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Thema: Bildung und Erziehung - der Problemordner

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Noch etwas über pragmatische Paradoxien:

    Einem Schüler wird aufgegeben, die Hausaufgaben von all den Schülern der Klasse zu machen, die sie nicht selbst machen. Warum bekommt er am nächsten Tag wegen nichtgemachter Hausaufgaben eine 6?

  2. #2
    Liz
    Status: ungeklärt

    Question Pisa

    Darf ich meinen Finger in die Wunde legen,
    liebe Pädagogen und dann auch noch eine
    Beurteilung aus fachmännischer Sicht
    erwarten?

    Es geht um die "Programs for International Student Assessment" und den 25. Platz, den wir Deutschen in dieser Studie einnehmen.
    Ich hoffte, irgendjemand wollte mal etwas zu unserer Entlastung sagen oder seinen Frust ablassen, muß aber nicht sein.


    Freunde, Eltern verwandte Seelen haben im weitesten Sinne ... vielleicht.., also,
    ich weiß es nicht..., ich habe scheinbar zuviel vorausgesetzt.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    Liebe Liz!


    In der Tat, eine wichtige Untersuchung. Aber, es gibt da allerlei Gegenmeiniges (in bezug auf den mainstream) zu sagen:


    1. Es war immer schon so.
    2. Entscheidend sind die Eliten.
    3. Solange sich folgende Szene in Deutschland abspielt, hat der plebs sein gusto.


    Szene: ein Regionalzug durch die finsterste Provinz zur Feierabendzeit
    Personen: ein Zwanzigjähriger ohne besondere Kennzeichen im gesonderten Fahrrad-Abteil (schlafend); eine Gruppe von Skinheads (leicht alkoholisiert); ein Beobachter
    Tatvorgang: die Skins wollen durch das Fahrradabteil, der Anführer schaut durch das Fenster und sieht den jungen Mann schlafen, hält den Nachdrängenden Skin-Freund zurück und murmelt: "Eh, laß den schlafen. Warten wir, bis wir in Magdeburg sind." Sprach's und setzte sich auf seinen Arsch, fünf Minuten bis zum Bahnhof genüßlich an seiner Bierflasche nuckelnd.


    Ich dachte, so schlecht kann das Schulsystem nicht sein, weil ich doch gerade diesen Bericht gelesen hatte.
    Kurze Zeit später sehe ich, wie ein Arbeiter einer Frau die Koffer die Treppe runtertraegt. Mir - also mir braucht wirklich niemand zu helfen - half ein sehr widerlich aussehender Typ aus dem Zug.
    Was ist los in diesem Land? Sind die Leute mit einem Präparat versehen?


    So, jetzt komme ich zu dieser Studie. Sie ist nichtssagend. Die Werte haben sich verschoben. Waren in den 70er und 80er Jahren noch kybernetische Lehrmodelle maßgeblich, so kömmt es heute mehr darauf an, Wissen herbeischaffen zu können, will heißen: Man muß nicht viel wissen, aber man wissen, woher man sein Wissen beziehen kann, so es denn abgefordert wird. Das Denken basiert auf Ersteindrücken und einem Konsens in der Sprache, der Diskursethik heißt. Anderes wird hinsichtlich seiner Wahrhaftigkeit nur dann angenommen, wenn ein Impuls im Fühlen angesprochen wird; die ratio ist sekundär, will heißen FAKTEN sind unwichtig.


    Eine Studie, die die Wissensfertigkeit untersucht, hinkt ca. 15 Jahre hinter den Erfordernissen der Zeit her.


    Vor fünfzehn Jahren hätte mir der Proll nicht aus dem Zug geholfen, der Skin wäre in das Abteil geplatzt und hätte vielleicht noch Stärke dabei empfunden, aber er hätte gewußt, daß 2 mal 2 4 ist. Heute bin ich mir nicht so sicher, daß er lesen kann, aber die nämlich beschriebenen Szenen zeigen, daß ein Umdenkprozeß in der Bildung erfolgte.


    Der Skin wird sich nicht daran hindern lassen, zu gegebenem Zeitpunkt seinem Gegner die Fresse zu polieren, aber er hat so ein Bedürfnis nach oberflächlicher Höflichkeit, die in seinem Kopf einen Hirnteil besetzt hält, der vor zehn Jahren noch von 2 mal 2 ist gleich 4 besetzt ward.


    So, das wollte ich dazu sagen.

    P.S. Unser 25. Platz ist das Ergebnis einer Elitenunförderung und fehlender Lehrfreiheit an den Universitäten. Dieses Elitenbashing findet schon in der Grundausbildung statt. Der Klassenbeste wird gehänselt.

