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Thema: ein raum in einem raum in einem raum

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post ein raum in einem raum in einem raum

    für p.h.

    früher oder später
    weisen uhrzeiger
    in alle richtungen
    himmelwärts
    schwebt kreis um kreis-
    runder lichtreflex
    von einem glas
    sagt paul:
    "unendlich viel ist
    gegeben damit -
    all das, ohne was
    es nicht sein kann."

    hier ein tropfender wasserhahn.
    dort das summen einer fliege.
    in der ferne das gelächter
    einer toten kuh.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    Zu DDR-Zeiten gab es den - obgleich politisch determiniert - Ausdruck "friedliche Koexistenz". Gemeint war eigentlich etwas recht Kriegerisches, nämlich die Unabdingbarkeit unvereinbarer Gegensätze, die sich nur in ihrem Gegensatz begreifen, weil sie eben gezwungen sind, in einem Überschaubaren miteinander auszukommen. Das ist die Unteilbarkeit des Raumes. Ein circulum vitiosis. Man muß. Tja, muß man?

    Es ist doch so leicht, die Grenzen der gegenseitigen Wahrnehmung zu verschieben.

    Das könnte hier ein schöner Ordner werden, wenn wir es zulassen, die eigenen Grenzen als inexistent zu betrachten, die hermeneutischen und die dem freien Willen entstammenden.

  3. #3
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    was will er uns damit sagen, der aerolith?
    Grenzen verschieben, Grenzen als inexistent betrachten und dann? Dann bauen wir uns ein hermeneutisches Chaos in einem Raum, der nicht mehr greifbar ist, weil wir seine Grenzen, seine Wände, einstürzen lassen?...
    Koexistenz ist auch das, was im Gedicht zur Sprache kommt. Etwas kann ohne das andere nicht sein, es braucht Dinge, damit andere Dinge existieren...
    Braucht es dann nicht auch Grenzen, um die Dinge existieren zu lassen? Ohne Grenzen wären sie wie ein fl?chtiges Gas.
    Zu philosophisch, der Ansatz?
    __________________
    Sandra

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    lieber Jones,
    so sehr mir die konzentrischen räume gefallen, so sehr abtörnend ist die lachende tote kuh. also wirklich, da gefällt mir gleich gar nix mehr.

    die grenzdiskussion ist hochinteressant. Sandra sagt, ohne grenzen chaos, weil die existenz sich nur an der grenze zur andern existenz erweisen kann.
    Aerolith sagt, man könne die grenzen der gegenseitigen wahrnehmung leicht verschieben, auch im geschlossenen raum, so man denn die grenzen als inexistent betrachte.

    aber was sind die grenzen anderes als die konturen der ränder?
    sind diese ausschlaggebend? ich denke, bestimmend sind die kerne, die jeweiligen zentren. wie deren kraft an den rändern ausläuft, ob dort scharfe grenzen sind oder ein ineinanderverlaufen der wesensfarben, das verändert die existenz der kerne nicht. es ist fast wie eine kurze geschichte der malerei: die konturengetreue ist zwar auf den ersten blick klar, läßt aber manchmal den kern vermissen oder vor lauter konturen unsichtbar.
    die topisch am kern ausgerichtete (aus einem porträt oder einer zeichnung springen nur die augen, der mund hervor beispielsweise) erfaßt das wesen manchmal besser. wieviel kern muß ich zeigen zur einigermaßen gelungenen wahrnehmung? wo sehe ich den kern besser: gefangen in rändern oder zentristisch frei?

    und noch eines: ist der raum als geschlossen anzunehmen, wenn auch in konzentrischen - tja - schachteln oder kreisen? - so sind nur eine begrenzte anzahl raumverdrängender existenzen möglich.
    blicke ich immer nur auf die konturen, die selbst- oder fremdbestimmten ränder, sind immer weniger existenzen möglich, weil der raum zu knapp wird, jede existenz die tendenz zu möglichst weiten radien aufweist. bin ich als betrachter aber in der lage, die grenzen zugunsten der kerne ineinanderfließen zu lassen, sie also kernnah zu verschieben, passen - kern an kern - sehrsehrviel meer existenzen auch in den geschlossenen raum. er kann angereichert werden und weist dann eine große dichte auf. also: dichter! zusammenrücken!

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    das gedicht hat wohl einen philosphischen anspruch. deshalb klingt hier das gelächter einer toten kuh vielleicht etwas komisch. wie wärs mit dem gelächter eines toten engels?

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    ich gebe deine frage, patina, vorderhand mal, neugierig wie ich bin, einfach weiter an die nächste oder den nächsten...

  7. #7
    Moderator
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    Das gelächter einer toten kuh ist genauso unfaßbar, ungreifbar, unmöglich wie zeit, licht, sein im gedicht und es paßt, weil es dieses gefühl von "absurder merkwürdigkeit" hervorruft, eben wo man denkt: was ist das denn???...verständlich?...wahrscheinlich so unverständlich wie das gelächter einer toten kuh, womit wir uns dann uneendlich im kreis drehen könnten...
    __________________
    Sandra

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    verendende kühe schreien: das echo davon klingt wie gelächter dann: unterdessen ist die kuh aber tot: also gelächter einer toten kuh.

