Der latente Gegensatz zwischen Rom und Karthago verschärfte sich durch Vorgänge um die sizilische Stadt Messana (heute Messina), die von Syrakus belagert wurde. Die in Messana herrschenden Mamertiner (Marssöhne), eine Räuberbande, waren nach Rom geeilt und hatten den Senat gebeten, Schutz zu gewähren. Die Römer waren in der Klemme, denn einerseits wollten sie die „Marssöhne“ nicht unterstützen, andererseits paßte ihnen der Machtzuwachs des syrakusischen Tyrannen Hieron gar nicht. Rom wollte Italien besitzen, die Karthager Sizilien. Beiden war Hieron im Wege; das kleinere Übel gaben für die Römer die Mamertiner ab, also unterstützten sie die gegen Karthago. Der Schritt war für Rom gewagt, weil er sich gegen die Interessen des mächtigen Karthago richten mußte. Der Senat fand eine Lösung: die Mamertiner wurde als Schutzbefohlene Italiens bezeichnet, der Tyrann von Syrakus, Hieron, dagegen als Ausländer. Rom schuf die Voraussetzungen fürs Eingreifen, das bald erfolgte.
Kaum hatten die Römer den Brückenkopf an der Meerenge vom Festland nach Sizilien eingenommen, gab Hieron auf und machte 263 v.Chr. mit Rom Frieden. Karthago nicht. Es warb Söldner für sizilische Wald- und Berggegenden, die römische Kaufleute, syrakusianische Dörfer und italische Bundesgenossen der Römer auf Sizilien überfielen und die Beute behalten durften. Da Karthago weiterhin das Meer beherrschte, war der Frieden für Rom nicht vorteilhaft. Der Senat in Rom beschloß den Bau von hundert Fünfdeckern. Nach Anfangsverlusten gegenüber den erfahreneren Phöniziern dachte man um: Sie brachten auf dem Vorderdeck eine fliegende Brücke an, die bei entsprechender Nähe zum gegnerischen Schiff niedergelassen werden konnte. Diese Brücke war nach beiden Seiten hin geschützt und bot zudem zwei Leuten Schutz, die ungeschoren die Gegner beschießen konnten. Wenn jetzt das Feindschiff zum Rammstoß ansetzte, so mußte man ausweichen und längsseits kommen, darin bestand die Kunst, dann ließ sich die Brücke hinablassen und die Römer kamen in die Lage, wie zu Lande den Kampf führen. Auch bestimmten die Römer von den zuweilen 400 Schiffsmitgliedern etliche zu Soldaten, unterdessen bei den Phöniziern der Großteil der Schiffsbesatzungen Galeerensklaven mit geringer Lebenserwartung und noch geringerer Moral waren.
Bereits 260 v.Chr. gelang Lucius Scipio ein großer Sieg gegen Karthago, bei dem er 50 karthagische Schiffe versenkte. Es stand danach die Frage, ob Rom angreifen oder sich mit der Vertreibung der Karthager zufrieden geben würde. Rom entschied sich dafür, Korsika zu besetzen. Das gelang. Versuche, Sardinien zu besetzen, schlugen indes fehl. So lief es die nächsten Jahre, einem römischen Sieg folgte ein karthagischer. Es war Zeit für einen entscheiden den Schlag: 256 v.Chr. beschloß der Senat, 330 der neu gebauten Linienschiffe mit über 100000 Mann Besatzung nach Karthago zu schicken. Es sollte erobert werden. Aber Karthago hatte kräftig aufgerüstet und konnte ebensoviele Schiffe aufbieten. Die Seeschlacht bei Eknomos (Libyen) ging unentschieden aus, obwohl Karthago ca. 80 Schiffe verlor, Rom nur 24, denn Rom konnte keinen strategischen Vorteil aus dem Ausgang ziehen.
In Rom hatten sich zwei Parteien gebildet, die eine wollte erst Italien erobern, bevor es an überseeische Pläne gehen sollte, die andere gab der Eroberung beziehungsweise Ausschaltung Karthagos den Vorzug. Sechzehn Jahre Krieg später kam man zu der Überzeugung, neue Aspekte setzen zu müssen. Vier Flotten mit ca. 600 Schiffen waren verloren, Seuchen und Entbehrungen rafften Hunderttausende dahin, allein das Landheer hatte mindestens 400000 Tote zu beklagen. Die Bevölkerungszahl war um 25% zurückgegangen und von dem finanziellen Schaden mochte keiner mehr reden. Daß Karthago ohne Initiative blieb, mochte ein Wunder sein. Der Kleinkrieg um Inseln und winzige strategische Punkte zermürbte, aber für eine große Offensive hatte keiner den Mut. Zwischen 248 und 243 v.Chr. kam es zu keiner Initiative. Dann ergriff Hamilkar, ein phönizischer Offizier, sie. Er verschanzte sich auf dem Monte Pellegrino bei Palermo und versorgte seine Leute durch Plündereien die italische Küste entlang. Die Römer schafften es nicht, seiner habhaft zu werden. Und was tat der schlaue Mann? Er suchte sich eine zweite geeignete Stelle, wo er sich verschanzen konnte und fand sie am Eryx, den er den Römern entwinden konnte. Jetzt besaß Hamilkar zwei Basen und verdoppelte seine Partisanentätigkeit im römischen Hinterland. Der römische Senat war von den Vorsichtigen geführt, allerdings dachten etliche Römer anders darüber. Sie rüsteten ohne Staatshilfe ein Heer von 60000 Mann aus, ließen 200 bestausgerüstete Schiffe bauen und vertrieben Hamilkar von der See. Karthago gab nach. 241 v.Chr. kam es zum Frieden, der Roms Grenzen nach Süden verschob und zwischen Karthago und Rom eine Art von Stillhalte ausmachte. Man verpflichtete sich gegenseitig, keine Bundesgenossen gegen den anderen zu hetzen und auch dazu, in deren Gebiete keine Hoheitsrechte auszuüben. Daß Rom von Karthago 3200 Talente (ca. 57 Millionen €) verlangte, scheint auf einen Sieg Roms hinzudeuten; allerdings ist das nur ein Bruchteil dessen, was in Italien an Schaden angerichtet worden war. Karthago zahlte diese Forderung aus der Portokasse und hatte erst einmal Ruhe vor der aufstrebenden römischen Republik.
