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Thema: Alte Wörter

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Alte Wörter

    Hallo Robert!
    Du hast im Ordner "Lykurgos" das Wort "praßlig" verwendet. Könntest Du es mir bitte erklären. Kommt es von "prassen", hast Du eine Wortbildung auf -lig verwendet, die in dieser weise verniedlichend oder sonstwie im Neuhochdeutschen obsolet ist? Oder liege ich hier falsch, oder vielleicht nur halbfalsch und muss ins Mittelhochdeutsche ausweichen? Allerdings sind diese Wortbildungsphasen des Neuhochdeutschen dann spätestens seit dem 18. Jh. abgeschlossen. Hilf mir mal eben auf die Sprünge bitte.
    ein im voraus dankender uis

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Alte Wörter

    Lieber Uis! Det kömmt von prasseln, Krach machen, als ob man einen großen Haufen Tand hinter sich herzöge. Mit PRASSEN hat das nichts zu tun. Jemand, den ich als praßlig bezeichne, der macht viel Lärm um nichts, man könnte es auch sehr philosophisch ausdeuten als der notwendende Lärm ums Nichts, aber das wollen wir doch jetzt nicht ernsthaft versuchen.


    Frage an Dich: Was meinst Du mit HALBFALSCH?

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Alte Wörter

    Robert, hab Dank für Deine Erklärung. Mit "halbfalsch" meinte ich nicht wirklich etwas von Bedeutung, wollte nur mal zwischendurch ein Wort ohne Bedeutung gebrauchen, macht Spaß sowas. Nun gut, im Wahrig, Wörterbuch der dt. Sprache, findet sich kein Hinweis auf Deinen oben skizzierten Gebrauch des Wortes "prasseln", Feuer im Kamin tut das auch manchmal, ist aber ehe das Holz dann. Du hast also hier eine Bedeutungserweiterung im privaten Kreis stattfinden lassen.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Alte Wörter

    Ein Freund erzählte mir heute eine gar schaurige Geschichte: Einst war es auf den DDR-Sportschulen üblich, einen Anstands-Hecht zu machen.

    Inhalt der Übung: Man springt im Volleyball (wahlweise andere Sportarten, bei denen man ein Spielgerät erreichen muß) nach einem Ball, von dem man weiß, daß man ihn sowieso nicht erreicht. Damit zeigt man wohl seinen guten Willen.
    Ergebnis der Übung: Aufgeschlagene Kniescheiben und Kinne.

    Es lebe der Sport!

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    entgelten

    Etwas entgelten; hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit waschen! Der Thüringer nennt noch heute seinen Waschtrog, in dem die wöchentliche Reinigung der Familie stattfindet: Gelte.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    'rummenigge und Strunz

    rummenigge hat im Thüringischen folgende Bedeutung: WARUM DENN NICHT?!


    Das dürfte einen gewissen Herrn im fernen München beinahe erfreuen.


    Noch ein ehemaliger Bayern-Spieler, den die Erfurter in ihrer Sprache schon längst benamt hatten:


    STRUNZ(e) - Bezeichnung für ein faules und unordentliches Mädchen. strunzdumm

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Egoist und vernünfteln

    Das Wort "Egoist" hat eine interessante Begriffsgeschichte hinter sich: Hieß es einst, einen fremden Standpunkt zu dem eigenen machen, dann aber so tun, als ob man das immer schon gesagt habe, so bedeutet es heute ungefähr das gleiche wie egozentrisch, also sich selbst in das Zentrum seiner selbst zu stellen und alles nämliche darauf zu bewerten.

