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Thema: Meine Lieblingsgedichte

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Meine Lieblingsgedichte

    Mein Lieblingsgedicht stammt von Eichendorff, es heißt

    Klage

    Du warst so herrlich anzuschauen,
    So kühn und wild und doch so lieb;
    Dir mußt ich Leib und Seel vertrauen,
    Ich mochte nichts, was meine blieb.
    Da hast du, Falscher, mich verlassen
    Und Blumen, Lust und Frühlingsschein,
    Die ganze Welt sah ich erblassen,
    Ach, Gott, wie bin ich nun allein. -

    Wohl jahrlang schaut ich von den Höhen
    Und grüßte dich vieltausendmal,
    Und unten sah ich viele gehen,
    Doch du erschienst nicht in dem Tal.
    Und mancher Lenz mit bunten Scherzen
    Kam und verflog im lust'gen Lauf;
    Doch ach! in dem betrognen Herzen
    Geht niemals mehr der Frühling auf.

    Ein Kränzlein trag ich nun im Haare,
    In reichen Kleidern, schön geschmückt,
    Führt mich ein andrer zum Altare;
    Die Eltern sind so tief (hoch?) beglückt -
    Und fröhlich kann ich mich wohl zeigen,
    Die Sonne hell wie damals scheint,
    Und vor dem Jauchzen und dem Geigen
    Hört niemand (keiner?), wie die Braut still weint.

    Die Frühlingslieder neu beginnen,
    Du kehrst nach manchem Jahr zurück -
    Und stehest still, dich zu besinnen,
    Wie auf ein längstvergangnes Glück.
    Doch wüste (wüstverwachsen) liegt der (schöne) Garten,
    Das Haus steht lange öd (still) und leer,
    Kein Blick (Lieb) will dein am Fenster warten
    Und mich (dich) und dich (mich) kennt niemand mehr.

    Doch eine Lerche siehst du steigen
    Vom Tal zum blauen Himmelsport;
    Ein Bächlein rauschet dort (da) so eigen,
    Als weinte es in einem fort. -
    Dort haben sie mich hingetragen,
    Bedeckten mir mit Stein den Mund,
    Nun kann ich dir nicht einmal sagen -
    Wie ich dich liebt' aus Herzensgrund.


    Dieser Text hat eine seltsame und andauernde Wirkung auf mich. Er erweckt Sehnsucht - und Sehnsucht ist es, die mich antreibt. Der Text wirkt also wie ein Dosenöffner. Ich war so frei und habe die Interpunktion der Logik unterworfen, also ändern müssen.

    Anmerkung: Ich habe den Text anhand meiner Eichendorff-Ausgabe und des im Netz vorliegenden Textes rekonstruiert resp. in Klammern geeignetere Versionen eingestellt. Der text ist unter zwei Titeln auffindbar: "Klage" oder "Die weinende Braut".

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
    Mein Lieblingsgedicht stammt von Eichendorff, es heißt
    "Die weinende Braut"

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
    Ich war so frei und habe die Interpunktion der Logik unterworfen, also ändern müssen.
    Logik..
    Auch einige Wörter, die Gliederung und den Titel? Ich kapier das nicht.
    Gruß

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Meine Lieblingsgedichte

    Dichter werden mit ihren Werken nie fertig. Obiger Text und Titel stammen von einer Seite im Netz, die etliche Eichendorff-Texte versammelt. In meiner Ausgabe von 1962 (Aufbau Verlag Bärlin) steht der Text anders als auf der Netzseite. Ich habe die meiner Meinung nach besseren Lösungen in Klammern gestellt, wobei das nicht immer eindeutig besser ist. Aber, ist das nicht schön? Auch an den Klassikern läßt sich arbeiten!

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Meine Lieblingsgedichte

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
    Dichter werden mit ihren Werken nie fertig.
    Stimmt, ich habe ihn gerade angerufen und mich rückversichert; tatsächlich, er arbeitet immer noch daran!

    Eines ist sicher, dieser Text heißt "Die weinende Braut", was ja auch im Text sehr deutlich wird.
    http://kalliope-verbund.info/de/ead?...611-HS-2316737


    Es gibt im "Netz" gleich mehrere total verstümmelte Eichendorff-Texte, die "Klage" heißen, warum auch immer .. "schön" finde ich daran überhaupt nichts, ganz im Gegenteil.

    Atemübungen machend, Richard

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Meine Lieblingsgedichte

    Keine Antwort, aha.

    Was rege ich mich auf, mir kann es auch egal sein, es ist Deine Seite. Ich finde es nur schlichtweg grotesk, als Historiker und Verlagsinhaber deutsches Kulturgut dermaßen verfälscht darzubieten. Seriös ist das nicht. Meine Meinung.

    Zur Erinnerung:

    "Lubowitz [vermutlich], 1814 [undatiert (2. Jahreshälfte 1814?); Datierung folgt Edition (siehe Editionshinweis!)]. - 1 S.. - Deutsch ; Lyrik ; Reinschrift; nur 1. Strophe; von einem Blatt abgeschnittener Papierstreifen, woraus am Versbeginn ein Textverlust von je etwa einem Wort resultiert (Incipit: "...st so herrlich anzuschauen...") ; Handschrift
    Benutzbar - Verfügbar, am Standort"

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Meine Lieblingsgedichte

    Verfälscht... ich sagte doch oben, daß die Texte nichts Endgültiges besitzen. Eichendorff hat zu Lebzeiten keine Werkausgabe erstellt/autorisiert (so was gab es sowieso nicht, denn das Copyright und dergleichen sind Erfindungen späterer Tage), wohl aber hatter mehrere Versionen auch dieses Textes hinterlassen. Die von Dir angezeigte Version von 1814 gilt wohl als letzte bekannte Version, aber streiten würde ich mich deswegen nicht. Vielleicht findet dereinstmalen jemand eine spätere. Gilt die dann als in Stein gemeißelt? Oder vielelicht hat Eichendorff kurz vor seinem Tode (1859!) festgestellt, daß die Version von 1807 doch besser war... never ending story. Das Werk unserer Klassiker ist offen und deren Texte sind nicht in Stein gemeißelt. Sie selbst legten sehr gern Hand an ihre Werke, man denke nur an die Theaterbearbeitungen Schillers, Goethes u.a. Man denke nur daran, daß Goethe zuweilen angebotene Fünfakter schlichtweg zu Einaktern machte (Kleist weiß ein Lied davon zu singen), was völlig normal war. Ich lebe in diesen Texten, wirf mir also nicht "Verfälschung" vor. Zudem stehen in Klammern entsprechende Variationen. Abgesehen davon betreibe ich hier kein Seminar und keine Anbetungshalle, bin kein Dogmatiker, sondern Arbeiter am Wortwerk. Alle hier eingestellten texte sind Vorgaben, um sich daran abzuarbeiten und neue Gedanken, Inhalte oder auch Formalien zu diskutieren.

    anderer Beispielordner zum Umgang mit Texten von Klassikern

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