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Thema: Deutsche Klassik

  1. #26
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Herder, Locke und Schiller

    Herder nahm Lockes Widerspruch von den Bewußtseinsinhalten, die vorgeburtlich gebildet würden, und seinem dictio der tabula rasa, die durch Sinneseindrücke erst eben diese Bewußtseinsinhalte zu bilden vermöchte, sehr ernst, nein, er nahm nicht den Widerspruch, er nahm den Gedanken in seinen Bildungsgedanken auf. Die Totalität der Erfassung der Wirklichkeit vollzieht sich über die Sinne. Bei Herder.

    Ich möchte das zu bedenken geben, denn es gibt nicht wenige, die Schiller und Herder als eine Komponente des Humanitätsbegriffes der Klassik begreifen. Ich möchte deshalb mit allem Nachdruck hier feststellen, daß Schillern mitnichten an eine durch Sinneseindrücke sich ausprägende Bewußtheit dachte. Schwerlich hätte er sonst Goethe während jenes berühmten Gesprächs am Fürstengraben sagen können: "Das mit Ihrer Urpflanze ist bloß so eine Idee von Ihnen."

    Für Schiller ergibt sich die Totalität der Erfassung der Wirklichkeit AUCH über die Sinne, sie bilden einen Teil der Totalität. Das ist etwas ganz anderes.
    Wirklichkeit wird durch Ideen gemacht, nicht Ideen durch die Wirklichkeit bestimmt. Modifiziert, nicht bestimmt.

  2. #27
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    Lust an der Tragödie

    Die Lust an der Tragödie entspringt der Vernunftfreiheit des sittlichen Geistes. Dieser Geist ist so gar nicht an Raum und Zeit, den wichtigsten irdischen Dingen interessiert, aber er benötigt diese Kategorien, um überhaupt wirken zu können. Die Tragödie nun bedarf eines Zuschauers, der sittlich urteilt, sonst bleibt das Tragische selbst inwendig hohl.
    Es muß dem Tragiker somit gelingen - und daraus schöpft er seine Lust -, durch die Sprache und die Handlung eine Verbindung zwischen dem sinnlich Wahrnehmenden und dem sittlich Bedürftigen zu schaffen.
    Es ist hierbei ein Geheimnis um die Wirkung auf den sittlichen Geist, der selbst bildungsfähig ist. Das Schöne rührt und setzt in Bewegnis, macht frei. Das Schöne ist die Regelmäßigkeit, die bewegt, beweglich ist und Raum und Zeit in unserer Vorstellung überwindet, doch immer wieder auf diese zurückgreift. Aber das Schöne hat auch so gar keinen Bezug zum Sittlichen, zu einem sittlichen Soll-Gesetz; wir bilden uns das bloß ein. Daher die notwendige Gedankenschöpfung "sittlicher Geist", sie wird das Sittliche mit dem Schönen verbinden. Eine Darstellung ist die Tragödie, in der Teilganzheiten bis an den Rand des Ertraeglichen geführt werden, selbst handeln, um dann im Ganzen aufzugehen.

  3. #28
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    Abkehr vom Naturrechtlichen

    Als die Franzosen ihre politische Revolution machten und hunderttausenden Ungleichen die Köpfe abschlugen, gab es bei uns auch eine Revolution, ich möchte behaupten, eine sehr viel wichtigere, weil sie für alle Menschen etwas Neues hervorbrachte.
    Die Deutschen wandten sich vom naturrechtlichen Denken ab, von einer naturrechtlich konzipierten Wahrnehmung der Welt, die zu der Tatsache einer Macht- und Gewaltpolitik führte und bis zu diesem Zeitpunkt Weltgeschichte war. Die Deutschen sahen in Frankreich, daß die unvorbereitete Tugend auch nur Mittel der Gewalt anwenden zu müssen glaubt, um ihren Zweck durchzusetzen. Sie wandten sich also von dem Zweck, Gleichheit, gleichermaßen ab wie von den angewendeten Mitteln und fragten sich, was statt dessen ein Ziel der Menschheit sein könne, ja sein müsse. Und sie hatten gute Gründe, denn schon die deutschen Aufklärer lehnten - im Gegensatz zu ihren nichtdeutschen Kollegen - gewaltsame Mittel zur Verbeßrung des Staates ab; sie lehnten alles ab, was über moralische Mittel hinausging. Zwar hatte Wolff die Demokratie als das geeignetste Mittel für polite Völker bezeichnet, eine ihnen gemäße Ordnung zu gewährleisten, weil sich diese politen Völker um Verstand und Tugend bemühten, aber das kippte dann: Die Demokratie war Schiller, Goethe, Eberhard, Fichte oder Schelling, auch Hegel oder Hölderlin keine geeignete Form für die Gewährleistung bürgerlicher Freiheit, denn der demokratische Staat habe eine Distinktion zur Gleichmachung und KANN nicht gewährleisten, diese Freiheit zu schaffen und dem einzelnen zu lassen, was IHM GUT DÜNKT, wie Eberhard sich ausdrückte. Die Demokratie ist also über dieses Fatum der Gleichheit notwendigermaßen gezwungen, unmoralische Mittel anzuwenden und deshalb abzulehnen, weil sie somit den apagogischen Beweis ihrer Unzulänglichkeit als Endzweck der politischen Verfaßtheit für die Menschheit antrat.

