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Thema: Stephen Crane: Sämtliche Gedichte

  1. #26
    Wolkensteiner
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    AW: Stephen Crane: Sämtliche Gedichte

    danke,lester
    in kindlers litlexikon steht noch,daß red badge ende 1894 in verschiedenen großstadtzeitungen in kurzfassung erschienen ist; daß crane selbst den krieg erst als kriegsberichterstatter1897 kennenlernte.
    da nahm ich an, auch wenn ich dir generell recht gebe, daß bei einem so kurzen schaffensleben keine großen unterschiede sein mögen, daß doch die eigene kenntnis vom krieg eine änderung der einstellung zu ihm bewirkt haben mag. war is kind als gedichtband stammt offiziell von 1899. so mag es nun sein, daß sich zwischen seiner auffassung von krieg im redbadge und den war is kind gedichten ein unterschied auftut. man weiß es allerdings nicht, das erscheinungsjahr besagt nichts über den schaffensprozeß.

    in meiner amerikanischen taschenbuchausgabe 1972 des red badge findet sich im reader's supplement dazu folgendes:

    "it is important to note that,as one of the critics points out....crane's later experiences as a war correspondent corroborated what his own youthful experiences, his sensitivity and vivid imagination had taught him before, as an inexperienced youth who had never "heard a shot fired in anger", about the nature of war. it was with delight not unmixed with irony that crane was in later years to say to a friend:"the red badge is all right!"

    ich habe für mich nun beschlossen, seine ambivalenzen so puristisch wie möglich stehen zu lassen.

    er selbst hielt sich nicht für einen realisten, sondern diese beschreibung seines schaffens für mißverständlich und mißbrauch des wortes realismus.
    sein größtes vorbild, so sagt er, sei tolstoi.
    aber das finde ich jetzt aus oben genanntem grund nicht mehr so wichtig.
    was mir an irgendeiner stelle bei "balls" auffiel, ist freimaurerischer sprachgebrauch.

  2. #27
    Wolkensteiner
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    A 39

    A39=B39BdII
    The livid lightnings flashed in the clouds;
    The leaden thunders crashed.
    A worshipper raised his arm.
    "Hearken! Hearken! The voice of God!"
    "Not so," said a man.
    "The voice of God whispers in the heart
    So softly
    That the soul pauses,
    Making no noise,
    And strives for these melodies,
    Distant, sighing, like faintest breath,
    And all the being is still to hear."

    die lebhaftesten blitze blitzten in den wolken
    bleierne donner krachten herunter
    da hob ein anbeter seinen arm
    "höret! höret! die stimme gottes!"
    "aber doch nicht so..." sagte ein mann.
    "die stimme gottes wispert im herzen
    so zärtlich
    daß die seele ausruhen kann
    sie macht keinen krach
    sie versucht, diese süßen melodien zu finden
    die aus der ferne kommen, seufzend, so wie der sanfteste atem
    und jedes lebewesen wird ganz still und will ihn spüren"

  3. #28
    Wolkensteiner
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    still=still

    heureka! jetzt ist der knoten aufgegangen! still heißt hier still, also:

    in assonanz zum scharlachroten krieg
    ward schwarz das land und fahl;
    die frauen weinten;
    kinder rannten orientierungslos.
    und dann kam einer, der das alles nicht verstand.
    er fragte: warum gibt es das, wie kann das sein?
    worauf millionen antworten konkurrierten,
    so kompliziert und fein und losgeschrien in aller herren zungen,
    daß man nicht sagen kann, der grund wurde nicht genannt

    das ist eine pointe.

  4. #29
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stephen Crane: Sämtliche Gedichte

    was noch fehlt zu einer vollständigen Crane Übersetzung (die Nummern beziehen sich auf Katz, Complete Poems of Stephen Crane, 1972.


    aus 'war is kind' (14 Gedichte):

    5 Have you ever made a just man
    7 I have herad the sunset song of the birches
    9 Forth went the candic man
    10 You tell me this is God
    14 A slant of sun on dull brown walls
    18 In the night
    20 The impact of a dollar upon the heart
    21 A man said to the universe
    22 When the prophet, a complacent fat man
    23 There was a land where lived no violets
    24 Ay workman make me a dream
    25 Each small gleam was a voice
    26 The trees in the garden rained flowers
    27 When a people reach the top of a hill


    aus 'black riders' (20)

