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Thema: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

  1. #26
    Tochter aus gutem Hause
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    Aubade (Philip Larkin)

    Philip Larkin, Aubade
    (version eingestellt von Omar, 4w.; übersetzt. von mir)


    Morgenelegie


    Tags nur Arbeit. Nachts halbbetrunken flennen.
    Erwach ich früh um vier in totenstilles Dunkel. Starre - hinein.
    Zu seiner Zeit brennt Licht sich in die Ränder meines Vorhangs ein.
    Bis dahin kann ich wirklich ewig Dasein als real erkennen:
    Dich Tod, der jetzt schon auf mich wartet einen ganzen Tag weniger Nie.
    Die anderen Gedanken all verdrängend, nur das Wie
    Das Wo, das Wann ich sterben werde.
    Nacktes Verhör: schon die Drohung des Sterbens an mich
    Und dann wirklich tot zu sein: Ich
    Blitzt frisch auf, will ausgehalten und durchgefürchtet sein: ich sterbe.

    Nackt liegt die Seele frei dem klaren Blick. Nicht Reue ist
    ... die unterlassne gute Tat, die nichtempfundne Liebe, Zeit
    Die ungenutzt vertan - keine Zerknirschung an der Seele frißt
    Ein Nurein!Leben kann so lange brauchen, bis es sich befreit
    Aus falschem Anfang. Manchmal glückt das nie
    Oder nur soweit, daß mit dieser Freiheit die totale Leere endlos sich hinzieht.
    So sicher diese Auslöschung, der wir entgegenreisen
    Ins Immer dort verloren gehn. Nicht Hier zu sein
    Im Nirgendwo zu sein.
    Und das schon bald. Nichts Schrecklicher, nichts Wahrer zu beweisen.

    Diese Angst, diese, hat ihr eigenes spezifisches Gewicht.
    Kein Trick befreit von ihr. Guter Versuch, mehr nicht, schon immer Religion,
    Dies weit maulsperrenoffene Soubretten- und Brokatgesicht
    Extra erfunden zur Unsterblichkeits-Illusion
    Und seltsames Gedankengut: Kein Rationalist
    Könne dort fürchten, wo er weder fühlt noch sieht, was ist
    Doch fürchten wir gerade das: kein Bild, kein Ton
    Keine Berührung, kein Geschmack, kein Duft, kein Denkgedanken
    Kein Etwas, es zu lieben und darin zu ankern
    Das reine Sinnennichts. Und keiner je entflohn.

    So bleibt die Angst präzise an den Rändern der Vision
    Als kleine unbestimmbare Blessur, als stete Not
    Die jedem Antrieb Unentschlossenheit bestimmt. Zeitlupendimension.
    So bleibt das Meiste unereignet - nicht jedoch die sichre Zukunft Tod
    Ereignet er sich auch nur vorgestellt, wirft er uns in den Feuerofen Angst
    Wenn du nicht grad an Menschen oder an der Flasche hängend bangst
    Mut ist hier ohnehin nicht sehr gefragt
    Außer die Andern nicht zu sehr damit zu schrecken. Tapfer sein
    Führt keinen weg vom Grab. Führt ganz genauso dort hinein:
    Der Tod ist doch der gleiche, ob man ihn bejaht, ob hadernd widersagt.

    Langsam erstarkt das Licht. Der Raum gewinnt Gestalt.
    Und wie ein Schrank ersteht vor uns Gewußtes.
    Das immer schon Gewußte: daß wir nicht entkommen werden dieser Urgewalt
    Doch nehm ich sie im Jetzt nicht an. Du Tod wirst gehen müssen. Für dies Heute. Mußtest.
    Indessen sind die Telefone zu ihrem Tagesdienstgeläut erwacht
    In wieder offenen Büros. Dermaßen lieblos ohne Acht
    Steht die vertrackte, uns doch nur gemietete, Welt auf.
    Der Himmel schlohweiß. Eine Sonne nicht.
    Der Trumpf der Arbeit sticht.
    Und wie Rezepte bringt man Post von Haus zu Haus.

