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Thema: Mein verfemter Alltag

  1. #1
    kls
    Laufkundschaft

    Post Janet - Klappe, die Zweite

    Janet, Klappe die Zweite


    Ich komme gerade mit meinem Kaffe aus der Küche, als Janet den Blöden Egon stürmt. Sie schmeißt sich auf die Hochbank.


    "Los, setz dich zu mir. Zack, Zack!"


    "Oh, Janet, du hier? Heute mal mit offenen Haaren? Bist du etwa auf der Balz?"


    "Nein, aber meine Haare sind fürchterlich ziepig."


    Ich pirsche mich vorsichtig etwas näher. Soll ja nicht so aussehen, als ob mich Frauen rumkommandieren könnten. Im Abstand von zwei Metern drehe ich mir umständlich eine Zigarette. Was die Sache zusätzlich verkompliziert, ist die kaum verwunderliche Tatsache, dass ich Janet klammheimlich gerne etwas Substanz ins Hirn ficken würde. So was geht ja nun kein bisschen. Aber was soll ich tun? Mich selber belügen? Ich mag dieses Prollige an mir auch nicht so besonders. Alte Männer und der Trieb - wenn ich die jungen Leute von Kompliziert plappern höre, könnte ich mich kringeln aus Vorfreude auf deren zukünftige Probleme. Janet soll meine latente Hintergrundgeilheit aber gar nicht erst mitbekommen, wenn irgendwie vermeidbar. Janet hat da nämlich ein defektes Männerimago im Kopf, aber das wäre nun eine völlig andere Geschichte.


    Hausaufgabe: Versuche mal nichts zu senden. Na, bitte, geht nämlich gar nicht. Also muss man in so einer Situation eine Überlagerung der wahren Intentionen senden und da habe ich doch fast nur die Wahl zwischen unausstehlich oder dumpf. Früher konnte ich Janet damit auf emotionalen Abstand halten, aber inzwischen (nach immerhin nur 16 Jahren!!!) hat sie wohl kapiert, dass ich KEIN verkappter Werwolf bin.


    "Warum haben ALLE Männer ab 35 einen Bauch?"


    "Warum halftern die Damen ab 30 so entsetzlich ab? (Janet ist 33) Gerade, wenn sie anfangen interessant zu werden und sinnlich."


    Nach diesem Geifermatt kann ich mich gefahrlos dazu setzen.


    "Ich habe seit 3 Jahren keinen Sex mehr gehabt. Das kann man doch getrost als Rückkehr zur Jungfräulichkeit bezeichnen. Aber es läuft auch nix Brauchbares rum."


    Dann erzählt sie mir von den Qualitäten, die ein Mann so mitbringen müsse um sie zu reizen. Totaler Antipode meiner Wenigkeit: 35, schlank, etabliert, sie nicht unterdrückend - darauf legt sie besonders viel Wert. Mir wird immer unruhiger zu Mute. Das Auto dürfe er nicht anfassen. Am Haushalt müsse er sich selbstmurmelnd beteiligen und ihr bloß nichts über Kindererziehung erzählen (Janet hat Zwillinge im Alter von ca. 3 Jahren), gepflegtes Äußeres wäre selbstverständlich; ich versuche nicht an meine eigene, total abgeglotterte Erscheinung zu denken. Na, und immer so weiter.


    So langsam kommt da aber echte Wallung bei mir auf. Ach ja, doch unterordnen dürfe er sich auch nicht...


    "Janet, du hast doch wohl das einzig-organische Vakuum im Kopp, welches ich kenne. Ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass du so eine Lusche finden mögest. Und hinterher überlegst du dir dann, ob deine Aufzählung nicht ein wenig unvollkommen war. Da war doch noch etwas? Äh, Magie der Liebe? Stand der inneren Evolution? Senkrechter Charakter? Eindeutigkeit, Souveränität, Ehrlichkeit? Hm? Was meinst?"


    "Magie der Liebe... Du bist aber auch ein Spinner."


    Janet hat eben ein schäumendes Wesen. Deswegen passiert ihr ja auch nur Schaum. Aber den Verursacher der Ereignisse, die ihr so passieren hat sie immer noch nicht ausfindig gemacht. Wie denn auch, wenn sie ständig in der falschen Richtung sucht?


    Irgendwann muss ich mal eine Geschichte über all diese tapferen alleinerziehenden Mütter schreiben.


    Zwischenruf von Rudi: "Und was ist mit den alleinerziehenden Vätern?"




    [Diese Nachricht wurde von kls am 17. August 2002 editiert.]

  2. #2
    kls
    Laufkundschaft

    Post Mein Padischah-Imperator

    Mein Padischah-Imperator


    Rudi ist ein Machtmensch. Das gibt er auch ohne Weiteres zu: "Ein Machtmensch macht was.", und: "Ich bin Unternehmer. Ich unternehme was." Damit hat er Stellung bezogen und jede weitere Hinterfragung würde nur unnötiger Weise seine Position schwächen. Irgendwer muss ja auch diesen Job erledigen: Chef! Tamtamtöräh...


    Rudi versteht mich. Rudi ist selber ein Bourgeois, nur viel überzeugender. Gestern noch sprach er mich an:


    "Du meinst also, mich mit selektierten Daten füttern zu müssen?"


    "DA wurde ich wohl falsch zitiert. Man darf dich NUR mit Daten füttern, niemals mit den Implikationen, habe ich gesagt, das Recht der Interpretation behältst du dir selber vor. Soll bedeuten: Du bist nicht leicht zu manipulieren. Also, der Wunsch meiner Tochter in Deutschland zu bleiben und dein Anliegen mich nach China zu schicken beißen sich."


    "Dass Deine Tochter mit dir auf einem Zimmer schlafen wird beisst sich auch."


    "Ich weiß, aber sie soll es erst mal wie einen Luxuscampingurlaub betrachten. In einem Zelt ist es enger. Der einzige hier, der dieses Problemlage entschärfen könnte, bist du. Ich gebe dir nur die Daten: Ich bin pleite. Ich sage nicht: Stell meiner Tochter für 14 Tage, oder halt so lange, wie wir brauchen um vernünftige Entscheidungen zu treffen, eine kleine Wohnung zur Verfügung. Ich sage nicht: Lass dir eine Möglichkeit einfallen wie ich etwas Geld verdienen könnte. Der Chinajob ist noch lange hin. Das weißt du. Die Schlüsse überlasse ich dir. Die Schwierigkeit besteht darin, dich zu erwischen um dir die Daten zukommen zu lassen. Willst du etwa deine Patentochter verleugnen?"


