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Thema: selfcontrol

  1. #1
    pjesma
    Status: ungeklärt

    selfcontrol

    es gab regen und gitarre und regen
    viel regen
    auf dem glattem pflaster
    und die nacht gab es
    mit fenster zum hof
    im klebrigen weiß
    umrundet mit weinblätter
    es gab eine schattige blase der ruhe
    und ich kann nicht behaupten:
    ich kam nicht aus mir selbst

    die ganze zeit stand ich da draußen
    vor dem cafe
    bei bluejeanblues und
    untakeable selfcontrol

    der schwede war kein schwede
    meine liebe lebte nicht in meiner straße
    und vorgespielt hab ich allerlei

    aber der regen,
    der regen war schön-
    wie nur für mich geregnet
    Geändert von pjesma (23.07.16 um 11:55 Uhr)

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: selfcontrol

    das ist ein lyrsa-text, denn das erzählte steht vor dem formaspekt. es gibt einen handlungsaufbau, der dem formaspekt eindeutig übergeordnet ist, zudem ist das ganze rund, jedenfalls dramaturgisch.

    traurigkeit ist das kennzeichen jeder poesie.

  3. #3
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    Aerolith meint: 'Traurigkeit ist das Kennzeichen jeder Poesie', was ich zu 130 % für 146 % übertrieben halte. Poesie entsteht m.E. eher während eines Prozesses, an dem viele Faktoren beteiligt sein können: Verliebtheit, Verletztheit, Lebensfreude, Zeit für freies Assoziieren, Wut, Wunsch etwas 'Schönes' zu erschaffen, Nonsenssteigerung, lange Weile, Selbstreflexion, - manchmal sogar Geld ...

    Diese Stelle verstehe ich nicht: 'und ich kann nicht behaupten: 'Ich kam nicht aus mir selbst'.

    Doch diese Stelle wiederum verstehe ich sehr gut: 'aber das regen, das regen war schön, - wie nur für mich geregnet'. Hätte aber einen anderen Genus gewählt: 'Der Regen, (oder das Regnen) war schön'.

    Kunst (Poesie) ist entzückend, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin). Und wie viele untalentierte Maler braucht es, einen Rembrandt zu rechtfertigen?

    Melancholie ist mir immer schon ein schlechter Motivator gewesen. Ich rutsche ewig auf dem Profanen aus:

    Oh Schwester, in der Kälte der Nacht,
    dacht ich an dich, fand keine Ruh.
    Vor deinem Fenster hab ich gewacht
    - und leise weinte der Himmel dazu.

    Ziere dich also noch 'ne Weile
    blödes Weib, ich steh auf Frust
    glaub nicht, dass ich zu dir eile,
    wenn du mich bald rufen tust.

  4. #4
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    hm. lyrsa. abgekürzte prosa ;-). vielleicht, wenn ich den kopf frei bekomme vom alltag, könnte ich daraus eine geschichte machen. ich frag mich grad, warum mir diese geschichte wert wäre, und bin mir nicht sicher...aüßer freude am schreiben und halten an schönen momenten in deren ich mich erkenne. also, selbstsüchtige gründe ;-). fast.
    traurigkeit ist hier keine, aerolith, eine heterkeit ist da, womöglich etwas schräge heiterkeit. sollte ich deiner logik folgen, ist das dann auch kein gedicht, und viele meine gedichte wären verkappte prosa einer die nie die zeit hat mehr daraus zu machen und kanns doch nicht spurlos bleiben lassen bzw. einer die lieber andeutet, schnell fasst, als ins detail zu gehen. wird sich zeigen. vieles mag ich lieber als gedicht, wieauchimmer man die gattung jetzt nennt. das andere verlangt mut, hingabe, zeit, ansporn, fröhliches alltag ohne allzuviele langweilige ritualle.

    karlchen, erstmal danke für den artikel, ändere ich gleich. lebensfreude, ja. aber ich schätze melancholie, nicht als dauererscheinung und bedingung zum gedicht schreiben, eh als eine vorsichtsmassnahme sich nicht ans glück zu vertrauensvoll anzulehnen, ein hinundwieder memento mori, dennoch in mild, fast tröstlich. profanes, ja, tja. kann ich, wenn ich scherze oder in äußerste verzweiflung oder hohn verfalle. bin es aber nicht wirklich. und frußt, wer steht noch auf frußt ? positiven streß, vielleicht, aber frußt???

