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Thema: Die Kraft der Toten

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Die Kraft der Toten

    Ich habe mich oft gefragt, warum ich mich mit Vergangenem so gern befasse. An einer drögen Gegenwart oder einer hoffnungslosen Zukunft kann es nicht liegen, denn mit dem Jetzt und dem Morgen ( ) bin ich schon ganz zufrieden. Es muß also etwas sein, was in mir liegt, mich dazu drängt, Vergangenes NICHT als eben Totes zu begreifen. Meine Vergangenheit ist nicht nur meine; ich identifiziere mich mit heute Toten, frage sie nicht nur im Gebet (stilles Gespräch), was sie zu Tagesfragen sagen. Mein Ich ist so nach hinten offen, ist nicht von diesem Körper eingeschlossen, in dem es hausen muß; es identifiziert sich mit meinen Ahnen, die die gleiche Luft atmeten, die gleiche Sprache sprachen, Kartoffeln aus dem gleichen Boden aßen, in der Tiefe des Daseins wie ich selbst beinahe die gleichen Berufungen erfüllten und in ihren Kindern sich selbst ein gut Stück annahmen, gleichsam Gestern, Heute und Morgen für sich entdeckten.

    Diese Vorstellung ist irgendwie beruhigend, sie befreit von den Grenzen des existierenden und an den Leib gefesselteten Ichs.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Die Kraft der Toten

    Ich glaube an die Kraft der Toten. Wobei, möchte eingewendet werden: Was ist tot? Ist jemand tot, der begraben worden ist? Nein. Mitnichten. Tot ist nur, wer vergessen wurde. Ein Gang zum Grab, ein Gedanke an diejenigen, die wir lieben, an die wir denken, schafft uns Gewißheit über ihr Leben nach dem physischen Tode. Weil wir in ihnen leben, nicht in ihrer physischen Existenz. Zugleich war es ihre physische Existenz, die es uns überhaupt ermöglichte, Kontakt aufzunehmen.
    Es ist ein schwieriges Feld. Ich werde es beackern. Andere sind eingeladen, den Ordner mit ihren Erfahrungen zu füllen, NACH-denken zu erzeugen. Wer keine diesbezüglichen Erfahrungen, der bleibe fern.

  3. #3
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    AW: Die Kraft der Toten

    Gute Frage. Sind nicht alle Ahnen noch im Jetzt wirksam? Wie Du sagst, in dem Maß, in dem sie weiterhin präsent sind?

    Was mir bei einem Gedicht von andere-dimension auffiel, ist die Intutition, im Jenseits die Defizitstrukturen aufzuweisen, die wir hier gehabt haben.

    Es soll verschiedene Ebenen der Astralwelt geben. Die Grundfrage ist es jedoch hierbei, ob wir davon ausgehen, dass auch die Seelen- und Geistenergie dem Energieerhaltungsprinzip folgt.

    Wenn ja, sind Echnaton, Buddha, Christus Jeschua und alle weiterhin "wirksam", so ihre Gedanken und Ideen, Taten und Lehrbeispiele heute noch Wirkung zeigen.

    Ebenso ist jeder das Produkt "seiner" Ahnenreihe und damit sind wir im Jetzt genau das, was allen unseren Ahnen jemals wiederfahren ist.

    Genauer sind wir ohnehin alle "Verwandte", würden alle Ahnenreihen nebeneinandergestellt. Der Name der Mutter unserer Ahnenreihe soll Lucy geheißen haben.

    Doch auch hier gilt es, das rechte Maß zu finden. Mir fielen schon Erfahrungen dazu ein, doch dann wäre die Frage, ob diejenigen, um die es ebenso geht, ihre "Seelenerlebnisse" ebenso zu teilen wünschen. Ich ehre und achte die Ahnen, da sie den Weg geebnet haben. Persönlich finde ich jedoch, dass den Hinübergegangenen ihre eigenen weiteren Seelenwege so offen wie möglich stehen sollten und die Hiergebliebenen einfach loslassen und keine Vorstellungen mehr übertragen oder projizieren.

    Die, die vor dem Tode keine Zeit fanden, mit sich und der Welt ins Reine zu kommen, hängen zuweilen auf den unteren Astralebenen fest. Auch daher ist Vergebung so wichtig, die Energie "zum Absprung" parat zu haben.

    Was könnte jemanden erwarten, der sich freut, (zumindest als "Urlaub") nach Hause zu kommen?

    Wenn wir unaufgelöste Konflikte mitnehmen, Schuld verteilen oder diese auf dem Gewissen zu lasten scheint, mindert dies die "Absprungenergie".

    Grundsätzlich geschieht alles parallel, alles ist immer jetzt. Oder es ist jetzt nicht.

    So wird auch diese Frage im Bewusstsein entschieden, das entscheidet, wie es etwas wahrnimmt.

    Die Grundprämissen beinhalten also die individuellen Antworten.

