Die Diaspora begann nicht, wie es in vielen Geschichtsbüchern vermittelt wird, mit der Zerstörung des Tempels im Jüdischen Krieg (um 70), sondern bereits mit dem Ende der babylonischen Gefangenschaft. Zahlreiche vor allem reiche Juden zogen es vor, in Babylon wohnen zu bleiben, statt ins umkämpfte und sehr viel zivilisationsärmere palästinische Mutterland zurückzukehren. Auch wanderten lange vor der Zerstörung des Tempels sehr viele Juden aus Israel aus und siedelten sich u.a. in Rom an. Noch im Jahre 1 bat eine Gruppe einflußreicher jüdischer Geschäftsleute den römischen Imperator, mit dem politischen System in Judäa Schluß zu machen und dort römische Verhältnisse einzuführen. Zu dieser Zeit lebte bereits eine Million Juden im Gebiet um Alexandria, ausgestattet mit allerlei Rechten: unter anderem befreit vom Militärdienst und außerdem befreit von religiösen Pflichten.

Das Bild, das uns in vielen Filmen von dem religiösen Zwang unter Tiberius mitgeteilt wird, steht auf einer Lüge.

Die Christenverfolgung, die erst eigentlich die christliche Gemeinde von den Juden schied, war von Juden initiiert worden; wer will das heute schon noch glauben oder wahrhaben? Das ist politisch nicht korrekt. Statt dessen wird das Nero in die Schuhe geschoben, der hier bloß ausübendes Organ war, benutzt wurde. Nero besaß einen Lieblingsschauspieler, den Juden Alityrus, der wollte wie seine Glaubensgenossen in der jüdischen Gemeinde die unliebsamen Christen loswerden und bediente sich der Gemahlin Neros, Poppäa, die selbst Mitglied der jüdischen Gemeinde Roms, obwohl keine Jüdin, war, aber die Mitgliedsbestimmungen waren damals lockerer. Beide, Alityrus und Poppäa, sind die Urheber der grausamen Christenverfolgungen, die Nero vornehmen ließ, aber Nero wäre wohl kaum auf die Idee gekommen, die Christen zu benutzen. (siehe auch: Neumann: Der römische Staat und die allgemeine Kirche. 1890)

Doch zurück zum Anfangsgedanken der Diaspora: Spätestens seit der Gründung Israels nach dem letzten Weltkrieg sollte klargeworden sein, daß kein Jude notgedrungen außerhalb seiner Heimat leben muß; die meisten Auswärtigen wollen das und ziehen ein Leben im Westen dem in Israel vor.