    8 I looked here
    9 I stood upon a high place
    12 And the sins of the fathers shall be
    13 If there is a wittnes to my little life
    16 Charity thou art a lie
    19 A good man in wrath
    25 Behold, the grave of a wicked man,
    29 Behold, from the land of the farther suns
    32 Two or three angels
    40 And you love me
    47 Think as I think, said a man
    50 You say you are holy
    52 Why do you stive for greatness, fool
    53 Blustering God
    54 It was wrong to do this said the angel
    55 A man toiled on a burning road
    58 The sage lectured brilliantly
    59 Walking in the sky
    63 There was a great cathedral
    66 If you should cast off this tattered coat

    von den 'Sonstigen' (38):

    1 Legends I
    2 Legends II
    3 Legends III
    4 Legends IV
    5 Legends V
    6 When a people reach the top of a hill
    7 Rumbling, buzzing, turning, whirling Wheels
    8 Thou art my love
    9 Love forgive me if I wish you grief
    10 Ah, God, the way your little finger moved
    11 Once I saw thee idly rocking
    12 Tell me why, behind thee,
    13 And yet I have seen thee happy with me.
    14 I heard thee laugh,
    15 I wonder if sometimes in the dusk,
    16 Love met me at noonday,
    17 I have seen thy face aflame
    19 Chant you loud of punishment
    20 A naked woman and a dead dwarf
    21 Little birds of the night
    22 Unwind my riddle.
    23 Ah, haggard purse, why ope thy mouth
    24 One came from the skies
    25 A god came to a man
    27 If you would seek a friend among men
    28 A lad and a maid at a curve in the stream
    29 A soldier, young in years, young in ambitions
    30 A row of thick pillars
    31 Oh, a rare old wine ye brewed for me
    32 There exists the eternal fact of conflict
    33 On the brown trail
    34 All-feeling God, hear in the war-night
    35 A grey and boiled street
    36 Bottles and bottles and bottles
    37 intermingled
    38 The patent of a lord
    39 Tell me not in joyous numbers
    40 My cross!

  5. #30
    Wolkensteiner
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    korrekturen der liste lesters

    danke lester.

    c18 und 26 sind schon als u4 und u6 in band I, also von den sonstigen: 38 gedichte. rodscher! :)

    aus: war is kind fehlte bei mir B20 (habe ich ergänzt),also: 14 gedichte

    aus black riders fehlen bei dir:

    A 39 the livid lightnings flashed in the clouds (steht aber schon hier oben drüber)
    A 44 I was in the darkness
    A 45 Tradition thou art for suckling children
    A 61 there was a man and a woman who sinned

    ****

  6. #31
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    Celan übersetzt

    black riders 19 heißt bei mir: a god in wrath

  7. #32
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    fürchtegott crane

    A53
    i

    Blustering God,
    Stamping across the sky
    With loud swagger,
    I fear You not.
    No, though from Your highest heaven
    You plunge Your spear at my heart,
    I fear You not.
    No, not if the blow
    Is as the lightning blasting a tree,
    I fear You not, puffing braggart.

    ii

    If Thou canst see into my heart
    That I fear Thee not,
    Thou wilt see why I fear Thee not,
    And why it is right.
    So threaten not, Thou, with Thy bloody spears,
    Else Thy sublime ears shall hear curses.

    iii

    Withal, there is One whom I fear:
    I fear to see grief upon that face.
    Perchance, friend, He is not your God;
    If so, spit upon Him.
    By it you will do no profanity.
    But I --
    Ah, sooner would I die
    Than see tears in those eyes of my soul.

    I
    du selbstaufgeblasener gott
    wie du über den ganzen himmel stampfst
    laut, mit stolzem gockelgetue
    ich fürchte dich nicht
    nein, obwohl du von höchsten himmelshöhen
    deinen speer schleuderst nach meinem herzen
    ich fürchte dich nicht
    nein, nicht wenn dein geschleuderter speer
    so ist wie der blitz den baum in zwei teile zerschmettert
    ich fürchte dich nicht, aufgeblasenes angebergesicht

    II
    könntest du wirklich in meinem herzen sehen
    daß ich dich nicht fürchte
    würdest du auch sehen können, warum
    und warum das richtig ist.
    also droh mir nicht, du, mit deinem blutigen speer
    sonst kriegen deine zarten öhrchen flüche aufgebrummt

