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Thema: Alien Anne (Auszug)

  1. #1
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    Post Alien Anne (Auszug)

    Ein langer Text, ich weiss, aber ich schreibe Prosa und kürzer geht es nicht. Mault, wenn es den Rahmen sprengt, oder lest es nicht...
    entschuldigen mag ich mich nicht.
    Anne ist eine Künstlerin, die vor Jahren die letzten grossen Erfolge hatte, die Anderen (bis auf Vera, Galeristin) sind Kollegen. Mir war es um die Fremdheit gegangen.
    it



    Anne schüttelt Hände. Zeigt ihre Zähne und murmelt Wortfetzen in die verschwimmende Reihe der Gesichter vor ihr. Schon nach fünf Minuten fühlen ihre Mundwinkel sich taub.
    Vera dagegen hat die Souveränität der professionellen Gastgeberin: Küsse in die Luft. Ein Arm auf den Ellbogen hier und ein Strahlen, jeder Gast ihr bester Freund: wie schön, Dich zu sehen. Schön, dass sie es einrichten konnten. Mein Gott, wir haben uns sei Ewigkeiten nicht mehr gesehen, Ewigkeiten mit langgestrecktem EEEE, die Frisur ist neu, nicht wahr?
    Vernissage.
    Annes Hände sind feucht. Sie trägt Alexander McQueen, ihre Fersen zittern ein wenig auf den ungewohnten Schuhen, die schwarzen mit den langen Federn, und ihr ist kalt. So kalt. Katharina daneben wirkt in Annes altem Demeulemeester - Rock unantastbar und gross wie eine Statue, und einen Augenblick lang bereut Anne, ihn ihr geschenkt zu haben. Aber sie weiss auch, dass die Kälte von innen kommt.
    "Natürlich erinnere ich mich. Das war auf der Biennale, nicht wahr? Schön, sie zu sehen."
    Und Kathrin denkt: Ich kenne keinen Menschen hier. Wenn das so weitergeht, fange ich noch zu knicksen an. Bennos Hände sind verkrampft.
    Wein und Gelächter schaukeln sich auf. Augen gleiten über Muybridge und halten sich an Bennos Wachsmadonnen fest: Augen, die noch kein bekanntes Gesicht entdeckt haben. Lackierte Fingernägel reflektieren das Licht, bis es von Rollkragenpullovern geschluckt wird. Alles ist Oberfläche. Alles ist Spiegel. Andreas' Hasen drehen sich glitzernd.
    "Schön, mal wieder was von ihnen zu sehen, Anne." Raupner vom Art Magazin ist neben sie getreten. "Sehr interessant, ihre unerotischen Geschichten. Erinnert mich ein wenig an Sophie Calle, zumindest an ihre melancholischeren Werke." Aber Anne hört nur das eine Wort: interessant. Es gab Zeiten, da hatte er hervorragend geschrieben, aussergewöhnlich, brilliant. Sie versteht.
    "Auch im Zusammenhang mit den Werken von diesem Benno Führmann. Gefällt mir ausgesprochen gut. Wo haben sie ihn entdeckt?"
    Das ist es also, denkt Anne. Benno, nicht ich. Ich habe es die ganze Zeit gewusst, aber erst jetzt ist es wahr. Sie haben es alle gesehen.
    Sie hatte geglaubt, den Schmerz schon hinter sich zu haben, aber sie kann ihn in ihrem Magen kreischen hören, als sie antwortet. Trinkt zuviel und zu schnell und weiss es und kann doch nichts dagegen tun.
    Interessant.
    Raupners Gesicht ist irritiert, und Anne weiss nicht, was sie gesagt hat. Dann ist Vera da und legt ihre Hand auf seine Schulter.
    "Herr Raupner, ich habe noch gar keine Zeit gehabt, sie persönlich zu begrüssen. Dabei wollte ich ihnen seit Wochen schon sagen, dass mir die neue Aufmachung von ihrem Heft wunderbar gefällt." Zieht in weg, sanft, wickelt ihn ein mit Komplimenten in einen Kokon aus Ahnungslosigkeit. Vera arrangiert, Menschen wie Kunstwerke. Im Gehen neigt sie ihren Kopf dichter an sein Ohr, aber Anne kann ihre Worte noch hören über Arnos Bolzenschussgerät: "Die arme Anne hat einiges durchgemacht in den letzten Tagen. Wahrscheinlich steht sie noch unter Schock. Ich habe noch nichtmal gedacht, dass sie es heute abend hier her schafft..."
    Ich bin gut, denkt Anne, ich bin schön, ich weiss es. Noch keine Falte im Gesicht, die längsten Beine und ein Lächeln, das ansteckend sein kann mit seinem Strahlen. Ich bin schön. Sie nimmt einen Schluck. Ich bin schön. Warum sehen sie es nicht. Warum fühle ich es nicht.
    Katharina unterhät sich mit dem Leiter der Stuttgarter Staatsgalerie, und sie scheint Spass daran zu haben: den Kopf leicht in den Nacken gelegt, mit weichen, grossen Gesten. Kata lacht. Arno wie ein Pfau. Andreas und Benno Arm in Arm.
    Gelächter als Cluster.
    Ich bin nicht im falschen Film, denkt Anne. Ich bin im falschen Leben.
    Geräusche kommen und gehen. Sie hält ihre Augen am Boden, um die Hasen nicht glitzern zu sehen. Unter ihrem gummiarigen Lächeln die ganze Konzentration darauf gerichtet, Übelkeit in Schach zu halten.
    Sie denkt an den Sommer in der elften Klasse. Der Traum von Kate Moss, Kate und einem Leben, berstend voll von Glück und Schönheit. Kates arrogante Eleganz, die keine Pickel kannte und kein Lächeln brauchte. Annes Lächeln war überall. Aber dieser Sommer. Annes Finger in Annes Mund, ein kurzes Erbrechen für so viel Schönheit. Kein falsches Lächeln mehr.
    Anne denkt an die Leichtigkeit danach.
    Ihr Kopf beginnt zu rollen. Sie kann die Geraden der Wand nicht mehr berechnen: ein anfahrender Zug, von einem Zugfenster aus gesehen, und sie weiss nicht mehr, was hält, was steht. Nur diese Kälte. Benno und Vera sind da, und viele Gesichter, von geiler Neugier gefällt. Ein Theaterstück im Sonderangebot und Anne will sagen: geht weg. Geht weg. Dann flackern grelle Lichter durch den Raum.
    Das letzte, was Anne sieht, ist ein bleiches Madonnengesicht von einer Güte, die nicht mehr in diese Welt passt.
    Dann wird es schwarz.
    Es ist dieses Bild, Annes riesige Augen vor ihren unerotischen Geschichten, dieses Bild, dass es als Aufmacher ins Spiegel Kulturmagazin schafft.
    Vera ist glücklich.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Gar nicht schlecht erzählt, aber dennoch einige Schnitzer, die ich Dir nicht vorenthalten möchte.

