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Thema: Bildung und Erziehung - der Problemordner

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Noch etwas über pragmatische Paradoxien:

    Einem Schüler wird aufgegeben, die Hausaufgaben von all den Schülern der Klasse zu machen, die sie nicht selbst machen. Warum bekommt er am nächsten Tag wegen nichtgemachter Hausaufgaben eine 6?

  2. #2
    Liz
    Status: ungeklärt

    Question Pisa

    Darf ich meinen Finger in die Wunde legen,
    liebe Pädagogen und dann auch noch eine
    Beurteilung aus fachmännischer Sicht
    erwarten?

    Es geht um die "Programs for International Student Assessment" und den 25. Platz, den wir Deutschen in dieser Studie einnehmen.
    Ich hoffte, irgendjemand wollte mal etwas zu unserer Entlastung sagen oder seinen Frust ablassen, muß aber nicht sein.


    Freunde, Eltern verwandte Seelen haben im weitesten Sinne ... vielleicht.., also,
    ich weiß es nicht..., ich habe scheinbar zuviel vorausgesetzt.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    Liebe Liz!


    In der Tat, eine wichtige Untersuchung. Aber, es gibt da allerlei Gegenmeiniges (in bezug auf den mainstream) zu sagen:


    1. Es war immer schon so.
    2. Entscheidend sind die Eliten.
    3. Solange sich folgende Szene in Deutschland abspielt, hat der plebs sein gusto.


    Szene: ein Regionalzug durch die finsterste Provinz zur Feierabendzeit
    Personen: ein Zwanzigjähriger ohne besondere Kennzeichen im gesonderten Fahrrad-Abteil (schlafend); eine Gruppe von Skinheads (leicht alkoholisiert); ein Beobachter
    Tatvorgang: die Skins wollen durch das Fahrradabteil, der Anführer schaut durch das Fenster und sieht den jungen Mann schlafen, hält den Nachdrängenden Skin-Freund zurück und murmelt: "Eh, laß den schlafen. Warten wir, bis wir in Magdeburg sind." Sprach's und setzte sich auf seinen Arsch, fünf Minuten bis zum Bahnhof genüßlich an seiner Bierflasche nuckelnd.


    Ich dachte, so schlecht kann das Schulsystem nicht sein, weil ich doch gerade diesen Bericht gelesen hatte.
    Kurze Zeit später sehe ich, wie ein Arbeiter einer Frau die Koffer die Treppe runtertraegt. Mir - also mir braucht wirklich niemand zu helfen - half ein sehr widerlich aussehender Typ aus dem Zug.
    Was ist los in diesem Land? Sind die Leute mit einem Präparat versehen?


    So, jetzt komme ich zu dieser Studie. Sie ist nichtssagend. Die Werte haben sich verschoben. Waren in den 70er und 80er Jahren noch kybernetische Lehrmodelle maßgeblich, so kömmt es heute mehr darauf an, Wissen herbeischaffen zu können, will heißen: Man muß nicht viel wissen, aber man wissen, woher man sein Wissen beziehen kann, so es denn abgefordert wird. Das Denken basiert auf Ersteindrücken und einem Konsens in der Sprache, der Diskursethik heißt. Anderes wird hinsichtlich seiner Wahrhaftigkeit nur dann angenommen, wenn ein Impuls im Fühlen angesprochen wird; die ratio ist sekundär, will heißen FAKTEN sind unwichtig.


    Eine Studie, die die Wissensfertigkeit untersucht, hinkt ca. 15 Jahre hinter den Erfordernissen der Zeit her.


    Vor fünfzehn Jahren hätte mir der Proll nicht aus dem Zug geholfen, der Skin wäre in das Abteil geplatzt und hätte vielleicht noch Stärke dabei empfunden, aber er hätte gewußt, daß 2 mal 2 4 ist. Heute bin ich mir nicht so sicher, daß er lesen kann, aber die nämlich beschriebenen Szenen zeigen, daß ein Umdenkprozeß in der Bildung erfolgte.


    Der Skin wird sich nicht daran hindern lassen, zu gegebenem Zeitpunkt seinem Gegner die Fresse zu polieren, aber er hat so ein Bedürfnis nach oberflächlicher Höflichkeit, die in seinem Kopf einen Hirnteil besetzt hält, der vor zehn Jahren noch von 2 mal 2 ist gleich 4 besetzt ward.


    So, das wollte ich dazu sagen.

    P.S. Unser 25. Platz ist das Ergebnis einer Elitenunförderung und fehlender Lehrfreiheit an den Universitäten. Dieses Elitenbashing findet schon in der Grundausbildung statt. Der Klassenbeste wird gehänselt.

