Zuerst einmal freue ich mich über diesen Text; er ist mit Liebe zur Sache geschrieben, also im besten Sinne dilettantisch. Ich werde den Text oben anpinnen, damit jeder Besucher des LYRIK-Forums früher oder später draufklickt und liest, was wir hier unter Lyrik verstehen.

Ich sehe die Welt nicht dual. Für mich hat ein Gedicht mehr als zwei Seiten; es hat unendlich viele. Jeder liest etwas in einen Text hinein, interpretiert ihn. Etliches wird einander ähnlich sein, aber es sind die kleinen Unterschiede, die dann Gespräch, Kommunikation oder auch geistige Innenauseinandersetzung ermöglichen. Zudem entscheidet auch die Tagesform. Deshalb sollte man ein Gedicht öfter als ein Mal lesen.
Die mittleren Passagen entsprechen meinen eigenen Wahrnehmungen. Dann aber schreibst Du etwas vom NICHTS. Lyrik ist nie nichts. Sie ist immer ein etwas, gleichwohl sie zum Nichts führen will, zuweilen jedenfalls. Ein absurder Vorgang und durch die Intention schon selbstentlarvend unlogisch. Auch Deinen Begriff der Kritik muß ich konterkarieren. Kritik dient. Insofern ist nichts wichtiger als Werkkritik. Diese besteht meist aus einer Mischung: persönliche gefärbte Invektive trifft sachliche Auseinandersetzung. Zuweilen überbordet eine Seite.
Der Schluß ist sehr schön.