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Thema: Bildung und Erziehung - der Problemordner

  1. #26
    Mutter des Hauses
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Okay, das, was du als 2. sagtest, gefällt mir sehr gut. Dein Beitrag, über den ich mich aufregte, klang so psychologisierend und immer knapp am Ziel vorbei in die falsche Richtung - bestehst du auf einem detaillierten Kommentar oder ahnst du, worauf ich hinauswill?

  2. #27
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    willieh: bestehst du auf einem detaillierten Kommentar oder ahnst du, worauf ich hinauswill?

    Deeskalation finde ich (fast) immer besser, als wenn wir unsere knappen Energien in unkonstruktives Gekeife stecken.

    Weißt Du, ich mogele mich irgendwie durch, Erziehung kann man das wirklich nicht nennen.

    Nein, ich ahne nicht, worauf Du hinaus willst. Aber ich habe meine Hausaufgaben gemacht und als mehrfache Mutter fällst Du bei mir eh unter das Beißverbot. Vermutlich besteht auch gar kein echter Grund sich nicht zu vertragen. Was meinst'e?

    Aber ich nehme dankend alle Ratschläge zur Kenntnis und wenn ich etwas einsehe modifiziere ich sogar meine Vorurteile...

    Ich bezeichne meinen Job immer als „Troubleshooter“, was bedeutet, manchmal schrecklich breite Schultern zu simulieren. Als mein Sohn (lange her) von Problemen mit einer Schulgang erzählte, (ihr wisst schon, Gaspistole, Klappmesser, zu dritt furchtbar stark, wir wollen Dein Geld und Handy, sonst...etc.) wurde diese Gang nach Unterrichtsschluss von 4 Kumpels abgefangen. (Mitglieder einer Rockergang – echt gefährlich aussehend, aber viel-viel lieb) Es setzte einige Schellen, die Angstmachutensilien wurden beschlagnahmt (natürlich wurde der Name meines Sohnes nicht erwähnt), der Schutz auf sämtliche Schüler ausgedehnt, und einer Wiederholung mit den übelsten Androhungen von Gewalt vorgebeugt. Nicht ganz sauber, ich weiß, aber ?u?erst effektiv.

    Diesmal ist das Problem nicht bei einigen Bieren zu lösen. Ich weiß nicht, was in ihrem Kopf vor geht. Ich kann es nur schlussfolgern. Sie ist wie ich. Sie lehnt Wissen ab, wenn es nicht von einer sympathischen Person vermittelt wird. Sie hat fast alle Freiheiten, von denen ich als Kind nur träumen durfte. Sie hat die überhebliche Gelassenheit derer, denen alles quer am Arsch vorbei geht.

    Kyra, bitte sag’ was: Wenn sie schon mit 16 (fast) alles darf, was sich andere Kinder erst mit 17-18 so erkämpfen, was wird sie wohl machen, wenn sie 18-19 Jahre ist. Das heimliche Rauchen gehört doch zu den Abgrenzungsritualen, notwendig um sich von den Eltern abzusetzen, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Dto. Kiffen, Vögeln, Saufen, Mercedessterne sammeln...

    Soll ich etwa alles verbieten, von dem ich weiß, dass sie es eh tut, oder ist es besser, wenn ich es missbilligend gestatte, aber unser Verhältnis weiterhin ehrlich, humorig und respektvoll bleibt? Oder ist das Feigheit, bzw. unnatürliches Harmoniestreben? Muss ein Vater wirklich ALLES wissen, was seine Tochter so anstellt, oder ist es nicht natürlicher, wenn die Kleinteile (wie ich meiner Zeit schließlich auch) nachts heimlich aus dem Fenster klettern?

    Wo hört der liberale Respekt auf und wo fängt die Verantwortungslosigkeit an?

  3. #28
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Lieber kls,

    Schwierig!
    Kyra, bitte sag was: Wenn sie schon mit 16 (fast) alles darf, was sich andere Kinder erst mit 17-18 so erkämpfen, was wird sie wohl machen, wenn sie 18-19 Jahre ist.

    Das kann ich kaum beantworten, weil ich diese Dinge natürlich (wie jedes anständige Mädchen) heimlich gemacht habe.


    Das heimliche Rauchen gehört doch zu den Abgrenzungsritualen, notwendig um sich von den Eltern abzusetzen, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Dto. Kiffen, Vögeln, Saufen, Mercedessterne sammeln...

    Die Abgrenzung funktioniert aber nicht, wenn Du alles zuläßt. Sie muß dann immer schlimmerer Dinge tun. Darum ist es, aus meiner Sicht, völlig in Ordnung, z.B. das Rauchen zu verbieten. Es ist verdammt ungesund. Basta!Das Vögeln an sich, ist noch am harmlosesten, aber mit wem? Wir konnten uns damals höchstens einen Tripper zuziehen. Und Du weißt selber wie es ist bekifft mit Kondomen zu hantieren. Also würde ich ihr Kiffen UND Sex zusammen verbieten. Auch wenn es wenig nützt, Grenzen setzten.
    Auch was die Freunde angeht. Mein erster Freund mag zwar für meine Umwelt befremdlich gewesen sein, ich war 14 er 26 Jahre alt. Aber ich habe viel von ihm gelernt. Bücher lesen, gute Filme ansehen. Gespräche mit seinen Freunden, die mich gefordert haben. Wir haben über Politik, Literatur usw. gesprochen, haben nicht nur abgehangen. Mit den Kiffern und Abhängern bin ich erst mit 16 konfrontiert worden, da war ich aber schon so gefestigt, daß ich nie gefixt hätte. Ich habe die Schule geschwänzt, hatte aber ein schlechtes Gewissen.