Jetzt stieg Hamilkar von seinem Berg herab und kehrte als Unbezwungener nach Karthago zurück. Aber es war ein brüchiger Friede, denn zu viele fühlten sich als Sieger. Rom war die strategische Offensive zugefallen. Mußte der karthagische Staat hier nicht, seine Existenzchancen abwägend, zu dem Schluß kommen, daß ein Arrangement mit den Römern mittelfristig eine Abhängigkeit bedeutet hätte? Der karthagische Kaufmann war mit dem Frieden von 241 v.Chr. nicht mehr Herr seiner selbst, er befand sich in einer Abhängigkeit von Rom, jede seiner Handlungen stand in der Gefahr, beschränkt zu werden, solange Rom die Machtstellung im mittleren Mittelmeer hielt und nach neuen Ländern Ausschau hielt. Karthago war durch diesen Frieden nicht mehr frei, Rom dagegen schon. Rom war jede militärische Auseinandersetzung willkommen, denn die Siegchancen standen gut.
Die Römer zogen aus den dem Kriege folgenden innenpolitischen Schwierigkeiten der Karthager Nutzen und konnten sie zum Abzug aus Sardinien und Korsika zwingen. Das bewirkte ein verändertes Selbstverständnis der römischen Perspektive: aus einer rein auf Landgewinn auf dem italischen Festland orientierten Bauernsoldatenmacht wurde eine imperial operierende Großmacht mit ungeahntem Potential. Die römischen Konsuln hatten bis dahin ihre Herrschaft überblicken können, sich gelegentlich des Prätoren bedient, der die unmittelbare Gerichtsbarkeit ausübte. Das war nun nicht mehr möglich: zu groß war Rom geworden. Auch eine Einteilung in Verwaltungseinheiten, die Quästoren regierten, half hier nichts. Es kam zu Kompetenzschwierigkeiten. Die überseeischen Provinzen bedurften eines Oberaufsehers, eines eigenen Konsuls. Der hatte einen schweren Stand, denn die eroberten Gebiete wurden von den Römern nicht als Italien angesehen, sondern waren Eroberungen und Schutzzonen. Mit der einheimischen Bevölkerung bestand kein Schutz- und Trutzbündnis, die Sardinier oder Sizilianer wurden also nicht als Hilfstruppen herangezogen, sondern blieben Römer zweiter Klasse. Der Senat sandte Schutztruppen in die Gebiete und zog den Tribut ein, ca. zehn Prozent der Erträge.
scipio.jpgEin funktionierendes Gemeinwesen erkennt man daran, daß es aus Niederlagen lernt. Karthagos Lehre aus dem verlorenen Krieg gegen Rom bestand darin, daß es die Doppelspitze des Heeres auflöste und einem Mann zusprach, der zudem eine von den Regierungskollegien unabhängige Stellung erhielt. Cato nannte das nicht unrichtig eine Diktatur. Der Nutznießer hieß Hamilkar. Er setzte sich in den innenpolitischen Wirren nach dem Krieg durch. Allein, es war Hamilkar nicht möglich, aus den Kaufleuten ein Bürgerheer zu modeln, das dem Roms vergleichbar gewesen sein könnte. Es fehlte an Patriotismus, an Vaterlandsliebe, an Bodenhaftung. Dazu kam ein Gutteil Dogmatismus und die Borniertheit, der jahrzehntelangem Reichtum wesenseigen. Der morsche Staat der Punier brach nicht zusammen; man rappelte sich wieder auf, aber es gelang nicht, den Staat neu aufzubauen, auf neue Füße zu stellen, statt dessen diese Diktatur, die zwar vom umsichtigen und persönlich sicherlich auch integren Hamilkar geführt wurde, aber nichtsdestotrotz die Frage aufwarf, was nach seinem Tode geschehen sollte. Auch war der Krieger Hamilkar nicht der Mann, strukturelle Veränderungen durchzuführen; dafür fehlte es ihm an Erkenntnis und Vorbild. Einen Einblick in das Seelenleben dieses karthagischen Staatsmannes gewinnen wir durch einen Blick auf Hamilkars Erziehungsmethoden: Hannibal, Hasdrubal und Mago, seine Löwenbrut. Die Kinder wuchsen im Feldlager auf. Er ließ sie ewigen Haß auf Rom schwören.
Hamilkar schuf ein System der Selbsternährung des Krieges und legte für die Rekruten eine solide Grundausbildung fest. Aber Kampfgeist konnte er seinem Heer wenig einblasen. Wie auch! Die Masse der Nordafrikaner besaß keinen sittlichen Glauben, ihn interessierte das Beutemachen. Als Hamilkar 228 v.Chr. in einem Gefecht starb, hatte er die Grundlagen für eine auf Selbsternährung orientierte Soldateska gelegt, die als Staat im Staate existierte und nur über die Definition zu einem genialen Anführer funktionieren konnte. Das Militär besaß keine Selbstverwaltung, keine eigene Organisation, keinen Einfluß aufs Politische. Es weste innerhalb des karthagischen Staatsverbandes, solange der für die Zukunft garantierte und solange vor allem die in Spanien errungenen Silberminen und Abgaben der eroberten Ureinwohner Geld einbrachten, das das Heer bezahlen half. Hamilkars Neffe Hasdrubal setzte diese Politik des autarken Heeres fort.
