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Thema: Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

    (07.11.04)

    zunächst bin ich sprachlos. es ist, als ob alle wörter leer seien, der sprachsinn nicht mehr vorhanden. zugunsten des inneren auges. bilder nackter körper, haut, ineinander verschlungen, alle kopulationen, derer ich je ansichtig wurde.
    und der tastsinn, als griffe ein arm, als streichelte eine hand, als stellten sich die härchen von haut und gegenhaut in unmittelbarer und wirklicher nähe eines atems. und die worte sind nur von dir und nur für mich - eine illusion, der ich ausgeliefert, so doch alle antworten finde, in mir widerhall und eigentum und so ganz du und wahr. und wie fandest du mich so in allen facetten, das mir so eigene, die zäsuren und räusche, die verknappungen und wiederholungen, das ineinanderfallen und wie sich dann am ausgestreckten arm betrachten läßt im besten sichtabstand, um umso wilder einander zu verfallen. dort ist ganz wir und ich bin nicht mehr. aber landschaft ist noch. weite. rahmenlose weite. und da rasen die pferde der verschiedenen empfindungen, haß und abwehr und wissen. scheue, achtung, achtnehmen und vorsicht, hoffen und lassen, verzweifeltes gleichgültigtun und das vabanquespiel des nicht mehr zögernden hazardeurs, der sich ins waffengeklirr stürzt zu allem opfer bereit. und das stärkste von allen am stillsten. es steht unbeirrt zwischen den rasenden und schaut mich an. da weine ich. haltlos. denn ich höre allein.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

    Kenn ich. Ich kann ohne Musik nicht arbeiten. Ich kann mit Musik nicht arbeiten. Es muß ausgesuchte Musik sein. Dann ja. Und nur dann, ja. Die Qualität der Darreichung ist dabei nebensächlich; es ist die Erinnerung, die in der Musik west. Und Erinnerungen nur sind es, die mein Schreiben konstituieren. Über den erinnerten Gedanken komme ich in Schwung, gerate ich in eine Bahn, an deren Ende ein Punkt steht, der mich magisch anzieht.

    Die Musik treibt mich dahin, umgibt mich wie eine Hülle.

    Im Augenblick höre ich gerade backyard ritual von Miles Davis, draußen ist kalter November, und es ist dunkel. Ich denke an meinen Vater, von dem ich diese Musik einst bekam und der dieser Tage vor acht Jahren starb. Und dieser Gedanke verbindet sich mit dem heutigen Wetterkampf, dem Weg in die Schule übers Land. Der tiefere Grund dieser Gedanken aber ist der novemberkalte Morgen, den ich mindestens genauso gerne habe wie einen lindwarmen Sommerabend, nur eben ganz anders gerne. Ich mag diese halbausgeschlafene Tranigkeit, die erst langsam Schwung holt, den Augenblick scheinbar zu hassen scheint, in dem der Fuß unter der Bettdecke vorlugt, um feststellen zu müssen, daß es doch viel schöner wäre liegenzubleiben - und doch treibt da etwas aus diesem wohlig-warmen Nachtgewese: Arebeit. Und die macht doch erst den Menschen!

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

    ja. das kenn ich auch. erbe sein, weitertragen. mögen sie sich bei uns einfinden, unsere väter.
    und das mit der bahn hast du schön gesagt
    das mit der arbeit auch. "geburt, arbeit und tod" sagte die principessa auf der giudecca, von der man doch wirklich anderes erwartet hätte.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

    Die Musik bringt die Seele zum schwingen. So nicht. Meine innere Musik wird durch bestimmbare und nur dem Gefühl mitteilbares Aehnliches angeregt und wirkt aufs Hirn, bei mir auf den Teil, in dem die Sprache sich bildet - wo immer das sein mag. (So recht weiß das ja heute nur Keiner und der trifft sich mit Niemand zum Gedankenaustausch. Also bleibt's ein Geheimnis.) Manchmal muß ich einen Titel zig mal hören, um entscheiden zu können, daß er mich anregt. Und dann weiß ich das auch in Listen zu verifizieren, kenne seine Wirkung auf irgend etwas in mir, seine sich steigernde Wirkung, wenn ich ihm den einen oder anderen Titel voranstelle.


    Ih sollte darüber mal etwas in gebundener Form schreiben.

  5. #5
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    AW: Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

    yep.
    thäts it.
    sagt man so?
    heute ja.

    der scheff ist ein verklemmter musiker.
    ein dj, por farvor.

    laß mich, was du hörst,
    und ich sag dir, wer du bist?

    kleider, wer klein denkt,
    aber nietzsche in der ecke?

    ein rabe?

    musik ist toll.
    immer ein geschenk von herzen...

