Mit der Herrschaft Sullas wurden die Reformen der Gracchen weitgehend getilgt. Um den inneren Frieden zu gewährleisten, verteilten die reichen Senatoren und Ritter einiges von dem Erworbenen an die ärmeren Römer: Brot und Spiele. Das unsägliche Produzieren durch unfreie Arbeit ließ Kleinunternehmern kaum eine Möglichkeit, von ihrer Hände Arbeit zu leben. Aber keiner mußte in Rom Hungers sterben, denn die Senatoren ließen genug verteilen, um in Ruhe ihren Geschäften nachgehen zu können.
Um 80 v.Chr. war Rom restauriert und befand sich vor den gleichen Problemen wie fünfzig Jahre zuvor. Sulla hatte, um die Probleme zu lösen, Land bestimmt, das v.a. unter Landlosen verteilt werden sollte, aber etliche Senatoren nutzten Ansehen und Macht aus und eigneten sich dieses neue Land an. Auch nach Sullas Tod wurde eine Politik der Aberkennung des römischen Staatsbürgerrechts für ganze Gemeinden fortgeführt. Das neu gewonnene Land bekamen Ritter und Senatoren unter ihre Gewalt, was den Zuzug nach Rom steigerte und dort die Zahl der arbeitslosen Tunichtgute, die der Staat aushielt, steigerte, zum Großteil aber auch zu großer Erbitterung bei denjenigen führte, die ihr Leben nicht durch „Brot und Spiele“ erfüllt sahen. So kam es, daß nicht wenige eine Wiederherstellung der Gracchischen Verfassung forderten, und es wurden täglich mehr. Aber der Senat hatte alles fest im Griff und beorderte harte Vögte in die Provinzen, Zinsen eintreiben. Die machten keinen Halt, selbst römische Bürger wurden gepreßt, überfallen, ausgeplündert. Es gab ungezählte Anklagen. Auch Caesar klagte zwei Senatoren an, sich unbotmäßig bereichert zu haben. Berühmt wurde Cicero mit seinen Anklageschriften gegen Verres, einen brutalen Eintreiber auf Sizilien. [1]
Als Pompeius vom spanischen Kriegsschauplatz zurückkehrte, begehrte er für seine Soldaten Land. Das war ein Schlag für die Senatoren, zumal er als Sullaner galt. Dennoch hatte Pompeius noch kein Amt besessen, begehrte jetzt aber den Befehl über die Truppen im Osten, um seinen Siegen in Italien und Spanien auch einen im Osten zuzufügen, was ihn politisch unantastbar gemacht hätte. Darum gab ihm der Senat nicht das Gewünschte, was Pompeius zu den Demokraten trieb, wo er in dem sechs Jahre jüngeren Caesar einen geeigneten Helfer mit ähnlichem politischem Ehrgeiz fand. Kurzum, man machte eine Koalition: Crassus, der mit seinen siegreichen Truppen in Italien stand, Pompeius, der aus Spanien Heimgekehrte und der Senat, dem an der Erhaltung der Zustände gelegen war. Man faßte ein Übereinkommen, so daß Crassus und Pompeius die Forderungen der Demokraten zu den ihren machten. Der Senat dispensierte die Sullanische Verfassung, Pompeius mußte nicht erst die vorgeschriebene Ämterlaufbahn einhalten, um Konsul werden zu dürfen: Crassus und Pompeius hießen die Konsuln für das Jahr 70 v.Chr.. Der Bürgerkrieg fiel aus.
Die neuen Konsuln setzten ihre Versprechungen schnell um: Tribunen erhielten die einstige Macht, insbesondere die legislatorische Initiative, also das Recht, Gesetzesvorschläge einbringen zu dürfen; auch Nicht-Senatoren durften fortan Geschworene werden, das Verhältnis wurde auf 1:2 festgelegt (ein Senator und zwei Nichtsenatoren). Am wichtigsten war jedoch die Wiedereinführung des Gracchischen Verpachtungssystems, außerdem wurde der Census wiedereingeführt, was bedeutete, daß das Senatorenamt nicht mehr auf Lebenszeit vergeben wurde, sondern eben geprüft wurde, ob Tauglichkeit bestehe. Das bedeutete für 64 Senatoren Amtsentsetzung. Daß hierbei Rache waltete, liegt auf der Hand. Im Anschluß mußten diese Posten neu besetzt werden. Man kann sich das Gehaue und Gesteche um diese Posten gut vorstellen. Die Plebs von Roms Straßen wurde gespeist aus den Provinzen, arbeitete bestenfalls zum Zeitvertreib und ließen sich angesichts der Unmenge an Wahlen von den Kandidaten bestechen. Andererseits ließ man den Landadel wirken, der sich jeder Kontrolle enthob und willkürlich Land zuschanzte und seinem Klientelsystem subsumierte.