  4. #29
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    Cool Sommer- vs. Breitkrempehut - ein Leistungsvergleich

    Stichwort: Großkochberg

    Dort gibt es ein Schloß. Das Schloß war ein Liebesnest. Na ja, Goethe und Frau von Stein haben es wohl nie miteinander. Der Goethe soll ja sogar bis zu seinem 37. Jungfrau gewest, munkelt mancher Germanist (vor allem weibliche in einem gewissen Alter) hinter vorgehaltener Hand. Und Dichtung ist dann nichts weiter als sublimierte Bewältigung des Nieerlebten! grinse grinse... Jedenfalls soll der Goethe zu diesem Schloß des öfteren geritten sein (schlappe 30 km von Weimar liegt es), zu seiner geliebten FvS, die ihn nie erhörte.
    In diesem Schloß hängt auch ein Bild von Schiller, nicht im Konterfei, von hinten. Es ist das vierte authentische aus seiner Lebenszeit; mehr sind mir nicht bekannt. Vier Bilder von Schiller! (der Rest ist Interpolation späterer) Schiller war dort auch, manchmal. Er ritt nicht aufm Pferd, sondern auf dem Esel. Er ritt nicht zu einer heimlichen Geliebten, die ihn dann doch nicht erhörte, sondern sprang immer zwischen zwei Schwestern herum, die ihn beide liebten und wohl auch hatten.
    Goethe trug einen italienischen Sommerhut, Schiller einen Breitkrempehut.
    Der Esel trägt den Narren. Aber wer ist hier wirklich der Narr?

    Ich lach mich noch tot über unsere Klassiker, aber es ist ein Lachen der Freude. Menschen!

  5. #30
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    idealische Brennweite

    Schillers lebenslanger Kampf gegen Krankheiten brachte ihm Todeserfahrungen, Vorstellungen, Beinahegewißheit eines solchen Nichtseins. Er empfand den Tod als einen großen Riß der Welt, in dem alle ihre Fragwürdigkeit gewiß wird. Der Tod ist die Schranke des Menschen, hinter die er nicht wieder zurück kann, ein Gattungsproblem. Wie soll mit dieser Gewißheit Fortschritt möglich sein, wie ihn die Aufklärer glaubten? Schiller lehnt diese Art Optimismus ab! - Das mag vielen ein Schock sein, die in Schiller so einen idealistischen Hagestolz zu sehen vermeinen, der moraltrompetend an die Zukunft des Menschengeschlechts glaubt. - Wir Menschen tragen allerdings einen idealischen Menschen in uns, den wir entdecken, fördern, herauskitzeln, ausbilden müssen. Darin liegt unsere Passion, die es bleiben wird, weil wir nie ans Ziel kommen werden.
    Ist das Pessimismus?
    Nein, es ist die schönste Aufgabe, eben all das zu entwickeln, was in uns liegt, Gutes und Schlechtes gleichermaßen. Das Idealische hat keine moralische Brennweite.

  6. #31
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    Schellings Stil

    Schelling wird maßlos unterschätzt. Nun gut, als Stilist gilt er nicht, zu schwächelnd sein Stil, so schwach, daß Hofmannsthal ihn deswegen aus dem Deutschen Lesebuch verdammte. Der Mann hatte recht. ABER: Schelling mag kein Stilist sein, also nach Hofmannsthal auch kein (literarisch) besonderer Mensch, aber er war groß genug für Goethe, der ihn (neben Schiller natürlich) dazu erkor, mit ihm zusammen die Neujahrsstunde des neuen Jahrhunderts zu feiern. Schelling - das neue Gestirn um 1800!


