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Thema: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    Wenn die Sprache unrein wird, dann liegt es auch am Soloezismus. Menschen machen Fehler, auch sprachlich. Diese gelten in der Öffentlichkeit, auch im privaten Gespräch nicht sonderlich viel. Viele meinen, sprachliche Fehler mit einer Handbewegung wegwischen zu können: Es ist nicht so schlimm, sagen sie.
    Dieser Meinung haben sich jetzt auch viele politisch verantwortbare Gremien angenommen, die ihre Sprach- bzw. Rechtschreibreform so verstehen, daß Gewohnheitsfehler nicht mehr als solche gelten. Sie werden zu Gebrauchsrecht, sind mithin rechter Gebrauch.
    Ich sage, stoppt diesen Sprachschludereiwahnsinn! Mit der Verunreinigung der Sprache ist kultureller Abstieg in den Barbarismus verbunden. Bekämpft alle, die sich gegen den rechten Gebrauch des Genetivs, gegen den rechten Gebrauch des Apostrophs aus Dummheit und Gleichmut aussprechen, die Groß- und Kleinschreibung für nebensächliche Dinge ansehen - wobei konsequente Kleinschreibung eine künstlerische Note besitzt, also ästhetisch brauchbar ist -, die den richtigen Gebrauch der Kasi (korrekt ist casuum, paßt hier aber schlecht) mit der Bemerkung wegwischen, man verstünde doch, was sie sagen wollten und eben aus dieser pragmatischen Notdurft eine Tugend machen wollen. Bekämpft sie, denn das Geheimnis der Sprache ist groß; die Verantwortlichkeit für sie und ihre Reinheit ist symbolischer und geistiger Art. Sprache ist geboren aus den Tiefen, rein und gewachsen in den Jahrhunderten, paraphiert durch die Bewußtwerdung logischen Aufbaus, bestimmt und besprochen von den höchsten Würdenträgern, von den Adligen des Geistes, die sich keineswegs nur künstlerisch, sondern in einem allgemein moralischen Sinn der Verantwortung stellten, auch der Verantwortung für das eigene Volk. Eine reine Sprache dient der Verbildlichung vorm Angesicht der Menschheit, und in ihr wird die Einheit des Menschlichen erlebt, die Ganzheit des humanen Problems.

    Der Genetiv muß stimmen, kann aber auch umgangen werden. Ist nicht so wichtig. Zwar bin ich nun kein Freund des Präpositionalstils, aber ich laß mir auch gern ein umschriebenes Haben als Nonplusultra dreiwertigen Werttums vorgaukeln. Meinethalben. Wenn's denn durchgehalten würde! Wird's aber nicht. Und damit bin ich beim Grundproblem.
    Sprache ist nur historisch konnotierbar, mithin relativ zu sehen. Sprache hat etwas mit Schwungsucht zu tun, mit Auswuchtung, mit Höhe und tiefem Fall. Eine Sprache ist insofern historisch rein, wenn sie in Beugung und Kontemplation, in Verdichtung und Abstraktheit gleichermaßen das ausdrücken kann, was von den Sprechenden gedacht wird. Dann ist eine Sprache rein, wenn sie das zu leisten imstande ist.
    Unsere Sprache ist seit den Klassikern dazu imstande, seitdem auch wächst der Abstand zwischen dem Gedachten und Ausgedrückten. Nun will ich nicht zu Zustaenden zurück, wie sie um 1790 herrschten, nicht den medizinischen und nicht den wirtschaftlichen, aber die ästhetische Aufnahme, der Wille, sich in der Sprache heimisch zu fühlen, aus ihr den Gedanken zu formen, der in die Welt will, aus sich selbst für andere, nicht aus sich selbst für sich selber, dieser Grundgedanke unserer Klassik ist modalisierbar. Er ist nur zu bereiten, wenn gegen Schluderei vorgegangen wird, ein Bett bereiten; wobei dies nur ein Punkt ist, ein Punkt von vielen.

  2. #2
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    Question AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    Lieber Wolkenstein,
    Schonmal Mozarts Briefe gelesen?
    Willst du Thür und Hülfe wieder haben?