    III
    pfeifdrauf, eines gibts, das fürchte ich;
    kummer auf diesem einen antlitz zu sehen, das fürchte ich.
    zum glück, freund, ist dieses eine nicht deins, gott;
    wenns so wäre, scheißdrauf.
    und das wär noch lang keine blasphemie.
    aber ich --
    eher würde ich sterben
    als in den augen meiner seele tränen zu sehen

  8. #33
    Wolkensteiner
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    b 18, 20, 24, 25

    B18

    in der nacht
    graue schwere wolken, kissen im tal
    und allein die spitzen der berge schauen Gott
    "allmächtiger, der du den wind bewegst mit einem finger
    bescheidene, unbedeutende, sinnlose bergspitzen sind wir
    wir bitten dich: laß uns leichtfüßig über die welt gehen
    um uns zu deinen füßen in anbetung zu sammeln."

    am morgen
    das geräusch von menschen bei der arbeit klarblaue kilometer weit
    und kleine schwarze städtchen treten aus den schleiern
    "allmächtiger, der du den sinn der regentropfen verstehst
    bescheidene, unbedeutende,sinnlose bergspitzen sind wir
    wir bitten dich: gib uns stimme, Herr und Gott
    daß wir das loblied singen
    deiner göttlichkeit in vollem sonnenlicht."

    am abend
    die täler wieder fern und gesprenkelt mit zarten lichtpunkten
    "allmächtiger, der du den wert von königen und vögeln kennst
    du hast uns als bescheidene, unbedeutende, sinnlose bergspitzen erschaffen.
    dein ist die ewige geduld und sie genügt dir
    wir beugen uns deiner weisheit, Herr und Gott - -
    bescheiden, unbedeutend, sinnlos, wir bergspitzen."

    in der nacht
    graue schwere wolken, kissen im tal
    und allein die spitzen der berge schauen Gott.

    ***

    b20


    prallt ein dollar auf das herz
    lächelt dieser zusammenstoß warmes rotes licht
    und vom herzen weiter breitet es sich rötlich auf dem weißen tisch aus
    bewegt sich mit hängenden kühlen sammetschatten
    zärtlich zur tür

    prallt eine million dollar auf
    so gibts eine massenkarambolage verschiedenen scheiterns
    gähnende mandorlen von perserteppichen
    wange an wange mit eichenholz,
    - la francais niedergesäbelt,
    ein lustschrei gealterter schönheit
    als hure wohlfeilgeboten von ludenhändlern
    zum drübergehen noch vor wein im salon zur conversation

    dumme reiche bauern trampeln über die teppiche der menschheit,
    totenmänner, gefallen an ihren träumen von duftessenzen und licht,
    was beides ihr gebell, ihre leben umströmen sollte;
    das bodenfell eines einst aufrechten bären
    unter den füßen eines nur nicht erkannten sklaven
    der immer von luftschlössern palavert
    der auf den staat vergißt, die masse arbeit und den staat vergißt
    zylindergockel mit zylinderzungensprech
    zylinderrattengequietsche
    zylinderhüte.


    b24:

    ach, werkzeugmensch,
    fertige mir einen traum
    einen traum für meine liebste.
    verwebe verschmitzt sonnenlicht
    lüftchen und blumen.
    mach ihm ein kleid aus wiese
    und - - guter werkzeugmensch - -
    laß auch einen mann darauf sein,
    der auf dieser wiese bummelt


    b25:

    jedes kleine glimmen war eine der stimmen,
    eine der fernen laternenstimmen --
    in kleinen liedern warmrotkarmesin, violett, gold und grün.
    ein kinderchor von kinderfarben kam über das wasser;
    der wundervolle blattschatten summte nicht länger
    keine pinie auf den hügeln sang ihr trauriges lied
    die dunkelblaue nacht war andernorts schweigen
    kam ein kinderchor von kinderfarben über das wasser
    kleine lieder aus warmrotkarmesin, violett, gold und grün.
    kleine klitzernde kieselsteine
    hingestreut in die nachtdunkle ebene
    singen balladen vom schönen Guote
    und seiner ewigkeit trunkenem frieden der seele.
    kleine priesterinnen, kleine heilige priester,
    die wahrheit in euren hymnen ward zweifellos jedem,
    kommt der wundervolle kinderchor ?ber das wasser,
    lieder aus warmrotkarmesin, violett, gold und grün.