    Soll ich etwa alles verbieten, von dem ich weiß, dass sie es eh tut, oder ist es besser, wenn ich es missbilligend gestatte, aber unser Verhältnis weiterhin ehrlich, humorig und respektvoll bleibt? Oder ist das Feigheit, bzw. unnatürliches Harmoniestreben?

    Das ist natürlich Harmoniestreben. Du MUSST bereit sein Dich auch unbeliebt zu machen. Sonst hast Du als Mensch keine Autorität mehr bei ihr. Von Vater ganz zu schweigen. Wie ist sie in der Schule? Ich habe die Schule ja nie zu Ende gemacht, das ärgert mich bis heute. Mit Abi hast Du so viel mehr Möglichkeiten. Egal, wenn Du sie dann nicht nützt. Du musst ihr auch so etwas wie Disziplin beibringen (das hat meine Urgroßmutter getan) dazu gehört Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Das ist ein MUSS!!!!
    Sie entgleitet sonst nicht nur Dir, sondern auch sich selber. Und Drohungen sind auch ok. Kein Urlaub wenn nicht, etc. Jeder Jugendliche mit starkem Willen braucht etwas entgegengesetzt. Vor allem wenn sie cool ist. Es ist vor allem der Umgang den Du steuern musst. Es gibt auch gute Abenteuer. Z.B. diese radikalen Tierschützer die in Labors einbrechen, Greenpeace usw. Sachen die auch cool sind und gefährlich, aber wo eine Idee dahintersteckt. Nicht nur Langeweile.

    Muss ein Vater wirklich ALLES wissen, was seine Tochter so anstellt, oder ist es nicht natürlicher, wenn die Kleinteile (wie ich meiner Zeit schließlich auch) nachts heimlich aus dem Fenster klettern?

    Wo hört der liberale Respekt auf und wo fängt die Verantwortungslosigkeit an?


    Die Verantwortungslosigkeit fängt schneller an, als es gut ist. Meine Urgroßmutter ist gestorben, als sie wusste daß ich zumindest einigermaßen versorgt bin, sprich einen Arzt geheiratet habe. Ok Bürgerlich gedacht, aber sie hatte trotzdem recht, hätte ich das nicht getan, wäre ich weiß Gott wo gelandet. Und sie hat sich bis zum letzten Atemzug gegen meine Eskapaden gestemmt, wenn ich zu wild wurde. Hat aber eingerenkt, wenn sie dadurch die Sache im Griff behalten konnte, so durfte ein späterer Freund, als ich 17 war, bei uns in der Wohnug wohnen - gegen Miete natürlich.
    Du musst Dich trauen Konflikte auszutragen. Das scheint heute sehr unbeliebt zu sein. Das sehe ich auch an Axel, der seiner älteren Tochter kaum entgegenzutreten traut, die Mutter auch nicht. Nur ich lege mich manchmal gepflegt mit ihr an. Und die ist erst 14! Hat aber glücklicherweise noch Angst was andere Leute über sie denken.
    Deine Tochter muß ein Ziel, ein Interesse haben, was über Party machen hinaus geht. Du musst Dich dafür interessieren, wie sie in der Schule ist. Sie nach Arbeiten fragen. Wenn sie wirklich keinen Bock mehr auf Schule hat, steck sie in eine Lehre. Nur nicht zu viel abhängen lassen. Sie braucht auch Verantwortung. Auch wenn Du das Gefühl hast, es würde nichts nützen, stemm Dich gegen sie, wenn sie entgleitet.
    Sie kann sonst verdammt abrutschen. Wofür interessiert sie sich?
    Ich wusste schon immer, daß ich etwas mit Büchern oder Kino machen wollte. Das mit Kino hatte ich ja dann auch fast 20 Jahre. Von Kinokasse bis zum Besitzer und der Pleite muss ein Vater wirklich ALLES wissen, was seine Tochter so anstellt, oder ist es nicht natürlicher, wenn die Kleinteile (wie ich meiner Zeit schließlich auch) nachts heimlich aus dem Fenster klettern?


    Du weißt NIE alles. Es ist natürlich aus dem fenster zu klettern, aber es ist ebenso natürlich, daß es dann ein Donnerwetter gibt. Und Ausschlafen ist dann auch nicht. Dann erst recht nicht Schule schwänzen. Deine Tochter testet Dich aus. Sie ist mit 16 auch noch nicht erwachsen, auch wenn sie intelligent ist und viele Dinge kennt. Ihr sind Konsequenzen völlig wurscht. Das ist eben das "Nichterwachsensein" Auch Konsequenzen die ihr eigenes Leben betreffen. Darum muss jemand auf sie aufpassen. Und das geht nicht ohne Druck, bzw. Diskussionen. Wenn Du gut für sie sein willst, darfst Du Dich nicht nur beliebt machen wollen.

  4. #29
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Ich habe da eine Maxime: Ich mache es so, wie ich es eben im Augenblick fühle, bin mal gerecht, mal ungerecht, eben so wie ein Mensch. Gelegentlich bin ich das. Ich sage mir: Ich darf das.
    Der Grund: Ich liebe meine Kinder. Und gelegentlich bekommen sie das, glaube ich, auch mit. Gelegentlich.


    Über die Erziehung von Fremdkindern ist damit aber noch gar nichts gesagt.

