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Thema: Unsere Sprachwerkstatt

  1. #26
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Wustmann

    Wustmann behauptete, Partizipialsubstantive dürften nicht Ableitungen auf -in bilden: Beamtin, Verwandtin, Beklagtin, Bekanntin, Geliebtin...

    das wird unsere gleichstellungsbeauftragt(in)e sicherlich erfreuen, so etwas zu lesen

  2. #27
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Unsere Sprachwerkstatt

    Die Rechtschreibreform ist gescheitert. Es erforderte Mut, sie zurückzunehmen. Ob hier allerdings ein Volksentscheid Klarheit bringt, darf bezweifelt werden. Man müßte klipp und klar die Logik der bis 2000 gebräuchlichen Rechtschreibung nachweisen und könnte vielleicht den einen oder anderen Kompromiß eingehen, wobei... wer schließt schon von vornherein Kompromisse?

    Uwe Grund von der Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS) stellte fest, daß deutsche Schüler heute etwa doppelt so viele Fehler machen wie vor Durchdrückung der Reform. Das mag natürlich einerseits daran liegen, daß mehr Migrantlinge deutsche Schulbänke drücken, dürfte zudem an einer zunehmenden Lesefaulheit liegen, die als Kennzeichen der Postmoderne die Kinder mehr und mehr dazu veranlaßt, Schriftsprache v.a. als Kommunikationsmittel zu gebrauchen, nicht aber als Rechtschreib-Körper zu begreifen. So etwa: Wozu korrekt schreiben, es recht doch hin, daß ich verstanden werde? (dadurch werden zuerst die Feinheiten der Sprache abgeschliffen; am Ende bleibt ein oberflächliches Verständnis des Geschriebenen auf einem niedrigen Niveau der Verständigung)
    Die Fehlerquellen liegen v.a. in den Bereichen, die reformiert wurden: ss/ß-Schreibung, Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung.
    Die Reformatoren waren angetreten, hier Vereinfachungen schaffen zu wollen. Das Gegenteil erfolgte. Es ist sehr viel schwieriger, die nicht auf Semantik beruhenden Änderungen zu verinnerlichen als etliche Regeln auswendig zu lernen, die jetzt das Regelwerk bestimmen. Ich erinnere hier an die unsäglichen Veränderungen im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung. Vor der Reform hieß es schlichtweg: wörtliche oder übertragene Bedeutung? Heute gelten uneinheitliche Befugnisse mit lassen oder gehen, wobei etliche Ausnahmebestimmungen ein heilloses Durcheinander anrichten.

  3. #28
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post AW: Unsere Sprachwerkstatt

    Liste von Johannes Dornseiff

    schlecht: nichtsdestotrotz - besser: nichtsdestoweniger
    schlecht: blauäugig - besser: naiv
    schlecht: kamen drei Menschen ums Leben - besser: kamen drei Personen ums Leben
    schlecht: Ängste - besser: Befürchtungen
    schlecht: wir danken für Ihr Verständnis - besser: wir bitten um Verständnis/Nachsicht
    schlecht: recycling - besser: Rezyklierung/Rückverwertung
    schlecht: es macht keinen Sinn - besser: es hat keinen Sinn
    schlecht: Region - besser: Gegend

  4. #29
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Unsere Sprachwerkstatt

    Wer über die Sprache dichtet, hat das Geheimnis der Sprache nicht erfaßt. Sprachkunst ist eine Folge, nicht das Wesen, das Ursprüngliche der Dichtung. Sprachkunst ist also Handwerk, aber keineswegs Seelenarbeit. Dinge, Gegenstände, Gedanken, Ideen sind es, die der Dichter zuerst wollen muß, mitzuteilen hat. Erst wenn er will, wird er auch die passende Sprache finden. Die Sprache liegt auf der Straße, man muß sie aufheben. Aber der Bückende benötigt ein MOtiv, um sich zu bücken. Das Motiv findet er in dem, was er mitzuteilen beabsichtigt, eben das, wozu Sprache gebraucht wird. Wer sich NUR auf die Sprache fixiert, der hat das Wesen des Dichtens nicht begriffen und wird oberflächlich bleiben.

  5. #30
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Unsere Sprachwerkstatt

    Ich sah da ein Interview mit Martin Walser. Er wurde gefragt...ob er denn heute anders (Herangehensweise) schreibt als früher. Er verneinte das...betonte aber, dass seine Sätze mit zunehmendem Alter immer kürzer ausfallen - begründete das mit seiner Atemluft. Die Satzlänge spiegelt seinen Atemrhythmus wider. Erst nach dem Punkt holt er wieder Luft. Da er früher relativ lange die Luft anhalten konnte...fielen auch seine Sätze relativ lang aus. Heute, mit 90, fallen sie entsprechend kurz aus. Ich fand das sehr interessant - werde künftig wohl den ein oder anderen Satz mit ganz anderen Augen lesen.

  6. #31
    Resurrector Avatar von aerolith
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    periphere Unendlichkeit

    Mußte überlegen, ob die Wortgruppe "periphere Unendlichkeit" nicht besser im Ordner "Soloecismus" aufgehoben sein würde, aber nein: sie gehört hierher.

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