  2. #27
    Tochter aus gutem Hause
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    schattenkörper

    vielen engeln schon riß ich
    die dahinterliegende fratze frei
    und wir rangen die ganze nacht
    bis zum morgengrauen
    die schattenkörper ineinander
    verschlungen bis zur erschöpfung
    die energien wie blitze ausgefahren
    ineinandergetaucht die kopfschmelzen
    und nur durch den gegenseitigen segen
    ließen wir ab von uns
    uns zu trennen zur wiederkehr

    hier aber ist kein engel
    niemand trägt uns, wenn nicht wir
    niemand rät dir, wenn nicht du
    ich aber bleibe dir. hier

    soll über uns das unheil zusammenbrechen
    wir graben uns aus, wir schaufeln uns frei
    alle ketten sprengen wir. ich dir. du mir
    so laß uns verweilen ... träumend ... wir

  3. #28
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    kämpferisch bis zum letzten.
    danach das verweilen dem "wir" im "wir"...

    ist und bleibt ein wunderbarer ordner, das. susanna.

  4. #29
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    Drei

    danke, lieber Jones


    w.b.yeats: three things
    (übertragung "kicher")


    Drei!



    "Tod Grausam! Drei schuldest Du mir in retour",
    So sang am Strand ein Knochenkind
    "Erstens, was ein Kind kann vermissen nur
    An tobendem Spiel und an Ruhelust
    Denn all das fands reichlich in meiner Brust."
    Korrodiert von Wellen, weißgetrocknet im Wind.

    "Von drein das Zweite, wovon Frauen wissen"
    So sang am Strand ein Knochenkind
    "Als mein Körper noch lebendig in zerwühlten Kissen
    Einem Mann alle Erfüllung im Leben bot
    Nur weil ich ihn an mich hielt so gut."
    Korrodiert von Wellen, weißgetrocknet im Wind.

    "Drittletztens und daran denke ich jetzt"
    So sang am Strand ein Knochenkind
    "Diesen Morgen, als Gesicht von Gesicht besetzt
    Ich den Mann traf, Meinen, den richtigen Dieb
    Und danach mich legte und gähnte und schlief."
    Korrodiert von Wellen, weißgetrocknet im Wind.

  5. #30
    Tochter aus gutem Hause
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    adrian florez

    recuerdo aquella vez que yo te conoc -
    recuerdo aquella tarde, pero no me acuerdo ni como te v -
    pero si te dir - que yo m'enamor -
    d'esos tus lindos ojos y tus lavios rojos que n'olvidar -
    oye'sta cancion que lleva
    alma corazon y vida
    estas tres cositas nada mas te doy
    porque no tengo fortuna
    estas tres cosas te ofrezco
    alma corazon y vida y nada mas
    alma para conquistarte
    corazon para quererte
    y vida para vivirla junto a t -
    (adrian florez)
    ich weiß noch, wie es war, als ich dich erstmals sah
    genau weiß ich den abend noch,
    doch wie es war, wie ich dich sah,
    ist nicht mehr da -
    doch wenn ich dir gesagt,
    verliebt ich so erlag
    den hellen augen und
    den roten lippen
    das ist immer da
    höre dieses lied will geben
    seele, herz und leben
    nur drei kleinigkeiten
    biet ich und sonst nichts
    habe ich doch kein vermögen
    kann ich nur drei dinge geben
    seele, herz und leben
    und sonst nichts
    seele um dich zu erobern
    herz um dich damit zu lieben
    und leben es zu leben
    neben dir



    ----------------------------------

  6. #31
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    tango

    tango

    ich steh.
    du stehst.

    mein schritt.
    dein schritt.

    dein arm
    packt zu.
    reisst an dich dann mich:
    an die wang!

    ein sinnlich sang
    ein drück, ein schnauf
    ein ocho-lauf

    schenkelmang
    den meinen entlang
    mein deinem empor:

    du hörst chor!

    zwei in den knien
    vom schieber geliehn
    schieben dahin

    zurück
    gebogen
    zwischen brüste
    gelogen
    tief eingesogen
    augengewogen

    wie-
    genschritte
    streng-
    e blicke

    aneinandergepresst
    zuckungsfest
    rosennest

    und zwischen zähnen halten beide wir die rose
    zwischen den beinen ahnen bebend wir uns lose
    du gegen mich, ich gegen dich, wir gegen ander
    schieben wir glücklich tango tanzend uns einander

    uns bilden spielbein und gebrüst horizontale
    gehst ganz frontal mit verve ins perivaginale
    und diese wiege sieht man öfter noch im saale
    als gäb es mehr noch von der sorte Masque de Baale

    dann
    ganz lang-
    sam an
    der wand lang
    tan-
    zen körper
    fran-
    sen hände
    spre-
    chen bände

    haut
    gedrücke
    lust
    entzücke
    strenge blicke

    seitenweise
    einander
    gelegt
    tiefer
    gedehnt
    geschlechter
    gesehnt

    abgelehnt!

    fort-
    stoß arme

    ein-
    zelschritte aus

    der mitte:
    un
    bekannte -

    tanzverbrannte!

