahnen, die sich für irgendwelche Schnapsideen massakrieren ließen … Erst wenn Blut fließt, wird aus einem Ereignis eine Geschichte und – mit ein wenig Glück – zur Geschichte, jedenfalls ernst zu nehmendem offiziellen Gedankengut.

    Die unleugbare Tatsache, dass Axiome keine Theoreme sind (Die wiederum sind die Ableitungen von Axiomen), sollte uns nicht weiter erschüttern. Theoreme kann man fast immer unter Zuhilfenahme von einigen Axiomen beweisen. Klassisches Beispiel: Eins und Eins ergibt zwei. Ist doch einfach nur eine freche Behauptung, die zu widerlegen selbst Newton nicht in der Lage war, aber worauf die komplette Mathematik mühsam Gleichgewicht wahrt.

    Es gibt da so einige Rituale, nicht belegbare Axiome, die mich in den Wahnsinn treiben könnten, wenn ich diesem nicht schon längst verfallen wäre. Rituale, die nicht hinterfragt werden können, weil nicht dürfen und umgekehrt. Tellerlippen, rituelles Schneidezähne herausbrechen, solche Verstümmelung sind kulturell abgesegnet. Zahnentfernungen sind nicht nur kultureller Bestandteil bei vielen australischen Stämmen der Aborigines, - das sind auch andernorts schützenswerte TRaditionen, wo noch die Einheit von Natur und unserer Rolle darin entfalten wollen,um Eins zu werden mit durch eine klitzekleine Blutvergiftung Schwangerschaftsproblematuk (Huch, was ist denn das für ein Deutsch?)

    Die in Namibia lebenden Himba und die Surma aus Äthiopien pflegten diesen seltsamen Brauch dto. Geht es noch kranker? Klar! Menschenopfer damit Kwatschikwatschel den Mais gedeihen lassen möge, verkrüppelte Füße, Schwarz gefärbte Zähne, Giraffenhälse, es gibt keine Obergrenze ...

    Wir Westler beklagen den Verlust alter Kulturen, Stammesbräuche, Sprache, Naturwissen (Wobei ich immer noch nicht glauben kann, dass Natursäfte gegen Krebs hilft)

    Wieso also sind 'Traditionen zu wahren? Warum umgibt sie ein Nimbus von Echtheit, von Wertvollem? Wieso glaubt fast Jeder: „Ah, Tradition, logisch, völlig klar, das erklärt alles.“ Falls man darüber lachen muss, sollte man es heimlich tun, denn Traditionalisten bestehen meistens aus sehr humorlosen überzeugten Anhängern und das hat was mit Lebensphilosophie zu tun: Wer über Traditionen lacht greift indirekt auch die Identität des Traditionalisten an – und wer lässt schon gerne seine Überzeugungen von Abtrünnigen hinterfragen.

    Traditionen haben uns Menschen an der Entwicklung gehindert. Warum soll ich meinen eigenen Kopf benutzen, wenn doch alle anderen Bescheid wissen? Ob nun so pittoreske Folklore wie Witwenverbrennung (passiert übr. Immer noch), Genitalverstümmelung, Religionen (Ich meine: Seht Euch doch mal die populären Religionen näher an – was haben die mit Gott zu tun? Aber wir gehen dennoch Weihnachten in die Kirche) Kaum einer glaubt an diese zerwuselte Interpretation: Gottes Sohn (oder wahlweise Menschensohn, meinetwegen auch Lamm Gottes), Messias, Christus, Heiland … Vater und heiliger Geist in ihrer Dreiklappbarkeit. Keiner nimmt ernsthaft an, dass Maria als Jungfrau Kinder als gynökounlogischen Gottesbeweis auf die Welt brachte. – ist es nicht naheliegender, das der 'Heilige Geist', wer immer auch sich hinter diesem Pseudonym verbarg, einen Coitus Interuptus vermasselte?

    Im Grunde sind die Einhaltung von Traditionen nur Versuche, durch erneute Wiederholung etwas, das schon vorher nicht klappte, stur zu wiederholen.