  4. #4
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    AW: Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
    Noch etwas über pragmatische Paradoxien:

    Einem Schüler wird aufgegeben, die Hausaufgaben von all den Schülern der Klasse zu machen, die sie nicht selbst machen. Warum bekommt er am nächsten Tag wegen nichtgemachter Hausaufgaben eine 6?
    Es hat seinen Zweck erfüllt: Provokation, ein Herauslocken aus der Finsternis des Geregelten. Wo liegt die Quintessenz? Unser Modell Schule ist zum Kotzen - es leidet an der Mittelalterlichkeit des Denkens. Quälen und Gequältsein. Die Schule fördert nicht, sondern treibt aus. Sie schafft es nicht die Früchte der Erkenntnis zu reichen, sie vergiftet sie. Natürlich - ich bin ein Freund der Methode, der Logik, des reinen Denkens - doch wo ich es nicht gelernt habe: in der Schule.
    Ein Blick in die Literatur genügt:

    „Die Lehrer haben die entsagungsreiche Aufgabe, Grundtypen der Menschheit zu verkörpern, mit denen es der junge Mensch später im Leben zu tun haben wird. Er bekommt Gelegenheit, vier bis sechs Stunden am Tag Roheit, Bosheit und Ungerechtigkeit zu studieren. Für solch einen Unterricht wäre kein Schulgeld zu hoch, er wird aber sogar unentgeltlich, auf Staatskosten geliefert.
    Groß tritt dem jungen Menschen in der Schule in unvergeßlichen Gestaltungen der Unmensch gegenüber. Dieser besitzt eine fast schrankenlose Gewalt. Ausgestattet mit pädagogischen Kenntnissen und langjähriger Erfahrung erzieht er den Schüler zu seinem Ebenbild.
    Das Wichtigste ist doch die Menschenkenntnis. Sie wird in Form von Lehrerkenntnis erworben. Der Schüler muß die Schwächen des Lehrers erkennen und sie auszunützen verstehen, sonst wird er sich niemals dagegen wehren können, einen ganzen Rattenkönig völlig wertlosen Bildungsgutes hineingestopft zu bekommen. Unser bester Lehrer war ein großer, erstaunlich häßlicher Mann, der in seiner Jugend, wie es hieß, eine Professur angestrebt hatte, mit diesem Versuch aber gescheitert war. Diese Enttäuschung brachte alle in ihm schlummernden Kräfte zu voller Entfaltung. Er liebte es, uns unvorbereitet einem Examen zu unterwerfen, und stieß kleine Schreie der Wollust aus, wenn wir keine Antworten wußten. Beinahe noch mehr verhaßt machte er sich durch seine Gewohnheit, zwei bis drei Mal in der Stunde hinter die große Tafel zu gehen und aus der Rocktasche ein Stück nicht eingewickelten Käses zu fischen, den er dann, weiter lehrend, zermummelte.“

    Ist doch gut geschrieben, das geht noch Seiten so weiter! Vor allem das verallgemeinernde am Anfang des Textes besticht.
    Dein Kommentar zur Verallgemeinerung? Naja - was soll es? Wenn Du Dich unter das gesagte subsumierst, bist Du eben ein Teil des Allgemeinen. So ist das. Oder besser: Unterscheide zwischen Verallgemeinerung, Abstraktion, Supervenienz und Universalisierung. War es gar nicht Verallgemeinerung, sondern Abstraktion?

    Du schreibst: - Sätze wie: "War nicht persönlich gemeint!" sind das Aberletzte. - Da stimme ich zu, warum schreibst Du mir so etwas? Jeder kann selbst entscheiden, inwieweit er Teil eines Ganzen, eines Systems ist.


    Gruß
    Hagen

  5. #5
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    AW: Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    Hallo Hagen
    Du schreibst:
    Unser Modell Schule ist zum Kotzen - es leidet an der Mittelalterlichkeit des Denkens. Quälen und Gequältsein. Die Schule fördert nicht, sondern treibt aus. Sie schafft es nicht die Früchte der Erkenntnis zu reichen, sie vergiftet sie.
    Gut als ehemalige Waldorfschülerin sehe ich das nicht so. Aber gerne bin ich auch nicht in die Schule gegangen, ich wollte lieber ausschlafen... [..]
    Ich vermute mal, Du warst auf einen ehrenwerten deutschen Gymnasium
    Im Nachhinein bin ich sehr dankbar, auf der Waldorfschule gewesen zu sein, ich habe da sicher weniger gelernt, als auf einer normalen Schule, aber mir ist die Freude am Lernen nicht verdorben worden

    Grüße

    Kyra

    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 07. Februar 2002 editiert.]

  6. #6
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    Post Kinder: Versuch einer literarischen Aufarbeitung

    Für Kyra und ähnliche Mütter.


    Was überhaupt sind Kinder, Eure Kinder, wo kommen sie her, und was kann Mann mit ihnen anstellen? Was frißt so ein Kind?

    "Kinder sind schlechthin die Berechtigung für das Leben an sich - ewiger Auftrag von Mutter Natur, der sich mit jeder Geburt automatisch um eine weitere Ewigkeit verlängert."

