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Thema: Game of Thrones

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Game of Thrones

    Es geht um Blut, Familie, Ehre, Loyalität, Neid, Mißgunst, Jungfräulichkeit, Dienstbereitschaft, Eid und Eidbruch, das Unbekannte, es geht um Stereotype.

    In einer wundervoll altmodischen Weise steht der Dienst am Reich (!) im Mittelpunkt, ist das Positive, wohingegen die Individualinteressen das bleiben und Nebenstränge im Erzählen bilden. Wer dem Reich dient, dem Ganzen, dem Erdenkreis dieser Phantasiewelt, der ist der Gute. Das ist die Substanz. Blut- und Bodenmetaphorik.

    Der Erfolg der Serie liegt eben darin, daß sie das thematisiert und damit gegen den politisch-korrekten Tonfall wirkt. Wir stehen in einer Zeit des politischen Paradigmenwechsels. Konservativ-nationale Themen kommen wieder zu Wort. Die Guten sind diejenigen, die deren Werten genügen. Die Bösen sind die, die ihre Eigeninteressen mit denen der Gesamtinteressen verbinden wollen oder die schlichtweg im Vernunftpathos verharren. Die Bedeutung des Tragischen lag immerdar im Untergang des Guten. Die Guten gehen unter, die Bösen siegen. Das war bei den Griechen so, obgleich hier die Hybris und moralische Exemplifikation noch mächtigere Bausteine, keineswegs aber Katalysatoren für den Untergang des Helden waren, vielmehr Denkvoraussetzungen, die Tragödie erst möglich machten. Interessant ist an heutigen (dramatischen) Fernsehserien, welche Inhalte die Substanz abgeben, die im Bodensatz des Geschehens versinken muß, sozusagen eine Subsubstanz zu bilden gezwungen wird, Künftiges bereits vorbereitend, denn tief ist der Brunnen der Vergangenheit, wie erst der der mythischen!
    In den 70ern und 80ern bildete diese Substanz das Vernünftige, das, was wir in politischer Praxis als Gutmenschentum zu bezeichnen gewohnt sind. Heute sind diese an der Macht. Es wäre also poetisch wertlos, sie in den Kampf gegen Blut und Ehre zu schicken.

    Anders und pointiert gesagt: Serien wie "Game of Thrones" führen dazu, daß sich der Rechtspopulismus breitmachen kann. Wäre ich Reichspropagandaminister, würde ich die Serien verbieten lassen oder schleunigst Abhilfe schaffen und Pittiplatsch zu neuen Ehren kommen lassen. Da siegte wenigstens immer das Gute.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Game of Thrones

    Ich habe mir die finale Staffel angeschaut und bin nicht, wie viele es zu sein scheinen, vom Ende enttäuscht. Es ist zwangsläufig und moralisch. Erstaunlich genug. Macht korrumpiert, also muß auf dem Thron jemand sitzen, der dagegen gefeit ist. Wer anders als der gebrochene Sohn aus dem Reich des Nordens wäre dazu geeignet, zumal in ihm alles Wissen der Menschheit aufgehoben sein soll? Daß der rechtmäßige, angesichts der Legionen an Toten zuvor wohl kaum ein geeignetes Wort, Thronfolger mit einem Mord an seiner Tante ausscheidet, weil er weitere Greuel verhindern möchte, den ewigen Krieg, ist nur ein Motiv, aber nicht Kern des Konflikts.
    Die moralische Wendung der Serie wurde von vielen Zuschauern nicht goutiert. Die moralische Wendung bestand darin, daß dem zeitgeistigen Gutmenschentum der Spiegel vorgehalten wurde: Wer das Gute in die Welt bringen will, kömmt nicht umhin, sich unmoralischer Mittel zu bedienen, wird den ewigen Krieg gegen alle führen müssen, denn Menschen werden immer wieder Widerstand suchen, sind also auf der Seite der Feinde der Guten.
    Daß nun ausgerechnet das ewige Wissen der Menschheit den Thron besteigt, mutet da nicht nur konservativ, sondern im Sinne der Gutmenschen reaktionär an, denn welche Entwickelung sollte die Menschheit mit einem solchen König nehmen? Daß Schottland (äh, der Norden) selbständig wird, ist da nur up to date. Schaut man sich den Thronrat an, so sind da wieder die gleichen Geschäftemacher am Ruder, die immer die Geschäfte führten. Der erste Kronratbeschluß läuft dann auch auf die Errichtung neuer Freudenhäuser hinaus. Es gibt eben keinen Fortschritt, nur Wiederholung. Ein Teil in mir möchte widersprechen, doch diesem Teil fehlen zur Zeit die Argumente.

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