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Thema: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

  1. #1

    Question "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    Natürlich hat sie nicht das Format von Thomas Mann oder auch nur Scholochow, aber sie ist aktiv seit Jahr und Tag, immer ein bißchen Frauenrechtlerin geblieben und hat ihre Sprache stets geschliffen. Daß ich ihren Texten nur müden Auges begegnen kann, mag daran liegen, daß sie nicht für mich geschrieben sind: Ich habe keine Probleme mit meiner Sozialisation, keine mit dem männlichen Geschlecht, keine mit dem Katholizismus oder dem, was landläufig dafür gehalten wird.

    Ich hätte mich, wenn schon eine Frau, über eine andere Deutsche mehr gefreut, über Christa Wolf. Aber die ist dann eben im nächsten Jahr dran.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek!

    also einfache jelinek literatur ist "lust". weder lustig, noch lustvoll, aber schön zum lesen.

    was mich schon stört: dass sie jetzt schon weiß, dass sie bei der preisverleihung aus gesundheitlichen gründen nicht dabei sein wird und dies pumperlgsund wirkend bereits jetzt verkündet.

    dann soll sie gleich auf den preis verzichten. aber das ist weder brust noch keule!

    schnobs*erschüttert*

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek!

    ob die jelinek den nobelpreis verdient oder nicht, kann ich nicht beurteilen; sie verdient ihn wohl genauso wie all die anderen, die ihn bekamen oder nicht bekamen, aber hätten bekommen sollen ...

    freuen tu ich mich explizit und ausdrücklich darüber, dass diese unsäglich spiessigen und kleinkarierten ösis, die alles und jeden, der diesem schrebergarten österreich gegenüber kritisch eingestellt ist, verachten, verdammen, gehässig gegenüberstehen, dass die jetzt sich in lobhudelei und heuchelei ergehen und sich dadurch für jeden, der augen hat, nicht nur blamieren sondern unfreiwillig die maske von der fratze reissen.

    eule.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    Das würde ich noch nicht heuchlerisch nennen, sondern vielleicht nur ein bißchen kapriziös. Ich würde wahrscheinlich auch nicht zu einer solchen Verleihung fahren, den Preis aber nehmen. (Das Geld würde ich spenden, denke ich, oder notleidenden jungen Autoren [mit gewissen Auflagen] zur Verfügung stellen.) Ich kann Ihre Aversion gegen Schickimickipreisverleihe schon nachvollziehen, kann aber auch die Menschen verstehen, die sich zu solchen Anlässen treffen, sich schön machen und zeigen und sich ihres Lebensfreuen, sich auf die Schultern klopfen und etwas für den Weltfrieden tun. Spätestens an dem Tag, als mich eine meiner Ex-Freundinnen zu einer Mißwahl mitschleppte und mir klarwurde, daß es eben Menschen gibt, die den größten Spaß daraus ziehen, sich schön anzuziehen, da dachte ich mir: Nun, Gott! Dann eben.

    Aber ich würde für mich in Anspruch nehmen, daß ich mich nicht gerne schön mache (sondern bin), daß ich nur dann rede, wenn ich es für sinnvoll erachte, nicht aber, wenn ich soll... Das hat aber nichts damit zu tun, daß die eigene Arbeit durch ein anerkanntermaßen nobles Unternehmen wie die Nobel-Stiftung weltweit geadelt wird, so daß ich schwerlich darauf verzichten würde wollen.

    Soweit klar, Keule?

  5. #5
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    fuck the charakter?

    nö, ich bin immer noch ganz brust. die lüge wegen der gesundheit stört mich. das hat einfach keinen charakter.

  6. #6
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    weh dem, der lügt!

    lieber schnobs,

    der elfriede lüge zu unterstellen ist dreist. sie sagte, sie 'könne es im moment nicht ertragen, [von vielen menschen] angesehen zu werden', sprich, sie hat angst vor dem rummel. das kann ich verstehen, mir ging's genau so. also, das hat man zu akzeptieren. nur weil sie den preis erhalten hat, um die sie sich ja nicht beworben hat, ist nicht verpflichtet wie ein clown in die manege zu springen.

    klaro?

    ich finde es ziemlich arrogant, sie der lüge zu zeihen,

    gruss eule.

