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Thema: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

  1. #1
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    ein rundgang durch ottakring. mit rudi van gookelen.

    ein rundgang durch ottakring
    mit rudi van gookelen



    die ottakringer bierbrauerei


    "meine damen und herren, wir befinden uns hier vor der brauerei ottakring, einem der hot spots von ottakring. der bau selbst trügt ein klare architektonische botschaft in sich: schlichte, zeitlose funktionalität, ein postästhetisches werk. durch das fehlen klarer symmetrien und fluchtlinien wird allerdings die harte funktionalität mit einem augenzwinkern gekonnt abgefedert. meine damen und herren, ich möchte gerne ihre aufmerksamkeit auf die rostigen tanks lenken, die ein mutiges bekenntnis der brauerei zu ihrer vergangenheit darstellt. besonders gelungen scheint mir überhaupt die apotheose zeitlichen wandels, die ihre darstellung im weg von der vergangenheit kündenden rostigen tanks zu den in der postmoderne knatternden, sommergelbe fahnen findet.



    “beetzsche“ stoffwechselstube in ottakring

    wir befinden uns hier direkt vor einer von insgesamt drei öffentlichen bedürfnisanstalten ottakrings (ausgenommen die toiletten in den u-bahnstationen), die von den ottakringern auch gerne als stoffwechselstuben bezeichnet werden. bitte beachten sie die tafel, auf der zu ersehen ist, dass der stoff hier in verschieden klassen gewechselt werden kann. In der ersten klasse gibt es für das apres-stoffwechsel einen waschtisch, der in der zweiten fehlt. Reines pinkeln ist am pissort, wie das pissoir bei den ottakringern auch heißt, „frei“, also kostenlos.

    Bereits 1863 wurde in einer fachzeitschrift die notwendigkeit, öffentliche pissoirs zu errichten. Erörtert. 1881 legte der berliner kaufmann wilhelm beetz dem wiener gemeinderat ein ansuchen um bewilligung zur errichtung öffentlicher bedürfnisanstalten vor, das allerdings erst 1883 bewilligt wurde. 1910 gab es bereits 73 „beetzsche“ oberbodig errichtete bedürfnisanstalten, die wesentlich günstiger waren als die unterirdischen bedürfnisbunker – baukosten rund 12.000 kronen statt 80.000 kronen.

    leider befinden sich - wie gesagt – nur drei in dem arbeiterbezirk ottakring, obwohl aufgrund der urinalpolitischen lage -brauerei ottakring, viele beiseln und gasthöfe: blunzenstricker!, villa aurora!!, viele heurige: 10-er matie! etc. - eine höhere dichte der stoffwechselstuben in diesem bezirk absolut wünschenswert wäre!



    belebte kreuzung in wien ottakring.

    folgen sie mir bitte, achtung randstein! wir gehen jetzt auf den wilhelminenberg!


    schloss wilhelminenberg mit spaziergängern und –stehern.

    hier vom schloß wilhelminenberg hat man einen herrlich blick - nicht nur über den arbeiterbezirk ottakring, sondern über große teile von wien. hinter dem schloss wilheminenberg befindet sich übrigens eine wildvögelstation. schauen sie einfach, genießen sie!“


    teilansicht der villa aurora

    nun sind wir bei der villa aurora. im winter verbreitet hier ein holzofen brutzelige bratäpfelwärme, im sommer lassen sich hier im garten famos g'spritzte zischen. zu der villa aurora gehören übrigens ein pieter brueghel eislaufplatz, eine literaturveranda und festliche stallungen. in der villa aurora lernte übrigens ulrich mosbrugger fräulein irina gravensteyn bei einem hausgschnas kennen."

    "kikeriki!"