    Meistens stellt sich nach einigen kleinen Jahrtausendchen heraus, dass manche Überzeugungen nicht mehr mit modern Denken konform gehen. Dabnn werden sie ersetzt: Kein Pranger auf dem Marktplatz, ein Zeitungsartikel reicht inzwischen völlig aus.

    Traditionen sind Vorurteile.

    Noch eine Frage an Jeffe (Weil ich ja kaum nachtragend bin) Findest Du die Abmahnung wegen Gotteslästerung immer noch richtig, weil ich aus denm Buch: 'Große Prozesse der Weltgeschichte' zitierte: 'Jesus war ein Masochist, der seinen öffentlichen Selbstmord den Römern überließ'.

    Denn: Dann werden wir nie wieder etwas von einender halten. AD passt ja auch besser hierhin!

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Mein letzter Traum

    Nihilismus ohne das notwendig dazugehörige Maß an Solidarität mit anderen entgotteten Seelen, ohne Erbarmen. In seiner Passion traurig, weil hier ein Waagenteil (mit zwei A) weggebrochen ist und die Welt nun gram und selbstzerstörerisch betrachtet wird.

  12. #12
    kls
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    AW: Mein letzter Traum

    Ob das mal bei Dir ankommt? Ich bin kein Nihilist! Ich bin auch nicht religiös. Aber ich bin gläubig!

    Mein Mittgefühl allen, die mit Narrengold klimpern!

  13. #13
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Mein letzter Traum

    Ich würde Dir das ja an etlichen Textstellen verdeutlichen können, aber aus Erfahrung weiß ich, daß Dir Textarbeit zuwider ist.

  14. #14
    kls
    Laufkundschaft
    Mach ma. Beweise mir, dass ich unter anderem auch nihilistische Gedanken auf ihre Verwertbarkeit hin abklopfe.


    Aber Du hast Recht. Ich stecke so voller Widersprüche, wie das Leben. Du hingegen musst Dir ja verdammt sicher sein.

    Oh, Missverständnis. Du meintest Deine vielen Versuche, mein Schriftstellerischesniveau zu heben, auf dass man es in Leder binden kann, was tatsächlich nie klappte. Ja, das muss ich kleinlaut zugeben – das war wirklich vergebliche Liebesmüh.

    Aaaaber, ist das nicht der Job vom Lektor?

  15. #15
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Mein letzter Traum

    Ich bin mir sicher, daß ich meine Grenzen habe.
    Ich bin mir auch sicher darüber, daß ich mal Dein Lektor hätte werden können, aber Du zogst es vor, das Ungefähre zum Prinzip zu erklären und lieber (ein) Karlchen, als ein Mops mit Möhren zu sein. Ich helfe Dir jetzt, indem ich Dich einmal konsequent bleiben lasse.

  16. #16
    kls
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    AW: Mein letzter Traum

    Mir gefällt Deine gönnerhafte Pose kein bisschen, aber Dir gefällt ja auch das ein oder andere nicht an mir, also lasse ich es vorläufig dabei bewenden.

    Wenn Du WIRKLICH glauben würdest, mein Output wäre etwas wert, hättest Du schon längst ein Konzept vorgelelegt. Ich pädiere für zwei - drei längere Geschichten (Opa Pscht und vielleicht Rana) und dazwischen Gedichte wie z. B.: Die Lope. und einige Radierungen. Und dann bist Du gefragt? Macht man doch so, oder? Oder traust Du Dich nicht, auf dem Umschlag mit erwähnt zu werden?

    Wir müssten nur etwas mehr Kapito für einander aufbringen, aber ob für dafür zwei Egomanen auch geeignet sind?

  17. #17
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb AW: Mein letzter Traum