    So jedenfalls tönen Erklärung furzende Ärsche, die meist selbst nicht mit Kindern geschlagen. Zeigefinger nach oben, die Ärsche furzen weiter: "Und sie sind das Aller-, Allerschönste, die größte Freude für die Eltern, auch wenn es manchmal gewaltige Anstrengung bedeutet, den Segen über viele Jahre zu verteilen." Hört Mann Zynismus? Nein, schließlich ist der Nachwuchs zu einem geringen Teil von ihm selbst, manchmal sogar wie aus dem Gesicht geschnitten. Einfließende Nebenbemerkung: Für manche Kinder wäre es entschieden besser gewesen, ihre häßlichen Eltern hätten sich Fortpflanzung noch einmal gründlich überlegt.
    Wie entsteht nun so ein Kind, wie lautet dieser bewußte Auftrag der weisen Mutter Natur? Was kostet ein Kind? Ist es etwa käuflich?
    Das Entstehen ist einfach angerichtet, auch die dümmste Mutter kömmt zu einem Kind: Mann begegnet einer zufälligen Blüte am Wegesrand, Mann nascht und fummelt etwas belanglos herum, Mann zerstäubt sich unverbindlich, und schon wächst aus seinem Baum der von Gott gewollten Vermehrung eine Frucht, die nicht weit vom Stamme fällt. Das ist so, und eine reife Frucht schenkt Freude. Ein Früchtchen auch?
    Ein Früchtchen auch, und viel kümmern muß Mann sich ja nicht weiter. Schenkt Gott ein Häschen, schenkt er auch ein Gräschen, oder, Mütter, seht die Lilien auf den Feldern: Sie ackern nicht, sie brauchen auch keinen Kunstdünger, und trotzdem leuchten sie in voller Pracht. So gesehen ist ein Kind fast für umsonst, womit der Schreiber keineswegs behaupten möchte, ein solch kleines Trägerlein eurer größten Hoffnungen wäre schlichtweg für die Katz?, und Mann könnte einfach versuchen, den Nachwuchs aus seinem Leben und aus seinem Portemonnaie zu entsorgen.

    Pfeifendeckel! Die lieben Kleinen kosten, fressen ganz schön, während sie kaum genutzt vor sich hin wachsen. Und sexuell darf Mann mit ihnen sowieso nicht viel anfangen, da haben Mütter meistens schon aus Eigennutz die Hände vor; ihr Trieb kömmt zuerst, selbst wenn Mann versuchte, Muttern mit Geschmeide zu bestechen. Die lieblichen Kleinen jedoch wären allemal käuflich. Zwar putzt kein Kind freiwillig Vaters Schuhe. Kein Kind räumt freiwillig die Garage auf oder wäscht einmal das Familienauto. Kein Kind wird jemals aus eigenen Stöcken bei Oma und Opa, Onkel und Tante oder auch auf der nächsten Straße zum Betteln gehen, um derart zu einem kühlen Abendbier beizusteuern. Aber kaum winkt Mann mit Pommes und der geliebten roten Soße, kaum knallt Mann ein Eis auf den Tisch und zwanzig Euro dazu, schon sind die lieben Kleinen gleich zu allem bereit... weise eingerichtet von Mutter Natur.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Ich habe mal gelesen: ein Kind gleich der Bau eines üppigen Einfamilienhauses.
    Und ich überlegte, wenn wir stattdessen bauen würden, wer eigentlich die Häuser beleben würde?
    Die Frauen haben das Problem, zwischen Intellekt und Emphathie immer zu balancieren.
    Für den Mann geht alles über Logik, geradeaus. Für sie gibt es selten Seitenstraßen, Sackgassen, Engpässe. Die Emphathie ist begrenzt. Sie rauschen meistens mit 160 Sachen einfach durch. Hoffe ich doch sehr, das die Männekens hier natürlich ganz anders sind.
    Und ich denke schon, dass die Unterschiede sowohl genetisch als auch biochemisch (wenn ich nur wüsste was das ist) sich unterscheiden.
    Deshalb frage ich im anderen Thread ob Frauen die schlechteren Autoren sind , nach der Begrenzung. Welcher Begrenzung unterliegen Männer?
    Ich denke schon, dass sie einer sehr starken Begrenzung unterliegen, die überschritten sein will. Aber, ich kann es nur vermuten, denn ich bin eine Frau.
    Übrigens aus einem Sternzeichen, welches das Männchen nach der Paarung vernichtet.

  8. #8
    Bauer Hans
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Männer unterliegen keiner Begrenzung, von Gott so gewollt. Schließlich schuf ER die Männer nach seinem Ebenbild, und sind Gott etwa Grenzen gesetzt?
    Frauen, Rippen, haben Grenzen: Das Brustbein des Mannes!