  2. #2
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    Post out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

    out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.


    ulrich mosbrugger hatte kein farm in afrika, aber immerhin eine mietwohnung in wien-ottakring, in der speckbacherstraße 19. er war ruhigen, ernsthaften naturells und eher ungebunden.

    mosbrugger war beamtete fachkraft in der käferabteilung des naturhistorischen museums und zuständig für die inventarisierung und betreuung der käfersammlung, zudem war er chefredakteur der "coeleopterologischen rundschau"

    des wochentags verließ mosbrugger pünktlich gegen 7 das haus und ging zügigen schrittes richtung erster bezirk, wo sich das naturhistorische museum befand.

    mossbrugger wusste um die wärme nachtweicher frauenkörper. zumeist schlief er aber alleine auf seinem klappbett, mehr braucht es für einem beamten nicht! in seiner mietwohnung in der speckbacherstraße 19 in wien-ottakring.

    häufig noch bevor in die thaliastrasse einbog, diese breite, geschäftige vorstadtstraße, wo alles eine spur billiger ist, aber für ottakring auch eine spur zu breit - so befand zumindest mosbrugger - dachte er an irina.

    er hatte irina gravensteyn bei einem hausgschnas der "villa aurora" in der wilhelminenstraße in wien-ottakring kennengelernt. mosbrugger war damals in seinem hirschkäferkostüm hingegangen, irina hatte sich als marienkäfer verkleidet.

    in dem dichten getümmel hatte sich dann seine hirschkäferscheren in ihren marienkäferfühlern verhakt, eine sofortige trennung irinas von ulrich war unmöglich geworden.

    da sie aber nach einem kurzen wortwechsel gefallen aneinander gefunden hatten, waren sie dann auch den rest des abends zusammengeblieben ("sie nehmen mich aber mit ihren scheren ordentlich in die zange!" "pardon,das ist mir sehr peinlich...ohh, ich fühle wie ihre fühlen fühlen! fÜhlt sich gut, das fühlt sich sehr gut an an!" "sie hirschen die sache aber rasant an, mein lieber käfer!" "no und sie punkten bei mir mit ihren kessen marienkäferpunkten!")

    irina hatte lachende augen und ein waches bewußtsein. sie wohnte ebenfalls in wien-ottakring, allerdings in der dampfbadgasse 7, wo mosbrugger sie gelegentlich besuchte und auch schon mal die nacht dort verbrachte. irina hatte eine schöne große liegestatt und schlief nicht - wie mosbrugger - auf einem klappbett. sie war allerdings auch keine beamtin, sondern arbeitete als friseuse in einem pudelsalon.

    irinas brüste waren schön und voll. mossbrugger schmiegte sich gerne an diese brüste, wenn er bei irina schlief. er war aber wohl darauf bedacht, die emotionale und körperliche nähe zu irina nicht zu nahe zu werden lassen, nicht nähelarifari, sondern eiserne disziplin und pflichtbewußtsein zeichnen den österreichischen beamten aus!

    irina stellte keine fragen über eine gemeinsame zukunft. dies schätzte mosbrugger außerordentlich. wir leben unsere zukunft ohnedies immer nur in der gegenwart, da bedarf es keiner großen fragen war sich mosbrugger sicher. er spürte, dass irina ähnlich dachte, sie ist in einer wunderbaren balance und so prächtig unkompliziert


    wenn mosbrugger dann in die thaliastraße einbog, hatten sich seine gedanken über irina meist schon meist verlassen. er war bereits bei "seinen" käfern, die zu tonnen im keller des naturhistorischen lagerten. der keller mit seinen vielen gängen, dem inventairisierten, und dem halb- und gar nicht invetarisiertem material, das dort wartete - auf was eigentlich wartete? - dem museumsdirektor dr. ferdinand hirnschrodt war doch ohnedies nur wichtig, die feinen leuten der wiener gesellschaft zum muschelessen in die aula des naturhistorischen museums einzuladen - zu horrenden preisen natürlich - und vor dem muschelessen schnell irgendetwas wissenschaftlich verbrämtes über muscheln daherzuklappern - in feinster schale natürlich - und nach dem essen, wir sprechen noch immer von dr.hirnschrodt, der feinen wiener gesellschaft von der dachterrasse des naturhistorischen museums den himmels über wien zu zeigen, der feinen wiener gesellschaft, die entsprechend angevöllert und versektet, aus all ihren körper?ffnungen heimlich entgaste und das alles war mosbruggers sache nicht, mosbruggers sache war der keller die eingeweide des naturhistorischen museums mit seinen käfern.

