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Thema: Cannabis und Christentum

  1. #76

    AW: Cannabis und Christentum

    Den Unterschied zwischen Wort und Tat müssten wir jedoch im Unter- und Unbewussten suchen. Die oben unter (1) erlernten "Emotionalverträge" in unseren Beziehungsstrukturen, aus unverstandenem Schmerz geboren und weit unter die sichtbare Wasserlinie abgedrängt, wirken in jedem "Bild" von Wort und Tat. Wort und Tat von Frau Merkel gestern und seit 2003 zeigen eine eindeutige Spaltung dazwischen. Was bringt "sie" (als Symbol für das Verhalten des Egos) dazu, auch ihre Lebensgrundlagen für eine Handvoll Braunkohlekohlenstückchen zu verraten? Diese Spaltung ist Ausdruck unserer gespaltenen Grundidee, Verlust (hier zunächst auf bestimte Inselgruppen) begrenzen zu können; und dabei zu gewinnen.

    Wie Wahnsinn nicht begrenzt wahnsinnig sein kann, kann die Aufgabe der Lebensgrundlagen nicht begrenzt wirksam werden.

    Wie die Phantasie es ist, scheint auch die Dummheit zuweilen grenzenlos. Größer als die Dummheit ist jedoch immer die Wahrheit.

    Würden wir genau hinschauen, dann hätten wir alles, was wir bräuchten, uns an den eigenen Haaren aus dem Sunpf zu ziehen. Wir müssten es nur wollen und aufhören, den schon Untergehenden auf den Köpfen herumzutrampeln. Hier: Ihnen das Todesurteil zu überreichen, im Namen der Wirtschaftlichkeit...

    Das ist das Ego: Es will den Lebensfaden der anderen in der Hand halten und sich daran ergötzen, die Macht zu besitzen, ihn zu durchtrennen. Unbewusst steht dahinter der Wunsch nach Göttlichkeit, was nicht der schlechtesten Einer ist. Der Frust über das bisherige Nicht-Erreichen selbiger lässt uns daher Rache als Ersatz nehmen. Es opfert eben mal die, für die es diese "Konferenz" ausrichten sollte...

    Aber noch ist nicht aller Tage Abend.

    Mit der CDU magst du später Recht behalten. Daher opfert Frau Merkel ja das Klima, damit die AfD bei möglich werdenden Neuwahlen (ohne "ab-sondierte" FDP wegen eines angekündigten Braunkohleausstieg) nicht weiter gewinnt...

    Ich fürchte, Macht macht noch süchtiger als die Gier. Macht macht wohl unbewusst noch viel mehr als die Gier und das Streben danach geht auch offen über direkte Opfer. Süchtig in jedem denkbaren Sinne sind wir jedoch aufgrund bestimmter werbepsychologischer Kniffe, von denen auch unsere Aufmerksamkeitsjunkies nicht uninfiziert blieben und die unter (1), im Entzug von Zuneigung und Zugehörigkeit ihre Basis finden. Wer nicht konsumiert, gehört eben nicht dazu. Bis diese Grundidee berichtigt ist, können wir "sie" nicht mit vernünftigen Botschaften auf die Bühne schicken, es ist ja der süchtigen Konsumenten Wille, die ihr Glück im Haben statt im SEIN verorten.

    Haben-Wollen ist zumindest immer mit Nicht-Sein verbunden. Haben-Wollen ist die Wahl des Nicht-Seins.

  2. #77
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    Zitat Michael

    (1) Genau, doch "wie" willst Du die gobalen Massen "sehen"? Was ist das Ziel planetarer Erziehung und Bildung im Sinne des konstruktiven Ganzen (bei vorgenannter Verteilung von Wertschöpfung)? "Konsum- und Arbeitstiere" oder des eines Selbst bewussten Menschen?
    Schon durch deine Frage tust Du Fronten auf. Das darf keine "entweder-oder-Frage" sein. Ich sehe weder im Konsum das Böse...noch im Selbstbewusstein ein Allheilmittel. Jedes Lebewesen konsumiert...selbst die libanesische Zwitterschnecke und der afrikanische Elefant...der übrigens auch über ein Selbstbewusstein verfügt.

    Zitat Michael

    (2) ..., und diese dabei erlernten Verhaltensweisen lassen sich nur im nochmaligen Anschauen als an sich bedeutungslos einsortieren. Sie jedoch später wieder "anzugraben" und kausal zu berichtigen, nicht immer leicht. Denn in den meisten Fällen wäre es das Ego der Eltern, das zu berichtigen wäre. Es gehört zur Entwicklung dazu, verlieren zu können, ohne seinen Selbstwert davon abhängig zu machen. Am Ende spielen wir vielleicht ein Spiel, bei dem es keine Verlierer gibt.
    Auch diese Eltern hatten mal Eltern...ebenso wie ihre Kinder irgendwann mal Eltern sein werden. Also gilt es diesen Kreislauf zu unterbrechen.

    Zitat Michael

    (2) ..., und diese dabei erlernten Verhaltensweisen lassen sich nur im nochmaligen Anschauen als an sich bedeutungslos einsortieren. Sie jedoch später wieder "anzugraben" und kausal zu berichtigen, nicht immer leicht. Denn in den meisten Fällen wäre es das Ego der Eltern, das zu berichtigen wäre. Es gehört zur Entwicklung dazu, verlieren zu können, ohne seinen Selbstwert davon abhängig zu machen. Am Ende spielen wir vielleicht ein Spiel, bei dem es keine Verlierer gibt.
    Man hat sichdoch schon längst...sowohl national als auch international...auf einen Rückbau der Kohlekraftwerke verständigt. Es geht nicht mehr um das "ob"..sondern nur noch um das "wie" und "wann". Dass man darüber diskutieren kann...das sollte man den den Parteien zugestehen. Das Verbot...erst recht wenn es als solches ausgesprochen wird...ist oft nur die zweitbeste Lösung.

    Zitat Michael

    (4) Das würde den Sieg der Vernunft über die Gier bedeuten. Schon einmal hast Du eine Idee aufgegriffen, über die ich "woanders" gelesen hatte. Für diesen Sieg über die Gier wäre es nötig, das Thema der "Wirtschaftspsychologie" neu zu denken und in "für das Ego gangbare Wege" zu übertragen. Als Teilbereich der angewandten P. teilt sie sich in Waren-, Markt-, Kauf- und Verkaufsp., Käufer- und Verkäuferpsychologie und natürlich die Werbepsychologie. Alle Formen der Wirtschaftspsychologie zusammen schaffen dann den Bedarf für die klinische und pharmazeutische Seite der Psychologie.
    Wir leben in einer Zeit (zum Glück)...in der man so etwas den Menschen nicht einfach überstülpt. Das wäre als ob sich die Protagonisten einer zerrütteten Ehe darauf verständigen...dass sich jeder für den anderen ändert. Das geht zwei Wochen gut...dann ist man wieder am Ausgangspunkt. Was Du nicht aus dir selbst...aus deiner inneren Überzeugung heraus machst...das machst du auch nicht gut. Kein Diktat kann eine solche Überzeugung wachsen lassen...das muss erst geschult und dann gelebt werden. Nicht weil du teilst...sondern weil du gerne teilst haben beide etwas davon. Dieses "gerne" ist jedoch nicht jedem angeboren.


    Zitat Michael

    Deine Idee einer "Rechnersteuerung" ist von 1555! Jedoch lässt sich die Emotionalität aus dem Mangeldenksystem der Wirtschaftspsychologie nicht in rationale Bahnen lenken. Emotionalität wird durch das Fehlen der Ängste umgewandelt, die wir auch unter Punkt 1 erlernt haben. Sie besitzt, wie alles in der Dualität, aufbauende, abbauende und neutrale Kraftwirkungen. Die "Angst", die unsere "Industriepsychologie 4.0" regiert, ist überall die gleiche. Es ist die Angst, "sonst" zu den Verlierern zu gehören, die alle "Köhler" dazu bringt, ein Herz aus Stein zu tragen.
    Doch, das kann funktionieren-das wird funktionieren. Ginge es nach den Luftfahrtexperten, würde schon heute kein Pilot mehr im Cockpit sitzen. Dass er da sitzt...das ist der Psyche der Passagiere geschuldet. Objekt gesehen wären sie ohne den Piloten sicherer unterwegs. Das kann man auf alle Lebensbereiche übertragen.

    Am Anfang der Syrienkrise hätte der Rechner gesagt: Unterstützt Assad den Aufstand zu beenden...denn die Aufständigen sind Terroristen. Hätte man auf den Rechner gehört...wären wir etwa auf dem Stand von heute...nur mit ein paar hunderttausend Toten und Heimatlosen weniger. Die Menschen hätten Haus und Hof behalten...die Religionen weiterhin friedlich miteinander gelebt...und niemand hätte nach Europa flüchten müssen.

    Wir wägen rational ab, entscheiden dann aber emotional. Der Rechner hält sich nur an die Fakten.

