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Thema: eules gesammelte suren (restart)

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: eules gesammelte suren (restart)

    - schnell mal hoch geholt den ordner -




    sieh, das ferne liegt so nah
    so nahe mir am herzen
    wie ein stein
    der davon fällt
    und doch sich immer wieder
    immer wieder
    darauf legt
    weil nichts ihm näher liegt

    ich roll ihn von der linken
    in die rechte kammer
    dann durch den vorhof
    raus ins freie
    ich stoss ihn ab
    hinab, hinab
    da bleibt er mir
    im magen liegen

    drückt leise auf die galle
    bis hoch sie kommt
    und bitter mir
    über die leber rinnt

    doch wollen wir mal sehen
    ich wuchte weiter ihn hinab
    noch tiefer in den schlund
    durch dünn und dick
    vorbei an nierenpaar
    und blase
    da liegt er nun
    und geht nicht raus

    das kommt höchst ungelegen
    und macht mich sehr verlegen
    der stein verschliesst sich der beförderung
    liegt fest, verwehrt sich der entkörperung
    echt misslich insgesamt die lage
    beneide sisyphos um seine plage
    des stein ja immerhin beweglich
    der meinige hingegen unerträglich

    ach läg ich da
    und stein läg dort
    ach wär ich hier
    und stein wär fort
    mich seine nähe peinigt
    und seine gegenwart mich steinigt
    da, wo er nicht ist, denk ich mir
    da ist das glück

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    glasblick

    meine klarsicht verendet
    zwischen wenn und aber
    zweifel zeichnet eisblumen
    auf die brillengläser
    eine spinne seilt sich von der decke
    landet in meinem haar
    sondiert das terrain
    macht sich auf die beine
    ein prophet geht vorüber
    verflucht die welt zwischen tür und engel
    die spinne auf dem ohr
    schaut unschlüssig in die tiefe
    wird sie den absprung wagen?
    die welt wartet
    und ich schau zu
    die ewigkeit im kleinen finger

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    sinn se froh

    wo her, aber woher denn
    wo kämen wir denn dahin
    wo hin, ja wohin, wohin hin?
    wo möglich dahin, wo her hin?
    hinnen, hannen, wo und wannen
    her wo herren, da wo dannen
    winnen hannen wo wie so
    sinnen annen so sie wo
    wo sie so so wie wo
    die wo so so wie so

    hunnen hennen sunnen sennen
    dummen rennen brunnen brennen
    wo wie so so wie wo
    un ab über sinn se froh

  4. #4
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    wortspiel

    mein wort hat spiel
    mein satz kein ziel
    und mein gedicht
    ist eins zu viel

  5. #5
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    Post eules gesammelte suren (restart)

    wir & die welt


    wir denken uns die welt zurecht
    wir fühlen sie uns zusammen
    jeder nach seiner art
    wir schauen sie mit trübem aug
    und hören sie mit taubem ohr
    wir spiegeln sie kreuz und quer
    und fressen sie leer
    wir reden sie auseinander
    wir tanen sie uns unter
    wir beten sie krank
    und lieben sie zu tode

  6. #6
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    wort-schatz

    wort für wort
    setzt sich zu satz
    am boden oft
    nimmt platz
    feist und fett
    klumpt zusammen
    mit anderen
    zu entsätzlichem
    entwortetem
    zu schlagwort
    und aussatz
    gib ant, wort!
    gib auf, satz!
    worte verwertet
    sätze versetzt
    versprochen, verlesen

  7. #7
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    geschichte vom gecken

    kommt ein gecke um die ecke
    sieht sich um
    ob da jemand
    oder nicht
    wird gesehen
    bläht sich auf
    segelhaft
    im wind der betrachtung
    ui, pfeift die bewunderung
    durch die zähne
    endlich! seufzt das volk
    da ist er!
    macht den geck
    weg vom fleck
    macht ihn
    macht ihm
    macht hin
    macht her
    über nacht
    macht, macht
    und der geck
    wächst heran
    wächst und wächst
    was er kann
    über alles, über all
    bis maszlos mittelt
    alle heiligen zwecke
    zum übermasz
    der gecke
    ei, da platzt der traum
    vom übertum
    vom überruhm
    vom untertänig
    drum herum
    und der gecke macht zum schluss
    um die ecke
    weil er muss
    sich zum allgemeim
    verdruss