    Nicht ganz korrekt, vergeßliches Karlchen. Sandra und ich hatten deine Konvolute in eine kleine Ordnung gebracht und dir zwei Teile für ein Buch vorgeschlagen. Teil I sollte die Geschichten um Dein literarisches alter ego Opa Pscht in eine gewisse Chronologie bringen. Wir hatten 17 Kapitel fixiert, die noch zum Gutteil lektoriert hätten werden müssen. Teil II des Büchleins sollte Deine frühesten Forumtexte systematisieren. Wir hatten gerade die türkischen Politiker am Wickel. Texte aus dem Jahre 2001. Insgesamt hatte das Büchlein schon 194 Seiten, davon schlappe zehn lektoriert. Wir hatten auch schon eine Bezeichnung für Deine Art des Schreibens: "Einwegliteratur". Dann zogst Du es vor, irgendwas von fehlendem Antrieb zu fabulieren, Dein Talent in Frage und die Mit-Arbeit einzustellen. Eine kleine Trotzphase, wärest Du zwei. Nur zur Richtigstellung. Die Sache ist, wie wir in Magdeburg sagen, umme Ecke. Abgesehen davon bin ich kein Egomane. Das widerspräche meinem Weltbild. Richtig aber ist, daß ich nun keine Lust mehr habe, mich mit dieser Literatur zu befassen. Diese Phase ist vorbei. Kömmt vielleicht mal wieder, nicht aber absehbar. Das Problem unserer Zusammenarbeit war schlichtweg ein anderes: Du schreibst sehr viel und erzeugst sehr viel Arbeit, bist aber nicht willens, an den Texten zu arbeiten, sie also lesergerechter aufzurichten. Das aber ist genau das, was ich von meinen Autoren verlange. Das hat nichts mit Egomanie zu tun. Komm also wieder, wenn Du diesen kleinen Charakterfehler beseitigen konntest. Oder such Dir jemanden, was ich Dir empfehle, der Deine Schreibe so nimmt, wie sie genommen werden muß, als Vollendung der Textsorte "Einwegliteratur".

    Arbeitsnachweis: Wir waren bei Kapitel II von Kapitel XVII stehengeblieben, als Du die Arbeit einstelltest:

