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Thema: Worin zeigt sich Liebe?

  1. #26
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Worin zeigt sich Liebe?

    die Günderrode wußte, was Liebe ist, wie folgender durch Antithesen konstruierter Text belegt:

    O reiche Armut! Gebend, seliges Empfangen!
    In Zagheit Mut! In Freiheit doch gefangen.
    In Stummheit Sprache
    Schüchtern bei Tage,
    Siegend mit zaghaftem Bangen.

    Lebendiger Tod, in Einen sel'ges Leben,
    Schwelgend in Not, im Widerstand ergeben,
    Genießend schmachten,
    Nie satt betrachten,
    Leben im Traum und doppelt Leben.

  2. #27
    Mathieu Vilar
    Laufkundschaft

    AW: Worin zeigt sich Liebe?

    Khalil Gibran sprach mir mit diesen Zeilen aus dem Herzen:

    Von der Liebe


    Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.

    Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
    Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.

    Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
    auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettertn kann
    wie der Nordwind den Garten verwüstetet.

    Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.
    So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich.
    So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen
    und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern,
    steigt sie hinab zu deinen Wurzeln
    und erschüttert sie in Ihrer Erdgebundenheit.

    Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
    Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
    Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
    Sie mahlt dich, bis du weiß bist.
    Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;
    Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,
    damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.

    All dies wird die Liebe mit dir machen,
    damit du die Geheimnisse deines Herzens kennenlernst
    und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.

    Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst,
    dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken
    und vom Dreschboden der Liebe zu gehen.
    In die Welt ohne Jahreszeiten,
    wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen,
    und weinen, aber nicht all deine Tränen.

    Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.

    Liebe besitzt nicht, noch läßt sie sich besitzen;

    Denn die Liebe genügt der Liebe.

    Und glaube nicht, du kannst den Lauf der Liebe lenken,
    denn die Liebe, wenn sie dich für würdig hält, lenkt deinen Lauf.

    Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich zu erfüllen.

  3. #28
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Worin zeigt sich Liebe?

    Solange man dafür noch Worte findet, handelt es sich gewiss nicht um die Liebe

  4. #29
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Worin zeigt sich Liebe?

    Widerspruch gegenüber den beiden letzten Eintragsintentionen.

    Khali beschreibt die Wirkungen der Liebe, das, was sie tut oder bewirkt. Aber die Ordnerfrage lautet: Worin zeigt sie sich? Das zielt auf Wirkungen, sicherlich, aber zielt doch noch weiter.

    AD2s Standpunkt kenne ich. Ja, da ist was dran. Aber ist es nicht so, daß wir immer wieder versuchen, Unfaßbares und Unbegreifliches in Worte zu fassen, einfach nur deshalb, um dem Herr zu werden? Also kann es sich durchaus um Liebe handeln, wenn wir davon sprechen. Wittgenstein irrte sich; es gibt etliches, worüber sich sprechen läßt, ohne daß wir auch nur einen Jota in dem stehen, was es für andere bedeutet.


    Von den hier fixierten Antworten kann ich am meisten mit Paulchens Antwort anfangen. Die (unablässige) Sehnsucht scheint mir das sicherste Indiz zu sein. Sie setzt sich wie eine Klammer ums Herz und bewirkt ewige Trauer, es fehlt etwas. Das Herz krampft sich, will ohne den anderen nicht weiterschlagen, aber es muß, denn es sehnt sich ja. Das Ich löst sich in der Liebe nicht in einem Wir auf, Lenchen, sondern es tritt ein zweites Ich dazu. Das Wir ist keine Entselbstung, sondern eine Vervielfachung dessen, was wir vordem als Ich wahrzunehmen genötigt waren. Ich halte es mit Platon.Wir suchen zeit Lebens das andere Ich, das uns erst vervollkommnet. Aber wir lösen unser Ich nicht auf, wenn wir eine Ahnung haben, daß das Du da das andere Ich sein könnte.

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