  9. #34
    Wolkensteiner
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    phänotyp

    lieber lester,

    wie siehst du vom phänotyp her aus? cranemäßig?
    hast du eine gute englische aussprache?
    könntest du dich mal nach münchen bewegen?
    das wäre so wie:

    es war, als wäre er ein anderer
    die dunkle stirn im hellen sommerlicht
    und winkt sich selbst
    wie einen hellen abschied zu
    und grüßt sich neu und jung
    in eines mädchens grünem augensternenpaar
    das war, als ob er nun ein gänzlich andrer war

    herzlichst
    craneverknallte suse

  10. #35
    Kurzvormabschussiger
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    Stephen Crane (Text A8,A9)

    N'abend zusammen!

    In Absprache mit dem Chef (Robert), habe ich heute die Ehre meine ersten Übersetzungsversuche von den unten aufgeführten Crane-Gedichten vorzustellen.
    Hierbei ist anzumerken, dass die Texte von oben nach unten freier übersetzt worden sind, da ich nicht genau den Stil kenne, der für diese Art von Lyrik angemessen ist.
    Mir persönlich gefällt das jeweils Unterste am besten, weil sie relativ frei von der äußeren Struktur sind, sich aber inhaltlich noch an die Vorgaben des Urtextes halten, was sicherlich das Hauptanliegen einer jeden Übersetzung ist. Es wäre schön, wenn der ein oder andere, seine Meinung zu den Übersetzungsvarianten mitteilen würde! Vielen Dank. Niels



    Text A 8

    I looked here;
    I looked there;
    Nowhere could I see my love.
    And -- this time --
    She was in my heart.
    Truly, then, I have no complaint,
    For though she be fair and fairer,
    She is none so fair as she
    In my heart.

    Text A 8

    Ich schaute nach hier;
    Ich schaute nach dort;
    Nirgends konnte ich meine Liebste sehen.
    Und - dieses Mal?
    Sie war in meinem Herzen.
    Wahrhaftig, dann habe ich keinen Grund zur Klage,
    Und wenn sie auch hübsch und hübscher werden würde,
    so ist sie doch niemals so hübsch
    wie in meinem Herzen.

    Ich schaute/suchte hier;
    Ich schaute/suchte dort;
    Nirgends konnte ich meine Liebste entdecken/erblicken.
    Und - dieses Mal?
    war sie in meinem Herzen .
    Wahrhaftig, dann habe ich keinen Grund zur Klage,
    Und obgleich sie auch hübsch und hübscher wäre,
    so ist sie doch niemals so schön
    wie in meinem Herzen.



    Text A 9

    I stood upon a high place,
    And saw, below, many devils
    Running, leaping, and carousing in sin.
    One looked up, grinning,
    And said,
    "Comrade! Brother!"

    Ich stand auf einer Anhöhe
    Und sah, unten, viele Teufel
    Laufend, springend und trinkend in Sünde.
    Einer blickte nach oben, grinsend,
    Und sagte,
    "Gefährte! Bruder!"

    Ich stand auf einer Erhöhung
    Und sah herab auf viele Teufel
    Sie liefen, hüpften und feierten ausschweifend.
    Einer schaute grinsend hinauf,
    Und rief,
    "Gefährte! Bruder!"

    Auf einer Anhöhe stehend,
    sah ich unter mir viele Teufel,
    die herumliefen, sprangen und ausschweifend tranken.
    Einer schaute grinsend hinauf,
    Und rief,
    "Schließ dich uns an! Bruder!"

  11. #36
    Wolkensteiner
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    AW: Stephen Crane

    jetzt wo niels endlich das tor zur wilden übersetzungsfreiheit aufgestoßen hat:

    guckt ich hier
    guckt ich da
    nirgends mein feinsliebchen war
    dieses mal - ist ihr versteck
    in meim herz am blinden fleck
    brauch nun gar nicht klagen gehn
    kann sie dort viel schöner sehn
    als die unversteckte schön

  12. #37
    tricktrack
    Laufkundschaft

    AW: Stephen Crane

    I looked here;
    I looked there;
    Nowhere could I see my love.
    And -- this time --
    She was in my heart.
    Truly, then, I have no complaint,
    For though she be fair and fairer,
    She is none so fair as she
    In my heart.


    ich schaute mich um
    hier und dort
    nirgendwo fand ich meine Liebste
    und - dieses Mal
    wohnte sie doch wirklich in meinem Herzen
    nun wohl wahr so kann ich nicht klagen
    denn wie schön sie auch wäre
    nirgends wäre sie doch so schön
    wie die in meinem Herzen
    ist
    .

