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Thema: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

  1. #26
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    Zu schwimmenden Fischen, Robert: ein Fisch schwimmt durchaus von hier nach dort. Was wäre die Alternative? Tauchen? Das geht auch nicht. Gehen? Hm. Bewegen. Ja gut, aber... . Fahren? Vielleicht.

  2. #27
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    luv, ich habe Dir unrecht getan. Leider Gottes aber war Deine Fall-Bestimmung auch nicht korrekt. Genetiv Plural von casus ist casuum, nicht casus mit langem u. Du hättest doch sehen können, daß ich Mehrzahl anzeigte, oder? Das -i steht, weil es schicker aussieht, leichter zu sprechen ist und im Deutschen nun mal das -i als typisches lat. Genetivsuffix gilt - was hier aber nicht verfängt, also hab ich's im Ordnereingangstext angezeigt, daß das -i hier falsch ist, trotzdem aber benutzt ward... (Übrigens haben unsere Klassiker auch immer von den Kasi gesprochen, wenn sie Fälle meinten, die noch zu verhandeln seien.)

  3. #28
    Resurrector Avatar von aerolith
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    zu Recht vs. zurecht

    "zu Recht" ist auch so eine Unart. Was, bitte schön, soll das sein? Es gibt das modale Adverb "zurecht", doch daraus läßt sich keine präpositionelle Verbindung "zu Recht" zaubern, die dann was ausdrücken soll? Daß etwas MIT Recht geschah, daß etwas zum Recht wurde oder werden soll?


    Ich habe kürzlich die FAZ abbestellt, weil die sich partout nicht an die Regeln halten wollen, obwohl sie's öffentlich bekunden. So schrieben sie "Die Reformen sollen weiter gehen", meinten aber "Die Reformen sollen weitergehen", und beinahe täglich gebrauchen sie mehrmals pro Nummer "zu Recht" in deutlich adverbialer Bedeutung, was mir unerträglich ist, wenn's so geschrieben steht.

    Man muß sich da schon entscheiden, wes Geistes Kind man ist.

    zu Recht vs. zurecht


    die seit einigen jahren vermehrt benutzt form "zu Recht" für zurecht besitzt ihren grund im sprachimperialismus des westens, in steigerung der bedeutung der rechtsmittel auch im sprachlichen gebrauch.
    zurecht ist ein umstandswort, das auf luther zurückgeht, allerdings schon im mittelalter als zue rechte benutzt wurde. es bedeutet soviel wie "sich auf dem rechten [richtigen] Wege wissen, nämlich zu gott". die heutige benutzung dagegen soll, nach einschlägigen nachschlagewerken, an die abtrennung resp. zuweisung zu komponierten verben wie zurechtrücken, zurechtkommen oder zurechtweisen u.a. gekoppelt sein. zu Recht soll dann geschrieben werden, wenn zwar die adverbiale bedeutung gemeint sei (!?), aber kein reversibles verb im satz stünde.
    bockmist.
    zurecht ist ein umstandswort, kein an bestimmte verben gebundenes präfix. das zu Recht im sinne eines RECHTS, paraphiert oder allgemeingültig, ist in sehr eingeschränkter syntax anwendungsbereit, aber sofern die umstandsbedeutung eines korrekten, eines gültigen, eines auch nur gemeint-gewollten oder schlichtweg einer willenskundgebung steht, muß, um nicht sprachschludernd zu wuseln, zurecht geschrieben werden.

  4. #29
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    Ich stritt mich einst mit einem Wolkensteiner über den Unterschied von seelisch und selig. Der Mann wollte partout den Unterschied nicht begreifen und meinte, selig stamme auch von Seele.
    In der Bergpredigt spricht Jesus von denen, die SELIG werden sollen. Damit meint er nicht, daß sie eine Seele bekommen sollen oder sich ihrer Seele bedienen sollen oder dergleichen, sondern schlichtweg, daß diese Menschen sein Wohlwollen besitzen, ausgeglichen mit sich und der Welt genannt werden müssen, sich im Einklang mit allem, was da lebt, befinden. Seelisch meint also das Adjektiv von Seele; selig dagegen meint es im Sinne des lateinischen beatus, also glücklich, unverdorben, zum Glück bestimmt (klarer christlicher Bezug).

