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Thema: Anfang einer Erzählung

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  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Anfang einer Erzählung

    1.Kapitel

    Es sollte ein neuer Beginn nachdem ich wieder einmal aus der Welt gefallen. Mich zurückgezogen hatte, besser gesagt in meinem Zimmer gestrandet war und man gut und gerne vorwerfen könnte, dass ich faul war, schlimmer noch ich war süchtig, süchtig nach Computerspielen, gefangen in einer virtuellen Welt, deren Belohnungssystem jenes der tatsächlichen abgelöst hatte, ich jagte nach Gegenstände, nach Schwertern, nach Rüstungen stundenlang, von morgens bis abends. Ich jagte mit Gleichgesinnten, einer kleinen Gruppe, bestehend aus 3 Personen, spielten wir dieselben Levels wieder und wieder. Wir spielten nach Effizienz, nicht nach Spielspaß. Jeder Bewegungsablauf war genau geplant. Jede unnötige Pause, jeder Zeitverlust wurde vermieden.
    Der Bildschirm quoll über vor Feinden. Horden von ihnen. Groteske Gestalten, entlehnt aus der Mythologie aller Herren Länder. Mischwesen Aus Mensch und Tier. Dämonen mit fahlen, muskelbekannten Körpern, unzähligen Gliedmaßen oft mit Waffen anstatt Händen. Sie brandeten an uns an, torkelten auf uns zu, sprangen aus dem Schatten heraus. Nur uns konnte das nichts anhaben. Wir schnitten durch sie durch als wären sie Gras und vernichteten Dutzende von ihnen gleichzeitig. Das Spiel zählte mit und je mehr man in kurzer Zeit vernichtete, desto mehr Bonus erhielt man.
    Ein Rausch an Farben, die kurz über den Bildschirm blitzten, so viele gleichzeitig, dass man nicht mehr wusste, zu was welche Farbe gehört. Spezialeffekte der Fertigkeiten von uns und der Fertigkeiten unserer Gegner blitzten auf, zu schnell um sie bewusst wahrzunehmen. Das Gehirn schützte sich, war ihnen aber gleichzeitig schutzlos ausgeliefert.
    Wir unterhielten uns über TeamSpeak, aber eigentlich hatten wir uns nichts zu sagen. Wir sprachen uns nicht mal mit unseren echten Namen an, sondern mit den Namen unserer Charaktere. Ich wusste die Namen nicht mal oder hatte sie vergessen, obwohl wir jetzt Monate zusammenspielten. Sie interessierten mich auch nicht.
    Die Belohnungen kamen wahllos. Jeder besiegte Gegner konnte das erhoffte Ausrüstungsstück fallen lassen. Insgeheim hoffte man darauf, aber eigentlich kam nur Müll. Berge von Müll. Hunderte, tausende Stück von Müll, die man nicht brauchen konnte. Hat man noch Kräfte sammelte man sie ein und trug sie zu einem NPC, was als Abkürzung für Non Player Charakter stand. Dieser entzauberte sie, so hieß es und man erhielt Handwerksgegenstände, mit den man sich andere Rüstungsteil herstellen konnte, die man eigentlich auch nicht brauchen konnte. Das Spiel selbst belohnte einem nämlich fast nie. Manchmal spielte man tagelang ohne dass man etwas Brauchbares fand.
    Dem Spiel angeschlossen war ein Auktionshaus, wo Spieler ihre Gegenstände zum Verkauf anbieten konnte, für Sie ahnen es, ebenfalls virtuelles Geld und woher die begehrtesten Ausrüstungsstücke eigentlich kamen. Das Spiel war so erfolgreich, es wurde von Millionen gespielt, dass die Preise astronomisch waren. Ein besonderer Gegenstand, mit den passenden Attributen, die den Spielercharakter stärker machten, konnte hunderte Millionen kosten, ein Vermögen, das man, wenn überhaupt, in Wochen vielleicht zusammen bekam. Spieler machten sogar Videos und stellten sie auf Youtube, wenn sie einen Gegenstand mit fast perfekten Werten erhalten hatten. Diese Videos wurden geteilt in Foren und hatten Millionen Views. Man konnte ein kleiner Star werden hatte man so einen perfekten Gegenstand.
    So kam es, dass je länger ich spielte, desto weniger spielte ich, sondern betrachtete die Angebotsseiten des Auktionshauses stundenlang. Ich wurde zum virtuellen Kapitalisten. Hoffte auf Schnäppchen und manipulierte Detailmärkte. Ich kaufte Unterkategorien auf und setzte sie zu einem höheren Preis wieder ein. Ich kaufte am Morgen, da dort die Preise niedrig waren, weil weniger Leute spielten und verkaufte am Abend, wenn auch die spielten, die noch einen Job hatten.
    Je länger ich spielte desto mehr entfernte ich mich von der Wirklichkeit und desto schwieriger wurde der Weg zurück. Im Spiel hatte man Status, man kannte sich aus, man hatte sozialen Kontakt, wenn auch verzerrt und, objektiv betrachtet, was ich damals nicht konnte, nicht von Bedeutung, denn das einzige, was uns verband, war unsere Sucht. In der Realität erwartet mich mein Zimmer und meine Eltern, die schon seit Monaten nichts mehr mit mir anzufangen wussten und vor denen ich versteckte, womit ich meine Zeit verbrachte, die irgendwann aber sowieso aufgehört hatten zu fragen.
    Ich war vor einem halben Jahr arbeitslos geworden. Ich hatte selbst gekündigt, aber die Firma war ein paar Monate danach sowieso Pleite gegangen. Diese Firma war der Wurmfortsatz der österreichischen Wirtschaft gewesen. Wir wussten nichts, konnten wenig, betrogen oft und träumten gleichzeitig von einer neuen Art des Wirtschaftssystems, indem Kooperation statt Konkurrenz herrschen würde, weil wir nicht konkurrenzfähig waren, indem das Gemeinwohl über dem Profit stehen würde, obwohl unsere Kernaufgabe, darin bestand Leute am Telefon zu belästigen, indem Kredite danach vergeben werden, wie sehr das Wohl der Welt vermehrt wird, weil wir bei Banken heillos in der Kreide standen. Unsere Vorgesetzten waren so beseelt von diesen esoterischen Ideen, dass sie auf das banale Alltagsgeschäft am liebsten vergaßen. Trotzdem die Leute waren nett gewesen, obwohl ich die Leute überall nett fand, den Antrieb meines Lebens besteht darin, irgendwo Anschluss zu finden, irgendwo dazuzugehören. Ich arbeitete dort für 5 Euro die Stunde und setzte mich dafür jeden Tag zwei Stunden ins Auto. Ich konnte mir nur leisten dort zu arbeiten, weil meine Eltern reich waren, denn der Treibstoff für mein Auto fraß den Großteil meines Gehaltes auf. Ich arbeitete dort, weil Arbeiten das Wichtigste in Österreich ist, egal was man arbeitet, nur solange man arbeitet, kann einem keiner besserwisserisch ins Leben hineinreden, denn man stand auf eigenen Füßen. Es spielte keine Rolle was man arbeitete, schon lange konnte es sich Österreich nicht mehr leisten zu fragen, was sinnvoll war, Utopien gab es nicht mehr. Der Markt regelte, was sinnvoll war. Bezahlte jemand dafür, war es sinnvoll. Auch in unserem Fall bezahlte uns Firmen dafür, dass sie diese Tätigkeiten nicht selbst ausführen mussten, weil sie dem Ruf der eigenen Firma schaden würden, weil man Standards nicht garantieren konnte. Wir waren eine Schar von Tagelöhnern, die praktisch jeden Auftrag annahm.
    In Österreich wurde man das erste halbe Jahr vom Arbeitsamt in Ruhe gelassen. Jobs gab es nicht, also konnten sie nichts vermitteln, vor allem für einen so oft gescheiterten wie mich, dessen Alternativen, je älter ich wurde, immer mehr abnahmen. Auf mich wartete keiner, anders noch also noch vor 10 Jahren geschienen hatte, als ich gerade maturiert hatte, und die Lehrer und unsere Eltern so taten als stünde uns die Welt offen. Ja, die ganze Gesellschaft tat so, als könnten wir alles werden. Nur die Wahrheit war, eigentlich waren wir gar nichts. Die Matura war in Österreich nämlich nichts mehr wert, zumindest die allgemein bildende höhere Matura. Man konnte studieren und erst damit konnte man etwas werden. Schaffte man kein Studium, so wie ich aus Gründen, auf die ich später noch eingehen werde, war man nichts als ein Universaldilettant. Und man hatte acht Jahre seines Lebens vielleicht nicht vergeudet, aber man hätte besser etwas Anderes gemacht, denn es war ein totes Ende. Die vielleicht beste Option war es, diese acht Jahre zu vergessen und mit einer Lehre wieder von vorne zu beginnen. Nur eine Lehre das konnte ich nicht machen. Mein Vater hatte studiert. Alle meine Cousins und Cousinen studierten. Eine Lehre wäre von vornhinein eine Niederlage gewesen. Obwohl es für mich vielleicht das Passende gewesen wäre. Nur ist unsere Gesellschaft in Österreich so gestrickt: Es gibt jene die denken dürfen und jene die arbeiten sollen, hoffentlich ohne sie viele Gedanken zu machen. Nur braucht es vielleicht nur zehn Prozent von denen, die denken sollen, und die schaffen oft Werke, die von denen, die nicht denken sollen, dann zwar konsumierten werden sollen, aber bitte ja ohne sich darüber Gedanken zu machen. Die Nichdenkendürfenden können aber irgendwann dann gar nicht mehr denken, weil ihr ganzer Arbeitsablauf ja so aufgebaut ist, dass sie unter keinen Umständen denken sollen und der Arbeitsalltag bestimmt bekanntlich den Tag. Irgendwann interessiert sie die große Mehrheit der Nichtdenkendürfenden dann nicht mehr für die Ergüsse der Denkendürfenden und ihre Bücher und Zeitschriften, ihre Musik und Theaterstücke werden nicht mehr gekauft. Worauf ein großes allgemeines Wehklagen beginnt. Von der Kulturlosigkeit der Gesellschaft wird geraunt, über das sinkende Niveau allerseits wird gejammert. Nicht gesagt wird, dass einige doch eigentlich und im tiefsten Herzen recht froh darüber sind, denn so kann man sich mit Niveau, Kultur und Bildung von anderen abheben, sie als Waffe einsetzen, als Mittel mehr Wohlstand, mehr Aufmerksamkeit und ein mehr von eigentlich allem zu erlangen, dabei unterscheiden man sich gar nicht so sehr, man hat nur einen andere Art Dinge anzugehen, oftmals einfach hinterfotziger, versteckter und verschlagener, obwohl man nach außen hin den Toleranten mimt, den Gutmeinenden, aber bitte ja nur in der Fremde, weit weg von einem selbst.
    Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. Es gab keinen äußeren Grund. Keinen Vorfall mit meinen Eltern. Keinen Streit mit meinen Mitspielern. Kein höheres Erkennen, wie sinnlos mein Leben geworden war. Ich hörte einfach auf und fiel ins Nichts. Mein Tagesinhalt war plötzlich nicht mehr existent. Ich hatte nichts, womit ich die ganzen Stunden zwischen Frühstück und Mittagessen, zwischen Mittagessen und Abendessen, die alle meine Mutter zubereitete und die die einzigen Gelegenheiten waren, wo ich mein Zimmer verließ, zu füllen. Ich lag zunächst auf der Couch und starte Löcher in die Luft und widerstand dem Drang den Computer einzuschalten und zumindest nachzusehen wie meine Auktionen gelaufen waren. Es kostete mich viel Mühe und Disziplin, den Automatismen, die sich in den letzten Monaten eingeschlichen hatten zu widerstehen.
    Mein Blick schweifte umher und suchte nach Anhaltspunkten, was ich nun tun sollte. Ich sah den Bücherschrank neben dem Kasten, der übervoll war und dessen Inhalt sich von der gesammelten Weltliteratur mit Schwerpunkt Österreich bis hin zum billigsten Fantasieroman erstreckte. Erinnerungen wurden wach, an eine Zeit als ich diesen Traum noch verfolgte und Germanistik studierte hatte, selbst geschrieben, sogar einmal fast einen Preis gewonnen hatte und das erste Mal durchgedreht war. Ich hatte jetzt schon fast zwei Jahre kein Buch gelesen.
    In der anderen Ecke stand noch Verkaufskartons von Computerteilen herum, die ich nie weggeräumt hat nachdem ich vor ein paar Monaten meinen Computer selbst zusammengebaut. Ich hatte Blut und Wasser geschwitzt als ich die Elektronikteile eingesetzt hatte und war der festen Überzeugung gewesen, dass ich bestimmt etwas kaputt gemacht hatte, als ich ihn zum ersten Mal eingeschalten hatte, aber er hatte sofort funktioniert. Konnte das auch etwas sein, woran ich anschließen konnte?
    Ich wünschte, ich hätte mir mehr Gedanken machen können. Ich wünschte, ich hätte ein Für und Wieder abwiegen können, aber dafür reichte mein Verstand, dafür hatte ich die letzten Jahre zu wenig nachgedacht und mein eigenes Ich zu sehr von mir weggeschoben, als dass ich abwiegen könnte, was mir vielleicht Freude bereiten würde. Ich war mir nicht mal sicher, ob das von Belang war, ob man in der modernen Wirtschaft Arbeit sowieso nie Selbstverwirklichung sein kann und nur solche Dinge bezahlt werden, die die Mehrzahl der Menschen nie freiwillig tun würden.
    Ich schaltete den Computer ein und begann zu recherchieren, welche Kurse es gab, welche kurzen Ausbildungen, die ich schaffen könnte, damit ich in irgendwas einen Abschluss hätte und nicht wieder in Call Center landen und meinen eigenen geistigen Verfall zuschauen konnte. Ich stieß auf der Wifi-Homepage auf eine Ausbildung zum Netzwerk-Administrator in Klagenfurt, also in Fahrtdistanz und auf der Homepage den Universität Salzburg auf eine Ausbildung zum Bibliothekar. In Salzburg lebte mein Bruder, deshalb konnte ich mir vorstellen dort zumindest temporär zu leben. Beide dauerten ein Jahr. Ein Jahr kam mir unendlich lang, wo ich in letzten Jahren von Tag zu Tag gelebt hatte und schon lange keine längerfristigen Ziele verfolgt hatte.
    Ich druckte beides aus, lies es aufmerksam durch und markierte alle wichtigen Informationen. Ich bereitete mich vor, legte mir Argumentationen zu Recht, denn ich würde morgen zum AMS fahren, egal ob ich einen Termin hatte oder nicht. Ich würde sie überzeugen, so wie das letzte halbe Jahr konnte es nicht weitergehen.