    Lg, Sarah

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: selfcontrol

    Poesie, nicht Lyrik. Ich sagte, Traurigkeit ist das Kennzeichen jeder Poesie. Sie schwingt immer mit, v.a. in den Texten, die sich ein fröhliches Gepräge geben. Das hat mit den Gattungen nichts zu tun. Das ist den Gattungen vorbedacht, propädeutet. Welche Form gewählt wird, hat nichts mit der metaphysischen Grundierung zu tun. Lyrsa ist eine Form, keine metaphysische Bestandheit. Fröhlich, traurig, gesetzt, staubtrocken, gelangweilt, aufgeregt, angewidert, verträumt... Egal.

    Traurigkeit ist keine Melancholie. Melancholie ist ein Begriff aus der Medizin, aus der Psychologie, sicherlich auch aus der Anthropologie, aber Traurigkeit kann etwas sehr Vorübergehendes sein, etwas Ephemeres, aber natürlich auch als ein Dauerzustand die Welt betrachten. Doch dann sollte auf der anderen Seite eines Ichs auch die Fröhlichkeit leben, ein wuchtiges Trotzdem abgeben. Aus der Spannung zwischen diesen beiden Extremen ist Literatur gemacht, auch Lyrsa. Deshalb ist Traurigkeit wichtig bei der Abfassung jedes Textes, egal ob als Prosa, Lyrsa oder Lyrik. Das sind dann Gattungen. Viele glauben, man müsse traurig sein, um den Blues zu spielen. Ich glaube aber, daß man ein fröhlicher Mensch sein muß, um in traurigen Momenten Blues spielen zu können, daß melancholische Menschen dagegen kaum Blueser sind.

  6. #6
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    seh ich nicht so mit traurigkeit. traurigkeit ist traurigkeit, tief und endgültig. für viele gibts dannach nicht weiter, wenn sie die traurigkeit an sich heranlassen. melancholie ist etwas anderes, mildes,etwas sonnigeres, was an der freude knöpft der zukünftigen veränderungen zum gutem und sich an dem guten vergangenem nährt...(da käme ich auf kundera und sein begriff des kathegorischen imperativs...blablub und da gäb es kein ende). melancholie ist ein liebevolles blick der die dunklen wolken scheucht, und den himmel heitert, melancholisch bleibend, weniger oder mehr in sich verschlossen. absichtslos manchmal, beabsichtigt(herbeigerufen) manchmal, aber immer mit sebsterhaltungstrieb und ziel die liebe am leben und gedeihen zu erhalten.meistens matronenhaft.
    hätt` noch mehr, lass ich lieber erstmal. kann nicht alles ;-), *die wirklichkeit verlangt*.

    Sarah

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: selfcontrol

    Ich folge hinsichtlich der Bedeutungsdichte einem Grundsatz: fremdländische Wörter öffnen sich wissenschaftlicher Deutung, inhämische dagegen bleiben volkhaft, also in der Intention undefinierter. Melancholie und Traurigkeit beschreiben im Grunde das gleiche. Aber wer einmal Dürers Melancholia sah und diese mit der Traurigkeit vergleicht, die jeder von uns kennt, der wird verstehen, daß ich der Melancholie eine tiefere, psychologisch auslotbare Bedeutunsgtiefe geben muß, beinahe schon ein Krankheitsbild. Traurigkeit dagegen besitzt eine poetische Tiefe, an die die Melancholie nicht heranreicht, ist aber kein Krankheitsbild.

    melancholie_duerer.jpg

  8. #8
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    ganz falsch. gefühle sind nicht zu seziren.