  13. #38
    Wolkensteiner
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    AW: Stephen Crane

    ich sah hier
    ich sah da
    nirgends konnt mein lieb ich sehn .
    und-- diesmal--
    war sie nur im herzen mein.
    wahrlich, deshalb, klag ich nicht,
    mag sie schön und schöner sein
    niemals kann sie schöner sein
    als das lieb im herzen mein



    hierhin sah ich
    dorthin sah ich
    nirgends war mein schatz zu sehn
    hier bin ich! klopft sie im herzen
    mußt mich echt nicht suchen gehn!
    wird sie äußerlich auch schöner
    holt sie nie an schönheit ein
    diesen schatz im herzen mein

  14. #39
    Kurzvormabschussiger
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    Text C VI

    Wunderschönen Guten Tag zusammen,
    heute möchte ich Euch mal zwei Varianten des Gedichtes C VI vorstellen. Wie bei den anderen Gedichten steht die sehr wörtliche Übersetzung an erster Stelle und die mir wesentlich besser gefallene an zweiter. Generell möchte ich noch einige Anmerkungen machen, wovon dieses Gedicht handeln könnte. Meiner Meinung nach ist es eine Art Revolutionstheorie. Das Volk, das sich an die Spitze der Menschheit gesetzt hat, wird von Gott wieder entmachtet, indem sich nach Jahren oder Jahrzehnten neue Armeen erheben. Warum diese gerade blau sind, ist mir noch nicht in den Sinn gekommen. Nach möglichst kurzem Kampf sollten die Soldaten der Revolution ihre Völker von Unterdrückung und Sklaverei wieder befreit und ein ausgeglichenes Verhältnis hergestellt haben.

    Bin auf Eure Reaktionen gespannt.



    Text 3:

    Text C VI

    When a people reach the top of a hill
    Then does God lean toward them,
    Shortens tongues and lengthens arms.
    A vision of their dead comes to the weak.
    The moon shall not be too old
    Before the new battalions rise
    --Blue battalions--
    The moon shall not be too old
    When the children of change shall fall

    Wenn ein Volk die Spitze des Berges erreicht
    Dann lehnt sich Gott zu diesem herüber
    Kürzt die Zungen und streckt die Arme.
    Eine Vision ihres Todes kommt zu den Schwachen.
    Der Mond sollte nicht zu alt sein
    Bevor sich die neuen Battalione erheben
    --Blaue Battalione--
    Der Mond sollte nicht zu alt sein
    Wenn die Kinder der Revolution sterben sollten.

    Erreicht ein Volk die Spitze des Berges
    Wendet sich der Herr an dieses,
    um Zungen zu zügeln und Arme zu strecken.
    Die Schwachen erreicht die Vision ihres Todes.
    Es sollten nicht zu viele Monde vergehen
    Bis sich neue Battalione/Armeen erheben
    --Blaue Battalione--
    Und es sollten nicht zu viele Monde vergehen/
    Und der Mond sollte noch nicht zu hell scheinen/
    Und der Mond sollte seinen Zenit noch nicht erreicht haben
    wenn die Kinder der Revolution fallen.

  15. #40
    Wolkensteiner
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    Text C VI

    wenn ein volk den höchsten punkt des hügels erreicht
    dann beugt sich Gott zu ihm hinab
    kürzt die zungen und verlängert die arme.
    eine vision ihrer toten kommt zu den schwachen.
    der mond darf noch nicht zu alt sein
    vor dem aufgang neuer battaglione
    blauer battaglione.
    der mond darf noch nicht zu alt sein
    wenn die kinder des wechsels fallen werden
    vor die neuen battaglione
    die blauen battaglione


    ich finde deine revolutionstheorie sehr bedenkenswert. sie setzt voraus, daß sich ein volk über die anderen gesetzt hat und dieses herausragen wieder gedeckelt werden muß.
    ich verstehs ein bißchen anders: wenn sich ein volk von all seinen schatten befreit haben wird, auf seinem höhepunkt des eigenen glanzes und der freien selbstbestimmung angekommen, so treten doch wieder die blauen heerscharen seiner toten- weißt du, das stelle ich mir so vor wie die unterwasser-szene bei "fluch der karibik" - blau, das sind für mich schatten - hervor. also die eigenen schatten führen dieses glänzende volk in seinen untergang. so yingyang amplitude, die hälftig von der horizontlinie des mondlichts geschnitten wird unter einbezug seiner eigenen amplitude, deshalb darf der auch nicht zu alt sein, sonst wären ja auch die schatten noch glanzvoll im licht.
    ein gottgegebenes mitschwingen, natürlich in seiner resonanz zum mond. sozusagen eine kurzessenz von geschichte