  2. #2
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Anfang einer Erzählung

    wenn du gar kein...oder erst am ende deiner erzählung ein feedback wünschst...dann lase mich das wissen.

    was mir sofort sympathisch war: du verschluckst, wie auch ich, so manches wort. bei mir ist das keine absicht - bei dir vielleicht schon.
    ein begriff stach mir sofort ins auge: "temporär"...der passt so gar nicht zum rest der sprache. ein "vorübergehend" oder ein "zeitweise" klingt für mich ehrlicher.

    ...später mehr

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Danke andere-dimension,

    Das mit dem Wortverschlucken tut mir leid. Ich bin beim Schreiben oft so in Gedanken und Emotionen, dass ich oft mit der Struktur Probleme habe. Auch den Satzbau, ob Beistrich oder Punkt usw. bitte noch nicht beurteilen.
    Feedback wäre natürlich super. Ich habe nicht viele Leute, die meine Texte lesen und das wäre ein großes Dankeschön wert.

  4. #4
    andere-dimension
    Status: ungeklärt

    AW: Anfang einer Erzählung

    das muss dir nicht leid tun...passiert auch mir ständig. seit ich leute habe...die mir solche "fehler" ausgleichen (wenn es darauf ankommt)...passieren sie mir immer öfter. vielleicht sind das ja auch (bei mir) die ersten anzeichen einer beginnenden demenz. aber ich will dir keine angst machen. the story sells...und ich finde deine geschichte interessant...zumal sich wohl sehr viele leute mit ihr, bzw mit dem protagonisten, identifizieren können. zu glauben... man müsse...gegen die eigene innere überzeugung... auf teufel heraus ein studium beginnen...das kennen viele. das gab es schon immer...ist aber heute aktueller denn je. das spiel, egal in welcher form, ist eine von vielen möglichkeiten...dieser sackgasse zu entkommen...wenn auch nur für eine gewisse zeit.

  5. #5
    Taco Petrastoni
    Status: ungeklärt

    AW: Anfang einer Erzählung

    Waren Sie nur zu faul, die Fehler zu korrigieren?

    Mögen Sie Thomas Bernhard?

    Ich tippe, im letzten Kapitel stirbt der Erzähler.

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Zu faul glaube ich nicht. Vielleicht zu euphorisch und zu ungeübt beim Schreiben.

    Lustigerweise habe ich gerade die autobiographischen Bücher von Thomas Bernhard angefangen zu lesen und mir auf Youtube ein paar Interviews und Dokus über ihn angesehen. Ich mochte einige seiner Aussagen schon sehr gerne, zum Beispiel, dass er über das schreiben will, über das nicht gesprochen wird und dass man beim Schreiben einen gewissen Erregungszustand braucht, sonst kann man gleich im Bett liegen bleiben.
    Seinen Stil mag ich auch, obwohl schon immer eine gewisse Zeit braucht bis man wieder flüssig im Lesen ist. So eine Stunde Bernhard lesen geht nicht, also eher was fürs Wochenende als für den Abend.

  7. #7
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: Anfang einer Erzählung

    Nach fuenfte Zeile aufgehoert zu lesen. Zeit ist Geld. Meine mir was Wert. Hart und gerecht und *ohne Gruß*

  8. #8
    Taco Petrastoni
    Status: ungeklärt

    AW: Anfang einer Erzählung

    Ich las das Kapitel noch einmal, es gefällt und ich möchte gerne weiterlesen. Wäre es ein Taschenbuch für 8 Euro, ich kaufte es. Auch im Wolkenstein-Verlag.

    Sie werden nie viele Leser haben, es ist nur ihr Los.

