Goethe erschuf sich alle paar Jahre neu. Als alter Mann neigte er dazu, sich auf das Althergebrachte zu besinnen. Der junge Goethe dagegen betrachtete das Leben als einen Strom, in dessen Mitte das Subjekt entweder als Steuermann oder als bloßer Teil des Strömenden sich behaupten müsse, oft auch galt es eben das zu nehmen, was gegeben ward... das Symbolische dieses Begriffes Strom liegt auf der Hand. Im Alter dagegen betrachtete er das Weltgeschehen, mithin auch sein eigenes Schicksal als durch das sichere Treiben AUF dem Strom, in einem Schiff gesichert, als ein Stromern im sicheren Gefährt. Das Schiff der Kirche, das Gefälle der Geschichte, das Zielgerichtete eines überindividuellen Einschreitenkönnens. Manche behaupten, Goethe sei im Alter katholisch geworden. Vielleicht ist "vorneuzeitlich" der bessere Ausdruck. Lebenssicherheit durch den Glauben an eine ewige Heimat, deren Schutz und Richtung nur der besitzt, der an sie glaubt.