  3. #3
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    uiuiui, kinders, kinders, kinders, da is wat los... - mais oui, isch liebe die schbrache, und wie, ich 8e sie auch, fürwahr - doch doch doch - man kann (sie wohl auch beherrschend...) auch mit ihr schbielen tun - so viele dialekte, so viele schbrachen, so viele möglichkeiten - warum be-schränken, was der fanta-sie ein kind? -
    Jandl? Morgenstern? DaDa? Futurismus? Surrealismus? Avantgarde?
    ists nicht INDIVIDUELL, sie zu gebrauchen, zu hätscheln zu ehren auf seine ART und WEISE???
    ******* auf die regeln, sie machen dumm, mürbe und päpstlich... -
    wölkchen, ich will mehr!
    MEER!
    ALLES!
    und nix!


    herzliche grüsse aus nimmerland


    paulchen

  4. #4
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    wahnsinnsrede gegen sprachschluderei mit fettem, peinlichem fehler.
    du gebrauchst das wort "casus". du deutschest es ein, mit "k" am anfang. na gut. aber dann wäre der genitiv als "kasus'" zu bilden, mit genitiv-apostroph. du deutschest es dann wieder nicht ein, du gebrauchst nämlich eine "lateinische" endung, "-i". das dumme ist, dass "casus" der u-deklination unterworfen ist, der genitiv heisst "casus", mit langem "u" gesprochen.
    kann ja passieren, wenn man sich sprachlich ständig am rande der verständlichkeit bewegen muss, weit draussen, auf dem dünnen eis, wohin sich kaum ein näherer betrachter begeben mag. aber es lässt sich doch ein rückschluss auf das gewicht des tänzers ziehen, und er wird zu leicht befunden.


    nimm dies als visitenkarte von


    schimmermann/luv

  5. #5
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    vonWolkenstein, diesmal kann ich nicht anders, ich stimme dir zu. sprache ist ein so kostbarer besitz, dass jeder mutwillige eingriff - vor allem in der grammatik -, auch wenn er als künstlerische freiheit bezeichnet wird, selbstfindung oder was für ausreden der schluderei auch immer gebraucht werden, die qualität mindert.
    während ich dem gesprochenen wort regionale und schichtenspezifische eigenheiten zugestehe, erwarte ich vom geschriebenen größtmögliche genauigkeit in allen bereichen. schluderei als gewollte, weil notwendige veränderungen zu bezeichnen, zeigt vom hochmut und von der inkompetenz des verwenders/der verwenderin und kommt einer notzucht gleich. veränderungen geschehen dort, wo sprache gesprochen wird, sie wachsen langsam und mehr oder weniger sinnvoll. aber sie geschehen in einem erträglichen tempo.
    und so sehr ich es bedaure, der genetiv wird verschwinden, die großschreibung sich auf echte nomen beschränken, das umlauten des stammvokals vieler verben wird ein ende finden, und - eine horrorvision - aus "unkaputtbar" werden wir ein verb "kaputtieren" kreieren und verbale missbildungen wie "letztendlich" in die wörterbücher eingang finden.
    ich warne aber davor, Menschen, die auf grund ihrer herkunft und der davon abhängigen möglichkeit zur bildung und/oder angeborener oder später erworbener physischer oder psychischer schäden gesprochene und/oder geschriebene sprache mangelhaft oder nicht beherrschen, zu werten und sie auszugrenzen.


    allerleirau,
    die doch ein bissl was versteht vom spracherweb und seinen auswirkungen auf den berechtigten wunsch jedes menschen nach dem größtmöglichen glück.


    [Diese Nachricht wurde von allerleirau am 06. September 2000 editiert.]

  6. #6
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    In der Terminologie hat man sich von dem Begriff "Hochsprache" ja bereits verabschiedet. Dennoch scheint in dieser Diskussion noch der Gedanke einer "Hochsprache" (und als solche - für die hohe Literatur - literaturfähig) vorzuherrschen. Im Gegensatz dazu gäbe es dann das "Niedere", das allenfalls irgendwelchen Provinzsprachlern oder sonstwie an Leib und Seele Geschädigten zugebilligt wird.