  16. #41
    Kurzvormabschussiger
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    C viii

    Heute nun nach wirklicher anstrengenden Stunden:

    Text 4:

    C VIII

    Thou art my love
    And thou art the peace of sundown
    When the blue shadows soothe
    And the grasses and the leaves sleep
    To the song of the little brooks
    Woe is me.

    Du bist meine Liebe
    Und du bist der Frieden des Sonnenuntergangs
    Wenn die blauen Schatten beruhigen
    Und die Grashalme und die Blätter
    Zu dem Lied der kleinen Bäche schlafen
    Mein ist das Leid./Oh weh mir.

    Thou art my love,
    And thou art a storm
    That breaks black in the sky
    And, sweeping headlong,
    Drenches and cowers each tree
    And at the panting end
    There is no sound
    Save the melancholy cry of a single owl
    Woe is me!

    Du bist meine Liebe
    Und du bist ein Sturm
    Der schwarz in den Himmel kracht
    Und, ungestüm dahin rauschend,
    jeden Baum durchnässt und einschüchtert.
    Und am lechzenden Ende
    Verstummt jedes Geräusch.
    Bewahret das Jammern einer einzigen Eule
    Mein ist das Leid!

    Thou art my love
    And thou art a tinsel thing
    And I in my play
    Broke thee easily
    And from the little fragments
    Arose my long sorrow
    Woe is me

    Du bist meine Liebe
    Und du bist ein funkelndes/glitzerndes Ding
    Und in meinem Spiel
    Brach ich dich leicht
    Und aus den kleinen Fragmenten
    Entsprang mein langer Kummer
    Mein ist das Leid./Oh weh mir.

    Thou art my love
    And thou art a weary violet
    Drooping from sun-carresses.
    Answering mine carelessly
    Woe is me.

    Du bist meine Liebe
    Und Du bist ein müdes Veilchen,
    Welk von der Sonne Liebkosungen.
    Mir sorglos antwortend
    Mein ist das Leid.

    Thou art my love
    And thou art the ashes of other men's love
    And I bury my face in these ashes
    And I love them
    Woe is me

    Du bist meine Liebe
    Und Du bist die Asche anderer Männerliebschaften
    Und ich vergrabe mein Gesicht in dieser Asche
    Und ich liebe sie
    Mein ist das Leid./Oh weh mir.

    Thou art my love
    And thou art the beard
    On another man's face
    Woe is me.

    Du bist meine Liebe
    Und du bist der Bart
    im Gesicht eines anderen Mannes
    Mein ist das Leid.

    Thou art my love
    And thou art a temple
    And in this temple is an altar
    And on this altar is my heart
    Woe is me.

    Du bist meine Liebe
    Und du bist ein Tempel
    Und in diesem Tempel ist ein Altar
    Und auf diesem Altar ist mein Herz
    Mein ist das Leid./Oh weh mir.

    Thou art my love
    And thou art a wretch.
    Let these sacred love-lies choke thee
    For I am come to where I know your lies as truth
    And your truth as lies
    Woe is me.

    Du bist meine Liebe
    Und du bist ein Lump
    Lass dich von diesen geheiligten Liebeslügen ersticken
    weil ich dorthin komme wo ich deine Lügen als Wahrheit erkenne
    und deine Wahrheit als Lügen
    Mein ist das Leid.

    Thou art my love
    And thou art a priestess
    And in thy hand is a bloody dagger
    And my doom comes to me surely
    Woe is me.

    Du bist meine Liebe
    Und du bist eine Priesterin
    Und in deiner Hand ist ein blutiger Dolch
    Und mein Schicksal ist mir sicher
    Mein ist das Leid./Oh weh mir.

    Thou art my love
    And thou art a skull with ruby eyes
    And I love thee
    Woe is me.