  7. #32
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    tango II

    Ich halte meine Brust an deine
    So dass mein Lilienherz durch deins geführt
    Die Wange halt ich an der deinen
    So dass mein Aug dich nicht berührt
    Verführt

    Die Achse halt ich bis zum Becken
    So dass der Rumpf stabilisiert
    Lilienbegierde lass uns wecken
    Bauch, Beine bleiben isoliert
    Geführt

    Die Erde bildet mit den Beinen
    Ein Dreieck bis zum Rumpf quadriert
    Verzögert, mit Synkopen einen
    Sich Brustkreise und Fußgeviert
    Perfektioniert

    Ich herzenswarte, gegenwarte
    Dass dein Impuls in meinen Schritt
    Sich drängt, dort zündet, und ich starte
    Eingleisig zweispuriger Tritt
    Fast Ritt

    Ich horche, gegenwartend offen
    Dir durch die rechte Blätterhand entgegen
    Mein linker Arm darf Rosen hoffen
    Umfasst dir Schulter, Hals, verwegen
    Dir aufgelegt und abgelegen

    In wie vielen Gärten tanzten wir schon so
    Zu Lilienzeiten, unsrer nicht bewusst
    Dass es dich wirklich gibt verwundert so
    Zur Rosenzeit - ihrem - Du musst! -
    Hab ich's gewusst

    Du riechst so gut an Wange, Hals und Ohr
    Ich atme dich ganz in den Bauch hinein
    Dein Herzschlag steigt zu meiner Stirn empor
    Die Hand von dir haucht mir dein Siegel ein
    Kein Nein

    Die Körper lügen nicht, hast du gesagt
    Sie drehen sich in langen Achtern hin
    Einander zu. Und nehmen wohlgefällig Maß
    Dass Brust an Brust ich dir zu halten bin
    Und auch darin

  8. #33
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    stürmische passage

    stürmische passage


    wo bist du
    es peitschen
    die hagelböen
    spitze kristalle
    und geschosshart
    kugeln
    ich sacke
    ins luftloch
    und wirble
    ins hoch
    und kann dich
    nicht sehn
    schwarz ists
    und gelbbraun
    und flügelweh
    geworfen
    getobt und
    geblitzt
    vom schnee
    und drohend
    gedröhn
    und blitzend
    blitz
    wo bist du
    getroffen
    seh ich
    nix

    da ...

    die letzte
    schwarze wolkensäule
    huiiii -

    ich bin durch!

    sie trägt
    die luft
    zerzaust
    und nass klebt ihr
    der flügel an
    und liegt fest auf
    noch alles dran

    nass glänzt die welt auch unter mir -
    ich fühl dich schon. ja - du bist hier -
    jetzt seh ich dich -
    gebeutelt du
    auch du
    im adlerhort

    schon sitz ich dort
    ganz ruhig neben dir
    ist sanftes Still
    ich will
    nur ruhen

    bis der herzschlag ruhig
    gleichmäßig pocht
    im gleichen takt
    mit dir

    auf nackter Seelenhaut
    ganz ohne wort vertraut
    ich dir
    du mir

    im takt
    expressiv
    nimmt ein rhythmus
    besitz
    unterwirft sich
    zwei menschen

  9. #34
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    und als die untergegangene Tote
    nur noch ein tropfen ward
    an der wiegenden brust der see
    da roch ihm der tang ganz wundergrün
    und ihm tat etwas weh

  10. #35
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    kreis von metapher

    kreis
    von metapher

    es tut weh
    dein adieu
    und doch gut
    dein mut
    offenen blicks
    sehn wir uns gehn
    keiner
    bleibt stehn
    wir winken noch

    bis wir rücken
    an rücken
    zusammenprallen

  11. #36
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    und wieder
    hinter der stirn
    ein sinnloser traum
    vorüber