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Kapitel 2

    Ein Zug, der um 6.45 abfährt, setzt ein Aufstehen um 5 Uhr voraus. Falls sie nicht in dieser Lage sind- und die meisten Menschen sind nicht in dieser Lage, dann wissen nicht, wie schwierig das einem fallen kann, vor allem wenn man wie ich gerade wieder begonnen hat seine „Medikamente“ zu nehmen, um wieder zu versuchen ein wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft zu sein.
    Es ist zwar nicht so, dass ich aus meinen Träumen gerissen werde, eines der Medikamente verhindert gerade, dass ich träume und versetzt mich in jenen knapp 5 Stunden dauernden, koma-gleichen Zustand, in dem nicht ständig in meinem Hinterkopf, von mir gleichzeitig zwar unvernommen, trotzdem durch meine Handlungen bestätigt, mein Gedankenstrom arbeitet. Wenn ich genauer darüber nachdenke, dann ist es eigentlich recht gut, dass mein Zug um 6.45 fährt, denn wach wäre ich sowieso und dann hätte ich mehr freie Minuten zu meiner Verfügung und freie Minuten sind für mich gefährlich.
    Auch so gibt es schon fast zu viele freie Minuten, nämlich, wenn ich die Zeit meiner Körperpflege subtrahiere, um die Sechzig. Man füllt diese also, um tunlichst zu vermeiden, über sich selbst und sein Leben nachdenken zu müssen. Gesegnet sei hierfür das Internet, denn die zwei Zeitungen, die täglich zwischen drei und vier Uhr morgens vor meiner Türe abgeliefert werden, sind in 15 Minuten erschöpft, was den Weltpolitik-, Lokalpolitik-, Wirtschafts- und Kulturteil betrifft. Also rasch weiter zu den Fernsehnachrichten des Vortages. Sie ahnen vermutlich, dass, wenn man die Zeitungen von heute schon gelesen hat, die Fernsehnachrichten von gestern kaum mehr zu einem Erkenntnisgewinn beitragen. Das spielt aber keine Rolle, denn so gut Zeitungen auch sind, die meisten bemühen sich zumindest, so haben sie doch einen Nachteil: Sie beinhalten keine bewegten Bilder und außerdem keine Nachrichtensprecher, die ich so gerne dabei beobachte, wie sie mühelos und angestrengt zugleich versuchen einen Ausdruck eigener Meinung oder auch nur Anteilnahme zu vermeiden, sondern nur kleine erstarrte, aufgehübschte Bildchen der Kommentarschreiber. Oft fühle ich mich den Nachrichtensprechern persönlich verbunden. Sie sind quasi meine Coaches, meine Lehrmeister in Kommunikation. Meine Gespräche sind meist genau so aufgebaut: Ich verlese oder wiederhole leicht interpretiert, mich selbst beobachtend, bar jeder Anteilnahme die Informationen die von außen an mich herangetragen werden und hoffe damit die Erwartungshaltung der anderen, eben jener außen, zu befriedigen, ohne sie dabei allzu lange und direkt anzusehen. Kürzlich wurde mir mitgeteilt, dass dies mir nicht so gelingt, wie ich selbst gedacht hatte und ich mich unaufmerksam verhalte, ich bitte Sie aber zu verstehen, dass ich keineswegs absichtlich unaufmerksam bin, sondern meist nur sehr genau auf das Erzählte achte oder auch sehr genau, über das gesunde Maß hinaus, auf einzelne Ihrer Bewegung. Somit bitte ich Sie weiteres, es mir nicht übelzunehmen, wenn ich durch Sie hindurchschaue.
    Im Internet habe ich dann täglich ein neues Steckenpferd. Durch meine umfangreiche, abgebrochen, eher angefangene als abgeschlossene Bildung sind mir die meisten Denker dem Namen und der Schlagwörter nach bekannt. Also suche ich dann mittels Google und Youtube Seiten und Videos eben dieser. So fange ich dann Chomsky-Interviews oder Game Theory Vorlesungen der Yale Universität zu sehen, trinke dabei meinen dritten oder vierten Kaffee und versuche zu vermeiden, dass mein eigenes Leben über mich hereinbricht und mir meine gesamte Aufmerksamkeit raubt und ich mich dabei verliere, über Sachen und Vorfälle nachzudenken, die zwar Jahre zurückliegen, trotzdem aber nicht abgeschlossen sind. Schon nach kurzen bricht meine Aufmerksamkeit aber ab oder ich möchte mich einfach nicht länger so mit der Welt beschäftigt. So eingeengt von Theorien und Theorem, so verknappt und zweidimensional in einer Disziplin, so ohne Herz und ohne Seele, so kopflastig und dann beginne ich Musik zu sehen und zu hören. Ich beginne mit Bob Dylan, Blind Melon, Nirvana und Alanis Morissette. Ich beginne oft mit Künstlern, die mir schon seit Jahren, schon seit meiner Jugend bekannt sind. Mit Musikern, deren Songs irgendwann zu Mantras für mich wurden, die ich verknüpfe mit Emotionen, die ich irgendwann verspürte. Mit den Orten und Menschen, die der Grund für diese Emotionen waren. Ich gebe mich der Musik hin und lass die Töne und Worte in mich eindringen und durch mich durchfließen, bis nur mehr sie existent sind und ich nicht weiß ob es noch meine eigenen sind oder vielmehr als das. Manchmal denke ich dann, ich fühle, was Dylan gefühlt hat, als er diesen Song geschrieben hat. Das Verwobene, das Verdichte der Kunst wird zu meiner Realität und ich hänge den Worten nach wie Sonnenstrahlen und die Töne erheben mich. Bis ich nicht mehr dort bin, wo ich eigentlich bin und nicht mehr so klein und unbedeutend und so alleine wie ich bin. Nie fühle ich mich verbunden mit der Welt, mit speziell dieser Welt aus Gedanken und Emotionen, die zwar die eines Anderen ist, aber doch auch so sehr meine eigene.
    Und das Wunderbare ist: Es braucht nur so wenig Zeit. Nur Minuten, in denen ich frei und losgelöst bin und die dann den ganzen Tag vorbestimmen, in einfärben, wenn ich es mir bewahren kann und der Zauber nicht verfliegt. Von allen Drogen tuen nur Musik und Literatur wirklich gut und nur sie habe ich mir bewahrt. Sie sind meine Zufluchtshäfen vor den Unruhen und auch Banalitäten meiner Existenz und ich such sie auf so oft ich kann, nehme mir Auszeiten in ihnen. In jeder Pause, in der ich kann. Und es ist so schön neben anderen zu sein, ganz für sich, mit Musik im Ohr, den irgendwie werden dadurch auch die Menschen besonderer. Fremde werden zu Teilen der Musik und ich überlappe das Fremde in ihnen, das alles, was ich nicht weiß von ihnen und von fast allen Menschen, denen man begegnet, weiß man nichts, mit den Gedanken und den Stimmungen der Musik. Sie sind dann Darsteller bei Songs von Lou Reed. Sie müssen gerade das Denken, was Lauryn Hill sich gerade denkt. Bitte glauben Sie mir ich wähle mir meine Songs genau aus und sie werden Ihnen zwar wahrscheinlich nicht gerecht aber schämen müssen Sie sich ihrer ganz bestimmt nicht. Und um ehrlich zu sein, welche andere Möglichkeit hätte ich denn? Was wäre denn, wenn ich sie ansprechen würde, um nach etwas anderen zu fragen, als nach der Uhrzeit und selbst das ist unglaubwürdig und sie einfach bitten würde mir etwas von sich zu erzählen?
    So verfließt dann die Fahrt durch mein Heimatland im Zug. Mal mit mehr und mal mit weniger Mitreisenden und nie sind wir uns näher als auf der Rolltreppe nachdem uns der Zug ausgespuckt hat und, wo dann jeder dem anderen nicht zu nahe treten will und Kontakte vor allem mit den Blick so gut es geht vermeidet und man meint es wären hunderte Weg so aufgezeichnet, dass sie sich nie schneiden und das wäre so vorherbestimmt.
    Ich kann mich noch gut erinnern, als ich zum ersten Mal den Weg in das Schulungszentrum fand. Wie eingeschüchtert ich war und mich gleich anfangs verlor zwischen all den verschiedenen Räumen und mir vorkam wie in einer Klinik, weil weiß die einzige Farbe war, die ich sah und selbst die Schilder in neben den Tür mir keine sinnvollen Informationen darboten. Mit Begriffen wie Vermittlungsvorbereitung oder kaufmännische und technische Abklärung hatte ich damals noch nichts anfangen können. Schließlich fand ich dann doch den Weg in den für mich bestimmten Seminarraum, wo schon zwei andere warteten. Zum einen war dort Markus. Er war jünger als ich Anfang 20, braungebrannt, und über und über mit Tätowierungen bedeckt. So wie es eigentlich alle der Jungen, die ich an diesem Tag nur auf Terrasse stehen und rauchen sah, mit denen ich damals aber noch nicht gesprochen hatte, ihren Körper über und über bedruckt hatten. Jetzt glaube ich dass es ihr Ausweg war, weil wir doch alle so verschüchtert waren und meinten wir hätten nichts mehr zu sagen, vielleicht nicht einmal mehr ein Recht zu sprechen.
