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Thema: Schwirrgedicht

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Schwirrgedicht

    mit fühlern

    der totenvogel in seinem hemd,
    der seuchenvogel auf dem geleis.
    von der brücke springen, kopfüber in die ereignisse!
    nimm dich einfach als vertane zeit,
    warum sich überhaupt mit etwas aufhalten?
    oder gehe hin und züchtige die welt mit deinem gürtel

    meerschaum aus meerschaumpfeifen,
    wie werden wir uns vorgegaukelt!
    und dabei fühlen wir doch immerzu etwas.
    vielzuviel platz im schädel, inzwischen,
    aber womöglich kommt einer und rückt alles zurecht.
    bis dahin schwimmst du bettabwärts in deinem bett
    gefängnismauern, mit rosetten aus buntem fleisch,
    'siehe ich verkündige dir einen truthahn',
    incl. hundewallfahrten dorthin - alles scheißt wild durcheinander.

    die venen finden für einen finderlohn (unter der hand versteht sich)
    oder eine perfekte mischung aus reden und schweigen.
    nenn nicht alles zufall was du nicht verstehst,
    sonst landest du noch im fernsehen.
    doch bedenke: gott hat keine wimpern
    und gestorben ist bis jetzt auch noch ein jeder

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Schwirrgedicht

    "sieh, ich verkündige dir einen truthahn!" ist witzig, "züchtige die welt mit deinem gürtel" zeugt von einer gewissen tatkraft.

    ansonsten ist der text etwas lustlos runtegejodelt, möglicherweise spielt er im drogen-knast-mileu.

    ob gott wimpern trägt - und gegebenfalls ob er sie tuscht -oder nicht ist mir ziemlich powidel und erleichtert mir den ausstieg aus dem text.

    schnobs

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schwirrgedicht

    bin ich andrer meinung, schnobsi, was dein "ansonsten" anbelangt. ein paar verslein dürften meiner meinung nach allerdings ersatzlos getilgt werden aus dem text, angefangen mit dem letzten: "und gestorben ist bis jetzt auch noch ein jeder". allgemeinplatz, der dem gedicht mehr nimmt als er diesem gibt.

    darf ich mal? so ein kleiner coverversionjodel - la moi: nennen wirs: eine komische tragödie: leaving a text. in der hauptrolle, weil er sich grad so anbietet: schnobs the pops als: schnobsi. drehbuch: jodl. regisseur, der dann macht was er will und nicht darf: me and myself.

    .

    leaving a text.

    der totenvogel auf dem geleis wird grösser
    während einer von der brücke springt,
    kopfüber in die ereignisse!

    zuvor
    ging er hin
    züchtigte die welt
    mit seinem gürtel
    damit wir etwas fühlen
    inmitten der unordnung
    im schädel,
    und dass irgendwann einer kommt
    und alles zurecht rückt,
    diese hoffnung stirbt jedenfalls
    so oder so
    zuletzt.
    sagte er immer.

    inzwischen schwimme ich abwärts
    in meinem bett
    oder rauche einen joint
    mit der perfekten mischung
    aus reden von dem
    was er zufall nannte
    und dem
    wovon er nichts verstand.

    zum glück
    passte er auf
    und landete
    nicht im fernsehen
    mit allem was er nicht hatte
    sondern direkt
    neben dem totenvogel.

    in der zeitung stand
    zwischen den zeilen
    am nächsten tag:
    schnobsi ist abgesprungen!
    (yepp, und der text jedenfalls
    machte ohne ihn weiter.)

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    Question Mr. Bridge Jones

    gafällt mir besser mr.jones! bloß, wer geht in die welt? grammatikalisch der totenvogel, doch sollte der nicht besser fliegen?

    ungrammatikalisch wohl der br?ckenspringer!

    ach, ich kenn mich einfach nicht aus, mr. bridge jones!

    klär mich auf, wie du mich noch nie aufgeklärt hast!*stöhn*

    schnobs - before and under the - bridge

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schwirrgedicht

    hast recht, schnobs, und also: flieg, totenvogel, flieg!

    und übrigens:

    Zitat von Schnob van Quittenlauch
    klär mich auf, wie du mich noch nie aufgeklärt hast!

    hättest gern. aber so leicht mach ichs dir nicht. find erst mal zum papageier die mamageier als lyrisches du, du.

    und du, jodl, was suchst du?

  6. #6
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    AW: Schwirrgedicht

    ist FAST ein dinggedicht. eigentlich fehlt das ICH, aber zu viele DUs. wenn der text ein wenig mehr objektiviert werden würde, dann wär's ein dinggedicht. so schwirrt ein gefühlter zwischenmensch durchs off.

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Schwirrgedicht

    Eine Affinität zu Zusammenrückungen, wobei beim Satzbau manches Komma fehlt, weil die Dinge eben als etwas Zusammengehöriges begriffen/gefühlt werden. Klare Abgrenzungen täten hier not, so beispielsweise gleich am Anfang, bei dem nicht ganz klar wird, wer hier wo ist und was sieht. Gar eine Doppeltheit? Ein toter Vogel auf dem Gleis, einer auf der Brücke, beide zueinandergehörig? Sich aufhalten, d.i. eine Grundform des Lebens, sich auseinandersetzen, sich streiten, auch züchtigen. Geht es nicht darum? Wo ist der Widerpart, das Gegenwort? Traum und Wirklichkeit verschwimmen in einem Ödem im Hirn, in dem beides durcheinanderwabert und auf das Gefühlszentrum drückt. Der Schluß wirkt banal. Laß doch das Fernsehen heraus. Das macht dick.

    Ein guter Text. Lyrsa!

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