    Also, es wird Zeit, diesem Barden des Geistes zuzuhören, zumal Hölderlin mitraunt.

  7. #32
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Wachsfigurenkabinett des Grauselns

    wer, wie ich gestern, das Weimarhaus betritt - http://www.weimarhaus.de/ -, dem wird ein merkwürdiges erlebnis zuteil. geschichte wird vergegenwärtigt. mit wachsfiguren, die reden! ich bin ja nun nachgewiesenermaßen ein vertreter jener zunft, die dunkles aus der zukunft ahnt und dies im gegenwärtigen mit dem vergangnen verbinden will, aber das gestern? da saßen anna amalia, schiller, wieland und herder an einem tische, goethe stand und redete, nein, jeder redete, nur die frau schwieg, also die herren redeten, sie bramarbasierten aneinander vorbei. und dennoch hörten wir zu, ich aus interesse, die kids, weil sie sonst eine schelle bekommen hätten. was den deutschen geist ausmache, wollte ich dann wissen. falsch, das dachte ich nur so für mich. aber das nur dem wortlaut nach, nicht der darbietung. es war dem wortlaut nach deutscher geist - für alle: das ichts und das nichts denken und sich an den faxen des jeweiligen gegenüber zu ergö! -, aber der darbietung nach war es kitsch, show, blabla und madame tussot. igitt!

    die klassik als lebenskonzept hat nur dann eine wirkliche chance, von den menschen angenommen zu werden, wenn sie nicht als ein angebot zum konsum verkauft wird, als eine möglichkeit unter vielen, neben gothic, vegetarismus oder spinnenbeinmagersuchtsästhetik.

    weimarhaus, so nicht!

  8. #33
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    Blankenhainer Kirschkuchen

    Gaumenfreuden! Nach einschlägigen Berichten eines DDR-Kochbuches soll dieses Rezept zu Schillers Lieblingskuchen führen, Blankenhainer Kirschkuchen:

    200 g Mehl
    200 g Zucker
    6 Eier
    150 g Mandeln
    1 Teelöffel Zimt
    500 g Süßkirschen

    Zucker und Eigelb schaumig rühren, mit den geriebenen Mandeln, dem gesiebten Mehl und Zimt vermischen, das zu steifem Schnee geschlagene Eiklar vorsichtig unterziehen und erst dann die entsteinten Kirschen unterheben. In eine gebutterte Springform füllen und bei mittlerer Hitze backen.

    Meine Tochter Charlotte versucht sich gerade daran. Bin gespannt.

  9. #34
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    Vollrausch

    Schillers Neigung zu faulen Äpfeln wurde sprichwörtlich. In seiner "Schieblade" befanden sich etliche davon, die ihn halluzinieren ließen, Halluzigene!

    Unsere Klassiker schreiben ihre Texte im Vollrausch.

  10. #35
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    Post Abriß der Klassik