  9. #9
    Mutter des Hauses
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Was immer sie können - außer ihre Mütter damit zu unterhalten, dass sie ihren Freunden und Freundinnen Mamas Handynummer statt der eigenen geben und so den Unterhaltungswert eines tristen Tages erheblich steigern, wenn Liebesflehen per SMS aus Versehen bei Mama ankommt - sie können erklären, wie Katzenfutter schmeckt, und wenn irgendwelche impotenten Arschlöcher sie nicht in einem Alter in den Krieg schicken, in dem man in anderen Ländern noch nicht mal Alkohol ausgeschenkt bekommt, können sie unter Umständen für eben diese Arschlöcher die Rente verdienen und den Müll wegräumen, den ignorante über Sex und Sexappeal sinnierende macht- und drogensüchtige verpeilte Erwachsene ihnen hinterlassen haben. Wohlgemerkt, nachdem ihre Kindheit mit Schildern verziert wurde, auf denen das Ballspielen auf Spielplätzen untersagt wird. Und wenn schon, dann Ketchup UND Mayo - wie kann man nur so blöd sein..

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Faß! Friß sie!

  11. #11
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Mayo, von den Froschfressern abgeähnelte Plastikscheiße! Pfui Spinne, die ärmsten Kinder! Da lob ich mir doch die Rote von den Amis.

  12. #12
    Mutter des Hauses
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Mayo besteht aus gesundem pflanzlichem Öl (Vitamine, ungesättigte Fettsäuren) und Eigelb (ebenfalls Vitamine, außerdem das "gute" Cholesterin, wichtig vor allem für die Hirntätigkeit). Auch Literaten sollten gesund und vernünftig essen, anstatt idealen Klischees nachzuhängen. Wohl bekomms!

  13. #13
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Aber willy, Goldschatz und gute Mutter, glaubst Du wahrhaft, daß Deine Kinderschar solch aufgezähltes Gesundes in Mayo-Buden bekömmt - von bekömmlich?
    Empfehle Dir dringend, einmal das Kleingedruckte auf einem 10Kg-Mayoeimer zu lesen. Dein Weltbild wird leiden...
    ... und wieder zurechtgerückt, wenn Du einmal bei uns in Niederbayern richtige Mayonnaise rühren darfst.
    Komm nur!

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Kinder (und ihre aktive Aufzucht) sind gut für die Seele aber schlecht für Portemonnaie und Karriere. Unser Land ist kinderfeindlich und verspielt damit seine Zukunft.


    Wobei ein ruhiges, würdevolles "Aussterben" vielleicht nicht mal das Hauptproblem ist.


    Wirklich schlimm ist, daß die "Eliten" die Nachzucht weitgehend (jaja, es gibt auch Ausnahmen, z.B. alle hier vertretenen Elternteile) den sozialen Unterschichten überlassen. Ein Blick in die Zeitungen, das Einschalten von Radio oder Fernseher zeigt eindrucksvoll, wohin diese Art von Evolution führt.


    Und von denen aus den tieferen Bereichen des Genpools sind auch nur wenige bereit (und/oder in der Lage), sich ausreichend um die Bildung der Brut zu bemühen. Über den Zustand der Schulen schweige ich lieber, aber seht euch doch all die Diskussionen über kindliche Ernährung (bäh!), Kinderbücher, den Musikgeschmack der Nachwachsenden..... an. Selbst Schuld!


    Wie gesagt, eigntlich geht es ja um unsere Zukunft, aber wen kümmert das schon?


    @Hannemann: Gute, selbstgerührte Mayonnaise schmeckt "normalen" (d.h. geschmacklich mißbildeten) Kindern garantiert nicht - weil sie fast nie an gute, ursprünglich Nahrung gewöhnt wurden. Seriöse Untersuchungen belegen z.B. daß 85% der (in diesem Fall kindlichen) Probanden in Joghurt künstliche Aromen den natürlichen vorziehen. Iss es nich zum Kotzen!?

  15. #15
    Mutter des Hauses
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Oh Hannemann - daaanke! Würd ich gern, aber Zeit usw... Na vielleicht im Sommer. Hmm, Mayonaise rühren - interessant.

    @Achtpanther: mach einfach überall bissel Zucker dran

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Nanana! Drogen sollten nich einfach so nebenbei konsumiert werden! Schon gar nicht Zucker, der ist von den gängigen eine der gefährlicheren (gesundheitliche Probleme/hohes Suchtpotential usw).

