Alleinherrschaft? [1] Rom war nie eine Demokratie. Die Widerstände und die politischen Fähigkeiten des durchschnittlichen römischen Vollbürgers waren nicht aufs Gemeinwohl orientiert, sondern auf das seiner Familie, waren auf die Sicherstellung seines Luxus' und seines Vorankommens orientiert. Er würde immer den unterstützen, der ihm das auf die leichteste Art ermöglichte. Politik beinhaltet das Zusammenspiel von Herrschaft und Partizipation, historischen und natürlichen Gegebenheiten und psychologischen Determinanten des Menschseins. Während der karge Boden und die Zerklüftung Griechenlands die Bildung eines Großstaates dort hemmte, die Abgeschiedenheit Galliens und Germaniens die Bildung wirkungsmächtiger Staaten vorerst unterband, konzentrierte sich das politische und wirtschaftliche Leben auf der italischen Halbinsel. Die militärisch straffe Führung der römischen Armee, die Massen an Gut und Geld nach Italien schaffte, eine zwar korrupte, aber letztlich doch funktionierende Oligarchie und eine auf der Sklaverei aufgebaute Wirtschaft, die genug Aufstiegs- und Abstiegsmöglichkeiten für jeden einzelnen (auch Nichtrömer) ermöglichte, ließen den Stadtstaat Rom zur mächtigsten Macht dieser Zeit werden. So war die Partizipation des Einzelbürgers an politischen Entscheidungsprozessen bei Kelten, Slawen [2] und Germanen sicherlich höher, aber letztlich war das zivilisatorische Niveau dieser Gebiete niedriger, was angesichts sehr viel niedrigerer Bevölkerungszahlen auch nicht weiter wundert. Vorsichtige Schätzungen gehen von zwei bis zu drei Millionen miteinander verfeindeter Gallier resp. Germanen aus (auf 1000000 km² meist waldiges Gebiet verteilt), währenddessen auf der gut erschlossenen italischen Halbinsel (250000 km²) ca. zwanzig Millionen Menschen ihr Auskommen in einem sehr viel straffer organisierten Staatskörper fanden. Schon hinsichtlich dieser Kräfteverhältnisse müssen Darstellungen, die von einer gallischen oder germanischen Bedrohung Roms sprechen, verwundern. Offenbar ist es ein Wirkprinzip von Weltmächten, daß sie sich fortwährend von kleineren und verteufelten Mächten bedroht fühlen und gegen diese kleineren Mächte zum Krieg hetzen.
Fakt ist, daß sich in Rom immer Abenteurer fanden, die den Weg nach Norden suchten, um Rom noch größer und mächtiger werden zu lassen und selbst daran zu partizipieren. Und so entschloß sich der Politiker Caesar, seinen finanziellen und politischen Ehrgeiz durch die Eroberung des reichen Galliens zu befriedigen. Im Klartext bedeutet das einen Vernichtungsfeldzug. Caesar kam nicht als Befreier, sondern als Mörder und Eroberer. Wer mit ihm ging, gut, wer nicht, der wurde erschlagen und ausgeraubt. So war der einzelne keltische Kämpfer zwar meist dem kleinergewachsenen römischen Soldaten überlegen, aber Caesar ließ nicht Mann gegen Mann kämpfen, sondern setzte auf überlegene Taktik und die besseren Maschinen, auch auf die Zerrissenheit der keltischen Stämme. Caesar wußte zudem, daß eine Eroberung Galliens ihn in Rom auf den Thron setzen müßte, denn der Gedanke der Republik resp. Demokratie spielte in Rom keine Rolle mehr. Zwar wurden Gesetze gegen Korruption erlassen, u.a. ein Gesetz über Vereine zu gegenseitiger Förderung bei Wahlen (55 v.Chr.), das ein dieses Gesetz durchsetzender Zensor bereits gewählte Konsuln absetzen konnte, wenn Korruption nachgewiesen werden konnte. Es gab sie, die Verfechter der römischen Republik. Cato d.J. und Cicero arbeiteten ununterbrochen in diesem Sinne. Aber Caesar hatte größeren politischen Instinkt. Er wußte, daß es nur eines kleinen Anstoßes bedurfte, um das morsche Gebäude der Republik zum Einsturz zu bringen, das sich für die Schaffung eines Imperiums [3] als unzureichend erweisen mußte. Die Eroberung Galliens mit dem dadurch folgenden Landgewinn sollte diesen Anstoß bewirken. Ein demokratischer Ansatz? Caesar war durchdrungen von einem politischen Machtwillen und selbst ein Getriebener von geistesfremden ökonomischen Kräften. Rom war nicht reformierbar, aber in seiner Kraftentfaltung noch nicht am Ende angekommen, zumal zeitgleich kein Gegner existierte, der Rom hätte gefährlich werden können. Also galt es jedem Führer Roms, dem engen römischen Geist die Form zu erhalten, zugleich aber diesen zur Expansion zu bringen; für Caesar bedeutete das, es mit dem monarchischen Gedanken des Ostens zu verbinden. Dafür mußte er sich nicht nur den Rücken im Westen freihalten, sondern auch Geld besorgen. Gallien! Wir dürfen annehmen zu wissen, wie er den Feldzug plante, an dessen Ende er aus ursprünglich drei dreizehn Legionen gemacht hatte, was er unternahm und welche Völkerschaften er besiegte oder vernichtete.