    Deutsche Klassik




    Die sprachliche Grundlage der Klassik leistete der aus Ostpreußen stammende Leipziger Germanist Gottsched um 1740, der in seiner Grammatik "Sprachkunst" feste Richtlinien für Laut- und Formengebung schuf, die entscheidende Persönlichkeiten im Reich und in der Schweiz anerkannten. Das Meißnische setzte sich somit gegenüber dem Schlesischen als schriftliche Normsprache durch, obwohl in der gesprochenen Verwendung die meißnischen stimmlosen Laute (p und b; g und k; d und t) oftmals verwechselt werden. Aber das betraf nur die gesprochene, nicht die geschriebene Sprache. Die allgemeine Anerkennung dieser Sprachlehre, die ein anderer Leipziger Professor, Adelung, noch hinsichtlich der Rechtschreibung ergänzte, war allgemein, so daß die deutschen Idiome eine gemeinsame Basis erhielten und sich wechselweise befruchteten.
    Gottsched neigte zur Herrschsucht. Sein Urteil sollte ewig gelten; es war das Prinzip des Besten, an dem sich orientiert werden sollte. Gottsched hielt die Franzosen für maßsetzend, was seinerzeit nicht so weit hergeholt war. Die Schweizer Bodmer und Breitinger widersprachen. Sie wollten keine strenge Formengebundenheit wie bei den französischen Klassizisten als Gestaltungsprinzip auch fürs Deutsche gelten lassen, sondern betonten freie poetische Phantasie, Leidenschaft und Volkstümlichkeit als entscheidende Parameter für den literarischen Text. Als der Ostfale Klopstock diesem Aufruf 1748 folgte und mit dem Messias ein Stück Gefühlspoetik schuf, war der Kampf entschieden. Klopstock verarbeitete zahlreiche ausländische Einflüsse in seinen melodischen Wortmalereien. Das Schriftdeutsche wurde griffiger und verlor seinen intellektuellen Ansatz. Aber Klopstock entwickelte sich nicht weiter. Der Sachse Lessing nahm den Faden auf und nannte Shakespeare als Vollender der Bodmer/Breitinger-Postulate. Ins gleiche Horn stieß der Memelländer Herder, der Shakespeare den Bruder Sophokles' nannte und nicht nur in englischer, sondern auch in osteuropäischer und orientalischer Dichtung Volkstümlichkeit und Poesie nachwies. Damit stieß er das Tor weit auf, durch das zahlreiche deutsche Dichter und Denker gingen, auch für den Hessen Goethe, der Herder 1770 in Straßburg kennen und lieben lernte. Blieb die Frage nach dem antiken Formenideal, in das sich die neu entdeckte volkstümliche Poesie ergießen könnte, fehlte die Wahl der Stoffe, die nunmehr thematisiert werden könnten. Die Franzosen hatten das Politische mit dem ästhetischen zusammengedacht, orientierten sie sich an lateinischen Vorbildern, und so einen imperialen Ausdruck in ihrem Wesen angenommen. Die Deutschen erkannten durch die Arbeiten des Altmärkers Winckelmann die Ursächlichkeit des Griechischen, zumal die Griechen das Anschauen der Natur als Ideal gepriesen hatten. Der Mecklenburger Voß übersetzte die großen Werke der Griechen, Ilias und Odysseus, um 1780 und schuf damit Voraussetzungen für die Neurezeption der griechischen Mythologie. Vor allem für die Schwaben Schiller und Hölderlin war Griechenland stilprägend.
    Es fällt hier ein wichtiger Aspekt der gesamten deutschen Geistesentwicklung des 18. Jahrhunderts auf: sie steht in keiner Beziehung zu den politischen Ereignissen, sondern bewegt sich auf ihrer eigenen Bahn. Das war in Frankreich anders. Die Deutschen standen nach anfänglicher Begeisterung für die Französische Revolution besonders dem Gleichheitspostulat der Franzosen skeptisch gegenüber. Nach dem Bekanntwerden zahlreicher Massenhinrichtungen für alle Andersdenkenden in Frankreich wurde aus Begeisterung Feindschaft. Viele deutsche Dichter und Denker fragten, ob der gute Zweck jedes Mittel rechtfertige und kamen zu dem Schluß, daß dies nicht der Fall sei. Der Zweck heilige nicht die Mittel. Der Patriotismus der Franzosen und ihr Bekehrungsglaube gegenüber anderen Völkern war den Deutschen verdächtig. Es erschien den Deutschen zu kleingeistig, nur für eine Nation patriotisch zu sein; es sollte das gesamte Menschengeschlecht sein, für das die Freiheit im Bunde mit Gerechtigkeit und Brüderlichkeit geschaffen werden sollte. Der Künstler, besonders der Dichter, habe hierbei die Aufgabe, am ewigen Bau des Menschengeschlechts zu arbeiten, denn der Dichter sei vom Weltgeist dazu berufen worden. So Schiller. Das Politische war den Deutschen suspekt, immer und stets unlautere Mittel einzusetzen.
    Der Bau am gesamten Menschengeschlecht mußte von innen her, durch Überzeugungen und Charakterbildung, bewirkt werden, nicht durch brachiale Gewalt, nicht durch äußere Gesetze. Das ist das Humanitätsideal der deutschen Klassik und ging über die Aufklärungsziele hinaus, als Recht, Sitte und Wirtschaft vorrangige Wirkpunkte für den aufgeklärten Menschen abgeben sollten. Der enge Wirkungskreis der Aufklärer wird zugunsten eines allgemeinen und ewig-menschlichen Verständnisses erweitert. Die protestantische Ergreifung der Welt.
    Die katholischen Landesteile blieben von dieser Entwicklung vorerst unberührt und steuerten auch nichts bei. Bayern und Österreich blieben rückständig. Österreich lieferte seinen Beitrag zur noch heute bleibenden Wertschätzung der deutschen Kultur durch musikalische Genies wie den Salzburger Mozart, den Rheinländer van Beethoven und den Burgenländer Haydn, die allesamt nach Wien übergesiedelt waren und die musikalischen Traditionen der ostfälischen Genies aus dem Aufklärungszeitalter, Telemann und Händel, sowie des Thüringers Bach fortsetzten beziehungsweise erweiterten.
    Ein Menschenalter nach der Literatur prägte die deutsche Philosophie neue Lebenskonzepte. Der Ostpreuße Kant, der Sachse Fichte, die Schwaben Hegel und Schelling entstammten protestantischen Elternhäusern. Auch hier blieben die katholischen Landesteile ohne Vertreter.