    Zitat Michael

    Ich fürchte, Macht macht noch süchtiger als die Gier. Macht macht wohl unbewusst noch viel mehr als die Gier und das Streben danach geht auch offen über direkte Opfer. Süchtig in jedem denkbaren Sinne sind wir jedoch aufgrund bestimmter werbepsychologischer Kniffe
    Erst die Macht vollendet die Gier. Eine Gier ohne Macht bleibt immer ungestillt. Du kannst aus dir heraus gierig werden, aber zur Macht müssen dir immer erst Dritte verhelfen. Und diejenigen...die dir wegen deiner Attribute zur Macht verhelfen, machen dir...wenn du die Macht dann hast...die selben Attribute zum Vorwurf. Setzt du eine Gruppe Menschen auf einer verlassenen Insel aus...wird diese Gruppe einen Anführer wählen. Vermutlich den stärksten oder klügsten unter ihnen. Und genau wegen dieser Stärke oder Klugheit wollen sie dich dann irgendwann zu Fall bringen.

    Hast Du 10 Millionen auf dem Konto, kannst du den Kommunalpolitiker bestechen...damit er dir deine Privatstraße genehmigt. Steht die nächste Genehmigung an...überlegst Du dir vielleicht selbst den Posten des Kommunalpolitikers einzunehmen...um dir das Bestechungsgeld künftig zu sparen.

    Wir leben zwar in der Gegenwart, sind aber in Vergangenheit und Zukunft geichermaßen gefangen. In der Vergangenheit wegen unseren Erfahrungen, in der Zukunft wegen unseren Erwartungen. In unseren Abwägungen spielt beides eine Rolle - wir treffen Entscheidungen für eine an Erwartungen geknüpfte Zukunft, bringen aber Misstrauen oder Vertrauen von bereits gefällten Entscheidungen aus der Vergangenheit mit. Für den Rechner gibt es zwar auch eine Vergangenheit...in Form empirischer Daten...aber er gibt diesen Daten kein emotionales Gewicht...sie dienen ihm lediglich um Wahrscheinlichkeiten zu berechnen. Für ihn zählen nur der Status Quo und das vorgegebene Ziel. Im Falle Syrien wäre das Ziel Frieden auf dem größt möglichen Nenner. Haben die Rechner aller Nationen das gleiche Ziel...dann ist dieses Ziel auch zu erreichen. Heutige Abrüstungsübereinkommen werden irgendwann durch Rechnergleichschaltungen ersetzt, so wie der Un-Sicherheitsrat durch eine permanente Programmabgleichung ersetzt wird.

  3. #78
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    Oder stelle dir mal folgendes vor: Statt Koalitionsverhandlungen zu führen, stöpseln die vier Parteien ihre Rechner an einen Zentralrechner.
    Der Zentralrechner rechnet, unter Berücksichtigung aller Interessen, die optimalsten Kompromisse aus. Damit er das kann...muss er die gemeinsamen Ziele kennen. Die Ziele werden nicht von den Politikern...sondern von der Gesellschaft vorgegeben. Im Falle der Kohlekraftwerke hieße dieses Ziel 40% Co2 Reduktion bis zum Jahre 2020. Der Rechner würde jetzt vielleicht "sagen": Wenn ich 20 Kraftwerke abschalte, dann produziere ich viele Arbeitslose und breche meine Verträge. Lösung: Alle 1000 Kraftwerke reduzieren ihre Produktion sofort um 5%. Das Jahr darauf abermals um 5%...usw. Das wäre a. ein sanfter Ausstieg und b. mit einer viel gößeren Wirkung, denn wenn ich 20 Kraftwerke von 1000 sofort abschalte, dann sind das 2% - nach dem Vorschlag des Rechners sind es 5%. Für die 5% kommt die Gesellschaft auf, denn es es ist ja ihr Ziel. In der Prxis würde das so aussehen: Wenn die Unternehmen um 5% reduzieren, müssen sie ihrem Personal 5% weniger Lohn bezahlen. Diese 5% werden nun mit den Gewinnen aus den Erneuerbaren Energien kompensiert. Auf diese Art und Weise erreichen wir unsere Ziel...und das auch noch viel schneller...ohne auch nur einen Menschen arbeitslos zu machen.

    Beispiel 2: Familiennachzug. Der Rechner sagt: Es ist unlogisch, dass ein 30-jähriger Mann sich alleine in Sícherheit bringt und Frau und Kinder im Bombenhagel zurücklässt. Er würde es genau umgekehrt machen, also Frau und Kinder zuerst in Sicherheit bringen. Es kann also gar nicht sein, dass da jemand seine Familie nachholen muss...weil diese sich angeblich in Gefahr befindet. Es ist genau umgekehrt! Wenn ein junger Mann bei uns lebt, seine Familie woanders...dann muss der Mann zurück zur Familie geführt werden.

    Es sind also rein rationale, logische Entscheidungen die der Rechner trifft - nur so kann man möglichst allen gerecht werden.

    In Zuzkunft wird nicht regiert, sondern "gepatcht". Patchen im Sinne von alle Rechner zusammenstöpseln.
    Der Zentralrechner ist eine Art Radio Eriwan. Wir brauchen nur noch Leute die dafür sorgen...dass alle relevanten Daten zur Verfügung stehen. Aus Parametern und Algorithmen basteln wir uns die Zukunft. Und so...wie heute schon das Fliegen ohne menschlichen Einfluss sicherer ist...wird in Zukunft das Leben ohne menschlichen Einfluss viel angenehmer und sicherer sein.
    Da muss man weder Visonär noch Genie sein...es ist einfach nur logisch.

    Warum es zwischen Grünen und CSU nicht "funkt":

    Wenn Du dir mal die Geschichte der Grünen anschaust..wirst du feststellen...dass die Grünen die konservativste aller Parteien ist. Sie formulieren "moderne" Ziele, wählen aber antiquarische Wege...um diese Ziele zu erreichen. Sie kennen für alle Probleme nur eine Lösung: Das Verbot! Wenn die Grünen z.B. sagen wir wollen eine saubere Umwelt...dannn frage ich mich....wer will das nicht? Da sie sowohl Ziele und Lösungen minimalisieren..sind sie die Populisten schlechthin. Sie haben NIE innovative Lösungen im Angebot...sondern immer nur das Verbot. Von Lehrern sollte man auch nicht mehr erwarten.

    Bei der CSu ist es genau umgekehrt. Die CSU formuliert konservative Werte, Ziele...handelt aber gegenteilig. Bayern ist zusammen mit BW das innovativste, das modernste Bundesland. In der Wahrnehmung der Bevölkerung ist da nicht so, sind die Grünen modern und die CSU altmodisch. Das kann man aber erklären: Die Grünen sind nicht verortet, an ihrem grünen Kleid haften keine Traditionen. Denke ich an die CSU, habe ich Blasmusik in den Ohren und um den Maibaum tanzende Bauern vor Augen - dabei hat das mit der CSU rein gar nichts zu tun. Auch bei den Grünen würden die Bayern um den Maibaum tanzen. Beides steht nicht in einer Linie...es handelt sich um Parallelentwicklungen. Die älteste Partei ist 150 Jahre alt, die völkstümlichen Eigenarten und Traditionen sind viele Jahrhunderte alt.

    Die Berliner hingegen haben ein ganz andere Tradition. Sie habenn sich nicht anders, nicht moderner entwickelt - der Unterschied war schon immer da. Der Berliner hat noch nie die Blasmusik gemocht...war schon immer ein Technofreak. Deshalb kann ich auch nicht sagen die einen wären in ihrer Entwicklung stehengeblieben...die anderen fortschrittlich geblieben. Sachsen, Bayern, Preußen und Co., Geschichte lässt sich nicht einfach so wegargumentieren - die Unterschiede, die Traditionen bleiben bestehen.

    Die gemeinsame Geschichte vebindet - man hat Schulter an Schulter gegen Osmanen, gegen Napoleon, gegen die Ungarn und viele andere gekämpft. Diese gemeinsame Geschichte ermöglicht es uns in einem föderalistischen Staat miteinander auszukommen. Das ist aber auch gleichzeitig der Grund...warum das mit einem vereinigten Europa nicht funktionieren kann. Mit Griechen, Rumänen, Bulgaren, Portugiesen usw. verbindet uns rein gar nichts. Der Bayer haftet, wenn auch mit geballter Faust, für den Preußen - aber der Deutsche will nicht für den Griechen haften...warum sollte er das auch wollen? Punktuell udn zeitlich begrenzt ist man gerne mal zur Hilfe bereit....aber als Dauerzustand? Der Grieche wird immer der Faule, der Deutsche der Fleißige bleiben. Ein föderalistisches Europa nach deutschem Modell und nach französischer Vorstellung....mit Eurobonds und allem drum dran...ist alleine schon deshalb zum Scheitern verurteilt.