    Der neue (und wesentlich treffendere) Begriff lautet: Standardsprache. Hier wird betont, dass es sich um eine allgemein anerkannte (und verständliche) Sprache handelt. Wo also weder bestimmte regionale Spracheigenheiten, noch soziologische Bedingtheiten u.?. für das Verstehen wichtig sind.


    Sowohl die Standardsprache wie auch Dialekte/Soziolekte usw. verfügen über Regeln. Nur der Unkundige vermutet im Dialekt Regellosigkeiten. Oder Wahllosigkeiten im Jargon,... Alle diese Sprachebenen kennen eine korrekte und eine unkorrekte Anwendung. Es gibt also (vom Formalen her) keinen Grund, das eine als "hoch" und das andere als "nieder" zu apostrophieren. Das ist vielmehr eine bildungsbürgerliche Ausgrenzungsstrategie. In dem Zusammenhang passt es sich wunderbar ein, dass von obiger Schreiberin auf ihre Nun-Denn-Doch-Kenntnisse verwiesen wird. (Ein Schreck trifft mich: Hab ichs mit einer Kollegin zu tun? Einer jener Deutschprofessorinnen, wie ich sie so richtig liebe. - Feindbilder gedeihen rasch im Netz!)


    Nun denn doch zur Literatur. Wenn man die Sprache und das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit als zentrales Thema seines Schreibens wählt, beschäftigt man sich (naturgemäß ) intensiv mit verschiedenen Sprachformen und den Folgen verschiedener Sprachverwendungen. Und dem Umstand, dass dann mit Hilfe von genau dem gearbeitet wird, das Thema ist. Dass (sozusagen) Werkstoff und Werk in einer Wechselwirkung stehen.


    Das wird natürlich jemanden, dem es nicht um Sprache (als Untersuchungsgegenstand!) geht, ganz und gar nicht interessieren. Genauso wenig wie mich raunend-altertümelndes Poetenwerk interessiert.


    Betonen möchte ich, dass auch ich eine große Formalistin bin. Also auf sprachliche Korrektheit großen Wert lege. Aber eben Korrektheit auf den jeweiligen Rahmen bezogen. Weshalb mich dieser Schluderei-Vorwurf so amüsiert hat.


    Andrea

  7. #7
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    andrea, gestern wetterst Du im Verlagsforum und machst einen Riesenbimbums um Deinen Abgang, heute schreibst Du hier einen längeren Artikel.

    Zur Sache:

    Mozarts Briefe hab ich gelesen, einmal über Herrn Hildesheimer, ein ander Mal über Herrn Hofmannsthal, schließlich fand ich da auch eine bemerkenswerte Aussage dieses omnipotenten Musikers (als Mensch und Dichter taugte er wohl nicht sonderlich):

    erstellt von Amadeus:
    Ich glaube, soviel im Stande zu sein, daß ich jedem Hofe Ehre machen werde: Will mich D, mein geliebtes Vaterland, worauf ich, wie sie wissen, stolz bin, nicht aufnehmen, so muß in Gottes Namen F oder GB wieder um einen geschickten Deutschen mehr reich werden. Und das zur Schande der deutschen Nation. Sie wissen wohl, daß fast in allen Künsten immer die Deutschen diejenigen waren, welche excellierten - wo fanden sie aber ihr Glück? - in D gewiß nicht. Der Erzherzog sagte neulich zu mir: Solche Leute kommen nur alle 100 Jahre auf die Welt und die müsse man nicht noch aus D vertreiben.


    Der Mann hatte vielleicht ein Problem mit der Orthographie, doch das sagt sich leicht, wenn es keine Regeln gibt (Adelung?). Jedenfalls ist der Stil brachial. Aber, worum ging es Dir eigentlich? Glaubst Du, daß ich Mozart ans Bein pinkeln will? Im Gegenteil. Ich liebe ihn, nicht so wie Bach, aber ich liebe ihn.

    luv: Ich geruhte, Genetiv Plural zu bilden, korrekt casui, eingedeutscht Kasi. Meinen Scherz verzeih.