    "Hm. Du kannst es einfach nicht lassen. Stimmt's? Ich kümmere mich drum. Der Chinese kommt morgen. Ca. 3 Wochen später gibt es eine feierliche Vertragsunterzeichnung. Die wollen dein gesamtes Know-how. So schnell lassen die dich nicht wieder gehen. Einen Monat dauert die AV (Arbeitsvorbereitung) und einen Monat der Materialtransport. Also in 3 Monaten geht es los. Zu 90 %. Falls der asiatische Markt nicht schon wieder zusammenfällt. Deine Tochter ist alt genug hier auf dem Gelände halbbetreut ihren eigenen Weg zu finden. Wenn ich dich erst mal an die Chinesen verkauft habe werde, würdest du hier nur stören..."


    "Was soll ich da noch sagen. Eigentlich könnten wir doch Freunde sein, trotz diesem sozialen Gefälle."


    "Blödmann."


    Jeder sollte einen Rudi kennen. Mit patriarchalischen Anspr?chen zum Unterlaufen und Profitieren. Er ist nun mal Klassen besser als ich in Sachen unternehmerischer Erfolg.- und: Er liest hier nicht mit...

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Mein Padischah-Imperator

    Aber ich!


    Was Du hier von Dir läßt, ist nichts anderes als bürgerlicher Alltag: Versäumte Kisten und Neid auf den Chef, weil er Chef. Nutzlos verschwendete Ironie und nicht einmal besonders witzig.
    Du hast einige Zeit nicht gebumst, Sperma-Schlieren verkleben Dir die Augen, sonst würdest Du sehen, daß Deine Phantasie abhanden kommt. Lamentato, Worthülsen, unterschwelliges Gejammere, Du bist schon selbst ein blödgesoffener Egon!
    Werd wieder der Ludwig, den wir schätzten, benutze Deinen Geist und scharfen Witz. Da war doch mal was: Du hast gesucht und manchmal auch gefunden.
    Finde Dich erneut! Bist doch noch ein Junger! Jünger meinerselbst?

  4. #4
    kls
    Laufkundschaft

    Mein Padischah-Imperator

    Schnüff.


    Hannemann, Du hast Recht. Vielleicht sollte ich weniger kiffen.


    Es fliesst nicht richtig. Ich zwinge mich zu täglichen Output, damit überhaupt etwas passiert. Na gut, dann schmolle ich nun.


    P.S. Deine Beiträge sind auch nicht immer Literaturpreisverdächtig. Wer viel schreibt, schreibt auch viel Mist.


    Ein interessantes Phänomen ist die Tatsache, dass ich einen Text nicht beurteilen kann, wenn ich nicht das Gefühl habe, jemand anderes hat ihn gelesen. Beim Schreiben befinde ich mich nämlich in einem Zustand des "Ja-Sagens". Erst wenn der Text gelesen wird ist Selbstkritik möglich. Kennst Du das?


    Jünger Deiner Selbst? Halloh? Ob ich wen kenne?


    ...kls... (schwer am Schmollen)

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Mein verfemter Alltag

    armer kls, es gibt soo viele, die so denken:


    Meditation zum Einstimmen




    Du glaubst du stehst im Wald.
    Du weißt nicht, wie du hierhergekommen bist.
    Du beschließt, dich auf dich zu besinnen und zu orientieren.
    Bedächtig lehnst du dich an einen Baum.
    Langsam gleitet dein Blick an dir herunter.
    Du siehst deine zerrissenen Jeans und sandalenbedeckten Füße auf moosigem Grund.
    Ganz allmählich gleitet dein Blick nach oben.
    Der Himmel ist tiefblau, weiße Wölkchen stehen fast still, diese Idylle erscheint: bayerisch.
    Während deine rechte Hand unbewußt den Tabakbeutel sucht, bleibt dein Blick in den dichten Kronen der Bäume hängen.
    Du kicherst leise vor dich hin, wieviele komische Formen haben diese Äste.
    Du gibst die Suche nach dem Tabak auf.
    Dein Blick fällt auf eine Lichtung, deren Anblick dich magisch anzieht und
    du stolperst barfüßig auf sie zu.
    Jetzt liegt sie vor dir: hell und weit, so weit das Auge reicht.
    Grün! Alles ist grün, grünes Gras.
    Grünes, durchdringend duftendes Gras, dessen Stengel sich in der sanften
    Brise eines warmen Nachmittagwindes wiegen.
    Da ist sie. Ja, da ist sie. Deine Plantage und du stürzt dich mit einem
    begeisterten Schrei, der in ein befreiendes, vergnügtes Lachen endet,
    hinein in diese grüne, duftende Pracht.
    Du läßt deine Finger sanft die Stengel entlanggleiten, reibst kurz an den
    dicken fetten Pollen und ziehst tief die würzige Luft, die durchdringend nach Harz duftet, in dich hinein.
    Das Harz klebt an deinen Fingern.
    Dein Verstand rast.
    Endlich blickst du wieder durch.
    Du findest auf einmal den Tabakbeutel, die Papers und die letzten Reste
    deines grünen Vorrates.
    Mit fiebrigen Augen und harztriefenden klebrigen Händen baust du dir
    einen Joint, so groß, daß der Münchener Freiheitsengel eine Woche lang
    daran ziehen könnte. Dann wirfst du dich mitten hinein in deine Marihuana-
    Pflanzen Marke Hollandfeuer 97 und kiffst und kiffst und kiffst, bis dir der Rauch aus den Ohren dringt.
    Du bist ganz ruhig.
    Du fühlst dich wohl
    Du läßt deine Gedanken und Phantasien frei schweben.
    Du bist ganz ruhig und entspannt.
    Du spürst eine unbekannte Weite in dir.
    Dein Geist umklammert die gesamte Erde, bis die Wärme des sonnigen Tages
    langsam vergeht.
    Dein Verstand hat die Lage der Lichtung nicht vergessen
    Ruhig und gelöst gehst du zurück, nicht ohne vorher noch einige Pollen
    mit ein paar sanften Schnitten von den Stengeln genommen zu haben.
    Wie in Trance gehst du zurück.
    Du bist glücklich und zufrieden.
    Langsam findest du wieder zurück in diese Welt, gehst in dein Lieblings-
    bistro, trinkst bedächtig ein Bier und wartest auf die Ernte.