    Das sind zwei verschiedene Dinge.

  5. #30
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    reisende Tote

    In dem inhaltlich rühmlichen Artikel "Die ungestellten Fragen von Oslo" von Stefan Schulz (FAZ, 4.8.2011, S. 29.) stellt besagter Autor folgendes fest:

    "Bei der hohen Zahl an Getöteten, die aus allen Gegenden Norwegens nach Utoya anreisten, liegt es nahe, dass jeder Bürger des Fünfmillionenvolkes durch persönliche Beziehungen zum Opfer dieser Tat wurde."

  6. #31
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Wahlbeamter

    Wahlbeamter: contradictio in adiecto. Ein Beamter ist nach deutschem Recht, ein auf Lebenszeit eingesetzter öffentlicher Bediensteter. Sie können/dürfen nicht kündigen bzw. ihnen darf nicht gekündigt werden. Das unterscheidet sie von Angestellten, die privatrechtlich Arbeitsverträge abschließen.
    Ein Wahlbeamter hebelt diesen Grundgedanken aus, indem er einen Beamtenstatus für eine bestimmte Zeit an die Wahl knüpft, also zwei an sich unvereinbare Dinge verbinden will.

    Aber gut, es soll ja auch Wahlverwandtschaften geben.

  7. #32
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Sponsorenhierarchie

    ein klarer fall von soloecismus findet da im förderbereich für professionelle und halbprofessionelle statt. das fachwort lautet "sponsoring". gemeint ist das beischießen von geld und sachwerten für einen gemeinnützig arbeitenden verein, der mit diesem geld seine angestellten bezahlt und im gegenzug eine bewerbung der produkte oder des namens des förderers leistet.

    ich habe heute gelernt, daß es



    1. hauptsponsoren
    2. premiumsponsoren und
    3. exklusivsponsoren

    gibt. der hauptsponsor soll der wichtigste sein. premium (von erstklassig, einzigartig, bevorzugt) zu verstehen ist das gar nicht, sondern: er ist nur ein förderer aus der zweiten reihe. der exklusive sponsor (förderer) schafft es gar nur auf den dritten platz und darf sich seine exklusivität (einzigartigkeit; ausschließlichkeit) mit zahlreichen anderen exklusivsponsoren teilen, die wohl auch glauben sollen, sie seien ausschließlich (ihrer konkurrenz) förderer ihres lieblingsvereins.
    kloar und deutlich also.

  8. #33
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Wustmann

    um 1900 wirkte in leipzig gustav wustmann. ich las sein buch "allerhand sprachdummheiten" und arbeitete fundst?cke in die wolkenstein-datenbank ein. stichwort "stilkunde".

  9. #34
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Soloecismus - Unser Sprachschludereien-Ordner

    eine diskussion der oberflächlichen sprachpuristen richtet sich gegen die einführung des englischen als lingua franca in deutschen technischen universitäten generaliter spätestens 2020.
    die argumente: das deutsche verkümmere zu einem dialekt; deutsch ist seit der aufklärung eine wissenschaftssprache; ingenieure sollten sich in ihrer muttersprache verständigen; internationalisierung bedeutet hier amerikanisierung; jede nicht in der muttersprache vorgetragene und mitgeteilte lehre verschlechtert sich qualitativ...


    meine meinung: ich habe nichts dagegen und betrachte das nicht als den untergang des abendlandes, wenn technische universitäten durchgängig die lingua franca der gegenwart zur vermittlung nutzen. wer einmal eine bedienungsanleitung las (auf deutsch), der kann nicht umhin, dieses technische deutsch (gewäsch) als wenig bildungsbedingt zu klassifizieren.
    das deutsche ist zudem eine synthetische sprache, keine analytische wie das englische. zwar entstammen beide dem indogermanischen, aber die unterschiede der sprachbildung sind evident, grundlegend. der deutsche denkt anders als der englischsprachige. es wird keine deklassierung zum dialekt erfolgen können, denn das englische steht schlichtweg nicht auf der höhe, die das deutsche besitzt. ich erinnre nur an die unfähigkeit der briten, hegels begriff des aufhebens angemessen übersetzen zu können.