    Markus hatte als Maurer gearbeitet bis er sich eines Tages mit einem Bolzenschussgeräte durch das Fußgelenk seines linken Beines geschossen hatte, was seine Maurerkarriere schlagartig beendete und er nur noch von einem kurzen Hilfsjob zum nächsten wechselte. Er hatte zum Beispiel in den Wintersaisonen immer als Liftwart gearbeitet. Nun war immer aber selbst das nicht mehr möglich und so hatte seine Versicherungsanstalt ihm eine Umschulung genehmigt, bevor er drohte arbeitsunfähig zu werden.
    Zum anderen gab es dort Lisa. Lisa wiederum war älter als ich. Sie war schlank, beinahe durchscheinend und hatte einen kessen Kurzhaarschnitt. Sie hatte in verschiedenen Hotels der gehobenen Kategorien als Konditorin gearbeitet, bis man sie in ihrem letzten Betrieb so unter Druck gesetzt und gemobbt hatte, dass sie einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte.
    Uns verband, dass wir unseren Platz in der Welt verloren hatten und nicht recht wussten, wohin mit uns.
    Die erste Woche wurden wir durchgehend getestet, um unsere Fähigkeiten aber auch Neigungen festzustellen. Durchgeführt wurde dies von verschiedenen Vortragenden, die meist nicht mehr als ein bis zwei Stunden bei uns verweilten und uns die Fragebögen austeilten und dabei die Zeit nahmen. Wissen Sie, ich war davor schon ein Jahr zu Hause gewesen und hatte wohl hie und da einzelne Kurse besucht. So hatte ich meine Sprachkenntnisse in Italienisch und Französisch aufgefrischt, was aber nur bescheidenen Erfolg hatte, denn Sprachen, um sie zu beherrschen muss man üben, also sie aktiv ausüben, am besten täglich. Dies trifft nicht nur auf Sprachen zu, sondern auf fast alles, was es überhaupt zu tun gibt. Genau diese Möglichkeit fehlte mir aber, oder vielleicht suchte ich sie auch nicht genug, oder vielleicht verhinderten auch meine Ängste und Zwänge, dass ich sie suchte. Wie auch immer jedenfalls konnte ich z.B. Englisch ich hatte es immerhin 8 Jahre in der Schule gehabt, auf der Universität 5 Kurse in Englisch absolviert, war mehrmals in den USA und in anderen englischsprachigen Ländern gewesen und sah wöchentlich vielleicht ein Dutzend Stunden Sendungen in englischer Sprache, aber einen englischen Satz geschrieben hatte ich zum letzten Mal vor Jahren. Und dass die Mehrzahl von fish fish ist war mir irgendwann auch abhanden gekommen.
    So verhielt es sich mit vielen Dingen. Bei den Rechnungen war meist der Ansatz nicht das Problem, nur zum letzten Mal dividiert hatte ich auch vor Jahren und so flogen die Zahlen bei den ersten Versuch kreuz und quer durch meinen Kopf, bis mir wirklich schwindlig wurde und mich ein leichter Brechreiz überkam.
    Oft spielte die Zeit auch verrückt. Lebt man nur nach seiner eigenen Uhr, verliert man jedes Zeitgefühl und Stunden können sich anfühlen wie Minuten und Minuten wie Tage. Bei manchen Aufgaben ging es mir so. Währen Lisa und Markus noch arbeiteten, war ich schon fertig und las alles noch einmal durch und kämpfte gegen den Zwang an, aus dem Raum zu fliehen, um draußen eine zu rauchen. Zugleich stieg aber auch Verunsicherung in mir hoch. Hatte ich die Aufgabe richtig gelesen? Etwas übersehen? Zu einfach gedacht?
    Lisa schienen die Tests nicht viel auszumachen. Äußerlich bewahrte sie Ruhe und ich bewunderte sie sehr dafür. Nur bei den Dingen, die etwas mit Mathematik zu tun hatten, meinte sie anschließend, dass Mathematik nie ihres gewesen war. Viel mehr dazu sagte sie nicht. Ob sie in diesen Tests deshalb schlecht abschnitt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, denn die Ergebnisse wurden uns in einem Einzelgespräch mitgeteilt und untereinander tauschte man sich darüber nicht aus.
    Bei Mark sah die Sache anders aus. Oft sah er zu mir herüber, wobei sich dabei Falten auf der seiner Stirn abzeichneten und er gedankenverloren an seinem Stift herumkaute. An den Nachmittagen, in denen wir meist kleine Präsentationen über uns, unsere Stärken und unsere Ziele im Leben ausarbeiten mussten, reagierte er oft bockig und beschwerte sich lautstark, was der Scheiss ihm bringen sollte.
    In unserem Schulungszentrum hatten alle Teilnehmer, auch die in anderen Räumen zur gleichen Zeit Pause. Wir trafen uns dann immer auf der Terrasse. Es war der heißeste Sommer seit Jahrzehnten und so waren wir heilfroh, dass ein Sonnensegel sich fast über die ganze Terrasse spannte und die Temperaturen darunter wenigstens einigermaßen erträglich wurden.
    Die Namen der anderen Teilnehmer, die meisten waren vielleicht schon ein paar Wochen hier, kannte ich anfangs nicht und so gab ich ihnen Spitznamen nach den Eigenschaften, die sie auszeichneten. Den General hätte wohl niemand übersehen können, selbst wenn er nur einen Tag hier verweilt hätte. Der General war knapp 180 groß und hatte bestimmt 130 Kilo, was sogar mehr war als ich. Er hatte als Mechaniker gearbeitet und bei einem Arbeitsunfall ein Unterbein verloren. Dort saß jetzt eine schwarze, gepolsterte Prothese, die er im kleinen Kreis und bei großer Hitze gerne abnahm, weil er dann sehr schwitzte. Wir verbrachten oft die Mittagspausen zusammen, wenn wir beide keine Lust hatten, die andere in das Zentrum zu begleiten, weil offen gesagt, es uns zu beschwerlich war.
    Ich mochte den General, obwohl er das einem nicht leicht machte. Ich bewunderte ihn sogar für seine bestimmende Art. Einmal die Woche machten wir zum Beispiel einen Spaziergang, Bewegungstraining wurde das genannt, und stets war es der General, der das Ziel, damit die Dauer, und natürlich auch das Tempo festlegte. Dieses Verhalten war so tief in seiner Persönlichkeit verankert, dass es ihm gar nicht auffiel, wie sehr es den anderen manchmal missfiel, wobei auch diese meist nichts dagegen unternahmen, sondern nur hinter seinem Rücken, sich über ihn das Maul zerrissen. Wagte es doch jemand Widerstand zu leisten, überforderte das aber den General und drehte sich einfach um und ging davon. Des Generals Traum war es wieder zu arbeiten, bevorzugt in seiner alten Branche, vielleicht irgendwo im Lager. Einige Praktika in dieser Richtung hatte er schon gemacht, aber zu mehr hatte es nicht gereicht, obwohl er dem Unternehmen vermutlich nicht einmal etwas gekostet hätte. Sie wissen ja die Wirtschaftslage.
    Neben dem General, und natürlich Lisa und Markus, hatte ich noch mit Peter am meisten Kontakt. Auf ihn hatte mir damals auf die Schnelle kein Spitzname einfallen wollen. Seine Kleidung war zunächst das Auffälligste an ihm. Er trug immer weite Metal-Musik-Shirts. Peter war vielleicht Anfang 20, 170 cm groß, schlank und auch tätowiert. Seine Augen hatte er auf der Terrasse stets hinter einer Sonnenbrille versteckt, die er auch manchmal in den Klassen nicht abnahm, was unsere Lehrer aber nicht störte, diese waren überhaupt vor allem psychologisch ausgezeichnet geschult und behandelten uns mit größerem Verständnis und mit größerer Würde also wir es draußen irgendwo erfuhren. Ich war eines Tages eher zufällig mit ihm ins Gespräch gekommen. Normalerweise hielt Peter sich eher zurück und beteiligte sich kaum an den Unterhaltungen. Nur wenn die Stimmung etwas ausgelassener war, wir sagen dazu „der Schmäh lief“, machte er meist die für mich witzigsten Anmerkungen.
    Die Terrasse war sehr groß nahe am Zugang standen 2 Tische, an denen sich die meisten aufhielten. Morgens mit einem Automatenkaffee in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand. Mittags deutlich weniger mit einer Leberkässemmel der nahen Fleischhauerei, die eines der wenigen Geschäfte war, wo wir mit unseren Lebensmittelkarten tatsächlich einkaufen konnten.