    wer nicht etwas aus seinen eingeweiden macht, sie nicht einmal kennt, soll nicht von einer geborgten aussichtsterrasse nach den sternen greifen. nie habe ich dr.hirnschrodt in unseren eingeweiden gesehen, nie, immer nur in der aula mit smoking und roter fliege, abflugberiet zur aussichtsterrasse. wahrscheinlich ist die rote fliege war in der tat das einzige insekt, mit dem museumsdirektor dr.krötsch in den letzten jahren in berührung gekommen ist! dachte sich mosbrugger mit einem anflug von bitterkeit.

    den dr. ludwig redtenbacher hätte ich gerne kennengelernt, das war halt noch ein coleopterologe wie er im buche steht, ein käfermensch, vom scheitel bis zu der sohle, nicht so ein populistischer muschelesser, wie jetzt der dr. krötsch.

    dr.ludwig redtenbacher, damals der erste custos-adjunkt des hofnaturalienkabinetts, war mitglied der unter den auspizien des erzherzog maximillian, dem späteren kaiser maximillian von mexico, stehenden wissenschaftlichen expedition (1857-59) der fregatte s.m.novarra gewesen.
    mit dieser forschungsfahrt (unter dem kommando des "commodore" freiherr von wüllerstorf-urbair, ein südtiroler) wurde der grundstock für die käfersammlung des haofnaturalienkbinetts (das spätere naturhistorische museum), dessen direktor dann dr.redtenbacher 1860wurde. die sammlung besteht aus drei millionen trocken präparierte käfer, der rest ist in alkohol und spiritus eingelegt.


    aber mosbrugger musste sich mit dr. hirnschrodt begnügen, der sich nur für muscheln interessierte, und auch nur dann, wenn sie gut zubreitet waren, wenn möglich mit zitronengras und koreander.

    so schritt mosbrugger mit leicht zitronengrasverhangenen und koreandernden gedanken in richtung naturhistorischen museums, dem museum samt seinen eingeweiden und der aussichtsterrasse des dr. hirnschrodt.

    "mosbrugger", hatte gestern dr.hirnschrodt jovial zu ihm gesagt, "mosbrugger, schauns amal in der käferschauvitrine VIII nach dem myrina pfeifferi. i glaub', dem sein penis is abbrochen, a offensichtliche materialermüdung, des kann schon vorkommen, tun's ihn halt wieder anpicken!"

    von einer materialermüdung hatte dieser seelenlose dr.hirnschrodt gesprochen, er hatte über den penis eines weltweit beerkannten typuskäfer des naturhistorischen museums gesprochen wie über ein gebrochenes auspuffrohr. so etwas konnte nur dr.hirnschrodt.

    penisabbrüche kamen bei den trockenkonservierten referenzkäfern gelegentlich vor. gerade diese trockenkonservierten penise werden im laufe der zeit unglaulich spröde, sodass kleinste erschütterungen genügen um einen käferpenis abbrechen lassen zu können.

    mosbrugger hatte sich eine gewisse kunstfertigkeit im ankleben von käferpenisen angeeignet. "mosbrugger, sie sind mein mann fürs feine, sie verstehen sich einfach auf das ankleben von käferpenisen! wirklich eine schöne spezialisierung!" hatte in einmal dr. hirnschrodt in seiner penetranten freundlichkeit gelobt, die mosbrugger nicht ausstehen konnte.

    mosbrugger verwendete für das kleben der käferpenise einen einfachen sekundenkleber, er hatte damit einfach die besten erfahrungen gemacht.

    das entscheidende beim ankleben der käferpenise an das trägerobjekt ist der anpressdruck. zuviel druck lässt den spröden käferpenis zerspringen. und einen in viele einzelteile zersprungenen käferpenis wieder zusammenzukleben ist nahezu unmöglich, immer wieder fehlen dann ganze penisstücke oder zerspringen penisteilstücke aufs neue. zuwenig druck kann allerdings dazu führen, dass der hergestellte kontakt zwischen käferpenis und trägerobjekt einfach nicht von der gewünschten längeren dauer ist.

    mosbrugger war schon lange kein käferpenis zersplittert, er hatte einfach eine ruhige hand und das erforderliche gefühl für den richtigen anpressdruck. heikel war dann noch das abschaben der zwischen den kontaktflächen hervorgequollenen klebemasse. doch auch darin war mosbrugger meister.

    der myrina pfeifferi ist nach ida pfeiffer, der grand dame der wiener coleopterologenszene des 19.jahrhunderts benannt. es handelt sich um eine der größten rezenten landkäferarten, die vorwiegend in den dschungelwäldern indonesiens heimisch ist.