    Du bist meine Liebe
    Und du bist ein Schädel mit rubinroten Augen
    Und ich liebe dich
    Mein ist das Leid.

    Thou art my love
    And I doubt thee
    And if peace came with my murder
    Then would I murder
    Woe is me.

    Du bist meine Liebe
    Und ich zweifle an dir
    Und wenn mein Töten Frieden bringen würde/
    Und wenn ich Frieden durch Töten erreichen könnte
    Dann würde ich töten.
    Mein ist das Leid./Oh weh mir.

    Thou art my love
    And thou art death
    Aye, thou art death
    Black and yet black
    But I love thee
    I love thee
    Woe, welcome woe, to me.

    Du bist meine Liebe
    Und du bist Tod
    Jawohl, du bist der Tod
    Schwarz und noch schwärzer
    Aber ich liebe dich
    Ich liebe dich
    Leid, willkommen Leid, sei mir.

    Niels

  17. #42
    Wolkensteiner
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    AW: Stephen Crane: Sämtliche Gedichte

    welche thesen entnahmt ihr dem film?

    ich diese:


    1. krieg ist ein organismus aus organisation
    2. mut ist nicht maulheldentum
    3. die rote tapferkeitsmedaille ist die wunde
    4. ohne wunde giltst du nichts unter den kameraden
    5. die wunde ist die initiation in die gemeinschaft. sie muß? nicht echt sein. sie best?tigt nicht die tapferkeit, sondern bringt sie erst zum durchbruch.
    6. jeder ist deserteur, aber man hilft ihm zum gruppenerfolg des siegs
    7. krieg ist eine optische verlegenheit in der landschaft, welche die natur
    8. nicht zur kenntnis nimmt (vögel zwitschern weiter)
    9. nur wut macht mut
    10. kriege werden aus angst-reibungen verloren
    11. wut, nicht beim sieg dabeigewesen zu sein, das retardierende moment der feigheit, läßt den mut überschießen
    12. die kriegerehre gebietet, aufrecht zu sterben
    13. aus deserteuren werden die besten soldaten
    14. krieg ist charakterbildung
    15. aus dem feind kann die stimme der vernunft sprechen, friedensschluß ad hoc
    16. mut setzt voraus, daß kein überblick über die lage besteht
    17. krieg funktioniert nur mit angst voreinander
    18. die standarte ist der anker in feindesland


    ?

  18. #43
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stephen Crane: Sämtliche Gedichte

    Text 5

    C XIX

    Chant you loud of punishments,
    Of the twisting of the heart?s pour strings
    Of the crash of the lightning?s fierce revenge.

    Then sing I thee of the supple-souled men
    And the strong strong gods
    That shell meet in times hereafter
    And the amaze of the gods
    And the strength of the men.
    - The strong, strong gods ?
    - And the supple-souled men ?


    Singe dir laut von Bestrafungen,
    von dem Schlängeln des Herzens Adern (Fließ-fäden, schnüren)
    von dem Krach(en) des Blitzes wütender Rache

    Dann singe ich dir von den unterwürfigen Männern
    Und den starken starken Göttern
    Die sich hiernach treffen werden
    Und das Erstaunen der Götter
    Und der Stärke der Männer
    - die starken starken Götter -
    - und die unterwürfigen Männer -


    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob pour nicht poor und und vor allem shell nicht shall heißen müssten. Wenn man pour strings als eine Art zusammengesetztes Nomen übersetzt, wären das die 'Strom Schnüre/Fäden'. In Verbindung mit dem Herzen würde ich dann Adern vorziehen. Shell macht überhaupt keinen Sinn in diesem Zusammenhang. Shall hingegen wäre völlig i.O.

  19. #44
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Stephen Crane: Sämtliche Gedichte

    shell ist Synonym für Gottheit; Schaumgeborene Aphrodite bricht sich im Kräuseln der Gischt den Blick aufs Leben.

    Es würde den für Crane typischen Gegensatz betonen, seine Affinität zur contradictio.

  20. #45
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    C xx

    Text 6:

    C XX

    A naked woman and a dead dwarf;
    Wealth and indifference.
    Poor dwarf!
    Reigning with foolish kings
    And dying mid bells and wine
    Ending with a desperate comic palaver
    While before thee and after thee
    - Endures the eternal clown ?
    - The eternal clown ?
    A naked woman.