    Wenn sich die Zoodirektoren der Zoos Stuttgart, Hamburg und Berlin darauf verständigen ihre jeweilige Löwenrudel zusammenzulegen...dann werden alle Löwen sterben. Und wenn wir von Deutschen, von Franzosen, von Engländern sprechen...dann reden wir aus evolutionsbiologischer Sicht ebenfalls von Rudeln. So gottnah der Mensch sich auch glaubt...und bei aller Anstrengung... die Naturgesetze wird er niemals ändern können

  4. #79

    AW: Cannabis und Christentum

    Zitat Zitat von anderedimension Beitrag anzeigen
    Oder stelle dir mal folgendes vor: Statt Koalitionsverhandlungen zu führen, stöpseln die vier Parteien ihre Rechner an einen Zentralrechner.
    Der Zentralrechner rechnet, unter Berücksichtigung aller Interessen, die optimalsten Kompromisse aus. Damit er das kann...muss er die gemeinsamen Ziele kennen. Die Ziele werden nicht von den Politikern...sondern von der Gesellschaft vorgegeben. (...) Diese 5% werden nun mit den Gewinnen aus den Erneuerbaren Energien kompensiert. Auf diese Art und Weise erreichen wir unsere Ziel...und das auch noch viel schneller...ohne auch nur einen Menschen arbeitslos zu machen.


    Es sind also rein rationale, logische Entscheidungen die der Rechner trifft - nur so kann man möglichst allen gerecht werden.

    In Zuzkunft wird nicht regiert, sondern "gepatcht". Patchen im Sinne von alle Rechner zusammenstöpseln.
    Der Zentralrechner ist eine Art Radio Eriwan. Wir brauchen nur noch Leute die dafür sorgen...dass alle relevanten Daten zur Verfügung stehen. Aus Parametern und Algorithmen basteln wir uns die Zukunft. Und so...wie heute schon das Fliegen ohne menschlichen Einfluss sicherer ist...wird in Zukunft das Leben ohne menschlichen Einfluss viel angenehmer und sicherer sein.

    Da muss man weder Visonär noch Genie sein...es ist einfach nur logisch.

    Interessante Ideen. Wenn die Gesellschaft die Ziele vorgeben soll, müssten wir jedoch die "Sondierung" als ein stetiges Flussbild betrachten, denn, was gestern richtig war, muss es morgen nicht sein. Dein Modell geht jedoch von der Grundprämisse aller Marktfunktion aus, die uns abhanden kam: VOLLKOMMENE INFORMATION. So beschreibst Du den technischen Weg nach einer Zielfindung, das Schwierige dabei wird bleiben, die vollkommene Information im Flussbild ständig neu zu patchen.

    Doch die Parameter und Faktoren, die in den Algorithmen eingebaut werden, setzen wir ohne eine natürliche Feedbackschleife, meine Kritik an Descarte. Es ist ein Blindflug, der Natur unsere Parameter aufzwingen zu wollen; und da wir die Grenzparameter nicht kennen, beruht die scheinbar gewonnene Sicherheit auf reinen Annahmen. Von "atmenden Obergrenzen" zu einer "atmenden Mitwelt" zu gelangen, erfordert Mitgefühl und Zugehörigkeitsgefühl. Beides kann immer nur in der Gegenwart sein, daher greife ich Deine Gedanken dazu noch einmal auf:

    Zitat Zitat von anderedimension Beitrag anzeigen
    Wir leben zwar in der Gegenwart, sind aber in Vergangenheit und Zukunft geichermaßen gefangen. In der Vergangenheit wegen unseren Erfahrungen, in der Zukunft wegen unseren Erwartungen. In unseren Abwägungen spielt beides eine Rolle - wir treffen Entscheidungen für eine an Erwartungen geknüpfte Zukunft, bringen aber Misstrauen oder Vertrauen von bereits gefällten Entscheidungen aus der Vergangenheit mit. Für den Rechner gibt es zwar auch eine Vergangenheit...in Form empirischer Daten...aber er gibt diesen Daten kein emotionales Gewicht...sie dienen ihm lediglich um Wahrscheinlichkeiten zu berechnen. Für ihn zählen nur der Status Quo und das vorgegebene Ziel. Im Falle Syrien wäre das Ziel Frieden auf dem größt möglichen Nenner. Haben die Rechner aller Nationen das gleiche Ziel...dann ist dieses Ziel auch zu erreichen. Heutige Abrüstungsübereinkommen werden irgendwann durch Rechnergleichschaltungen ersetzt, so wie der Un-Sicherheitsrat durch eine permanente Programmabgleichung ersetzt wird.
    Wir sind nur darin gefangen, wenn wir "Schuld" damit verbinden. Schuld an einer bösen Vergangenheit oder Angst vor einer ungeschehenen Zukunft sind jetzt niemals unser wirkliches Problem. Es ist immer die Abwehr der Verbindung zwischen Geistern, die gefürchtet wird. Dein Bild würde ich dagegen gern auf den Geist ausdehnen: Stell Dir vor, die Sondierer würden ihren Geist verbinden und zusammenstöpseln...

    Zwar haben wir in der Vergangenheit selten diese Erfahrung gemacht, doch JEDER wird sie kennen. Dazu ist jedoch die Maske anzunehmen, die "Person", die wir beschlossen haben, zu sein. Doch die nur ein Bild in unserem Kopf ist, geprägt von den Bedürfnissen einer nimmersatten Egostruktur als "Programmabgleich". Frieden als überlebenswichtiger Programmbestandteil beginnt im Geist und die Möglichkeit zur Herrschaft über den eigenen Geist ist es, die zu vermitteln wäre. Erst sollte im eigenen Geist abgerüstet werden, um den Kampf gegen die Umwelt als letztlich tödliches Programm erkennen zu können und wieder eine innere Verbindung zur Mitwelt aufbauen zu können.

    Wenn die Vergangenheit in unserem Geist ihr emotionales Gewicht verloren hat, befreien wir uns daraus. Dazu ist ihr ein lehrreicher Nutzen zu verleihen. Dieser kann nur in der Annahme gefunden werden, anzunehmen, wir alle sind Teil eines verbundenen Ganzen. Dann wird das Teilen zum Programm und das Glück im Gegenüber zum eigenen Frieden ausgedehnt. Den Frieden, den wir bräuchten, finden wir in uns selbst; er hat jedoch eine Quelle, die nicht in unserer Vernunft zu ermessen ist. Dann wären unsere Erfahrungen die Grenzen dessen, was möglich ist und niemals hätten wir eine Chance, der "bösen" Vergangenheit oder der "drohenden" Zukunft durch inneren Frieden im Jetzt zu entkommen.

    Ein Heilmittel auf dem Weg zum Frieden kann die Cannabispflanze durchaus sein. Sowohl in Bezug auf sinnvolle Arbeitsplätze, den Erhalt des natürlichen Lebenssystems und die Bindung von CO2 und sonstigen Feinstäuben. Und natürlich auch im Kontext der allgemeinen Erfahrung einer spirituellen Dimension des Daseins, die uns eine Anbindung an das Speziessystem erlaubt, die mit der fehlenden Feedbackschleife gemeint war.

    Eine allgemeine Erklärung, was im "zusammengestöpselten Geisteszustand" möglich ist, kann mangels bisheriger kollektiver Erfahrung noch kaum in geeignete Worte gefasst werden; eine allgemeine Erfahrung desselben ist jedoch jederzeit möglich und ganz sicher auch nötig. Was den getrennten Geist betrifft, haben Descarte, Kant und Freud ihren Erklärungsnutzen; was den verbundenen Geist betrifft, tappen sie ohne eigene Erfahrungswerte relativ im Dunkeln, im bisher Ungesehenen.

    Frieden wird durchaus wahrscheinlicher, würde die globale Ächtung der Nutzpflanze Hanf beendet und sein mögliches Potenzial für sinnvolle Arbeit, gesunde Grundstoffe, wirkungsvolle Medizin, als Nahrung und insgesamt zum Maßnahmenbündel "Klimaerhalt" genutzt.

    Was das wirtschaftliche Potenzial betrifft, mal ein Link zu den "Marktaussichten", wie sie von den Investoren gesehen werden:
    https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10073847-bahnbrechende-technologie-cannabis-industrie-hoeheres-level



  5. #80
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    Zitat Michael

    Interessante Ideen. Wenn die Gesellschaft die Ziele vorgeben soll, müssten wir jedoch die "Sondierung" als ein stetiges Flussbild betrachten, denn, was gestern richtig war, muss es morgen nicht sein. Dein Modell geht jedoch von der Grundprämisse aller Marktfunktion aus, die uns abhanden kam: VOLLKOMMENE INFORMATION. So beschreibst Du den technischen Weg nach einer Zielfindung, das Schwierige dabei wird bleiben, die vollkommene Information im Flussbild ständig neu zu patchen.
    Ja- und gerade weil sich die Welt ständig verändert, sich die Parameter permanent verschieben...kann das nur ein Rechner leisten. Der Mensch selbst wird dazu gar nicht mehr in der Lage sein. Eine für alle gleich gute Lösung kann es nicht geben, deshalb wäre es Zeitverschwendung eine solche Lösung anzustreben. Einvernehmlichkeit auf dem größt möglichen Nenner, das muss das Ziel sein. Nur der Rechner ist auch in der Lage kulturelle und religiöse Besonderheiten zu berücksichtigen, ohne sie emotional zu gewichten.

