Rom errichtete Klientelstaaten, das bedeutet: Die Bewohner der eroberten Gebiete waren keine römischen Bürger, sondern Untertanen und wurden entsprechend ausgebeutet. Das müssen wir uns vorstellen wie die Ausbeutung der Kolonien durch die imperialistischen Mächte im 19. und 20. Jahrhundert (Britannien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Rußland, Vereinigte Staaten). In den Königreichen Bithynien, Kappadokien, Pontus, den Fürstentümern Paphlagoniens und Galatiens herrschten nominell eigene Würdenträger, die Strohmänner römischer Herrlichkeit abgaben, Einkünfte bezogen, die sie dem Land abpreßten. Sie mußten Tribute entrichten und besaßen keine Richtlinienkompetenz für eigene Politik. Sie bestimmten als gegenüber Rom Rechtlose in ihren Gebieten das Recht, unterlagen selbst ständigem Erfolgsdruck, denn Rom verlangte Ruhe (im Sinne von Gehorsam) und Geld.
Die Gracchen planten den Einzug des Bodeneigentums zur Verteilung unter römischen Bürgern. Ein neuer Druck. Und zudem forderten die reichen Pflanzer aus Sizilien und Etrurien ständig Sklaven für ihre Ländereien. Das ging mit Menschenjagden durch Piraten einher, die örtliche Behörden meist nicht unterbanden, weil sie die Piraten bestochen hatten.
Roms Herrschaft war keine Gnade für die eroberten Gebiete, sondern das Gegenteil. Rom war eine Plage, wenngleich nur indirekt, wie eben beschrieben. Selten mußten römische Garnisionen verköstigt werden, seltener noch gab es eine römische Besetzung. In den besetzten Gebieten konnte sich keine eigene Kultur entwickeln, keine Philosophie gedeihen, kein Wohlstand entstehen. Das Leben war von Heuchelei, Gier und Falschheit geprägt, jeder mißtraute jedem.
In den Auseinandersetzungen mit Rom erwies sich der in Pontus (Kleinasien) herrschende Mithradates als sadistischer Angsthaqse. Von Ephesos aus erließ er zur Freude der entkultivierten Griechen den Befehl, daß sie alle Römer und Römerfreunde, Sklaven oder Freie, alle Italiker zu erschlagen hätten. Die Leichen sollten den Vögeln zum Fraße vorgeworfen werden. Hunderttausend Auslands-Römer wurden erschlagen. Mithradates mußte mit einer Vergeltungsaktion Roms rechnen, zog nach Pergamon und erwartete das Eintreffen des römischen Heeres. Die Wartezeit verbrachte er mit Piraterien, u.a. nahm er den Juden, die auf Kos einen Schatz gelagert hatten, alles weg (ca. 800 Talente [1], d.s. 14,2 Millionen €). Er ließ Delos besetzt, auch hier die Italiker niedermetzeln. In Athen gab es eine pontische Herrschaft, auch anderswo siegte Mithradates und bestimmte ihm gemäße Satrapen. Die klugen Griechen flohen nach Rom, der dumme Rest wählte quasidemokratische Volksvertreter, die von Mithradates' Gnaden aus regierten.
Sulla landete 88 v.Chr. mit seinen Truppen in Griechenland, überwand alle Widerstände und war vier Jahre später in der Lage, 20000 Talente Kriegsentschädigung zu fordern (ca. 350 Millionen €), die der reiche Römer Lucullus eintrieb. Damit endete der Aufstand im Osten.


[1] zur Berechnung: 1 Talent entspricht 26,196 Kilogramm Silber, d.s. 60 Minen oder 6000 Drachmen oder auch 36000 Obolen. Der Durchschnittsverdienst eines Tagelöhners lag ungefähr bei zwei Drachmen, d.s. nach heutigem Silberwert 6 €.