Rom indes nahm das nur mit halbem Auge wahr. Daß von Spanien aus ein Angriffskrieg gegen Rom geführt werden könnte, lag außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Allerdings waren die Römer vorsichtig genug, einen Bündnisvertrag mit einer Küstenstadt nahe Valencias zu schließen und somit ihr Einflußgebiet zu markieren. Hasdrubal erklärten sie, der Ebro sei seine Expansionsgrenze, was dieser 226 v.Chr. in einem Vertrag ohne zu murren akzeptierte. Was hätte ihn auch aufhalten können, wenn er ihn überschritte? Wir wissen es nicht. Der geniale Nachfolger Hamilkars fiel einem Attentat durch einen spanischen Sklaven zum Opfer und starb 218 v.Chr.. Ihm folgte Hamilkars ältester Sohn Hannibal als Führer des Heeres, gewählt von den Obersten des Heeres.
cannae.jpgHannibal war zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre alt. Die Nachwelt zeichnete ihn als habgierigen und rachsüchtigen Charakter. Er wird sich hier nicht von anderen unterschieden haben; orientieren wir uns an seinen Vorzügen: er war mutig und anpassungsfähig, benötigte und schlief wenig. Das verlangte er auch von seinen Offizieren. Außerdem war er wißbegierig, lernte Sprachen und fremde Sitten kennen und schätzen. Er besaß wohl auch einen Hang zur Maskerade, die ihn als Spion hinter die feindlichen Linien trieb, wo er das Auskundschaften übernahm. Falsches Haar und Verkleidungen waren bei ihm nicht selten. Sein Wort galt. Er wurde anerkannt und kam niemals in die Notlage einer Meuterei.
Im Frühjahr 220 v.Chr. beschloß Hannibal den Krieg gegen Rom. Er griff die mit Rom verbündete Stadt Sagunta in Spanien an, ohne eine Weisung aus Karthago bekommen zu haben, denn dort hatte derzeit die Friedenspartei die Oberhand. Acht Monate belagerte Hannibal die Stadt, dann ergab sie sich. Hilfe aus Rom war nicht gekommen. Rom schickte einen Gesandten nach Karthago. Die Karthager ließen den Römer entscheiden, ob er Frieden oder Krieg wolle. Der Römer bot Krieg, Karthago nahm an. 218 v.Chr..
Hannibal konnte 140000 karthagische Untertanen, 58 Elefanten und 50 Fünfdecker aufbieten, dazu kamen verstreute Kontingente in Karthago und einigen Küstenstädten. Mit ungefähr der Hälfte der Truppen brach er nach Italien auf, den Rest übergab er seinem jüngeren Bruder Hasdrubal, der in Spanien zurückblieb. Hannibal rechnete auf Unterstützung gallischer und norditalischer Stämme, der Boier und Insubrer, denen Rom verhaßt war. Darum wählte er auch den Landweg, um gegenüber diesen neuen Verbündeten majestätischer auftreten zu können, als dies eine unsichere Eroberung zur See hätte leisten können. Er rechnete mit einem Schneeballeffekt, wenn er einmal seine Maschinerie in Gang gesetzt haben würde. Der Krieg ernährt den Krieg, wie sein Vater es ihm beigebracht hatte. Und so zog er die uralte Keltenstraße nach Italien. Die Elefanten waren imposante Weggefährten, hatten aber ihre militärische Bedeutung längst eingebüßt.
Rom besaß eine halbe Million wehrfähiger Soldaten und 220 Fünfdecker. Es fürchtete sich nicht vor Hannibal. Im Senat diskutierte man. Plan A sah vor, in Afrika zu landen, Karthago einzunehmen und zu zerstören. Fertig. Plan B dagegen sah den Mehrfrontenkrieg vor. Seine Vertreter siegten im Disput. Der Senat schickte Scipio d.Ä. nach Spanien. Der fand dort Unterstützung durch Eingeborene. Hannibal verlor im ersten Kriegsjahr ein Viertel seiner Soldaten und viel Zeit. Im Winter waren die Alpenpässe nicht zu passieren. Die Südgallier unterstützten ihn nicht. Hannibal änderte die Taktik und setzte nun auf die Uneinigkeit der Gallier. Er kaufte Boote für die Rhoneüberfahrt bei dem einen Stamm, beim anderen ging er mit Gewalt vor. Er überfiel oder verbündete sich. Dennoch kam er nicht in dem Tempo voran, wie er es selbst gern gesehen hätte, obwohl er schneller als Scipio war, der seine Truppen nicht in Stellung brachte, sondern die Karthager parallel in Südgallien begleitete, bis ihm diese enteilten. Er kehrte nach Marseille zurück und beschimpfte Hannibal als feige. Hannibal dagegen hatte militärische, nicht jedoch politische Ziele erreicht. Er war mit dem Großteil seiner Truppen über die Rhone gekommen und hatte die Römer und Kelten auf Distanz gehalten. Das allein schien die Gallier zu beeindrucken. Der Keltenhäuptling Magilus erschien beim karthagischen Heer, wo ihm ein lebensfroher Empfang bereitet wurde. Der Kelte verstand, daß Hannibal nicht als Eroberer in sein Land gekommen war und versprach gegen einen Beuteanteil Unterstützung gegen Rom.
Hannibal wählte die längere Route nach Italien, die durch fruchtbares und bevölkerungsreiches Gebiet, den kleinen Bernhard, wie sie heute heißt, acht Tage Fußmarsch durchs Gebirge: obere Isere – Grenoble – Chambery – St. Bernhard. Es blieb nicht aus, daß ihn miteinander und untereinander verfeindete Stämme angriffen, Hannibal seinerseits zurückschlug; man machte einander das Leben schwer. Aber schließlich kam er durch. Und kaum war er durchgekommen, wurden die Kelten wieder freundlich und begrüßten ihn mit Zeichen der Unterwerfung: Zweige, Kränze, Viehgaben und Geiseln. Am Ende hatte Hannibal die Hälfte seines Kontingents verloren, aber nun stand er, von Norden, nicht von Westen kommend, in Italien und besaß die strategische Initiative.