  11. #36
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    Palmyra

    Palmyra ist der Geburtsort des Tragischen, die Geburtsstätte der Hybris, des Sichselbstüberhöhens und der daraus folgenden Bestrafung durch die Götter.


  12. #37
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    Schiller und Goethe - Kollegen

    die ZEIT hat sich über schillers und goethes verhältnis geäußert. safranski kommt nicht umhin, ihr verhältnis als dasjenige dicker freunde zu bezeichnen - "die waren schon dicke miteinander".

    einspruch.

    das verhältnis zwischen beiden kann als kollegial, nicht aber als freundschaftlich bezeichnet werden. eine freundschaft bedarf nicht des Dus, nicht engen miteinanders, nicht ewiger herzlichkeit, aber sie bedarf einer unabdingbarkeit, einer von herzen kommenden zugeneigtheit, die von vielen menschen der liebe gegenüber vorgezogen wird, weil freundschaft bestand hat.
    goethe pflegte von schiller immer als "dieser mensch" zu sprechen. das kann sehr freundlich gemeint sein und war es wohl auch. goethe hat schiller nach jena geholt, doch nicht als freund, sondern als mutmaßlichen kollegen. vielleicht nicht einmal das. es dauerte 5 jahre, bis sie einander näher kamen, nur durch intrige schillers, der goethe einfach abpaßte und in ein gespräch verwickelte, in dem goethe sofort erkennen mußte, daß sie einander nicht ins gehege kommen würden, denn jeder schwirrte auf einer anderen kreisbahn, goethe auf der über das empirische und die anschauung das allgemeine schauenden und schiller auf der das eine idee setzende und daraus das besondere erklärenden. und ERST dann wollte goethe mehr von schiller; im übrigen verhielt er sich ihm gegenüber so, wie er es seit jahren mit mutmaßlichen konkurrenten auf dem dichterthron gehalten hatte (lenz, klinger, hölderlin, kleist), er ignorierte oder biß weg. das ist kein guter beginn für eine freundschaft. die nach jenem augusttag 1794 folgenden jahre, ein jahrzehnt, um es genau zu verifizieren, waren nicht durch das gemeinsame gekennzeichnet, sondern durch das zusammenarbeiten. goethe hielt schiller aus seinem persönlichen bereich heraus, aus seiner ehe, die schiller nie goutierte (schillers frau noch weniger), aus seinen politischen ambitionen, die schiller nie teilte, aus seinen naturwissenschaftlichen forschungen, die schiller nicht besonders interessierten. im gegenzug hatte goethe keinen zugang zu schillers philosophischen intentionen, deren sinn sich goethe nicht erschloß; er kannte nicht schillers stete geldsorgen und vermochte auch nicht schillers wunsch nach gesellschaftlicher reputation zu verstehen. es bedurfte sehr intensiver anstrengungen von frau schiller, daß schiller den adelsbrief erhielt; goethe hatte sich auch darum nicht übermäßig (eben wie ein freund) gekümmert, obwohl er hätte wissen müssen, wie wichtig das für schiller gewesen wäre, dem der brief im übrigen nicht viel bedeutete, aber erfreute sich eben für seine frau, die nun wieder in die gesellschaftliche stellung kam, die sie durch die heirat mit dem bürgerlichen schiller verloren hatte.

    es gibt nicht vieles, das für eine freundschaft zwischen beiden spricht. sie sind zwei menschen, die auf verschiedenen seiten des lebens aufwuchsen, unterschiedlichste sozialisationen erfahren mußten und auch in ihrer blütezeit kaum mehr als arbeitskollegen in teilbereichen ihres daseins sein konnten. die "hälfte meines daseins", die schillers tod aus goethes leben gerissen haben soll, diese worte des dichterfürsten sind sicherlich kaum übertrieben. "dieser mensch" gab goethe das, was man mit musenkuß, mit erweiterung des ichs, mit antrieb und dergleichen umfassen kann, nicht aber gab er goethe eine ahnung dessen, was freundschaft bedeutet. die hälfte des daseins, die aus liebe, freundschaft und nächstenliebe besteht, blieb goethe erhalten.