    das exemplar im naturhistorischen museum (ein männchen, übrigens das einzige männliche typusexemplar eines myrina pfeifferi) hatte ida pfeiffer dazumal selbst von einer ihrer forschungsreisen aus sumatra mitgebracht. es imponierte durch größe und mit einem prächtig entwickelten, mächtigen penis in nahezu zündholzgröße. dr.redtenbacher persänlich hatte den käfer unmittelbar nach seiner ankunft in wien präpariert.

    mossbrugger freute sich schon auf die arbeit. aufgrund der stattlichen penisgröße würde er voraussichtlich sogar ohne mikroskop arbeiten können.

    und dann ging alles sehr schnell.

    mosbrugger hatte sich noch am brunnenmarkt eine semmel mit geräuchertem dorschroggen gekauft und stand bereits an der kreuzung thaliastraße - gürtel. der gürtel trennt den 16. vom 7. wiener gemeindebezirk, also ottakring von neubau.

    da sah er irina. sie lenkte ein pinkfarbenes cabriolet und lachte. seit wann hat sie ein pinkfarbenes cabriolet?. sie lachte dr.hirnschrodt an, der auf dem beifahrersitz saß und eine leberkässemmel aß.

    am nachmittag zersprang dann der penis des einzigen männlichen typusexemplar myrina pfeifferi beim ankleben unwiederherstellbar in tausend stücke. mosbrugger, der weder dr.hirnschrodt noch leberkässemmeln ausstehen konnte, hatte einen zu hohen anpressdruck gewählt.

  3. #3
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    ein rundgang durch ottakring. mit rudi van gookelen.

    Dein text ist nett und ziemlich unbedarft. Ich haben mich amüsiert haben tut.

    Bei Mosbrugger oder Mossbrugger denke ich selbstredend an Musils Moosbrugger. Der war mir allerdings sehr viel transparenter. Irina ist bloß eine Projektion. Und diese verzerrte Attitüde bekömmt dem Text schlecht.

    Weiter!

  4. #4
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    in bed with meidling vodicka

    du hast - offensichtlich ohne es zu bemerken - dich an die intention des textes angeahnt. aufzuzeigen, dass jede beziehung aus stark projektive anteilen speist. das ist realität und keine attitüde.

    moralische botschaft des textes ist, dass durch gespräch projektion reduziert werden kann: hätte ulrich mosbrugger mehr mit irina gravensteyn gesprochen, wäre ihm am gürtel die dorschroggensemmel nicht fast im halse steckengeblieben. du weißt, ich bin nicht nur gelassener agnostiker und bekennender materialist, sondern auch ambitionierter moralist.

    sicher, musils ulrich ist nie in einem hirschkäferkostüm auf einem gschnas gewesen. dennoch versteht sich der text auch als eine hommage an musils mann ohne eigenschaften, wiewohl der "ottakringer" ulrich weniger anämisch angelegt ist als musils ulrich. übrigens ich ein groupie des mann ohne eigenschaftens, ohne wenn und aber. wie musil die charakteristik der reichs- und residenzhauptstadt " durchdie die ineeinander verdrahteten geräusche angeorgelt hat, ist einfach genial.

    der ottakringer ulrich fühlt sich als opfer widriger lebensumstände, ist aber täter und opfer. daher auch der nicht zufällig gewählte name mosbrugger. ich meine, diese transprenz ist für jedes volksschulkind klar wie ein gebirgsbach nur glas sein kann wenn's recht ist.

    natürlich mache ich weiter. das projekt macht mir ja spass! mit rudi van gookelen durch wien zu ziehen ist einfach geil. dem foto vor der bedürfnisanstalt beispielsweise ging ein disput zwischen mir und einem strichjungen samt kunden voran, die gerade während ich das foto schoss, in die bedürfnisanstalt hinein wollten. dem musste ich mich natürlich widersetzen, das licht war gerade optimal und ich meine, für die kunst sollte auch eine schwuchtel berreit sein opfer zu bringen, es ist doch letztendlich egal, ob sie zwei minuten füher oder später durchgeorgelt wird. das habe ich auch so kommuniziert. man erlebt also einiges.

