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Thema: Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht

  1. #51
    Resurrector Avatar von aerolith
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    CXV: Ein türkisch-deutscher Vorstoß in Nahost scheiterte 1914

    These CXV: Die Briten verlegten 1914 zwei Armeen und verhinderten auf diese Weise einen türkisch-deutschen Vorstoß in Nahost (Ägypten und Irak).

    Das ist wahrscheinlich eine richtige Behauptung/Vermutung.
    Im deutschen AA war man sich sicher, daß Rußland von Süden (Afghanistan) und Britannien in der Suez-Kanal-Gegend angegriffen werden mußten, um die deutschen Siegchancen entscheidend zu erhöhen. Es gelang den deutschen Agenten nicht, den gegen Rußland bereitwillig agieren wollenden afghanischen Emir zum Angriff gegen Rußland, Indien oder Persien zu bewegen. Mehrere in Bewegung gesetzte Agententrupps scheiterten mit diesem Vorhaben; sie erreichten schlichtweg ihre Ziele nicht. Einfacher schien die Lage in Ägypten zugunsten des Reiches auszuschlagen, aber die Briten konnten mutmaßlich erfolgreichen islamischen Aufständen vorbeugen, indem sie zwei Armeen schlichtweg neue Marschbefehle gaben:
    1. die ägyptische Armee wurde weiter nach Süden beordert, wo sie im Sudan den ägyptischen Erzfeind bearbeitete und das gern tat;
    2. sie schickten aus Indien eine indisch-englische Armee in die Suezgegend, die dort mit wesentlich höherer Moral ihre Aufgaben versah und nicht im Verdacht stand, sich einem (möglichen) islamischen Aufstand anschließen zu wollen.

    Die Folge dieser administrativen Entscheidungen war die Sicherung Ägyptens und eine Beruhigung in Nahost. Die geringen deutschen Kräfte hätten nur dann Aussicht auf Erfolg gehabt, insofern sie die islamischen Selbstbehauptungskräfte hätten anstacheln und aufwiegeln können. Die Türken waren zu zerstritten, als daß sie nun in Nahost hätten Einfluß nehmen können.

  2. #52
    Resurrector Avatar von aerolith
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    These CXVI: Die Unterstützung russischer Revolutionäre im Krieg diente siedlungspol..

    paßte nicht in die obere Zeile, darum hier vollständig: Als These CXVI kann formuliert werden: Die Unterstützung russischer Emigranten und bolschewistischer Revolutionäre während des Krieges diente nicht nur der Destabilisierung Rußlands, sondern sollte auch siedlungspolitische Expansionsziele vorbereiten, auf die es der Reichsregierung ankam und die ein strategisches Kriegsziel bildeten.

    Dieser These möchte ich widersprechen. Das Reich besaß keine Ambitionen nach Osten, im Gegenteil. Kriegsziel war die Herauslösung polnischer Gebiete aus Rußland und die Schaffung einer Sicherheitszone von Finnland bis zum Schwarzen Meer (Ukraine) für das Reich. (Das wurde dann auch im heute zuunrecht vielgescholtenenen Frieden von Brest 1918 so beschlossen.) Im expansivsten Szenarium wurde über die Einbindung des Baltikums ins Reichsgebiet spekuliert, allerdings bestenfalls im konföderativen Sinne. Die Schaffung Polens war ein Kriegsziel. Polen sollte weiter nach Osten verschoben werden, nach Südosten, um es genau zu sagen, am Schwarzen Meer einen Zugang erhalten und so unsere Südostflanke als Pufferstaat decken. Im Norden sollte Finnland aus dem russischen Imperium herausgelöst werden und so St. Petersburg den einzigen Zugangsort zur Ostsee bilden, streng eingefaßt von nichtrussischen Gebieten, die allesamt deutsch kondominiert wären. Das war der Plan, nicht aber eine Ausdehnung Deutschlands bis Moskau oder ähnliches. Kein vernünftiger Raumpolitiker hätte so etwas angestrebt, zumal der deutsche Osten eher dünn besiedelt war, also Raum für Millionen abgab.
    Allerdings gab es natürlich ein paar Holzköpfe, die Alldeutschen, die am liebsten die ganze Welt deutsch gemacht hätten. Nicht einmal 2% im Reich. (Übrigens gehörte auch der berühmte Max Weber zu den Alldeutschen.)

  3. #53
    Resurrector Avatar von aerolith
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    These CXVII: Kurz nach Kriegsbeginn wurde die Befreiung Polens etc. initiiert

    These CXVII: Schon im August 1914 war sich das AA sicher, daß ein Sieg im Osten mit der Befreiung der "durch Rußland unterjochten Stämme" einhergehen müsse. Zu diesem Zwecke plante man die Errichtung von Pufferstaaten von Finnland bis zur Ukraine, um die Russen auf Moskau zurückzuwerfen. Um zu diesen Pufferstaaten zu gelangen, war es notwendig, den in den genannten Gebieten schwelenden völkischen Gedanken zu entfesseln. Aber das reichte Zimmermann, dem treibenden Sekretär im AA, nicht. Auch im Kaukasus sollten die unter russischer Herrschaft stehenden Völker aufbegehren und die Gegend destabilisieren.

    Ich stimme diesen Bemerkungen Fischers zu.

  4. #54
    Resurrector Avatar von aerolith
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    These CXVIII: Sicherung des Ostens durch Pufferstaaten

    These CXVIII: Im August 1914 zielte die Reichsregierung auf die Insurgierung Polens und der Ukraine, um
    1. Kampfmittel gegen Rußland zu generieren;
    2. weil nach dem (siegreichen) Krieg Pufferstaaten die Sicherheit des Reiches und Europas erhöhen würden;
    3. Rußland müsse nach dem Krieg nach osten geworfen werden;
    4. Rumänien benötige zu seiner Sicherheit einen nichtrussischen Staat an seiner Grenze.


    Ich stimme dieser These Fischers zu. Derartige Überlegungen dürfte es in der Reichsregierung gegeben haben. Sie sind zwingend.

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