  6. #6
    kls
    Laufkundschaft

    Mein verfemter Alltag

    Susanne

    Seit 6 Wochen habe ich nun eine neue Frau, nachdem ich mich 7 Jahre lang der Grottenolmigkeit hingegeben hatte, wenn man mal meinen chinesisch-halbherzigen Teenieboppertest unterschlägt. Leicht neben der Rolle, aber das muss vermutlich so sein, sonst hätte sie mich wohl kaum genommen. Sie ist zwar schon 37, ich persönlich allerdings erst süße 54. Doch in solchen Dingen bin ich von Natur aus echt großzügig. Macht nach Adam Riese 17 Jahre Unterschied, aber das nur für diejenigen unter Euch, die zu faul sind selber mal nach zu rechnen. Sie ist sehr schön * ich bin es noch viel mehr. Zur Zeit baue ich ihr das Dachgeschoss aus, für die Kinder, damit der Erotik des Nachts keine mindernde Interruption widerfährt.

    Macht zusammen mit meiner Brut nebst Katze und Meerschweinchen und (Gottogottogott) Ratten an die 10 Stck. Weibsen, mit denen ich mir einen Alltag gestalte, dass du träumst von davon.

    Aber ich wollte überhaupt nicht rumstrunzen, sondern von der Beglückung berichten, die ein ansatzweis-intaktes Familienleben so mit sich bringt. Doch Aufgrund der vielen Nachfragen muss ich jetzt trotzdem erst mal ein wenig angeben: Rudi hat sich nämlich seine russische Dolmetscherin gegriffen, - auch 17 Jahre jünger, aaaber ich kann mir wenigstens einer gewissen Reinheit der Gefühle sicher sein, denn ich bin nix und aus mir wird auch nix mehr. Kein Ehevertrag vornöten. Der von Rudi geht über 25 Seiten. Das kann nur Liebe sein. Harr! Harr!! Harr!!!

    Wir habe es aber auch knallhart ausgedealt: Alle Drogen sind verboten, außer etwas Kiffen zum Wochenende. Aber keine Opiate, außer zur Schlafmohnernte und wenn mir der Arzt etwas gegen meine Bronchitis verschreibt. Deswegen auch keinen Alkohol, außer es befinden sich noch einige Flaschen in der Bierkiste. Draußen darf ich so tun, als ob ich was zu melden hätte, nein, sie muss keine 3 Meter hinter mir gehen, 2 Meter halte ich für durchaus hinreichend, doch zu Hause wird gemacht, was immer ich auch sage. Das nennt man dann gleichberechtigte Partnerschaft. Sie muss auch nicht jede Nacht am Fußende schlafen und wenn ich es nicht mehr ertrage, wie sie sich mit dem Abwasch quält, darf sie sogar die Küchentüre hinter sich schließen. Klar widert es mich an, dermaßen unter dem Pantoffel zu stehen, doch in ihrem Alter kann ich doch froh sein, überhaupt noch unter die Haube gekommen zu sein und in diesem Ganzkörperschleier sieht sie wirklich total niedlich aus...

    Frauen! Ehrlich, wenn es sie noch nicht geben würde, müsste man sie dringendst erfinden. Sie geben der Wohnung etwas Heimeliges, machen aus einem bloßen Ort ein Zuhause * ich habe genau beobachtet, wie sie dabei vorgehen. Zuerst wird lauter Klüngelkram angeschafft: Fußmatte, Besteck, Deckchen hier, Deckchen da, Obstschale, Mülleimer (3 Stck.), Mülltüten, Duschvorhang, Eierschneider, Nagelpflegeset, Schuhputzzeugs, 8 Scheren unterschiedlichster Größe und unterschiedlichstem Verwendungszweck, Zellstofftücher, Alufolien und *halter mit Sägekante, Wäscheständer, Seifenuntersetzer, 10 Sorten Putzmittel, Föhn, Katzenfutterstation, Eierbecher, Klobrille, Lampenschirme, Glühbirnen, Kerzen und Kerzenständer, Salzstangen, Blumenvasen, und so weiter, anschließend hat man immer genug zu tun die Bude sauber zu halten. Das macht ein Zuhause aus. Es ist ein Ort, wo einem ständig etwas Unerledigtes im Nacken sitzt. Wir habe 7 Telefone, 5 Computer, 2 Badezimmer und 2 Küchen, alles auf 240 Qm zusammengequetscht. Alleine mit den Glasflächen könnte man zwei Fensterputzer zu glücklichen Männern machen.

    Was soll ich machen. Ich liebe diese Frau wie doof und habe selber auch genügend Macken, als dass ich rummüpfeln dürfte.

    Als ich sie bebalzte (Warte doch weiterhin auf Deinen blöden Traumprinzen) schrieb ich ihr ein Gedicht: Ich weiß, gute Liebesgedichte sind selten, dieses ist ein gutes Beispiel für ein schlechtes.

    Hinter ihren Augen * Türen aus Stahl,
    verschlossen, zu und fest verschweißt
    vermutlich eine gute Wahl,
    so oder so ähnlich ist es doch meist.

    Hinter ihrem Lächeln * ein lautes "Nein!!!"
    Mit drei Ausrufezeichen
    Am liebsten würde ich ja laut schrei'n
    Und noch viel weniger erreichen

    Hat sie Recht? Vermutlich noch
    Wer steht schon auf Verblödung
    Denn Liebe macht dumm? Doch
    Stahltüren sind auch keine Lösung

    Ich sehe die Augen, den Stahl seh' ich auch
    Ich sehe dahinter. Das sollte mein sein
    Ich darf nicht dran denken, Kopf, Herz, Bauch.
    (Ich kann noch viel lauter "Nein!!!!!!" schrei'n....)

    Sie hatte nämlich, schlimmer als ich, dem Feindgeschlecht komplett abgeschworen. Ihr Ex hatte wohl in der Scheidungsphase ziemlich viel Stress gemacht. Die Liste der Eigenschaften, die der nächste Mann aufweisen musste, hatte zu viele Unerfüllbarkeiten. Bis ich kam, sah und mir meinen Anteil sicherte.

    Er durfte nichts mit Drogen zu tun haben. Na, da war sie bei mir doch genau richtig.
    Er durfte höchstens 8 Jahre älter sein. Habe ich locker geschafft. Gleich zwei mal.
    Er durfte nicht arm sein. Hust, hust, röchel... Ich duze den Gerichtsvollzieher.
    Er durfte nicht faul sein. Ich habe immer darauf geachtet, mich nicht wund zu liegen.
    Er durfte kein Fleischfresser sein. Ich bin ein überzeugter Karnivore.
    Er durfte nicht krank sein. Krebs oder Aids oder so. Da habe ich mit meiner Hepatites C aber Glück gehabt, gelle?

    Ach ja, die Liebe, ach die Liebe, ach...