    1. Sprache/Orthographie
    Welche benutzt Du? (Es geht durcheinander; gelegentlich auch Fehler, insbesondere in der Anrede, auch bei der Ersetzung des ß.)

    2. Vorlieben
    Die Liebe zum Detail korrespondiert nicht mit einer Beschreibung diverser Einzelheiten. Du setzt da bei Deinem Leser zu viel voraus.

    3. Was sind "ungewohnte Schuhe"?

    Schön ist die Konstruktion, die sich poetisch immer mehr verdichtet. Du beginnst mit einem offiziösen Empfang und treibst, nein Du gierst Dich in die Psyche Deiner Heldin. Und dann, an der spannendsten Stelle brichst Du ab. Und ich falle hernieder wie eine aufgegeilte Tomate , ein großes D für Deinen Namen.

  3. #3
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Wolkenstein, allein die Vorstellung, Dich wie eine aufgegeilte Tomate herniederfallen zu sehen: die war's doch schon wert.

    Ich kommentiere ungern eigene Texte hier (man schiebt sie damit so schön wieder hoch), aber auf konkrete Fragen will ich auch konkrete Antworten geben.

    zu 1): ich benutze die Ausnahmeregelung, die noch bis 2004? gilt.
    (ist keine gute Entschuldigung, nimm es als Arbeitsbeschaffungsmassnahme für Lektoren. Du solltest mich erst mal rechnen sehen... ich arbeite daran)

    2) Das ist genau der Punkt, zu dem ich gern mehr wüsste: was darf ich beim Leser voraus setzen, wo werden Sprünge nicht mehr nachvollziehbar - und wo werde ich schal?