  17. #17
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Notizen September 2002

    15jährige: Sie sind anders als noch ihre großen Geschwister von vor drei Jahren. Sie sind interessiert, denken für- und aneinander und haben mehr lieb, als daß sie böse sind. Sie halten einander bei den Händen und singen. Sie sind beinahe so, wie wir damals waren, vor nunmehr zwanzig Jahren. Nur waren wir damals vier Jahre älter und hatten nichts mehr zu verbergen. Und das wundert mich doch sehr, daß sie, diese lieben Kleinen, uns so ähnlich sind, nur zeitiger. Sollte es doch einen Wechsel der Töne geben, jetzt am Anfang des Jahrhunderts? Irgend etwas sagt es mir. Sie sind anders. Und es ist schön, daß sie es sind.
    Ich habe seinerzeit den Schimmelreiter gehaßt, Sprache, Diktion, dieses ganze norddeutsche Gewäsch vom Fischer und siner Fru, letztlich. Aber ich hab's brav gelesen. Sie heute stört nicht mal die antiquierte Sprache, diese Fülle von Hypotaxen und Satzgefügen aus der Mottenkiste. Sie lesen's mit roten Köpfen! Gegen alles, was da Kommissionen als nicht mehr zeitgemäß in die Tonne kloppen woll(t)en. Und ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll, wenn mir die Hälfte der Klasse sagt, sie würden gern noch eine Stunde länger schreiben, nachdem sie schon drei Stunden gesessen hatten! Irgend was ist da anders als noch vor drei Jahren, aber es gefällt mir. Ich glaube, das fing alles mit der Flut an... Glaube ich. Sie brachte etwas zum Vorschein, etwas längst verloren Geglaubtes.

  18. #18
    Sabine Scholz
    Status: ungeklärt

    Post Pisastudie

    Das Paar in der Bibliothek
    Von Sabine Scholz


    Vor hundert Jahren galten die deutschen Bildungseinrichtungen als den anderen überlegen. Seitdem hat sich einiges grundlegend geändert. Wie die Pisastudie ergeben hat, taugen die deutschen Schulen nichts mehr. Wie konnte es zu so einem radikalen Wandel kommen?
    Wolf Lepenies zitiert in seinem Zeitartikel "Bildungspathos und Erziehungswirklichkeit" vom 5. September 2002 ein nettes Erlebnis. Ein französischer Schriftsteller hätte am Ende des 19. Jahrhunderts ein Paar in einer Bibliothek beobachtet:


    "Während [der Mann] las, hielt er die Hand einer jungen Frau, die neben ihm saß. Zwei
    Stunden später kehrte ich zurück. Der Mann las immer noch sein Buch, und immer noch
    hielt er die Hand der jungen Frau. Es war ein deutsches Paar. Es war Deutschland."

    Was zeigt diese Anekdote? Braucht der deutsche Student eine Frau, die ihm die Kraft gibt, sich durch die langweiligen Schulbücher zu quälen? Lesen deutsche Frauen keine Bücher, oder haben die Deutschen einfach nichts Besseres zu tun, als ihre Zeit händchenhaltend in Bibliotheken zu vertrödeln?
    Die Pisastudie hat ergeben, dass das Bildungssystem der Finnen einen Spitzenplatz einnimmt. Infolgedessen schickte man eine Kommission nach Finnland, um die Gründe herauszufinden. Doch das Ergebnis war äußerst gefährlich: Die Finnen hatten sich nämlich ihre Inspirationen beim Schulsystem der DDR geholt! Dieses ist wie so vieles jedoch bei der Wiedervereinigung flöten gegangen. Scharen arbeitsloser West-Pädagogen und Universitätsdozenten ergossen sich über die von lästigen Parteimitgliedern befreiten und nun vakanten Lehrstühle. Es war ein Ausverkauf der Ideen und Intelligenz. Von nun an bringen Kapitalisten den ostdeutschen Schülern bei, dass ein deutscher Arbeitnehmer weder Platons Symposion gelesen haben sollte noch in der Lage sein müsste, Stirners Einzigen korrekt wiederzugeben, und dass deutsche Industrielle und der Generalstab nur reüssieren könnten, wenn sie ihre kohärente Persönlichkeit nicht analysieren ließen, sondern auf Kosten der Untergebenen auslebten.
    Wenn ein Straßenbahnfahrer in der Frühstückspause Gedichte auf sein Butterbrotpapier kritzelt, dann verfehlt er eklatant seinen Daseinszweck. Der deutsche Charakter erweist sich als unzerstörbar und bildungsresistent. Arbeiterkinder sollen um Gottes Willen nicht auf die Idee kommen, dass die Revolution einst für sie gekämpft hat und dass Solidarität vielleicht doch stark macht. Aber das erfährt man eh nur in Büchern, die man besser nicht liest und aus Filmen, die man besser nicht sieht. Einmal Kommunist, immer Kommunist...

  19. #19
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Liebe Sabine! Ich habe mich über das Bildungssystem in meinem Manifest geäußert.