  9. #9
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    bzw. wer kennt wessen traurigkeit? jede von uns? solls dir halt mit dem hammer auf den daumen hauen, dann haste blaße ahnung was traurigkeit ist. hast du kein hammer, wirst du nicht gleich melancholisch, aber ich-lies dir doch mal dein ersten satz und frag dich was da nicht stimmt.
    Soll ich mir die Mühe machen es aufzugliedern? Aushämisch, inhämisch oder nur hämisch?

    fülle. ich steh auf fülle und vielfallt. und mag nicht die traurigkeit auf piädestal(podest?) heben. kein treppchen für traurigkeit. und für die melancholie im sinne von nostalgie, ein leichtes mitgefühl. melancholie als "liebverletzliche" momentgedanke dass die zeit vergeht und nicht ewig wird, das reicht mir. ausgedehnt wird`s nicht.
    Geändert von pjesma (23.07.16 um 23:31 Uhr)

  10. #10
    andere-dimension
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    vorab eine kleine Korrektur

    glatten pflaster und weinblättern


    Bilder und Stimmung wissen zu gefallen - in der jetzigen Fassung mehr Liedtext als Lyrik, vielleicht aber auch so beabsichtigt.


    magst du deinen text unter lyrik verbuchen, dann kürze 3x "gab" auf ein einziges...oder streiche es komplett

    könnte in etwa so beginnen:

    regen, gitarre ,regen
    viel regen
    auf dem glatten pflaster
    einer klebrig weißen nacht
    mit fenster zum hof



    Dein Text hat Potential

  11. #11
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    danke für korrektur. mein text hat kein potential, sondern ist ein text. sollte es ein song werden, kostet das geld ;-). ich schreibe keine songs und lieder ;-). ich höre manchen einfach gerne zu. selten wegen worte, aber passierts auch.
    diesen text mag ich so langsam wie er daherkommt.

  12. #12
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    huch, keine bearbeitungsoption beim ausgangtext. das fang ich jetzt schon gar nicht an, versioenen anzureihen.
    danke andere-dimension, umsonst ist dein verbesserungsvorschlag nicht. manfred der nashorn war versehentlich augeblieben ;-), bei sammelnomen bin ich nie sicher. ich glaub, ich schreibs mir einfach ab, in mein konzept ;-). und lasse herd nicht an.

  13. #13
    andere-dimension
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    Gibt auch keinen Grund deinen Text nicht zu mögen - und nicht alles muss in irgend ein Raster passen. Erzählende Wiederholungen wie "es gab" (3x) "es war"(2x)...undefinierte Aussagen wie "die ganze Zeit....und Slang-Elemente "umrundet mit" (nach umrundet kann nur ein "von" kommen/ Du meinst vermutlich umrandet...da wäre dann z.B. auch gefasst in..möglich) machen den Text dann doch eher zum Lied...was aber nicht abwertend gemeint ist...ganz im Gegenteil.

  14. #14
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    ganz ernste frage jetzt, warum von und nicht mit? ein zimmer ist mit weinblätter umrandet. zbsp. auf einem gerüßt. gerüßt ist dann von blättern umrankt. wo hab ich da denkfehler? logik sagt mir dass mit nicht mitgehen heisst sondern mit der masse von mehreren blätter, also...seufz!!!

  15. #15
    andere-dimension
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    Bitte nicht von Verbesserungsvorschlägen reden - ich maße mir nicht an etwas verbessern zu können. Wir reden von Betrachtungswinkeln, von unterschiedlichen Perspektiven - da gibt es kein besser oder schlechter...sondern nur ein anders....

  16. #16
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    mit blättern umrundet gibt mir bild einer beschützte fläche. von blättern eine umzingelte, invasive irgendwie. ob du mich verstehst, weiß ich nicht.

  17. #17
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    wenn ich jetzt ins methaphorische gehe handelt es sich um gefühl der geborgenheit in einem raum, wenn zwar auch gedanken durch die blätter ;-) weg sind und woanders. aber ich bin nicht sprachwissenschaftlerin, und du darfst deine meinung und verbesserungsvorschläge (vor allem wenn sie grammatikalisch richtig sind) ruhig haben. ich mag klang der sprachen, manchen, und mit der deutsche sprache ging mir nicht immer so dass ich es als lieblich empfunden hatte, eine neugierde war aber immer da. die bilder die ich habe sind eh sprachlos.