    3) sind natürlich die Schuhe, in die man sich im Schuhgeschäft verliebt. Das böse ERwachen kommt dann nach etwa einer Stunde. Sie sehen im Regal aber auch gut aus...

    it

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Schon nach fünf Minuten fühlen ihre Mundwinkel sich taub. Entwickeln die Mundwinkel ein Eigenleben? Katharina daneben wirkt in Annes altem Demeulemeester - Rock unantastbar und gross wie eine Statue, Na, meinetwegen. Jetzt beschreib dieses Monstrum als solches. Dabei kommt es darauf an, einen passenden Vergleich zu finden, der dem geneigten und eingeweihten Leser sofort aufs anschaulichste deutlich macht, warum Du, als Künstlerin, hier dieses Stück westlichen Zivilisationsmüll ausgewählt hast. Wenn Du die einzelnen Marken nur nennst, ihnen aber nicht genau bestimmte und erkennbare Merkmale für eben die von Dir ausgewählte Situation zuweist, wird sehr schnell ein Klischee aus Deinen Nennungen. und einen Augenblick lang bereut Anne, ihn ihr geschenkt zu haben. Aber sie weiss auch, dass die Kälte von innen kommt. Alles ist Oberfläche. Alles ist Spiegel. Der Teil ist erschreckend platt. Andreas? Hasen drehen sich glitzernd.
    Dabei wollte ich ihnen seit Wochen schon sagen, dass mir die neue Aufmachung von ihrem Heft wunderbar gefällt." Zieht in weg, sanft, wickelt ihn ein mit Komplimenten in einen Kokon aus Ahnungslosigkeit. Vera arrangiert, Menschen wie Kunstwerke. Im Gehen neigt sie ihren Kopf dichter an sein Ohr, aber Anne kann ihre Worte noch hören ?ber Arnos Bolzenschussgerät: "Die arme Anne hat einiges durchgemacht in den letzten Tagen. Wahrscheinlich steht sie noch unter Schock. Ich habe noch nichtmal gedacht, dass sie es heute abend hier her schafft..."
    Ich bin gut, denkt Anne, ich bin schön, ich weiss es. Noch keine Falte im Gesicht, die längsten Beine und ein Lächeln, das ansteckend sein kann mit seinem Strahlen. Ich bin schön. Sie nimmt einen Schluck. Ich bin schön. Warum sehen sie es nicht. Warum fühle ich es nicht.
    Katharina unterhält sich mit dem Leiter der Stuttgarter Staatsgalerie, und sie scheint Spass daran zu haben: den Kopf leicht in den Nacken gelegt, mit weichen, grossen Gesten. Kata lacht. Arno wie ein Pfau. Andreas und Benno Arm in Arm.
    Gelächter als Cluster.
    Ich bin nicht im falschen Film, denkt Anne. Ich bin im falschen Leben.
    Geräusche kommen und gehen. Sie hält ihre Augen am Boden, um die Hasen nicht glitzern zu sehen. Unter ihrem gummiarigen Lächeln die ganze Konzentration darauf gerichtet, Übelkeit in Schach zu halten.
    Sie denkt an den Sommer in der elften Klasse. Zu dick. Der Traum von Kate Moss, Kate und einem Leben, berstend voll von Glück und Schönheit. Kates arrogante Eleganz, die keine Pickel kannte und kein Lächeln brauchte. Annes Lächeln war überall. Aber dieser Sommer. Annes Finger in Annes Mund, ein kurzes Erbrechen für so viel Schönheit. bizarr und nicht weiter entwickelt; hängt in der Luft Kein falsches Lächeln mehr.
    Anne denkt an die Leichtigkeit danach.
    Ihr Kopf beginnt zu rollen. Sie kann die Geraden der Wand nicht mehr berechnen: ein anfahrender Zug, von einem Zugfenster aus
    gesehen, und sie weiss nicht mehr, was hält, was steht. Nur diese Kälte. Kommen wir jetzt zum eigentlichen Thema des Textes? Endlich?!
    Vera ist glücklich.

