Herder nahm Lockes Widerspruch von den Bewußtseinsinhalten, die vorgeburtlich gebildet würden, und seinem dictio der tabula rasa, die durch Sinneseindrücke erst eben diese Bewußtseinsinhalte zu bilden vermöchte, sehr ernst, nein, er nahm nicht den Widerspruch, er nahm den Gedanken in seinen Bildungsgedanken auf. Die Totalität der Erfassung der Wirklichkeit vollzieht sich über die Sinne. Bei Herder.

Ich möchte das zu bedenken geben, denn es gibt nicht wenige, die Schiller und Herder als eine Komponente des Humanitätsbegriffes der Klassik begreifen. Ich möchte deshalb mit allem Nachdruck hier feststellen, daß Schillern mitnichten an eine durch Sinneseindrücke sich ausprägende Bewußtheit dachte. Schwerlich hätte er sonst Goethe während jenes berühmten Gesprächs am Fürstengraben sagen können: "Das mit Ihrer Urpflanze ist bloß so eine Idee von Ihnen."

Für Schiller ergibt sich die Totalität der Erfassung der Wirklichkeit AUCH über die Sinne, sie bilden einen Teil der Totalität. Das ist etwas ganz anderes.
Wirklichkeit wird durch Ideen gemacht, nicht Ideen durch die Wirklichkeit bestimmt. Modifiziert, nicht bestimmt.