  8. #8
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    Lightbulb 10 lebensweisheiten

    10 lebensweisheiten


    wer hofft, ist nur zu faul, zu resignieren.

    kommunikation ist die sprache derer, die nichts zu sagen haben.

    wer nicht weiter weiss, kocht erst mal kaffee. wer überhaupt nichts weiss, schreibt ein buch.

    hass ist die liebe der gekränkten.

    lehrer sind die racheengel der bildungsgötter.

    *

    in der kürze wirkt die schürze.

    kultur ist das sanfte kissen für das schlechte gewissen.

    wirtschaft ist, einen baum in streichholzschachteln zu packen. kunst ist, aus streichhölzern einen baum zu bilden.

    das leben ist der grosse irrtum vor dem tod.

    optimist wird man aus versehen, pessimist aus erfahrung.

  9. #9
    Wolkensteiner
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    AW: eules gesammelte suren (restart)

    hops in die bütt!

    1.
    hoffnung als gegensatz von loslassen? nene: loslassen und trotzdem hoffen - alles andere scheint mir sturheit. hoffnung weiß ja, daß da kein glaube, kein wissen, kein etwas ist. hoffen geht immer aus nichts ins nichts. wo sie an etwas festhält, ists reine berechnung aufne selffulfilling prophecy und da hast du recht, da gibts viele, die sich damit das leben selbst schwer machen.
    "und ich habe mich doch schon so darauf gefreut!" pullern sie enttäuscht und man müßte ihnen sagen: "was willst du dann? du hast dich ja bereits gefreut!"

    7.
    aha: du meinst die instrumentalisierung von kultur. aber noch klarer wär dann: kultursponsoring aus schlechtem gewissen.

    9.10.
    "lach" dann kann diese weisheit (9) erst ein toter (10) sagen. was gibts, wenn man hier gewinnt?

  10. #10

    AW: eules gesammelte suren (restart)

    Da ist dann doch mal ein Kommentar nötig, sweet heart.


    ad 1. Resignation ist eine sehr viel komplexere Sache, der jedenfalls Hoffnung vorangegangen sein mu?. Das wirkliche Gegenteil der Hoffnung ist die Gleichgültigkeit. Doch Gleichgültigkeit ist poetisch ziemlich wertlos. Oder kennt jemand ein Stück Literatur, in dem die Gleichgültigkeit, die Indifferenz des Herzens, Thema und Anrührung zugleich gewest?
    ad 2. Kommunikation ist sehr viel mehr als Sprache, Teilmenge ist Sprache.
    ad 3. Das gefällt mir.
    ad 4. Nein. Haß hat mit Gekränktsein etwas zu tun. Das ist alles, eine Antinomie kann hier nicht gesetzt werden.
    ad 5. Wie, bitte?

  11. #11
    Wolkensteiner
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    10 lebensweisheiten

    1,2,7 und 9 find ich total falsch:

    hoffen kostet immer seele und nichts ist leichter als resignation. und weil resignation das leichteste überhaupt ist, werden so viele dinge nicht einmal gedacht oder versucht oder begonnen.

    kommunikation findet selten statt und gelingt fast nie, weil sprache nicht beherrscht wird, weil zuhören nicht gelernt wird, noch ganz abgesehn vom wittgensteinschen "wer nichts zu sagen hat, möge schweigen". ich bin ganz empfindlicher gegner
    derer, die sprache unter das schweigen ordnen. sprache zeichnet den menschen aus - aber dessen wird er sich wohl nur gewahr, wenn er endgültig verstummen muß.

    kultur ist beim zarathustra sehr viel mehr. sie ist öffentliches gewissen, beichtvater und absolvierer in einem. auch halt ich das für unzulässig, den einzelnen künstler dem tätigen altruisten gegenüberzustellen, oder von ihm immer nur die ode an den traktor zu verlangen.

    das leben ist das heiligste, das wir haben! deinem pessimismo folgte ich nie und nimmer. der größte irrtum ist der tod, von ihm wissen wir nämlich gar nichts. noch nicht mal die kürze der schürze.