    Nur einige Markierungen, die meine Lesart veranschaulichen. Muß ja alles nicht stimmen, was ich da anzumerken habe. Liegt vielleicht daran, daß ich Gesellschaften aus nämlichen Gründen meide, mir also diese chose fremd ist. Eine Gouverneursgattin ist so ungefähr das Entsetzlichste, das ich mir vorstellen kann. Die kommt gleich nach einem, der sein Wort nicht hält.

  5. #5
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Wolkenstein, über die Mode:
    Erst mal ein intelligenter Satz dazu :
    Es enthält ein Festes und ein Wandelbares,
    das Feste selbst ist im Wandelbaren verborgen. Duch die Mode wird es scheinbar
    entschleiert (haha), verbirgt sich so hinter der neuen Form, die letztlich nur ein Spiel
    mit dem Formlosen ist. (Das ist im übrigen das Geheimnis der Mode und ihr Reiz.)

    "Jetzt beschreib dieses Monstrum als solches. Dabei kommt es darauf an, einen passenden Vergleich zu finden, der .... aufs anschaulichste deutlich macht, warum Du, als Künstlerin, hier dieses Stück westlichen Zivilisationsmüll ausgewählt hast."

    Monstrum? Zivilisationsmüll? Demeulemeester ist eben ein Designer, der mit den oben genannten Eigenschaften sehr phantasievoll und künstlerisch spielt.
    "Wenn Du die einzelnen Marken nur nennst, ihnen aber nicht genau bestimmte und erkennbare Merkmale für eben die von Dir ausgewählte Situation zuweist, wird sehr schnell ein Klischee aus Deinen Nennungen."
    Jein. Es gibt Labels, die nur den Wert: "viel teuer" ausdrücken. Demeulemeester oder auch Dries van Nooten geh?ren nicht dazu. Es ist eine bestimmte Sorte Frau, die (jetzt mal unabhängig von ihrem Einkommen, und nicht ich) eben diese Sorte Kleider trägt, und somit bereits eine Beschreibung der Person, die ich nicht weiter auswälzen wollte.
    Es ging mir dabei allerdings nicht um Mode, sondern um zwei Schichten: Aussenwirkung und Innenleben, die nicht kongruent in eine Richtung laufen.
    Ein anderer Auszug zu diesem Thema:

    Die Maske, die im Badezimmer entsteht, ist gekonnt. Kein Pink, kein Grün, noch nicht: noch scheint die Traurigkeit durch als grellroter Pickel. Trauer also. Mehr noch, Tragik. Etwas Grosses sein, das nicht weggeworfen werden kann wie eine vergangene Liebe.
    Die Dinge, die er zurückgelassen hat: ein paar Bücher, die Lampe im Flur. Weisse Regale. Seinen Lieblingspulli, der noch im Wäschekorb lag, jetzt auf ihrem Bett. Zwei unpassende Socken und das Zerbrochene, das sie einst war.
    Sie spürt, wie die Flüssigkeit in ihren Augen sich zusammenballt, und saugt sie auf mit einem Tuch. Entsorgt. Aus dem Spiegel blickt Perfektion.
    Tragik also, den tiefvioletten Lidschatten unter die Augen, verwischt, pudrig. Der Look ist out, denkt sie, ob ich das noch tragen kann. Aber es ist ein passender Rahmen. Das Gesicht im Spiegel erkennt sich endlich selbst: die Tiefe seines Verlusts. Ein wenig Rouge noch, vielleicht.


    Bevor ich das alles streiche , hätte ich gerne noch die Meinung einer Frau dazu gehört (auch zu der Kate Moss - Geschichte)
    Die "Alles ist Spiegel" - Stelle sollte keine Wertung des Autors sein, sondern bereits aus Annes Blickwinkel berichten. Ich werde das noch verdeutlichen.

    Als aufgegeilte Tomate hast Du mir besser gefallen...

    liebe Grüsse, it

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    hallo it,
    nun hab ichs also auch durch den text geschafft. muss aber zugeben, dass es mir mühe gemacht hat. immer wieder ist das bemühen spürbar, annes innere entfernung zu dem, dem sie wohl gerne angehören würde, zu gestalten. aber es ist eben das bemühen (der autorin) spürbar und nicht der umstand, dass es so ist (für anne).
    mit den designernamen und modelnamen hab ich probleme, weil ich mich da nicht auskenne.

