Es gab in Rom keine Mittelstandspolitik zur Förderung der Lohnarbeit, sondern Sklavenwirtschaft. Ein Herr ließ arbeiten und übergab jeden Arbeitsschritt, vom ersten bis zum letzten Sklaven. Er nahm sich den Mehrwert, sicherte den Sklaven aber ein bekömmliches Leben, auch die Möglichkeit der Freilassung oder sogar Adoption zu. Der römische Unternehmer mußte kalkulieren, ob ihm ein Sklave oder ein Freigelassener mehr einbrachte. Aber es ließ keine kapitalistische Warenproduktion zu. Jeder Mehrwert der kleinen Produktionsstätten floß in die Kassen der Reichen.
Ein Mittelstand konnte sich so nicht bilden. Das Geldwesen und der Handel wurden über die Grundbesitzer abgewickelt, die keine Konkurrenz durch Auswärtige zuließen, die nicht einmal Boden besitzen durften. Die gewinnträchtigen öffentlichen Arbeiten teilten sich die Senatoren, indem sie einander Aufträge zuschoben, die mit Geld aus öffentlichen Kassen bezahlt wurden. Allerdings war der Kapitalbedarf groß, was vielen, auch auswärtigen Spekulanten Möglichkeiten bot, die aber im Hintergrund agieren mußten, denn in Rom duldete man keine Einmischungen von Auswärtigen.
Doch Rom wuchs, mit ihm die Zahl der Sklaven und Freigelassenen ohne politische und wirtschaftliche Bindung. Sklavenverschwörungen, 419 v.Chr., und Freigelassenenaufstände, 357 v.Chr., mußten niedergeschlagen werden.
Mit dem Wachsen der Stadt ging auch die Organisation der städtischen Ordnung einher. Die polizeiliche Ordnung gewährleisteten Ädilen; man bestimmte jährlich vier für vier Stadtbezirke. Ihnen oblag auch die Organisation der innerstädtischen Kommunikation, Warenzufuhr, Hygiene, Sperrstunden, Müllabfuhr und Stadtreinigung. magna cloaca. Rom verlor seinen Dorfcharakter. Erstaunlicherweise wurde zur Hochzeit der Republik wenig gebaut. Auch gab es wenig Luxus; man lebte karg. Nach dem Sieg gegen Pyrrhos kam viel Geld in die Stadt, ca. 20000 Talente, nach heutigem Geld 350 Millionen €. Nach 275 v.Chr. baute man eine öffentliche Wasserleitung, einen Festungsring, Straßen, u.a. die via Appia. Rom blieb aber landwirtschaftlich strukturiert; es wurde keine Stadt wie Athen oder Milet, sondern blieb ein großes Dorf und landwirtschaftlich geprägt.
Der besitzende Bauer war Soldat, er bildete den Baustein der Gemeindeversammlung. Was mit dem Schwert gewonnen wurde, erhielt durch den Pflug Gestaltung. Das Wachsen des römischen Staatsgebietes führte zu Neuverteilungen und Umschuldungen, neuen Bürgern, neuer Freiheit – spätestens mit der Aufhebung der Beschränkung des vollen Gemeindebürgerrechts auf die Ansässigen durch Appius Claudius um 312 v.Chr. verlor Rom den auf sich selbst beschränkten Blick und öffnete sich der Welt. Daneben wuchsen auch die Besitzungen der Patrizier. Diesen wurde bereits 367 v.Chr. bestimmt, daß sie zur Bewirtschaftung ihrer riesigen Plantagen nicht nur Sklaven verwenden dürften, sondern auch Freie zu beschäftigen hatten. Man baute Wein, Weizen, Spelt und Feigen, Oliven und Obst an. Auf den Weiden Schafe, Rinder und Ziegen.
Der Außenhandel wurde durch Handelsverträge geregelt.
Gesetzgebung, Münzwesen, Religion, Bildung, Mythologie, Eßkultur: griechische Ursprünge. Aber im Unterschied zu Griechenland, das der Ausbildung des einzelnen großes Gewicht beimaß, erstickten die Römer das Originelle menschlichen Wesens: Funktion und Funktionabilität, darauf kam es an. Jeder sollte ersetzt werden können. Rom ist aus diesem Grunde nur der Form nach griechischen Ursprungs, dem Wesen nach ist es etwas anderes, nämlich die Geburt des Okzidents: Pragmatik und Faschismus des Denkens.


Aufgabe: Nenne zwei Prinzipien und die daraus folgenden Grundzüge römischer Wirtschaftspolitik! (II)