    Kapitel II

    [Robert-Ch1] Opa war nicht immer Opa. In seiner Jugend rannte er auf der Suche nach Liebe [Robert-Ch2] wie ein personifiziertes Fragezeichen in der Gegend herum und erkundigte sich ständig nach dem ‚Warum’. Das hatte sich nie ganz gelegt. Und genau dieses Thema kam [Robert-Ch3] jetzt auf den Tisch. Markus wollte wissen, ob Opa heute etwas klüger wäre, denn mit 17 – 18 Jahren. Und ob er immer noch Probleme mit dem anderen Geschlecht hätte.
    Opa war in seiner Jugend ein natürlicher oppositioneller Opportunist gewesen. Er rannte mit seiner homogenen Herde aus lauter spezifischen Individuen den Ku-Damm rauf und runter und zurück, tauchte in die Seitengassen ein, tauchte wieder auf, schmiß zaghaft mit Steinen und brüllte wie ein rolliger Kater im Stimmbruch „Mao“. In späteren Jahren wurde Opa dann zu einem opportunen Opportunisten, ein völlig natürlicher Vorgang, sonst hätte er es ja auch nicht bis zum Opa geschafft. „Ob ich ‚klüger’ bin als damals, kann ich nicht beurteilen. Ich denke nur etwas anders als früher. Markus, wer mit 18 kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer mit 30 kein Kapitalist ist, kein Hirn! Und wer mit 60 nicht etwas abgeklärter ist, hat dieses Alter nicht verdient. Du hast noch keine Zeit gehabt, aus der Konfrontation mit dieser Welt, [Robert-Ch4] dein Verhalten beeinflussende Zusammenhänge zu erleben. Und mit der Liebe tut sich jeder Mensch sehr, sehr schwer. Mit dem allgemeinen ‚Warum’ auch. Bei einer alten Zigeunerin suchte ich damals Erleuchtung und Erlösung von der Hinterfragung, denn so richtig schön ist das ja auch nicht, wenn einem ständig nur ‚Warum?’ einfällt. [Robert-Ch5] „Warum frage ich immer ‚Warum?!’ Und ist die Liebe wirklich?“
    Befrage nie ein Orakel. Es könnte antworten.
    „Fürwahr, dies sei dein mittlerer Weg: Es ist weder ‚Liebe’, noch ‚Nicht Liebe’, noch ‚Liebe und nicht Liebe’, noch die Negation von diesen. [Robert-Ch6] Die Antwort besteht - ohne daß du dir dessen bewußt zu sein brauchst - in dem Wissen, daß die Frage Teil der Antwort ist und umgekehrt, daß du von Anfang an schon am Ziel warst, denn Zeit ist eine Illusion. Es gibt in Wirklichkeit weder Wahres noch Falsches, weder Sein noch Nichtsein, weil das eine nur der Gegensatz des anderen ist. Die Wirklichkeit ist absolut undefi*nierbar, ist leer von, also BAR jeglicher Definition. Alle Begriffe sind [Robert-Ch7] korrelativ.“
    Ein Philosoph hätte sofort äußerst befriedigt auf die Parallelen zum Buddhismus, Unterabteilung Mahãyãna, Fraktion Mãdhyamika-Schule hingewiesen, aber Opa war ja nicht so leicht abzuspeisen. „Na toll! Und was heißt ‚korrelativ’? Und warum sollten alle Begriffe so dumm sein? Vielleicht gibt’s doch Ausnahmen.“
    Opa zwinkerte mit den Augen, was Markus irgendwie abartig vorkam. In letzter Zeit fand er die Unterhaltungen mit Opa anstrengend und verwirrend. Opa hatte so eine Art an sich, die einen wirklich an dem eigenen gesunden Menschenverstand zweifeln ließ. Und wieder mal; Opa monologisierte vor sich hin, als ob er von einem imaginären Blatt ablesen würde:
    „Alles Denken beginnt mit [Robert-Ch8] Unzufriedenheit, Verwirrung, dem Wissen, dass man etwas nicht weiß. Doch nur Tüftler, Grübler und Philosophen suchen diese Unzufriedenheit förmlich - suchen dort Nichtwissen, wo sich alle ihrer Sache sicher sind. Im glücklichen Fall verwandelt Denken, wie die Gestaltpsychologen sagen, eine schlechte oder ‚defekte Gestalt’ - nämlich das Problem - in eine gute oder ‚prägnante Gestalt’: die Lösung. Denker basteln im Geiste, mit dem Computer oder auch mit realem Material so lange herum, bis sie zufrieden sind.”
    „Aber was hat das mit Liebe zu tun?“
    „Tja, eine mögliche ‚prägnante Gestalt’ ist die Umleitung einer unerfüllbaren Sehnsucht in Gelächter.“ Opa holte sein Tagebuch hervor. „So schrieb ich einst hin, was mich bewegte, bis ich halbwegs damit umgehen konnte: Ja, mal wieder Hand in Hand durch die Einkaufsstraße schlendern. All die traurigen Leute um uns herum mitleidig belächeln. Zeit haben für den Duft nach frischen Brötchen und gebratenen Hähnchen. Die Unvereinbarkeiten den anderen, uns aber die widerspruchsfreie Zone. Wir würden einem Bettler 20,-- schenken, oder vielleicht sogar 50,-- und uns danach über diese Sentimentalität lustig machen, uns aber trotzdem gut dabei fühlen. Wir könnten in die Auslagen der Kaufhäuser gucken und wir würden grinsen bei dem Gedanken, was es nicht alles gibt, was wir nicht brauchen. - Ja, es wäre wunderbar mal wieder keine Fragen zu stellen, weil man in der Antwort lebt. Nur für eine kleine Weile. Ich würde dir Gedichte schenken und du mir ein mildes Lächeln und zum Abschied würden wir uns ganz eng aneinander drängen. Wir würden uns nie vergessen. Stimmt’s? - Doch so? So können wir uns ja noch nicht einmal daran erinnern, denn wir fanden uns nie. Gesucht habe ich dich in allen vier Himmelsrichtungen. Ich zog über fünf Kontinente, taumelte durch sechs Daseinsreiche des Lebensrades und segelte auf sieben Meeren. Ich habe gebetet, gefastet und meditiert habe ich auch noch, bis ich statt Erleuchtung Hämorrhiden bekam. Ich habe das Kamasutra auswendig gelernt, täglich stundenlang geübt zu verzögern, und war Klassenbester im Sexualkundeunterricht, nur um dir das Paradies auf Erden und nie gekannte Ekstasen zu schenken, wenn wir uns dann endlich finden. Ich beschwor das Wohlwollen der Götter, mir den Weg zu weisen. Den Weg zu dir, oh zu dir, meiner einzig wahren Liebe. Ich suchte dich im Klagen des Windes und hinter dem Flüstern der Nachtschatten. Ich suchte dich in der ewigen Wiederkehr der Gezeiten, im unablässigen Murmeln der Brandung bei Vollmond und im zornigen Brüllen der Wellen eines Tsunamis. Ich suchte dich auf den Lichtungen ferner Urwälder und im Unterholz einheimischer Biotope; ich suchte in der Wüste, im Sandsturm, ja, sogar auf der Kundentoilette für Damen habe ich unter den irritierten Blicken der Anwesenden gestöbert. Ich suchte dich in den zerklüfteten Schluchten des Himalajas und unter den Tischen übelst beleumundeter Spelunken hinterm Güterbahnhof. Ich kämpfte mit manch gutem Mann manch guten Kampf um deine Gunst. Wäre nett gewesen, wenn du mir dafür den jungfräulichen Kranz überlassen hättest. - Ich hab se alle für dich umgehaun! - Ich suchte dich mit der unerschütterlichen Besessenheit und Verklärung eines Propheten. Du, mein Leitstern, meine edle Fackel der Hingabe und Verschmelzung. Ich wußte mit der Gewißheit eines Erleuchteten, daß es dich gibt. [Robert-Ch9] Daß es dich geben muß, denn du warst mir Sinn und Ursache des Universums. Ich trug stets Mund- und Fußspray bei mir und zog jeden Morgen hoffnungsfroh eine saubere Unterhose an. Immer lag eine neue, noch original verpackte Zahnbürste bereit, nur für dich, meine Königin des Herzens, als Faustpfand eines wartenden Schicksals, und ich bezog auch alle drei Tage unser brach liegendes Lustlager mit frischer Bettwäsche. Ich opferte dir die besten Jahre meines Lebens auf dem Altar unserer Bestimmung. Nie verdüsterten irgendwelche klein*lichen Zweifel diese, meine unvergängliche Liebe, welche dir geweihet. - Jedoch, ich fand dich nicht. Du mußtest mir ja unbedingt schon fremdgehen, bevor wir uns überhaupt erst kennen lernten. Konnte ja nicht klappen. Und heute blickst du zurück in Wehmut und wünscht dir, du wärest mir nicht ständig aus dem Weg gegangen. Gelle? Inzwischen suche ich dich aber auch gar nicht mehr. Selber schuld. Hast es vermasselt. Und falls ich dich doch noch finden sollte, dann gnade dir Gott! ...mir dermaßen das Leben zu versaubeuteln...“ Opa klappte sein Logbuch wieder zu. „Alles gelogen, Markus. In Wirklichkeit fand ich die einzig wahre Liebe. Gleich mehrmals...“