    P.S. Während ich diesen Auszug aus meinem verfemten Alltag schrieb, ereilte mich der Ruf erneut in China als Projektleiter tätig zu werden. Der Versuch eine große Seele zu entwickeln wurde somit schon wieder einmal mit Hilfe des schnöden Mammon ausgebremst. Will sagen: Ich bin käuflich, total korrumpiert und lasse für Geld alle Träume fahren wie andere einen Furz.

    Ach ja, das Geld, ach das Geld, ach...

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Mein verfemter Alltag

    Ich muß mich hier wirklich wundern, daß die Forumatiker diese Schreibe nicht annehmen. Ich find's ausgesprochen witzig. Allerdings müßten wir schon 15% (grobe Schätzung) streichen, denn Du neigst zu unmotivierter Retardatitis, wenn ich das mal so nennen darf. Auch hast du Probleme damit, einem Gedanken wirklich zu folgen, springst also ein wenig zu derb in Deinem Hermeticon umher.

    Das hinderte mich jedoch nicht, mich hier zu freuen. Locker, lustig und doch mit einem gewissen Witz.

  8. #8
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    AW: Mein verfemter Alltag

    ich hab bisher nix dazu gesagt, weil mich der text mit seinem p.s. unverschämt rauswirft. alles was zuvor so locker augenzwinkernd und bis auf zwei blödaltwitze (mach die tür zu, ich kann dich nicht so schuften sehn!
    wenn es sie nicht geben würde, müßte man sie erfinden) wirklich lustig durchformuliert und lustfabuliert ist, einschließlich des balzgedichts und der negativliste samt abhakungen "grins", fällt auf einmal ins nix zurück, der ganze schöne traum futsch.
    da ist in mir ein aufbegehren! hättest du nicht die desillusion einem eigenen text vorbehalten können? länger - und ebenso lustig?

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Mein verfemter Alltag

    nix pour moi. ich würde sagen - entschlacken! fürchte nur, dann bliebe nix mehr übrig vom text :wasgeht?:

    herzliche grüße
    chris

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Mein verfemter Alltag

    Karlchen, die Damen sind nicht aussagekräftig genug. Ich hab's: Du schreibst mir zweihundert Seiten voll mit dieser Art verschriftlichter Weltwahrnehmung. Ich bastle Dir daraus ein Buch.

    Ich glaube, den zerrißnen Menschen der arbeitsteiligen postpostmodernen Gesellschaft dürstet nach solcher Art Alltagsbewältigung, davon kann er abends in seinem Bettchen vor dem Einschlafen nicht genug bekommen.

    Achte auf die Transparenz Deiner Figuren, darauf kömmt's bei Dir vor allem an. Der Rest ist Amüsement. Die Arbeit besteht darin, Deine skurrilen Figuren dem Leser vors geistige Auge zu führen. Der soll nicht glleich abwinken und als getreuer Zögling der Postmoderne einsortieren und zuordnen, sondern verwirrt werden.

    P.S. Zum Vergleich: Ich lese derzeit Schillers Wallenstein, die wirkliche und die geheime Fassung. Ich schaff' abends im Schnitt eine Seite, dann knalle ich kopfüber (neue Schreibung: Kopf über) in den Tiefschlaf.

  11. #11
    kls
    Laufkundschaft

    Mein verfemter Alltag II - Susanne II

    Susanne II

    Meine Lieblingskonkubine ist ein Organisationsgenie. Sie erstellt Einkaufslisten und strukturiert den Tag wie einen Projektablaufplan. Sehr professionell. Jede Minute wird verbaut. Die unerledigten Punkte vom Vortag werden sorgfältig übertragen und alles wird nach Prioritäten geordnet. Das ergibt zwei eng beschriebene DIN-A4 Seiten, teilweise mit gelbem und rotem Marker gekennzeichnet. Das kostet natürlich Zeit und oft haben die Läden dann schon zu, wenn sie damit fertig ist.

    Ich würde mich nicht wundern, wenn da irgendwo zwischen Aldi und AOK stehen würde: 11.30 Uhr: Mann küssen. 11.32 Mund abwischen, 11.33 Mann ankeifen.

    Jetzt ist es schon 11.35, also ab in die Stadt. Erst zum Arbeitsamt, dann zur Apotheke, danach zu Aldi, die gelb markierten Artikel kaufen; dumm gelaufen, sie hatte vergessen die Stadtsparkasse zu notieren. Egal, nehmen wir als Interimslösung das Portemonnaie vom Bezirksbesamer. Danach schnell-schnell in den Gesundheitsladen, zwischendurch noch einen Kaffe beim Italiener. Hinterher zum V-Markt, die rot markierten Frischprodukte kaufen. Ich würde natürlich beim Italiener sitzen bleiben und darüber sinnieren, was es nicht alles gibt, was ich nicht brauche und wie viel Geld ich spare, wenn ich es nicht ausgebe...

    (Zwischenruf von Frau S.: Das machst Du ja auch, während ich mich abjackel, wobei mir der Begriff "abjackeln" neu ist.)

    Überhaupt ist sie mein totaler Antipode. Das fängt schon beim Geschlecht an, setzt sich fort in der Wahrnehmung (Stichwort: Konstruktivismus) und endet noch lange nicht im Kommunikationsstil. Selbstverständlich bin ich total firm im aktuellen Stand der Geschlechterdebatte. Ich weiß, dass die Liebe eine Erfindung aus dem 18'ten Jahrhundert ist, als im Übergang zur modernen Gesellschaft das Bürgertum dem Adel die kulturelle Führung streitig machte, wobei der Wandel der Familie im Mittelpunkt der ideologischen Auseinandersetzung stand, was in der zweiten Hälfte des 18'ten Jahrhunderts zum Abschluss der sogenannten "Bewegung der Empfindsamkeit" führte, was mich aber überhaupt nicht daran hindert sie für die begehrenswerteste Frau zu halten bei wo gibt. Jawollja, ich werde sie heiraten, bei Gott, und wenn es das Letzte ist, was ich in diesem Leben falsch mache...

    In so einen kleinen Ford Kia passt wenig, wenn noch 3 Kinder auf dem Rücksitz ihrer Entwicklung zu vollwertigen Mitgliedern dieser Gesellschaft frönen. Die Förderung der Kreativität und Persönlichkeitsbildung endet bei mir allerdings spätestens bei der Überlegung, warum die eine nur Spaghetti Margarita, die andere - Bolognese und die dritte - Funghi zu sich nimmt. Da werde ich laut: "Solange Ihr die Füße auf meinen Tisch legt, wird gegessen, was immer ich auch koche!" (Ha, ha, aber keine Kapern! Da sind sich alle drei ausnahmsweise mal einig) Reine Nervensache!