  5. #30
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Kyra, Robert,


    natürlich gibt es auch bei so einem Schluffi, wie ich einer bin, gewisse Spielregeln, welche bei Verletzung unangenehmste Folgen nach sich ziehen. Ich bin nicht autoritär, aber auch nicht besonders konfliktscheu; das zumindest müsste man doch aus meinen Texten herauslesen können. Doch bin ich auch nicht konfliktgeil, wenn es nur um fragwürdige Nonsensregeln geht. Klar darf sie im Bett essen und dabei Fernsehen gucken. Logisch darf sie noch nicht nach 23.00 Uhr alleine auf dem Fahrrad durch die Stadt und Umgebung fahren. Aber ausnahmsweise darf sie auch mal um 2 Uhr Nachts mit dem Frauentaxi von einer Fete kommen, wenn am nächsten Tag keine Schule angesagt ist. Es ging mir auch nicht so sehr um die Hühnerleiter (die Machtfrage ist nicht gestellt, da beantwortet) sondern um das Recht eines Menschen, sich in seinem eigenen Rhythmus zu entwickeln. Benötigt die Seele nicht jenes "Abbaumeln", was dieser Kindfrau von dieser Welt und der eigenen Entwicklung an Eindrücken, Wahrnehmung, Archivierung und Auswertung abverlangt wird? Nämlich genau das, was Eltern angeblich so aufregt: Abhängen. GAR nichts tun.


    Manchmal bin ich gerecht, manchmal willkürlich, (kann man dann versuchen am nächsten Tag noch einmal mit mir anzudiskutieren) aber sie versteht auch allmählich, dass ich ab und an eine schnelle Entscheidung treffen muss, weil einfach keine Zeit vorhanden ist, lange nach der optimalen zu fahnden, denn es geht bisweilen nur ums Tempo, wobei es fast schon egal ist, ob man eine richtige oder falsche Entscheidung trifft, denn keine Entscheidung ist oft die schlimmste Entscheidung. Die Grenzen entwickeln sich - Trial and Error, und so lange sie ihren Job macht: Schule und Abwasch erledigt, Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft zeigt, muss ich doch keine Prinzipien erfinden, nur um nicht als Erziehungsunfähig zu gelten.


    Aber die ganze Entwicklung riecht gut, die Muster, welche ich erkenne sind positiv, explorativ, weisen nach vorne, wenn nicht gar nach oben und es macht manchmal einfach nur Freude, zu sehen, wie sich bei ihr zwei unabhängige Gedanken zusammenfinden und sie eine vernünftige Schlussfolgerung zieht. Nein, Kyra, die Vaterrolle ist mir nicht gemäss. Nach 7 Jahren Grottenolm kann das auch niemand mehr von mir verlangen. Ich bin ihr Mentor. Ihr väterlicher Freund, ein Mensch mit vielen Fehlern, der aber lieber an seinen Vorzügen gemessen werden möchte, genau so, wie ich es auch bei all meinen Leuten handhabe. (Wenn Du Deine Mitmenschen an ihren Fehlern misst, ist der soziale Selbstmord vorprogrammiert.)


    Echte Sorgen mache ich mit gar nicht. (Gelogen. Manchmal drehe ich fast durch, aus Angst vor dem, was in ihrer Zukunft noch alles auf sie lauern könnte) Aber sie wird. Und zwar gut, Sie ist nämlich. Und zwar gut! Aber ab und an muss ich auch darüber reden, respektive schreiben...


    Ich bin unglaublich stolz auf meine Tochter. Mit ihr kann man Amerika entdecken, mit meinem Sohn könnte man es anschließend besiedeln. Und ich habe Angst um sie. Es sind oft diejenigen mit dem größten Potential, welche die Kunst der Homöostase mie erlernen...

  6. #31
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Lieber kls,


    .......Nämlich genau das, was Eltern angeblich so aufregt: Abhängen. GAR nichts tun.




    Natürlich darf sie auch abhängen. Ich dachte mir die Situation nach Deiner Schilderung wesentlich härter. Keine Schule, nächtelanges Verschwinden etc.
    Was Du da jetzt schilderst ist ja absolut in Ordnung.
    Meine Antwort war an eine andere Situation gerichtet. Mal zu kiffen ist völlig ok. Dauerbedröhnt rumzulaufen nicht. Ist doch klar. Und die Freunde sind nicht unwichtig. Sie prägen das Mädchen genauso stark wie Du.
    Aber ich dachte mir alles viel schlimmer.


    Kyra

  7. #32
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Mein Sohn fragte mich gestern, ob er sich mit Außenseitern abgeben solle. Ich antwortete ihm, daß das keine Rolle für ihn spielen dürfe, welchen Status der Mensch seines Umgangs gemeinhin habe (ich fasse das jetzt so zusammen). Wichtig sei einzig und allein, ob der Mensch, den er sich da erwählte, seine Sympathie besitze. Alles andere sei nebensächlich.
    Ich glaube, er verstand, was ich meinte, und ich war sehr stolz auf mich.
    Am gleichen Abend erzählte ich diese Geschichte einem Freund, fragte ihn, wie er seinerzeit mit Außenseitern umgegangen wäre. Da sagte er, er sei selbst Außenseiter gewesen und meine Ansprache (gegenüber meinem Sohn) sei sehr mutig gewesen, sehr mutig und sehr unrealistisch.
    Das habe ich nun wieder gar nicht verstanden.

  8. #33
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    da geb ich deinem freund leider recht; von 100 jugendlichen wird sich nur einer mit einem outlaw abgeben; für die 99 anderen ist das urteil der clique, der man angehören möchte, wichtiger als eigene sympathieregungen. so versteh ich das wenigstens.

  9. #34
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Das sind die Momente, die einen Vater erbeben lassen.


    Charlotte (völlig entsetzt und beinahe hysterisch): Papa, komm mal!
    Papa: (die Ruhe selbst) Was ist denn?
    Charlotte: (noch wütender) Ich bekomme die Staubflusel vom Spiegel nicht ab!
    Papa: (hat nicht verstanden; etwas genervter) Was kriegst du nicht...?
    Charlotte: (nunmehr völlig aufgelöst) I...ch krrrrrieg die Staubflusel... nicht ab!
    Papa: Na, da muß ich dann wohl ran! (macht die Flusel ab; Kind ist beruhigt und reibt ihre Schulter am Papabauch)


    Manchmal sind sie allerliebst, die lieben Kleinen.

