Es geht um Blut, Familie, Ehre, Loyalität, Neid, Mißgunst, Jungfräulichkeit, Dienstbereitschaft, Eid und Eidbruch, das Unbekannte, es geht um Stereotype.

In einer wundervoll altmodischen Weise steht der Dienst am Reich (!) im Mittelpunkt, ist das Positive, wohingegen die Individualinteressen das bleiben und Nebenstränge im Erzählen bilden. Wer dem Reich dient, dem Ganzen, dem Erdenkreis dieser Phantasiewelt, der ist der Gute. Das ist die Substanz. Blut- und Bodenmetaphorik.

Der Erfolg der Serie liegt eben darin, daß sie das thematisiert und damit gegen den politisch-korrekten Tonfall wirkt. Wir stehen in einer Zeit des politischen Paradigmenwechsels. Konservativ-nationale Themen kommen wieder zu Wort. Die Guten sind diejenigen, die deren Werten genügen. Die Bösen sind die, die ihre Eigeninteressen mit denen der Gesamtinteressen verbinden wollen oder die schlichtweg im Vernunftpathos verharren. Die Bedeutung des Tragischen lag immerdar im Untergang des Guten. Die Guten gehen unter, die Bösen siegen. Das war bei den Griechen so, obgleich hier die Hybris und moralische Exemplifikation noch mächtigere Bausteine, keineswegs aber Katalysatoren für den Untergang des Helden waren, vielmehr Denkvoraussetzungen, die Tragödie erst möglich machten. Interessant ist an heutigen (dramatischen) Fernsehserien, welche Inhalte die Substanz abgeben, die im Bodensatz des Geschehens versinken muß, sozusagen eine Subsubstanz zu bilden gezwungen wird, Künftiges bereits vorbereitend, denn tief ist der Brunnen der Vergangenheit, wie erst der der mythischen!
In den 70ern und 80ern bildete diese Substanz das Vernünftige, das, was wir in politischer Praxis als Gutmenschentum zu bezeichnen gewohnt sind. Heute sind diese an der Macht. Es wäre also poetisch wertlos, sie in den Kampf gegen Blut und Ehre zu schicken.

Anders und pointiert gesagt: Serien wie "Game of Thrones" führen dazu, daß sich der Rechtspopulismus breitmachen kann. Wäre ich Reichspropagandaminister, würde ich die Serien verbieten lassen oder schleunigst Abhilfe schaffen und Pittiplatsch zu neuen Ehren kommen lassen. Da siegte wenigstens immer das Gute.