    Meine prinzipielle Meinung: Das Bildungssystem ist immer Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Vor hundert Jahren war Deutschland das führende Land der Welt, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer oder philosophischer (worunter ich auch die Bildung subsumiere) Hinsicht. Spätestens nach dem zweiten Krieg war Schluß damit; wir wurden eingepaßt und funktionabel gemacht. Das war schließlich der Sinn der Kriege. Nun haben wir, was wir eben haben. Weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich oder philosophisch haben wir irgend etwas zu vermelden, schwimmen so eben mit, sind bestenfalls Durchschnitt.
    Das DDR-System nun taugt als Vorbild für ein neues Bildungssystem herzlich wenig, was es hielt, das waren die Reste des Humboldtschen Geistes, der preußischer Geist war und ist. Freiheit gab es aber nicht, keine Lehrfreiheit, keine Lernfreiheit. Also weg damit, mit diesem System einer zwölfklassigen Schule und all dem Mist, der jetzt so verhandelt wird. Alles Käse ist das, Genossen!
    Das, was das DDR-System erhielt, war der Anteil der Abiturienten, etwa 8-10%. Die 68er mit ihrer Hinwendung zur Aufweichung des Bildungsbürgertums schoben den Anteil der Abiturienten auf beinahe 40%, somit verwässerten sie die Bildung, denn wenn ein Lehrer stets mit weniger als Mittelmaß kämpfen muß, leiden auch die Spitzen darunter. Klarerweise. Das war der Plan der 68er. Aufgegangen.

  20. #20
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Die lieben Kleinen kosten, fressen ganz schön, während sie kaum genutzt vor sich hin wachsen.

    Diesen Satz fand ich am traurigsten. Weil er wahr ist. Meine Praxis und die Warteliste ist voller ungenutzter oder mißbrauchter, also nicht sinnvoll genutzter Kinder.


    So wie Florian zum Beispiel. Er ist zehn Jahre alt. Er spricht kaum einen Satz der aus mehr als zwei Worten besteht, die bar jeder Syntax und Morphologie aneinander gereiht werden. Wenn seine wortarme, zerstückelte Sprache nicht ausreicht, mir zu erzählen, verwendet er reichlich Gesten. Wir verstehen uns gut. Florian arbeitet bei seinem Onkel für 30 Euro im Monat. Der Onkel bringt Pizza rum und Florian trägt sie für ihn an die Türen. Vom Verdienten kauft er sich Video Filme. Alien 1-3, Chukky, die Mörderpuppe, Die Mumie, Die Mumie kehrt zurück. Oder Playstation Spiele. Er kann die Begleittöne der Spiele perfekt imitieren. Brmmst, pfft, iihjuu. Florian war in der letzten Stunde sehr müde.
    "Ontel slafen, aufwet mich, halb 4."
    "Warum hat dein Onkel dich denn aufgeweckt, mitten in der Nacht, Florian?" Bitte nicht, lass es nicht so sein, wie ich vermute.
    "Blöde Sachen macht."
    "Dein Onkel hat etwas Blödes gemacht? Hat er dir weg getan?"
    "Ich nich reden wollen davon."


    Männer wissen eine Menge anzufangen mit Kindern. Ich weiß nicht, ob dieser Text daran gedacht hat, doch bitte ich dies bei solch leichter, runtergeschriebener Satire, die mit bitteren Worten spielt, zu bedenken.


    Lieben Gruß von
    Trist








    [Diese Nachricht wurde von Trist am 18. Januar 2003 editiert.]

  21. #21
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    Lightbulb Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    anregung vielleicht an die lehrer unter uns:

    englischlehrerin meiner kinder hat unter der hp der schule ein intranet eingerichtet, samt forum, für das jedes kind passwort. dort stellt sie ihre arbeitsaufträge ein, später die lösungen; die kinder ihre referate und vokabellisten. ist eigentliche gute idee. könnte man auch für kranke schüler die hausaufgaben einstellen und die hefteinträge. kranke lehrer könnten von zu hause aus weiter arbeitsaufträge geben. ist ausbaufähig! z.b. nachhilfe für schlechte schüler, anhand deren fehler, die ja dem lehrer am besten bekannt sind, er gezielt die lücken auffüllen könnte. für die unterforderten besten schüler könnte man zusatzaufgaben zum weiterdenken.

    wäre ich lehrer, würd' ich das machen

  22. #22
    rodbertus
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    ich denke, daß es in deutschland auch türkische schulen geben soll. allerdings bezahlen wir sie nicht. die deutschen schulen in der türkei werden auch von deutschen bezahlt. wenn türken in deutschland eine schule aufmachen wollen, dann sollen sie das tun. aber der deutsche staat zahlt nichts dafür.
    es gibt allerdings ein problem: der deutsche staat läßt rein private bildungsträger für die grundausbildung von jugendlichen nicht zu. welche abschlüsse soll es dafür geben, wer erkennt die an? usw.

    der artikel blendet solche fragestellungen aus und verwischt damit die eigentliche problematik.

