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Thema: Alte Wörter

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Alte Wörter

    Ein Freund erzählte mir heute eine gar schaurige Geschichte: Einst war es auf den DDR-Sportschulen üblich, einen Anstands-Hecht zu machen.

    Inhalt der Übung: Man springt im Volleyball (wahlweise andere Sportarten, bei denen man ein Spielgerät erreichen muß) nach einem Ball, von dem man weiß, daß man ihn sowieso nicht erreicht. Damit zeigt man wohl seinen guten Willen.
    Ergebnis der Übung: Aufgeschlagene Kniescheiben und Kinne.

    Es lebe der Sport!

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Egoist und vernünfteln

    Das Wort "Egoist" hat eine interessante Begriffsgeschichte hinter sich: Hieß es einst, einen fremden Standpunkt zu dem eigenen machen, dann aber so tun, als ob man das immer schon gesagt habe, so bedeutet es heute ungefähr das gleiche wie egozentrisch, also sich selbst in das Zentrum seiner selbst zu stellen und alles nämliche darauf zu bewerten.

    Ein anderes Wort ist "vernünfteln". Bedeutete es zu Kants Zeiten noch, sich auf dem Boden der Metaphysik und deren Nomenklatur zu bewegen, so nutzt man es heute eher negativ für Menschen, die kleinlich und oberflächlich widersprechen. Zu Kants Zeiten hatte der verloren, der nur verteidigte, der den Glauben und Aberglauben, der das Gefühl und die Welt hinter dem Schein verteidigte. Der vernünftelte dann.
    Diejenigen, die das Augenscheinliche als wahr ansahen, anzusehen glaubten und die alten Positionen angriffen, die waren die Sieger, denn ihre Logik schien evident.
    Ironischerweise aber nahm Kant selbst, der diese Evidenten anführte, bereits 1781 eine Kehrtwendung vor, die irgendwie bei der philosophiegeschichtlichen Bewertung Kants abhanden kam: Er meinte fortan, daß der Mensch die Dinge NICHT erkennen könne und ihm nur in der Situation des eigenen Handelns das Reich Gottes offenbar werde.
    Ich glaube, Kants Philosophie nach 1781 ist nur als Ehrenrettung der Metaphysik zu lesen, als Vernünftelei in seiner ursprünglichen Bedeutung bis Kant.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    Alte Wörter

    3. Mai, "Internationaler Tag der Pressefreiheit"
    https://de.wikipedia.org/wiki/Internati ... sefreiheit


    Das Wort Pressefreiheit findet sich im DTA-Korpus mehr als 400mal, der früheste Treffer ist von 1783. (?)

    "Preßfreyheit"

    http://www.deutschestextarchiv.de/book/ ... 1777?p=812

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Innerlichkeit

    Innerlichkeit besitzt in den letzten Jahren einen negativen Kontext, meist in Verbindung mit Flucht wird es zu einem Prozeß, der Weltabgewandtheit, Lebensferne und Gram thematisiert und damit den Begriff selber diskreditiert.

    Allerdings verbinde ich Innerlichkeit, sofern sie ohne Gram gelebt wird, keineswegs mit fehlender Lebenslust, genausowenig, wie ich extemporierte Manie für den Ausdruck exhaltierter Lebensfreude halte. Meist sind es die stillen Menschen, auf deren Wort sehrlichst gehört wird, denn wenn sie etwas sagen, wird es mehr Gewicht haben als das Gewort von denen, die immer, auch ungefragt, ihren Senf zu dazu geben.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Alte Wörter

    Feist habe ich schon lange nicht mehr gehört. Der Politisch Unkorrekte sagt: Fett. Der politisch Korrekte sagt: Vollschlank. Der zynisch Korrekte sagt: Horizontal herausgefordert.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb Depossedierung

    Depossedierung

    ein Wort, das für Vertreibung und Enteignung stand
    - konnte Völker, Religionen, aber auch Herrscher betreffen, die aus ihrer Herrschaft vertrieben wurden und mitsamt ihren Anhängern ein Land verlassen mußten
    - im übertragenen Sinne betraf das auch Symbole, die für bestimmte Vorstellungen standen, die fortan eine neue Bedeutung erhielten: beispielsweise stand das Schwein wie der Esel in Zusammenhang zu Seth, der als Antipode Ägyptens verstanden wurde; mit dem Sieg der Ägypter über ihre Feinde wurden auch Verbote erlassen, beispielsweise das Verbot, Esel- oder Schweinefleisch zu essen. Die Juden übernahmen dieses Verbot. (meint jedenfalls Friedell, S. 134)

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Alte Wörter

    Lieblingin:
    Das Wort hört sich an als wäre es von Genderistas ersonnen, ist aber in Wirklichkeit alt.
    https://de.m.wiktionary.org/wiki/Lieblingin

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