  13. #38
    Kurzvormabschussiger
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    Schillers Frau

    in meinem alter tut man lauter dinge, die keinen spaß machen. aber es beginnt, dass sie einem spaß machen.
    schillers frau muß ja eine blöde tusse gewesen sein. sie soll ihn mit ihren hysterischen anfällen ganz schön genervt haben, habe ich mal in einem buch gelesen. und als bei seinem tod ihre schwester bei ihm war und sie sich über das theater unterhielten, soll er geweint haben.
    echte freunde erkennt man in der not. dieser testfall trat bei den beiden männern nicht ein. hähnchengescharre.

    von goethes frau hat man dagegen gehört, sie habe sich über ihn geworfen, um ihn vor feindlichen soldaten zu beschützen. da hat er sie dann heiraten wollen.

  14. #39
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Hofmarschall von Kalb

    der in "Kabale und liebe" als hofschranze gezeichnete hofmarschall von kalb hat das nicht verdient. schiller kannte zu jener zeit eine charlotte von kalb, deren tüchtiger mann in amerika auf seiten der amerikaner gegen die briten kämpfte. die hübsche strohwitwe hatte es wohl auf schiller abgesehen, der aber hatte nur augen füandere. als man sich 1787 in weimar wiedertraf, beauftragte charlotte schiller mit der vermittlung eines hauslehrers für ihren in aller öffentlichkeit masturbierenden halbwüchsigen sohn. fritz, so hieß der, bekam den geeignetsten hauslehrer, hölderlin, der scheitern mußte.

    die welt ist ein dorf!

  15. #40
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    Bildung und Gleichheit

    goethe glaubte von sich, daß er weit demokratischer gesinnt sei als der von den revolutionsmännern gefeierte schiller. allerdings grenzt goethe diese attitüde ein, indem er gleichheit und freiheit als nicht zugleich bestehendes bezeichnet. das seien phantasten und scharlatane, die das behaupten. allerdings müsse das gefühl der gleichheit wo nicht aller menschen, doch aller menschlichen zustände obwalten.

    es gibt nicht wenige, die im angesicht dessen, unsere klassiker zu guten bürgern der brd zu machen, hier historische oder irgend ander begrenzte weltsicht fabulieren, um nur jarnich zuzugeben, da? es noch andere politische ziele geben könnte als den zustand gegenwärtiger faschistoider egalität, der lebenskreise gleichsam einengt und nivelliert, der in einem moloch von durchsottenem menschengewürg das fanal der freiheit aufspießte und im krach der vieltönigen lügen erstickte.
    die wahrheit aber lautet: man muß die menschen erst bilden, um ein system der gleichheit zu schaffen. schafft man zuerst das system der (mutmaßlichen) gleichheit, werden sich diejenigen in ihr behaupten, die nicht gleich sind. die anderen werden fallobst.

  16. #41
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    Dichung nach Maß - Hans Sachs in allen Dingen

    hoffnung für alle dichter und schüler:


    goethe fand sich nie im labyrinth der antiken versmaße zurecht. wollte er einen text in ein solcher art schreiben, ließ er sich von seinem sekretär riemer das maß aufzeichnen, wie eine schablone, um diese dann mit seinen worten auszufüllen. "ich habe das unglück, dergleichen immer zu vergessen", bekennt er. goethes orthographie blieb schwankend und in hinsicht auf die interpunktion teilt er mit, daß diese eine kunst sei, "die er nie habe lernen können".

  17. #42
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    Judengesetz; Assimilation

    Kanzler von Müller erzählt von einer merkwürdigen Begebenheit vom 23.9.1823:

    Ich war kaum gegen 6 Uhr in Goethes Zimmer getreten, zunächst, um Professor Umbreit für morgen anzumelden, als der alte Herr seinen leidenschaftlichen Zorn über unser neues Judengesetz, welches die Heirat zwischen beiden Glaubensverwandten gestattet, ausgoß. Er ahnte die schlimmsten und grellsten Folgen davon, behauptete, wenn der Generalsuperintendent Charakter habe, müsse er lieber seine Stelle niederlegen, als eine Jüdin in der Kirche im Namen der heiligen Dreifaltigkeit trauen. Alle sittlichen Gefühle in den Familien, die doch durchaus auf den religiösen ruhten, würden durch ein solch skandalöses Gesetz untergraben; überdies wolle er nur sehen, wie man verhindern wolle, daß einmal eine Jüdin Oberhofmeisterin werde. Das Ausland müsse durchaus an Bestechung glauben, um die Adoption [Annahme] dieses Gesetzes begreiflich zu finden; wer wisse, ob nicht der allmächtige Rothschild dahinter stecke.