Die Römer riefen ihre spanischen Kontingente nach Italien zurück, um die Heimat zu schützen. Hannibal war in Norditalien und bereitete sich auf den Sturm Roms vor. Dazu stiftete er die Kelten an, die neuen römischen Siedler in der Poebene anzugreifen, was diese mit Hannibals Rückendeckung auch gern taten. Die Römer sammelten eine Legion zusammen und zogen gegen die Kelten, Boier und Insubrer, aber in den Wäldern kamen sie nicht zum Zuge. Ein Angriff auf Hannibal war nicht möglich. Sein Heer stand erschöpft südlich der Alpen [1], aber es hätte bei einem römischen Angriff alle Trümpfe für sich gehabt, zumal die Kelten der Poebene aufständisch waren. Hannibal wirkte diplomatisch, hetzte gegen Rom, zwang widerspenstige Stämme in seine Gewalt. Er marschierte, nachdem Turin eingenommen war, den Po entlang und sicherte sich den Norden Italiens. Die Römer unter Scipio zogen sich zurück. Zuvor kam es bei Vercellae zu einem ersten Kräftemessen zwischen den beiden Heerführern. Scipio nahm das Gefecht trotz schlechterer Stellung an, wurde schwer verwundet und gelangte nur durch den großen Einsatz seines siebzehnjährigen Sohnes Scipio d.J. aus der Schlacht, die Rom verlor, weil seine leichten Fußtruppen dem ersten Stoß der karthagischen Reiterei nicht gewachsen waren und Reißaus nahmen, was die Karthager nutzen konnten, in die Flanke der Römer kamen und diese zerschlugen. Scipio zog sich unter Scheingefechten zurück und wartete auf das Eintreffen von Entsatztruppen. Hannibal suchte den Kampf, mußte aber seine weit verstreuten Truppen neu sammeln und für den Winter ein Lager suchen. Außerdem waren die Nachschublinien und das neu erworbene Land zu sichern... Das neue Jahr kam und Hannibal drängte auf eine Entscheidungsschlacht, die die Römer aber nicht liefern wollten. Da griff Hannibal zu einer List. Er ließ seine Reiterei plündern und brandschatzen (plänkeln) und lockte die römische Kavallerie auf ein Feld seiner Wahl, an die Trebia. Als die römische Reiterei dort war, wo Hannibal sie haben wollte, war es für einen Rückzug zu spät. Sie mußte schnell die Infanterie auf das Schlachtfeld geleiten, wo Hannibal in geordneten Linien stand und wartete. Eine Schlacht zu seinen Bedingungen. Die Römer gingen in die Falle. Sie überschauten das Heer Hannibals, das dem römischen an Zahl nicht gewachsen schien. 40000 Römer marschierten und bedrängten die Karthager. Doch plötzlich schnappte die Falle zu: Mago, Hannibals jüngerer Bruder kam aus dem Hinterhalt mit ca. 1000 Elitekämpfern und nahm die Römer in die Zange. Die Römer bliesen zum stürmischen Rückzug über die Trebia, wobei die Karthager zuschlugen und viele töteten. Aber dieser Sieg erwies sich als Pyrrhossieg. Denn der nahe Winter fiel in diesem Jahr besonders hart aus. Nur ein Elefant von über 40 überlebte, zahllose Verwundete konnten nicht versorgt werden und starben. Die Kelten ihrerseits verlangten größere Beuteanteile, die Anstrengungen des Alpenübergangs forderten ihren Tribut. Die Römer dagegen hatten sich in ihre Städte zurückgezogen und ruhten sich aus. An den befestigten Straßen standen sie auf Wacht, einen karthagischen Angriff erwartend. Sie füllten ihre Kontingente auf und rüsteten sich für das Jahr 217 v.Chr.. Die Reiterei wurde verstärkt, die Stadtmauern verstärkt.
Hannibal erkannte, daß er nur dann siegen konnte, wenn es ihm gelänge, den politischen Verbund „Rom“ zu zerschlagen, die Bündnisse Roms mit den italischen Stämmen zu seinen Gunsten auszuhöhlen. Ein stehender Krieg, wie er im Winter zu erwarten war, konnte ihm nichts nutzen, sie kehrten seine militärischen Siege um. Wehe, wenn er einmal eine Schlacht verlor! Er entließ die italischen Gefangenen und legte den römischen Ketten an. Er versprach den italischen Verbündeten Roms für den Fall seines Sieges Autonomie... So gerüstet ging der Feldzug im Frühjahr 217 v.Chr. los. Hannibal durchwatete die übergetretenen Ufer mancher Flüsse des Apennins auf dem Wege nach Süden. Die Truppen litten. Die Pferde wurden krank. Ruhr und Erkältungen. Hannibal verlor wegen einer Entzündung das linke Auge. Bei Fiesole (nördlich des Trasimenischen Sees) wurde ein Lager errichtet.
Die römische Seite: Gaius Flaminius, Konsul des Jahres, war Heerführer der Römer. Er wartete auf Verstärkungen und kochte ein machtpolitisches Süppchen, wollte den Senat entmachten und eine demokratischere Ordnung, selbst plebeijischer Konsul auf Lebenszeit werden. Dafür benötigte er einen vollständigen Sieg und die gesamte Heeresmacht Roms. Der Senat ahnte Gaius Faminius' Gründe fürs zaudernde Vorgehen gegen Hannibal und schickte eben gerade so viele Truppen ins Feld, wie er – der Senat – sie zur Verteidigung Italiens als notwendig erachtete. Gaius Flaminius reagierte darauf und nahm Beutegierige aus aller Welt auf, so daß deren Zahl die der Bürgersoldaten bald überstieg. Er erkannte nicht, daß dadurch die Disziplin seines Bürgerheeres geschwächt wurde, obgleich die Zahl seiner Kämpfer täglich zunahm. Hannibal dagegen schätzte die militärischen Kräfteverhältnisse richtig ein. Erkundungen in phantasievollen Verkleidungen lieferten ihm die nötigen Fakten vor den Angriffen.