    Allein unter Frauen. Wenn ich nicht schon drogenabhängig wäre (Aspirin, Nikotin, Koffein) würde ich es spätestens jetzt. Und sofort zückt mein Liebslingliebsling den Schreibblock und notiert: Kaffe (Aldi), Tabak (V-Markt), Kopfschmerztabletten (Apotheke). Ich hätte vermutlich versucht den Kaffe im Einwohnermeldeamt zu kaufen und den Tabak beim Schuster...

    Ich gestalte mir den Tag ohne Überlegung, ohne Konzept. Wie's kommt. So schreibe ich auch. Das wissen leider nicht alle zu schätzen.

    Zwischen Aldi und Apotheke liegt mein Musikaliendealer. Der steht zwar nicht auf ihrer Liste, aber dort hört man immer die abgehalftertesten Musikerwitze: Wenn es flüssig ist - sauf es, wenn es grün ist - rauch es, wenn es weiß ist - schnupf es, wenn es sich bewegt - fick es und außerdem sitzt dort mein Anwalt und der spielt sauguate Sologitarre. Kleine Session heben die Laune, allerdings nicht bei Susanne, die demonstrativ in ihren Unterlagen blättert, durch- und unterstreicht und mit Augenverdrehern um sich wirft. Wir Musiker sind schon seltsame Zeitgenossen. So viel Idealismus, so viel pleite, so viel Bier, so viel Gekiffe...

    Das mag mein Kebsweib gar überhaupt nicht. Das gibt Mecker mit Fransen dran. Und schon haben wir das schönste Angegniffel des Tages am Laufen. "Haben wir etwa Wochenende? Es ist noch nicht einmal 12.00 Uhr. Wolltest du heute nicht die Wendeltreppe zu den Kinderzimmern anreißen? Schönen Gruß auch von deiner Leber. Dich heirate ich nicht, etc." Und hinterher wird doch nur gevögelt.

    Leute, die Liebe ist etwas ganz Bezauberndes. Ich atme Magie, ich lebe Wunder, ich trage Antischwerkraftschuhe. Ich habe sooooo breite Schultern und bin unglaublich stark, intelligent, gebildet, originell, empfindsam und schön.

    Jetzt fehlt mir nur noch der Preis, den Frau Jelinek bekam. Wofür eigentlich?

  12. #12
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    Mein verfemter Alltag II - Susanne II

    ich bin ein unverbesserlicher voyeur und lese das mit dem allergrößten vergnügen! auch an der sprache übrigens, die funkelnd zeigt, wie mit ihren sämtlichen stilmitteln zu spielen

  13. #13
    Moderator
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    Mein verfemter Alltag II - Susanne II

    Ich find es herrlich, locker, leicht und ungezwungen, frei von der leber weg...oder auch fluffig...

  14. #14
    kls
    Laufkundschaft

    Mein verfemter Alltag III

    Warum alle meine Geschichten so seltsam unfertig wirken

    Ich hänge gerne im Internet ab. Besonders die kostenlose Pornoseiten haben es mir angetan und ich werde an dieser Stelle auch nicht damit anfangen mich deswegen zu schämen. Meinem Schatz ist das Wumpe, sozusagen Schnurz, sie hat da eine sehr pragmatische Einstellung, die von echter Lebensklugheit zeugt: Männers, pah! Die Kavaliers aller ihrer Bekannten würden sich regelmäßig in ihren Gemächern einschließen und dabei vermutlich mit gebührend schlechten Gewissen an nackerten Mädels ergötzen; sie hat einfach keinen Bock sich ähnlich wie ihre Freundinnen darüber zu echauffieren oder gar diese unbekleidet- virtuellen Damen als Konkurrentinnen betrachten. Sie findet es nur amüsant, wie ich jedes Mal wegen so'n paar Bildchen anschließend den Computer neu einrichten muss.

    Ihretwegen kann übrigens machen was ich will. Erstens sowieso und zweitens tu ich das auch, ganz besonders beim Schutz gegen Viren und Trojaner - da kann ich echt machen was ich will. Es nutzt nix!!

    Zuerst installiere ich das Betriebssystem, inklusive überbrezeln der kompletten Festplatte. Dabei gehen natürlich alle gespeicherten Bildchen verloren. Dann richte ich den Wireless Internet Adapter ein, unser Rooter hat nämlich schon eine Firewall incl. 190'er Sperre und im Anschluss daran sauge ich mir sofort Antivir. (Norton passt zwar in meinen kleinen Arbeitsspeicher, aber mehr darf's dann auch nicht werden) Ich lasse Windows updaten um die altbekannten Sicherheitslücken zu schließen.

    Dermaßen aufgenordet treten mein PC (Al Capone), ich (kls) und meine Männerspahnatur (ficken, ficken, ficken) dem Sexyrabbit.com entgegen. Hübsche Mädchen, die sich ausziehen sind überall selten zu finden. Auch im Internet. Ganz besonders im Internet! Meistens gibt mein Antivir Guard schon nach 30 Sekunden Rotalarm, während ich noch nach etwas Appetitlichem suche. Dafür muss ich mir vorher viel Unappetitliches angucken. Und was sich nicht alles so an der Firewall und dem Antivirenprogramm vorbeimogelt. Da möchte man ganz kantig werden. Internetoptionen ändern sich spontan und mir wird als Startseite irgend so eine blöde Adresse wie z.B.: (htpp://www.schweineigel.com/isapi/redir.dll?prd=ie&pver=6&ar=zutodeaergern) hingeschrieben. Das kommt so oft vor wie Eicheln im Wildschweingehege, aber dass es eine Seite gibt, die tatsächlich about:blank lautet war mir neu. Spät, sehr spät habe ich dann auch erst herausgefunden, dass ich permanent im Internet hänge, selbst wenn ich meinen D-Link Air DWL-510 Wireless PCI Adapter AP: LAN quittiere. Das müsste einem doch vorher gesagt werden. Da wird plötzlich ohne Vorwarnung der Internetexplorer (manchmal heißt er dann überraschender Weise: Lexplorer) aktiv und präsentiert mir eine Seite, die mich völlig bescheuert und in total ungebetener Weise mit einem: Congratulation, you found the Internet-Porn-searcher a la Las Vegas anblinkt. Es öffnen sich ca. 200 Fenster, schneller als mein Antivirenprogramm wiederum schließen kann. Herunterfahren geht aber auch nicht mehr, Resetknopf tut es gleichfalls nicht, bleibt also nur der Griff zum Hauptschalter auf der Rückseite. Inzwischen hat aber ein Programm namens Powerscan seinen Weg auf meine Festplatte gefunden, was sich beim nächsten Hochfahren noch vor das Antivirusprogramm schiebt und mit absoluter Virensicherheit lockt; vermutlich kann man den PC anschließend nur noch verschrotten, wenn man den Fehler macht den Buttom: Scan now zu klicken.