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: eules gesammelte suren (restart)

    meine lieben!

    ich dank euch sehr für eure ernsthaften einlassungen.

    vorweg, werte susanna (ala), weisheiten können nie falsch sein! es liegt in ihrem wesen, dass sie nicht von jedem geteilt werden, dass unterschiedliche perspektiven auf sie möglich sind und dass sie paradox erscheinen; falsch sind sie nie, sonst wären's ja keine weisheiten, bestenfalls naseweisheiten !

    auch geht ihr die sache zu bierernst an. weisheit hat immer ein lächeln um den mund; die hartleibigkeit überlässt sie den professoren und schriftgelehrten.

    nun im einzelnen:

    ad 1)
    von wegen, sus, resignation wäre eine leichte übung! ich seh überall leute, die dazu gar nicht fähig wären! die pathologisch in ihre hoffnungen verbissen sind, wie ein hund mit kieferstarre .... wer resigniert, lässt gleichzeitig los ... und wenn das nicht weise ist

    ad 2)
    ihr habt ja so recht! es wird ja pausenlos kommuniziert, auf allen ebenen, meta-, para-, hypo-, hyper-, es wird verbalisiert, analysiert, transportiert, signalisiert und interagiert ... ohne ende ... und ? eben!

    ad 4)
    lies nochmal, robbi!

    ad 5)
    racheengel sind von den göttern geschickt. um die menschen zu strafen. und ehrlich, sind lehrer keine strafe? (wenigstens in den meisten fällen)

    ad 7)
    kultur ist mehr, wie du richtig sagst. und als dieses mehr ist es auch hier gemeint. der einzelne künstler mag sich rechtschaffen mühen. er ist nicht ziel des pfeils. aber der begriff kultur, wie er heute im täglichen sprachgebrauch verwendet wird - kulturbetrieb, kulturindustrie, kulturschaffende, kulturpolitik, kulturbudget, kulturmanagement, kulturmarketing ... - der gibt schon was her, nicht wahr?

    ad 9)
    wenn du das pessimistisch nennst, dann siehe 10!


    liebe grüsse

    eule.

  13. #13
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    AW: eules gesammelte suren (restart)

    der optimist

    --------------------------------------------------------------------------------

    der optimist lässt sich den blick nicht trüben
    von wirklichkeit und andren lügen
    er sagt: die welt ist gut
    und könnte besser gar nicht sein
    das fühlt mein herz und das ist rein

    er hat ja recht
    die wirklichkeit ist wirklich unerhört
    wenn sie die gute stimmung stört
    die welt ist gut!
    und wird mir schlecht
    liegt das an meinen brillen
    die schwarz
    und meinem bösen willen

    nur mut!
    die welt ist gut
    und böse, wer's nicht glauben tut

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    eules morgengebet

    für einen augenblick in ewigkeit
    würd mancher vieles geben
    vielleicht sein haus, vielleicht sein kleid
    vielleicht sogar sein leben

    mir kann sie getrost gestohlen bleiben
    jetzt und für alle zeit
    sie findet dumme noch genug
    in ewigkeit

    amen

  15. #15
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    AW: eules morgengebet

    für einen ewigen augenblick, meinst das? meinst: für eine ewigkeit in einem augenblick? weil: "für einen augenblick in ewigkeit", da kann ich nur achselzuckend vermerken: wir haben eh nix andres, als diesen augenblick in ewigkeit, na ja, eigentlich haben wir sogar und immerhin ne ganze reihe dieser augenblicke in ewigkeit... mögliche fragen dazu: wieviel geben wir dafür? wieviel nehmen wir daraus?