    Zitat Michael

    Doch die Parameter und Faktoren, die in den Algorithmen eingebaut werden, setzen wir ohne eine natürliche Feedbackschleife, meine Kritik an Descarte. Es ist ein Blindflug, der Natur unsere Parameter aufzwingen zu wollen; und da wir die Grenzparameter nicht kennen, beruht die scheinbar gewonnene Sicherheit auf reinen Annahmen. Von "atmenden Obergrenzen" zu einer "atmenden Mitwelt" zu gelangen, erfordert Mitgefühl und Zugehörigkeitsgefühl. Beides kann immer nur in der Gegenwart sein, daher greife ich Deine Gedanken dazu noch einmal auf:
    Verstehe deine Bedenken, aber das Gegenteil wäre wohl der Fall. Beispiel:

    Man hat vor Jahren am Grund der Weltmeere große Vorkommen fossiler "Knollen" (der Fachbegriff fällt mir gerade nicht ein) entdeckt...die sehr reich an Minieralien sind - mit denen man unsere Energieprobleme lösen könnte. Die starken und reichen Nationen haben sich bereits Förderrechte gesichert...auch Deutschland...sich die Meere untereinander aufgeteilt. Die anderen Nationen gehen leer aus. Ein Rechner würde uns sagen wer wie viel und wo fördern darf...und wie es unter allen Nationen verteilt werden muss. Tansania...nur als Beispiel...hat weder einen Zugang zu diesen Meeren..noch die technischen Mittel um die Fossilien zu bergen...also wird der Rechner diesem Land erst gar keine Förderrechte zuteilen...sondern es direkt als "Nehmerland" deklarieren. Deutschland darf in der Nordsee 12% fördern...muss davon Prozentsatz X an Tansania abgeben. Das funktioniert dann, wenn alle Nationen den Zentralrechner als oberste Instanz bedingungslos akzeptieren. Nur wer frei von Vergangenheit, Zukunft und Emotionen ist..ist auch in der Lage gerecht zu entscheiden. Bei seiner Entscheidung berücksichtigt der Rechner Ressourcen, Auswirkungen auf die Umwelt, Regenerationsfähigkeit, Nachhaltigkeit usw. Er entscheidet also nicht gegen oder für die Natur...sondern mit Hilfe der Natur.

    Zitat Michael

    Wir sind nur darin gefangen, wenn wir "Schuld" damit verbinden. Schuld an einer bösen Vergangenheit oder Angst vor einer ungeschehenen Zukunft sind jetzt niemals unser wirkliches Problem. Es ist immer die Abwehr der Verbindung zwischen Geistern, die gefürchtet wird. Dein Bild würde ich dagegen gern auf den Geist ausdehnen: Stell Dir vor, die Sondierer würden ihren Geist verbinden und zusammenstöpseln...
    Genau das macht der Rechner ja auch, wenn wir den Geist als Gesamtheit unseres Wesens verstehen...und nicht als autarke Instanz.

    Noch ein Wort zu Descartes...bzw zu den Philosophen generell...weil Du ihn erwähnt hast:

    Mit den Philosophen habe ich dann ein Problem...wenn sie sich philosophische Fragen stellen...die sie dann philosophisch beantworten. Für mich ist das brotlose Kunst. Das trifft m.E. auf Descartes zu...wie auch z.B. auf einen Schopenhauer...der zu 99% Blödsinn in die Welt setzte...aber für das 1%, kaum mehr als ein Zufallstreffer, gefeiert wird. Umso mehr mag ich Leute die sich philosophische Fragen stellen und diese versuchen wissenschaftlich zu beantworten...oder beantworten zu lassen. Freud war für mich mehr Philosoph als viele derer...die wir als Philosophen feiern.

    Aber ausgerechnet mit dem Thema Drogen ging Freud für seine Verhältnisse eher schlampig um, untermauerte seine Thesen nicht mit wissenschaftlichen Feldversuchen. Er hob die medizinisch "heilenden" Wirkungen von Kokain hervor...ohne sich mit den psychischen Nebenwirkungen zu befassen. Eigentlich total a-typisch für ihn. Warum gerade beim Thema "Kokain"...das wird sein Geheimnis bleiben.

    Zitat Michael

    Ein Heilmittel auf dem Weg zum Frieden kann die Cannabispflanze durchaus sein. Sowohl in Bezug auf sinnvolle Arbeitsplätze, den Erhalt des natürlichen Lebenssystems und die Bindung von CO2 und sonstigen Feinstäuben. Und natürlich auch im Kontext der allgemeinen Erfahrung einer spirituellen Dimension des Daseins, die uns eine Anbindung an das Speziessystem erlaubt, die mit der fehlenden Feedbackschleife gemeint war.
    Was Freud uns schuldig blieb, das haben inzwischen andere Wissenschaftler geliefert. So gur Cannabis für die Ökoblanz auch sein mag, der Preis dafür ist zu hoch. Wenn nur noch Zombies auf unserem Planeten spazieren gehen...dann kann dieser gesund sein wie er will - das bringt niemandem etwas.

    Zitat Michael

    Was das wirtschaftliche Potenzial betrifft, mal ein Link zu den "Marktaussichten", wie sie von den Investoren gesehen werden:
    https://www.wallstreet-online.de/nac...hoeheres-level
    Wer investiert, der sieht in den möglichen Gewinnen den einzigen Sinn seiner Investition. Alle anderen Argumente benötigt er nur um möglichst viele Menschen auf seine Seite zu ziehen - denn zumindest diese stehen ihm dann nicht mehr im Wege.

    Wenn dich deine 14-jährige Tochter bittet über Nacht auf der Party bleiben zu dürfen...wo doch ansonsten 22:00 nach Hause gilt, wird sie dir tausend gute Argumente dafür liefern. Nur den einen wahren Grund, dass sie sich zu ihrem ersten Mal verabredete, wird sie dir nicht nennen.

    Beim Thema Cannabis müssen wir es vielleicht machen wie in der Politik: Sondierungsgespräche führen.

    Dabei sucht man zunächst nach Gemeinsamkeiten. Wenn wir über mögliche Folgen der Legalisierung reden, sind wir eigentlich schon einen Schritt zu weit.

    Die erste Fage sollte sein: Warum konsumieren Menschen Cannabis?

    Antwort: 99% konsumerien es um der Realität zu entfliehen. 1% aus anderen, z.B. medizinischen Gründen. Wir unterhalten uns aber nur über dieses 1%.

    Fragen sollten wir uns: Wäre es nicht besser eine Realität zu schaffen...der niemand mehr entfliehen muss?
    Wir reden über Folgen...statt über Perspektiven. Damit machen wir den zweiten Schritt vor dem ersten.
    Folgen=Schlussfolgerung=Konsequenz
    Perspektiven=Aussichten=Alternativen

    Statt Minderheiten zu schützen, und bei Cannabis Konsumenten handelt es sich um eine Minderheit, entlassen wir sie in ihr Schicksal. Wenn man die Demokratie ernst nimmt, ist das eine antidemokratische Vorgehensweise. Denn: Die meisten der Nichtkonsumenten...die für die Legalisierung sind...stimmen wegen der Kriminalität dafür. Es geht ihnen also nicht um den Schutz der Minderheit, sondern um ihr eigenes Wohl. Sie möchten keine Dealer und Junkies vor der Haustür haben. Es ist ein schmutziger Deal...im Sinne von: Wir sind für die Legalisierung...weil wir den ganzen Dreck dann nicht mehr sehen müssen. Unter einer Demokratie stelle ich mir etwas anderes vor. Durch die Legalisierung löst du nicht ein einziges Problem der Konsumenten. Die Beschaffungsproblem ist ja nicht das eigentliche Problem...sondern eine Auswirkung des Problems.

  6. #81

    AW: Cannabis und Christentum

    Verspätet sei zum Beschaffungsproblem angemerkt: Gestern mein erstes Privatrezept eingelöst und legal meine Medizin erworben.

    Für den Betrag von 115 € bekam ich ganze 5 Gramm Medizinalhanf in der Apotheke. Obwohl mir der Preis echt nicht gefällt, konnte ich es das erste Mal unterlassen, einen Menschen, der Dealer genannt werden müsste, mit meinem "Bedürfnis" zu belasten und in die Kriminalität zu schicken. Meine Erfahrung ist halt, dass viele, die "so" genannt werden, auch immer ein Stück weit dazu "gemacht" worden sind.

