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Thema: du bist fern

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    du bist fern

    du bist fern

    unser zerschnitten band, rot und warm soll es immer sein
    hochhalten werde ich es, zur klage, zur trauer und zur mahnung
    gottesmund, in deinen schiefen winkeln pflüge ich die erde nicht

    einst, wir küssten bis wir seele schmeckten, drifteten im löwenzahn
    in der erde runzelte ein faltiger die stirn, er raunte dem feuer zu: ja.

    -

    ein vogel fliegt nach osten, zum dritten male stirbt der baum im hof
    im zwielicht sitze ich unter ihm, beim herzen, auflösen möchte ich mich

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: du bist fern

    Schöne Bilder stehen hier in einer nicht durchkomponierten Geschichte, die das Attribut lyrisch durchaus verdient. Dabei fing es so gut an! Ich mag diese auf einer Linie sich ziselierenden Wortgebirge, aber in Vers drei verließest Du den schnürenden Kahn: Der Vorsatz klarer Wörtlichkeit ward vorbei. Und Du fandest nicht mehr zurück. Schade.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: du bist fern

    hallo,
    vielen dank für die resonanz. ich verstehe sehr gut, was du meinst, dir fehlt die durchgehende form. an diesem text habe ich sehr lange gearbeitet, ich finde ihn (für mich) komponiert. aber: ich werde versuchen, vers 3 tonal den ersten beiden versen anzugleichen. bis hierhin erstmal, gruß!

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: du bist fern

    Uups, nihel, das bin ich ja nun gar nicht gewohnt, daß unwidersprochen Kritik konstruktiv aufgenommen ward. Es wird doch hier nicht etwa ein Wechsel der Töne erfolgen?

  5. #5
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    AW: du bist fern

    weißt du, nihel (Richard), mir gibt das schönheit.
    nur "deinen namen nenne ich zuletzt" - das ist celan. das ließe ich weg.
    es gibt keine steigerung zu "auflösen in das, was dich immer umgibt" da wäre der doch von außen zugesprochene name, selbst wenn es celan nie gegeben hätte, eine verringerung, auch wenn das zuletzt geschieht, also einer bis zum ende ausgeharrt hat, was ein synonym dessen, worum celan sein ganzes leben herumgeschrieben hat. dennoch - der tod ist vorher. die auflösung.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: du bist fern

    dieser paul ist mir fluch und segen gleichermaßen, er verfolgt mich immer noch -anscheinend bis in meine texte hinein. dabei habe ich doch haken geschlagen, habe rechts geblinkt und bin links abgebogen, doch er, dieser taube hund, lässt einfach nicht locker. ich denke, es ist dieser textuelle logikzwang, welcher hier greift und es mißverständlich macht. - vor dem auflösen, (tod) nenne ich ihren namen, so ist die intention. anscheinend kommt sie nicht richtig zur geltung. nun muß ich abwägen, ob das eine schwäche des textes ist. für die letzte zeile würde ich nämlich einen finger lassen, wenn es vonnöten wäre.

    hab dank, teure!

  7. #7
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    AW: du bist fern

    behalt den finger. stattdessen: streich, malerisch meinetwegen, raus: "deinen namen nenne ich zuletzt". auch und gerade, weil es, by the way, nicht stark genug ist, um das davor zu tragen, das: "auflösen, in das, was dich immer umgibt".
    (noch ein by the way: einmal tät ich das eine der zwei "auflösen" auflösen.)

  8. #8
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    AW: du bist fern

    Nun, nihel, willst Du die Vorschläge vielleicht in einem zweiten Entwurf adeln?

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: du bist fern

    harte zeiten erfordern radikale maßnahmen. adel verpflichtet, da hast du recht.

    n

  10. #10
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    AW: du bist fern

    ich finds rundum schön.

    sag, hast dir itzt nen finger abgeschnitten?

    grüße aus der seine,
    die zu dieser jahreszeit besonders kalt ist -
    paul...

  11. #11
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    AW: du bist fern

    ohweh....mein lieber, da hammers...ich hätte mindestens 3 finger für "deinen namen nenne ich zuletzt" gegeben....mit celan hab ich noch nichts an der mütz...aber für mein empfinden wäre es "das grösste"....und eine mir sehr nahe anschauung.
    achach.


    lg
    paula

  12. #12
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    AW: du bist fern

    oui, ich seine, öhm, sehn mich auch nach dem schlußsatz -
    fand ihn auch trefflich -
    "deinen namen nenn ich zuletzt."
    also her damit...!

    celan schrieb von schwarzer milch,
    das ließ mich aufhorchen... -
    und dann hamwa ja noch die frau bachmann,
    mit der ich zur zeit zuweilen das bett teil...

  13. #13
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    AW: du bist fern

    "ein vogel fliegt nach osten, zum dritten male stirbt der baum im hof
    im zwielicht sitze ich unter ihm, beim herzen, auflösen möchte ich mich
    auflösen in das, was dich immer umgibt"

    so wäre mein vorgeschlagenes ende gewesen und das hätte nihel keinen finger gekostet, sondern bloß einen celan.
    ist es nicht die frau gewesen, die, die die tulpen köpft aus fadensonnen, die einen namen zuletzt nennt? natürlich ist das unendlich schön ...

  14. #14
    rodbertus
    Laufkundschaft

    zweiter versuch

    der zweite vorschlag nihels (Richards) fehlt hier... oder gab es ihn nie, weil anderes drängte?

  15. #15
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: du bist fern

    Oha, da war ich noch jung und voll im "lyrischen" Saft, schäm! Anderes drängte natürlich immer, nein, irgendwann hörte ich einfach auf mit dem Herumdoktern. Es blieb immer ein Fragment, das Verhältnis dazu ist nach wie vor ambivalent. Suz hatte es aber auch mit mir und diesem Celan; aber nu, sie hat es immer gut gemeint! Vielleicht sollte ich nach all den Jahren eine Überarbeitung wagen.

    Es sei denn, die werte Leserschaft ist da anderer Meinung. Erbitte Leseeindrücke.

    Grüße,
    Richard

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