  10. #35
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    Goethe der Stümper

    it, Spatz, Du solltest Dich aus Rechtschreibdiskussionen heraushalten. Mitspracherecht - unbedingt - besitzt Du allerdings, wenn es um Sprachschönheit geht. Die allerdings hat mit Orthographie nur mittelbar etwas zu tun.
    wenn auch nicht an mich gerichtet, fühlte ich mich spontan angesprochen.
    In Sachen Orthographie würde ich doch glatt durch den Einbürgerungstest fallen. Nach den Regeln der Grammatik bin ich unserer Sprache nicht würdig - und liebe sie dennoch wie kaum ein Zweiter. Am meisten stehe ich wohl mit der Interpunktion auf Kriegsfuß. Ich lasse mir nur ungern Regeln aufstellen - und schon gar nicht ... wenn es um Takt und Rhythmus geht.
    Ich liebe Goethe für sein Sprachgefühl und hasse ihn gleichzeitig für Wörter wie z.B. Sonn' (er meinte Sonne) oder Wonn' (Wonne). Dafür müsste er eigentlich nochmal in den Knast, würde er noch leben. Er war genial, outete sich hin wieder aber auch mal als Stümper. Ihm fiel eben nicht alles so leicht, wie man gerne glauben mag - er zerbrach sich auch mal wochenlang den Kopf...weil er an einem Satz hängen blieb. Irgendwann machte er sich die Mühe nicht mehr...schließlich war er Goethe...da können andere doch denken was sie wollen. Die Größten hatten alle etwas gemeinsam; sie wussten lange vor allen Anderen, dass sie die Größten sind - das war in der Musik (R. Wagner) auch nicht anders. Um ein wirklich Großer zu werden, braucht es eben jenes Selbstverständnis. Nirgendwo ist die Demut so unangebracht...wie in der Kunst.


    Ich würde mit dem Schreiben sofort aufhören, würde ich nicht auch in mir dieses Potential erkennen -und danke gleichzeitig jedem, der mich in diesem Glauben lässt.
    Die Rechtfertigung ist ein Außenposten der Mittelmäßigkeit.

  11. #36
    kls
    Status: ungeklärt

    Goethe der Stümper

    Ich vertrete nämlich mehrere Standpunkte, je nach Lage:


    1. Schreibt! Es ist Eure einzige Rettung. Schreibt Schund oder Weltliteratur, aber schreibt, egal ob in Pidgin- oder Germanistikprofessorendeutsch.


    2. Lernt endlich mal, dieser wunderbare Sprache mit Respekt zu begegnen. Lernt Deutsch! Schändet nicht diese Sprache, indem Ihr alles klein schreibt, Interpunktion vermasselt, Rechtschreibfehler nicht mit Hilfe eines Prüfprogramms aussortiert und so weiter.


    3. Beleidigt nicht den Leser mit gestammelten Sätzen.


    4. Schreibt so, wie die Alltagssprache klingt. Schaut dem Volk aufs Maul.


    5. Schreibt bloß nicht in Sprechdeutsch.


    6. Erfindet keine neuen Shraipweißn. Der Leser möchte nicht stolpern.


    7. Zwinge den Leser zu genauerem Lesen, indem Du sinnvolle Wortspiele und -verdreher einbaust.


    Da ich aber alles nur als Richtlinien betrachte, halte ich mich selber kaum daran.