  4. #4
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    AW: Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    Zitat Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
    Noch etwas über pragmatische Paradoxien:

    Einem Schüler wird aufgegeben, die Hausaufgaben von all den Schülern der Klasse zu machen, die sie nicht selbst machen. Warum bekommt er am nächsten Tag wegen nichtgemachter Hausaufgaben eine 6?
    Es hat seinen Zweck erfüllt: Provokation, ein Herauslocken aus der Finsternis des Geregelten. Wo liegt die Quintessenz? Unser Modell Schule ist zum Kotzen - es leidet an der Mittelalterlichkeit des Denkens. Quälen und Gequältsein. Die Schule fördert nicht, sondern treibt aus. Sie schafft es nicht die Früchte der Erkenntnis zu reichen, sie vergiftet sie. Natürlich - ich bin ein Freund der Methode, der Logik, des reinen Denkens - doch wo ich es nicht gelernt habe: in der Schule.
    Ein Blick in die Literatur genügt:

    „Die Lehrer haben die entsagungsreiche Aufgabe, Grundtypen der Menschheit zu verkörpern, mit denen es der junge Mensch später im Leben zu tun haben wird. Er bekommt Gelegenheit, vier bis sechs Stunden am Tag Roheit, Bosheit und Ungerechtigkeit zu studieren. Für solch einen Unterricht wäre kein Schulgeld zu hoch, er wird aber sogar unentgeltlich, auf Staatskosten geliefert.
    Groß tritt dem jungen Menschen in der Schule in unvergeßlichen Gestaltungen der Unmensch gegenüber. Dieser besitzt eine fast schrankenlose Gewalt. Ausgestattet mit pädagogischen Kenntnissen und langjähriger Erfahrung erzieht er den Schüler zu seinem Ebenbild.
    Das Wichtigste ist doch die Menschenkenntnis. Sie wird in Form von Lehrerkenntnis erworben. Der Schüler muß die Schwächen des Lehrers erkennen und sie auszunützen verstehen, sonst wird er sich niemals dagegen wehren können, einen ganzen Rattenkönig völlig wertlosen Bildungsgutes hineingestopft zu bekommen. Unser bester Lehrer war ein großer, erstaunlich häßlicher Mann, der in seiner Jugend, wie es hieß, eine Professur angestrebt hatte, mit diesem Versuch aber gescheitert war. Diese Enttäuschung brachte alle in ihm schlummernden Kräfte zu voller Entfaltung. Er liebte es, uns unvorbereitet einem Examen zu unterwerfen, und stieß kleine Schreie der Wollust aus, wenn wir keine Antworten wußten. Beinahe noch mehr verhaßt machte er sich durch seine Gewohnheit, zwei bis drei Mal in der Stunde hinter die große Tafel zu gehen und aus der Rocktasche ein Stück nicht eingewickelten Käses zu fischen, den er dann, weiter lehrend, zermummelte.“

    Ist doch gut geschrieben, das geht noch Seiten so weiter! Vor allem das verallgemeinernde am Anfang des Textes besticht.
    Dein Kommentar zur Verallgemeinerung? Naja - was soll es? Wenn Du Dich unter das gesagte subsumierst, bist Du eben ein Teil des Allgemeinen. So ist das. Oder besser: Unterscheide zwischen Verallgemeinerung, Abstraktion, Supervenienz und Universalisierung. War es gar nicht Verallgemeinerung, sondern Abstraktion?

    Du schreibst: - Sätze wie: "War nicht persönlich gemeint!" sind das Aberletzte. - Da stimme ich zu, warum schreibst Du mir so etwas? Jeder kann selbst entscheiden, inwieweit er Teil eines Ganzen, eines Systems ist.


    Gruß
    Hagen

  5. #5
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    AW: Der Lehrer- und Schulordner - Ideen, Probleme, Systemfragen

    Hallo Hagen
    Du schreibst:
    Unser Modell Schule ist zum Kotzen - es leidet an der Mittelalterlichkeit des Denkens. Quälen und Gequältsein. Die Schule fördert nicht, sondern treibt aus. Sie schafft es nicht die Früchte der Erkenntnis zu reichen, sie vergiftet sie.
    Gut als ehemalige Waldorfschülerin sehe ich das nicht so. Aber gerne bin ich auch nicht in die Schule gegangen, ich wollte lieber ausschlafen... [..]
    Ich vermute mal, Du warst auf einen ehrenwerten deutschen Gymnasium
    Im Nachhinein bin ich sehr dankbar, auf der Waldorfschule gewesen zu sein, ich habe da sicher weniger gelernt, als auf einer normalen Schule, aber mir ist die Freude am Lernen nicht verdorben worden

    Grüße

    Kyra

    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 07. Februar 2002 editiert.]