  10. #35
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Robert, ich glaube ich habe Deinen Freund verstanden


    ______________________________
    Am gleichen Abend erzählte ich diese Geschichte einem Freund, fragte ihn, wie er seinerzeit mit Außenseitern umgegangen wäre. Da sagte er, er sei selbst Außenseiter gewesen und meine Ansprache (gegenüber meinem Sohn) sei sehr mutig gewesen, sehr mutig und sehr unrealistisch.
    Das habe ich nun wieder gar nicht verstanden.
    _________________________________


    Du hast nämlich das Problem an Deinen Sohn zurückgegeben. Er ist sich ja unsicher, wie er mit DEM Freund umgehen soll. Denn sonst käme er nicht zum Vater.
    Es fehlt evtl. dazu nur noch eine eigene Stellungnahme, die natürlich von dem Sohn übernommen werden kann, oder nicht.
    Und, als Elternteil kann man sich manchmal behelfen, indem man in der eigenen Vergangenheit gräbt, um ähnliche Schauderhaftigkeiten hervorzukramen.
    Denn, DAMALS, war es für die Gesellschaft mindestens so schlimm, wie es uns heute erscheint.


    Bei uns sassen immer mal die verschiedensten "Hunger"-Kinder mit am Tisch.
    Ob ich die nun mochte oder nicht, irgendwie habe ich immer versucht, dass sie mir etwas erzählen, von der Schule, was sie am liebsten in der Freizeit tun. Denn mein Kind hat mir doch im Vertrauen immer mal etwas erzählt, wo ich dann mit dieser Kenntnis offen etwas bohren konnte.
    Allerdings, Jugendliche, die wie Kiffer aussahen, und sich noch Elvis, oder Robert Redfort nannten, denen habe ich an der Tür auch schon ganz brutal den Kehraus gegeben.
    Allerdings wusste ich dann auch, dass unser Kind nur eine lockere Bekanntschaft zu denen hatte.


    Ja, ja, als Eltern haben wir alle nur die Hilfsschule als Ausbildung

  11. #36
    Sabine Scholz
    Status: ungeklärt

    Post Pisastudie

    Das Paar in der Bibliothek
    Von Sabine Scholz


    Vor hundert Jahren galten die deutschen Bildungseinrichtungen als den anderen überlegen. Seitdem hat sich einiges grundlegend geändert. Wie die Pisastudie ergeben hat, taugen die deutschen Schulen nichts mehr. Wie konnte es zu so einem radikalen Wandel kommen?
    Wolf Lepenies zitiert in seinem Zeitartikel "Bildungspathos und Erziehungswirklichkeit" vom 5. September 2002 ein nettes Erlebnis. Ein französischer Schriftsteller hätte am Ende des 19. Jahrhunderts ein Paar in einer Bibliothek beobachtet:


    "Während [der Mann] las, hielt er die Hand einer jungen Frau, die neben ihm saß. Zwei
    Stunden später kehrte ich zurück. Der Mann las immer noch sein Buch, und immer noch
    hielt er die Hand der jungen Frau. Es war ein deutsches Paar. Es war Deutschland."

    Was zeigt diese Anekdote? Braucht der deutsche Student eine Frau, die ihm die Kraft gibt, sich durch die langweiligen Schulbücher zu quälen? Lesen deutsche Frauen keine Bücher, oder haben die Deutschen einfach nichts Besseres zu tun, als ihre Zeit händchenhaltend in Bibliotheken zu vertrödeln?
    Die Pisastudie hat ergeben, dass das Bildungssystem der Finnen einen Spitzenplatz einnimmt. Infolgedessen schickte man eine Kommission nach Finnland, um die Gründe herauszufinden. Doch das Ergebnis war äußerst gefährlich: Die Finnen hatten sich nämlich ihre Inspirationen beim Schulsystem der DDR geholt! Dieses ist wie so vieles jedoch bei der Wiedervereinigung flöten gegangen. Scharen arbeitsloser West-Pädagogen und Universitätsdozenten ergossen sich über die von lästigen Parteimitgliedern befreiten und nun vakanten Lehrstühle. Es war ein Ausverkauf der Ideen und Intelligenz. Von nun an bringen Kapitalisten den ostdeutschen Schülern bei, dass ein deutscher Arbeitnehmer weder Platons Symposion gelesen haben sollte noch in der Lage sein müsste, Stirners Einzigen korrekt wiederzugeben, und dass deutsche Industrielle und der Generalstab nur reüssieren könnten, wenn sie ihre kohärente Persönlichkeit nicht analysieren ließen, sondern auf Kosten der Untergebenen auslebten.
    Wenn ein Straßenbahnfahrer in der Frühstückspause Gedichte auf sein Butterbrotpapier kritzelt, dann verfehlt er eklatant seinen Daseinszweck. Der deutsche Charakter erweist sich als unzerstörbar und bildungsresistent. Arbeiterkinder sollen um Gottes Willen nicht auf die Idee kommen, dass die Revolution einst für sie gekämpft hat und dass Solidarität vielleicht doch stark macht. Aber das erfährt man eh nur in Büchern, die man besser nicht liest und aus Filmen, die man besser nicht sieht. Einmal Kommunist, immer Kommunist...

  12. #37
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Liebe Sabine! Ich habe mich über das Bildungssystem in meinem Manifest geäußert.