  16. #16
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    AW: eules morgengebet

    hallo jones,

    also was ich meine, ist erstmal unwichtig. man kann die eingangszeile fürs erste mal so lesen

    a) für einen augenblick lang 'ewigkeit' (fühlen, erahnen, spüren) = für einen blick in die ewigkeit (die uns sonst verschlossen)
    b) für einen augenblick in der unendlichen folge von augenblicken; der augenblick verhält sich dann zur ewigkeit, wie der punkt zur geraden (in der geometrie)
    c) für einen ewigen augenblick lang, im sinne von ewigem 'hier und jetzt' mancher mystiker


    es gibt wohl noch mehr lesarten, aber lassen wir es gut sein; für welche sich der leser entscheidet, das möchte ich ihm frei stellen; wenn das gedicht diese offenheit bietet, hab ich nichts dagegen


    gruss eule.

  17. #17
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    kehraus

    überall stehen meinungen herum. unfertig. ungeduldig. wie bockige kinder. ungezogen, hätte meine oma gesagt. und stündlich, täglich kommen neue dazu. alte kippen über den horizont und verschwinden. weil irgendwie muss ja platz werden für die neuankömmlinge. diese halbgaren fertigprodukte publizistischer schnellküche, verweht in alle windrichtungen, aufgeklaubt in den vorortezügen, s- und u-bahnen, in coffee-shops und an stehkiosken, werden sie geschlürft mit dem morgenkaffee, inhaliert mit der morgenzigarette, hinuntergewürgt mit der morgensemmel. verstopfen mägen, därme und ganglien, blühen hirne und herzen und entweichen als flatulenzen, nicht ohne anschein von pfiffigkeit. meinungen sind die opiumgaben fürs volk. gestreut wie brosamen für die tauben. damit sie kommen, zutraulich werden, fett und behäbig und ihnen zu gegebener zeit mühelos der kragen umgedreht werden kann. fasten wäre angesagt. sich enthalten wäre das gebot der stunde. nichts fressen, nichts saufen, nichts lesen, nichts hören, nichts sehen. nur kotzen und scheissen. immerhin kann ich meinungen hinaus kotzen, hinaus scheissen. was aber tu ich mit den schwieligen vorurteilen, dem geschwürigen, alten groll, dem tief im fleisch sitzenden misstrauen, was tu ich mit all den eingebrannten gewohnheiten, den eingewachsenen ängsten und der chronischen herzschwäche? wohin mit dem gerümpel aus krummen gedanken, dem bruchholz falscher schlüsse, all dem ranzigen fett erstarrter frömmigkeit? wer holt die verlassenschaften vergangener jahre ab und zahlt die hypotheken auf die zukunft? ich unterschreibe nichts, ich sage nichts, ich nehme nichts zu mir. ich verschenke alles. da habt ihr! da ein ganzer fuder voll wahrheiten, eine kiste mit liebeskummer, eine schatulle mit tränenperlen. ein stapel hasstiraden und eine kommode voll schnupftücher. garantiert vollgerotzt und ungewaschen. na, kommt nur, hier ist kehraus, putztag, flohmarkt. alles umsonst. alles garantiert umsonst! greift zu, verbrennt euch die finger, glotzt euch die augen aus den höhlen. hier ist nichts echt! keine markenware, nur schund und kitsch! kommt und grapscht, schnappt und heischt, leute! so eine gelegenheit kommt nicht wieder. hier wird ger?umt, gnadenlos und radikal. alles umsonst! alles umsonst! es muss leer werden um mich, leer und kahl. wie zwischen den sternen. zwischen den momenten. zwischen den zeilen. die zwischenzeit ist mein exil. der zwischenraum mein unterschlupf. zwischen allen stühlen sitzt es sich am besten. zwischen den zeilen schreibt es sich am leichtesten. so, habt ihr alles mitgenommen, abgeholt? dann nehm ich den rutenbesen und kehre den staub aus den dielen. blank. wie schön ist kahle wand, leerer raum, stille zeit. schöner ist nichts. nur nichts.