    Ein anderes Wort ist "vernünfteln". Bedeutete es zu Kants Zeiten noch, sich auf dem Boden der Metaphysik und deren Nomenklatur zu bewegen, so nutzt man es heute eher negativ für Menschen, die kleinlich und oberflächlich widersprechen. Zu Kants Zeiten hatte der verloren, der nur verteidigte, der den Glauben und Aberglauben, der das Gefühl und die Welt hinter dem Schein verteidigte. Der vernünftelte dann.
    Diejenigen, die das Augenscheinliche als wahr ansahen, anzusehen glaubten und die alten Positionen angriffen, die waren die Sieger, denn ihre Logik schien evident.
    Ironischerweise aber nahm Kant selbst, der diese Evidenten anführte, bereits 1781 eine Kehrtwendung vor, die irgendwie bei der philosophiegeschichtlichen Bewertung Kants abhanden kam: Er meinte fortan, daß der Mensch die Dinge NICHT erkennen könne und ihm nur in der Situation des eigenen Handelns das Reich Gottes offenbar werde.
    Ich glaube, Kants Philosophie nach 1781 ist nur als Ehrenrettung der Metaphysik zu lesen, als Vernünftelei in seiner ursprünglichen Bedeutung bis Kant.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    Alte Wörter

    3. Mai, "Internationaler Tag der Pressefreiheit"
    https://de.wikipedia.org/wiki/Internati ... sefreiheit


    Das Wort Pressefreiheit findet sich im DTA-Korpus mehr als 400mal, der früheste Treffer ist von 1783. (?)

    "Preßfreyheit"

    http://www.deutschestextarchiv.de/book/ ... 1777?p=812

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Innerlichkeit

    Innerlichkeit besitzt in den letzten Jahren einen negativen Kontext, meist in Verbindung mit Flucht wird es zu einem Prozeß, der Weltabgewandtheit, Lebensferne und Gram thematisiert und damit den Begriff selber diskreditiert.

    Allerdings verbinde ich Innerlichkeit, sofern sie ohne Gram gelebt wird, keineswegs mit fehlender Lebenslust, genausowenig, wie ich extemporierte Manie für den Ausdruck exhaltierter Lebensfreude halte. Meist sind es die stillen Menschen, auf deren Wort sehrlichst gehört wird, denn wenn sie etwas sagen, wird es mehr Gewicht haben als das Gewort von denen, die immer, auch ungefragt, ihren Senf zu dazu geben.

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Alte Wörter

    Feist habe ich schon lange nicht mehr gehört. Der Politisch Unkorrekte sagt: Fett. Der politisch Korrekte sagt: Vollschlank. Der zynisch Korrekte sagt: Horizontal herausgefordert.

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb Depossedierung

    Depossedierung

    ein Wort, das für Vertreibung und Enteignung stand
    - konnte Völker, Religionen, aber auch Herrscher betreffen, die aus ihrer Herrschaft vertrieben wurden und mitsamt ihren Anhängern ein Land verlassen mußten
    - im übertragenen Sinne betraf das auch Symbole, die für bestimmte Vorstellungen standen, die fortan eine neue Bedeutung erhielten: beispielsweise stand das Schwein wie der Esel in Zusammenhang zu Seth, der als Antipode Ägyptens verstanden wurde; mit dem Sieg der Ägypter über ihre Feinde wurden auch Verbote erlassen, beispielsweise das Verbot, Esel- oder Schweinefleisch zu essen. Die Juden übernahmen dieses Verbot. (meint jedenfalls Friedell, S. 134)

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Alte Wörter

    Lieblingin:
    Das Wort hört sich an als wäre es von Genderistas ersonnen, ist aber in Wirklichkeit alt.
    https://de.m.wiktionary.org/wiki/Lieblingin

  13. #13
    Resurrector Avatar von aerolith
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    freudwilligst

    freudwilligst ist ein von Wilhelm Stapel erfundenes Wort zur Beschreibung seines Wunsches, die Juden in seiner Redaktion als Arbeitskollegen zu begreifen. - Freud, Freude und Selb-Ironie inbegriffen.