  12. #37
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    und als die untergegangene Tote
    nur noch ein tropfen ward
    an der wiegenden brust der see
    da roch ihm der tang ganz wundergrün
    und ihm tat etwas weh
    >>>"an der wiegenden brust der see" find ich zu, ähm, gewollt poetisch, um es mal so zu sagen. das geht meines erachtens anders und eleganter, knapper jedenfalls. "wundergrün riechen" gefällt mir recht gut, aber - *tausendwundergrün!* - fehlt da nicht noch was tausendkleines oder so? und: "und ihm tat etwas weh" klingt zu harmlos. klingt wie der kleine zeh, der ihm weh tut, auch und gerade, weil das "etwas" so gelesen werden kann und (achtung, fingerzeig!) auch etwas will:
    ...
    viel stärker und ganz anders kömmt da zum beispiel dein
    es tut weh
    dein adieu
    vom nächsten gedicht daher.

    yepp. und was ich eigentlich sagen wollte: les immer wieder gern in diesem ordner. und lass dich nicht stören, sondern: bitte weitermachen.

  13. #38
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    also vom wiegen geh ich nit weg, weil das wogen wär mir zu comic und banal.
    sonst aber hast du recht - wobei ich jetzt miner häufigen verwendung von "tausend" wegen glatt noch mal schauen mußte, ob hier auch, was aber nicht. nur wundergrün - und ich verkürze auf "das":

    und als die untergegangene Tote
    nur noch ein tropfen ward
    an der wiegenden brust der see
    da roch ihm der tang ganz wundergrün
    und das tat etwas weh

    danke, Jones

  14. #39
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    rosenmontagsnarr

    rosenmontagsnarr

    .........................................

    wer?
    hat an der uhr gedreht?

    ist?
    es wirklich schon zu spät?

    .........................................

    ein rosenmontagsnarr tut euch gelegentlich wohl not -
    nehmt mich! ein feindbild, dem gewünscht schontot
    im quasimodo-hink vom letzten steinewerfen
    lasst mich als narr, reformatorisch: dogmen! "grins" entschärfen!

    bis aschermittwoch will ich hier mein wesen treiben
    zu einen euch - was sonst soll von mir bleiben?
    den hochgeschätzten sündenbock geb ich, ganz klar
    chapeau!
    die kardinäle!
    euer:
    rosenmontagsnahrr ~~

    ........................................

    ich habe gesät
    und ich habe geerntet
    im guten wie im schlechten:
    war es gut, denn es war.

    der narr ist sämann.
    aus seiner bunten schürze
    streut er f?r den
    der nach ihm kommt

    der samen geht auf.
    der samen geht nicht auf.
    der welten lauf

    ....................................


    der weltenlauf lässt sich nicht halten.
    nichts ist es wert, was wert nicht wäre seines untergangs
    doch will die dreizehn: moira! narr des schellenklangs,
    was sie dem fatum schuldet, auch gelegentlich erhalten

    ...................................


    es naht das ende nun der f?nften jahreszeit.
    sie ist gar nicht - ist nur ein zwischenschnitt:
    ein zwischenblick ~ ein zwischenwort ~ ein zwischentritt ~
    ein zeitensprung ~ in narrenendlichkeit

    was hier zu halten, was zu lassen? -
    kann nicht ein narr in narrenworte fassen.
    er sieht sich in den hohen hallen um : - : -
    die bunten masken fort. die heißen herzen stumm.

    da legt er seine schellen ab.
    das lachen. haar. und roten mund.
    schminkt sich die weißen wangen ab.
    steht da als mensch. - . geht ab.


    .........................................

    was war das?
    eine stimme?
    der mensch blickt um >>||||?
    ein andrer mensch?
    die menschlich stimme möcht es wohl so weisen -
    auch ists der widerspruch
    (ein typisch menschlich umeinander kreisen...)
    je nun - so will ich über-legen
    d e r stimme: meine.
    dankend. denkend gehn entgegen.
    solange meines ursprungs grund
    mich trägt. nach gegenseitigem be-fund

    .........................................

    es träumt der narr seit anno schnee
    nichts anderes als nicht-parolen
    und wie die v?gel sich das wasser holen
    das allem leben, nicht nur euch, ganz un-verhohlen
    unter der sonne glitzert
    wie der vogel zwitschert
    sieht ihm der dichter als begönnter neidisch zu.
    denkt: gottseidank. bin nicht so gönnerhaft wie du.
    dies denken ist dem vogel fremd.
    er singt ganz einfach. ungehemmt.
    so tuts der narr. wenn man ihn lässt.
    wenn nicht ists gleichgut. dann vergesst!