  18. #43
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    Materialisten verklären die Welt

    viele historiker erklären die blütezeit der weimarer kunstperiode, wie heine sie nannte, damit, daß sich viele der besten deutschen kräfte gerade auf die geistigen und dabei besonders die künstlerischen bereiche richteten, weil ihnen weder im felde unmittelbar politischen handelns noch in der ökonomie eine vergleichbare entfaltung möglich war.

    is natürlich bockmist. würde diese erklärung für bare münze gehalten werden können, müßte gefragt werden, ob dies eben eine erklärung sein kann. muß demzufolge nicht beinahe jedes land der welt dann solche epochen besitzen, in denen epochales geleistet wird? müßte dann nicht andernorts etwas vergleichbares geschaffen worden sein? müßte nicht in deutschland selbst zu anderen zeiten ähnliches geleistet worden sein?

    die erklärung greift viel zu kurz, bleibt zu materialistisch und kann nicht dabei helfen, mehr dafür zu tun, daß eine solche epoche des geistes wieder einmal die herzen erreicht und das schafft, was menschen frei und menschlicher macht als dieses bigotte und pragmatische zeitalter, in dem wir leben müssen.

    ich wünschte mir, wir würden in einer zeit leben, in der die begabten als ihren wichtigsten beschäftigungskern die schönen dinge des lebens erwählten und sich nicht schnödem broterwerb hingebten.

  19. #44
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    Farbenlehre und Romantik

    die von vielen als merkwürdig bezeichnete verbindung goethes zu den romantikern ist so merkwürdig nicht, wenn man an runge und dessen farbtheorie denkt. goethe und runge gingen konform in der betrachtung des lichts als vierter dimension, das den körper auflöst und letztlich farbe als lichthaltige farbe begreift.
    wenn man jetzt noch weiß, daß goethe die "farbenlehre" als sein hauptwerk bezeichnete (nicht den faust!) und sein dichten letztlich weniger bedeutsam war als seine wissenschaftlich-künstlerischen forschungen auf dem gebiet der farbenlehre, dann ist die querverbindung zu den romantikern evident.


  20. #45
    Resurrector Avatar von aerolith
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    docendo discitur

    docendo discitur (beim Lehren lernt man) - goethe ende 1788 zu schiller, nachdem schiller zweifel darüber äußerte, für die stelle eines geschichtsprofessors noch nicht genügend vorbereitet zu sein.

    manche mutmaßen heute, daß goethe auf diese weise versuchte, schiller vom dichten wegzubringen und im akademischen betrieb zu verwursten. das ist sicherlich nicht fein gedacht, allerdings war schiller dankbar dafür, eine stellung in jena einnehmen zu dürfen, die ihm eventuell die gründung eines hausstandes ermöglichte. andererseits weiß jeder dichter, daß brotberufe seinen tod bedeuten.

  21. #46
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Deutsche Klassik

    im sommer 1792 spielte schiller kegeln und geriet beim spiel mit fritz von stein (sohn der frau von stein) oft in streit. und wie das bei rechthaberischen menschen, deren schiller durchaus einer war, mit humor dann oft so ist, schrieb er flugs eine abhandlung übers kegeln und nannte sie:

    Abhandlungen über die Kegelkunst von Friedrich Freiherrn von Stein, Herzoglich Sachsen-Weimarschen Kammerherrn, Brothusaren und Kümmeltürken.

    wer beleidigt heute noch jemanden so? gezielte beleidigungen sind eine kunst, die nicht gelernt sein kann, sondern nur aus dem herzen kömmt. sie fördern den mut und einfallsreichtum des beleidigten, wenn sie im rahmen des erträglichen bleiben.

  22. #47
    Resurrector Avatar von aerolith
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    "Herrmann und Dorothea"

    honorare zur klassik:

    goethe erhielt für sein heute zurecht eher vernachlässigtes werk "Herrmann und Dorothea" von Vieweg 1000 Taler (ca. 80000 €: gemessen am heutigen Silberpreis), der es in einer auflage von 4000 stück produzierte und mit gewinn verkaufte.

    gut verlegerisch gedacht eins:eins:eins - herstellung bzw. honorar: vertrieb: gewinn, so ergeben sich verkaufskosten von 0,75 Taler bzw. 15 Groschen das buch (ca. 60 € je Buch).

    ein solches lyrikbuch auf heutige verhältnisse übertragen:

    auflage: 20000
    preis: 60 €

    würde sich das in deutschland heute rechnen? wohl kaum.