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Gallien breitete sich von der Nordsee (Friesland) bis zum Mittelmeer (Norditalien) aus. Es war den Römern gelungen, die zwischen
Norditalien und den Pyrenäen lebenden Stämme militärisch zu besiegen. Gleichwohl behaupteten diese gallischen Stämme ihre Autonomie. Eine kleine Kriegerkaste regierte mit der Priesterschaft, den Druiden. Gegen römische Massenheere hätte diese kleine und meist zerstrittene Kriegerschar keine Chance. Caesar seinerseits war nicht auf Eroberung, sondern auf Vernichtung aus. Er wollte das sehr viel dünner als Italien besiedelte Gallien besitzen und Veteranen ansiedeln, das bedeutete sichere Stimmen bei künftigen Wahlen. Der Senat gab Caesar Gallien für fünf Jahre, das war für Caesar Zeit genug, alles für den entscheidenden Griff zur Macht vorzubereiten. Seine Gegner dagegen glaubten, ihn erst einmal losgeworden zu sein.
Caesar marschierte 58 v.Chr. nach Gallien, offiziell, um den von einem germanischen Plünderer namens Ariovist bedrängten gallischen Äduern zu Hilfe zu eilen (die mit Rom eine Art Freundschaftsabkommen besaßen), tatsächlich aus den genannten anderen Gründen. Wir können hier zwischen Kriegsursache und Kriegsanlaß unterscheiden.

Kriegsursachen Kriegsanlaß
  • Caesars maßloser Ehrgeiz;
  • Roms Weltherrschaftsanspruch und
  • die Gier der römischen Plebs nach eigenem Land, das in Italien nicht mehr zu gewinnen war.
Den Kriegsanlaß boten die bedrängten Äduer, die sich gegen die Brandschatzungen Ariovists nicht anders zu helfen glaubten, als die Römer ins Land zu holen.