    Eine nackte Frau und ein toter Zwerg;
    Wohlstand und Gleichgültigkeit.
    Armer Zwerg!
    Mit närrischen Königen regierend
    Und inmitten von Glocken und Wein sterbend
    Mit einem verzweifelt komischen Getöse endend
    Während vor dir und nach
    - der ewige Clown leidet -
    - der ewige Clown -
    eine nackte Frau.

    Dieses Gedicht hat trotz mehrerer Übersetzungsmöglichkeiten für bestimmte Wörter für mich leider keinen Sinn.

    Niels

  21. #46
    Wolkensteiner
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    C xx

    hast du nie die barfüßige gräfin gesehen? diese dumme frau ist hier die nackte.

    nackte frau und toter wicht
    fruchtfülle und ungerührtheit
    armer lieber wicht!
    während du mit allen verrückten königen regierst
    zwischen glocke und gosse dein leben hinstirbst
    und am ende eine tragikkomische rede halten wirst
    steht vor dir und hinter dir
    -- ungerührter ewiger narr
    -- ewiger narr
    eine nackte frau

  22. #47

    Lightbulb Lewis Caroll

    achtet auf die alliterationen. bei crane sind die wichtig. dwarf und inDifferenz, woman und wealth...
    sinn? halte dich an lewis caroll. crane war in england und lernte die nonsens-kaiser kennen. das geschüttelte gedänkli. wir müssen hier authentisch bleiben und die sprachspielerein mitmachen. sinn hin oder her. das spiel ist der sinn, das mögliche. wie sinnvoll ist ein glas, in dem es schneit? spaß, freude, lebenslust.

  23. #48
    Wolkensteiner
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    Lightbulb intermingled II

    zu #4-#14 "intermingled" wäre mein neuester vorschlag:

    ineinandergestochen
    stoßen immer wieder amplituden
    schwarzer wortnadeln so spitz zu
    daß die mörderblumen
    den horror ungöttlicher ahnung
    in fülle entfalten

  24. #49
    Kurzvormabschussiger
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    C xix

    N'abend,

    ich habe nur noch eine kurze Frage zu Text 5: C XIX, um einen Abschluss herbeizuführen. Wenn 'shell' ein Synonym für Gottheit ist, dann muss 'meet' doch eigentlich 'meets' sein, oder es liegt eine Wortumstellung vor und 'meet' bezieht sich auf die 'gods' aus der Zeile zuvor. Ist dem so?

    Text 7:

    C XXIV

    One came from the skies
    - They said ?
    And with a band he bound them
    A man and a woman.
    Now to the man
    The band was gold
    And to another, iron
    And to the woman, iron.
    But this second man,
    He took his opinion and went away
    But, by heavens,
    He was none to wise.

    Einer stieg vom Himmel herab
    - sagten sie -
    und er fesselte sie mit einem Seil
    einen Mann und eine Frau.
    Nun kam dem Mann
    das Seil wie Gold vor
    und ein anderer sah es als Eisen an
    und der Frau kam es wie Eisen vor
    Aber dieser zweite Mann
    Er nahm seine Meinung und ging fort
    Aber beim Himmel
    Er war nicht weise genug

    Sie erzählten,
    dass einer vom Himmel herab stieg und
    sie mit einem Bann belegte
    einen Mann und eine Frau.
    Nun erschien dem Mann
    Der Bann wie die Erlösung
    Doch einem anderen kam er wie Fesseln vor
    Auch der Frau schien er wie Fesseln
    Aber der zweite Mann
    Ging wortlos seinen Weg
    Aber auch das ließ
    ihn keineswegs weise erscheinen.

  25. #50
    schreibt hier hin und wieder
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    C xix

    ...auf mehrfachen Wunsch einer einzelnen Dame, hier der Text zu 'Chant you loud" = C XIX


    Chant you loud of punishments,
    Of the twisting of the heart’s poor strings
    Of the crash of the lightning’s fierce revenge.

    Then sing I of the supple-souled men
    And the strong strong gods
    That shall meet in times hereafter
    And the amaze of the gods
    At the strength of the men.
    - The strong, strong gods –
    - And the supple-souled men –

    Quelle: Joseph Katz "The Complete Poems Of Stephen Crane", Ithaca and London 1972.

    Nebenbei: die römische Bezifferung ist nicht von Crane, sondern von mir als Orientierungserleichterung eingeführt/benutzt worden.

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