  23. #48
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    Schillers Finanzen

    Die große Steuerlüge. Durch zahlreiche Geschichtsbücher geistert die Lüge von der Auspressung des Volkes durch die Herrschenden. Die Wahrheit sieht anders aus.

    Was gemeint ist, mag jeder Heutige angesichts folgender Tatsache bemessen: Es gab keine Steuern für Essen, Trinken und dergleichen, die der Endverbraucher zahlen mußte. Diese uns heute wohlvertrauten Steuern sind Erfindungen des späten 19. Jahrhunderts bzw. stammen aus der Zeit des ersten Weltkrieges.

    Schiller mußte für sein 90000 € teures Haus (1150 Thaler bar bezahlt!) jährlich an Steuern zahlen: 9 Groschen, 4 Pfennige, d.s. etwa 37 €. Mehr zahlte er das ganze Jahr nicht. Keine Einkommensteuer, keine Gewerbesteuer, keine anderen Abgaben. Er bezog anfangs vom Herzog 200 Thaler (16000 €), im Jahr seiner Krankheit verdoppelte der Herzog Schillers Einkünfte. Nebenbei verdiente er als Schriftsteller nicht schlecht, ungefähr 1000 Thaler im Jahr, besonders Almanache, Kalender und Zeitschriften (Horen) gingen gut, weil sie regelmäßig Abnehmer fanden. Die Einnahmen als Professor sind marginal, vielleicht nebenher noch 100 Thaler p.a.
    Schillers Haushaltung verschlang etwa 1200 Thaler p.a. (ca. 96000 €), denn Schiller lebte auf großem Fuß. Arm war der Mann nicht, zumal er 1792 3000 Thaler (ca. 240000 €) vom Augustenburger Stipendium erhielt, d.i,.nach heutigem Wert drei Einfamilienhäuser.

  24. #49
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    Post vaticinium ex eventu

    von goethe ist bekannt, daß er im nachhinein viele ereignisse seines lebens mystifizierte. eines der berühmteren beispiele für diese technik des vaticinium ex eventu ist die sentenz über die kanonade von valmy, wie hertslet zu berichten weiß:


    [quote[erstellt von Hertslet:
    Goethes vielzitierte Prophezeiung, die er am Vorabend der Kanonade von Valmy ausgesprochen haben soll: 'Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabeigewesen', ist ein bloßes Vaticinium ex eventu [Vorhersage eines kommenden Ereignisses, nachdem das Ereignis stattfand]. Erst 1820/22, also volle dreißig Jahre später, kommt sie in seiner damals niedergeschriebenen 'Kampagne in Frankreich 1792' erstmalig in dieser Formulierung vor. Goethe, der im Gefolge des Herzogs von Weimar an dem mißlungenen Feldzug gegen das republikanische Frankreich teilgenommen hatte, beruft sich auf eigene Tagebuchnotizen, deren Original aber nicht mehr vorhanden ist und vermutlich überhaupt nicht existiert hat. Der Dichter hat seine Erinnerungen mit Hilfe der bereits 1809 in Amsterdam erschienenen 'Memoiren zur Geschichte des preußischen Staates' des Majors A.L. von Massenbach in Tagebuchform rekonstruiert. Dort heißt es [Bd. I, S. 115.]: 'Der zwanzigste September 1792 mußte Europa eine andere Gestalt geben.' Aus diesem Wortlaut hat dann Goethe seine Formulierung entwickelt." (Hertslet, S. 235.)[/quote]

  25. #50
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    Lightbulb nix nuntii

    kleiner Fehler in Schillers "Demetrius": Schiller läßt Demetrius von einem Nuntius begleiten. Allerdings gab es um 1572 eine Reform durch Gregor XIII., so daß Nuntii fortan keine völkerrechtlichen bzw. missionarischen Tätigkeiten mehr ausübten, sondern sich auf innerkirchliche Tätigkeiten der kirchlichen Gerichtsbarkeit, Bischofsvisitationen, der Erteilung von Dispensen und Absolutionen und der Weihe beschränkten. Schiller hätte hier einfach einen Pater o.ä. mitgeben sollen.

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