    Aber diesen Fehler begehe ich nicht. Ich kann ihn auch gar nicht begehen, weil beim nächsten Hochfahren 20 Programme (...reagiert nicht) geladen werden, die jegliche Eingabe verhindern und einfach nur alles blockieren, während die Festplatte Geräusche von sich gibt, die stark nach spanabhebender Datenverarbeitung klingen...

    Also darf ich wieder mal die Windows 2000 Installation CD in F: einschieben, wie oben beschrieben und Susanne amüsiert sich.

    Wir hängen hier mit 14 Nutzern am Rooter. Ständig jammert wer, dass es sein Internet nicht tun täte, dabei ist das System relativ stabil, wenn es erst mal ordentlich installiert wurde. Was, um Gottes Willen, treiben nur die Anderen im Internet, so dass sie sich ständig neu einrichten müssen? Ich trau mich gar nicht nachzufragen.

    Natürlich muss ich auch immer erst Office 2000 reinschieben um solche Geschichtchen wie diese hier zu schreiben. Deswegen haftet ihnen auch immer so etwas Unfertiges an. Doch bis zur nächsten Festplattenformatierung sind es nur noch wenige Stunden...

  15. #15
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    AW: Mein verfemter Alltag III

    warum befriedigt das jetzt mein voyeurism net so?
    ich mein ja nur "kicher" - gelebt hab ich das auch schon, die pop-ups, die ewigen und die ruinierten bios und so

  16. #16
    kls
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    AW: Mein verfemter Alltag III

    Susanna: ich mein ja nur "kicher" - gelebt hab ich das auch schon, die pop-ups, die ewigen und die ruinierten bios und so

    Alles maßlos übertrieben, aber ich kenne keinen einzigen Mann, der nicht pornosurft. Somit ist diese Freizeitbeschäftigung ein Standardverhalten. Allerdings gibt es keiner zu, besonders wenn ihre Frauen in der Nähe sind.

    Vom Handwerklichen befriedigt mich mein Text nicht. Das Thema hätte ich besser darstellen können. Mehr menschlich-allzu-menschlich, mehr Situationskomik, schärfer gezeichnet...

  17. #17
    kls
    Laufkundschaft

    Palma Kunkel - Danke schön!

    ... und schreibt in seine Wochenchronik
    wieder ein Erlebnis voll von Honig... (Morgenstern, Palmströmzyklus)

    Leute Ihr seid richtig taff
    und Ihr seht mich völlig baff... (kls, klszyklus)

    Danke ...kls...


    Palma Kunkel hat die Frage,
    was zum Kriegsproblem sie sage.
    Längst im Innersten entschieden,
    wünscht sie allen Menschen Frieden.
    (Zwar zum Unterschied von vielen
    freilich nur: mit großen Zielen.)
    Doch sie weiß zugleich: auf Erden
    sind die Menschen noch im Werden.
    Ringsum ungeheure Horden
    wollen noch das große Morden,
    sind noch ganz durchleidenschaftet,
    noch vom Geist zu schwach durchkraftet,
    müssen erst noch lange reifen,
    eh sie Gott und sich begreifen.

  18. #18
    kls
    Laufkundschaft

    Mein verfemter Sonntag

    Meine Frau liebt das soziale Leben hier auf dem flachen Land. Kirmes, Schützenfest, Wochenmarkt. Also werden am Sonntag die Kinder und der Mann ins Auto geschubst und zu einem Basar in Otze gefahren. Im alten Schulgebäude haben die Frauen Tapeziertische aufgestellt und bieten an: Handgemachte Kerzen, lustige Tiere aus Socken, Seife, Deckchen, Kuchen, Schlüsselanhänger, Sterne u.ä. Meine Frau kennt fast jeden hier. Und umgekehrt auch, also benehme ich mich wie wohlerzogen, nicke höflich zu jedem Satz und bohre nicht in der Nase. Fasziniert betrachte ich den Kartenständer. Herzlichen Glückwunsch zum 75sten Geburtstag, zum 70sten, 65sten und 60sten. Jünger gibt's nicht. Das entsprechende Zielpublikum besteht aus Insidern, solides Volk, Salz der Erde u.s.w. Entsprechend die Gesprächsfetzen: Der Hennecke hat wieder mal seine Frau geschlagen - sie behauptet natürlich die Treppe runter gefallen zu sein, aber du weißt ja..., Uwe haben sie in Hannover wegen Rauschgift angeklagt, gut dass wir hier ... Das Kontingent erste und zweite Wahl für Zuckerrüben habe ich schon ausgeschöpft, nun muss ich 20 Zentner unter Preis ...

    Nach 5 Minuten müssen die Männer vor die Tür und rauchen. Keine Flachmänner sondern normale Glasflaschen. Innen wird weiterhin mit viel Lokalkolorit an der Kultur geschafft. Wie üblich leistet das Frauenvolk die Hauptarbeit. Und die Kinder. Meine Frau schafft mit. Die Kinder auch.

    Ich bin bloß ein Zugezogener und stelle mich subversiv und einige Meter abseits. Wir Bielefelder haben es eher mit dem Teutoburger Land. Berge mit Burgen sind topologisch gesehen viel interessanter als flaches Land mit Abraumhalden von Kali und Salz. Da nutzen auch keine Windkraftanlagen, obwohl von diesen häßlichen Dingern Hunderte rumstehen und einem den Horizont versauen. Otze existiert nachweislich seit dem 13ten Jahrhundert. Die Straßen sind kopfsteingepflastert und wenn man sich die Autos und Satellitenschüsseln wegdenkt, muss es in dieser Gegend vor 500 Jahren nicht viel anders ausgesehen haben. Die Kapelle hat einen Holzturm, der sich nach oben hin konisch verjüngt, diese Denkweise ist hier weit verbreitet. Die Häuser tragen Sinnsprüche über den Eingängen: Gott schenk' allen die uns kennen, zehn mal mehr als sie uns gönnen. Erbaut 1647 von Ludecke Escherde.

    Ich muss wieder ins Gebäude, Käsesuppe essen. Der Irak ist weit weg. Die Bedeutung von Arafats Tod für den Friedensprozess im Nahen Osten ist kein Thema. Über Hannover gibt es auch nichts Bedeutungsvolles zu vermelden, obwohl dort die A2 langführt und die wäre die schnellste Verbindung nach Bielefeld.