    Ich wanderte aber meist ruhelos umher. Die ständigen Tests forderten ihren Tribut und irgendwo, tief in mir drinnen, war etwas außer Rand und Band geraten. Ich merkte wie ich den Pausen ständig zitterte und in kleineren Abständen an meiner Zigarette zog. Ich konnte nicht stillhalten. Sogar wenn ich es mir selbst einschärfte, wirkte es nur kurz, worauf mir wieder bewusst wurde, dass ich die letzten Minuten wieder umhergeirrt war.
    In einigen Pausen fing ich auch wieder an Stimmen zu hören. Das war schon Monate nicht mehr der Fall gewesen. Ich hörte Stimmen, die mich aufs Übelste beschimpften. Oft raunte mir auch der eine oder andere Teilnehmer Wörter wie Idiot und Arschloch zu. Ich musste dann immer zustimmen, brauchte aber eine gewisse Zeit, um einzusehen, dass dies nicht wirklich passiert war.
    Nach der ersten Woche wurden wir verschiedenen persönlichen Betreuern zugeteilt, dabei kam es zuerst zu Komplikationen, da der Kurs in der Urlaubszeit begonnen hatte und so einige Betreuer gerade nicht mehr da waren oder aber bald nicht mehr da sein würden.
    Meinen Betreuer mochte ich. Wir hatten schon viel mit einander zu tun gehabt, denn er hatte viele der Tests überwacht und wissen Sie, ich bin zwar unfähig soziale Beziehungen zu deuten, aber ich wollte glauben, dass wir uns sympathisch waren. Ich vertraute ihm zumindest. Das war für mich wichtig in dieser Zeit einer neuen Lebenssituation, voller Veränderungen, voller Probleme, mit denen ich im Vorhinein nicht gerechnet hatte. Natürlich, so kam es mir vor, begann ich sofort uns Verhältnis zu überstrapazieren. Ich vereinnahmte ihn manchmal und begann halbe Stunden lang über meine Empfindsamkeiten zu sprechen. Ich versuchte zumindest ihn jeden meiner wertvolleren Gedanken mitzuteilen, besonders jene abwegigen, die mich oft so sehr vereinnahmen, dass die Alltäglichen daneben bedeutungslos werden.
    Ich merkte, und das zumindest war gut, dass ich wieder drohte aus der Realität zu rutschen, und nahm mir fest vor, diesmal meine Strategie zu ändern. Nichts wollte ich für mich behalten, bis daraus eine eigene Welt entsteht, die sich dann beginnt, dagegen zu sträuben, sich mit der konsensual bestimmten Wirklichkeit zu überlappen. Leidtragender war jeder Mensch, zu dem ich ein Verhältnis hatte. Die Anzahl war überschaubar und so bekamen diese mehr ab. Gott sei Dank entschlüssle ich in meinem Wahn die Welt jedoch meist so, dass alles, was man einem Menschen sagt, jeder andere Mensch genauso weiß und dieser jeder andere Mensch hat dann auch nichts Besseres zu tun, als sich ausschließlich in allen Momenten, in denen wir uns oftmals rein zufällig begegnen, mit mir zu beschäftigen. Sie wissen nicht wie belastend und schwer zu verkraften es sein kann, dass jeder Passant, an dem man vorübergeht und mit dem man höchstens Blickkontakt aufnimmt, alles und davon vor allem das Schlechte von einem weiß. Auf lange Sicht ist dies jedoch sicherlich ein guter Aspekt meines Wahns, denn niemals sage ich einem einzelnen Menschen alles, was in mir vorgeht und durchbreche damit alle Leitplanken des menschlichen Miteinanders. Trotzdem erhalte ich aus der Summe, diesmal zumindest, der verschiedenen Reaktionen der verschiedenen Personen genug Resonanzen, die mich an der Oberfläche der realen Welt, festbinden, und verhindern, diesmal zumindest, mein Absinken in meine eigene konstruierte Welt.
    Als meine Wahnideen schlimmer wurden und damit sind nicht die üblichen Beschimpfungen gemeint, sondern dass ich begann vor allem Bewegungen, vor allem Gesten, die die anderen Teilnehmer mit ihren Armen durchführten auf mich zu beziehen und ihnen eine quasi magische Bedeutung beimaß, indem Sinne dass sie mich verursachten magisch zu beeinflussen und ich wieder mit Abwehr-Ritualen begann, hatte ich zwar nicht die Kraft einzusehen, dass das nicht wirklich war, aber mir gelang es zumindest, anders als noch in den Episoden in den Jahren zuvor, mit anderen, mit meinen Betreuern darüber zu sprechen.
    Ich wurde einen Vormittag freigestellt um ins nahe gelegene Krankenhaus zu gehen. Ich wanderte durch die Innenstadt, die mir von Kindheit an vertraut war, denn meine Großeltern hatten hier gelebt und ich erinnerte mich an allen Ecken und Enden, dass ich hier mit meinem Großvater einmal Eis gegessen hatte, als ich vielleicht zehn Jahre alt war oder dass hier mein Großvater immer samstags Brathühnchen kaufen gewesen war. Gleichzeitig versuchte ich mir eine Strategie für das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin in der Ambulanz zurecht zu legen. So komisch es klingt, denn die meisten wollen eigentlich aus solcher Art von Programmen nur raus, ich wollte es aber nicht aufgeben, denn es war das einzige, was mir geblieben war und mein einziger Kontakt zur Welt außerhalb meiner Familie. Ich war mir sicher, dass die Ärzte auf der Ambulanz mich wahrscheinlich am liebsten dabehalten würden, denn immerhin hatte ich gerade eine akute schizophrene Episode, aber die Psychiatrie, so gut es die Ärzte dort auch meinen, ist für mich nicht der richtige Platz um wieder gesund oder zumindest stabiler zu werden, denn man ist dort wieder auf sich zurückgeworfen und man hat zu viel Zeit sich mit einem selbst zu beschäftigen.
    Als ich der Ärztin alles erzählt hatte und sie hatte sich wirklich Zeit für mich genommen, schloss ich damit, dass ich gerade eben in einem Programm des AMS bin und ich unter anderem von Psychologen betreut werde, dass ich, so war ich mir sicher, keine Gefahr für mich oder für andere darstellte, denn Gott sei Dank äußerte sich mein Wahn nicht so, und dass ich deshalb nicht auf die Psychiatrie wollte. Sie vereinbarte mit mir, dass ich anstatt Tabletten gegen meine Schizophrenie nun eine Depotspritze nehmen sollte. Diese hatte wohl eine höhere Dosis und eine konstantere Wirkmittelabgabe. Außerdem vertraute sie mir wohl nicht, dass ich meine Tabletten regelmäßig nahm. Überdies sollte ich mich hier bei einer niedergelassenen Psychiaterin melden, bei wem überließ sie mir.
    Ich ging zurück ins Schulungszentrum, setzte mich aber auf die Terrasse und nicht gleich wieder in die Schulungsräume und recherchierte Telefonnummern von Ärzten. Zufällig fand ich die Nummer einer Psychiaterin, rief dort an und vereinbarte für in zwei Wochen für meine nächste Spritzenabgabe einen Termin. Diese Ärztin sollte im nächsten Jahr einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben werden, obwohl ich sie nur alle zwei Wochen für vielleicht 15 bis 30 Minuten sah.
    Nach ein paar Wochen, die immer mehr zur Routine wurden, den Großteil der Zeit verbrachte ich in der kaufmännischen Abklärung, wo wir allerlei Dinge, wie Preisberechnungen oder Geschäftsbriefe schreiben taten, neigte sich dieses Arbeitslosenprogramm dem Ende zu und es wurden Entscheidungen getroffen, wie es mit den Teilnehmern weitergehen sollte, ob sie wieder arbeitsfähig wären oder nicht, d.h. ob sie nach Hause und in die üblichen Routinen des AMS entlassen werden sollten oder ob es auf andere Art weitergehen sollte.
    Ich glaube, ich war ein sehr verlässlicher Schulungsteilnehmer und war jeden Tag da, egal wie belastend meine Gedanken auch waren. Von meinen beiden zuvor gefassten Plänen, hatte sich zum einen der Plan Bibliothekar zu werden in Luft aufgelöst, denn ich war zwar nach Salzburg gefahren und hatte mich dort beworben, aber wurde nicht genommen. Zum anderen startete der Netzwerkadministratorkurs in Klagenfurt erst in 3 Monaten. Ich war offen zu meinen Betreuern und bat sie mich irgendwie dazubehalten, denn ich wollte nicht wieder aus einem sozialen Gefüge fallen und misstraute mir selbst, wenn ich wieder zu Hause stranden würde.
    So wurde beschlossen, dass ich an einem längeren Programm für Arbeitslose mit psychischer Beeinträchtigung teilnehmen würde, das auch hier in Villach, allerdings am Stadtrand in einem eigenen Gebäude, stattfand.
    Dort sollte ich, nachdem ich mich einmal einen Tag umsehen hatte dürfen, mich nächste Woche einfinden.
    Geändert von ste (03.06.17 um 07:59 Uhr)