Er umging mit seinem Kernheer die römischen Sammelpunkte und ließ seine keltischen Verbündeten brandschatzen. Die Römer waren mit der Verteidigung beschäftigt und die Kelten beim Beutemachen befriedigt, Gaius zudem gedemütigt, denn Hannibal ließ ihn einfach links liegen und marschierte nach Süden, auf Rom zu. Allerdings war das nur ein Täuschungsmanöver, um die Römer zur Schlacht zu zwingen. Hannibal besaß nicht die Mittel, Rom zu belagern. Gaius Flaminius war gefordert. Er versagte und ließ sich locken, verfolgte Hannibal. Und der lockte ihn am Trasimenischen See in eine enge Schlucht, an deren Ende der See lag, verstopfte mit der Infanterie den Ausgang und stellte die Reiterei mit anderen leichten Truppen verdeckt in die Hügel. Der Morgennebel tat das Seine und verbarg die karthagischen Truppen, während die römischen Kolonnen in die Schlucht und ins Verderben marschierten. Es war ein Massaker. 30000 Mann fielen auf römischer Seite, 1500 auf karthagischer, vorwiegend Kelten. Auch Gaius Flaminius war unter den Toten. Rom stand Hannibal offen. Dort brach Panik aus. Man brach die Tiberbrücken ab und ernannte Quintus Fabius zum Diktator, der Roms Verteidigung neu strukturierte. Aber Hannibal dachte gar nicht daran, Rom anzugreifen. Sein Heer benötigte Ruhe und Reorganisation, außerdem war es für ihn an der Zeit, seiner Heimat zu huldigen, Siegesbotschaften zu senden und etwas für die Zeit nach dem Krieg in der Heimat zu tun. Er baute ein Lager an der Adria und konspirierte gegen die römische Macht in Süditalien. Den Kelten überließ er die Verheerung Nord- und Mittelitaliens. Hannibal hatte erkannt, daß die römische Taktik der aufgespaltenen Legion in kleinere Quadrate für die Infanterie von Vorteil war. Also organisierte er sein Heer entsprechend um.
Dem neuen römischen Feldherrn Gnaius Servilius gelang indes die Befestigung der Nordstraße, so daß Rom geschützt blieb. Hannibal hatte mit seinen Unterhandlungen keinen Erfolg bei Roms Bundesgenossen, zumal Roms Diktator den Staat konsolidierte und Reserven mobilisierte, was viele Bundesgenossen beeindruckte. Quintus Fabius wußte, daß der Vorteil solange auf Roms Seiten lag, wie er eine Entscheidungsschlacht hinauszögern konnte. Hannibal war zweifellos der begabtere Feldherr, aber er besaß keine Deckung in Karthago, wo man seine Erfolge neidisch betrachtete. Auch konnte er bei den Italikern keine diplomatischen Erfolge feiern: die blieben zum Großteil römischer Seite. Hannibal hatte Nachschubprobleme und konnte keine Geduld bei Belagerungen aufbringen, auch fehlte es ihm an Technik und Menschen. Die Zeit sprach für Rom. Also spielte der Diktator auf Zeit. Es war eine klugdumme Entscheidung, denn einerseits war das genau die richtige Taktik, um Hannibal beizukommen, andererseits aber löste das in Rom Unmut aus, denn das römische Volk wollte seine Ehre wiederhergestellt sehen und Hannibal nicht durch Zögern besiegen. Sie wählten also Terentius Varro zum Konsul, der den schnellen Sieg versprach. Der Senat hatte Mühe, mit Aemilius Paullus einen gemäßigten zweiten Konsul durchzusetzen. Die verhängnisvolle Teilung des römischen Heeres wurde beschlossen. Allerdings standen jetzt acht Legionen im Feld, so viele wie noch nie. Im Sommer 216 v.Chr. trafen die Konsuln in Apulien ein, 80000 Mann zu Fuß, 6000 Reiter. Sie standen gegen Hannibals 40000 Infanteristen und 10000 Reiter. Und doch war es Hannibal, der die Schlacht wünschte. Das flache apulische Land würde seine Reiterei zur Entfaltung bringen. Doch auch die Römer wollten eine Entscheidung. Sie sollten sie bekommen.
Hannibal lagerte am rechten Ufer des Aufidus. Paullus schlug sein Lager zu beiden Seiten des Flusses auf, mehr auf dem linken. Hannibal ging über den Fluß und bot die Schlacht an. Paullus verwehrte das. Am nächsten Tag war, nach römischer Sitte wechselte der Heerführer täglich, der beherzte Varro Befehlshaber. Der nahm die Schlacht an. Wie dumm! Er verkannte, daß auf dem Schlachtfeld Hannibals überlegene Reiterei besser zum Einsatz kommen könnte. 10000 Mann blieben im Hintergrund und sollten das leere karthagische Lager besetzen, um Hannibal den Rückzug zu nehmen, der Rest stellte sich auf dem linken Ufer auf und wartete auf Hannibals Angriff. Links standen auf römischer Seite die römische Reiterei unter Varro, rechts die bundesgenössische unter Paullus, in der Mitte das römische Fußvolk unter dem Vorjahreskonsul Gnaius Servilius. Hannibal ordnete seine Fußtruppen als Halbmond mit den Kelten und Iberern vorn, die Übergelaufenen zog er ein wenig zurück. Zum Flusse hin stellte er die schweren Reiter unter seinen Bruder Hasdrubal auf, zur Ebene hin die leichten numidischen Reiter. Auf den Flügeln hielt sich der Kampf anfangs die Waage, im Zentrum rückten die Römer gegen die keltischen Karthager vor. Und damit gingen die Römer in die Falle, denn nun ließ Hasdrubal schwere Reiter vorrücken und schlug die römische Kavallerie in die Flucht. Der Kessel bildete sich durch ein schnelles Umschwenken des linken Flügels, was die Römer weit hineinlockte, um nicht zwei Angriffsflächen zu bieten. Das kam aber dann doch, denn nachdem Hasdrubal mit der römischen Kavallerie fertiggeworden war, wobei er der leichten numidischen Reiterei den Rest bei der Verfolgung überlassen hatte, stellte er seine Truppen ein zweites Mal auf und führte sie auf den rechten Flügel. Nunmehr wurde die römische Infanterie von drei Seiten bedrängt; der Kessel hatte sich gebildet und eine beispiellose Vernichtung gegen die bewegungsarme römische Manipelordnung folgte, die immer weiter zusammengedrängt wurde und somit ihre zahlenmäßige Überlegenheit nicht ausnutzen konnte. hannibal.jpg
Hannibal verlor bei dieser weltberühmten Umfassungsschlacht bei Cannae 6000 Soldaten, v.a. Kelten und Iberer, die den Anfangsstoß abfangen mußten, die Römer verloren nahezu 70000 Mann (nach Plutarch nur 48000 Mann), darunter Lucius Paullus und viele römische Adlige. – Rom schien am Ende zu sein.
