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Thema: Das seltsame Wesen der Lyrik

  1. #26
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    doch doch, bezieht nur ein, was lyrik vermag. es könnte der kern sein für das, was sie uns bedeutet.
    sie vermag einen selbst zu ordnen, sie vermag es, der welt einen spiegel vorzuhalten, sie vermag es, von den idealen zu zeugen. sie vermag es, in die seele eines anderen zu schauen und sie vermag es auch, sich dort mit seinen augen zu sehen. und und und ...
    dochdoch, das liegt schon in der fragestellung, ohne vermögen kein bedeuten - was jetzt nicht materialistisch zu verstehen sein soll. es ist tatsächlich der kern der frage.

  2. #27
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    es ist, als ob ich einen weiteren Kieselstein in die Welt lege
    den vielleicht niemand findet
    aber wenn ich einen in die Hand nehme
    einen der da liegt
    einfach so da liegt
    oder auch besonders
    ist es als ob sich Türen öffnen
    über seine Konturen und Dellen
    kann ich bis nach Amerika reisen
    oder nach Australien
    kann sehen wie sich das Fell sträubt
    einem Tier
    kann die Götter singen hören
    und die Erde atmen

  3. #28
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    LEIDENSCHAFT
    BESESSENHEIT
    FINDEN IM LASSEN
    LIEBEN
    GEBEN
    NEHMEN
    ALLES

    lyrik ist ...mein längster atemzug...


    ich freue mich
    hier zu sein
    mit euch

  4. #29
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    lyrik ist
    eine hand
    eine zunge
    eine droge
    eine kette
    eine höhle
    eine heimat
    ein ritt
    ein jäger
    ein gefährte
    ein schmerz
    ein trieb
    eine lust
    eine gewalt
    ein rausch
    eine hingabe


    ...keine wahl

  5. #30
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Was ist Lyrik anderes als die Verdichtung der Welt. Der Lyriker ist ein Metonym, ein geteiltes Wort ist ihm Anhaltspunkt zu neuer Einkehr.
    Als Anfänger stellt er nach, dann sucht er eigene Worte und Muster zu bedienen, am Ende stellt er wieder nach.

  6. #31
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    manchmal ist lyrik arg kitschig. kitsch, dieses in szene gesetzte vulgäre und dümmliche, das auf die befriedigung des animalischen oder unter moralinsaure behaglichkeit gedeckeltes spießertum zielt und darin seine aufgabe findet. ich erkenne bei manchem lyriker muster, schemata, die immer wieder mit worten gefällt werden, die eben passend gemacht werden müssen, semantisch und vor allem syntaktisch. das bedrückt mich, weil sich die welt so wenig ändert und auch die dichter in ihr keine besseren menschen geworden sind. ist überhaupt ein fatum, daß dichter bessere menschen sein sollen.

  7. #32
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    besser sind sie nicht. überhaupt besser - besser wie wer?
    jenseits von gut und böse spielt doch die musik.
    anders sind sie.
    dichter sind anders.
    oder sagen wir: fern.
    dichter sind fern.

  8. #33
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Arrow Lyrik als seltsames Wesen

    Zuerst einmal freue ich mich über diesen Text; er ist mit Liebe zur Sache geschrieben, also im besten Sinne dilettantisch. Ich werde den Text oben anpinnen, damit jeder Besucher des LYRIK-Forums früher oder später draufklickt und liest, was wir hier unter Lyrik verstehen.

    Ich sehe die Welt nicht dual. Für mich hat ein Gedicht mehr als zwei Seiten; es hat unendlich viele. Jeder liest etwas in einen Text hinein, interpretiert ihn. Etliches wird einander ähnlich sein, aber es sind die kleinen Unterschiede, die dann Gespräch, Kommunikation oder auch geistige Innenauseinandersetzung ermöglichen. Zudem entscheidet auch die Tagesform. Deshalb sollte man ein Gedicht öfter als ein Mal lesen.
    Die mittleren Passagen entsprechen meinen eigenen Wahrnehmungen. Dann aber schreibst Du etwas vom NICHTS. Lyrik ist nie nichts. Sie ist immer ein etwas, gleichwohl sie zum Nichts führen will, zuweilen jedenfalls. Ein absurder Vorgang und durch die Intention schon selbstentlarvend unlogisch. Auch Deinen Begriff der Kritik muß ich konterkarieren. Kritik dient. Insofern ist nichts wichtiger als Werkkritik. Diese besteht meist aus einer Mischung: persönliche gefärbte Invektive trifft sachliche Auseinandersetzung. Zuweilen überbordet eine Seite.
    Der Schluß ist sehr schön.