    andrea: Warum führst Du den Begriff der Hochsprache ein? Hat jemand davon gesprochen, ihn gar benutzt? Thema verfehlt, Spatzl. Es geht hier um Schludereien, nicht um eine Differenzierung von Standard- und Hoch- oder Niedersprache. Du irrst Dich auch in dem Punkt, als daß Du behauptest, Dialekte würden eisernen Regeln folgen. Für das in meiner Gegend gesprochene Ostfälisch ließe sich das nicht behaupten, würde man Deine Auffassung anwenden wollen. Dativ und Akkusativ sind hierzulande im mündlichen Verkehr austauschbare Individuationen, wie dies überhaupt im Ostmitteldeutschen gängige Praxis. Aber vielleicht ist das ja die Regel, daß es eben keine nachvollziehbare Begründung für den Gebrauch von transitiven und intransitiven Verben gibt. Man denke nur an den Klassiker: "Mir und mich verwechslich nich, das kömmt bei mich nich vor."
    Vielen Dank für Deine Belehrungen. Warum sprachst Du nicht über die Stechgefahr freilaufender Hunde auf den Hebriden? Da ließe sich ein Boden spannen zur Gurke, Du weißt schon, das ist ein Thema, das Dich interessiert. Eigentlich hatte ich dann gehofft, da? Du beim nichtgefundenen Thema dann bleibst, nein, auch da mußt Du widersprechen, diesmal Dir selbst, also hier ein Rundum zur Literatur:

    Es geht Dir letztlich um Sprachverwendungen in der Nutzanwendung auf die Wirklichkeit? Sehe ich das richtig? Nein! Aber beinahe doch, schließlich stellst Du in zwei Sätzen drei Zusammenhänge her. (Warum hast Du eigentlich nicht gleich Kant miterledigt?)

    Wo waren wir? Bei der Wechselwirkung von Stoff und Form, nein, von Stoff und Inhalt, nein von Stoff und Nichtstoff. Das dem Äußeren zugrundeliegende Nichtstoffliche ist die Form. Recht so? Die Form liegt im zu Bewerkelnden. Daher ist eine Wechselbeziehung möglich. Empedokles. Das Auge ist sonnenhaft, so kann's die Sonne sehen. Der Stoff ist angelegt, ist bar jeder Erinnerung? Ist er eben nicht. Aus der Erinnrung schöpft der Autor am scheinbar Äußeren, eines Aufgefundenen. Und den Abrieb münzt er in ein Neues. Heißt es nicht, sieben Töne, die umfassen alle Lieder? Und doch singt die Amsel jeden Tag ein ander Lied, mal traurig, zumeist traurig. Dichter müssen traurig sein.

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Tautologie: weit abseits

    weit abseits

    weit assoziiert Ferne; abseits assoziiert das gleiche, zugleich jedoch eine über die Ferne hinausreichende ENTfernung, eben ein abseits
    Etwas über jede meßbare Entfernung liegendes läßt sich durch einen Verstärker wie WEIT nicht steigern, also Tautologie.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: weit abseits

    "Weit abseits" würde ich nicht als Tautologie betrachten, denn etwas, das weit (weg) ist, muß nicht unbedingt abseits stehen, und etwas, das abseits steht, kann auch in einem (vom Betrachter aus) sehr nahen Abseits stehen. Nee, ist keine Tautologie.


    Klassische Tautologien: Alter Greis, schwarzer Rappe, kleiner Zwerg...

  10. #10
    rodbertus
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    AW: weit abseits

    Das Wesen des Abseitigen ist es doch aber, daß es nicht in der Nähe, will heißen Greifbarkeit steht, eben SEITE bildet. AB- ist ein Unwirklichkeitspartikel, also in der Bedeutung des Ungenauen, Unnahen, Ohngefähren zu lesen. Abseits ist ein AUSZERHALB, ein empirisch Ungreifbares. Wer ABSEITS steht, der hat mit dem Eigentlichen nichts mehr zu tun. Mithin muß ABSEITS WEIT weg sein. Es MUSZ.