  14. #14
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Buschs Neologismen - heute Archaismen

    Wilhelm Busch konnte dichten und zeichnen. Fürs Dichten brauchte er angesichts seiner Vorliebe für vierhebige Knittelverse stets neue Wörter, die er selber erfand, Neologismen. Die hier genannten Neuschöpfungen sind heute nicht mehr in Gebrauch. Erstaunlich genug sind es meist Interjektionen.


    • klicke-klacke,
    • klickeradoms,
    • knusper-knasper,
    • perdums,
    • ricke-racke,
    • schnupp


    Einzig "schnupp" findet sich heute noch in der adverbialen Verwendung von "Is mir schnuppe!"

  15. #15
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    AW: Alte Wörter

    Vielleicht nicht so alt, wie die anderen Wörter hier, doch immerhin so alt, dass meine Kinder- und Enkelgeneration damit nichts mehr anfangen kann:

    Perron - Bahnsteig
    Manchesterhose - Cordhose
    Pullmankappe - Baskenmütze
    Bubikopf - kurzer Frauenhaarschnitt
    Simperl - Gärkorb für Brotteig aus Rattan

  16. #16
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    Puristen

    Im Zuge der Erhebung gegen Napoleon gerierten sich einige Studenten nicht, bereits seit langem ins Deutsche eingedrungene Fremdwörter auszudeutschen. Zuweilen übertrieben sie es:

    • Nachbursche statt Greis
    • Lehrbursche statt Professor
    • Burschenturnplatz statt Vaterland
    • Vernunftturnplatz statt Universität


    Das mit den Plätzen ist natürlich Humbug, denn diese Plätze stammen vom französischen placieren, plassieren im Sinne von "angenehm", sind also selber Lehnwörter. Kann schon passieren, wenn man halbwissend ist. Greis dürfte von grau kommen, ist also kein Lehnwort. Könnte aber auch von Grisine kommen, ist jedenfalls sehr alt.

  17. #17
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    Partikülier

    "In dieser Welt [im Wien um 1850] gibt es keine Berufe. Die meisten Menschen sind Rentner oder, wie man damals in Wien sagte, Partiküliers." (Friedell)

  18. #18
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    Starkmut

    ein Antonym zum heutzutage noch gelegentlich benutzten Schwachmut

    Starkmut wurde in Zeiten freimaurerischer Tätigkeit dem Erzengel Michael zugewiesen, der mit scharfem zweischneidigem Feuerschwert starkmütig dem Fortschritt die Bahn bereitet

  19. #19
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    Lustholz und Wehmutter

    Lustholz - alte Bezeichnung für eine Harfe oder auch die Zither

    Wehmutter - alte Bezeichnung für die Hebamme, deren Bedeutung sich daraus erschließt, daß sie dem Weib des Hauses (das erst durch die Anerkennung ihres Erstgeborenen zur Frau des Hauses wurde) beim Durchschreiten der Wehen half und erst ihr Aufnehmen und Hochheben eines Neugeborenen im Auftrag des Vaters das Kind anerkennen ließ; untersagte der Herr des Hauses das Hochheben, wurde das Kind nicht hochgehoben und allen Insassen des Hauses gezeigt, sondern ausgesetzt

  20. #20
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Alte Wörter

    Meine schlesische Großmutter nannte mich ein verrücktes Kuller, wenn ich es in ihren Augen gar zu toll trieb. Das Wort hab ich ausser von ihr nie wieder gehört. Hier kennt den Ausdruck 'Kuller' niemand.

    Hängt wohl zusammen mit kullern, also rollen, kugeln.

  21. #21
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Alte Wörter

    Ja.

    https://de.wiktionary.org/wiki/Kuller
    Herkunft:
    von mundartlich Kulle, einer Kontraktion von mittelhochdeutsch kugele → gmh Kugel[1]

  22. #22
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Egoisterei

    Schiller benutzte statt Egoismus "Egoisterei". Schwäbisch-liebenswert.

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