  7. #7
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    weh dem, der lügt!

    was muss die märzzuschlagerin noch alles einstecken?

    --------------------------------------------------------------------------------

    liebe eule,

    alles halb so wild. natürlich hat sie gelogen. öffentlichkeitsscheu und gesundheitliche gründe sind nun mal was verschiedenes.

    natürlich heuchelt die märzzuschlagerin, wenn sie weinerlich von sich gibt, dass "öffentlichkeit den tatbestand der körperberletzung erfüllt", dabei ein interview nach dem anderen gibt und sich mit ihrer stockholm-absage natürlich eine noch größere öffentlichkeit schafft, als wenn sie still und leise nach stockholm gefahren wäre und sich den preis abgeholt hätte.

    sie weiß eben, wie der markt funktioniert, sie weiß, wie man wirklich in die manege hüpft.

    natürlich hat sie sich nicht um den preis beworben. aber wenn ihr die öffentlichkeit so weh tut: es hat sie auch niemand gezwungen, ihre texte zu veröffentlichen. das man preise angeboten bekommt, ist der preis, den man für die öffentlichkeit zahlt, wenn ich mich mal so kalauern darf.

    die jelinek ist ja kein kleines kind, das sich vor dem bischen scheinwerferlicht fürchtet. es ist einfach diese mischung aus berechnung und schlechtem stil, den ich ihr als charakterlosigkeit vorwerfe.

    aber das wird sie ohnedies nicht kratzen.

    wie gesagt, alles halb so wild. es geht ja nicht um die frau märzzuschlagerin, sondern um ihre texte. und die sind durchaus mit genuß zu lesen.

    lg schnobs

    p.s.: gelegentlich fragen mich die leute auf der straße: "sagen sie, herr schnob van quittenlauch, wie leben sie eigentlich mit dem vorwurf arrogant zu sein? denen antworte ich dann: "ach wissen sie, das geht so hin!"

  8. #8
    rodbertus
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    würdigung?

    wer schreibt eine würdigung?

  9. #9
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    nobelhobel

    kann gut sein, dass ich den nobelhobel ansetze.

    kann aber möglicherweise etwas dauern, da ich gerade tief in meinem erdölzyklus und anderen dingen stecke.

  10. #10
    Wolkensteiner
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    die sache ist doch ganz anders. da schreibt jemand sich den haß gegen sein land von der brust und sieht sich dann in der verlegenheit, von diesem land als einzige für einen internationalen preis ausersehen zu sein, der immer auch politische bedeutung hat und damit von eben diesem land sich zugerechnet.

    aber frau jelinek ist eine frau. sie wird hinfahren, sobald ihr jemand klarmacht, daß sie ihrem anliegen damit mehr dienen kann als mit ihrer verweigerung. man kann es abwarten.

    der lügen-vorwurf geht mir hier etwas zu schnell über die lippen, ebenso der pharisäerhafte des spießigen. haben andere länder keine spießer? das sollte mich wundern. aber auch hier ists ja so leicht, loszukrähen, auf papier einzuhacken, die fratzen der anderen unter verkennung der eigenen zu geißeln. herrlich muß das sein, sich so mit der tiefsten empörung im recht fühlen zu können. ich kanns nicht.

    eines müssen wir doch der frau jelinek danken: sie hat uns von der last befreit, jemals in unserer lebenszeit den nobelpreis bekommen zu müssen, da der letzte deutschsprachige wohl 40 jahre her ist. nagut, vielleicht gehts grad noch so, aber dank ihr müssen wir dann wenigstens nicht hinfahren oder haben zumindest eine gute ausrede im fortgeschrittenen alter, oder können doch mit der million nix mehr rechtes anfangen. schad ists nur, daß man dem schwedischen könig nimmer wird die hand geben können, sondern nur seinen töchtern, oder hat der auch einen sohn? na egal, was ließe sich denn an deutschland kritisieren? gegen welchen jörg? und gut - einen verlag bräuchten wir dazu natürlich auch ...