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: weit abseits

    Das "weit" ist ein zu allgemeiner, zu schwammiger Begriff, um in Verbindung mit dem "Abseitigen" ein Doppeltgemoppeltes darstellen zu können. Die (oder das) "Weite" muß nicht in der Ferne oder im Abseits liegen; sie (oder es) kann auch in die Breite gehen und den Betrachter in sich einschließen; die Weite kann sogar im Zentrum der Wahrnehmung stehen und damit ganz entschieden nicht abseitig sein.
    Ich sehe in dem "weit" eher so etwas wie einen Elativ, also eine vergleichslose, superlativistische Steigerung, oder aber einen Komparativ im Sinne von "ziemlich (abseits)".
    Bei einer echten Tautologie kann aber der erklärende Begriff keine steigernde Funktion für den zu erklärenden haben (höchstens scheinbar), da letzterer bereits ein nicht steigerbares Absolutum darstellt.

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: weit abseits

    stimme mark voll zu.
    "weit" drückt eine entfernung aus, "abseits" bedeutet nur, daß etwas sich außerhalb einer (gedachten) linie befindet. natürlich kann das abseitige weit sein und das weite abseitig, aber es ergänzt sich nicht. es sind verschiedene qualitäten.
    (beim fußball hab ich das aber auch nie begriffen)


    bigvogel

  13. #13
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: weit abseits

    Eben, Vögelchen.


    WEIT ist natürlich ein vielschichtiges Wort. Weites Feld, weit hergeholt, weitgehend, weiteres, weise..


    Welt schwingt auch mit. Abseits weit würd ich gelten lassen, andersherum eben nicht. Man könnte meinen, daß WEIT hier als Verstärkung wirkt, doch ist dies eben nicht der Fall, wenn man's logisch sieht wie meinereiner. ABSEITS muß WEIT im Sinne einer Nichtnähe sein, gedanklich oder räumlich?, das spielt keine Rolle.


    Aber ich will mich jetzt nicht streiten. Klassifizieren wir es als Wackelkandidaten.

  14. #14
    Romea
    Status: ungeklärt

    Tautologie: multiple Vielfalt u.a.

    multiple Vielfalt


    als Erste gewinnen


    verschiedene Alternativen


    gerade Ebene


    enges Gedraenge

  15. #15
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    Etwas über die Verwestlichung unseres Vaterlandes:

    Bekanntermaßen existieren in Deutschland zwei prinzipienfeste Sprachschulen, eine in Mannheim, eine in Leipzig.
    vereinfacht gesagt: Die Mannheimer verleugnen großteils die Palatalisierung, dehnen vielmehr Vokale und grenzen das einzelne Wort staerker ab. Alles einem Hang zum Strukturalismus Chomskyscher Prägung geschuldet.
    Die Leipziger dagegen sprechen die Ausgänge weich, hacken eher die Vokale und neigen zu Zusammenrückungen.

    Ich möchte betonen, daß ich beide Schulen für reponderabel halte.
    Im besonderen Maße ist es bei Schalterbeamten im Hallischen Hauptbahnhof festzustellen, wie sehr sich westlicher Einfluß bei armen Schalterbeamten (sind sie das eigentlich noch?) auswirkt. Die Armen sind schier verunsichert, wie sie denn nun sprechen müssen.
    Da sagt die frouwe doch: Zum ICE nach Leiipzick aus (!!?) Gleis 12. Bittäh zurück treten.

    Nun, da war ich schnell bei ihr, um sie zu fragen, wes Stadtes Kind sie sei.

    "No, aus Halle kimm ich", sagte die gute Frau.
    Dann fragte ich sie, seit wann Leipzich spitzkehlig gesprochen werden müsse.
    "Mir sin anjehalten wordn", sagte die gute Frau.
    Ich sagte ihr, daß es falsch sei. Man sage auch nicht Hahmburk oder Bärlin. Ich schärfte ihr ein, daß sie ohngescholten Leipzich sagen dürfe, schließlich sei dies der Name der Stadt.
    "Das weeß ich doch", sagte sie, beinahe schnippisch.

    Daß VON und AUS keineswegs semantisch deckungsgleich seien, wollte ich danach nicht mehr besprechen.

    Und kurze Zeit später hörte ich wieder LEIIPZICK. Schlümm!