  18. #18
    andere-dimension
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    Ich umrunde...., ich werde (von) umrundet. Umrundet ist nur als Verb zu gebrauchen, während umrandet beschreibt (Adjektiv). In deinem Text beschreibst Du > die Position der Blätter (Rund um die Blase sind Blätter zu finden/die Blätter umschließen die Blase...können sie aber nicht umrunden) "Umrankt" ist anders zu bewerten, da es in der Natur der Ranken liegt etwas zu umschließen oder zu erobern - "rankt" selbst ist hier das Verb...während es das Verb "rundet" nicht gibt.

  19. #19
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    na dann soll ihn geben ;-).
    "umrandet" ist unachtsamkeit.

    umrundet würde eine runde ecke erschafen. im gefühl, in erinnerung, wieauchimmer. neologismen sind wohl nicht immer neu und manchmal werden die fehler zu solchen, in gut.
    ich hätt s dir gern gezeichnet, aber spagat kann ich nicht ;-)))

  20. #20
    andere-dimension
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    ist doch ok, in erster Linie musst Du dich..deiner Intention folgend... mit den eigenen Bildern identifizieren können. Wenn Du das kannst, hast Du nichts falsch gemacht. Ich könnte Dir ein gutes Dutzend fehlerhafte (nach den Regeln der Grammatik) Heine -Gedichte zitieren...die deshalb dennoch nichts an subjektiver Schönheit einbüsen müssen. Das muss man sich ber erarbeiten. Damit die Leute sich die Frage stellen "Was will der Künstler uns damit sagen", muss man erst mal als Künstler anerkannt sein - ansonsten lautet die Frage "Welcher Depp hat denn das gemalt/geschrieben?"

  21. #21
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    und woher kommt die annerkennung? schrille auftritt? förderer? werbung? vom geld kommt die annerkennung. zwar stinkt das geld nicht, aber wenn du dir manche bestsellerlisten anschaust, könntest du echt kotzen. liebesgesnülze wie sumpf bis über beide ohren. widderlich, undistanziert, unreflektiert, instantfraß.

  22. #22
    andere-dimension
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    Die monetäre Anerkennung ist sicherlich nicht die schlechteste, aber es gibt auch noch viele andere Möglichkeiten der Anerkennung. Was Bestseller-Listen betrifft, da bin ich anderer Meinung als Du; wer dort vertreten ist, der hat vieles richtig gemacht...und sich das auch verdient. Andere...die dort nicht vertreten sind...reden gerne mal von Kitsch, von Schund, von trivialen Inhalten und seichter Sprache...würden aber selbt nicht anders schreiben..wäre ihnen damit der Erfolg garantiert. Der Schreibstil wird m.E. total überschätzt; damit gewinnst Du vielleicht Literaturpreise, aber nicht unbedingt die Herzen der Leser.

  23. #23
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    herzen der leser klopfen unterschiedlich, und nehmen unterschiedlich wahr. und es gibt menschen die sich für erfolg nicht verkaufen und sind mit kleineren literarischen erfolgserlebnissen zufrieden. und wenn sie dass nicht ganz sind, so ist die unzufriedenheit auch eine bewegende kraft um etwas besser zu machen. nicht besser als jemand anderer, sondern besser als sie selbst. manchmal hat "der colonel niemanden dem er schreiben könnte"...und macht es trotzdem.

  24. #24
    andere-dimension
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    Zitat Sarah

    und es gibt menschen die sich für erfolg nicht verkaufen und sind mit kleineren literarischen erfolgserlebnissen zufrieden
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Ja, eben - es geht um die innere Zufriedenheit, wie immer man diese auch erlangt. Wer eigene kleine Erfolge feiern kann, ohne den anderen deren große Erfolge zu neiden, der ist zu beneiden.

  25. #25
    Chester Dickel
    Status: ungeklärt

    AW: selfcontrol

    Zitat Zitat von andere-dimension Beitrag anzeigen

    Ja, eben - es geht um die innere Zufriedenheit, wie immer man diese auch erlangt.

    Wie immer man diese auch erlangt? Ist das ernst gemeint? Im Sinne der Worte?


    Zitat Zitat von andere-dimension Beitrag anzeigen

    ... Wer eigene kleine Erfolge feiern kann, ohne den anderen deren große Erfolge zu neiden, der ist zu beneiden.

    Ist ein Jemand zu beneiden, der anderen Menschen ihre Erfolge nicht neidet, selbst nicht einmal kleine Erfolge feiern kann?

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