Zwar fand der Hilferuf bei den Äduern auch keine ungeteilte Zustimmung, denn mancher Gallier ahnte schon, daß die Römer nicht aus Freundschaft kämen, sondern eigene Ziele verfolgten, aber diese Stimmen konnten sich nicht durchsetzen, zumal Caesar klugerweise eine Verbindung zwischen den einzelnen Kriegerscharen der Gallier zu unterbinden wußte, indem er die Ränke der Gallier untereinander geschickt für seine eigenen Pläne ausnutzte. Einmal in Gallien galt es für Caesar, die Germanen aus dem Kampf um Gallien herauszuhalten. Er zog mit seiner treuesten Legion ins Elsaß, wo er Ariovist stellte und besiegen konnte.
Nachdem Caesar die germanische Gefahr abgewendet hatte, zog er im nächsten Frühjahr (57 v.Chr.) am Rhein entlang nach Norden gegen die Belger, die er an einem Flüßchen namens Aisne zur Schlacht stellen könnte. Caesar hatte erkannt, daß die vereinigten Belger seiner einen Legion überlegen sein mußten, also ließ er ein Lager errichten, das die Belger nicht einnehmen konnten und machte sie winterfest. Den Belgern war diese Form der Kriegsführung unbekannt, also zerstreuten sie sich wieder. Kaum war es wärmer geworden, stellte Caesar einen Stamm nach dem anderen und besiegte ihn. Nach dem Sieg ließ Caesar Garnisionen zurück, die Kontributionen eintrieben, mit denen Caesar sein Heer und seine Gefolgsleute in Rom bezahlte. Es handelte sich um Summen, die kaum vorstellbar sind, vergleichen wir sie mit dem heutigen Steueraufkommen. 70 Millionen Sesterzen (ca. 550 Millionen €) soll Caesar allein an zwei römische Politiker gezahlt haben, damit diese in seinem Sinne Politik machten. Ganz gleich, ob diese Zahl stimmt, in etwa bekommen wir dadurch eine Vorstellung der Bedeutung von Caesars Gallienunternehmung. Caesar plünderte, erhob Kontributionen, verpfändete und erpreßte. Nichts war ihm heilig, Hauptsache, die Kasse war gefüllt. Das war für Caesars politische Karriere fundamental, ein Antezedenz. Der Senat konnte Caesar zwar keine Herrschaft über etwas geben, aber ihm ein Mandat verlängern. Im Amt war Caesar unantastbar, alle Missetaten konnten erst NACH der Amtszeit zur Sprache gebracht werden. Um das zu verhindern, waren Bestechungen notwendig, Fürsprecher, die das Volk in Rom besänftigten und bestachen, damit es eher die Vorteile als die Nachteile von Amtsübertretungen erkannte.
52 v.Chr. faßten die Gallier allen Mut zusammen und erhoben sich. Ein Arverner namens Vercingetorix vermochte es, die zerstrittenen Haufen der Gallier unter seiner Führung zusammenzuführen.
Für Caesar bedeutete das vor allem eine Chance. 53 v.Chr. war Crassus bei dem Versuch, im Osten des Imperiums eine ähnliche Ausplünderungspolitik wie Caesar in Gallien durchzuführen, getötet worden. Aus dem Triumvirat war ein Duumvirat geworden: Pompeius gegen/mit Caesar. Zwischen beiden kriselte es, zumal das persönliche Band, das sie verbunden hatte, durch einen Schicksalsschlag (Caesars Tochter war mit Pompeius liiert und kurz nach der Entbindung ebenso wie das Kind gestorben) zerrissen war. Schicksalsschläge bedeuteten im abergläubischen Rom etwas.
Vercingetorix' wegen war Caesar gezwungen, Gallien erneut aufzusuchen, was nichts anderes bedeutete als: Aufständische töten.
Pompeius, allein in Rom, versuchte, die Dinge dort in seinem Sinne zu ordnen, was angesichts der starken Caesar-Partei so gut wie unmöglich war. Es gelang Pompeius nicht einmal, Magistratswahlen durchzuführen. Andererseits wird auch behauptet, daß Pompeius kein Interesse an stabilen innenpolitischen Verhältnissen in Rom gehabt habe und sich die Banden des Milo und Clodius mit seiner Unterstützung Straßenschlachten lieferten, denn, so diese Überlegung, am Ende könnte Pompeius selbst das Zünglein an der Waage sein und die Bedingungen zur Wiederherstellung der inneren Sicherheit diktieren.