  23. #23
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    Post AW: Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    Seit einigen Jahrzehnten leidet unserBildungssystem und bringt keine Elite mehr hervor, die Impulse fürdie eigene Nation, geschweige denn für die Welt setzt. Woran liegtdas?
    In Deutschland gibt es seit etwa 1600 Schulpflicht. Diesesollte anfangs zur Bildung führen. Heute ist das NICHT mehr derPlan. Der postmoderne Staat ist nicht an gebildeten Bürgerninteressiert, sondern an funktionierenden.
    Daß es in Magdeburg69 Schulen mit verschiedenen Bezeichnungen gibt, kann als Buntheitgedeutet werden. Buntheit wäre gegeben, wenn es eine Schule für dieMohammedaner, eine für die Nationalkonservativen, eine für dieVerhaltensauffälligen…, schließlich vieleüberparteilich-öffentliche Schulen gäbe. Allerdings aber schlägtdas Fatum des linksliberalen Zeitgeistes bei allen Schulen durch,heißen die geistigen Väter nun Waldorf, Humboldt oder Weißnichtwie.Jede einst selbständig existierende Idee wird vom Zeitgeistversaftet. Waldorfkindern wird der Steinersche Grundgedanke einerheute als Esoterik diffamierten Anschauung der Dinge in derGESAMTHEIT genauso genommen, wie Humboldts Elitenbildung aufgriechischer Grundlegung (altgriechisch lernen!) auf dem Altar derNützlichkeit geopfert wird.
    Die Mißständesind erkannt. Die Politik reagiert: 500 Millionen € will Ostfalenin den nächsten sieben Jahren investieren. Nicht eben viel, zumalHamburg 400 Millionen nur für 2014 locker machen konnte. Aber:immerhin! Doch das meiste Geld fließt in die energetische Sanierungder Schulgebäude, also in die Bauindustrie. Unter demfadenscheinigen Grund, Schulen der Wirtschaft schon als Schule öffnenzu müssen - euphemistisch "dem Leben" - werden in dieSchulen Werkstätten gebaut, Computer und Superanzeigetafelninstalliert und technische Ausrüstungsgegenstände herangeschafft,die bei geringer Halbwertzeit kaum oder wenig pädagogischen Nutzenbringen und zudem die Differenz Schule-Wirtschaft aushebeln. Würdedurch bessere Gebäude die Lernbereitschaft bei den Kiddies wachsen?Kaum. Das aber ist der Plan. Marxismus: Quantität der Mittel schlägtin Qualität bei den Benutzern um. Ein Irrweg. Ein teurer.
    Derrichtige Weg ist, den Kindern VIELE Welten öffnen und nicht die Weltin die Schule holen wollen, was letztlich nur bedeutet, daß dieKinder in der Schule die Art Welt kennenlernen, die den Lehrkräftenvorschwebt, die jede Ausbildung am Computer, Mikroskop oder in einerKfZ-Werkstatt theoretisch begleiten, also Praxis verschulen.Kauderwelschpädagogik. Besser aber ist es, die Kinder in der SchuleNICHT nur das lernen zu lassen, dessen sie oder ihre übereifrigenEltern später unbedingt zu bedürfen glauben. Woher sollen sie esauch wissen, was sie später mal brauchen können? Sie sind ja ebendeshalb Kinder, weil sie es nicht wissen müssen. Zugleich aber mußes ein integraler Bestandteil der Schulzeit sein, Praktika inaußerschulischen Lebensbereichen zu organisieren, mal einzeln (inKfZ-Werkstäten, Labors, Büros...), mal im Klassenverband(Apfelernte, Spargelzeit, Altenheime...) - fakultative undobligatorische Angebote. Das klingt nach Zwang und stößtLinksliberalen sicherlich sauer auf. Bleiben wir beiZwangsvorstellungen:
    Der Herausgeber dieser Zeitung glaubt (sieheMD Kompakt 07/2015, S. 11), daß es einen Gegensatz zwischenpreußischer Erziehungsanstalt und einer transzendentendemokratischen Schule gebe und bestimmt diesen mutmaßlichenGegensatz als Grund für das Tauziehen verschiedenerBildungskonzepte.
    Das ist natürlich großer Bockmist. Vielleichtdachte er an "Mädchen in Uniform" (weiblicheElitenbildung) oder an die "Heiden von Kummerow"(Volksschule) oder gar an die Universität Halle an der Saale(Beamtenausbildung)? Es gab nirgendwo bessere Schulkonzepte als inPreußen. Schließlich ist auch Humboldts Litauischer Schulplan einepreußische Erfindung, die erst Preußen, dann Deutschland zurWeltspitze in puncto Bildung führte, ganz ohne Privatschulanteil,den es dagegen in den Konkurrenzländern zuhauf gab. Auch derReformgedanke konnte seinerzeit im Reich verwirklicht werden -Reformansätze sind kein Alleinstellungsmerkmal demokratischerSysteme -, denn die Reichsverfassung von 1867/71 garantierte jedemLehrer das Recht, frei das zu unterrichten, was er eben für richtighielt. Ein Lehrer war Beamter; ein Absolvent (Assessor) besaß dasRecht auf eine Stelle. Wie geringer sind die Rechte heute! Heute wirddem einfach damit ein Riegel vorgeschoben, daß jemand, derAbschlüsse attestieren darf, zuerst einmal Direktor einerLehreinrichtung gewesen sein muß. Zudem werden etliche Lehrer zuvielausgebildet. Zugleich wird Lehrermangel beklagt. Lächerlich, wennman weiß, daß im letzten Jahr ein Absolvent mit einem Staatsexamenvon 1,4 keineswegs die Stelle bekommen konnte, die er haben wollte.
    Die Antinomie zur preußischen Erziehungsanstalt soll dietranszendente demokratische Schule sein! Das ist die Form der Schule,in der die Schüler darüber mitbestimmen, wer welche Note bekommt,wenn es überhaupt Bewertungen gibt, wer versetzt wird und ob heuteunterrichtet oder baden gegangen wird. Transzendenz bedeutetErkenntnis VOR ALLER Erfahrung. Demokratie bedeutet die Herrschaftdes Volkes. Schule bedeutet Anleitung zum Unglücklichsein. Oder so.Eine transzendente demokratische Schule ist also eine Einrichtung,die davon ausgeht, daß der Zögling bereits VOR Betreten derEinrichtung alles bestens weiß und in den Prozeß der allgemeinenWillensbildung gleichberechtigt mit den Lehrkräften befragt werdenkann. Am Ende wird der Lehrer benotet und aus der brennenden Schuleverjagt. Es war schließlich Walpurgisnacht! - Vielleicht meinteWischnewski aber auch nur Transparenz. Das würde bedeuten, daß dieEltern den Lehrern mitteilen, wie sie benoten, was sie behandelnsollen oder auch, wer die Schule verlassen muß, weil er nichthineinpaßt.