Nach Cannae suchte Hannibal Unterstützung. Er wußte um die gute Chance, durch Bündelung der Kräfte Roms Macht zu zerschlagen. Aber der karthagische Senat schickte nichts, obwohl es möglich gewesen wäre. In Karthago war die Friedenspartei wieder stärker geworden; man fürchtete, Hannibal würde zu mächtig. Neider. Hannibal war eingebildet und kein Populist, also bat er nicht um Unterstützung. Die Römer ihrerseits erkannten die Chance, Hannibal in Italien auszubluten, seinen Nachschub zu unterbinden und sandten Truppen nach Spanien und Makedonien. Hannibal hatte noch die Chance, sich in Italien zu versorgen, aber seine Belagerungstechnik war lausig und seine Söldner besaßen keine Ausdauer. Rom gewann an Kraft und vitalisierte die Italiker gegen Hannibal, gegen den fremden Eroberer.
Der Kampf um Sizilien endete 210 v.Chr. mit einem Sieg Roms. Berühmt wurde der Fall Syrakus', bei dem Archimedes den Tod fand. Die Römer schlachteten die griechische Bevölkerung ab, versklavten die Besten und siedelten neue italische Bewohner an.
„Was die Eroberungen [Roms] einbrachten – Gewinn an Staatsland (ager publicus), ertragreiche Ämter und Aufträge, Gelegenheit, durch Steuerpacht und Geldverleih reich zu werden – das kam nur den Hochgeborenen und den Kapitalisten, den Senatoren und den Rittern [die reich genug waren, sich ein eigenes Pferd leisten zu können; Eques] zugute. Daß diese beiden Stände einander jeden Einfluß und jeden Vorteil streitig machten, half dem Bauern nichts, denn er hatte zu bluten und zu leiden, wo die hohen Herren ernteten. Gerade weil damals [um 200 v.Chr.] der Senat den Ausschlag gab und Rom wie das Reich beherrschte, diente im Grunde alles einer kleinen Zahl reicher Leute, die als Großgrundbesitzer die verarmenden Bauern auskauften und mit billigen Sklavenherden wirtschafteten. […] Die Bauern ohne Land und Hof drängten sich in den Städten, besonders in Rom, zusammen – ein großstädtisches Proletariat ohne Wurzel, ohne Arbeit.“ (Wilhelm Schubart: Hellenismus und römische Republik. Berlin 1935. S. 197/198.)
Im Osten standen die Zeichen ebenfalls gut für Rom. Ägypten sicherte Unterstützung zu, Getreideschiffe fuhren nach Rom. In Griechenland nivellierten sich die verfeindeten Machtgruppen, so daß Rom von dort her keine Gefahr drohte. Hannibal erhielt weiterhin keine Unterstützung aus Karthago, im Gegenteil: die Ratsleute setzten mit Hanno einen Oberbefehlshaber ein, der sich aber als inkompetent erwies und weder Hannibal unterstützte noch Rom mit eigenen Unternehmungen schadete.
Im Westen (iberische Halbinsel) wurde der Kampf entschiedener geführt. Die Römer waren die besseren Verwalter. Das dürfte letztlich den Ausschlag gegeben haben. Die Römer verstanden es zudem, nach siegreichen Gefechten, ihre Klientel seßhaft zu machen und den Iberern nicht als Herrscherkaste aufzudrücken. Dennoch tobte um 215 v.Chr. der Kampf hin und her. Die Römer nahmen 20000 Keltiberer in Sold und bekämpften die anrückenden Karthager, die nach erfolgreicher Rückeroberung Südspaniens nun die Ebrolinie im Blick hatten. Es ging hin und her, bis im Jahre 210 v.Chr. Publius Scipio d.J. das Kommando erhielt und gegen die einander verfeindeten karthagischen Generale Hasdrubal Barkas, Hasdrubal Gisgons und Mago für einen römischen Sieg sorgte. Besonders eindrucksvoll war dabei sein Sturm auf Neu-Karthago, wobei ihm 600 Talente und 10000 karthagische Geiseln in die Hände fielen. Scipio wurde übermütig und wollte mit Offensivschlägen den Krieg entscheiden. Er löste die Flotte auf, das brachte 25000 zusätzliche Kämpfer für den Angriff. Das war ein Fehler, denn nun konnten die Karthager ihre Kontingente unter Aufgabe aller spanischen Besitzungen verstärken, die, über Gallien nach Italien gewandt, Hannibals Plan eines vereinten Schlagens doch noch umsetzen könnten. Italien galt als Hauptkriegsschauplatz, die anderen (Griechenland, Sizilien, Spanien) als Nebenkriegsschauplätze, wobei der römische Sieg dort feststand. Scipio gab das Kommando ab. Er hatte seiner Meinung nach ganze Arbeit geleistet, wollte sich zurückziehen, ruhig leben.