  12. #37
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Pleonasmus: schlchtes Gewissen

    Zitat Zitat von Mark
    "Weit abseits" würde ich nicht als Tautologie betrachten, denn etwas, das weit (weg) ist, muß nicht unbedingt abseits stehen, und etwas, das abseits steht, kann auch in einem (vom Betrachter aus) sehr nahen Abseits stehen. Nee, ist keine Tautologie.


    Klassische Tautologien: Alter Greis, schwarzer Rappe, kleiner Zwerg...
    mit seiner erklärung hatte mark recht, nicht aber mit dem beispiel KLEINER ZWERG. das klein steigert das kleine, das zum zwerg gehört, noch, tritt hier also nicht als wiederholung eines bereits mitgeteilten, sondern als verstärkung auf. das gleiche läßt sich für ALTER GREIS sagen. ein greis ist zwar de nomine alt, aber ein alter greis ist eben besonders alt, da alt gradiert werden kann. SCHWARZER RAPPE dagegen ist wirklich eine tautologie, denn schwarz kann nicht gesteigert oder minimiert werden. da ein rappe schwarz sein muß, um rappe zu sein, wiederholt schwarz nur das, was in rappe sowieso schon steckt.

    die übrigen beispiele werde ich demnächst prüfen. andere seien aufgefordert, dies auch zu tun und gegebenenfalls fürderhin auf benutzung derselben phrasen zu verzichten.

  13. #38
    Resurrector Avatar von aerolith
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    deutschsprachig

    Das Adjektiv "deutschsprachige" soll "deutsche" ersetzen. Aber die Semantik deckt sich nicht, denn es gibt zahlreiche Nichtdeutsche, die auch in der Lage sind, deutsch zu sprechen. Eben das solle ja gemeint sein, widerspricht ein Oberflächlicher. Eben das soll ja nicht gemeint sein. Gemeint sein soll ein Alleinvertretungsanspruch der BRD, die engen Grenzen der itzigen BRD als "Deutschland" bezeichnen zu dürfen. Das aber ist falsch. Die BRD deckt sich nicht mit Deutschland. Wer "deutsch" als seine Muttersprache bezeichnet, ist Deutscher. Grundgesetz hin oder her. Das GG ist eine historische Erscheinung. Deutsch dagegen weist über Historisches hinaus, nimmt man die Menschheitsgeschichte zum Vergleich. ich wage zu bezweifeln, daß in dieser Gegend, in der ich zu Hause bin (was aber auch für die meisten anderen gebiete der BRD zutrifft, jemals andere als "Deutsche" gewohnt haben. Sie hießen nur anders, aber es sind immer dieselben Menschen gewesen. Man schaue sich nur die Erscheinungsformen der Menschen an, die hier vor fünf- oder zehntausend Jahren lebten. Es gibt viele Gebiete auf der Welt, in denen sich die Genome eher wenig veränderten, sieht man einmal von dem Bastardisierungsanteil von 5% je Generation ab. Ich will das itzt nicht weiter ausführen. Tatsache ist, daß "deutschsprachig" zu weit und zu eng greift, somit eine Sprachschluderei darstellt.

  14. #39
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Soldatin resp. Feminierung von Abstracta

    Ich halte es für eine Unart, aus dem Lateinischen ins Deutsche gekommene (abstrakte) Suffixe zusätzlich mit einer Geschlechtsspezifikation zu versehen. Die Endung -at ist nicht geschlechtsneutral, meist aber sächlich. Kondensat, Affrikat, Unikat, Muskat, Heimat, Substrat... sind samt und sonders erstarrte, abstrahierte Formen, die einem Prozeß nachfolgen.

    Um beim Beispiel Soldatin zu bleiben. Ich schlage vor, hierfür das althergebrachte Wort "Flintenweib" (sächlich!) zu gebrauchen oder, wenn es denn gar nicht geht, dann Soldat ebenfalls zu neutralisieren. Dann ab sofort DAS Soldat. Das würde mir besser gefallen, denn außer diesem einen Beispiel ist mir kein männlich deklinierbares deutsches Wort auf -at bekannt.

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