    [Robert-Ch1]der gesamte absatz gefällt mir nicht. opa ist wieder gesund. markus hat fracksausen, daß opa stirbt und stellt jetzt grundfragen. opa weiß von nichts.


    [Robert-Ch2]das kannst du besser: such eine metapher für diese WIE-konstruktion


    [Robert-Ch3]präzisieren


    [Robert-Ch4]vermeide hier eine ZU-konstruktion


    [Robert-Ch5]satz löschen


    [Robert-Ch6]das ist eine kausal gefaßte antwort mit vielen daß-konstruktionen, die den leser ermüden. auch dieser teil gefällt mir nicht. es fehlt hier an poetischer stimmung.


    [Robert-Ch7]deutsches wort benutzen


    [Robert-Ch8]mit dem staunen beginnt es


    [Robert-Ch9]kein schöner satz; empfehle streichung

  18. #18
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Mein letzter Traum

    O.k. Kotau! Du sprechen wahr! Ich muss das mal sacken lassen, vielleicht sogar darüber nachdenken.

    Und für die Anderen: Es ist keine Schande, seine Meinung zu ändern - manchmal bedeutet es sogar 'Schlauer werden'. Nur da ist mir etwas an Robert, was mich ungemein misstrauisch macht.

    Aber eines ist klar: Ich selber kann meine Texte nicht rigoros genug redigieren. Und meiner Tochter fehlt noch die Erfahrung, obwohl sie Redakteurin bei so einem Zeitgeistblatt ist.

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