    Meine prinzipielle Meinung: Das Bildungssystem ist immer Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Vor hundert Jahren war Deutschland das führende Land der Welt, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer oder philosophischer (worunter ich auch die Bildung subsumiere) Hinsicht. Spätestens nach dem zweiten Krieg war Schluß damit; wir wurden eingepaßt und funktionabel gemacht. Das war schließlich der Sinn der Kriege. Nun haben wir, was wir eben haben. Weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich oder philosophisch haben wir irgend etwas zu vermelden, schwimmen so eben mit, sind bestenfalls Durchschnitt.
    Das DDR-System nun taugt als Vorbild für ein neues Bildungssystem herzlich wenig, was es hielt, das waren die Reste des Humboldtschen Geistes, der preußischer Geist war und ist. Freiheit gab es aber nicht, keine Lehrfreiheit, keine Lernfreiheit. Also weg damit, mit diesem System einer zwölfklassigen Schule und all dem Mist, der jetzt so verhandelt wird. Alles Käse ist das, Genossen!
    Das, was das DDR-System erhielt, war der Anteil der Abiturienten, etwa 8-10%. Die 68er mit ihrer Hinwendung zur Aufweichung des Bildungsbürgertums schoben den Anteil der Abiturienten auf beinahe 40%, somit verwässerten sie die Bildung, denn wenn ein Lehrer stets mit weniger als Mittelmaß kämpfen muß, leiden auch die Spitzen darunter. Klarerweise. Das war der Plan der 68er. Aufgegangen.

  13. #38
    Salox
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Kinder geben Eltern und Pädagogen immer mal wieder Anlass zur Diskussion - in vielen Foren flammen solche Themen gelegentlich auf, genauso schnell verschwinden sie wieder. Wir haben ein Board eingerichtet, das sich mit diesem Thema beschäftigt. Bisher wird die Idee von chatx.de getragen. Wir laden euch ein, dieses Projekt mit uns gemeinsam zu machen. Wer mitmacht, und in seiner/ihrer Community wirbt, erscheint selbstverständlich als Mitgestalter im Header des Boards. Mit folgendem Text wurde bisher "geworben":
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    Kinder sind possierlich, aber nicht immer. Manchmal können sie Ihren Eltern, Lehrern, Pateneltern etc.pp. ganz schön auf der Nase herumtanzen. Besonders pubertierende Jugendliche haben schon viele graue Haare verursacht.




    Wer Kinder hat oder mit Kindern zu tun hat, wer einzigartige Kinder-Geschichten anderen mitteilen möchte, wer sich über Kinderkrankheiten, Schulnöte und andere Sorgen austauschen möchte, wer Freude teilen will.... was immer:




    Herzlich willkommen bei http://www.kinderwahn.de
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    Wer also dieses wichtige Thema nicht nur zur Promotion des eigenen Projektes, sondern auch zur Förderung des Elternaustausches und zum Wohle der Kinder mitgestalten möchte, sage uns bald Bescheid, damit wir euch in diese neue Plattform einbinden können. Wenn sich auch ModeratorInnen für diese Aufgabe fänden, das wäre dann mehr als schön. Wenn also so oder/und so, dann bitte Mail an salox@chatx.org.




    Schöne Weihnachten, einen guten Rutsch ins neue Jahr, herzliche Grüße




    salox
    webmaster Forenliste.net

  14. #39
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Die lieben Kleinen kosten, fressen ganz schön, während sie kaum genutzt vor sich hin wachsen.

    Diesen Satz fand ich am traurigsten. Weil er wahr ist. Meine Praxis und die Warteliste ist voller ungenutzter oder mißbrauchter, also nicht sinnvoll genutzter Kinder.


    So wie Florian zum Beispiel. Er ist zehn Jahre alt. Er spricht kaum einen Satz der aus mehr als zwei Worten besteht, die bar jeder Syntax und Morphologie aneinander gereiht werden. Wenn seine wortarme, zerstückelte Sprache nicht ausreicht, mir zu erzählen, verwendet er reichlich Gesten. Wir verstehen uns gut. Florian arbeitet bei seinem Onkel für 30 Euro im Monat. Der Onkel bringt Pizza rum und Florian trägt sie für ihn an die Türen. Vom Verdienten kauft er sich Video Filme. Alien 1-3, Chukky, die Mörderpuppe, Die Mumie, Die Mumie kehrt zurück. Oder Playstation Spiele. Er kann die Begleittöne der Spiele perfekt imitieren. Brmmst, pfft, iihjuu. Florian war in der letzten Stunde sehr müde.
    "Ontel slafen, aufwet mich, halb 4."
    "Warum hat dein Onkel dich denn aufgeweckt, mitten in der Nacht, Florian?" Bitte nicht, lass es nicht so sein, wie ich vermute.
    "Blöde Sachen macht."
    "Dein Onkel hat etwas Blödes gemacht? Hat er dir weg getan?"
    "Ich nich reden wollen davon."


    Männer wissen eine Menge anzufangen mit Kindern. Ich weiß nicht, ob dieser Text daran gedacht hat, doch bitte ich dies bei solch leichter, runtergeschriebener Satire, die mit bitteren Worten spielt, zu bedenken.


    Lieben Gruß von
    Trist








    [Diese Nachricht wurde von Trist am 18. Januar 2003 editiert.]

  15. #40
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Am gestrigen Abendbrotstisch stritten sich die lieben Kleinen, wessen Friedensdemonstration es sei, die beide heute besuchen. Es klärt sich. Demonstration findet immer von Menschen statt. Einen Besitz gibt es nicht, nicht, was die Demonstration betrifft.


    Schilder werden gemalt: KRIEG IST KACKE! KEINE DEUTSCHEN FÜR FREMDE MACHTPLÄNE. MEIN ARSCH GEHÖRT MIR... So in der Art.


    Ich erinnerte mich an meine Kinderzeit. Ich mußte demonstrieren gehen. Heute muß ich den lieben Kleinen eine Erlaubnis schreiben, daß sie demonstrieren gehen dürfen.
    Das ist kein großer Unterschied. Auch nicht im Bewußtsein der Kinder. Krieg fanden und finden wir Großen heute immer noch Kacke.