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    verwolft und jelineckt

    was mir bei der wolf gut gefällt, in kassandra: "und sie nannten sich bei ihren namen." (das bezog christa auf das stöhnen beim geschlechtsverkehr, anm. von schnobs)

    das halte ich auch so, keine mausi, honigtöpfchen oder kreuzkümmelschälchen kommt mir über die lippen. das ist widerlich. diese widerlichkeit aufgezeigt zu haben, dafür gebührt christa wolf dank und anerektion!

    jelinek ist anders. ich bin nicht nur bekennender t!ntenfisch, sondern auch bekennender österreicher. jelinek distanziert sich von österreich. das kratzt mich nicht.

    ihre lyrik ist voll der gemorschten beine, der feuchten klaviersaiten. ihre texte sind wärmer als die der wolf. sie künden von nicht gegebener liebe. aber jelinek liebt gerne. körperlich.

    die wolf ist eher trockenfisch. sie schreibt von der liebe, wie eine dörrobstmaschine leidenschaften dörrt. das ist selbstverständlich zuwenig! jelinek ist aber feucht in der dose, wenn ich das thema einmal so abkalauern darf.

    schnobs

    p.s.: ich sehe mich unter den gegebenen umständen als mitglied bis dezember 2004, gedeckt durch das bisher gezahlte.

    worte zu den anderen mitgliedern, lieber knorkel, zu diesem punkt hielte ich für angezeigt. immerhin kauft sich ja hier jeder träume. und wer möchte als kunde nicht ordentlich serviciert werden?

    ich bin sicher, du hast dir auch schon gedanken gemacht, wie die äquivalenz wieder herzustellen ist. worte zu deiner befindlichkeit interessieren, sind aber zuwenig.

    wir können das hier wieder in die höhe jazzen, keine frage. aber da braucht es auch etwas von dir! sag ich dir als wohlgesonnener

  12. #12
    Resurrector Avatar von aerolith
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    verwolft und jelineckt

    Deine differenzierenden Bemerkungen habe ich gerne gelesen. Das geschieht nun wahrlich nicht so oft, als daß es nicht eine Erwähnung wert. Du hast ganz recht. Erst im Sommer las ich einen Text von Elfriede J., den schenkte ich Klammer mit der Bemerkung, daß mir dieses Lirumlarum nach zwanzig Seiten auf den Keks ginge, ich inhaltlich wüßte, was auf den ff. Seiten geschehen würde, mir die Sprache zwar gemeißelt, aber doch auch geschmiergelt vorkäme... dennoch war's schon Literatur, eine Schreibe, die aus dem hysteros kam, die aus einer grundsoliden Wut Welt begriff und bis heute begreift, immer aus dem organischen kommend.
    Wie anders dagegen die Wolf, die mit dem Kopf sich ihre Vagina definiert.

    Und wenn ich jetzt zwischen beiden Extremen wählen dürfte, wem der Preis zuzuerkennen, dann müßte ich zugeben, daß es die Wolf nicht sein darf, also die Jelinek sein muß. Prinzipiell.

    Den zweiten Teil Deiner Ausführungen in bezug auf meine Forumpolitik habe ich nicht begriffen.

  13. #13
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek!

    mir gefallen jelineks texte nicht so sehr, dann noch lieber wolf lesen...und wer nun den preis verdient, daß bestimmen eh andere leute und die werden ihre gründe haben...ich würd mich jedenfalls auch über einen nobelpreis freuen...
    (früher, als ich noch jung und ahnungslos war, träumte ich von einem nobelpreis in biochemie...)