    Ganz harmloses und lange verjährtes Beispiel: Den besten Preis bei unserem damaligen Dorfdealer bekam immer ein bestimmter Kumpel. So bürgerte sich ein, F. zu W. fahren zu lassen, der dann den Bedarf für die mitbrachte, die sich durch einen "Negativrabatt" (im Vergleich) abgestraft sahen. Obwohl wir also das Ergebnis ohnehin zumeist zusammen "verfrühstückten", wäre mein Kumpel F. wohl als Zwischenhändler eingeordnet worden. An sich hat er denen einen Gefallen getan, deren oft rücksichtloses Verhalten zu einem "Risikoaufschlag" bei W. führte. Auch W. war eher Opfer als Täter, er kam aus der "Nummer" einfach nicht "raus". Zu was das führte, hat er damals ganz gut erkannt und als "Dealerpsychose" zusammengefasst.

    Meine "Beschaffungspsychose", also die Gefahr, auf dem Schwarzmarkt verunreinigtes Material zu erwerben, andere zu kriminalisieren und "Bestrafung" zu riskieren, kann ich nun zumindest langsam auflösen. Der letzte Irrtum, der aufzulösen bleibt, ist natürlich die Vorstellung, ein "Medikament" überhaupt zu benötigen, Geist, Seele und Körper in Gleichklang zu bringen. Der allerletzte übernatürlich, dass Heilung jemals notwendig gewesen wäre...

    Der "Wesenstest" bei der Psychologin war insofern erfolgreich. Zur medizinischen Verwendung im Zeitverlauf kann ich noch nicht viel sagen. Habe jedoch hervorragend geschlafen und es geht mir gut. Immerhin weiß ich, keinen Strukturen ausgesetzt zu sein, die sich nicht dem Wohl des Konsumenten verpflichtet sehen und das Interesse nach Heilung keinesfalls teilen.

    Die persönlichen "Opferrollen" münden in ein Kanalsystem, das "organisiert" wird. Den Vorwurf, die organisierte Kriminalitität, die Geldwäsche, die Mafia oder ansonsten unschuldige Menschen zu "funktionalisieren", kann ich vor mir selbst nun entkräften. Als Konsument habe ich diese Strukturen "gemacht", sie entstehen halt nicht aus dem Nichts.

    Zur "Preispolitik" in den Apotheken später mehr. Es wirkt "gefahrloser", ist mein erster Eindruck. Es wirkt daneben stärker als das bisher bekannte Material aus "sonstigem Anbau unbekannter Herkunft und Qualität". Zumindest über Privatrezepte ist die medizinische Verwendung nunmehr für rund 10 000 Menschen möglich geworden. An der "Preispolitik" wird derzeit gearbeitet, die "Spitzenverbände" von KK und Apothekern beraten sich nach Angaben der Apothekerin. Das Ergebnis nehme ich mal nicht vorweg...

  7. #82
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    AW: Cannabis und Christentum

    Sei Dir gegönnt, dass Du das Zeug jetzt auf legale Art und Weise beziehen kannst. Was ungerecht ist: Wer Gras verschrieben bekommt, der darf berauscht mit dem Auto fahren - alle anderen nicht. Das ist weder moralisch noch juristisch ok. Aber diese Willkür seitens der Politik ist nicht neu - fast gewöhnt man sich daran.

    Zitat Spiegel.de

    Unter Drogen hinterm Steuer Sollten Cannabis-Patienten Auto fahren?
    Wer medizinisches Cannabis nimmt, darf Auto fahren. Wer kifft, nicht. Das klingt unfair. Doch für die Unterscheidung gibt es mehrere Gründe.
    http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...a-1189333.html

  8. #83

    AW: Cannabis und Christentum

    Sorry, aber da fällst Du auf die Bachblütenpresse rein. Es gibt Patienten, die unter dem Einfluss ihres Medikamentes eine MPU poitiv bestanden haben. Wenn ich mich ans Steuer setze, gelten die gleichen Grenzwerte, wie für alle anderen auch.

    Ganz gewiss darf ich nicht berauscht Auto fahren. Selbst auf dem Fahrrad könnte ich Probleme bekommen. Was auch ich bis zur ersten Rezeptausstellung nicht wusste: Ich musste unterschreiben, keine Maschinen bedienen zu dürfen. Was im Prinzip einem Berufsverbot gleichkommt.

    Was ungerecht ist: Als mir in Massen Codein verordnet wurde, gab es diese Einschränkung nicht. Mit Codein war ich jedenfalls voll fahruntüchtig, aber hätte wohl fahren dürfen. Eine Unterschrift, irgendetwas unter Codeineinfluss nicht tun zu dürfen, musste nicht geleistet werden. Ein Hinweis auf eine Fahruntüchtigkeit unter Codeineinfluss wurde niemals gegeben.

    Daneben hat sich aktuell schon der Verkehrsgerichtstag damit beschäftigt und ich wette fast darauf, dass künftig alle Patienten, die Cannabis als Medizin verwenden, Probleme mit dem Führerschein bekommen. Auch, wenn sie, wie ich, gar kein Auto besitzen und ebensowenig mit dem Auto am Straßenverkehr teilnehmen.

    Ach ja, ein Kumpel hat es tatsächlich geschafft, unter dem Einfluss seines Medikamentes seine FAHRTÜCHTIGKEIT nachzuweisen. Daneben ist es immer eine individuelle Entscheidung, ob Medikamenteneinnahme und das Führen eines Fahrzeuges getrennt werden können.

    Was insgesamt unter den Tisch fällt, ist der Umstand, dass der Grenzwert bei Cannabis viel zu niedrig angesetzt ist. Nach einem einzigen Joint sind mindestens 24 Stunden abzuwarten, bis der Blutgrenzwert unterschritten wird. Der Grenzwert für die Urinkontrollen wird noch eine Woche bis zehn Tage nach einem einzigen Joint überschritten. Was in beiden Fällen nichts mit der Fahrtüchtigkeit zu tun hat.

    Bei der medizinischen Verwendung wird insofern über "vernünftige Grenzwerte" verhandelt. Was dabei herauskommen wird, ist derzeit unklar. Von den Patienten, die Codein oder andere opiathaltigen Schmerzmittel einnehmen, ginge im Straßenverkehr auf jeden Fall eine größere Gefahr aus. Kokain im Blut nachzuweisen, ist annähernd unmöglich, die einzigen, die kein Problem haben, berauscht zu fahren, sind daher die Kokser.

    Es ist immer eine persönliche Entscheidung, in welchem Zustand jemand am Straßenverkehr teilnimmt. Wird diese Eigenverantwortung aufgegeben, wird ein medizinischer Verwender von Cannabis sicherlich genauso bestraft, wie jeder andere auch. Der Grenzwert ist daneben viel zu gering angesetzt und dieser wäre zu hinterfragen und der tatsächlichen Fahruntüchtigkeit anzunähern. Cannabis besitzt eine Halbwertzeit von 7 Tagen und die Abbauikurve verläuft negativ exponentiell, was umgekehrt reziprok zum Wirkverlauf steht. Durch diesen Kumulationseffekt inaktiver Abbauprodukte ist die Grenzwertproblematiok bei Cannabis ein wenig komplexer, als es die Bachblütentrinker und linken Spinner aufzunehmen verstehen.

    Seit wann glaubst du solchen linken Spinnern? Jede Füherscheinbehörde entscheidet bisher, wie sie es will. Ein Rechtsgrundsatz kommt bisher - meines Wissens - nicht zur Anwendung.

    Welche sonstigen Medikamente ebenfalls zur Fahruntüchtigkeit führen, sollte in dieser Betrachtung nicht außen vor bleiben. Wer alles aufgrund der Einnahme von Medikamenten nicht am Straßenverkehr teilnehmen dürfte, müsste dann schon objektiver betrachtet werden. Wer alles aufgrund von bestimmten Erkrankungen und Risikopotenzialen ebenfalls eine Gefahr im Strassenverkehr darstellt, bleibt ebenfalls unbedacht.

    Eine Bekannte bekommt zwei Sorten Antidepressiva. Die eine Sorte nimmt sie morgens und darf damit zur Arbeit fahren. Die andere Sorte nimmt sie abends und ihr Arzt legte ihr nahe, dann besser nicht mehr Auto zu fahren. Ob dieses Medikament morgens jedoch schon völlig abgebaut worden ist, entspricht der gleichen Grundproblematik wie beim Cannabis. Eigenverantwortung ist in beiden Fällen die Grundlage für angemessenes Verhalten.

    So wären für viele Medikamente Grenzwerte festzulegen, die jedoch immer nur Näherungswerte sind und individuell keine absolute Gültigkeit besitzen. Das Thema wird noch lange zu Diskussionen führen.

    Was jedoch auffallen könnte: Wie konnte mein Kumpel seine Fahrtüchtigkeit beweisen, wenn der Grenzwert doch die Fahruntüchtigkeit festlegen sollte? Daneben ist er bei jedem Unfall automatisch anteilig mitschuldig, dies ist ihm ohnehin klar und juristisch nicht aus der Welt zu schaffen.

