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Thema: Schiller: Ur-Wallenstein (eine rekonstruktion)

  1. #26
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Retardation

    Zufall? Der vierte Akt ist nach meiner Rekonstruktion genau 500 Verse lang. Bin jetzt bei 1954 Versen.

  2. #27
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    Gesamtlänge

    Text fertig gesetzt, 2419 Verse sind es geworden.Jetzt geht es ans Nachwort, dann die Nachkontrolle, dann an die Gestaltung des Covers. Einige Vorschläge sind dazu schon gemacht. Gut.

  3. #28
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    AW: Schiller: Ur-Wallenstein (eine rekonstruktion)

    Nachwort fertig geschrieben. 2976 Wörter. Reicht.


    Probleme bei der Endkorrektur. Schiller oder einer seiner abschreibenden Diener setzt bei Vergleichen das Komma, wo nach Duden-Regel 422 keines hinkömmt. Ich tilge diese Kommas. Außerdem neigt Schiller dazu, den Dativ einfach abzuschneiden

    DEM BAUER statt dem Bauern

    Mir ist auch schleierhaft, wann Imperative, wann Aussagen formal angezeigt werden müssen. Ich habe es einfach immer auch einen Imperativ sein lassen, wenn das Wort so gebeugt wurde, also haufenweise Ausrufezeichen gesetzt.
    Allein im Vorspiel mußte ich so 18 orthographische Änderungen gegenüber der Handschrift vornehmen.
    Uhlanen behielt ich bei, setzte hier aber eine erklärende Fußnote.

    Ich befürchte, daß immer noch Fehler im Vorspiel sind. Aber irgendwann ist gut.

  4. #29
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    ihre Armeen

    Als Seine Maje#t?t
    Der Kai#er ihren mutigen Armeen
    Ein ruhmgekröntes, kriegserfahrnes Haupt
    Ge#chenkt in der Per#on des Herzogs Friedland,
    Ge#chah's in froher Zuver#icht, das Glück
    Des Krieges #chnell und gün#tig umzuwenden.



    Was soll ich denn von diesem Konstrukt denken? Als Seine Majestät - ist klar, Seine großgeschrieben ist der majestatis pluralis. Aber worauf bezieht sich IHREN ARMEEN kleingeschrieben? Muß es nicht heißen Seinen Armeen oder Ihren Armeen, dann auf Wallenstein/Gesprächspartner gemünzt? Und wenn ihren auf den Kaiser gemünzt sein soll, dann ist da auch eine grammatikalische Schieflage, Anrede und dann erst die eigentliche Zuweisung durch IHRE? Quatsch. Ich gebe zu, daß ich hier nicht weiter weiß? Weiß jemand weiter?

  5. #30
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    ihre Armeen

    Ich will ja nicht die eigene Lektoratsleistung bemäkeln, aber aber...


    Nach der ersten Endkontrolle fanden sich

    Vorspiel: 18 Fehler
    Akt I: 35 Fehler
    Akt II: 31 Fehler
    Akt III: 24 Fehler
    Akt IV: 37 Fehler
    Akt V: bin noch dabei

    Vergaß ich zu erwähnen, daß ich das Nachwort völlig umkrempelte?

    Das bedeutet, daß meine These: "Kein Buch ist fehlerfrei!" höchstwahrscheinlich auch auf meinen Ur-Wallenstein zutrifft. Sollte ich es noch einmal endkorrigieren - und dann noch einmal endkorrigieren?

  6. #31
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    ihre Armeen

    erledigt


    141 Seiten sind es geworden

    im V. Akt fanden sich noch einmal 53 (!) Fehler

    jetzt warte ich auf das okay des fachwissenschaftlers, dann wird gedruckt

    vorbestellungen können bei sandra@vonwolkenstein.de abgegeben werden. für wolkensteiner gibt es das buch für 30 euronen, inclusive versand; im handel wird es 39 euronen kosten

    ich glaube, ich bin heute ziemlich stolz

  7. #32
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    Eselreiter

    schiller auf einem esel


  8. #33
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    AW: Schiller: Ur-Wallenstein (eine rekonstruktion)