  6. #6
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    Post Kinder: Versuch einer literarischen Aufarbeitung

    Für Kyra und ähnliche Mütter.


    Was überhaupt sind Kinder, Eure Kinder, wo kommen sie her, und was kann Mann mit ihnen anstellen? Was frißt so ein Kind?

    "Kinder sind schlechthin die Berechtigung für das Leben an sich - ewiger Auftrag von Mutter Natur, der sich mit jeder Geburt automatisch um eine weitere Ewigkeit verlängert."

    So jedenfalls tönen Erklärung furzende Ärsche, die meist selbst nicht mit Kindern geschlagen. Zeigefinger nach oben, die Ärsche furzen weiter: "Und sie sind das Aller-, Allerschönste, die größte Freude für die Eltern, auch wenn es manchmal gewaltige Anstrengung bedeutet, den Segen über viele Jahre zu verteilen." Hört Mann Zynismus? Nein, schließlich ist der Nachwuchs zu einem geringen Teil von ihm selbst, manchmal sogar wie aus dem Gesicht geschnitten. Einfließende Nebenbemerkung: Für manche Kinder wäre es entschieden besser gewesen, ihre häßlichen Eltern hätten sich Fortpflanzung noch einmal gründlich überlegt.
    Wie entsteht nun so ein Kind, wie lautet dieser bewußte Auftrag der weisen Mutter Natur? Was kostet ein Kind? Ist es etwa käuflich?
    Das Entstehen ist einfach angerichtet, auch die dümmste Mutter kömmt zu einem Kind: Mann begegnet einer zufälligen Blüte am Wegesrand, Mann nascht und fummelt etwas belanglos herum, Mann zerstäubt sich unverbindlich, und schon wächst aus seinem Baum der von Gott gewollten Vermehrung eine Frucht, die nicht weit vom Stamme fällt. Das ist so, und eine reife Frucht schenkt Freude. Ein Früchtchen auch?
    Ein Früchtchen auch, und viel kümmern muß Mann sich ja nicht weiter. Schenkt Gott ein Häschen, schenkt er auch ein Gräschen, oder, Mütter, seht die Lilien auf den Feldern: Sie ackern nicht, sie brauchen auch keinen Kunstdünger, und trotzdem leuchten sie in voller Pracht. So gesehen ist ein Kind fast für umsonst, womit der Schreiber keineswegs behaupten möchte, ein solch kleines Trägerlein eurer größten Hoffnungen wäre schlichtweg für die Katz?, und Mann könnte einfach versuchen, den Nachwuchs aus seinem Leben und aus seinem Portemonnaie zu entsorgen.

    Pfeifendeckel! Die lieben Kleinen kosten, fressen ganz schön, während sie kaum genutzt vor sich hin wachsen. Und sexuell darf Mann mit ihnen sowieso nicht viel anfangen, da haben Mütter meistens schon aus Eigennutz die Hände vor; ihr Trieb kömmt zuerst, selbst wenn Mann versuchte, Muttern mit Geschmeide zu bestechen. Die lieblichen Kleinen jedoch wären allemal käuflich. Zwar putzt kein Kind freiwillig Vaters Schuhe. Kein Kind räumt freiwillig die Garage auf oder wäscht einmal das Familienauto. Kein Kind wird jemals aus eigenen Stöcken bei Oma und Opa, Onkel und Tante oder auch auf der nächsten Straße zum Betteln gehen, um derart zu einem kühlen Abendbier beizusteuern. Aber kaum winkt Mann mit Pommes und der geliebten roten Soße, kaum knallt Mann ein Eis auf den Tisch und zwanzig Euro dazu, schon sind die lieben Kleinen gleich zu allem bereit... weise eingerichtet von Mutter Natur.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Ich habe mal gelesen: ein Kind gleich der Bau eines üppigen Einfamilienhauses.
    Und ich überlegte, wenn wir stattdessen bauen würden, wer eigentlich die Häuser beleben würde?
    Die Frauen haben das Problem, zwischen Intellekt und Emphathie immer zu balancieren.
    Für den Mann geht alles über Logik, geradeaus. Für sie gibt es selten Seitenstraßen, Sackgassen, Engpässe. Die Emphathie ist begrenzt. Sie rauschen meistens mit 160 Sachen einfach durch. Hoffe ich doch sehr, das die Männekens hier natürlich ganz anders sind.
    Und ich denke schon, dass die Unterschiede sowohl genetisch als auch biochemisch (wenn ich nur wüsste was das ist) sich unterscheiden.
    Deshalb frage ich im anderen Thread ob Frauen die schlechteren Autoren sind , nach der Begrenzung. Welcher Begrenzung unterliegen Männer?
    Ich denke schon, dass sie einer sehr starken Begrenzung unterliegen, die überschritten sein will. Aber, ich kann es nur vermuten, denn ich bin eine Frau.
    Übrigens aus einem Sternzeichen, welches das Männchen nach der Paarung vernichtet.