    Allerdings erfüllt es mich mit großer Freude, daß inzwischen auch die Westdeutschen begriffen haben, daß Krieg in unserer heutigen Zeit keine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, sondern ein Untergangsszenario für alle heraufbeschwören kann. Waren im Sommer noch gut 50 Prozent der Westdeutschen und achtzig Prozent der Ostdeutschen (deshalb hat die PDS die Wahl verloren und die SPD im Osten die Wahl gewonnen) gegen einen Einsatz Deutscher, so sind heute 84 Prozent aller Deutschen dagegen. In Magdeburg sind es sowieso ca. 94% - ich kenn keinen, der dafür wäre, nicht mal der megacoole Bert mit seiner abgesägten Schrotflinte im Keller ist dafür.
    Egal, was wollte ich: Erziehung ist ein schwieriges Feld. Mancher Zwang ist ganz gut. Und soviel man gegen den Zwang zu DDR-Zeiten lästern könnte, daß da Aufmärsche quasi verordnet wurden, eines haben diese Aufmärsche jedenfalls bewirkt, eine stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung für die Angelegenheiten anderer.

  16. #41
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Im Dom das Glaubensbekenntnis von 15jährigen Konfirmanten.


    Sie können die Trinität nicht denken, wissen nichts vom Opfertod Jesu, verstehen nichts von der Erschaffung der Welt, denken vereinzelt und haben Angst vor dem Begriff der Herde. Und der Hirte (Dompfarrer Quast) weiß etwas von Beichte zu sagen. Wir sind Protestanten, sage ich dann. PROTESTanten! Wir machen das mit Gott persönlich aus, brauchen keinen Vermittler.


    Ich werde am Dienstag wohl laut werden müssen.


    Erziehung beginnt mit klaren Worten, nicht mit einem Wischiwaschi und religiöser Indifferenz.
    Ich bin immer sehr skeptisch, wenn in Glaubensdingen extemporiert wird, religiöser Gemischtwarenhandel, aber jeder schief angesehen wird, der Fleisch ißt, raucht oder trinkt. Als ob Jesus das verboten hätte! Als ob Jesus nicht selbst ein Mann gewesen wäre! Zölibat kannte Jesus nicht, man lese verschiedene Evangelien! Klare Worte dort. Als ob das Leben aus Verzicht bestünde, vor allem in der Klarheit des Daseins!


    Kinder müssen das Bewußtsein, eins in allem zu sein, mit der Muttermilch bekommen, wenn dort nicht, dann durch das Wort des Zuchtmeisters (paidagogos). Ich werde wohl bei der Elternversammlung am Dienstag sehr laut werden.

  17. #42
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Hatte heute ein Gespräch mit einer 15jährigen. Wir unterhielten uns über Gräber und Täuflinge. Fiel das Wort TOD im Zusammenhang mit dem Tode meiner Großväter, die die Faschisten... Fragt sie: "Was sind Faschisten?" Schau ich ein wenig bedeppert und sage: "Die gingen aus der Thule-Gesellschaft hervor...", wollte ich gerade zu dozieren anfangen. Sagt sie schnell: "Thule kenne ich. Das ist doch dieses sagenhafte Fantasy-Land im Norden. König von Thule und so, stimmt's?"


    Ich denke, 999 von Tausend wissen was mit dem Wort Faschismus anzufangen, mit dem Wort Thule aber nicht. Aber manchmal ist es auch umgekehrt. Und dieses Umgekehrte ist das Richtige.

    Nach dem Lautwerden: Mein Töchterchen mußte, nachdem ich laut geworden war, bei der Rüstfahrt am Wochenende vor den anderen Kindern, die durch ihre Eltern sicherlich erfahren hatten, daß da ein gewisser Herr Knorr von Wolkenstein die große Fresse hatte, für mich geradestehen. Und sagte zur Entschuldigung: "Mein Vater ist immer so. Er sagt, was er denkt. Ich bin auch so." Und damit war die Sache erledigt.

  18. #43
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Größtmögliche Freiheit führt bei Kindern nach dem ersten Wohlempfinden zu Ängstlichkeit, Lebensängstlichkeit, wenn das Setzen der Selbstbestimmung zu zeitig zum erzieherischen Prinzip erhoben wird.
    Die Bindung des Traglings an den Rücken des Vaters kann nicht spät genug gelockert werden.
    Tödlich für jede Vater-Kind-Beziehung ist es, wenn der Vater es nicht schafft, seine Arbeit und sein "Leben" so einzurichten, daß dem Kinde eine Frage wie "Wo warst du so lange?" leicht von den Lippen kommt. Fragt das Kind nicht einmal danach, dann ist es meist schon zu spät, Lebensvertrauen wird rationalisiert, Beziehungen zu anderen Menschen dahingehend institutionalisiert, inwiefern sie etwas leisten/nützen.

  19. #44
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Die musikalische Erziehung der lieben Kleinen ist von größter Bedeutung. Durch sie wird die ästhetische Weltwahrnehmung ausgeprägt, die wiederum wichtig für die Empfindung des Schönen ist, somit für die Entwicklung der Freiheitsempfindung.
    In beinahe jedem Haushalt existieren diese Grabenkämpfe zwischen den Generationen, oftmals wird dieser Begriff herangeholt, um eine Rechtfertigung für Versagen zu bemühen. Manchmal allerdings auch sind diese musikalischen Differenzen auch schlichtweg ein Zeichen für die Unverträglichkeit der Charaktere und die Unfähigkeit der Erwachsenen, ihre Kinder verstehen zu wollen.
    Ich war baß erstaunt, als mein Töchterchen beim Hören des folgenden Liedes bei der Textstelle: DIE SIND SO TOT SEIT DEUTSCHLANDS HIMMELFAHRT sagte: "Da läuft mir jedes Mal ein Schauer über den Rücken."
    Ich mußte da lächeln, denn so geht es mir bei diesem Lied seit zwanzig Jahren. Und ich bin kein bißchen weiser geworden.
    Mein Freund Florian übrigens, seines Zeichens einer von denen, die man nach beinahe jedem Hit der letzten zwanzig Jahren fragen kann, ohne eine Antwort mit Plattenname und Erscheinungsjahr zu bekommen, wußte hier nicht, ob es sich um eine west- oder ostdeutsche Produktion handelte. Das nenn ich übergreifend.

