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Thema: Papageien, Wirbelstürme und Tommi

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Papageien, Wirbelstürme und Tommi

    (04.12.04)


    Als wir durch die Wüste schlenderten, Tommi und ich, wobei schlenderten nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist, aber Tommi glaubte, dass etwas Besonderes passieren müsse, entdeckte er plötzlich diese kleine Schildkröte. Er nahm sie auf, lächelte, überlegte, dann setzte er sie wieder zurück. Wir gingen weiter. Als wir unser Auto erreichten, saß eine Klapperschlange davor. Sie stellte sich auf, gegen ihn, und klapperte ihn an. Wir können hier nicht weiter, sagte er, das ist ein Omen. Nicht in diese Richtung. Wir nahmen die andere Richtung. Osten. Zunächst. Später machten wir Rast. Ich streckte mich auf dem Boden aus. Tommi saß ein Stück weiter. Plötzlich fuhr etwas durch die dürren Büsche. Ich erschreckte mich zu Tode. Es war nicht einfach der Wind. Ich liebe den Wind. Es war etwas. Ein Wesen. Unsichtbar und doch sichtbar. Es raste auf uns zu. Fuhr dann um einen Busch herum und in den Canyon hinab. Ich brauchte eine Weile. Dann entschlossen wir uns, auf den höchsten Berg in der Gegend zu steigen. Es ging auf die Mittaghitze zu. Wir ließen alles im Auto. Gingen einfach los. Auch das Wasser. Wir stiegen. Wir kletterten. Kakteen. Tommi hatte sie ständig irgendwo im Fleisch. Er verzog das Gesicht. Ich lachte. Wenn er die widerlichen Widerhaken versuchte herauszuziehen, krallten sie sich in die nächste Stelle. Ich scherzte übermütig. Dann erwischte es mich auch. Die Puste war mir längst ausgegangen beim Steigen. Die Sonne verdorrte unser Hirn. Tommi stieg wie eine Gemse. Und das in Badeschlappen. Ich trug Sandalen. Die Steigungen wurden langsam schwierig. Tommi suchte nach einem Weg für mich. Doch dann stand ich lachend oben. Hatte mich durch einen Kamin gekämpft. Wir gingen noch ein Stück. Dann ruhten wir uns etwas aus. Komm, dann nehmen wir den Gipfel auch noch. Ich saß gerade schön. Mit Aussicht auf alle Götter und auf einen lachenden Adler. Tommi glaubte mir nicht. Er konnte sie nicht sehen. Na klar, sagte ich, aufgeben galt hier nicht. Hatte nie gegolten. Wir machten uns auf. Es war länger als man dachte. Es zog sich noch recht lang auf dem Grat entlang. Dann endlich! Wir hatten ihn tatsächlich erreicht. Den Gipfel. Ein toller Rundblick! Eine Weile stehen. Eine Weile schauen. Eine Weile drehen. Wir m?ssen hinunter. Den gleichen Weg zurück? Nein, viel zu lang. Ich war längst am Ende meiner Kräfte und darüber hinaus. Ein steiler Weg. Hinab ist anstrengender als man denkt. Geröll. Und Kakteen. Stacheln, meine ich. Kaum Halt. Steile Stufen. Und eine Hand. Immer wieder Tommis Hand. Als es endlich sanfter wird, das Gefälle, noch ein weiter Weg. Ausgedorrt. Wir und das Land. Ich kann eigentlich gar nicht mehr. Meine rechte Sandale ist auch gerissen. Ich zwinge mich zu gehen, Tommi feuert mich an. Fuß vor Fuß. Noch ein Stück. Noch ein Graben. Noch ein Stück. Und tatsächlich schaffe ich es. Tommi holt mir die Wasserflasche aus dem Auto. Ich trinke. Aahhhh! Und ein wenig in den Nacken. Vorsichtig. Nicht zu viel. Doch dann geht es mir bald wieder besser. Wir steigen ins Auto. Fahren weiter. Es gäbe noch viel zu erzählen. Tatsache ist, dass plötzlich, aus heiterem Himmel, Wirbelstürme am Horizont auftauchen. Viele kleine, tanzende Wirbelstürme. Eine kleine Regenwand. Kaum zu erkennen. Doch dann ist da, wo gerade noch trockenes Land war, ein riesiger, strudelnder Fluss. Wir können nicht weiter. Auch hier nicht. So bleibt uns nur noch die südliche Richtung.

    Später wird Tommi von einer Felskante fallen.

    Doch statt, wie es jeder menschlichen Wahrnehmung zufolge hätte sein müssen, rast er nicht in die Tiefe und schlägt auf kantige Felsen auf, sondern wird von einer riesigen, unsichtbaren Hand sicher und sanft auf ein kleines Absatzplateau neben dem Absturzfelsen gesetzt. Es gab noch weitere seltsame Begegnungen. Sprechende Hunde und diese Papageien an allen wichtigen Wegen.

    Doch jetzt bin ich müde.

  2. #2
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    AW: Papageien, Wirbelstürme und Tommi

    mit aussicht auf alle götter und einen lachenden adler.
    und die papageien, die da gar nicht hinpassen.
    das mag ich.

  3. #3
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    AW: Papageien, Wirbelstürme und Tommi

    cooles teil! gefällt mir, wie da die macht des schicksals das menschenkind auf ihre hand setzt und rettet

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Papageien, Wirbelstürme und Tommi

    Ich verlor irgendwann beim lesen die Lust. Ganz ehrlich, Lilie. Auch wenn ich das kürzlich zu einem ganz anders gearteten text sagen mußte, hier fällt mir das auch ein: gewollt. Ich kann hier eine Struktur erkennen, die dem Text so eine Brille aufsetzt.

    Die von Paul genannte Stelle gefiel mir auch. Darum sollte sich vielleicht ein Text schreiben lassen.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Papageien, Wirbelstürme und Tommi

    mag sein, Robert. es ist nur der versuch einer erinnerung in die zukunft.
    es ist eigentlich gar nicht zum lesen gedacht.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Papageien, Wirbelstürme und Tommi

    Zitat Zitat von Tigerlilie Beitrag anzeigen
    [..] es ist nur der versuch einer erinnerung in die zukunft.
    es ist eigentlich gar nicht zum lesen gedacht.
    Das Erste verstehe ich nicht. Zum zweiten Satz möchte ich fragen, warum jemand einen Text schreibt und dann in ein öffentliches Forum stellt, doch nicht etwa deshalb, weil den verfaßten Text nicht als von Fremden gelesenen artifizieren möchte.

  7. #7
    Marianne D.
    Laufkundschaft

    AW: Papageien, Wirbelstürme und Tommi

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
    möchte ich fragen,
    Hatten Sie am 07.12.2004 keine Zeit dazu? Entschuldigung, es ist wirklich wunderbar, dass Sie alte Ordner wieder einstellen, nur, 13 Jahre später Fragen zu stellen, finde ich etwas, na ja, "merkwürdig"?

    Den Text habe ich sehr gerne gelesen, wenngleich das Ende eher schwach erscheint. Naja..




    Cognac schwenkend..

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Papageien, Wirbelstürme und Tommi

    Das war auch eher eine rhetorische Frage. Abgesehen davon erfülle ich mit der Restauration eine Chronistenpflicht. Ob sich ältere Texte heute tragen, wird die Zeit ergeben. Was Du als unregistrierter Dauerbeschwenkter "merkwürdig" findest, ist mir rille.

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