    ich glaube, dass diese szene überarbeitet gehört. gründlich (nicht nur wegen der rechtschreib- und ausdrucks-sachen). ich glaube, dass du mehr in anne hineinschlüpfen und dem ganzen auch mehr raum geben müsstest. mehr erzählen. z.b. eine rückblende, als sie diesen designer-rock hergeschenkt hat (dann könnte ich seine wirkung auf anne vielleicht besser verstehen).
    oder so sachen wie: "sie trägt A.M.Qu." - da fällst du aus der erzählperspektive. die ist überhaupt ein wenig verwaschen. denk ich. wobei das mischen von innerem monolog und er-erzähler (wie: innen - außen) mir schon gefällt!

    vorstellen kann ich mir recht gut, was du da beschreiben willst. kenn ich!

    liebe grüße
    san.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Danke erstmal für die ausführliche Antwort.

    Zu den Designerkleidern:
    ich hatte daran gedacht, eine Szene voranzustellen, in der Anne mit ihrem Spiegelbild und Kleiderschrank kämpft: das kleine Schwarze oder doch den langen Roten? - festhängt zwischen dem theoretischen Wissen, dass das äussere Erscheinungsbild unwichtig ist, und dem Bedürfnis um eine von aussen geprägte gesellschaftliche Anerkennung. Dann dachte ich, dass ich es mit dieser (im Gesamttext) einmaligen ERwähnung der Designer ausdrücken könnte, weil dieses Thema eben nur hier und zum Zeitpunkt der Damit lag ich wohl falsch...
    ich werde mir also die Mühe mit dem Kleiderschrank machen... we

  8. #8
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Ich komme mit den ganzen Personen durcheinander, it. Entweder du machst den Ausschnitt länger oder du streichst einige Personen.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Nägel mit Köpfen sind mir Recht.
    Meine Diktion mag involvent sein, aufs geratewohl ist sie nicht. Ich habe mir den entsprechenden Satz gerade nochmal angesehen und für gut befunden. :D Aber es stimmt schon, ich bastle gern mit meinen Satzzeichen. Wie meintest Du das mit dem Küsse-Zitat (Beispiel bitte)?
    Zu Alien und der Zuordnung zu den Personen: es ist eben, wie Blaumaler bemerkte, ein Auszug. Was soll ich machen - zwanzig Seiten veröffentlichen (und irgendwann werden es HUNDERT!)?
    Jetzt habe ich vergessen, was ich gerade schreiben wollte.

    it

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    ist ja schon viel gesagt worden zum text.
    von mir nur so viel, unterhaltsam! atmosphäre gut getroffen. annes gedankenwelt kommt rüber.
    mit dem schluss hab ich schwierigkeiten.
    ... augen vor ihren unerotischen geschichten, ...?

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Eulie, die Antwort ist einfach: IT hat Probleme mit dem Erotischen. Und weil ES die hat, muß eben in dem Text auch so ein Vages übrigbleiben. Und dieses Vage bleibt im Leser unangenehm. Aber es stört nur ein klein wenig, zerstört nicht das Gesamtwerkli. Vielleicht hat sie aber auch keine Probleme damit und tatsächlich bloß ein wenig gestochert in ihrer Altlastgelegenheitsspießigkeit. Und das wird dann zuweilen langweilig-moralisch: Weißt Du, nichts ist langweiliger als eine Geschichte von der Freundin, die mit ihrem neuen Busen unglücklich ist. Was könnte daran erotisch sein? Und wenn's darum gar nicht ging? Dann habt IHR jetzt was zu bereden.