Wie dem auch sei, während Caesar in Gallien mordete und sich bereicherte, gelang es Pompeius in Rom nicht, die politische Macht zu erringen, auch nicht, als ihm der Senat den Titel eines „Konsuls ohne Kollegen“ verlieh und Truppen zur Verfügung stellte, um Ruhe auf Roms Straßen herzustellen.
Pompeius stellte seine Truppen auf und bereitete sich auf den Machtkampf mit Caesar vor; alles lief auf einen Bürgerkrieg hinaus. Der größere Vorteil lag auf Seiten Pompeius', der nicht nur über die Wirtschaftskraft des italischen Festlands, sondern auch über die Truppenreste Crassus' verfügte, zudem konnte der Senat Caesar zwei Legionen abschwatzen, die dieser als pflichtbewußter Römer dem Senat zum Schutz vor der Gewalt der Straße zur Verfügung stellte. Allerdings war Pompeius kein begnadeter Organisator und brachte seine Truppen nicht zügig zur Aufstellung. Er hatte drei Legionen um Rom versammelt, zwein waren alte Caesars, als Caesar seiner Aufgaben in Gallien ledig war und nun mit seiner ergebensten Legion (zehn in der Hinterhand) am norditalischen Flüßchen Rubikon stand, der Grenze zwischen Gallien und Rom. Würde er dieses Flüßchen ohne Genehmigung des Senats überschreiten, so wäre das eine Übertretung seines Mandats, ein Rechtsbruch. Alia iacta est. Caesar ließ die Würfel sprechen, sie fielen so, daß er das Flüßchen am 24. November 50 v.Chr. überschritt. Pompeius, unsicher genug, verließ Italien und wich dem Kampf aus.
In Rom war die Stimmung wie meist uneinheitlich. Weder auf der Popularen- noch auf der Optimatenseite war man für oder wider Caesar. Die einen haßten ihn aufgrund seines Herkommens, die anderen wegen seiner Tüchtigkeit, dritte aus Eifersucht, vierte aufgrund seiner Durchsetzungsfähigkeit... Caesar, der Sprößling aus iulischem Hause (altes Patriziergeschlecht), hatte zwar auf der Popularenseite politische Karriere gemacht, aber viele Populare fürchteten, daß er ihre errungenen Rechte ähnlich Sulla beschneiden würde. Andererseits erhofften sich nicht wenige Popularen von Caesar eine Grundsatzerklärung der politischen Partizipation in ihrem Sinne, auch eine Erhöhung des Anteils am Reichtum, der Rom aus seinen Provinzen zufloß. Die korrumpierten Optimaten des Senats dagegen fürchteten erneute Subskriptionen und vor allem, daß Caesar sich zum König auf der Basis breiter Zustimmung der Popularen machen würde. Andere Optimaten hingegen, meist verschuldet, hofften gerade auf diese Subskriptionen, um so ihre Schulden [4] loszuwerden resp. ihre Stellung in der Gesellschaft zu verbessern.
Das ist eigentlich keine schlechte Situation für einen Mann mit ehernen Absichten.
Nach seinem Einzug in Rom blieb Caesar ruhig und suchte einen Ausgleich der Interessen herbeizuführen, was angesichts der im Raum stehenden Drohung, Truppen gegen Uneinsichtige einsetzen zu können, wirkte. In Italien blieb alles ruhig, langsam konnte Caesar seine Machtposition ausbauen. Außerhalb Italiens allerdings bedrohte Caesar Pompeius. Caesar wollte Pompeius zuerst im silberreichen Spanien schlagen. Pompeius selbst war im Orient beschäftigt, die versprengten Crassus-Truppen zu sammeln; in Spanien standen zwei seiner Gefolgsleute am Ebro: Afranius und Petreius. Caesar gelang es, die verstrittenen Legaten gegeneinander auszuspielen und zu umzingeln. Caesars Macht wuchs um zwölf, vielleicht sogar dreizehn neue Legionen. Andererseits verlor er auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz gegen den numidischen Fürsten Juba zwei Legionen; Seeräuber und senatstreue Kräfte in der Adria schwächten seine Truppenzahl bei Seegefechten noch einmal um zwei Legionen.