Parallel dazu wurden die Gerichte mit Rückgabeforderungen überhäuft. Geächtete wollten zurück, geschmähte Tote sollten nach dem Willen der Angehörigen in ihre alten Rechte eingesetzt werden... Aber hier sind auch die Grenzen der demokratischen Revolution zu setzen: Pompeius und Crassus hüteten sich davor, diese Prozesse zu unterstützen, denn dies betraf sie selbst.

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Pompeius hatte die Macht, sich die Krone zu nehmen. Doch er verweigerte sich und zog sich ins Privatleben zurück. Vorerst. Den Demokraten fehlte damit der Führer. Der Tribun Gabinius heischte die Macht und brachte Gesetzesvorschläge, die auf eine Staatsumwälzung hinausliefen, denn Pompeius sollte zur Bekämpfung der Piraten 120000 Mann und 500 Schiffe erhalten, eine ungeheure Macht. Der Senat wollte das verhindern. Es kam zu Handgreiflichkeiten in der Volksversammlung, Sitzungen wurden aufgehoben, aber das Gesetz ging 67 v.Chr. durch und brachte Pompeius zurück in die Politik, mächtiger als jemals zuvor, denn er benötigte nur drei Monate, um das dato Jahrzehnte andauernde Piratenproblem zu lösen.
Im Jahre 66 v.Chr. befriedete er den Osten, machte Armenien und das pontische Königreich zu abhängigen Gebieten und diktierte Friedensbedingungen. Iberer und Albaner wurden zu Romhörigen. Damals saßen diese freiheitsliebenden Volksstämme am Fuße des Kaukasus in Stammesverbänden, Hirtenvölker mit niedriger Kultur und Zivilisation: sie kannten kein Geld, keine Schrift und zählten nicht weiter als bis hundert. Ein ständiger Unruheherd. Pompeius begann, das eroberte Gebiet zu ordnen. Auch in Palästina sorgte er die nächsten zwei Jahre für Ordnung, indem er Lehnsfürstentümer installierte und Unruhestifter tötete.
Während Pompeius in Nahost von Sieg zu Sieg eilte, hatte in Rom die demokratische Partei vollends die politische Macht ergriffen und erwartete Pompeius' Rückkehr, um ihm die Krone aufzusetzen, was kein Widerspruch ist, denn Demokratien neigen dazu, sich in Führerstaaten zu verwandeln. Die Plebs lebte in Saus und Braus. Schuldnerei, Prasserei. Nicht wenige hatten sich verschuldet und waren bereit, alles zu wagen: Catilina und Paetus, Piso und andere verschworen sich, um eine Revolution anzuzetteln, die alle Schuldscheine verbrennen wollte und den Staatsschatz zu plündern beabsichtigte, außerdem sollten die reichen Senatoren egalisiert werden.
Als Pompeius 62 v.Chr. nach Italien aufbrach, erwartete ihn dort die Krone. Doch es gab eine Überraschung. Er war sich wohl zu sicher in seiner Macht. Pompeius landete in Brundisium, schickte seine Legionen nach Hause und kam mit kleinem Gefolge in die Hauptstadt. Damit hatte er sein wichtigstes Machtinstrument, das ihm hörige Heer, aus der Hand gelegt. Aber Pompeius hatte auch verfassungskonform gehandelt, da in Italien keine Truppen stehen durften. Es fragt sich, warum Pompeius die Macht, die er besaß, nicht benutzte, um sich zum König zu machen. Hatte er Angst? War er ein Konformist? Sicher ist: Pompeius fehlte der politische Instinkt, denn schon längst hätte er erkennen müssen, daß der Streit zwischen Optimaten und Popularen nicht auf parlamentarischer oder politischer Ebene, sondern militärisch zu entscheiden seI. Ein Jahr später trat er, als ob sich nichts geändert hätte, an, um die Gunst der Massen zu gewinnen. Aber nun hatte er es sich mit beinahe allen verscherzt. Die Seinen nahmen ihn nicht mehr ernst, die Feinde fürchteten ihn kaum noch; er war zwar immer noch mächtig, doch sein Stern sank. Er begehrte nur, was er mit leichter Hand im Vorjahr noch hätte gewinnen können: ein Konsulat und Verteilung der eroberten Ländereien an seine Veteranen.