    Gäbe es nur ein Selbst, was könnte sterben?

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Kraft der Toten

    Das klingt ein wenig reißerisch, von der "Kraft" der Toten zu sprechen. Was ist tot? In unserer Vorstellung sind das nur Dinge, an die wir nicht mehr denken. Aber wir denken an alles: bewußt, unterbewußt und unbewußt. Wobei das mit dem Denken so eine Sache ist. Wenn wir denken, denken wir dann an das, was wir erdenken sollen/wollen oder nicht vielmehr nur nach Ursachen, Wirkungen und Möglichkeiten? Was bedeutet es, an eine Sache zu denken? Wägen wir dann ab, klopfen Vor- und Nachteile ab? Das hieße ja, wir würden werten, also moralisieren. Was bedeutet es, eine Sache zu durchdenken?
    Nein, das, was wir "tot" nennen, ist es nicht. Schon der Ausspruch "Es ist tot." läßt ja die Möglichkeit eines Ichts oder Möglichen zu. Wir schauen auf etwas, und dann ist dieses Etwas eben NICHT tot. Die physische Existenz, besser biochemische Daseinsform ist nicht der Kern eines Etwas. Ein Stein, scheinbar tot in allem, kann zerfallen, sich mit anderem verbinden, wachsen, zerkleinert werden, Neues entsteht. Ein Stein, tot und kalt in meiner Hand, ist ein Etwas, ein Kommendes, ein Gewesenes, ein Mögliches. Wie erst Menschen, ihre Gedanken, ihre Gene, ihre Anwesenheit in dem, was mich umgibt.

    Ich habe es also wieder getan. Ich kam im eigenen Denken nicht weiter, eine Entscheidung mußte her. Ich versetzte mich also in einen Toten - und siehe da! Ich erhielt eine Antwort - und entschied die Sache so.

    Soll noch mal einer behaupten, wir würden nicht mit unseren Toten leben.

  5. #5
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Die Kraft der Toten

    Gibt Kulturkreise (Süd/Mittelamerika)...da feiert man in regelmäßigen Abständen zusammen mit den Toten. Meist "nur" am Grab, teilweise buddelt man aber auch die Toten dafür aus. Und es gibt rumänische Dörfer, da glauben die Leute heute noch an Wiedergänger...weshalb man verdächtige Tote ausgräbt...um sie dann zu pfählen...oder um ihnen das Herz zu entnehmen. Ich meine; tot ist tot - und dabei sollte man es belassen.

  6. #6
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    AW: Die Kraft der Toten

    Für mich sind es die mit den 'Toten' verbundenen Gedanken, Gefühle und Erinnerungen, die lebendig sind, nicht die Toten selbst. Und daraus können wir natürlich Kraft schöpfen, denn diese Emotionen können sehr stark wirken. Ob tote Menschen, Haustiere oder Gegenstände, die Kraft liegt immer in mir, nicht in den Dingen.

  7. #7
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Die Kraft der Toten

    Wir denken ja nicht an irgendwelche Toten. Die, an die wir denken, waren/sind für uns von Bedeutung - und ewig Teil unseres eigenen Ichs.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Die Kraft der Toten

    Ewig ist für ein Ich ein unerreichbarer Zeitraum.

    Beim Titel "Die Kraft der Toten" habe ich zuerst an eine Zombiegeschichte gedacht. Im Fernsehen erfreuen Zombies sich ja weiterhin großer Beliebtheit. Zurecht. Denn gute Zombiefilme zeichnen sich nicht nur durch Splatter- und Gore-Szenen aus, sondern auch durch philosophische Tiefe. Dieses Genre ist ideal um die Stellung des Menschen im Kosmos zu verdeutlichen. Es gibt kleine Inseln des Menschlichen, die ständig bedroht vom umbrandenden Fremden sind.

  9. #9
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Die Kraft der Toten

    ...nicht nur von Fremden - oft sind es die engsten Verwandten...die von einer Sekunde auf die andere zu Zombies mutieren. Ob Zombie, Graf Dracula, Dr. Frankenstein...oder auch meine Beinahe-Schwiegermutter, die lebenden Toten faszinieren uns....

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Die Kraft der Toten

    Die engsten Verwandten werden im Tod zu Fremden.

  11. #11
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    AW: Die Kraft der Toten

    Zitat Zitat von anderedimension Beitrag anzeigen

    Wir denken ja nicht an irgendwelche Toten. Die, an die wir denken, waren/sind für uns von Bedeutung - und ewig Teil unseres eigenen Ichs.

    Doch, ich denke auch an irgendwelche Toten.

    Führen Sie, eventuell zusätzlich, ein fremdes Ich, oder was meinen Sie mit diesem "eigenen Ich"? Und auch noch unseres eigene Ich? Also, kein eigenes Ich? Oder war das Ihr eigenes Ich?


    Vorabdank für Ihre Mühen.

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