Zwischenstand 49 v.Chr.: Caesar besaß die Landherrschaft, Pompeius die zur See. Damit verlor Caesar die strategische Initiative. Pompeius seinerseits konnte seine Truppen nicht nach Italien verschiffen, ohne die Seeherrschaft aufzugeben. Ein Patt. Pompeius besaß aber die Möglichkeit, durch Belagerungen, Blockaden und langsame Truppenverschiebungen von Ost nach West Caesars Versorgungslinien völlig abzuschneiden und so allmählich zu besiegen. Ein Geduldsspiel. Doch Pompeius war nicht der alleinige Herr über seine Truppen. Viele Senatoren mischten sich kräftig ein. Caesar dagegen ließ sich nicht hineinreden und verfügte über das alleinige Kommando.

7. Juni 48 v.Chr.: In Thessalien trafen die Heere aufeinander, bei Pharsalos.
Caesars Sieg war überwältigend, zumal Pompeius keinen Siegeswillen zeigte und die Schlacht aufgab, bevor sie eigentlich entschieden war. Er floh nach Ägypten, wurde aber bei seiner Ankunft ermordet.
Caesar war Pompeius gefolgt und landete kurze Zeit nach ihm in Ägypten. Mit einigen wenigen Begleitern mischte er sich im Stile eines Eroberers in die inneren Angelegenheiten Ägyptens ein und versuchte, den ägyptischen Thronstreit zu entscheiden. Ägyptens Besitz war gleichzusetzen mit sicheren Getreidelieferungen für die unersättlichen römischen Plebs. Das Zwischenspiel in Ägypten dauerte sieben Monate, dann kehrte Caesar mit seinen Truppen nach Rom zurück. Dort herrschten inzwischen wieder chaotische Zustände, denn keiner wußte so recht, was Caesar in Ägypten trieb und ihn dort festhielt. Das Was war ein Wer und hieß Kleopatra. Noch waren nicht alle Optimaten besiegt, noch standen in Afrika neu formierte Truppen unter dem numidischen Fürsten Juba, der sich als Freund des Senats bezeichnete und entsprechenden Zulauf von versprengten pompeiischen Truppen erhielt, auch viel Geld von den ängstlich um ihre Macht besorgten Senatoren Roms.
Caesar versicherte sich der Loyalität seiner kurzzeitig enttäuschten und darum marodierenden Legionäre und brach nach Afrika auf. Bei Thapsus kam es zur entscheidenden Schlacht, die Caesar gegen Cato und seinen inzwischen zur Senatspartei übergetretenen Weggenossen Labienus gewann. Cato stürzte sich ins Schwert, die Republik zu Füßen Caesars.
Den Namen eines römischen Königs nahm Caesar nach diesem Sieg nicht an, allerdings gibt es eine Zahl hinreichender Indizien für Caesars Koketterie mit dem Königtum: er trug fortan eine purpurfarbene Toga, saß auch in Gegenwart anwesender Senatoren auf einem goldenen Stuhl, ließ Goldmünzen mit seinem Bildnis prägen, stellte neben den Statuen der sieben Könige aus der Königszeit seine eigene auf... Alles deutete darauf hin, daß Caesar früher oder später die Republik auch dem Namen nach beenden wollte. Etwas hielt ihn zurück.

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Die römische Republik war an einem Wendepunkt angekommen: das Prinzip einer Ältestenherrschaft (Senat) hatte sich überlebt. Nunmehr war das Zeitalter der Alleinherrscher angebrochen, deren Wille und Macht die Sicherheit des Bestehenden garantierte, auch die der alteingesessenen Senatoren. Also arrangierten sie sich. Wie konnte der römische Adel siegen, wenn seine besten Vertreter nicht an das Wohl der Republik, sondern nur ihre eigene Rache und ihren eigenen Geldbeutel dachten? Caesar hatte sich als der Stärkste erwiesen, blieb in seiner Regierung dann allerdings frei von den Fehlern Sullas. Er zeigte Großmut und verzieh seinen Gegnern und deren Familien, schützte den Besitz und gab den Armen Perspektiven, indem er Rom neu aufbaute: er ließ den Tiber regulieren, legte eine neue Hafenanlage an und stellte in Aussicht, die Sümpfe in Roms Nähe austrocknen zu lassen, was neben neuem Ackerland auch Krankheitsherde beseitigte. Auch an die Partizipation des einfachen römischen Bürgers dachte er und ließ in einer neuen Munizipalordnung (Stadtordnung) eine städtische Selbstverwaltung zu. Er zeigte sich auch besiegten Gegnern gegenüber milde und gestattete ihnen, ihre alten Verfassungen beizubehalten. Allerdings verzichtete Caesar nicht auf den Tribut. Genannt werden soll auch die Kalenderreform, die der Grieche Sosigenes im Auftrage Caesars vornahm, indem er ein Jahr 445 Tage dauern ließ und damit den kalendarischen Sommer- und Winteranfang resp. die Tag- und Nachtgleichen (Äquinoctium) mit den tatsächlichen wieder in Übereinstimmung brachte.
Alles schön und gut?
Nein. Es fanden sich nicht weniger als 60 Senatoren zu einer Verschwörung zusammen. Es war ihnen unerträglich, dem Tyrannen Caesar ausgeliefert zu sein. Zwar war dessen Herrschaft milde, aber deshalb nicht weniger unerträglich. Am Tage vor Caesars Aufbruch nach Osten, um die Parther zu besiegen, wurde er mit 23 Messerstichen getötet.
Der Tyrannenmord war im Altertum ein legitimes Mittel der politischen Gegner des Tyrannen. Viele jubelten nach dem Mord den Verschwörern zu, die sich als Befreier des Vaterlands feiern ließen. Rom hatte das zurück, was es am meisten liebte: das innenpolitische Chaos.


