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Thema: Griechische Klassik

  1. #1
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    Griechische Klassik

    Während Platon seine politischen Ideale mit Hilfe der Mächtigen durchzusetzen suchte - und apodiktorisch scheiterte -, daß ein funktionierendes und entwicklungsfähiges Gemeinwesen in der Theorie, also der Vorstellung der das Gemeinwesen bildenden Gemeinschaft, und Lebenspraxis nur aus einem spannungsreichen Koinzidieren (Zusammenfall des Gegensätzlichen) ausprägen kann. Der Mensch ist schließlich ein zoon politikon

    Platon vs. Aristoteles - grundsätzliches hier


  2. #2
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    AW: Griechische Klassik

    Platons Staatsidee sei aristokratisch, wird gemümmelt. Nun, sicher, aber wer jetzt glaubt, Platon setze eine Blutlinie, behaupte also vererbbare Führerschaft, der irrt. Am Ende des III. Buches behauptet er die Geeignetheit zur Führerschaft auch bei den Söhnen Ungeistiger, also dümmerer Menschen, die zwar mit dem silbernen Löffel im Munde geboren wurden, aber keine Führungseigenschaften aufwiesen. Die Durchlässigkeit bei gesellschaftlichem Auf- und Abstieg im besten aller Staaten. Bei Platon wird das in ein mythisches Gewand gekleidet, ein fernab abstrakter Begrifflichkeit liegendes Märchengewand, wörtlich (etwa zwei Seiten vor dem Ende des III. Buches):

    Den Regierenden nun gebietet die Gottheit zuerst und vor allem, sich für nichts als schärfere Wächter zu bewähren und auf nichts so eifrig zu achten wie darauf, was von diesen Stoffen der Seelen ihrer Nachkommen beigemischt ist; und wenn irgendeiner ihrer Nachkommen eine Beimischung von Erz oder Eisen hat, so dürfen sie nicht das geringste Mitleid zeigen, sondern müssen ihn dem seiner Natur entsprechenden Stand zuweisen und ihn in die Klasse der Handwerker oder der Ackerbauern verweisen, und umgekehrt, wenn aus diesen letzteren einer geboren wird, der eine Beimischung von Gold oder Silber aufweist, so werden sie ihm die Ehre antun, ihn je nachdem in den Stand der Wächter [Philosophen] oder der Beihelfer zu erheben, da einem Orakelspruch zufolge die Stadt dann untergehen werde, wenn das Eisen oder das Erz [die Ochlokratie] über sie die Obhut führe.

  3. #3
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    Talking Wesen der griechischen Tragödie

    Das Wesen der griechischen Tragödie besteht nicht in dem durch die Hybris des Helden hervorgerufenen Tod desselben, sondern in der Vermittlung der Bergeblichkeit menschlichen Tuns überhaupt. Nicht geboren zu sein, sei das Beste. Früh zu sterben, das galt als die zweitbeste Wirklichkeitsbewältigung.

    Die liberale Literaturgeschichtsschreibung irrt, wenn sie den Tod des Helden als das Wesen der Tragödie definieren will, wenn sie die menschliche Anmaßung, die in den Gang der Dinge eingreifen zu können glaubt. Der Mensch ist nicht Teil eines Ganzen, sondern allein. Er kann sich aber gegen das Ganze stellen und besseren Falls damit identifizieren. Das Ganze aber besitzt keine Verbindung, keine Verantwortung, keine Kommunikationsebene zu dem Individuum. Das ist das Geheimnis. Und wer etwas anderes behauptet, haut sich entweder selbst die Taschen voll oder lügt.
    Die griechische Tragödie hatte das erkannt und sah in der Hybris den vergeblichen Wunsch des Menschen, das, was heute als Individualismus begriffen wird, der darauf sinnt, sich als Teil eines Ganzen zu fühlen, wobei ihm doch nur der metaphysische Trost bleibt, nämlich aus einer Kette zu stammen, deren Einzelteile schon längst zu einem Knäul verwoben sind, dem es nichts ausmachen kann, wenn ein Bestandteil davon wegbricht.

  4. #4
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    Wink klassisch sein

    Wer klassisch denkt, schreibt und handelt, der kann sich wiederholen in dem, was er sagt, denn klassisch sein bedeutet genau das: sich wiederholen können. (Camus)

    Ich bin mir nicht so ganz sicher, was der Absurde damit sagen wollte. Aber wenn ich mir dann Säulengänge, Eingangshallen oder die Ebenheit des Raumes so vorstelle, dann wäre das doch wohl kaum vorstellbar, wenn nicht die Wiederholung Strukturelement derselben wäre. Auflehnung gegen die als unfruchtbar erachtete Anstrengung. Wir schreiben, weil wir uns auflehnen. Der postmoderne Mensch muß klassischer Künstler sein, will er Sinn stiften. Sisyphos ist unser Vorbild. Der Mann hatte Ausdauer.

  5. #5
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    Platos Staatsentwurf

    Ja, dieser Staatsentwurf von Plato hat es in sich. Heutige Gleichheitspostulierer wenden sich mit Grausen, nennen ihn veraltet, undemokratisch, reaktionär uind dergleichen mehr. Aus der Sicht eines Linksliberalen ist das durchaus zutreffend. Derweil wird Platos Grundannahme, daß nämlich die Klügsten herrschen sollen, im Kontext heutiger libertärer Faseleien - jeder Schuster glaubt eine Meinung zur Politik haben zu dürfen - ein immerhin nachdenkenswerter Gegenentwurf auch für Linksliberale sein müssen.

    Platon hatte immer den Menschen im Blick, das war er auch seinem Lehrer schuldig. Angesichts der Leidenschaften und Begierden, die er kennenlernen mußte, mußte er sich fragen, ob die ausschlaggebend für die politische Entscheidung sein dürfen. Die Macht der Demagogen, die Gier des Pöbels, der eigene Kraftentfaltung immer gegen andere einzusetzen willens war. Lebensbeobachtuingen.

    Herrschaft des Geistes über die Materie, des Denkens über die Leidenschaft, der Erfahrung über den Augenblick, wie sie sich in manchen Menschen mit Lebenserfahrung (Alter ≠ Lebenserfahrung) manifestierte, quasi als eine Lebenseinstellung, die das eigene Befinden und Wollen unter das allgemeine stellt. Da steht der von den eigenen Begierden Emanzipierte und kooperiert seinen Willen mit dem der Allgemeinheit, was bedeutet, er fragt zuerst, ob sein Handeln und Wollen einem allgemeinen Wunsch entspricht. Das Allgemeine ist aber NICHT die Mehrheit, nicht die von hunderttausend kurzsichtigen Egomanen gespeiste öffentliche Meinung.

    Ist nicht genau das, was man auch heute klug nennt, eben über den eigenen Tellerrand schauen zu können, nicht nur im Jetzt zu wudeln, sondern auch nach dem Nutzen für Generationen zu fragen, bevor man politische Entscheidungen fällt, nachzudenken und das Gesichtsfeld zu verbreitern, den individuellen Horizont verlassend?

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