    Springende Punkte: Bezahlung undPersönlichkeit des Lehrers. Besitzt der keine, kann dieschönste Unterrichtsform langweilig sein. Besitzt er sie, kannFrontalunterricht nicht nur interessant, sondern v.a. lehrreich sein.Das vom Staat ausgegebene Geld für die Ausbildung der Kinder fließtlöwenanteilig in die Wirtschaft, die die Schulgebäude ausstaffiertund zu kleinen Palästen macht. Zugleich winkt der StaatPrivatschulanträge durch, die kein den Bildungssektor ergänzendespädagogisches Konzept besitzen, dafür aber mit 70-80% der üblichenGehälter auskommen, dem Staat also Geld sparen. Wegen desÜberangebots an zu oft nur oberflächlich ausgebildeten Lehrerngehen die an die schlechter bezahltenFastfoodverbildungseinrichtungen, arbeiten jahrelang für einen Appelund ein Ei und haben selbst bei persönlicher Weiterentwicklung nurgeringe Chancen, eine vollbezahlte Stelle zu ergattern.Liberalisierung des Bildungssektors. Die Pest.

    Zum Schluß:Unser Bildungssystem ist schlecht. Keine Klarheit, keine Struktur. Esherrschen Zwang, Scheuklappendenken und Oberflächlichkeit vor, diedurch den Ausruf, daß die Schule das Leben lehren soll, kompensiertwird, am Ende aber nur halbgare Abiturienten ausspuckt, die vielessehr oberflächlich wissen und gelernt haben: wie sie ein Muster Xanwenden müssen, um von Lehrer Y die und die Punkte/Abschlüsse zubekommen.
    Es ist zu raten, daß man das energetische Ausbaugedönsfür die Schulgebäude zugunsten einer Besserbezahlung der Lehreraufgibt, zugleich den Fokus auf Bildung und nicht Faktenvermittlunglenkt und schließlich den Schulen nicht nur mehr Freiheit bei derAnstellung von Lehrkräften, sondern auch Lehrfreiheit konzediert.

  24. #24
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    blöde idee

    eine aus vielen gründen blöde idee:


    • abstrahierung (entpersönlichung) und rationalisierung des unterrichtsprozesses, der sowieso schon in den öffentlichen schulen stattfindet;
    • fehlende wirkliche kontrolle der leistungen der schüler und
    • jeder macht fehler, auch lehrer, was sich durch solcherart digitalisierung manifestieren und ausschlachten ließe


    mehr fällt mir dazu im augenblick nicht ein

  25. #25
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    ist halt wie an der uni das moodle. als projekt geschlossen in einem unterrichtsfach ist es sicherlich eine sehr gute idee! aber als gesamtkonzept für alle fächer etc. zu viel arbeit.
    ein beispiel: https://histoproblog.org/category/impressum/ - das find ich noch besser als dieses moodle prinzip, weil eine größere öffentlichkeit erreicht wird. Naja quantitativ mehr kritik bzw. reflexion heißt nicht immer, daß sich ein Denker und Autor besser entwickeln kann. es gibt viel aspekte zu bedenken.

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