    Auf der Rückfahrt bellen mir Sockenhunde ins Ohr. Damit hören sie auch erst auf, als ich sie mit Brausebonbons besteche. Ich sehe die Sorgenser Bockwindmühle (1686) näherkommen. Dann klemme ich meine Hand unter das Bein meiner Frau und bin glücklich.

  19. #19
    kls
    Laufkundschaft

    Wirr, ohne Plan und verfemt

    Der letzte Spiegel hat mich sehr traurig, zornig und hilflos gemacht. Er hat mich beschämt - ich finde es mal wieder demütigend, ein Mensch und somit von ähnlicher Gestalt zu sein, wie gewisse islamistische Arschlöcher. Die haben doch tatsächlich Arme, Beine, Kopf, Herz, Bauch, Genitalien, wie richtige Menschen?

    So oder so ähnlich geht mir aber häufig - nicht nur bei bescheuerten Muselmanen. Kinderficker, Wahnsinnige, Rauschgift/Waffenhändler, Mörder! Da draußen laufen Leute rum, bei denen ich in keinster Weise nachvollziehen kann wie die, zum Teufel auch, überhaupt ticken.

    Deswegen habe ich auch tatsächlich keinen Fernseher. An dieser Stelle sollte ich tiefstapelnd gucken. Zufällig messe ich meiner Restlebenszeit nämlich einen gewissen Wert bei, den ich nicht mit Redundanz vergeuden möchte. Einerseits merke ich noch was, andererseits kommt es mir jedes Mal wenn ich Glotze glotze, so vor, als ob ich mir eine Wiederholung ansehen würde. Die im Kern immer gleichen Meldungen hatte man mir schon vor 30 Jahren als Nachrichten verkauft. Das sind in Wirklichkeit keine relevanten Informationen. Und dann fällt mir sofort ein, wie nur die dümmsten Schweine ihren eigenen Metzger suchen können. Und solch brutale Manipulation meiner Wahrnehmung, dessen, was ich in mich reinlasse, kommt einer Hinschlachtung der mentalen Gesundheit gleich. So viel Dummheit und Elend auf der Welt, wenn ich jede lokale Katastrophe registrieren w?rde, käme ich zu nichts anderem mehr. Das war nämlich alles immer schon so. Bei den Azteken, den Babylonier, überall wo es Menschen gab, wurden Unmenschlichkeiten begangen.

    Erinnert Ihr Euch noch an meine Beiträge aus der Türkei? Wie ich einen Krieg der Kulturen, oder etwas ehrlicher formuliert, Krieg der Religionen, vorhersagte? Lange vor dem 11.09.? Und? Gebt Ihr mir inzwischen recht?

    All unser Mühen die Wirklichkeit beim Namen zu nennen sind bemitleidenswert stümperhafte Versuche schräg am Thema vorbei. Wir lassen in die Texte unsere Träume einfließen, sind selber überwältigt von unseren Ergüssen, der Tiefe unserer Innenwelt und hoffen darauf, den Leser zu berühren. Denn uns bedeuten unsere Texte etwas. Dem Leser nicht so sehr:

    K.-L liest sich sehr wirr-subversiv,
    Helmuth mehr Mosel denn Rhein.
    Katja liest sich völlig schief
    und jeder schreibt immer allein

    Wir wählten uns Blatt und Papier
    Und Kuli, Stift oder Schreiber
    Zum besten Freund aus, aber dafür
    Sind wir autistisch. Leider!

    Wir haben uns Wolkenkuckucksheime
    zur Wohnung gewählt und nur dort
    schmieden wir kluge und kritische Reime,
    denn dort ist die Welt ein besserer Ort

    Die innere Einkehr ist unser Exil
    Man kennt uns nur von der Sprache
    Wir sind so. Wir dichten halt gerne und viel
    Das ist unsre heimliche Rache.

    Wir sind bloß Poeten, wir sind keine Krieger
    wir sind nicht die Rächer der Waisen
    Wir stehen nun mal auf der Seite der Sieger
    und kritteln ein wenig im Leisen.

    Wir kämpfen für keine bessere Welt
    Wir wollen hier nicht unterrichten
    Wir spenden auch nichts, wir brauchen selbst Geld
    Wir sind doch nur Dichter - und Dichter tun dichten.

    Aber der Leser sucht in den Texten Unterhaltung, keine Belehrung oder Moral. Moral hat er selber genügend und schlau genug ist er auch. Das ist langweilig.

    Wie schon an anderer Stelle berichtet ist meine Frau nicht nur schön und liebt das soziale Leben hier auf dem flachen Land. Sie ist auch ein Organisationsgenie, auch davon hatte ich schon berichtet.

    Meine Tochter hat sich eine Magen-Darm-Grippe eingefangen. Das ist nicht so schön wie meine Frau, auch nicht für mich, der ich nachts von Geräuschen geweckt werde, die stark an erstickende Elche erinnert. Für meine Frau ist das kein Problem. Erstens schläft sie in ihrer eigenen Wohnung nebenan und zweitens hat sie einen Karteikasten mit Kinderkrankheiten angelegt. Sie fischt eine Karte aus der Ablage M und doziert: Viel Flüssigkeit trinken, am besten Coca Cola mit Kohletabletten, auf potentielle Dehydrierung achten, Ansteckung ist unvermeidbar.

    Na, dann viel Spaß.

  20. #20
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Wirr, ohne Plan und verfemt

    schöne nestschelte! könnte mein lieblingsgedicht werden, was das betrifft - wenn nur die ambitioner-lyrics nicht immer so unlyrisch wirken würden. hab ich auch giftschrank: hate-speaking.

    da's frauerl eigene wohnung hat, tut mich echt emotional spalten: hingerissen:ja!, abgestoßen: wozu dann? kommt wohl ganz auf den mann an "grins" und aufs gefüge.

    jaja, süße cola und salzbrezeln. planlos und wirr, aber gerne gelesen

  21. #21
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Wirr, ohne Plan und verfemt

    Susanna: ... aufs gefüge.

    Ja, aufs Gefüge. Wir kennen uns seit 12 Jahren, hatten uns aber gegenseitig in den blinden Fleck geschoben. Das Leben ist seltsam und die Liebe ein Mysterium...

    Und warum schreibst Du alles in klein? Revolution gebrüllt? Zu schwierig? Neue Deutsche Schreibe?