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    "sprache ist ein so kostbarer besitz, dass jeder mutwillige eingriff - vor allem in der grammatik -, auch wenn er als künstlerische freiheit bezeichnet wird, selbstfindung oder was für ausreden der schluderei auch immer gebraucht werden, die qualität mindert."


    Ist ne Weile her, aber mich schüttelt es immer noch.
    Das mit Picasso wundert mich immer noch. Der wußte ja noch nicht mal, wie man eine Nase zeichnet, nicht wahr?
    it

  17. #17
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    Äpfel und Birnen, Spatzl! it, Du solltest Dich aus Rechtschreibdiskussionen heraushalten. Mitspracherecht - unbedingt - besitzt Du allerdings, wenn es um Sprachschönheit geht. Die allerdings hat mit Orthographie und Grammatik nur mittelbar etwas zu tun.


    Welchen Sinn machen Regeln in der Sprache?

    allerlei hat aber nun mal etwas Wahres ausgesprochen. Schiller, dieser Mann, den wir sehr hochhalten - und Gott bewahre uns hier vor den Neuerungen der Reform! - gab einmal zu bedenken, daß nur der die Ordnung verletzen dürfe, dem sie heilig ist.
    Heute dagegen ist es so, daß die Ordnung nur dann geachtet wird, wenn sie vernünftig und nützlich. Und das, liebe it, ist ein factum est, dem Du Dich mal stellen solltest. Rechtschreibung hat ihren Sinn darin, daß sie einer Ordnung entspricht, keinem Wahn, sondern einem Tradierten. Das Maß der Befolgung diverser Regeln kann nur darin liegen, ob die Regeln logisch (nachvollziehbar) und pragmatisch sind, Mißverständnissen vorbeugen, wenn man sie befolgt. In diesem Punkt bin ich durchaus ein Vertreter von Regeln und Logik. Inhaltlich dagegen würde ich mich immer sträuben, durch Regelungen Vorschriften zu erhalten, was ich denken, fühlen oder welcher Gesinnung ich sein muß, um in einem Diskurs Anerkennung zu finden. Aber das sind auch wieder zwei Paar Schuhe. Hier geht es um bewußte Schludereien, also Gleichgültigkeit gegenüber sprachlicher Klarheit. Mit Picasso hat das nun gar nichts zu tun. Der war Maler und kein Wortkünstler.

  18. #18
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    Robert, meine Orthographie ist lausig, ich habe mir aber einen Duden gekauft und versuche, daran zu arbeiten. Soviel dazu.
    Aber ich mein Zitat hat - ich wiederhole mich - nichts mit Rechtschreibung zu tun.
    Ich entschuldige auch nichts mit der Ausrede, Künstler zu sein - (siehe Dein eigener Ordner) aber künstlerische Freiheit leichterhand mit Schluderei gleichzusetzen.... oh Gott.

    it

  19. #19
    Alex
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    Tautologien

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  20. #20
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    Tautologie: frustrierter lektor

    frustrierter lektor (diese tautologie kam mir in den letzten tagen in den sinn...)

  21. #21
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    manipulierender Moderator

  22. #22
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  23. #23
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    Tautologie: kleine Miniaturen

    kleine miniaturen

  24. #24
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    Pleonasmus: schlchtes Gewissen

    Gestern beim Vortrag von Professor Jung etwas wichtiges gelernt:


    Schlechtes Gewissen ist ein Pleonasmus, den ich hier nicht vorenthalten möchte. Ein Pleonasmus ist von der Tautologie zu unterscheiden, er ist mit geringerer stilistischer Fehlerhaftigkeit belastet. Ein Pleonasmus ist nur eine Überladung, aber keine inhaltliche Dopplung. Die Tautologie ist durch Mitsagen einer Information im Adjektiv gekennzeichnet, ein Pleonasmus greift sich einen Teil der Wortbedeutung des Nomens heraus und verstärkt diese in übertriebener Weise.

    Das Gewissen per se ist nicht schlecht, neigt aber dazu, Kompensation für etwas Getanes zu heischen.

  25. #25
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    schwimmende Fische


    weil Fische nicht schwimmen können, das geht nur auf dem Wasser

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