  14. #14
    Wolkensteiner
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek!

    ich habe von beiden frauen - und ich sage nicht: leider - keine texte gelesen, kann also eigentlich nicht mitsprechen. vom geschriebenen auf den gelebten sexus zu deuten, halte ich für fehleranfällig, das sagte ich ja schon

    an der jelinek gefiel mir immer nur ihre frisur. ein unvermutet weibliches auf einem herben, hochgewachsenen buchenstamm mit harmgesicht.
    optisch habe ich nur eine textseite in erinnerung als wortbrei - aber wenn mich nicht gerade hier die erinnerung täuscht - die mich abstoszende attitüde des überall-sz, die den wiedererkennungswert begründete. an eine handlung kam ich nie heran, so manch abfälliges wort über den mann im allgemeinen schreibe ich ihr im geiste noch heute zu und trage es ihr nach.

    von christa wolf habe ich nur die "kassandra" notation vorrätig, aber keine optik. keine zustechende idee, kein gewebsbild der sprache.

    für beide bin ich vermutlich noch nicht reif, denn bücher wurden selten von mir gewählt, sondern wählten meist mich, sprangen mir in die hand, herrschten mich an: lies mich! und vielen konnte ich sagen: oh nein, bitte nicht, bitte später - aber die hartnäckigen, die haben mich auch weitergebracht


    [stunden später nach der lektüre eines jelinek-textes...]

    in einer großen haar-metapher (sagt ichs nicht?) richtet sie sich und einen hund und neckt damit viele schriftstellerkollegen zu weiterer intensivster beschäftigung mit ihrem schreiben. wie beabsichtigt, wird ihre sprache im mund der anderen blühen, sich dort am bauch kitzeln lassen und aufs elferl selbst zurückbeißen. "ich bin der vater meiner muttersprache" - ja, davon können wieder viele leben.
    und sie greifen diese haarsträhne.

    ist das der erste text, den ich von ihr gelesen habe, so muß ich sagen, ich habe sie verstanden. sprache, die ihr schutz sein sollte, wird nun ihr gefängnis.
    mir gefällt diese frau. ihre art zu schreiben langweilt mich nicht, auch wenn die analogführung ein wenig langatmig gerät und gegen ende zu nichts neues anfügt. sie nagt am wort, setzt sich damit auseinander, zusammen, in eins, dagegen, aber sie bleibt dran. es hilft ihr zwar nichts, das dranbleiben, weil sie sich ihr eigener diablo, also zweizungensprecher, der sich immerzu antithetisch in den schwanz beißt, lustvoll natürlich, aber sie hinterläßt gründliche rasuren. schwerlich wird man hinter ihr neues zum abseits, zur sprache, zu wegen, hunden und anderen sagen können.

    zur frisur allerdings ...

  15. #15
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    Das Wichtigste ist doch immer nur, daß etwas bleibt, das etwas aufgehoben ward. Und wenn jeder sein bißchen aufbewahrt, dann wächst das Ganze.


    Frau Jelinek mag ihre Macken haben, aber ihre Arbeit ist aller Ehren wert. Und das zählt. Arbeit am Wortwerk.

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek!

    Guten Morgen zusammen.

    Ja, da hattest du einen guten Riecher mit der Jelinek (auch, dass du sie gegen Liechtenstein getauscht hast). Interessant finde ich, wie sie nun jeder respektvoll ehrt, aber eigentlich niemand ihre Texte (und Theaterstücke) zu schätzen weiß. Wo sind die begeisterten Jelinekfans? Sie selbst scheint auch nicht so glücklich zu sein.
    Aber vielleicht war der Nobelpreis eigentlich für Thomas Bernhard. Da er aber schon tot ist, nahm man halt das (die) ähnlichste, was zu finden war...

    Gruß, Klammer

  17. #17
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek!

    Also von der Jelinek hab ich das Buch "Gier" im Regal stehen. Ich kam damals über die ersten 20 Seiten nicht hinaus. Mir war das irgendwie zu langweilig. Was ich dagegen klasse fand, war die Verfilmung der Klavierspielerin.