  9. #34
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Danke. Der (dramatisch übersteuerte) Text ist 16 Jahre alt, man bedenke dies bitte. Selbstverständlich sehe ich heute vieles anders und hinterfrage (meine) Sprache bzw. Lyrik intensiv. Nicht hier, was ein reines Zeitproblem ist. Ich beschäftige mich andernorts u.a. sehr kritisch mit Texten.

  10. #35
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Ich finde es nicht selbstentarvend unlogisch, das Nichts sein zu müssen, um alles zu sehen.

    Es ist immer beides zugleich.

    Nichts und Alles ist eine Gesamtgleichung.

    Alles wäre ohne das Nichts nicht möglich.

    Auch ein lyrischer Text ist ja erstmal "nichts" auf dem Papier.

    Hinterher kann er durchaus alles sein.

    Eigentlich ist es immer beides.

    Zwei Seiten einer Medaille?



    Uff, muss jedoch wirklich zeitversetzend wirken, sich selbst vor 16 Jahren zu betrachten.

    Könntest Deinem früheren Selbst liebe Grüße schicken. Hätte der Autor damals bestimmt nicht gedacht, dass diese Zeitschleife aus vorherigem Nichts, dich später alles in Allem nunmehr einholen könnte...

    Und möglicherweise spürst du dann damals die Anwesenheit deiner eigenen späteren Präsenz...

    Wann aus nichts alles wird, ist vorher kaum sicher zu bestimmen.

    Wann aus allem nichts wird, ist hingegen scheinbar leichter absehbar.

    Darum ist wohl weniger manchmal mehr.


    Die Tiefen des alten Forums steigen aus ihrer früheren Asche.

    Vorher sahen wir nichts, jetzt schon etwas. Später vielleicht alles...

  11. #36
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Hallo WSIB,
    ich habe den damaligen Autor dieser Zeilen von Dir gegrüßt. Er ist immer noch im Kettenhemd und besudelt es ständig mit Rotwein. Das Pferd schaut zu.

  12. #37
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Beyer, Conrad. Deutsche Poetik. Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart. Zweiter Band. Stuttgart, 1883

    http://www.deutschestextarchiv.de/book/ ... l=die&p=38



    "(...) Freilich macht die Metapher nicht das Wesen der Lyrik aus; [Annotation]
    dieses liegt, wie im vorigen Paragraphen ausgeführt wurde, im dichterischen
    Jngenium, im gebildeten Gefühl des Dichters, in seiner quellsprudelnden
    Phantasie, wodurch er befähigt wird, im Geistesflug über die Erde und ihre
    Erscheinungen zur reinsten Ätherhöhe sich emporzuschwingen, bald hier das Auge
    an den lebensvollsten Erscheinungen labend, bald dort den Blick an den brillantesten
    Phantasiegemälden bezaubernd &c.


    § 11. Umfang des lyrischen Gedichts.


    Da das reine Gefühl nur Eine Grundstimmung haben kann,
    da ferner das lyrische Gedicht der Stimmung des Augenblicks entquillt,
    so erhellt, daß ein Abirren nicht gut möglich ist. (...)"



  13. #38
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Bodmer, Johann Jacob: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd.9. Zürich, 1749

    http://www.deutschestextarchiv.de/bo...=Poeterey&p=20


    „(...) Es werde daraus leichtlich zu ſe-
    „hen ſeyn, wie hoch ſich ſelbige vornehme Maͤn-
    „ner, ungeachtet ihrer adelichen Ankunft und
    „Standes, der Poeterey angemaſſet.„
    Opitz fand vornehmlich zwo Urſachen, welche
    die Deutſchen gehindert, daß ſie die Poeſie in ih-
    rer Sprache zu treiben, ſo ſchaͤndlich verabſaͤumet
    hatten. Erſtlich die Vorurtheile, von welchen ſie
    eingenommen waren, daß die Poeſie eine eitele,
    unnoͤthige und vergebliche Wiſſenſchaft ſey, welche
    uͤber dies mit mythologiſchen Grillen, heydniſchem
    Goͤttertand, verliebten Ausſchweiſſungen angefuͤl-
    let waͤre. (...)"






















    .
    Geändert von Richard (09.05.17 um 20:30 Uhr)

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