  9. #84

    AW: Cannabis und Christentum

    Medizinalhanf in der Inneren Medizin,
    Schmerzmedizin und Palliativmedizin

    Medical cannabis in internal medicine, pain medicine and palliative care
    Zusammenfassung

    Seit März 2017 können Ärzte Cannabis in Form getrockneter Blüten (sogenannter Medizinalhanf)
    unter bestimmten Umständen verschreiben. Die Evidenzbasierung für den Einsatz von Medizinalhanf
    in der Inneren Medizin, Schmerz- und Palliativmedizin ist unzureichend. Wissenschaftlich
    fundierte Dosierungsschemata liegen nicht vor. Die Applikation von Medizinalhanf
    als Tee oder über einen Vaporisator ist umständlich.

    Abstract
    Since March 2017, German physicians can prescribe dried cannabis flowers (medical can na -
    bis) under certain circumstances. The evidence for the use of medical cannabis in internal
    medicine, pain medicine and palliative care is insufficient. No scientifically well-founded
    dosage schedules are available. The application of medical cannabis as tea infusion or by a
    vaporisator is cumbersome.

    Cannabis und Cannabinoide
    Die Blüten und blütennahen Blätter der weiblichen Hanfplanze Cannabis sativa enthalten
    etwa 500 unterschiedliche Komponenten, darunter etwa 100 Cannabinoide. Die am besten
    untersuchten Cannabinoide sind Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) and Cannabidiol (CBD).
    THC hat analgetische und psychotrope Eigenschaften. CBD hat antiinflammatorische
    und schmerzmodulatorische Wirkungen. Der menschliche Organismus stellt körpereigene
    Cannabinoide her (sogenannte Endocannabinoide). Das Endocannabinoidsystem spielt
    eine wichtige Rolle in der autonomen und neuroendokrinen Stressreaktion. Die getrock -
    ne ten Blätter und Blüten (Marihuana) und das aus Pflanzenteilen zu Platten oder Blöcken
    ge press te Harz (Haschisch) von Cannabis sativa werden seit ca. 5000 Jahren sowohl zu
    medizinischen als auch Rauschzwecken verwendet (1).

    Die rechtliche Situation
    Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur „Änderung betäubungsmittelrechtlicher und
    anderer Vorschriften“ vom 10. März 2017 können Ärzte cannabisbasierte Arzneimittel in
    Form von Cannabis als getrocknete Blüten (sogenannter Medizinalhanf oder medizinisches
    Cannabis), standardisierter pflanzlicher Extrakte (Dronabinol als Rezepturarzneimittel,
    THC/CBD als Fertigarzneimittel) bzw. als synthetisch hergestellte Cannabisanaloga (Nabilon)
    zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Durch den in § 31 SGB V neu
    eingefügten Absatz 6 haben Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung einen Anspruch
    auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in
    standardisierter Qualität sowie auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen
    Dronabinol oder Nabilon, wenn
    Arzneiverordnung in der Praxis Band 45 Heft 1 Februar 2018
    AVP Übersichtsarbeiten

    24
    1. eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung
    a) nicht zur Verfügung steht oder
    b) im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung der behandelnden Vertragsärztin
    oder des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen
    und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten
    nicht zur Anwendung kommen kann;
    2. eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf
    den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.
    Die Leistung bedarf einer Genehmigung der Krankenkasse, die vor Beginn der Leistung
    zu erteilen ist. Über den Antrag auf Genehmigung ist von der Krankenkasse innerhalb von
    drei Wochen nach Antragseingang sowie fünf Wochen bei Einholung einer gutachterlichen
    Stellungnahme des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung zu entscheiden. Im
    Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung nach § 37b SGB V muss die
    Krankenkasse innerhalb von drei Tagen nach Antragseingang zu entscheiden (2).
    Im Folgenden werden die Probleme im Zusammenhang mit der Verordnung von Medizinalhanf
    dargestellt.
    Unzureichende Quantität und Qualität der Evidenz
    Die Europäische Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency) fordert für die Zulassung
    eines Arzneimittels bei chronischen Schmerzen mindestens zwei ausreichend gepowerte
    randomisierte und kontrollierte Studien (RCT) mit einer Studiendauer von mindestens
    zwölf Wochen. Eine ausreichend gepowerte Studie liegt nach den Kriterien der
    Pain Palliative and Supportive Care Group der Cochrane Collaboration bei einer Teilnehmerzahl
    von mindestens 50 Teilnehmern pro Studienarm vor. Dieses Kriterium wird von
    Medizinalhanf bei keiner Indikation der Inneren Medizin, Schmerz- und Palliativmedizin
    erfüllt (3).
    Bei neuropathischen Schmerzen liegt eine systematische Übersichtsarbeit mit Analyse
    individueller Patientendaten von fünf RCTs mit 178 Patienten mit Polyneuropathien unterschiedlicher
    Genese (in zwei Studien HIV-assoziiert) vor. Die meisten Studienteilnehmer
    hatten in der Vergangenheit Cannabis zu Freizeitzwecken geraucht. Die Studiendauer lag
    zwischen einem Tag und zwei Wochen. Medizinalhanf wurde als Joint (Zigarette mit Ta -
    bak vermischt) oder ohne Zusatz über eine Pfeife geraucht bzw. über einen Vaporisator
    inhaliert. Die THC-Konzentrationen lagen zwischen 1,3 % und 9,4 %. Weitere Analgetika
    waren erlaubt. Die Autoren errechneten eine Number needed to treat for an additional benefit
    (NNTB) für eine Schmerzreduktion von mindestens 30 % im Vergleich zu Placebo
    von 5,6 (95 % Konfidenzintervall (CI) 3,4–14). Die Autoren führten keine quantitative Synthese
    der Häufigkeit von Nebenwirkungen und der Abbruchrate von Nebenwirkungen
    durch. Sie berichteten deskriptiv, dass die meisten Nebenwirkungen (Angst, Desorientierung,
    Konzentrationsstörungen, Benommenheit) mild waren. Psychoaktive Effekte
    („High“-Gefühl) wurden häufiger bei höheren als bei niedrigen THC-Dosen berichtet (4).
    Arzneiverordnung in der Praxis Band 45 Heft 1 Februar 2018
    AVP Übersichtsarbeiten

    25
    Eine RCT verglich Medizinalhanf zweimal pro Tag als Zigarette einer Cannabissorte mit 23
    % THC-Gehalt im Vergleich zu einer nicht THC-haltigen Zigarette bei 21 Patienten mit
    Morbus Crohn mit einer Studiendauer von acht Wochen. Es fanden sich keine signifikanten
    Unterschiede in der Remissionsrate und in der Häufigkeit von Nebenwirkungen, jedoch
    eine signifikante (p < 0,05) Reduktion von Bauchschmerzen und eine Besserung des Appetits
    unter Medizinalhanf (5).
    An einer dreiwöchigen RCT mit 67 Patienten mit HIV-assoziierter Kachexie, die vor der
    Ära der hochaktiven antiretroviralen Therapie durchgeführt wurde, wurden Marihuana-Zigaretten
    mit 3,95 % THC-Gehalt bis zu dreimal pro Tag, Dronabinol oral dreimal 2,5 mg
    pro Tag und Placebo verglichen. Die Patienten nahmen unter Marihuana (3 kg) und
    Dronabi nol (3,2 kg) statistisch signifikant mehr Gewicht zu als in der Placebogruppe (1,1
    kg) (6).
    Weitere randomisierte, kontrollierte Studien mit Medizinalhanf bei Indikationen der Inneren
    Medizin, Schmerz- und Palliativmedizin liegen nicht vor.
    Eine kanadische prospektive einjährige Beobachtungsstudie verglich 215 Patienten mit
    nichttumorbedingten Schmerzen, die mit standardisiertem Medizinalhanf (12,5 % THCGe
    halt) behandelt wurden, mit 216 Schmerzpatienten, die kein Medizinalhanf er hielten.
    Bei 39 % der Patienten lag ein neuropathischer, bei 16 % ein nozizeptiver und bei 45 %
    ein nozizeptiver-neuropathischer Schmerz vor. Die Mehrzahl der Patienten in bei den
    Gruppen erhielt gleichzeitig Opioide. Die mittlere Tagesdosis von Medizinalhanf mit
    einem 12,5 % THC-Gehalt lag bei 2,5 g (Minimum 0,1 g, Maximum 14 g). In der Cannabisgruppe
    zeigte sich eine statistisch signifikante Schmerzreduktion im Vergleich zur Ausgangsmessung
    (–0,92 Punkte auf einer elfstufigen Skala [95 % CI –0,62 bis –1,23] ), nicht
    jedoch in der Kontrollgruppe (–0,18 [95 % CI 0,13 bis –0,49]). Das Ausmaß der Schmerzreduktion
    von < 1 Punkt ist klinisch nicht relevant. Die Rate von nicht schwerwiegenden
    Ne ben wirkungen unter Medizinalhanf war erhöht (adjustierte Inzidenzrate 1,73 [95 % CI
    1,41–2,13]), aber nicht die schwerwiegender Nebenwirkungen (adjustierte Inzidenzrate
    1,08 [95 % CI 0,57–2,04]). Nur 7 % der Patienten in der Cannabisgruppe waren „cannabis -
    naiv“ im Vergleich zu 64 % der Kontrollgruppe. Die Autoren räumten ein, dass ihre Studie
    keine Aussage über die Sicherheit von Medizinalhanf bei cannabisnaiven Patienten mit
    chronischen nichttumorbedingten Schmerzen zulässt (7).
    An einer israelischen einjährigen Beobachtungsstudie nahmen 216 Patienten mit nichttumorbedingten
    Schmerzen (häufigste Diagnosen: chronische muskuloskelettale Schmerzen
    in mehreren Körperregionen; neuropathische Schmerzen) mit Medizinalhanf teil. Die
    durchschnittliche monatliche Dosis lag bei 43 g (unterschiedliche THC-Konzentrationen).
    Die Reduktion des Schmerzintensitätsscores von im Median 7,50 auf einer elfstufigen
    Ska la (95 % CI 6,75–7,75) auf 6,25 (95 % CI 5,75–6,75) war klinisch relevant. 5,3 % der
    Pa tien ten beendeten die Studie wegen Nebenwirkungen. Die Rate schwerer Nebenwirkungen
    lag bei 1 % (8).
    Die Zulassung eines Arzneimittels wäre bei einer solch unzureichenden Datenlage von
    der Europäischen Arzneimittel-Agentur abgelehnt worden.
    Arzneiverordnung in der Praxis Band 45 Heft 1 Februar 2018
    AVP Übersichtsarbeiten