  15. #40
    Tochter aus gutem Hause
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    verdichtung - liebsichtung

    verichung
    einzigmir
    liebstsichtung

    verdichung
    dirgehörigen
    eigentümlern

    vers-icherung
    ins inmir unsgewisse
    selbstversständlich

    unssicherheit
    ungehörig:
    neuküssig wirrwarr

    versichung
    worthörig liebtörig
    dichtuns

    tutsuns?

    tutswas
    tutslass
    tutserlass:

    unswicht
    unsschlicht

    unsdicht?

    nunsicht:

    nichtsnutz
    wortputz
    schluchzschluchz
    wortsnutz
    pfortsschlutz
    trutzglutz
    nutztnix

    sonmix
    lachtblo?
    inhos
    los!

  16. #41
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    Blaise Cendrars: Prose du Transsiberien et de la petite Jehanne de France

    Blaise Cendrars: Prose du Transsiberien et de la petite Jehanne de France

    Übertragung:



    Narration aus der Transsibirischen Eisenbahn und aus einer kleinen Jeanne d'Arc




    Damals, Heranwachsender noch
    Von kaum 16 Jahren, die Kindheit schon nicht mehr erinnernd
    16.000 Städte von meiner Geburtsstadt entfernt
    In Moskau mit genau 1.000 und 3 Glockentürmen, der Bahnhöfe 7
    War ich von den 7 und 1003 noch nicht satt
    Das Heranwachsen war sengend und so verrückt
    Daß mein Herz immer wieder in Flammen stand gleich dem Tempel in Ephesus, gleich in der untergehenden Sonne dem Roten Platz.
    Die Aufklärung wurde meinen Augen der alte Weg
    Doch so ein verdammter Dichter war ich bereits,
    Daß ich nicht wußte, ihm zu Grunde zu gehen.
    In seiner goldenen Kruste war mir der Kreml ein überdimensionierter Kuchen
    Seine Kathedralen große weiße Mandeln
    Die goldenen Türme Honig
    Ein alter M?nch las nur für mich die Legende von Novgorod
    Und schon dürstete ich.
    Ich bemühte mich selbst, die konischen Buchstaben zu entziffern
    Als urplötzlich die Tauben von Heiliggeist mir vor die Füße flogen
    Meine Hände imitierten sogleich ihren Flügelschlag, jedoch mit dem größeren Rauschen des Albatros.
    Das gebau waren die letzten Erinnerungssplitter
    Diesen letzten Tages
    Dieser letzten Reise
    Und vom Meer.


    Dennoch, so ein verdammt verfluchter Dichter war ich bereits
    Ich wußte nicht, wie den Weg zum Grunde zu gehen.
    Schon hungerte ich
    Nach allen Tagen, allen Frauen in den Cafes, allen Karaffen
    - ich wollte sie trinken, jede, und dann zerbrechen -
    Nach allen Auslagen, allen Straßen, Häusern, Leben,
    Allen Kutschenrädern noch im Entgleiten auf schlechtem Pflaster
    - ich hätte sie eintauchen mögen in einen tönernen Ofen voll Glut -
    Alle Knochen wollte ich zermahlen zu Staub
    Alle Sprachen fragmentieren
    Verflüssigen all diese großen Leichen unter den Kleidern nackt und fremd, die mich wahnsinnig machten
    Dauernd erahnte ich schon den Roten Christ, wie er großartig Ankunft feiert in der Russischen Revolution
    Und die Sonne war eine häßliche Wunde, die sich gerade öffnete zu einer Glut.
    Im Wachsen war ich da
    Kaum 16 und die Geburt schon vergessen
    In Moskau lebte und wollte ich mich sattessen an Flammen
    Und wurde nie satt von den Türmen und Bahnhöfen, die von meinen Augen gefressen wurden.