    Ich finde unsere Schriftsprache gut; sie zwingt einen zur Konzentration. Warum durfte ich im vorherigen Satz ein Semikolon benutzen? Änderte sich die Aussage, falls ich ein Komma oder gar einen Punkt gesetzt hätte? Manchmal weiß ich auch nicht so genau, wann man Du schreibt und wann du, oder selbst und Selbst. Wer alles in klein schreibt weckt Vorurteile, erreicht schon von der Optik her nicht seinen Anspruch die wohlwollende Aufmerksamkeit herzustellen oder gar den Leser zu berühren. Dafür übrigens gibt es Lektoren, die gerne auf Anfrage die ein- oder andere Regel erklären könnten. Davon mache ich zu selten Gebrauch.

    ERKLÄRUNG: Aus den Fragmenten, die ich hier aushänge, entsteht eine längere Geschichte. Das hier sind eher Fingerübungen, herauszufinden, welche Techniken funktionieren. Ich will mich in Zukunft mehr um das Schreiben kümmern...

  22. #22
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Wirr, ohne Plan und verfemt

    "sich gegenseitig in den blinden fleck schieben" ist gut. merk ich mir als technik und als ausdruck

    ja möchtest du denn keine anmerkungen zu deinen texten? oder nur von mir nicht unbedingt - dann verschone ich dich besser damit in zukunft. entschuldige bitte. aber wenn so text hier steht, sagt er mir: bitte, sprich mit mir.

    die kleinschreibung ist eine zeiterleichterung im netz. handschriftlich schreibe ich nur schriftsprache. mir fällt der unterschied nicht mehr auf. anspruch ist keiner dahinter, auch nicht der auf wohlwollen. ich lese deine texte sehr gern, werde dich aber mit meiner kleinschreibung und den für dich mißverständlichen kommentaren, die eigentlich freundig gemeint waren, nicht mehr belästigen.

  23. #23
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Mein verfemter Sonntag

    Der Text ist nicht grottenschlecht, aber ihm fehlt doch einiges an Bissigkeit. Die aber solltest Du hier schon aufbringen. Du machst aber nur wuff-wuff, so ein schwanzwedelndes Wuffwuff, das ich nicht ernstnehme.

    Oder willst Du hier bloß mit dem Schwanz wedeln und Götterspeise schlecken?

  24. #24
    kls
    Laufkundschaft

    Mein verfemter Alltag

    Ich kiffe gerne. Für den ein- oder zweiten eifrigen Leser dieser Serie bestimmt nun eine echte Offenbarung.

    Meine Frau mag so was nicht. Nachvollziehen kann ich das ja. Ich werde dann immer so introvertiert, gelangweilt und stöhne abgenervt leise aber vernehmlich bei jeder Störung vor mich hin. Kinderschuhe kaufen oder ähnliche Freizeitaktivitäten sind dann nicht so mein Ding, ich tu lieber, als ob ich was täte. Schreiben z. B. Das lässt meine Frau erstaunlicher Weise jederzeit als Entschuldigung gelten. Also schreibe ich wie folgt:

    Ich habe mir einen Persönlichkeitstest angetan. Nun ja, mir war halt langweilig und dann wollte ich auch dem Anspruch genügen, als ewig strebend sich Bemühender, an einer, wie auch immer gearteten, aber kausalen Erlösung, zu partizipieren. (Hol der Teufel die richtige Komasetzung (geiler Tippfehler), aber ihr wisst doch bestimmt, was ich meine)

    Als Ergebnis ergab sich erwarteter Weise nichts Unerwartetes. (schöööner Satz) Meine Bemühungen würden sich hauptsächlich um Leistungsvermeidung drehen. Ich solle Philosoph oder Literaturkritiker werden.

    Ich denke allerdings, dass da ein Fehler passiert sein muss. Als ob diese Welt weitere Philosophen oder gar Literaturkritiker nötig hätte. Au?erdem finde ich Philosophie und Literaturkritik viel zu anstrengend. Einen Haufen Steine nicht von A nach B tragen, doch bei dieser Gelegenheit das Rad entwickeln, bzw. das gedankliche Konzept eines Rades, das würde ich mir schon eher zutrauen. Aber das Rad wurde ja schon vor langer Zeit erfunden. Es besteht kein, ich wiederhole: kein! akuter Handlungsbedarf und das ist doch auch mal eine erfreuliche Nachricht.

    Beim Intelligenztest habe ich ähnlich versagt. Demnach muss ich zu doof sein, eine Banane zu schälen. Kommt vermutlich von den Drogen. Meine Frau will mich deswegen auch nicht mehr heiraten, selbst wenn sie schwer bemüht ist drum herum zu reden. Ich kiffe ihr zu viel, wie eingangs erwähnt. Wusste gar nicht, dass das geht. Diese Erkenntnis hat mich gleich so runtergeholt, dass ich fast vergessen hätte, erst mal Einen weg zu schnorcheln.

    Dann habe ich ein Gedicht bei einem Literaturwettbewerb eingereicht. Auch aus langer Weile. Ich weiß, keine Ahnung von Hebungen und Senkungen, der Abteilungsleiter hier schreibt mir ständig unter meine Gedichte, dass mein Prosa schon ziemlich schrecklich sei, aber ich habe da eher eine mütterliche Beziehung zu: Ich liebe sie, gerade wegen ihren Unvollkommenheiten.

    Weil mir aus Alters- und ähnlichen Gründen
    nicht mehr so sehr nach Sündigen ist,
    musste ich mir etwas Anderes finden
    - zum Zeitvertreib: Ich wurd' Moralist!

    Man kann sich nämlich auch seine Moral
    durch Neigung zum Laster erwerben.
    Denn: Wir zahlen alle und zwar jedes Mal
    DAS lässt uns anständig werden...

    Wer vormals voll Stoff gesündigt hat,
    kann Anstand erst richtig begreifen
    Dann sündigt er Anstand - Ich finde das hat
    Wenigstens Stil. Ihr Pfeifen!

    Was haben wir über den Literaturkritiker gelacht. Leistungsvermeidung. Ech, ech, ech.

    Ich halte Winterschlaf...

  25. #25
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Mein verfemter Alltag

    Karlchen, sehr kokett. Du suhlst Dich ja geradezu in Selbstgefälligem! Die diesen Text wirklich interessant machenden Aspekte dagegen läßt Du links liegen: das wirkliche Ergebnis Deines Persönlichkeitstests, die Gründe Deiner Frau, die Wirkungen des Kiffens, das Leben als Philosoph... Darüber schreibe Berichte und gefalle Dir nicht darin, daß Du Dich kiffend langweilst. Das turnt nur ab.

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