  20. #45
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Der Magdeburger ist eine seltsame Pflanze, seltsam in vielerlei Hinsicht. Größte Freiheit vermengt sich mit häßlichster Engstirnigkeit. Was folgendes sein könnte, wage ich nicht zu behaupten. Das ist meine Lieblingsbrücke über die Elbe, liegt gleich hinter meinem Haus. Ich muß da zur Zeit beinahe täglich rüber, wenn ich baden fahre. Da steht ein Verbotsschild für Fahrräder. Eigentlich ein Fall für die typische Denkrichtung: "Denkste! Aufsitzen und über die Elbe!"
    Ich wundere mich seit einiger Zeit darüber, daß ca. 90% der Benutzer sich an dieses Verbot halten und ihr Rad über die Brücke schieben. Gestern erst waren es die typischen Mißachter von Verkehrsschildern, die sich aber doch ans Verbot hielten und ihre Räder schoben, allem Anschein nach zwanzigjährige Rülpse mit Tätowierungen bis zum Hals und kahlgeschoren. Dann kam eine fünfzigjährige Frau, Typ gestylte Schwiegermutter, klingelte die Burschen wie wild an und wollte radelnd durch. Und schimpfte noch, als die nicht für sie schnell genug zur Seite sprangen.
    Dachte ich, da sind sie wieder, die 68er, keine Benimse! Aber schick sah sie aus auf ihrem Rad. Und schob mein Rad weiter.
    Und jetzt frage ich mich, ob das was mit Magdeburg, mit der unterschiedlichen Erziehung der einzelnen Generationen oder mit gar nichts etwas zu tun hat.
    Vielleicht ist das ein Zufall, sie hatte einen Grund zur Eile, weißdergeier. Als ich aber vom Baden zurückkam, da waren außer mir und meinem Sohn zeitgleich noch zwei Pärchen auf der Brücke, ein ca. 55jähriger Mann und seine Frau. Beide radelten. Ein wesentlich älterer Mann, mindestens 75, schob sein Rad hinter mir her. Seine Frau dito. Der 55jährige wollte durch und klingelte.
    Dachte ich so: 'Genau dieser Schlag Mensch aus dieser Generation hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind: Bettnässer.'

    So oder ähnlich dachte ich. Und schob weiter.

  21. #46
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Meine Kinder sind religiöse Soziopathen mit einem Hang zum wohlausformulierten Abstrakten.
    Wie soll ich die Zeugnisse anders deuten, wenn sich neben einer 1 in Deutsch eine 4 in Sozialkunde tummelt, neben einer 1 in Religion eine 4 in Biologie? Und daß meine Tochter, die sich in der Mittelstufe immer hart an der 5 in Mathe herumtummelte und Aufsätze schrieb, denen ich bestenfalls eine 4 minus gegeben hätte, plötzlich 13 Punkte im Aufsatz und auch in der Matheklausur schreibt, muß mich nicht wundern. Geographie war wohl noch nie wirklich wichtig - Frage der 17jährigen Gymnasiastin: "Papa, liegt Stuttgart an der Nord- oder Ostsee?" -, woraufhin ich zur Feder griff, um einen Brief an den Geographielehrer zu schreiben.

    Übrigens beide. Auch der Kleine kümmert sich gar nicht um Biologie oder sonst was, hat aber in Religion eine 1, in Sozialkunde eine 4 und in Deutsch eine 2. Muß ich alles nicht verstehen.

    Es muß wohl so sein, daß die Arbeit der Eltern auf die charakterliche Entwicklung der Kinder sich früher oder später auch im Notenbild niederschlägt.

  22. #47
    Kurzvormabschussiger
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    Antwort, keine Ahnung, dieses Forum ist unprofessionell

    Ich möchte sicherlich nicht unhöflich werden geschweige denn, Deine Erziehungskompetenz in Zweifel ziehen, aber, dass, was Du da schreibst, ist genau das typische Syndrom elterlicher Vernachlässigung. Diese betrifft nicht nur eine gern zitierte "Verwarlosung auf der Straße", sondern kann sich auch in Fachidiotie ausdrücken. Dass Deine Kinder, denen ich von Herzen alles Gute und zudem eine unbeschwerte Zukunft wünsche, nicht in der Lage sind, den Citronensäurezyklus vom Phosphoridsäurezyklus zu trennen respective Stuttgart an irgendeiner Küste vermuten, ist wohl - mit Verlaub - kaum dem Lehrkörper, als vielmehr den Erziehungsberechtigten vorzuwerfen. Da Du selber Pädagoge bist, solltest Du dem gewahr sein und so erstaunt es mehr, dass selbst in Deinen persönlichen Kreisen derartige Missstände bestehen. Und erzähle jetzt bloß nicht, es sind die "anderen" oder die "Medien". Nein, Erziehung im Sinne mentalschulgärtnerischer Bildung beginnt am Essenstisch und sicherlich nicht im Klassenraum, wie Du weißt.


    Nachdem, was hier über die kulturelle Integration der Türkei herumgeschwafelt wird und dem als fragwürdige deutschtümelnde "Kultur" entgegengehalten wird, ist es auch kein Wunder, dass die hierdurch in Mitleidenschaft gezogenen Gehirne kaum noch fähig sind, über den bördschen Tellerrand hinauszublicken ... sorry, aber so ist es.