    In Sibirien donnerte das Geschütz, das bedeutete Krieg,
    Hunger, Kälte, Pest und Cholera
    Und die limonadenartigen Wasser der Liebe verfleischigten sich in Millionen Ärsche
    In allen Bahnhöfen fuhr immer der letzte Zug ab
    Niemand konnte mehr mit, da keine Tickelts verkauft wurden
    Und die Soldaten, die abfuhren, wären wohl lieber geblieben ...
    Die Legende von Novgorod hatte mir doch der alte Mönch gesungen
    Aber ich, der verdammte Dichter, der nirgends hinwollte, konnte überall hin.
    So auch die Händler. Sie hatten genügend Geld ihr Glück zu versuchen.
    Freitags früh fuhr immer ihr Zug.
    Man sagt so, daß es viele Tote gab.
    Einer von ihnen exportierte in hundert Kisten Wecker, sogar Schwarzwälder Kuckucksuhren
    Ein anderer Hutschachteln, Zylinder und ein ganzes Sortiment Sheffielder Korkenzieherimitat
    Wieder ein anderer Särge aus Malmö bepackt mit Konservenbüchsen und Ölsardinen
    Dann gab es auch sehr viele Frauen
    Diese Frauen, mit Mietraum zwischen den Beinen, der ebenfalls taugte als Sarg.

    (Fortsetzung folgt)

  17. #42
    Tochter aus gutem Hause
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    deiner stimme entlang

    deiner stimme entlang



    volltrunken von deiner stimme
    hangle ich mich an ihr
    durch das balkenlose nichts

    werfe meine beine als anker
    hinter deinen hals, scanne dich
    in einzelnen ringen tiefer

    raste ein, raste aus, raste.
    armring um deinen hals
    mein ohr an deinem mund

    dorthin will ich am liebsten geküsst sein:
    ins ohr - doch es ist schon weiter
    das ohr, liegt am vibrierenden hals

    wo deine stimme sich bildet dort
    sie noch im innern
    hören, noch bevor sie dich verläßt

    hand hört dem ort nach
    brustkorbgezeiten die deiner stimme
    den atem pumpen

    auf ihren druck
    öffnet die herzkammer sich. ich bin da:
    am ursprung der stimme

  18. #43
    Tochter aus gutem Hause
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    Question aw: blaise...

    Zitat Zitat von xeni
    Blaise Cendrars: Prose du Transsiberien et de la petite Jehanne de France
    oh, blaise, mein blaise! sag, sind wir weit weg von montmartre?
    und xenia (ala), sag: kennst die Übersetzung von peter burri?

  19. #44
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    weitere Katzengesänge fand ich nicht... kernige und schlichte Texte gesellten sich hier zu wehmütigen und tapsigen, immer aber spürte man eine körperlich-grundierte Präsenz des lyrischen Ichs... Vielleicht gibt es ja noch eine Fortsetzung?

  20. #45
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    ..meine geliebte Suz. Eine fantastische Lyrikerin .. miss her. Danke für die Restaurierung!

  21. #46
    Kurzvormabschussiger
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    Ein mehr als wuchtiger Ordner! Auch nach mehrmaligem lesen verlieren
    die Texte nicht an Kraft. Ja mehr noch, sie wachsen! Sehr schön, gibt es
    noch mehr von dieser Art?

    Gruß d.p.

  22. #47
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: calavers d'autri-chat (gegenstück zu autri-chien)

    Zitat Zitat von displaced person Beitrag anzeigen
    Ein mehr als wuchtiger Ordner! Auch nach mehrmaligem lesen verlieren
    die Texte nicht an Kraft. Ja mehr noch, sie wachsen! Sehr schön, gibt es
    noch mehr von dieser Art?

    Gruß d.p.
    Ja, die gibt es, displaced person. Ich muss mal meine Sticks duchforsten, seinerzeit gab es ein Forum namens "Kaputte Literatur" und da habe ich etliche Texte gespeichert. Aber ohne das Einverständnis von Suz werde ich die hier nicht publizieren. Mal sehen, was der Chef noch zutage fördert..

    Grüße

  23. #48
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Xenophilia Samenpichler

    Susanna (ala, xeni u.a.) hat umme 1000 Beiträge in diesem Forum geschrieben, darunter auch etlichen chat in ihren Vigilien mit Hannemann u.a.. Bislang sind erst 91 eingefügt. Es kömmt also noch etliches.

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