    26
    Dosierung
    Wissenschaftlich fundierte Dosierungsschemata inklusive der Konzentrationen von THC
    und CBD und ihrem Mischungsverhältnis gibt es nicht. Der THC-Gehalt der in Deutsch -
    land rezeptierfähigen Cannabissorten liegt zwischen < 1 % und 22 % und der CBD-Gehalt
    zwischen < 0,1 % und 10 %. In den verfügbaren RCTs und Kohortenstudien lag der THCGehalt
    der Cannabisblüten zwischen 2,5 % und 12,5 % (3). Die durchschnittliche tägliche
    Do sis von Cannabisblüten lag bei den beiden Beobachtungsstudien zwi schen 1,5 g und
    2,5 g pro Tag (7;8). Die Spannweiten waren jedoch beträchtlich.
    Auch zur Häufigkeit der Anwendung gibt es keine wissenschaftlich fundierten Empfehlungen.
    Sie kann von ein- bis mehrmals täglich variieren.
    Applikation: Rauchen, Inhalieren, Tee trinken oder Kekse backen?
    Die in Cannabis überwiegend als Carbonsäuren vorliegenden Wirkstoffe werden erst
    durch Erhitzen in die pharmakologisch wirksamen Formen umgewandelt. Oberhalb von
    185 °C verdampfen Cannabinoide, und freies THC und CBD bilden sich aus den Säurevorstufen.
    Daher sind nur Applikationsformen sinnvoll, bei denen der Patient Cannabisblüten
    thermisch behandelt. Wie der Patient Cannabisblüten anwenden soll, ob als Inhalation
    oder in oraler Form, obliegt grundsätzlich der Entscheidung des Arztes (9).
    Der Wirkeintritt und die -dauer unterscheiden sich nach Art der Anwendung stark. Bei
    Inhalation werden Cannabinoide schnell resorbiert: Schon innerhalb von einer bis zwei
    Minuten ist die Wirkung zu spüren, wobei der maximale Effekt nach 15 Minuten erreicht
    wird. Die Wirkung hält bis zu vier Stunden an. Werden Cannabinoide dagegen oral aufgenommen,
    dauert der Wirkeintritt 30 bis 90 Minuten. Der maximale Effekt wird nach zwei
    bis drei Stunden erreicht. Die Wirkung klingt nach vier bis acht Stunden ab (9).
    Beim Rauchen von Cannabisblüten in Kombination mit Tabak entstehen schädliche Verbrennungsprodukte.
    Daher hat sich die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
    gegen die Einnahme von Cannabisblüten als „Joint“ (gemischt mit Tabak) ausgesprochen
    (2). Auch beim Rauchen von Cannabis ohne Tabak entstehen Verbrennungsprodukte, wel -
    che die Schleimhaut schädigen können.
    Als Applikationsformen bieten sich die Inhalation mittels eines Verdampfers oder das
    Teetrinken an. Das DAC/NRF (Deutscher Arzneimittelkodex/Neues Rezepturformularium)
    hat zwei Rezepturvorschriften für „Cannabisblüten zur Inhalation nach Verdampfung“
    entwickelt. Zur Inhalation stehen spezielle Verdampfer (Vaporisatoren) zur Verfügung,
    mit deren Hilfe eine bestimmte Menge Cannabis erhitzt und so in die aktive Form über -
    führt und inhaliert werden kann. Vaporisatoren erhitzen Cannabisblüten auf die gewählte
    Temperatur, üblicherweise 210 °C. Es entsteht ein inhalierbares Aerosol, das von den Lungenbläschen
    aufgenommen werden kann. Die systemische Bioverfügbarkeit von THC aus
    Cannabisblüten betrug in Studien bei korrekter Applikation etwa 29 % bis 40 %. Der Verdampfer
    muss bei jeder Anwendung mit neuen Cannabisblüten beschickt werden. Patien -
    ten sollten nur solche Verdampfer verwenden, die verlässlich arbeiten und als Medizinprodukt
    in Verkehr sind. Derzeit sind in Deutschland nur zwei Geräte zugelassen: Der
    stationär zu verwendende Volcano Medic® und der transportable Mighty Medic®. Im
    Hilfs mittel-Verzeichnis des GKV-Spitzenverbandes sind Vaporisatoren für Cannabis bis -
    Arzneiverordnung in der Praxis Band 45 Heft 1 Februar 2018
    AVP Übersichtsarbeiten

    27
    lang nicht aufgeführt. Deshalb ist hier ein Einzelfallantrag bei der zuständigen Krankenkasse
    erforderlich (9). Die Benutzung von Vaporisatoren ist für Menschen, die keine Erfahrungen
    mit diesen Geräten zum Freizeitgebrauch von Cannabis haben, schwierig.
    Für „Cannabisblüten zur Teezubereitung“ hat das DAC/NRF ebenfalls Rezepturvorschriften
    zur Verfügung gestellt. Für diese Zubereitung gibt der Patient Cannabisblüten in
    kochendes Wasser und hält den Ansatz über 15 Minuten am Sieden. Der standardmäßige
    Ansatz beträgt 1 g Cannabis pro 1 l Wasser. Die relative Ausbeute an THC beträgt nur etwa
    5 %, die sich bei einer Kochzeit von 60 Minuten um das Eineinhalbfache erhöht. Dies
    erklärt sich durch die begrenzte Wasserlöslichkeit der Cannabinoide und den bei 100 °C nur
    langsam verlaufenden Decarboxylierungsreaktionen. Der Tee kann in einer Thermoskanne
    aufbewahrt werden. Dem Tee soll Sahne zugesetzt werden, damit sich die schlecht wasserlöslichen
    Cannabinoide im Getränk lösen (9).
    Das Einbacken von getrockneten und erhitzten Cannabisblüten in Kekse wird nicht
    emp fohlen, da die aufgenommene Dosis pro Anwendung noch schlechter vorhersehbar
    ist als bei Inhalation.
    Eine genaue Dosierung von Medizinalhanf ist nicht möglich
    Nur wenige Patienten verfügen über eine Feinwaage, um die Einzeldosis exakt zu
    bemessen. Die Dosierung der Cannabisblüten erfolgt daher meist „nach Gefühl“. Die Resorption
    der Cannabisinhaltsstoffe beim Rauchen oder Inhalieren ist sehr stark abhängig
    von der Inhalationstiefe.
    Medizinalhanf oder standardisierte Extrakte bzw. Fertigarzneimittel?
    Die (etwas) bessere Datenlage (2), die bessere Dosierbarkeit, das Vorliegen von in Studien
    überprüften Dosierungen und die einfachere Applikation als Kapsel oder Tropfen sprechen
    für den Einsatz standardisierter Extrakte bzw. Fertigarzneimittel. Seit Oktober 2017 kön -
    nen auch sogenannte Vollspektrumextrakte mit standardisiertem Gehalt von THC und/
    oder CBD und sämtlichen weiteren Wirkstoffe der Cannabisblüten zur oralen Applikation
    als Rezepturarzneimittel verschrieben werden. Aufgrund der langsameren Resorption und
    längeren Wirkdauer ist das Risiko einer missbräuchlichen Verwendung stan dar disierter
    Extrakte bzw. Fertigarzneimittel theoretisch geringer als bei der Inhalation von Cannabisblüten.
    Fahrtüchtigkeit
    Die Bundesregierung hat auf eine Anfrage der Linken am 05.04.2017 mitgeteilt, dass
    „Cannabispatienten“ am Straßenverkehr teilnehmen können, sofern sie aufgrund der Me -
    di ka tion in ihrer Fahrfähigkeit nicht eingeschränkt sind. Patienten drohe keine Sanktion
    nach dem Straßenverkehrsgesetz, wenn Cannabis aus der bestimmungsmäßen Einnahme
    eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt (10).
    Arzneiverordnung in der Praxis Band 45 Heft 1 Februar 2018
    AVP Übersichtsarbeiten

