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Thema: Ephraim Kishon

  1. #1
    kls
    Laufkundschaft

    Ephraim Kishon

    Ich habe ihn geliebt. Durch ihn wurde mein Leben oft bereichert und das machte ihn mir einfach sympathisch. Etliche Techniken, die ich selber einsetze habe ich bei ihm abgekupfert.

    Und ja, er war ein Patriot. Als Jude wäre ich es auch.

    Den Blaumilchkanal, die beste Ehefrau von allen, freiheitsliebende Waschmaschinen, seine Polemiken gegen Arafat (wer rasiert den bloß immer so geschickt, dass er STÄNDIG einen Drei-Tage-Bart vorzeigen kann?), Meloneneinkauf (übr. sehr realistisch geschildert). Wie Kishon dem banalen, oft tragischen Alltag das Lachen hervorkitzeln konnte, hat mich stets mit dem Neid des Schlechteren erfüllt. Er war von dem Schlag, der auch ein Telefonbuch so schreiben kann, dass der Leser einfach selig lächeln muss...

    Ich würde den Humor von Kishon gleichsetzen mit dem feinen, leisen Humor eines Loriot. Man liest Kishon und fängt unwillkürlich an zu schmunzeln. Er hinterlässt beim Leser das Bedürfnis den eigenen Alltag mal auf Ironismen hin abzuklopfen.

    Über seine Erfahrungen mit dem Nazideutschland möchte ich mich hier nicht äußern.

  2. #2
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    AW: Ephraim Kishon

    ja, und trotzdem gibt's eine menge leute, die ihn als seicht, banal und überhaupt gar nicht der rede wert einstufen; als literat der vorletzten reihe rechts hinten;

    ich muss sagen, sein humor war mir auch etwas zu brachial; immer die selbe masche, 90% übertreibung, 9% prozent chuzpe und 1% überraschung. aber das soll kein werturteil sein;

    wie überhaupt: der erfolg gibt ihm recht. was kann da so ein unbedeutender pseudo-schreiberling wie ich daran herum mäkeln?


    gruss
    eule.

    ps: seine politischen ansichten allerdings teilte ich nicht; da war er mir zu stramm rechtskonservativ und zionistisch.

  3. #3
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    AW: Ephraim Kishon

    Stimmt, Kishon war ein Großer seines Metiers. Er war auch für mich einer der Ersten, den ich las. Meine Großmutter liebte ihn und besorgte sich schon zu DDR-Zeiten seine Bücher aus dem Westen, so habe ich rororo-Bücher von 1975 und kenne, glaube ich, alles von ihm. Den Westen verband ich im zarten Alter von zehn mit Kishon - in der DDR gab es keine Kishon-Bücher -, zumal der auch fließend deutsch sprach. Ich war Israeli, weil er es war und weil ich keinen palästinensischen Autoren kenne, der es nur annähernd mit ihm aufnehmen kann - außerdem tragen die diese Tücher, die ich schon als Fünfzehnjähriger mit Schmuddeligkeit und Heimtücke verbinde.
    Sein Witz war so jüdisch (hintergründig, durch die Nase ins Auge) wie nur irgendeiner. Über einen seiner Witze mußte ich besonders lachen, obwohl ich als Deutscher das vielleicht nicht sollte - ich tu's aber trotzdem.

    Stehen zwei emigrierte deutsche Juden bei der Steuben-Parade in New York. Sagt der eine zum anderen: "Aber unsere SS ist das nicht!"

  4. #4
    Moderator
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    AW: Ephraim Kishon

    Mein Opa, den ich sehr sehr lieb hatte, lachte Tränen. Ich hab es nie verstanden. Ich schenkte ihm zum Geburtstag Kishon-Bücher. Wenn er noch leben würde, wär' er jetzt bestimmt traurig über diesen Verlust...

  5. #5
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Ephraim Kishon

    Kishon wurde 1924 geboren. Das heißt, sein Humor - als Spiegel seiner Zeit - hatte wenig mit der Shock-As-Shock-Can-Brachial-Lustigkeit eines Stefan Raabs zu tun. Kishon hat die Spielregeln nie in Frage gestellt, als Erneuerer war er eine komplette Niete.

    Aber er hat mich zum Lachen gebracht, zu einer Zeit, als man für Lachen noch Bezugsscheine benötigte. Es gab doch nur Busch, Kästner, Morgenstern, Micky Maus und Ringelnatz. Und Kishon. Der war am lustigsten, weil ich damals in der Türkei lebte und da ging es tatsächlich teilweise so zu, wie in seinen Geschichten. Ich erkannte die Melonenverkäufer, Botenjungen und Bürokraten wieder.

    Er war kein Held, er schrieb Verbrauchsliteratur. Zwei mal lesen war ein mal zu viel. Die Geschichten waren harmlos und manchmal braucht der Mensch auch anspruchlose Literatur. Ständiges "Schwer Denken" macht auf Dauer Falten.

    Ich habe ihn geliebt. So wie man einen Gebrauchsgegenstand irgendwann lieb gewinnt, wenn man nur lange genug mit ihm zusammenlebt. Ich kann gar nicht verstehen, wie ihn jemand nicht schätzen mag.

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