    (wagend)

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

    ich glaub jeder dichter muß musiker sein. sonst klingt nicht sein wort.

    und da hast du ganz recht, die musik, die im inneren tobt oder schwebt, regt das sprachzentrum an. im schaffen ist es ein gesang, ein carmen. das gilts von der inneren musik zu sagen, die im übrigen unsagbar bleibt, bleiben muß, ein geheimnis. ein wogen, brechen, wellen, blitzen, jauchzen, seufzen, schreien schreie, endlose schreie, und ein tiefes verstummen auf einem einzigen ton, prasselnde pizzicati, leise anrollend erst, dann stärker und immer näher komm, gurren sie, nöher noch, schreien sie, brechen sich an den hirnwänden, vervielfältigen ihr echo zu schallwänden, dröhnen den ganzen raum aus, drohen ihn zu sprengen, die ersten haarlinien der interferenzen, verbreitern sich zu rissen, gehen tiefer und tiefer, werden abgründe und explodieren schließlich in einen atemzug, in ein wort, einen seufzer, einen schrei. und nur zitternd kommt die hand nach, selbst auf der tastatur tanzen die finger den herztakt nur nach.

    und kommt ein wort von außen dicht ans ohr, und ist es eins der geliebten stimm, so fällt es mit derart unmittelbarkeit den raum, das man sich darauf legen könnte, so sehr trügt es. wird heimat den verstoßenen, die sich erst wieder einen ort erobern müssen aus eigener kraft, sich ein haus bauen, das ein dach hat und hält gegen den wind. dach und fleisch wird dann so ein wort und man ißt, darunter geschützt und, davon, wie ausgehungert und wagt fast nicht zu atmen, wenn es fällt und es fällt so tief durch einen hin bis es aufgefangen wird vom sexus. und dort findet es ruhe und frieden, kommt, kommt an und klammert gehirn und geschlecht in eins. aus dem geschlecht blitzt es an die schädeldecke und löst aus den wolken die sintfluten bis sie sich erschöpft haben in einen milden landregen. und so regt sich noch im zärtlichen schmiegen die eben noch vom gewitter erschauerte natur nackt und glänzend an die feuchte luft. und im erinnern noch schauern wellen wie seliges frösteln. und dann wieder steht man im alltag und mitten durch erfaßt einen ein heißes. und man trägts auf der stirn, strahlt von dort, taucht alles grau in ein helleres licht. leichter reicht man die hand, leichter verschenkt man sich, auch an wenigstbietende gibt man von sich. denn die stirnquelle ist reich, reicht für alle und fragt nicht nach irgend verdienst, will nur strömen und strömen.

    und dann gibts die musik, die von außen kommt.

    fremd ist sie zuerst. will einem nicht gefallen, scheint zur inneren musik nicht zu passen, löst fast furcht aus, denn auch sie ist eine kraft, die man spüren kann als drängung auf einen weg. und man flieht sie. irgendwann hört man sie wieder. da erst merkt man, daß sie bereits fuß fasste, sich mit akkorden irgend, corden, im innern bereits beim ersten hören verbunden hatte. diese universelle sprache, die sich jeder noch so kleinsten vorhandenen sprachinsel bemächtigt. und man hört mehr und öfter. jedes wiederkannte wird ein liebgewordenes ähnliches. aber dort scheidets sich manchmal das hitzig jetzt vom warm vergangenen. manche musik hat man schon zurückgelassen, begleiter der jugend, die einem die welt versprachen, die man hört wie ein altes photo mit sepiatönen. man lächelt - über sich, wie man einmal war.
    andere ist zu neu, trotz der verankerungen, die sie schon gefunden hat. sie passt noch nicht, die fremdheit ist noch zu groß. man lächelt ein vielleicht.
    dazwischen aber fährt Sie in dich ein, die jetzt-musik, die immer schon war und ewig sein wird, die deine, die eigene im außen, dein lied.
    das hört man nicht oft, denn jedesmal geht man durch den tod und glaubt, nicht zurückzufinden. findet sich dann aber doch unter befreienden tränen noch ganz betäubt. und alle taubheit rührt daher. auch alle stummheit. dort ist keine sprache mehr. denn so weit dringt nicht sonst ein menschliches wort.

    und dann gibt es noch eine musik.

    das ist das lied des shamanen. es dauert für jeden menschen jahre, es zu finden. eines nur für ein ganzes leben. für ein einziges wesen. das singt der schwan vor seinem tod. das singt, manchmal, ein mensch nach seinem kleinen tod. da erhält er es zum geschenk. es kommt aus der inneren musik, aber es ist bestimmt dazu, in die welt getragen zu werden, auf die suche zu gehen nach einem anderen. ich habe schon solches gehört. meines trage ich noch in mir. es sucht nicht. es weiß. und an einem bestimmbaren morgen werde ich es singen.

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

    nietzsches problem mit der ausgesuchten musik hieß pomp. wagner zog ihn in einen sog. den geistesmenschen nietzsche, der nach worten cosima wagners keinen humor besessen haben soll, störte in zunehmendem maße wagners pomp, die herrschsüchtige musik, die auf effekt abzielte, nicht aber auf gehalt.
    eine klassische verschmelzung aus verdrängung und abstraktion des ästhetikers. nietzsche konnte cosima nicht bekommen, selber nur rechtschlecht komponieren und fand nicht die anerkennung für seine werke, die er gern gehabt hätte. also muß es am verkauf liegen, am pomp.

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Wirkung ausgesuchter Musik auf mich

    Ich glaube, wir sind hier noch nicht fertig.

    Frage an das Audit: Soll ich einen Radiosender im Forum einbauen, der Hits aus den 60ern und 70ern spielt und oben angeschaltet werden kann?

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