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Wolkenstein!
    Er sollte sich schämen. Und zwar in Grund und Boden. Ich komme bei Gelegenheit darauf zurück.
    Eulalie, dank fürs Lesen. Wie Wolkenstein allerdings völlig richtig verkannt hat, handelt es sich bei den "unerotischen Geschichten" und Wachsmadonnen um Installationen, die bei der Vernissage ausgestellt werden und damit um ein leidiges Problem mit Ausschnitten in Literaturforen.
    Ein Kapitel davor:
    Dann nimmt sie (die Galeristin) die Flasche und geht in den letzten Raum.
    Anne.
    Sie erinnert sich daran, wie sie Anne zum ersten Mal sah. Anne wirkte sehr schmal neben der Mappe unter ihrem Arm. Mit dem dunklen Haar schwarz und weiss wie eine von Arnes Videoinstallationen. Leicht feucht an den Rändern.
    Sie hätte gemalt, sagte sie. Ein paar Bilder. Nicht: Tryptichon. Nicht: Gem?lde. Bilder. Über ihre Schwester.
    Annes Schwester war zu einer Zeit gestorben, in der es keine politische Aussage mehr war, ihr über die Haare zu streicheln. Die Schwestern hatte ihre Handschuhe abgelegt, die Krankheit hatte ihren Schrecken verloren.
    In der Kunst war Aids kein Thema mehr.
    Ja, aber ihre Schwester sei trotzdem tot, hatte Anne gesagt. Wenn sie sich die Bilder vielleicht wenigstens ansehen würden. Und dann, mit einem ganz klaren Blick, der wusste was er tat: bitte. Für Miriam.
    Vera hatte der Erpressung nicht standgehalten.
    In der Mappe Photos, darunter in Annes altmodischer, eckiger Handschrift in schwarzem Kuli geschrieben. 1,50 x 2. 2,70 x 3. Mehr nicht.
    Und doch diese Wucht.
    Haben Sie die schon anderen gezeigt? Hatte die Galeristin gefragt, und sie musste ihre Stimme ruhig halten. Lassen sie sie mal da. Vielleicht sehe ich sie mir mal genauer an.
    Sie war am Telefon, sobald die Türe sich hinter Anne geschlossen hatte. Sie wusste heute nicht mehr, mit wem sie gesprochen hatte. Sie erinnerte sich stattdessen an die Härchen auf ihrem Unterarm. Aufgerichtet, jedes Einzelne von ihnen, über einer Gänsehaut, die schrie: das ist es. Es gehört mir. Keiner wird daran vorbeisehen. Sie ist so gut.
    Heute teilt Anne sich den letzten Raum mit Bennos sanften Wachsmadonnen. Und sie hat noch Glück, dass sie ihn hat, denkt Vera. "Unerotische Geschichten": ein Bett, bedeckt mit Annes feiner Handschrift, schwarzer Kugelschreiber auf Papier. Der "Abtreibungszyklus" darüber, fahl im Vergleich zu ihren früheren schreienden Aidsbildern. Und "die frau", eine Kleinskulptur, die Anne selbst aus der Ausstellung genommen hat, flüsternd, neben der Kaffeemaschine. Verschämt.
    Ich werde sie verkaufen, solange der Name noch trägt. Kein Problem, denkt Vera. Diesmal noch nicht. Scheiße, Anne, ich verstehe es nicht.

    Im übrigen hat it keine Probleme mit dem Erotischen, die mir bekannt wären , Anne hat sie, und auch mit ihrer Kunst. Wo kämen wir hin, wenn wir Autor und Protagonist nicht mehr auseinanderhalten könnten?

    it

  13. #13
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Da bellt aber eine!
    Der Text schangelt sich so durch, ohne Höhepunkt. Schieb's nicht auf das Ausschnitthafte; eine Struktur läßt sich auch im Ausschnitt (zumeist) verfolgen, Charaktere sind mit wenigen Strichen zu zeichnen, Handlungsmuster erkennbar. Nein, es liegt, ES ist hier gleichzusetzen mit dem obig genannten Vagen Deiner Zeilen, daran, daß Du hier ein wenig ins Blaue hineinschreibst, daß Du Dich nicht festzuzurren verstehst. Das Nebulöse wird so zur Manier, die dem Leser allzu viel abverlangt. Mit neuen Ausschnitten wirst Du dieses Manko nicht beheben können, wohl aber mit einer Straffung in Deinem Denken. wow! Straffe also Dein Denken!

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Um ehrlich zu sein, ich war unsicher mit dieser Geschichte, obwohl ich Anne sehr gern mochte. Und ich hatte systemimmanente Schwierigkeiten mit dem Aufbau. Da ihr sie dann auch nciht verstanden habt, habe ich sie schweren Herzens geknickt (und ausgeschlachtet).
    Der Text trifft die Protagonistin (eine Künstlerin, die nicht mehr malen kann) nach wie vor relativ gut, ich mu? aber zugeben, daß ich selbst wohl nicht die Konzentration aufbringen würde, ihn zu lesen. Dumm gelaufen, wenn man ehrlich ist.
    Ich hänge Dir trotzdem noch was dran.
    Und danke für Dein Interesse.