Im Senat sah man das anders und handelte. Die Senatoren riefen alle waffenfähigen Männer zwischen 17 und 46 zu den Waffen. Sie versprachen den Bundesgenossen Bürgerrecht, Sklaven die Freiheit und bewirkten somit ein wachsendes Netz der Konföderation, das der rein reproduzierenden karthagischen Symmachie überlegen war. Hannibal gelang es nicht, politische Strukturen in Unteritalien zu schaffen, die die dortigen Bewohner zu begeisterten Anhängern Karthagos hätten machen können. Wie auch? Karthago war auf Mehrwert für seine Oberschicht aus; Rom war in Krisenzeiten flexibel genug und dazu bereit, die Unterprivilegierten mit Brot, Spielen und Aufstiegsmöglichkeiten für Rom einzunehmen.
Das zeigte sich mehrfach. Sobald die Römer eine unter Karthagos Herrschaft stehende Stadt angriffen, nutzten die Bewohner das zum Frontenwechsel aus, so in Arpi oder Capua. Die Römer leisteten sich die Aufstellung zweier Sklavenlegionen, die erfolgreich bei Benevent fochten und darob von Tiberius Gracchus das Bürgerrecht erhielten. Zu solch einer geistigen Beweglichkeit waren die Karthager nicht in der Lage; sie fochten für die Zukunft ihrer seit Jahrhunderten bewährten oligarchischen Demokratie. Die Römer besaßen hingegen eine mit demokratischen Elementen durchsetzte Aristokratie, die sich aber offen hielt, also auch Sklaven die Möglichkeit gab, reich, frei und angesehen zu werden. Die Überlegenheit des römischen Staatsaufbaus zeigte sich, als es Hannibal mit Hilfe eines intriganten Lucaners gelang, Gracchus zu ermorden und dessen freigelassenes Ex-Sklavenheer auseinanderfiel, was Hannibal die Möglichkeit zum Angriff auf Rom eröffnete. Er lagerte in Sichtweite der Stadt, wagte jedoch keinen Angriff. Vielleicht ein Fehler, aber ein hausgemachter Fehler, denn Hannibal wagte den Angriff deshalb nicht, weil er befürchten mußte, daß die dabei zwangsläufigen Opfer nicht ersetzt werden würden, Rom aber sich schnell wieder erholen würde.
Dieser Sieg Hannibals erwies sich im nachhinein als psychologische Niederlage. Beim Fußball würde man von einem vergebenen Elfmeter sprechen. Hannibal hatte seinen Zenit überschritten, Roms Mißerfolge um 212 v.Chr. waren nicht kriegsentscheidend. Das Geschehen wogte hin und her. Es gab keinen moralisch Integren, beide Seiten mordeten und meuchelten, benutzten alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zu Erringung des Sieges. Die Tendenz zeigte ein Zurückweichen Hannibals, dem es nicht gelang, die Römer zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen. Die Römer konnten Stadt um Stadt zurückerobern, während Hannibal zu spät kam, zu spät nach Capua, zu spät nach Tarent, zu spät nach Kampanien. Roms Finanzen waren zwar zerrüttet, aber es war auf dem Vormarsch; Hannibal fand keine Unterstützung mehr.
massinissa.JPGEinzig Roms Finanzproblem konnte Hannibals Hoffnungen stärken; es bedrohte die Existenz des römischen Staates mehr als Hannibal selbst. Die nach Cannae eingerichtete Bankkommission dreier angesehener Männer sollte als eine Art Oberbehörde den Staat erhalten. Diese Männer behalfen sich mit den üblichen Hilfsmitteln (Verringerung des Edelmetallanteils in neuen Münzen, Ausgabe neuer Münzen über Wert, Aufnahme von Krediten, Soldvorenthaltung, Angriff des Notgroschens...), allein, es genügte nicht. Die Folgen dieses Mangels: Stillstand. Die Felder blieben brach liegen, die allgemeine öffentliche Sicherheit war nicht mehr gegeben, es wurde gehungert und gelitten. Aus den blühenden italischen Dörfern vor dem Krieg wurden verelendete Räubernester. Die römischen Bundesgenossen verloren die Geduld. Rom oder Karthago? Um 210 v.Chr. kippte die Stimmung; Hauptsache, es würde Frieden geben. Eine Separationswelle erfaßte das Land um 209 v.Chr., kampanische und latinische Gemeinden erklärten, keine Kontingente mehr stellen zu wollen, keine Tribute zu zahlen. Was sollte man in Rom schon tun können?
208 v.Chr. gärte es überall, als in Rom die Nachricht eintraf, Hasdrubal habe die Pyrenäen überschritten und plane, seine Truppen mit Hannibals zu vereinigen. Der römische General Gaius Nero konnte eine Depesche Hasdrubals an Hannibal abfangen, worin der ihm seinen Marschweg erklärte und auch den Ort nannte, wo sich beider Heere vereinigen könnten. Bei Fanum sollte der Übergang über den Apennin erfolgen, also setzte Gaius die hauptstädtische Reserve dorthin in Bewegung, dies zu verhindern, während Hannibal vergebens auf seinen Bruder wartete. Gaius Nero wählte 7000 Elitesoldaten aus und nutzte den strategischen Vorteil der Überraschung, um Hasdrubal auf halbem Wege eine Schlacht zu liefern. Das Vorhaben gelang. Hasdrubal fand den Tod während eines von Gaius durchgeführten Umfassungsmanövers, wobei die Karthager staunend zusahen und sich wunderten, daß sie angegriffen wurden.