    2007 brachte drei Aufnahmen Wallensteins an großen deutschen Bühnen: Leipzig, Berlin und Wien. Nirgendwo wurde sein Charakter in den Mittelpunkt gestellt. Die entscheidenden Aspekte spielten Modernismen oder politische Gegenwartsbezüge. Man ergötzte sich an greller Kleidung, schnoddrig vorgebrachter Klassikdepravation oder technischen Details eines meist karg gehaltenen Bühnenbilds.
    Etikettenschwindel.
    Schillers größte tragische Figur hat das nicht verdient. Deutschlands wohl bekanntester Feldherr (neben Hindenburg und Rommel) auch nicht. Daß Wallenstein in seinem Zaudern deutsche Größe und Tragik aufs entschiedenste verkörpert, dieses Lauern im Sichzeigen, dieses Spiele mit Möglichkeiten, um es dann doch nicht zu tun und zu passivieren, dieses Kokettieren mit der Macht, um dann doch in kleinbürgerlicher Selbstbeschauung enden zu wollen... Das kennzeichnet Schillers Wallenstein. Ob es dem historischen gerecht wird, mag dahingestellt sein. Doch wer "Wallenstein" aufführt, der hat sich an Schillers Intentionen zu halten, ohne die sein Stück zerstört wird. Dann, bitte schön, möge man doch einen neuen "Wallenstein" konzipieren und dem Volke zeigen.

  9. #34
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    AW: Schiller: Ur-Wallenstein (eine rekonstruktion)

    theo modes schrieb 1930 in leipzig eine dissertation zum thema. habe sie mir besorgt und werde sie prüfen.

  10. #35
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    AW: Schiller: Ur-Wallenstein (eine rekonstruktion)

    Habe den verloren geglaubten zweiten Ordner zum Wallenstein gefunden und heute eingefügt. Freue mich sehrlichst! Itzo ist das hier vollständig. Werde eine zweite Auflage des Buches in diesem Jahr veranlassen. Ein erfolgreiches Projekt!

  11. #36
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    AW: Schiller: Ur-Wallenstein (eine rekonstruktion)

    Gedanken zu einem Vortrag von Stephan Jaeger, Winnipeg, gehalten bei einem Colloquium in Leipzig 2015.

    Jaeger behauptete, Schillers "Wallenstein" stünde nicht in der Zeit, wohl aber sein historisches Vorbild, der Mensch Wallenstein. Dieses Paradox führe dazu, daß man den Text als ein Kunstprodukt auffassen müsse, um Schillers Intentionen zu erfassen. Schiller konfrontiere seine Helden mit ihrer Zeitlichkeit, zugleich aber handelten seine Figuren als historische Gestalten. Dieses paradoxe Herangehen führe u.a. dazu, daß die drei Teile unterschiedliche Tempi besäßen. Der Epiker in Schiller neige dazu, das Vergangene lang und breit wiederzugeben. Der Dramatiker dagegen strecke diese Angaben gern zugunsten sich zuspitzender Handlung. Er bevorzuge die (Erzähl)-Gegenwart. Wallenstein stünde somit zwischen Hamlet (der ewige Zauderer) und Godot (das Warten der Lebendigen auf den Tod). Das entspräche der zu konstatierenden Krise des Theaters um 1800, die durch zaudernde, wartende Helden gekennzeichnet sei, die den epischen Raum zerdehnen und ein unsichtbares Theater erzeugen, wie es u.a. in Goethes Vorwurf an Kleist offenbar wurde, der eben dessen Schaffung des unsichtbaren Theaters kritisierte. Das Nichthandeln - was ist das?: das Zaudern, das Zögern, das Aussitzen - muß demnach ein Handlungsmuster des nachklassischen Theaters sein, könnte man schlußfolgern.
    Aber weiter im Text des Vortrages von Herrn Jaeger: Das Zaudern Wallensteins erklärt der Vortragende als eine Folge der Fokussierung seines Umfeldes auf eben den Generallisimus, als einen Funktuationspunkt der vielfältigen individuellen, aber keineswegs nationalen Interessen der aushämischen Unterfeldherren Terzky, Gordon oder Piccolomini. Wallenstein habe darauf gebaut, als er sich mehr und mehr in dem Gedanken der Rebellion gefiel, will heißen, als er sich selber zum König, vielleicht sogar zum Kaiser zu machen dünkt. Das sei ein kurzsichtiger Plan gewesen, dessen factum est das Warten, gespeist von der Erwartung, d.i. das providere, das Sehen eines Künftigen vor dem geistigen Auge.
    Gut.
    Der Schriftsteller habe keine Freude an einem Erwarter, es sei denn, dieser würde aktiv. Er eigne sich die Geschichte episch an, denn Geschichte könne nur als Geschichtetes, als Sichüberlagerndes zu begreifen sein. Diese Zusammenhänge in einen dramatischen Text zu binden, das mußte Schillers Interesse wecken. Der Dramatiker stellt Handlung vors geistige Auge, das dann weiterdenkt, weiter jedenfalls als es jede historische Darstellung vermag.

    Der Titelheld binde seine Soldaten, wie ausführlich in "Wallensteins Lager" dargelegt, durch gegenseitige Vorteile an sich, was keine labile Situation sei, solange Wallenstein lebe.

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