    wer hat noch nicht, wer will nochmal was weiteres sagen? tut mich immer freuen.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    ich kanns dir nichtmal genau erklären. ich seh die großäugige juno tot und lachend. und entsetzt mich. ich seh auch keinen grund für dieses bild. der wasserhahn, die fliege - auch nicht schlüssig, aber nagut. irgendwie. ich glaub, mich stört die abwertende bewegung in der aufzählung und zuletzt der rausgeschrieene schmerz. das ist wohl sehr gut gemacht, aber es freut mich nicht. ja, so vielleicht, kann ichs sagen. mein schönheitsdurst wird nicht gelöscht

    sehr viel interessanter finde ich deine frage nach einem auditiven weltbild. kannst da mal ein essay versuchen? denn während man falsche töne nicht sieht, kann man sie sehr wohl hören, wäre also mit schwerpunkt darauf eine gedankenlesung eher möglich, damit keine falschheit und lüge der welt, also möglicherweise eine abkürzung der welterkenntnis. oder kann das ohr täuschen wie das aug? setzt sich nicht erst im gehirn egal welches sinnesorgan vermittelt, die beurteilung subjektiv zusammen?
    verstandest du wasserhahn, fliege und kuhlachen rein gehörsmäßig?


    stimmt - so komme ich dem näher nur die letzte distanz kann ich auch so nicht überwinden, weil ich mir das geräusch lachend/sterbend/kuh einfach nicht vorstellen kann. da fehlt mir ein relais

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    zugegeben, die tote kuh hat schon was entsetzliches, insbesondere wenn sie lacht, da schaudert mich auch davor. aber was will ich: muss so sein.
    als relais empfehl ich, und flick ich rein noch: kaum wahrnehmbar. und zwar in klammern:

    in der ferne (kaum wahrnehmbar)
    das gelächter einer toten kuh.

    ist wichtig, dem gedicht wichtig, dass eine und diese grenze überschritten wird zum schluss, gehts auch richtung abramakabra, was solls. die schönheitsdrinks schenken zurzeit eh andere aus.

    hey, und leider muss ich dich vorläufig enttäuschen, was den essayversuch anbelangt. die frage ist spannend, denk ich und ahne dabei aufschlussreiches, klar, aber. wirklich aufschlussreich dürfte es erst in zusammenarbeit mit einem blinden werden, und ein solcher kontakt fehlt mir zurzeit. für deine immer klugen ansätze, die ich mitnehmen werde jedenfalls, bin ich aber so oder so dankbar. regst meine gehirnzellen an.

    danke für deine zeilen, meine liebe.

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    du regst meine gehirnzellen an, lieber Jones! die idee einer tönernen welt ist aufregend und man muß nicht blind sein, um sie wahrzunehmen.

    und von dir wird laufend schönheit an mich ausgegeben. damit das klar ist. auch dich lese ich der schönheit wegen und weil du zusätzlich strukturierst, was dann auch den drive in mein hirn findet, nicht nur ins herz. schönheit ist wie liebe unendlich oder gar nicht. da gibts kein mehr oder weniger: sie ist oder nicht und teilt sich in verschiedenes. je mehr sie ist, umso mehr teilt sie sich auf ohne daß sie irgendwo weniger wird. aber das weißt du ja längst, grenzensprenger es sind immer die verschiedenen töne, die man zu verschiedenen zeiten braucht. und kein ton ersetzt ein orchester und kein ich ersetzt einem anderen die welt.
    und kein orchester ersetzt einen fehlenden ton und keine welt ein fehlendes ich.
    wir brauchen also auch die lachende sterbende kuh - irgendwie hast du da schon recht. vielleicht ists auch die ferne (kaum wahrnehmbar), die diesen ton so traurig macht. doch - an deiner hand find ich hin. findet mich das gedicht

  12. #12
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    Also ich hab bei der lachenden toten Kuh an BSE gedacht: mad cow disease.

  13. #13
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    so itzt hat sichs gesetzt.
    kann ich was sagen dadazu, nämlich oui, oui das gefällt mich!
    sehr sogar, weils mir so nah kömmt - gänslich abgesehen mal davon, daß da einer paul heißen tut, das nehm ich neutral als "zufall", schließlich heißter p.h..
    ich mag die in alle richtung rotierenden uhrzeiger wie auch den satz, den jener paul kundet - ohne glas keine reflexion, ohne licht keine schatten - das ist schön, wie alles doch in abhängigkeit voneinander funktioniert, wobei fubktioniert ein unschönes wort ist, nehmen wir besteht, entsteht, vergeht... -
    das gelächter der toten kuh gefällt mir doll!
    schade, mista, daß du dich da so zu erklärungen hinreißen lässt... - mir hätte der satz so egnügt. er ist kraftvoll, strotzt und trotzt - beinahe hingerotzt im sinne von, nun liebes leserlein: eat this - take that...;-)
    und dann bleibter zurück, es regnet und ist kalt -
    derweil die kuh immer noch keckert... .
    wohlan!

  14. #14
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    AW: ein raum in einem raum in einem raum

    In der Tat schaden Erklärungen zuweilen dem Lesegenuß. Pardautz. Und daß sich aus einem Toten etwas Lebendiges will entwickeln wollen, wenn man ihm nur die Zeit gibt, zurückzukommen - in dem Falle zu schallen -, das will mir Romantiker schon erst recht einleuchten. Ist es nicht oft genug so, daß wir in Totem herumstochern, um dann festzustellen, daß es noch lebt? Ist nicht jeder Blick in den Sternenhimmel eine Erinnerung daran, daß Totes lebt resp. Leben erwecken kann. Was ist der Tod anderes als eine Erinnerung! Ja, Ausrufezeichen.

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