  18. #18
    Wolkensteiner
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    AW: kehraus

    wow! dieser text gefällt mir außerordentlich, erkenne ich mich doch als beschriebenen und beschreibenden wieder! und werde mitgerissen vom temperament!

  19. #19
    schreibt hier hin und wieder
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    fehlstart

    ein morgenrot
    ein blauer kokon
    und ein fehlstart

    manch vogel fliegt
    ins himmelsweit
    ein anderer aus dem nest
    grad in den dreck
    dem pechvogel
    fällt das nest dazu
    noch auf den kopf

    er wird den mittag
    und das abendrot
    nicht sehen

  20. #20
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    AW: fehlstart

    sind eulen eigentlich weise tiere?
    ja, sehr viele wahrheiten in diesem text. da wird sich der leser doch sehr angesprochen fühlen oder auch nicht. je nach dem.

  21. #21
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: eules gesammelte suren (restart)

    eulen sind scheue tiere. tagblind und übel beleumundet

  22. #22
    Wolkensteiner
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    AW: eules gesammelte suren (restart)

    sie können nach hinten sehen. damit gewinnen sie weisheit
    sie sehen, was im dunkel verborgen ist und versteckt wurde vor dem ersten sonnenstrahl. das sichtbare tags ist illusion. so arrangiert, als hätte es die nacht nie gegeben.

  23. #23
    schreibt hier hin und wieder
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    wer sucht, oft - ein schrecklich ende - findet

    er suchte den sinn
    davor, dahinter
    er wurde nie fündig
    vorder, hinter gründig
    da sprach er, es sei
    der sinn wohl für immer verloren
    in den äonen
    zwischen den zeiten
    sei er entglitten
    seitdem nur noch beschworen
    wie gesundheit
    von kranken geistern
    oder reichtum
    von hungerleidern
    und fortan vergass er
    das sinnen und trachten
    er widmete sich
    ganz anderen sachen
    er suchte nicht sinn
    nicht wahrheit, nicht klarheit
    er suchte all dieses
    er suchte all jenes
    er fand nur steine
    und taubes geröll
    er fand alte knochen
    auf einem gestell
    ich finde, sprach er
    jetzt ist es genug
    die beine vergrab ich
    gleich hinter dem haus
    und suchen tu ich nicht länger
    damit hör ich auf!
    er grub eine grube
    warf ein das gebein
    und schüttete zu
    mit erde den schacht
    fortan schälte er nüsse
    und schlug die laute
    er sang um elfe
    mit sirenen duette
    er schrieb auf die mauer
    endlose verse
    und trieb die schafe
    zur himmlischen tr?nke
    seine träume liess er
    von brücken stürzen
    den schlaf erschoss er
    mit donner und blitz
    am ende nahm er die klinge
    und schloss messerscharf
    die augen, den mund
    tür und tor
    und warf den schlüssel
    der meute
    vor

  24. #24
    Wolkensteiner
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    mädchenfund

    den fand ein mädchen
    klug und rein
    und drang damit
    in die erde ein
    sie öffnete damit
    tor und tür
    und netzte dem manne
    für und für
    mit ihren tränen
    die augen, den mund
    und das gebein

    gebzwei
    sagte sie
    denn kommst du nicht mit
    auf den erdoberflächlichen
    sinnlostritt
    so will ich dir bleiben
    grundwassergetreu:
    gebzwei

  25. #25
    schreibt hier hin und wieder
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    heiterkeiter

    viel verse heiten durch den reimraum
    oder keiten ohne zahl
    was lesern heiterkeit
    und kennern heiserkeit beschert

    da wahrheitet es errötend
    schönheitet es allüberall
    da lieblichkeiten antlitze um die wette
    und herzlichkeiten, dass es nur so tränt
    von anderheit bis zärtlichkeit
    eitelt es aus allen poren
    bis in unendlichkeit

    da ist es doch gescheiter
    und wahrlich heiterkeiter
    den kranz der endreimseligkeit
    zu flechten ohne heit und keit

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