  10. #10
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Kapitel 3:

    Die Räume des Trainingszentrums lagen im ersten Stock eines Mehrparteienwohnhauses. Es gab drei große Räume. Zum einem ein Entspannungszimmer, das bis auf eingerollte Yogamatten vollkommen leer war. Den Kunstraum, bei dem an den Wänden zwar vereinzelt Computerarbeitsplätze standen, der aber ansonsten nur aus einem großen Tisch bestand auf dem Malerbedarf abgelegt war. Den Kern allerdings bildete ein Raum, wo wir Teilnehmer uns die meiste Zeit aufhielten sollten. Der lag meist im Halbdunkel, denn die Fenster, die die ganze Länge über beide Außenseiten liefen, waren mit vertikalen Jalousien verhängt. Links und rechts des Einganges lagen Unmengen An Computerteilen fein säuberlich in mannsgroßen Regalen eingeräumt. Am Fußende standen fertige Tower-Rechner, darüber folgten Netzteile, Motherboards, Ramstücke und alles weitere aus dem Computer aufgebaut waren.
    Es war zwar nicht so, dass ich abgesagt hätte, wenn es anderes gewesen wäre, aber die ganzen Computerteile und auch die Aussicht mich 2 Halbtage in der Woche mit ihnen zu beschäftigen hatten, hatte mich vollends davon überzeugt, dass ich hier richtig war.
    Alle Büroplätze in diesem Raum waren schon fast vollständig belegt, als ich eingetroffen war und mich die Jüngere der beiden Leiterinnen in den Raum führte und mich kurz namentlich vorstellte. Ich hatte Glück ein Platz im Eck war noch frei und ich nahm ihn sofort in Beschlag und würde ihn nie wieder hergeben, obwohl ich wenig später herausfand, dass er eigentlich einem anderen Schulungsteilnehmer gehörte, der aber selten an den festen Unterrichtseinheiten teilnahm und sich lieber selbst beschäftigte, wofür man den Kunstraum aufsuchte. Das war sowieso eine Eigenheit des Programms. Man musste nicht. Alle Teilnehmer hatten psychische Probleme und waren daher nicht immer belastbar. Trotzdem sollte man aber und es wurde positiv aufgenommen, wenn man teilnahm.
    Es blieb mir für den Moment erspart, dass ich mich näher vorstellen musste und alle Blicke auf mich gerichtet sein würden. Außerdem würde in ein paar Minuten sowieso der Unterricht beginnen. Ich sah mich um und musterte die anderen Teilnehmer im Raum. Wir waren ein bunter Haufen. Altermäßig gab es einige, die vielleicht Mitte Zwanzig waren. Andere waren schon um die fünfzig. Irgendwie fühlte ich instinktiv heimisch, denn ich hatte in den letzten Wochen wieder etwas Zutrauen in die Menschheit gefasst, obwohl ich als die Vortragende den Raum betrat und sich die meisten in der Mitte des Raumes an einem großen Tisch versammelte, noch Abstand hielt, gerade so viel, dass es nicht als unhöflich erachtet werden sollte, denn ich signalisierte, dass ich meinen Computerarbeitsplatz verlassen hatte und meine Aufmerksamkeit dem Programm widmete.
    Der älteste Teilnehmer, dem Aussehen nach, der an der Innenwand als erster saß, tat das nicht und spielte weiterhin ein Browserspiel, das daraus Bestand bunte Kugel zu stapeln, bis diese dann irgendwann herunterfielen und immer große Zahlen aufblinkten. Auch mein einziger Nachbar zu meiner rechten, ebenfalls schon um die fünfzig rückte wie ich nicht in die Mitte, legte aber immerhin seinen Zeichenblock zur Seite, auf dem eine wirklich gute Bleistiftskizze einer halbnackten Cindy Crawford, welche er vom Monitor abgemalt hat, ersichtlich wurde und drehte den Bürostuhl zur Mitte des Raumes.
    Die Vortragende kam auf mich zu und reichte mir die Hand. Marion hieß sie. Sie war für eine Frau recht groß und hatte krause, dunkle Haare. Sie war ungefähr in meinem Alter.
    An meinem ersten Tag sollte es um das Thema Fremd- und Eigenwahrnehmung gehen. Ich glaube, wir taten das auch für mich, denn so hatte ich die Möglichkeit die anderen den Namen nach und ihren Eigenschaften nach kennenzulernen. Wir teilten uns also in Zweiergruppen auf und bekamen Stifte und Kärtchen in die Hände gedrückt, womit wir alles notieren sollten, um es dann später vor der ganzen Gruppe präsentieren zu können.
    Ich bekam den Typen zugeteilt von dem ich den Platz gestohlen hatte und den ich nicht namentlich erwähnen werde, denn er ist für mich und auch für die Geschichte irrelevanter, als der Buschauffeur, der die meisten jeden Morgen hierherbrachte. Vor allem aber hat er versucht mich zu schlagen, das einzige Mal, dass mir in diesem Jahr auch nur so etwas in der Art passiert ist und dass obwohl wir ja die Geistesgestörten waren und ich gerade vor kurzem wieder in der Ankündigung einer Reportage lesen musste, dass der Herausgeber heilfroh war, dass seine Reporterin wieder unbeschadet aus einer Irrenanstalt zurückgekommen war.
    Eigentlich hat er mich nicht geschlagen, sondern nur begonnen mich zu schupfen und mich bei jeder Gelegenheit als Dicken bezeichnet, aber ein paar Wochen danach war er dann sowieso aus dem Programm ausgetreten. Schade für ihn, nicht für uns.
    Ich lernte so also Klaus kennen, meinen Sitznachbarn, der von uns vielleicht am ärmlichsten gekleidet war mit seinen verwaschen Jeans und T-Shirts und der aber studierte hatte, sein Marketingstudium sogar abgeschlossen hatte. Er war der einzige von uns der ein Studium abgeschlossen hatte. Ich und Martin hatten zwar eines oder gleich mehrere begonnen, es aber nie abgeschlossen.
    Klaus bezeichnete sich selbst als ruhigen Menschen, der aber auch ein Einzelgänger war, auch weil er von seiner Familie verstoßen worden war, was er nur andeutete und somit den Grund auch nicht erklärte.
    Sabrina war Modeverkäuferin gewesen und bezeichnete sich selbst als Familienmenschen, der gerne im Freundeskreis Dinge unternahm.
    Martin hatte Informatik studiert, wollte aber eigentlich immer Maler werden. Er beschäftigte sich viel mit Street Art, HipHop und Graffitis und hatte wohl eine wildere Jugend hinter sich.
    Für den Moment möchte ich ihnen nicht alle Dutzend Teilnehmer vorstellen, denn sie würden es sich nicht merken können und mir ging es genauso. Vor allem wird es sie wundern, dass ich nichts über Krankheiten schreibe, obwohl wir doch in ein Programm waren für Leute mit psychischen Erkrankungen. Nur war es so, wir sprachen untereinander darüber kaum. Selbst bei uns blieb es, sowie eigentlich in der Gesellschaft an und für sich, ein Tabuthema. Hatte jemand ein akutes psychisches Problem, ging er in das Büro unserer zwei Leiterinnen und so blieb es hinter verschlossen Türen.
    Vielleicht misstrauten wir einander deshalb auch ein wenig und versuchten uns eher an den vermeintlich sicherlich gesunden Vortragenden anzubiedern, muss man schon fast sagen, denn sie wurden immer umschwärmt und konnten kaum so viele Gespräche führen, wie sie sollten.
    Eigentlich weiß ich nur von drei der Teilnehmer genau was sie hatten. Es kam auch nur selten vor, dass jemand explodierte und laut wurde. Die Leute implodierten eher und zogen sich zurück. Auch das rechne ich den Leuten hoch an, den bei uns allen waren unsere Lebensentwürfe kapital in die Hose gegangen und jetzt war es schon ein Erfolg, wenn jemand irgendwo halbtags als Kellner arbeiten würde, womit ich nichts gegen Kellner sagen möchte, aber eigentlich wäre es nur zu verständlich gewesen, wenn die Leute wütender gewesen werden, ob jetzt gegen sich selbst oder gegenüber der Gesellschaft ist dann wohl eher eine Typfrage.
    Sie dürfen sich also keine Geschichte der großen Dramen oder ein zugespitztes Theaterstück erwarten. Vielleicht lag es auch an den Medikamenten, die die meisten von uns sicherlich nahmen, dass alles größtenteils so wohl gesittet und eher ruhig verlief. Vielleicht war aber auch das Programm bewusst so gestaltet worden, denn wir hatten ja ein Jahr Zeit bekommen wieder fit für den Arbeitsmarkt zu werden. Ein Jahr der kleinen Schritte, der persönlichen Entwicklung, ohne Prüfungen oder Aufgabenstellungen, deren Erfüllung verpflichtend war. Ich glaube viele hatten so eine Sicherheit schon lang nicht mehr gehabt und es erleichterte sie.
    Nachdem wir also uns selbst beschrieben hatten und unser Gruppenpartner uns beschrieben hatte, bis auf mich und den Typen, wir kannten uns ja schließlich nicht und notierten deshalb Beschreibungen von Freunden und Bekannten, begannen wir ein Kartenspiel zu spielen. Auch hier ging es darum andere einzuschätzen. Es hießt die Werwölfe von Düsterwald. Karten wurden verdeckt ausgeteilt und so jedem Teilnehmer eine Rolle zugeteilt. Grob gesprochen waren die einen Dorfbewohner und die anderen Werwölfe, die diese Dorfbewohner fressen wollten. Eigentlich war es so ähnlich wie bei Arthur Millers Hexenjagd. Jeder beschuldigte jeden ein Werwolf zu sein und am Schluss wurde abgestimmt, wer zur Sicherheit des Dorfes getötet werden sollte um möglichst zu verhindern, dass in der Nacht die Werwölfe sich wieder Opfer suchen würden.
    Ich wurde vom wütenden Mob schon als Zweiter gelyncht, obwohl ich ein unschuldiger Dorfbewohner gewesen war, ich hatte mich aber schlecht verteidigen können, als der Verdacht auf mich gelenkt worden war, ausgerechnet von Martin, der mir von allen am sympathischsten war und der wie sich später herausstellte selbst ein Werwolf war und sogar gewann, denn er überlebte als einziger. Die Werwölfe gewannen bei uns fast immer.
    Nachdem Spiel war die Mittagspause gekommen und ich durfte schon nach Hause fahren, denn anfangs musste man am Programm nur halbtags teilnehmen, um sich langsam daran gewöhnen zu können. Zu Hause angelangt, aß ich noch etwas, sah mir dann ein paar Folgen meiner Lieblingsserie an und ging früh schlafen.

  11. #11
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Kapitel 9 nähert sich wohl der Mitte "Des Anfangs einer Erzählung". Fand einige Gedanken, die ich von mir selbst kenne.

    Der gesamte Globus hat sich zu einem Traumagebiet entwickelt. Ansonsten ist dieser Planet eigentlich ein großartiger und wunderschöner Ort.

    Das Ego ist das einzige Trauma. Doch nur in dem Maß, in dem ihm Bedeutung und damit Wirkung verliehen wird, ist es wirklich.

    Wie es uns jede künstliche Intelligenz jederzeit bestätigen könnte: Es ist alles nur in unserem Kopf.

    Daneben: Wohin hat uns die gesellschaftliche Funktionalität am Ende gebracht?

    Weiter daneben mal eine Frage: Wie wird eigentlich von VW mit den Dieselbesitzern in Österreich umgegangen?

    Kann der "funktionierende VW-Arbeiter nun "stolz" auf seiner Hände Arbeit und sein "Lebenswerk" sein?

    Am Ende der Geschichte wird die Erde nur zum Trümmerfeld, weil alle "ihre vermeintliche Funktion" erfüllen, die das Ego ihnen aufzwingt.

    Doch welche Funktion erfüllt die Funktion? Ohne Sinn und Zweck sehen wir eh eine bedeutungslose Welt.

    Wir regen uns im Prinzip auf, weil wir eine bedeutungslose Welt sehen, wenn wir keinen Sinn in der Funkion sehen.

    Wenn die Funktion jedoch die Mitwelt außen vor lässt, ist sie auf jeder Daseinsdimension immer eine Illusion.

    Ich find den ja schön:

    "Mein Kontingent an verkraftbaren menschlichen Begegnungen war endlich, wenn nicht sogar überschaubar. Überschritt ich diese Grenze, kam mir jedes Gespräch wie Lärm vor, der meine Nerven strapazierte. Sie nahmen es mir wahrscheinlich übel".

    Man könnte es präzisieren: Mein Kontingent an funktionalisierten menschlichen Begegnungen ist endlich, wenn nicht sogar erschöpft. Überschreitet ein Gespräch nicht die Grenzen des Egos in irgendeinem Punkt, kommt es mir wie Lärm vor, der auf Dauer meiner Nerven strapaziert.

    Andere Dimension hätte vielleicht auf das Präsenz hingewiesen, was es erleichtert, dem Erzählstil des Gedankenflusses leichter zu folgen.

    Aber sind nur Gedanken, die mir beim Lesen einfielen. Wie gefällt den Menschen in Österreich denn nun die "Funktion", die Ihnen die deutschen Autobosse zuwiesen? Ich meine, reicht ja an sich, wenn die Piefkes die Piefkes hinter die Fichte führen. Und unsere "gespaltene Wirtschaftspersönlichkeit" dehnen wir in die Welt aus. Was einige Kapitel weiter oben seinen Kontext findet....

    Wer dehnt all-so den Schwachsinn aus? Das Ego oder der Mensch, der einen Menschen als Menschen sieht?

    VW sieht nicht die Menschen. Da VW der Politik bestimmt, was sie sein darf, sind wir erneut bei den IG-Farben angelangt und darin zu "funktionieren" ist im Prinzip der Verrat am Grundgesetz. Die Frage ist halt, wer der Parasit wirklich ist und wo er sitzt...