Aufgaben:


  1. Warum ist die oft geäußerte Behauptung einer germanischen oder gallischen Bedrohung Roms ein Anachronismus? (I)
  2. Welche Funktion besaß Gallien für Caesars Pläne? (II)
  3. Beschreibe Caesars Politik in Gallien! (I)
  4. Liste Caesars administrative Leistungen auf! (I)




[1] An Alleinherrschaft knüpft sich der auch heute noch benutzte Begriff des Cäsarismus. Allerdings bedeutet er etwas anderes als Kaisertum. Er bedeutet den „Kampf der einzelnen [um die alleinige Macht], also chaotische Unruhe, nicht Frieden.“ (Freyer II, S. 536.) Die Ursitze der Slawen sind im heutigen Weißrußland und der Nordukraine zu vermuten. Sie werden heute in Ostslawen (Russen, Ukrainer, Bulgaren), Westslawen (Polen, Tschechen, Slowaken, Wenden) und Südslawen (Serben, Kroaten, Slowenen) unterschieden, ins. ca. 300 Millionen Menschen.

[2] Die Ursitze der Slawen sind im heutigen Weißrußland und der Nordukraine zu vermuten. Sie werden heute in Ostslawen (Russen, Ukrainer, Bulgaren), Westslawen (Polen, Tschechen, Slowaken, Wenden) und Südslawen (Serben, Kroaten, Slowenen) unterschieden, ins. ca. 300 Millionen Menschen.

[3] Eigenschaften eines Imperiums:

  • entspringt keinem formellen Gründungsakt und ist selten Produkt eines Plans;
  • entsteht durch militärischen Einsatz, aber auch wegen einer Vorreiterrolle in Wissenschaft, Handel und Zivilisation;
  • viskose und sich ändernde, meist vom Zentrum des Imperiums sich wegverschiebende Außengrenzen;
  • multiethnisch und multireligiös, wobei eine Klammer die Heilslehre des auf sich selbst bezogenen Staatsgedankens ist und sich als bestimmende Lehre durchzusetzen weiß; Leitkultur;
  • muß dem Erwartungsdruck seiner Staatsangehörigen nach Frieden, wachsendem Wohlstand und Wachstum entsprechen.


Oswald Spengler nannte das Imperium im welthistorischen Prozeß das typische Symbol des Ausgangs, die reine Zivilisation und das Schicksal des Abendlands. Imperium steht hier gegen den deutschen Reichsgedanken, der auf Kultur und Interessenausgleich, das Gleichgewicht der Kräfte orientiert war und weder Heilsgedanken noch Erweiterung ins Zentrum stellte.

[4] Caesar verordnete eine Lösung des Schuldenproblems, nachdem er die Macht errungen hatte: Schulden sollten nicht nach dem strengen Recht gehandhabt, sondern durch Schiedsrichter reguliert werden, die das Vermögen des Verschuldeten nach dem Wert, den es vor dem Bürgerkriege gehabt, abzuschätzen und die gezahlten Zinsen vom Kapital abzusetzen hatten.