    28
    Die Evidenzbasierung für Medizinalhanf (Cannabisblüten)
    in der Schmerz-, Palliativ-, und Inneren Medizin ist
    unzureichend.
    Der Einsatz von Medizinalhanf in der Schmerz-, Palliativ-,
    und Inneren Medizin ist daher als individueller
    Heil versuch anzusehen.
    Wissenschaftlich fundierte Dosierungsschemata für
    Can na bisblüten stehen nicht zur Verfügung.
    Die Zufuhr von Cannabisblüten gemischt mit Tabak
    (Joint) wird aus gesundheitlichen Gründen nicht empfohlen.
    Die Zufuhr von Cannabisblüten über einen Verdampfer
    oder als Tee ist umständlich.
    Die Verordnung von cannabishaltigen Arzneimitteln
    wird für das Arzneimittelbudget des Arztes berücksichtigt.
    Fazit für die Praxis
    Literatur
    1 Fitzcharles MA, Häuser W: Cannabinoids in the management
    of musculoskeletal or rheumatic diseases. Curr
    Rheumatol Rep 2016; 18: 76.
    2 Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und
    an de rer Vorschriften vom 06.03.2017. BGBL 2017, 11:
    403-406.
    3 Häuser W, Fitzcharles MA, Radbruch L, Petzke F. Cannabinoide
    in der Schmerz- und Palliativmedizin: Eine Übersicht
    von systematischen Übersichtsarbeiten und von
    prospektiven Beobachtungsstudien. Dtsch Arztebl Int
    2017; 114: 627-634.
    4 Andreae MH, Carter GM, Shaparin N et al.: Inhaled cannabis
    for chronic neuropathic pain: a meta-analysis of individual
    patient data. J Pain 2015; 16: 1221-1232.
    5 Naftali T, Mechulam R, Lev LB, Konikoff FM: Cannabis for
    inflammatory bowel disease. Dig Dis 2014; 32: 468-474.
    6 Abrams DI, Hilton JF, Leiser RJ: Shortterm effects of cannabinoids
    in patients with HIV-1 infection: a randomized,
    placebo-controlled clinical trial. Ann Intern Med 2003; 139:
    258-266.

    Interessenkonflikte
    W. Häuser erhielt ein
    persönliches
    Vortragshonorar von
    Grünenthal.

    Prof. Dr. med. Winfried Häuser, Saarbrücken
    whaeuser@klinikum-saarbruecken.de
    7 Ware MA, Wang T, Shapiro S, Collet JP; COMPASS study
    team: Cannabis for the management of pain: assessment
    of safety study (COMPASS). J Pain 2015; 16: 1233-1242.
    8 Haroutounian S, Ratz Y, Ginosar Y et al.: The effect of medicinal
    cannabis on pain and quality-of-life outcomes in
    chronic pain: a prospective open-label study. Clin J Pain
    2016; 32: 1036-1043.
    9 Bussik D, Eckert-Lill C: Cannabis als Medizin. Was kommt
    auf die Apotheken zu? https://www.pharmazeutischezeitung.
    de/index.php?id=67762. Pharmazeutische Zeitung
    2017; Heft 8.
    10 Deutscher Bundestag: Cannabispatienten dürfen Auto
    fah ren: http://www.bundestag.de/presse/hib/2017_04/
    -/502018. Gesundheit/Antwort vom 5. April 2017 (hib 225
    /2017).
    11 Überall M: Neues aus der Schmerzmedizin. Schmerzmedizin



    So hört die Ärzteschaft auf das, was Grünenthal so schreibt....

    Und anderedimension hatte wohl Recht mit der Aussage über die Fahrzeugbenutzung. Die Bundesregierung sah dieses wohl so, doch trotzdem kocht JEDE Führerscheinbehörde bisher ihr eigenes Süppchen.

    Die Heilung des Leukämieverdachtes, die Heilung des "Dinges" in meinem Hals und die unmögliche Verbesserung meiner Augen interesseirt jedoch weder die Ärzteschaft, noch den GBA (Gemeinsamen Bundesausschuss).

    Wenn die Ärzte von Regressforderungen "bedroht" sind, wird die Kausalität das bisherigen Verhalten leider deutlicher. Sie schließen sich lieber der "Kaufmeinung" eines Unternehmens an, die nicht einmal die Schäden des Contergans bezahlt haben. Den Sinn und die Intention des Gesetzes darf und will die Ärzteschaft nicht begreifen. Hätten Sie statt Contergan lieber Cannabis verordnet...

    Die Opfer von Grünenthal werden einfach vergessen...

    Wie "wirtschaftlich" war denn die Verordnung von "Contergan" und "Duogynon" in der Gesamtschau?

    Gekaufte Ärzteschaft...

    Diejenigen zu fragen, die unheilbare Krankheiten überwunden haben, kommt für diese käuflichen Verräter an ihrem Eid nicht in Betracht. Mietmünder für Grünenthal...

  10. #85

    AW: Cannabis und Christentum

    E.Mail an Kaspar Hauser:

    Ihre Expertise für Grünenthal zum Medizinalhanf

    16.02.2018 09:55


    Von michael-
    An whaeuser@klinikum-saarbruecken.de <whaeuser@klinikum-saarbruecken.de>


    Sehr geehrter Herr Dr. Hauser,

    kommt die Ärzteschaft vielleicht einmal auf die Idee, diejenigen zu fragen, die als unheilbar eingestufte Erkrankungen ÜBERLEBT haben, NACHDEM sie von IHRER fachkundigen Ärzteschaft schon aufgegeben worden sind? An Beweisen haben Sie doch gar kein Interesse. ES SOLLTE GEFORSCHT WERDEN.

    Mit dem Contergan Prozess starb damals der Rechtsstaat, für solche "Unternehmen" schreiben SIE IHRE fragwürdigen Expertisen?

    Zum Glück besitzt der Gesetzgeber eine andere Auffassung als Grünenthal. Danke für Ihre Hilfe, unheilbar Kranken die Hoffnung auf ein Überleben zu nehmen.

    Mit herzlichen Grüßen

    Michael Berger

    P.S.: Es gibt keine Schuld, doch es gibt Fehler im Gesundheitswesen, die dringend zu berichtigen sind. Sie scheinen da eher ein Teil des ursächlichen Problems bleiben zu wollen. Was Heilung wirklich ist, interessiert die Ärzteschaft doch keinen Deut. Sie wollen behandeln bis zum Siechtum. Dass IHRE Antibiotikaverordnungen in der Human- und Tiermedizin allein nach "expertenmeinung" in wenigen Jahren mehr Opfer fordern wird, als alle KREBSERKRANKUNGEN zusammen, sollte ihre Ärzteschaft umtreiben.

    Hier und in den anderen Ordnern könnten Sie etwas über Heilung erfahren. Doch ich komme nicht umhin, die gesammelte Ärzteschaft als "ungeheilte Heiler" zu beschreiben. Ungeheilte Heiler in einem System, in dem Krankheit zum MARKT wurde.

    Wenn Ihre Pharmafirmen die Schäden bezahlen müssten, die sie anrichten, müsste der Begriff "Wirtschaftlichkeit" völlig neu definiert werden. So bitte ich, den Begriff Wirtschaftlichkeit noch einmal genauer zu durchdenken.

    Sie sind jedoch weiterhin, wie GOTT SIE schuf. Einzig das Ego glaubt etwas anderes zu sein.
    http://forum.vonwolkenstein.de/threa...4960#post14960


    Was die Ärzteschaft unter Heilung verstehen könnte, wäre hier nachzulesen:
    http://forum.vonwolkenstein.de/threa...6856#post16856


    Nichts für ungut, aber wenn ich "das" lesen muss, kriege ich einen Heulkrampf angesichts dessen, was die Ärzteschaft so "produziert"...


    Aerolith wollte ja "Werbung"... Ärzte als Vertretung der Pharmaunternehmen sind wirklich keine gute Werbung...

  11. #86

    AW: Cannabis und Christentum

    Am 22.2.2018 steht das Thema im Bundestag erneut auf dem Programm:

    https://www.bundestag.de/dokumente/t...annabis/542302

    Über die Preispolitik der Apotheken (300 % Aufschlag auf den Einkaufspreis) beraten derzeit die "Spitzenverbände von Krankenkassen und dem Apothekerverband.

    Wie soll denn die Verordnung von Cannabis als Medizin wirtschaftlich abgebildet werden, wenn die Gier der Apotheker das Ganze im Keim erstickt?

    Beweise für Heilungen wollen einfach nicht gesehen werden. Gibt ja ungefährliche Schlafmittel von Grünenthal...
    Geändert von Michael (20.02.18 um 08:43 Uhr)

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    Von aerolith im Forum Schulbuch "Geschichte bis 1889"
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    Letzter Beitrag: 15.05.15, 13:37

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