    das projekt. es wird eine reise durch wiener bezirks- und seelenlandschaften werden. alle dreiundzwanzig bezirke kommen dran. der aufbau ist simpel, jedes kapitel ist zweigeteilt: zuerst kommt eine seelenlandschaft dran. dann führt rudi van gookelen zu den hot spots des bezirkes. als nächstes wird der 12.bezirk, meidling, angedröselt:

    "in bed with meidling vodicka. eine entschleunigung." wird der text heißen oder so ähnlich. oder ganz anders.was weiß ich.

    so, chef, mehr lesebrille gibt es für heute nicht!

    schnobs "keep on pushing"

    P.S. was ich noch sagen wollte:


    1. an täter und opfer glaube ich sowieso nicht. weil wir da ja wieder gefährlich an das thema schuld und freier wille anknarzen. das war im wesentlichen eine konzidierung an den breiten erklärungsgeschack. und wenn wir in dieser diktion bleiben wollen, sind ja sowohl ulrich mosbrugger und irina gravensteyn sowohl tätliche opfer als auch geopferte täter.
    2. ich habe einen guten freund, der im naturhistorischen museum arbeitet. er ist für die käfer der novara expedition (1857 -1859) zuständig. unter anderem klebt er tatsächlich käferpenise an. den text habe ich als nicht aus meinen elf fingern gesogen.


    schnobs

  5. #5
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    AW: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

    das scheint mir ein powidl-süffiger spaziergang durch original wiener stadtbezirkskultur zu werden! no - die kann man sich aufs fürgestell heben und ich wett mit dir, keiner geht mehr penisungeschädigt am naturhistorischen museum vorbei

    bei mosi denk ich natürlich an wen ganz wem andern - aber was wienerisches hat der jetzt nicht gehabt, bei allem monarchischen. und bisserl traurig bin ich schon. die originale so wieder am origin angekommen. und gar kein geld, um ein krawatterl zu erstehn. ach ja - ja mei. und der faltlhauser beschwert sich. rechnen kann der auch nicht. machs gut, rudi

  6. #6
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    .. in ottakring, in ottakring, im sechzehnten hieb .....

    net einmal so ungewöhnlich für einen ALTösterreichischen beamten, den weg ins amt per pedes zurückzulegen. in der PSK ist ein solchener auf der gedenktafel der gründer selbiger verewigt. der latschte tatsächlich tagtäglich - die feiertage selbstvernatürlich ausgenommen - von der höhe 10erMarie ins amt, erwarb unterwegs eine krawatte, die er noch im gewölbe binden ließ, latschte nach getanen diensten denselben weg zurück in die wohnung in der knöpferlfabrik der anverwandten, woselbst ihn die angetraute gesponsin, die einst wegen plötzlich aufgetretener unpässlichkeit am abend des schrecklichen unglücks den besuch der vorstellung im Ringstraßentheater absagen musste, mit dem abendessen - tagtäglich leberschöberlsuppe, suppenfleisch mit zuspeis', kren und erdäpfelschmarrn - erwartete.
    ABER ... das versteh ich net so ganz:
    " .... und ging zügigen schrittes richtung erster bezirk, wo sich das naturhistorische museum befand..."

    das ist doch noch immer da ????

  7. #7
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    .. in ottakring, in ottakring, im sechzehnten hieb .....

    eine unpäßlichkeit zu rechten zeit kann schon mal den tafelspitz und den erdäpfelschmarrn sichern, wollen wir notieren.

    "befand - befinden". da habe ich beim schreiben schon in einer krise befunden, was nehme ich bloss? habe mich dann für das imperfekte entschieden mit folgender überlegung: nehmen wir an, dass NHM brennt heute ab, dann wäre mit dem präsens befindet der text schon morgen unaktuell und somit subperfekt.

    und natürlich habe ich den text geschrieben, auf dass er im zeitenlauf bestand haben möge!*grindelgrunsel*

    schnobs

  8. #8
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    .. in ottakring, in ottakring, im sechzehnten hieb .....

    Ich mag es konjunktivisch. Hätte der mit dem geredet oder der mit der da was gehabt, dann wäre... Warum gibt es im Deutschen eigentlich keinen Irrealis? Das wäre doch mal was gewesen, wenn sich einer erbarmt hätte, den konstruiert zu haben! Weiß jetzt auch nicht.