    Trifft der Mensch auf das Selbst, wird das parasitäre Verhalten des Egos mitsamt seiner Gesetze des Chaos erst ersichtlich.

    Wer könnte widersprechen, wenn wir sagen, dass sich die Menschheit kollektiv in einer äußerst gespaltenen Lage befindet.

    Das Klima retten und auf die "Funktion durch ARBEIT" verzichten? Oder die Funktion fortführen und wissend in den Abgrund rennen?

    Wenn die Teilhabe- und Konsumfunktion den Ausfall der Gesamtfunktion des Ökosystem bedeutet, wäre es verrückt, "ordnungsgemäß" zu funtionieren...

    Dann wäre es ebenso verrückt, diesen Schwachsinn in dieser Form fortzusetzen. Und noch verrückter, die Menschen durch Spritzen und Pillen zur Teilhabe an Schwachsinn befähigen zu wollen, der die Gesamtfunktion unmöglich macht...

    Zitat von Ste: "Zu präsent waren die Erinnerungen. Zu schwer, war es zu zuordnen, was nur in meinem Kopf passiert und was die Außenwelt mitbekommen hatte".

    Offenheit bedeutet die Annahme, also Akzeptanz der Annahme, dass ohnehin alles für alle transparent ist. Allein der Gedanke, die Mitwelt würde nicht irgendwann bemerken, dass der Diesel vom Kopf her stinkt, führt zur Angst vor dem Aufdämmern der klimatischen Wahrheit. Ohne Lügen und Geheimnisse ist keine Angst vor der Aufdeckung der Wahrheit nötig.

    Jeder sieht alles. Das ist Transparenz und die Basis, die Gespräche sinnvoll macht.

  12. #12
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Nö, Michael, der Erzählstil ist schon der richtige - ob fiktive oder wahre Autobiographie...das macht nur in der Vergangenheitsform Sinn/innerhalb dieser habe ich ja auch noch meine Spielmöglichkeiten. Aber klar ist; umso weiter zurück in der Zeit, desto sprachlich dünner wird die Luft, die Möglichkeit Grammatik und Sprachgefühl in Einklang zu bringen. "Sie frug mich" oder "Sie fragte mich" - da kollidieren dann Lehrer - und Lesermeinung. Macht sicherlich auch einen Unterschied ob eine Geschichte eher von der Sprache...oder vom Inhalt lebt. Ich bin, wenn es um Prosa geht, ein absoluter Laie - das kann aber manchmal auch ganz nützlich sein...den i.d.R. werden Geschichten mehrheitlich von Laien gelesen.

  13. #13
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Ich denke nicht, dass es sich um eine Autobiographie handelt, eher wird die Autobiographie als Rahmen für den Erzählstil verwendet. Beleg von weiter oben:

    "Ich wurde vom wütenden Mob schon als Zweiter gelyncht, obwohl ich ein unschuldiger Dorfbewohner gewesen war, ich hatte mich aber schlecht verteidigen können, als der Verdacht auf mich gelenkt worden war, ausgerechnet von Martin, der mir von allen am sympathischsten war und der wie sich später herausstellte selbst ein Werwolf war und sogar gewann, denn er überlebte als einziger. Die Werwölfe gewannen bei uns fast immer."

    Wenn zitiertes Fragment im Präsenz stehen würde, ließe sich die Szene "einfacher" schreiben. In der Vergangenheitsform kann nach dem "gelyncht werden" vom Ich-Erzähler auch kaum aktiv weitererzählt werden. Daher denke ich nicht, dass es eine Autobiographie werden wird...

  14. #14
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Die Werwölfe vom Düsterwald

    Vielleicht lag es auch an den Medikamenten, die die meisten von uns sicherlich nahmen, dass alles größtenteils so wohl gesittet und eher ruhig verlief. Vielleicht war aber auch das Programm bewusst so gestaltet worden, denn wir hatten ja ein Jahr Zeit bekommen wieder fit für den Arbeitsmarkt zu werden. Ein Jahr der kleinen Schritte, der persönlichen Entwicklung, ohne Prüfungen oder Aufgabenstellungen, deren Erfüllung verpflichtend war. Ich glaube viele hatten so eine Sicherheit schon lang nicht mehr gehabt und es erleichterte sie.
    Nachdem wir also uns selbst beschrieben hatten und unser Gruppenpartner uns beschrieben hatte, bis auf mich und den Typen, wir kannten uns ja schließlich nicht und notierten deshalb Beschreibungen von Freunden und Bekannten, begannen wir ein Kartenspiel zu spielen. Auch hier ging es darum andere einzuschätzen. Es hießt die Werwölfe von Düsterwald. Karten wurden verdeckt ausgeteilt und so jedem Teilnehmer eine Rolle zugeteilt. Grob gesprochen waren die einen Dorfbewohner und die anderen Werwölfe, die diese Dorfbewohner fressen wollten. Eigentlich war es so ähnlich wie bei Arthur Millers Hexenjagd. Jeder beschuldigte jeden ein Werwolf zu sein und am Schluss wurde abgestimmt, wer zur Sicherheit des Dorfes getötet werden sollte um möglichst zu verhindern, dass in der Nacht die Werwölfe sich wieder Opfer suchen würden.
    Ich wurde vom wütenden Mob schon als Zweiter gelyncht, obwohl ich ein unschuldiger Dorfbewohner gewesen war, ich hatte mich aber schlecht verteidigen können, als der Verdacht auf mich gelenkt worden war, ausgerechnet von Martin, der mir von allen am sympathischsten war und der wie sich später herausstellte selbst ein Werwolf war und sogar gewann, denn er überlebte als einziger. Die Werwölfe gewannen bei uns fast immer.
    Nachdem Spiel war die Mittagspause gekommen und ich durfte schon nach Hause fahren, denn anfangs musste man am Programm nur halbtags teilnehmen, um sich langsam daran gewöhnen zu können. Zu Hause angelangt, aß ich noch etwas, sah mir dann ein paar Folgen meiner Lieblingsserie an und ging früh schlafen.

    Nanu? Bei aller Skepsis gegenüber dem, was man als Realität charakterisieren will: In dieser Passage der Erzählung geht es um eine in der Vergangenheit des rückblickenden Ichs angelegte Episode.
    Das gruppendynamische Werwolfspiel.
    Dadrin kann man dann schon als (falscher, doppelt falscher) Werwolf sterben und trotzdem weitererzählen.
    Autobiografisch erzählen allemal auch und erst recht.

    Nebenbei gesagt: Selbst wenn diese Textpassage im Präsens stünde, es könnte nach ihr nicht weitererzählt werden, wenn denn der Sprecher gelyncht worden wäre.
    Irgendwie - bei aller Hochachtung für Michael - sein Beobachten und Denken liegt so weit von dem, was man abschätzig als mainstream bezeichnen könnte - dass
    bei ihm auch Grundlagen des Verstehens annulliert werden. Das macht dann sehr viel irrelevant oder zumindest solipsistisch.

    hqdefault.jpg
    Geändert von Willi Wamser (15.08.17 um 13:14 Uhr)

  15. #15
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Vielen Dank für die Rückmeldungen. Es ist eine autobiographische Erzählung, wobei ich allerdings natürlich die Namen der Personen verändert habe und manchmal die eine oder andere Nebenfigur auch weggelassen habe.
    Ich fand das Arbeitslosenprogramm eine interessante Zeit, weil Charaktere mit den verschiedensten Hintergründen zusammenkamen, an einem Ort, der quasi vom System als aller letztes Auffangnetz geschaffen worden ist. Deshalb wurde auch verhältnismäßig viel investiert, den ansonsten drohten die Leute arbeitsunfähig zu werden.
    In dieser geschützten Atmosphäre wurden dann auch oft persönliche Charakterzüge in Frage gestellt. Nicht Fertigkeiten standen unter Beobachtung sondern Menschen. Das muss ich noch mehr herausarbeiten.
    Nach dem Roman "Die Welt im Rücken", den ich als Theaterstück sah und der sehr realistisch war, will ich auch meine Schizophrenie darstellen, denn ich denke, es könnte Leute interessieren.

    Ich hoffe es hat ansatzweise gefallen.

    PS: Der Satz mit dem Mob und lynchen war tatsächlich auf das Kartenspiel bezogen. Dort wurde ich quasi als Zweiter gelyncht und somit aus dem Spiel genommen, weil ich schlecht argumentieren konnte.

  16. #16
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    AW: Anfang einer Erzählung

    @ Willi: Hast ja recht, erst das Gehirn einschalten, dann schreiben...

    @ Ste: Es interessiert mich, was Du als gesunden Geist beschreiben würdest. Es gibt Psychologen, die meinen, dass diejenigen, die unsere gespaltene Welt als "gesund" wahrnehmen, eigentlich krank sind.

    Und was du oben über den Geist schreibst, kommt mir persönlich plausibel vor, daneben liegt diese Gedankenwelt mit dem Kurs in Wundern auf einer stimmigen Linie. Hast nicht eventuell DU recht und alle, die dem Denksystem des Egos - in die Spaltung von Gott - folgen, folgen temporären Irrlichtern und Illusionen?

    Wenn wir nicht von einer "gespaltenen Menschheit durch das Ego-Denksystem" sprechen müssen, wovon dann?

    Wann ist also ein Geist gesund?

    a: wenn er kein Problem wahrnimmt und empfindet, obwohl die Welt um ihn herum einen Krieg gegen sich selbst führt?
    b: wenn er ein Problem wahrnimmt und empfindet, weil die Welt daran glaubt, einen Krieg gegen sich selbst führen zu müssen?

    Wenn das Ego-Denksystem mit all seinen krankhaften Folgen jedoch eine Illusion ist, was wäre gewonnen, unseren unbestreitbaren kollektiven Irrsinn als GESUND zu bezeichnen und diesen Fehler zu kopieren?