Im Rücken Pompeius' befreite sich Caesar derweil von seinen Schulden, er hatte als Prätor in Spanien dortige Silberminen ausgebeutet. Crassus trat an Caesar heran und suchte dessen Unterstützung, um Pompeius endgültig zu vertreiben. Nach etlichem Hin und Her kam es im Sommer 60 v.Chr. zu einem politischen Bündnis, einem Triumvirat. Caesar, Crassus und Pompeius teilten sich die Macht. Caesar ließ sich das Konsulat fürs kommende Jahr zusichern, außerdem in Folge eine Statthalterschaft für Spanien. Pompeius wollte nur das, was er seinen Soldaten versprochen hatte, Land. Crassus schließlich bekam Zutritt zur Macht, seine Position war nicht genau definiert. Und damit blieb alles in der Schwebe. Die Demokraten übten zwar augenscheinlich die Macht aus, konnten jedoch das vordringlichste Problem nicht lösen, das Verhältnis zwischen Militär- und Bürgerdemokratie. Die Tendenz ging dahin, daß für den Fall eines fähigen Generals Rom zur Monarchie werden würde. Die Aristokraten waren schon lange nicht mehr fähig gewesen, das Land gerecht zu verwalten, ihm Impulse zu geben. Zu sehr waren sie korrumpiert und korrumpierbar. Es fehlte ihnen wie auch den Demokraten an einer politischen Vision für Rom. Eine Vision kann die verschiedenen Kräfte und Mächte innerhalb eines Staatswesens unter einem Ziel bündeln. Wenn es diese Übereinkunft im Staat nicht geben würde, würde die Krone ein Heeresführer tragen. Früher oder später.
Pompeius hatte die Krone zweimal ausgeschlagen, eine dritte Chance würde er nicht bekommen. Crassus hatte zwar das Geld, doch würde er auch die Soldateska zügeln können? Caesar hatte sich in Spanien als fähiger Feldherr erwiesen, zudem das Wirtschaften gelernt. Aber Caesar haftete der Geruch seiner vornehmen Herkunft an; ein geliebter Volksheld konnte auch er nicht sein, obgleich er das Volk durch Klugheit und Güte zu gewinnen wußte, indem er den erwerbslosen Massen Brot (neue Prunkbauten, kostenlose Speisung der Ärmsten) und Spiele verschaffte. Er löste 59 v.Chr. zudem für viele das Landproblem, indem er um Capua Land kaufen ließ und es unter den armen Veteranen verteilte, die wenigstens drei Kinder haben mußten. Die Veteranen blieben im Land; aus den Erträgen des neu erworbenen Besitzes in Asien konnten die entsprechenden Ländereien in Italien gekauft werden und die Besitzverhältnisse blieben bestehen. Eine Kommission von zwanzig Männern bestimmte die Verteilung des Landes. Pompeius und Crassus ließen sich wählen, Caesar betonte, nicht in dieser Kommission tätig sein zu wollen: ihm stand der Sinn nach einem außerordentlichen Kommando. Auf Vorschlag des Tribunen Publius Vatinius erhielt Caesar das cisalpinische Gallien zur Statthalterschaft und den Oberbefehl über die dort stationierten drei Legionen. Caesar bekam, was er wollte, ein Feldherrenamt für mehrere Jahre. Mit Crassus hatte er seine finanziellen Probleme endgültig behoben, denn man verkaufte dem König von Ägypten den römischen Volksbeschluß, daß er König von Ägypten sein dürfe, für viel Geld. Das fädelte Crassus in der altbekannten Art ein, Caesar und Pompeius bekamen ihren Anteil.


Aufgaben:


  1. Nenne die Aufgaben, vor denen Pompeius bei seinem Machtantritt stand! (I)
  2. Wie wurde der Bürgerkrieg verhindert? Werte die Lösung hinsichtlich der Fragestellung, ob dadurch die politischen Probleme Roms gelöst wurden! (II)
  3. Beschäftige dich mit dem Bedeutungsumfang des römischen Konformismus! Inwiefern ist sie staatstragend? Hatte Pompeius das Recht oder gar die Pflicht, sich über das Konforme zu erheben und dem zu entsprechen, was die meisten Römer von ihm erwarteten, die Krone? (III)
  4. Differenziere in einer Tabelle die Eigenschaften der Triumvirn! Ergänze sie durch Sekundärquellen! Entscheide dich für einen Geeignetsten und begründe deine Entscheidung! (II)





[1] Angesichts dieser Beispiele kam mancher auf den Schluß, die Senatoren seien durchweg üble Gesellen, die Plebs dagegen Gutmenschen gewesen. Der Schluß ist falsch: Die meisten Plebeijer waren korrupt, lüstern auf Blut, Geld, Fleisch und Unterhaltung. Zahllose aufgestiegene Ritter belegen das.