    Also, Du meinst, daß ein Gespräch zwischen Mosi und Irmchen einst geholfen hätte?

    Ich glaube das nicht.

    Aber eins bleibt von Deinem Text, da geb ich Susanna ganz recht: Keiner kann jetzt mehr da dran vorbei, ohne an penisverhunzte Käfer aus Sektion VII, 1855/57 zu denken.

  9. #9
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    Speckbacherstraße

    Hallo schnobs,

    oh, gibt es die Speckbacherstraße tatsächlich in Wien? Vielleicht benannt nach Joseph Speckbacher?

    Gruß Ina

  10. #10
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    Speckbacherstraße

    ach, herjemine, was hast du den da ausgegraben, ina!

    der text gehört ordentlich poliert!

    die speckbachergasse in wien gibt es wirklich. nach welchem speckbacher sie benannt ist: da mache ich mich schlau.
    hier rudi vor ottakringer bedürfnisanstalt, die meines wissens nach von einer berliner firma hergestellt wurde:


  11. #11
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    AW: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

    da gehört eine kleine ordnerpflege her! ohne bilder ist das nix!

    ein rundgang durch ottakring
    mit rudi van gookelen



    die ottakringer bierbrauerei.


    "meine damen und herren, wir befinden uns hier vor der brauerei ottakring, einem der hot spots von ottakring. der bau selbst trägt ein klare architektonische botschaft in sich: schlichte, zeitlose funktionalität, ein postästhetisches werk. durch das fehlen klarer symmetrien und fluchtlinien wird allerdings die harte funktionalität mit einem augenzwinkern gekonnt abgefedert. meine damen und herren, ich möchte gerne ihre aufmerksamkeit auf die rostigen tanks lenken, die ein mutiges bekenntnis der brauerei zu ihrer vergangenheit darstellt. besonders gelungen scheint mir überhaupt die apotheose zeitlichen wandels, die ihre darstellung im weg von der vergangenheit kündenden rostigen tanks zu den in der postmoderne knatternden, sommergelbe fahnen findet."




    "beetzsche" stoffwechselstube in ottakring.

    "wir befinden uns hier direkt vor einer von insgesamt drei öffentlichen bedürfnisanstalten ottakrings (ausgenommen die toiletten in den u-bahnstationen), die von den ottakringern auch gerne als stoffwechselstuben bezeichnet werden. bitte beachten sie die tafel, auf der zu ersehen ist, dass der stoff hier in verschieden klassen gewechselt werden kann. In der ersten klasse gibt es für das apres-stoffwechsel einen waschtisch, der in der zweiten fehlt. Reines pinkeln ist am pissort, wie das pissoir bei den ottakringern auch heißt, "frei", also kostenlos.

    bereits 1863 wurde in einer fachzeitschrift die notwendigkeit, öffentliche pissoirs zu errichten. Erörtert. 1881 legte der berliner kaufmann wilhelm beetz dem wiener gemeinderat ein ansuchen um bewilligung zur errichtung öffentlicher bedürfnisanstalten vor, das allerdings erst 1883 bewilligt wurde. 1910 gab es bereits 73 "beetzsche" oberbodig errichtete bedürfnisanstalten, die wesentlich göünstiger waren als die unterirdischen bedürfnisbunker - baukosten rund 12.000 kronen statt 80.000 kronen.

    leider befinden sich - wie gesagt - nur drei in dem arbeiterbezirk ottakring, obwohl aufgrund der urinalpolitischen lage -brauerei ottakring, viele beiseln und gasthöfe: blunzenstricker!, villa aurora!!, viele heurige: 10-er marie! etc. - eine höhere dichte der stoffwechselstuben in diesem bezirk absolut wünschenswert gewesen wäre und nach wie vor ist!?



    schloss wilhelminenberg mit spaziergängern und -stehern.

    "hier vom schloß wilhelminenberg hat man einen herrlich blick - nicht nur über den arbeiterbezirk ottakring, sondern über große teile von wien. hinter dem schloss wilheminenberg befindet sich übrigens eine wildvogelstation. schauen sie einfach, genießen sie!"



    frühlingserwachen. olfaktorische kontaktaufnahme in der nähe des schlosses wilhelminenberg.