    it

    "Anne, Liebes." Vera nimmt sie beim Arm. "Kaffee?"
    Dann stehen Veras Espressotassen auf dem Tisch, filigran, oben ein Goldrand, der sich im hellbraunen Schaum spiegelt, wenn man genau hinsieht. Dazu eine Flasche Mineralwasser, Perrier, immer.
    "Wegen des Kalziums" sagt Vera, wenn man sie danach fragt, und Anne denkt: Weil Dir die Flasche gefällt, und es ist Dir scheißegal, ob sie 1300 Kilometer weit aus Frankreich importiert wird oder ob das sinnvoll ist, und dann nickt sie verständnisvoll und sagt: "Eine Großtante von mir hatte auch Osteroporose." Und dann lächeln sie sich verständnisvoll an.
    Vera wartet darauf, daß Anne den ersten Satz spricht, und Anne wartet auf Vera, also sitzen sie da und hören den Frühling durchs Fenster.
    "Vera, ich will raus aus dem Vertrag" sagt Anne schließlich, als das Schweigen zu lang wird, und Vera seufzt. Erleichtert.
    "Ich weiß nicht, was ich sagen soll" sagt sie: immerhin.
    "Es hat sich viel getan in den letzten Jahren..."
    "Ja." Annes Stimme klingt bitter. "Ich weiß. Cremaster."
    "Anne, ich bin Kunsthändlerin. Mein Gott, ich würde mir ein Loch in den Bauch freuen, wenn ich einen Matthew Barney oder Cattelan unter Vertrag hätte. Ich würde mit ein Landhaus auf Sylt kaufen." Vera klingt verletzt. Unverstanden. "Das ist mein Job. Aber darum geht es nicht. Du bist Malerin. Kein Mensch verlangt, daß Du Installationen machst, ob Matthew und Cattelan nun in Mode sind oder nicht. Natürlich sind sie das." Den letzten Satz spricht sie für sich. "Aber sie sind gut. Anne, sie sind einfach gut."
    Schweigen.
    Anne greift nach ihrer Tasche und packt die Zigaretten ein: Zeit zu gehen.
    "Du warst auch gut, Anne." Ganz sanft ist Veras Stimme jetzt, und das tut mehr weh als der verletzte Ton vorher. "Was ist mit Dir los?"
    Anne sieht auf die Tischplatte und schüttelt den Kopf.
    "Ich weiß es nicht, Vera" und ihre Stimme ist ganz klein. "Ich weiß es einfach nicht. Es ist weg."
    "Nun." Vera lehnt sich zur?ck, um Abstand zu gewinnen. Das alles wird ihr zu viel. "Es ist natürlich noch zu früh, um über Geld zu reden. Aber ich denke schon, daß ich verkaufen werde. Das Stadtmuseum in Karlsruhe ist interessiert. Und das Kulturmagazin will Dich für den Titel."
    Das Stadtmuseum Karlsruhe. Wo haben sie diesen Benno Herrmann entdeckt. Anne sieht zur Decke, um ihre Tränen zurückzuhalten.
    Sie greift blind nach ihrer Tasche und steht auf.
    "Anne?" Vera greift nach ihrem Arm "Ich nehme Dich wieder. Sobald Du etwas hast nehm' ich Dich wieder rein, hörst Du? Ich würde mich freuen."
    Anne ist an der T?r.
    "Was soll ich machen? Erschossene Eichhörnchen?", die letzte Silbe ist kaum zu verstehen. Sie preßt die Hand vor den Mund, damit das Zittern aufhört. Aber es hört nicht auf. Die Augen halten sich an der Decke fest.
    Vera spricht jetzt ganz langsam, wie zu einem hysterischem Kind.
    "Genau das, was Du getan hast, als Deine Schwester gestorben ist. Was Du damals gemacht hast. Kotz Deinen Schmerz auf Papier, Anne. Ich weiß, daß Du es kannst."
    Anne schweigt.
    "Warum willst Du es nicht versuchen?"
    "Ich hab? Angst, Vera. Ich hab eine Scheißangst."
    Dann ist sie weg.

  15. #15
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    AW: Alien Anne (Auszug)

    Leider verschollen. Sucht man im Internet nach Alien Anne, kömmt sowas dabei heraus. Tz tz tz

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