    Von Christa Wolf bin ich ziemlich begeistert. Ich habe die zwei Klassiker "Medea" und "Kassandra" verschlungen. Das war auch nicht ganz so schwierig zu lesen wie die Literatur von der Jelinek. Aber vielleicht müßte man es ja nochmal mit einem anderen Buch von ihr versuchen.
    Wer hat denn was von der Jelinek gelesen? Und was war etwas einfachere Kost? Würd mich jetzt schon interessieren, da sie doch den Nobelpreis bekommen hat.

    Klammer, Bernhard zählt auch zu meinen Lieblingsautoren.

  18. #18
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    Elfriede Jelinek - Die Klavierspielerin.

    Egal ob Buch oder Film, jeder ders kennt kann mir helfen

    Die Problematik in dem Buch ist meiner Meinung nach die Sexualität und die Erziehung (gibt es noch andere?). Ich soll darüber eine Analyse schreiben, jedoch bin ich nicht gerade kreativ wenn es um sowas geht. Bräuchte ein paar Anregungen und Gedanken über die Problematiken in dem Buch/Film. Wo gibt es Aktualitätsbezüge?

    Bin über jeden Gedanken dankbar....

  19. #19
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    Helfen? ich kann Dir einige Anregungen geben, die Dein Denken beflügeln könnten.


    Jelinek ist Determinist. Sie glaubt, daß Erziehung Muster ins Hirn treibt, die sich dann im Laufe des Lebens in einer sowieso deformierten Gesellschaft als Krankheitsbilder gerieren können. Eine von der Mutter gedrillte Tochter hat die Fähigkeit zur Hingabe verloren, in ihrem Körper existieren bloß Ahnungen ihrer Sexualität, die sie aber ausleben muß. Voyeurismus ist eine Art von Ersatzhandlung eines gestörten Eigenempfinens. Es müssen von außen, durch äußerliche Attribute Regungen erzeugt werden, damit im eigenen Inneren eine solche Raum findet.
    Abgesehen davon findet Jelinek hier jede Menge Möglichkeiten, ihre gekonnte Sprachvirtuosität einzusetzen, denn das Heimliche bedarf, als literarischer Topos betrachtet, einer gewissen Hinelitung, damit der Leser dieses Heimliche auch nicht als eigene Bedrohung empfindet, nicht selbst NUR Voyeurist bleibt.

  20. #20
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    weitere anregung ließe sich in berlin im be (berliner ensemble) finden, falls das zufällig dein zuhause. grüße hier direkt an brecht.
    läuft seit gestern ein stück der guten.

    frage am rand: was is den hinelitung?

    schreibfehler oder ich einfach nur wieder döspaddel?
    so wie ichs erahn: zumindest hält die gute nicht all zu viel von der gesellschaft. also ein kritisches, wenn nicht gar stumm-revolutionäres moment haftet ihrer. so auch zeit-kritik impliziert. kann man ja in einem nebensatz erwähnen. abgesehen davon, daß die spinnen, die österreicher. aber das gehört beiläufig in die klutenkist. hier ein deftiger gruß ans schnöberle - wohlwollend!

  21. #21
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    ein anderer Jellinek (nun gut, zwei LLLLLLLL) gefällt mir da besser, der die spießer beschreibende Georg Jellinek

    kennzeichen des spießers ist es, die gesellschaftlichen zustände als moralische notwendigkeit anzuerkennen, sich in ihnen einzurichten - ebensogut aber auch das gegenteil dieser zustände. mühelos geht er vom kaiserreich in die weimarer republik, von dieser ins dritte reich, dann in die DDR und schließlich in die BRD/BRÖ über. in allen daseinsformen hat er seinen schrebergarten, seinen fahnenmast und seine vorschriften, die ihn wissen lassen, woran er sich und die anderen zu halten haben.

    elfriede jelinek wird sich sicherlich nicht freuen, wenn ihr hier gesagt wird, daß dieser archetypus des menschlichen ewiger wirkt als etwelche geschlechtsspezifika.

  22. #22
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: "Nobelpreis Literatur" für Elfriede Jelinek

    Und die Laudatio hat dann keiner geschrieben.

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