  23. #48
    rodbertus
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    Antwort, keine Ahnung, dieses Forum ist unprofessionell

    Den Satz von dem fragwürdigen Entgegenhalten verstehe ich nicht, weder semantisch noch syntaktisch. Wenn Du etwas vorwirfst respektive vorwerfen willst, dann belege das, sonst nehme ich es nicht ernst. Das nenne ich Hörensagen, wenn ein Vorwurf nicht belegt ist.



    Ich lege keinen Wert darauf, professionell (fachidiotisch) zu sein. Vielen Dank. Bemühen ist mir hinreichender Grund, einer Sache gerecht zu werden. Ich bin gelegentlich stolz darauf, ein Dilettant zu sein.

    Über meine Kinder erlaube Dir kein Urteil. Oder kennst Du sie?

    Mein großes Kind weiß vielleicht nicht, ob Stuttgart an der Nord- oder Ostsee liegt - weißt Du es denn? -, dafür aber kennt es jedes verhaltensgestörte Kind in Olvenstedt. Bäh!

  24. #49
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    AW: Erziehungsordner

    Cool.


    Dann beantworte mal das typische Syndrom elterlicher Vernachlässigung:


    1. die älteste Republik der Welt (Geografie Kl.7)


    2. "Was ist Leben?" (Das war Bio, auch Kl. 7)


    3. Aufsatzkorrektur Kl. 9: Kind schreibt: "Anfangs war er noch schwankend zwischen Hoffnung und Furcht.." Lehrer gibt Ausdrucksfehler und schreibt als Hinweis an den Rand: "Er war nicht betrunken!"




    Da ich die Klausur Bildungssoziologie bestanden habe (und das haben weniger als die Hälfte derer, die mitgeschrieben haben), kann ich dir erklären, dass das deutsche Schulsystem vor allem ein Selektionssystem ist - nicht mal die Amis konnten nach dem II. Weltkrieg ein anständiges Schulsystem in Westdeutschland durchsetzen. Dies ist, unter dem Deckmantel von Freiheit und Individualität, bis in die Lehrpläne verankert.




    Nun kann man überlegen, ob man seine Kinder am Frühstückstisch zum Auswendiglernen erzieht - hinsichtlich künftiger Studiengebühren mag das sinnvoll sein.


    Aber wenns sowieso kostet, kann man auch anders kalkulieren: andere Länder haben auch schöne Unis, und bevorzugen Studenten, die denken können.


    Das ist natürlich elterliche Vernachlässigung, wenn das Kind selber denken kann. Denn damit hat es das in Dt. schwer.


    Wenn man nach einem Schulwechsel von Mathe 4 so in der Leistung hochschnellt, ist das bestimmt mit dem Wechsel der Biersorte der Alten zu erklären.


    Und wenn man nur ein bisschen sprachsensibel ist, dann weiß man, dass Stuttgart wie Puttgarten klingt - wer will schon nach Stuttgart, wenn man das Meer kennt?


    Das Problem bei der Auslegung von Denkprozessen ist die Analogiebildung zur Affendressur. Hier. Macht weiter. Aber kommt uns nicht mit der greencard.


    Wie kann es eigentlich sein, dass das Kind im PISA-Test Deutsch nur einen Fehler hatte (der keiner war), aber auf dem Zeugnis eine 4??


    Und dass das andere Kind in Mathe immer zwischen 3 und 4 schwankte, aber in der Vergleichsarbeit eine 1 schrieb?


    Iss elterliche Vernachlässigung, wenn man sein Kind nicht in den Schrank sperrt und nicht pausenlos dressiert?


    Viel Vergnügen noch..

    w.

  25. #50
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Erziehungsordner

    Ach man, ganz ruhig, selbstverständlich habe ich keine Ahnung von den angesprochenen Personen, denen ich noch immer alles gute Wünsche und "anlegen" will/kann ich mich schon gleich mal gar nicht. Ich wollte das Thema nur überspannt erweitern. Die eingestellten "Fragen" sind sicherlich beantwortbar, die Frage ist doch aber nur, ob auch die jetzige Schülergeneration noch genauso in der Lage ist, irgendetwas zu recherchieren und nachzuschlagen. Ich glaube ehrlich gesagt nichtmal, das aeroliths Nachwuchs nicht in der Lage sein soll, Stuttgart zu verorten, aber es zeigt trotz dessen einen geraumen Missstand (schöne neue Rechtschreibung): aufgrund allgemeingesellschaftlicher Problemlagen, die neuerdings massive Teile der Bevölkerung betreffen, kehrt eine allumfassende Unsicherheit ein, die diejenigen Ressourcen beansprucht, die sonstenfalls in die sogenannten 'höheren' Künste fließen könnten, wie sie bspw. die Literatur, aber auch die übrigen Geisteswissenschaften darstellen. Ich will einfach nur aus eigener Lebenserfahrung sagen: es besteht derzeit eine unheimliche Tendenz zur Demenz bei jungen Leuten, fast möchte man nicht mehr vom Homo sapiens, sondern vom Homo demens sprechen, weil wir mittlerweile jenes abfedernde Sozialschutzkissen verlieren, dass uns in den letzten 30 Jahren unsere größten Ideen geliefert hat und daher auf den spröden marktwirtschaftlichen Theaterboden der industriekapitalistischen Bürokratie aufschlagen müssen und dieses möchte ich als den Umstand bezeichnen, der Innovationskraft und Kreativität zugunsten von betriebswirtschaftlichem Rationalitätszwang resp. Entzauberungsdruck erstickt, wobei ein erstes Zeichen dessens meines äußerst bescheidenen Erachtens nach in den von aerolith beanstandeten Bildungslücken seiner Kinder zu sehen ist.

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