Der Krieg Karthagos gegen Rom war entschieden. Hannibal sah ein, daß er keine Chancen mehr besaß, Rom zu erobern und gab auf. Aber in Rom ließ man sich Zeit, Hannibal und Karthago vollends zu vernichten. Zu groß waren die Entbehrungen der vergangenen Jahre gewesen. Erschöpfung.
Als Vollstrecker kam nur einer in Betracht: Scipio. Der benötigte Belagerungsgerätschaften und Vollmachten. Sein Weg würde ihn nach Afrika führen. Da Rom pleite war, wurden aus Straftätern und Sklaven „Freiwilligenverbände“ gebildet, deren Verlust Rom verschmerzen konnte. 204 v.Chr. schiffte sich Scipio mit 30000 Mann auf 440 Schiffen nach Afrika ein und landete bei Utica. Die Karthager konnten mitsamt ihren Verbündeten noch einmal 26000 Mann und 140 Elefanten aufbringen. Der Numidierfürst Syphax soll 60000 Mann aufgeboten haben, allerdings schlecht bewaffnet und ohne jede Disziplin. Scipio gelang es, die afrikanische Koalition gegeneinander auszuspielen, außerdem gelang ihm ein zweifacher nächtlicher Überfall auf beide Lager, wobei sehr viele Afrikaner getötet wurden. Die karthagischen Kontingente zerstreuten sich, fanden noch einmal vor Utica zu einer Schlachtordnung zusammen, doch straffe Führung erfuhren sie nicht. Die Römer konnten die Widerstände brechen und auch den numidischen Fürsten Syphax gefangennehmen. Scipio diktierte Waffenstillstandsbedingungen: Auslieferung der Kriegsmarine bis auf 20 Schiffe, 4000 Talente (71 Millionen €) Kriegsentschädigung, Abtretung Spaniens und einiger Gebiete in Afrika. Das war gnädig.
Aber Hannibal war noch nicht geschlagen. Er war in Italien, trauerte um seinen toten Bruder und haderte mit dem Schicksal. Er sollte flugs nach Afrika. Nach 36jähriger Abwesenheit betrat er afrikanischen Boden, 203 v.Chr.. Man hatte ihn gebeten; er kam ohne Verdruß, was auf eine bemerkenswerte Charakterstärke schließen läßt. In Karthago bekamen diejenigen Oberwasser, die gegen Rom Krieg führen wollten. Die Stimmung wurde hitziger. Scipio, in Afrika den Waffenstillstand kontrollierend, mußte nach einem Überfall auf einen seiner Gesandten anerkennen, wie brüchig der Friede war.
202 v.Chr. kam es zur letzten Schlacht des Krieges, bei Zama [2]. Die Reiter des numidischen Fürsten Massinissa gaben den Ausschlag: er wechselte nach einer Kränkung durch Hannibal die Seiten und kämpfte auf Seiten Roms. Hannibals Heer wurde vernichtet, es war müde, kriegsmüde, totmüde. Scipio diktierte nun die Friedensbedingungen, die ein wenig härter ausfielen als die Waffenstillstandsbedingungen zuvor: 200 Talente jährlich auf 50 Jahre, Außenpolitik nur im Sinne Roms, also nach Absprache. Karthago wurde ein von Roms Gnaden abhängiges Gebiet und war als Konkurrent ausgeschaltet. Besonders widerwärtig war, aus karthagischer Sicht, daß die Römer ihrem numidischen Gefolgsmann Massinissa in Afrika diejenigen Besitzungen garantierten, die er innerhalb der karthagischen Grenzen besessen hatte. Das bedeutete ständigen Streit zwischen Massinissa und Karthago, und es war abzusehen, daß Rom nicht für Karthago Partei ergreifen würde. Rom hatte gewonnen. Karthago lebte noch, aber es war bedeutungslos geworden. Scipio verzichtete auf eine Zerstörung Karthagos, er ließ die karthagische Flotte von 500 Schiffen verbrennen und zahlte seine Legionäre aus.


Aufgaben:


  1. Weise nach, inwiefern die Strategien Hannibals und Scipios den verschiedenen Staatsprinzipien entsprachen! Gehe hierbei auf die Veränderungen im römischen Staat ein! (III)
  2. Gib in einer groben Übersicht den Verlauf des Zweiten Punischen Krieges wieder! (II)
  3. Charakterisiere Hannibal und Scipio d.Ä.! (I)
  4. Erarbeite eine These zum Ausgang des Krieges und belege sie! (III)
  5. Differenziere und begründe Haupt- und Nebenkriegsschauplätze! (II)
  6. Vermute Gründe für die vollständige Zerstörung Karthagos! (II)
  7. Welche der beiden Parteien würde nach heutigen Maßstäben einen gerechten Krieg führen? (II)


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[1] Hannibal startete sein Unternehmen keineswegs unbedacht, sondern konnte davon ausgehen, daß der Weg gangbar, die Alpen bewohnt waren und zudem wußte er von den Galliern, daß sie mit ihren Verwandten in der Po-Gegend im Austausch standen und nur auf ein Zeichen warteten, sich gegen die Römer zu erheben. Dennoch wird den Mann aus Nordafrika die Witterungsverhältnisse kaum richtig geschätzt haben, was letztlich die Disziplin seiner Truppen geschmälert haben dürfte. Er brauchte jetzt einen Erfolg.

[2] „Es giebt keine wichtigere Untersuchung in der Weltgeschichte, als die Frage: welche Wandlung im römischen Kriegswesen innerhalb der vierzehn Jahre zwischen Cannae und Zama vor sich gegangen ist.“ (Delbrück, Weltgeschichte) Bei der Lösung dieses Problems verweist Delbrück auf die staatsrechtliche Seite, indem er die Änderung der römischen Verfassung hervorhebt, nach der das Oberkommando nun nicht mehr jährlich wechselte, sondern in Form der Verleihung von promagistratischer Gewalt bei einem Feldherrn länger lag.