    Zumindest kann dann keine Zukunft gefunden werden, die anders wäre als die Vergangenheit. Deine Erzählung ist mutig, offen und es war blöd von mir, nicht die ganze Geschichte gelesen zu haben, um den autobiografischen Aspekt überdecken zu wollen. Warum es im Sinne der Wiederherstellung von Gesundheit auch geht, ist, sich der eigenen Steuerungsmöglichkeiten über den eigenen Geistes durchgängig bewusst zu bleiben.

    Keine Form von Erkrankung kann leichter heilen, wenn wir ihre Existenz in der Mitwelt "bezeugen" lassen. Ich bezeuge lieber Deine völlige geistige Gesundheit, denn: Was in aller Welt soll einen Geist verändern können, den GOTT selbst als ewig unveränderlich erschuf?

    Dass Denksystem des Egos baut darauf auf, sich selbst erschaffen zu haben und als Geist ohne Quelle in diesen Körper gelangt zu sein. Und wie, frage ich Dich, könnte es dann sinnvoll sein, den Geist heilen zu wollen, indem dem Körper die Spritzen und die Pillen verabreicht werden?

    So es als vorübergehender Glaube an die Magie sinnvoll ist, wird der Körper keinen Schaden erleiden, wenn die Angst gemindert wird. Doch eigentlich wollte ich wohl nur sagen, dass Dein göttlicher Geist niemals einer Veränderung unterliegt.

    Der ganze Rest ist, wie bei meiner selektiven Wahrnehmung Deines Textes, nur in unserem Kopf wirklich, und nur solange, wie wir es für wirklich halten. Ich halte es nicht für wirklich, dass irgendjemand geistig krank sein kann. Wir haben nur die Herrschaft über unseren Geist an das Ego abgegeben und beurteilen die Welt nach den chaotischen Gesetzen, die logisch erscheinen, solange der Geist in konflikthafter Beziehung zu Gott steht.

    Wie soll die Annahme richtig sein, dem Körper gegebene Mittel könnten den Geist heilen?

    Es ist allerdings richtig, dass der Geist so mächtig ist, sich selbst zu heilen, wenn er an eine Heilungsmöglichkeit glaubt glaubt. Was das ist, woran er glaubt, ist nur als ein weiterer Schritt im Erkennen der Herrschaft des Geistes über die Materie zu betrachten.

    Seine Unveränderlichkeit anerkennen zu können ist der Punkt, auf dem jede Form von Heilung letztlich basiert: Wir alle sind weiterhin, wie Gott uns schuf. Nur das Ego sagt etwas anderes. Euer Geist kann sich nicht verändert haben.

    Gut, Willi Wamser hat ja recht, es klingt für das Ego-Mainstream-Bewusstsein in der Zeit erstmal ungewohnt. Für einen Schöpfer, den es ja geben müsste, hat sich das Ego nicht selbst als Geist in der Materie erschaffen, ist es das Natürlichste der Welt, dass sich die Ewigen in alle Ewigkeit nicht ändern werden.

    Woran sollte jetzt bitteschön die Ewigkeit erkrankt sein? Selbst mein "peinlicher Fehler" hat mir im Prinzip geholfen, das Denksystem des Egos zu erkennen:

    Jeder macht sich seinen eigenen selektiven Ausschnitt der Wahrheit. Wer könnte dann angemessen urteilen? Daneben könnten höchstens meine Ego-Anteile nicht über meine Blödheit lachen. Man weiß eben nie, wozu ein Fehler einmal gut sein wird.

    Krankheit ist ein Gedanke, der mehr wird, wenn er geteilt und in der Mitwelt bezeugt wird. "Jede Person ist eine Person durch andere Menschen", ein afrikanisches Sprichwort, meint die Wechselwirkung, die im Bestätigen, Bezeugen und Anerkennen von Krankheit ausgelöst wird.

    Denn wie andere über uns urteilen und denken, erfahren wir ebenso. Aber ich wusste schon vor Willi Wamsers berechtigtem Einwand, wie blöd ich doch bin, wenn ich das Ego bin. Aber bin ich ja nicht mehr immer und keinesfalls noch aus innerer Überzeugung...

  17. #17
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    AW: Anfang einer Erzählung

    @Michael

    Wann ich mich gesund fühle?

    Wenn ich Entscheidungen autonom, nach einem Denkprozess, treffen kann. Also keine Stimmen höre, die alles kommentieren was ich sage und oftmals das Gegenteil behaupten, von dem was ich tue. Wenn ich nicht jedes Detail der Außenwelt auf mich beziehe und mich als Mittelpunkt der Welt sehe. Und eine Zeitung, die am gegenüber am Gehsteig liegt, nicht für mich dort platziert wurde, damit ich eine geheime Botschaft darin finde usw.

    Wenn ich halbwegs meinen Verpflichtungen in der Arbeit nachkommen kann und verlässlich jeden Tag erscheine, in meiner Freizeit meinen Hobbies nachgehen kann. Ich zufrieden damit bin.
    Ich nicht denke, jeder Mensch beeinflusst jeden und ich mich ungezwungen in der Öffentlichkeit bewegen kann und mich nicht energetisch anspanne.

    Oftmals denke ich auch, dass es für mich gesünder ist die großen Fragen die großen Fragen sein zu lassen und ich mich mit mehr down to earth- Themen auseinandersetze.

    Auf der Homepage meines Hausarztes steht sinngemäß: Gesundheit ist das Maß an Krankheit, das einem erlaubt seinen Verpflichtungen nachzukommen. So etwas wie absolute Gesundheit gibt es also nicht. Trotzdem braucht es aber ein Mindestmaß an Belastbarkeit, damit ein produktives Leben führt. Und das ist so ein großes Ziel von mir, dass mir im letzten Jahr sehr gut gelungen ist.

    So einmal meine Anmerkungen, weil du gefragt hast Michael.

  18. #18
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    AW: Anfang einer Erzählung

    Hallo Ste,

    danke für deine Antwort. Für mich erkenne ich keine "Unterschiede" in meinen Denkstimmen. Die Stimme, die mir sagt, ich solle nach dem Einkaufen einmal im "Bücherregal" des Supermarktes nachschauen, hat schon tolle Bücher dabei gefunden. Und bei Büchern, die ich dort reingelegt habe, hoffte ich, dass das Buch jemandem Freude bringen könnte.

    Und obwohl meine "Denkstimmen" sich gleich anhören, ziehen sie doch in unterschiedliche Richtungen. In wie viele Richtungen der Wille uns zieht, wird am gespaltenen Zustand der Welt deutlich und wer sich darin "gesund" fühlt, kann nur an einer Wahrnehmungsstörung leiden.


    Ich denke, es wäre nicht richtig, unsere Gesellschaft nicht als gespalten zu betrachten und damit weisen alle ihre Teile diese Eigenschaft auf. Als Teil des Wassers kannst du nicht beschließen, nass zu sein. Als Teil einer Gesellschaft kann niemand nicht sein, was diese Gesellschaft ist.

    Ist es Gesundheit oder die Funktion zur Teilhabe und wo bleibt die Freude daran, dass Mittel und Zweck des Handelns eins sind und das sind, was wir wollen?

    "Wenn die "Funktion" (uns obsolet zu machen, bisher) keinen Sinn ergibt, sind Mittel und Zweck unserer Handlungen nicht eins und daher "gespalten", was die klinische Schizophrenie unserer Gesellschaft abbildet."

    Aus dem Ordner über den freien Willen...

    Wie wäre Gesundheit ohne Freude denkbar? Die Teilhabe an einer Gesellschaft, die einen gespaltenen Willen zu besitzen scheint, führt zum Verlust der Freude.

    Gesundheit ist das Maß an Freude, das es einem erlaubt, seinen Verpflichtungen mit Begeisterung nachzukommen, um welche auch immer es sich dabei handeln mag. Freude ist es, den Willen der Stimme für Gott zu vernehmen, was bei mir ein Punkt ist, den ich bisher nicht überschritten habe. So würde ich an sich gern die Stimme für Gott in meinem Geist hören, aber die Stimme für Gott und das Ego sind in meinem Kopf nur durch den Inhalt zu unterscheiden, nicht durch die Form.

    Doch Heilung ist auch die Erinnerung an die Heiligkeit.Du Hast weiter oben das Prinzip der Heiligkeit beschrieben, ohne dass es Deine Mitwelt schon versteht und daher nicht angemessen beurteilen konnte. Hab es auf Seite 332 des Kurses in Wundern gefunden, als wäre es dort für uns hingelegt worden:

    "Vielleicht denkst du noch immer, dass Heiligkeit unmöglich zu verstehen ist, weil du nicht sehen kannst, wie sie so weit ausgedehnt werden kann, bis jeder eingeschlossen ist. Und es wurde dir ja gesagt, dass sie jeden einschließen muss, damit sie heilig ist. Kümmere dich nicht um die Ausdehnung der Heiligkeit, dann du verstehst das Wesen der Wunder nicht. Auch tust du sie nicht. Ihre Ausdehnung weit über die von dir wahrgenommenen Grenzen hianus zeigt gerade auf, dass du sie nicht tust. [...] Eine Eigenschaft ist nicht schwerer zu verstehen als das Ganze. [...] Die Einsicht, dass der Teil deas Ganze ist und das Ganze in jedem Teil, ist vollkommen natürlich, denn so denkt GOTT, und was für IHN natürlich ist, ist für dich natürlich". (1)

    Dabei beziehe ich mich auf die Szene, in der du von dem sprichst, was die Funktion der Priester-Innen einmal war...

    Mein einzig wirksamer Schutz ist es, keinen Schutz für meinen Geist als nötig zu erachten. Wenn es in meinem Geist keinen Willen außer Gottes Willen gäbe, wäre Freude, Heilung und Ganzheit unvermeidlich. Es gibt nichts außer Gott, das wirklich wäre. Die Stimme, die sagt, Gott könne es nicht geben und zum Beweis meinen erbärmlichen Zustand anführt, vergisst mein gegenwärtiges Glück.

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