    "no, hör einmal, gehst weg da. lass ja mein rostiges schwanzgefieder in ruh! mit irgendetwas muss ich ja beeindrucken!"

  12. #12
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    AW: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.



    teilansicht der villa aurora.

    "nun sind wir bei der villa aurora angelangt. im winter verbreitet hier ein holzofen brutzelige bratäpfelwärme, im sommer lassen sich hier im garten famos g'spritzte zischen. zu der villa aurora gehören übrigens ein pieter brueghel eislaufplatz, eine literaturveranda und festliche stallungen. in der villa aurora lernte übrigens ulrich mosbrugger fräulein irina gravensteyn bei einem hausgschnas kennen."

    kikeriki!"

  13. #13
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    AW: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

    Hallo schnobs,

    nee, da war jemand schneller. Ein anderer Gast hatte deine Geschichte aufgerufen und ich habe quasi mitgelesen. Dabei fiel mir die Speckbacherstr. 19 auf.

    Wäre toll, wenn du dich da schlaumachen könntest! Es interessiert mich, weil ich mit dem Tiroler Freiheitskämpfer Joseph Speckbacher verwandt bin (war?). Er war nach Wien geflüchtet, von daher wär's ja möglich, das mit dem Straßennamen.

    Ist ja lustig, das Zwei-Klassen-Pissoir, aber viel Geld wurde bestimmt nicht eingenommen.
    Über Rudis Kommentar zu dem neugierigen Hund musste ich lachen. Da ist der arme Kerl olfaktorisch ganz schön im Stich gelassen worden.

    Gruß Ina

  14. #14
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    AW: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

    hallo ina,

    also in band V des Historischen Lexikon der Stadt Wien von Felix Czeike, Auflage 1997, Seite 262 ist es eindeutig und klar wie zirbengeist: die speckbachergasse ist nach josef speckbacher, dem tiroler freiheitskämpfer benannt.

    der speckbacher dürfte ziemlich geschlechtsverkehrlich unterwegs und nachkommensproduktiv unterwegs gewesen sein: ich kenne eine linzer anwältin, die ebenfalls vom speckbacherischen abzustammen behauptet.

    ich stamme nicht vom speckbacher ab, zumindest nicht offziell. aber immerhin ist mein großvater echter tiroler gewesen und nachdem speckbacher tirol und seine einwohnerinnen tälerübergreifend und flächendeckend beglückt haben dürfte, sind wir möglicherweise -ich betone: möglicherweise - verwandt, ina!

    eine familienzusammenführung im wolkenstein! wer hätte das gedacht!

    an meine brust, ina!

    ein möglicherweise familiäres bussale

    schnobs, erregt

  15. #15
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    AW: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

    Ischa 'n Hammer! Ja, schnobs, der Rebellen-Chef hat tatsächlich zahlreich für Nachkommen gesorgt, ganz offiziell.
    In meiner Familie existieren Dokumente über die Speckbacher-Linie. Es ist nur unklar, ob der Joseph als Vater oder Onkel eingewirkt hat. Aus Kindertagen ist mir ein Familienwappen in Erinnerung, doch mein Nachforschungversuch diesbezüglich verlief im Sande.

    Lieben Dank für deine Recherche!

    Und wenn du auch so ein rebellischer, schlauer, tollkühner Kämpfertyp bist, wie er war und ich bin, dann hast du bestimmt von seinem Blut etwas abbekommen. Allerdings bin ich doch in einem Punkt aus der Art geschlagen: Ich könnte niemalsnich gegen einen Franzosen kämpfen. Seinem Charme wäre ich zu leicht erlegen.

    Einen schönen Frühlingsbeginn

    wünscht Ina

  16. #16
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    AW: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

    ja, ina das in der tat ein hammer, auch das mit den franzosen! kämpfen tue ich auch, vor allen dingen mit den parisern. da bin ich absoluter kämpfer! mit den franzosen kämpfe ich weniger, deren charme setze ich am abflußrohr ein!

    auch dir einen schönen frühlingsanfang aus dem sonnigen wien!

    schnobs

  17. #17
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: out of ottakring. ein penis-malheur in der coleopterologenszene.

    Ein in vielerlei Hinsicht witziger Ordner, der auch heute noch funzt.

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