  8. #8
    Bauer Hans
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Männer unterliegen keiner Begrenzung, von Gott so gewollt. Schließlich schuf ER die Männer nach seinem Ebenbild, und sind Gott etwa Grenzen gesetzt?
    Frauen, Rippen, haben Grenzen: Das Brustbein des Mannes!

  9. #9
    Mutter des Hauses
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Was immer sie können - außer ihre Mütter damit zu unterhalten, dass sie ihren Freunden und Freundinnen Mamas Handynummer statt der eigenen geben und so den Unterhaltungswert eines tristen Tages erheblich steigern, wenn Liebesflehen per SMS aus Versehen bei Mama ankommt - sie können erklären, wie Katzenfutter schmeckt, und wenn irgendwelche impotenten Arschlöcher sie nicht in einem Alter in den Krieg schicken, in dem man in anderen Ländern noch nicht mal Alkohol ausgeschenkt bekommt, können sie unter Umständen für eben diese Arschlöcher die Rente verdienen und den Müll wegräumen, den ignorante über Sex und Sexappeal sinnierende macht- und drogensüchtige verpeilte Erwachsene ihnen hinterlassen haben. Wohlgemerkt, nachdem ihre Kindheit mit Schildern verziert wurde, auf denen das Ballspielen auf Spielplätzen untersagt wird. Und wenn schon, dann Ketchup UND Mayo - wie kann man nur so blöd sein..

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Faß! Friß sie!

  11. #11
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Mayo, von den Froschfressern abgeähnelte Plastikscheiße! Pfui Spinne, die ärmsten Kinder! Da lob ich mir doch die Rote von den Amis.

  12. #12
    Mutter des Hauses
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Mayo besteht aus gesundem pflanzlichem Öl (Vitamine, ungesättigte Fettsäuren) und Eigelb (ebenfalls Vitamine, außerdem das "gute" Cholesterin, wichtig vor allem für die Hirntätigkeit). Auch Literaten sollten gesund und vernünftig essen, anstatt idealen Klischees nachzuhängen. Wohl bekomms!

  13. #13
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Aber willy, Goldschatz und gute Mutter, glaubst Du wahrhaft, daß Deine Kinderschar solch aufgezähltes Gesundes in Mayo-Buden bekömmt - von bekömmlich?
    Empfehle Dir dringend, einmal das Kleingedruckte auf einem 10Kg-Mayoeimer zu lesen. Dein Weltbild wird leiden...
    ... und wieder zurechtgerückt, wenn Du einmal bei uns in Niederbayern richtige Mayonnaise rühren darfst.
    Komm nur!

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Kinder (und ihre aktive Aufzucht) sind gut für die Seele aber schlecht für Portemonnaie und Karriere. Unser Land ist kinderfeindlich und verspielt damit seine Zukunft.


    Wobei ein ruhiges, würdevolles "Aussterben" vielleicht nicht mal das Hauptproblem ist.


    Wirklich schlimm ist, daß die "Eliten" die Nachzucht weitgehend (jaja, es gibt auch Ausnahmen, z.B. alle hier vertretenen Elternteile) den sozialen Unterschichten überlassen. Ein Blick in die Zeitungen, das Einschalten von Radio oder Fernseher zeigt eindrucksvoll, wohin diese Art von Evolution führt.


    Und von denen aus den tieferen Bereichen des Genpools sind auch nur wenige bereit (und/oder in der Lage), sich ausreichend um die Bildung der Brut zu bemühen. Über den Zustand der Schulen schweige ich lieber, aber seht euch doch all die Diskussionen über kindliche Ernährung (bäh!), Kinderbücher, den Musikgeschmack der Nachwachsenden..... an. Selbst Schuld!


    Wie gesagt, eigntlich geht es ja um unsere Zukunft, aber wen kümmert das schon?


    @Hannemann: Gute, selbstgerührte Mayonnaise schmeckt "normalen" (d.h. geschmacklich mißbildeten) Kindern garantiert nicht - weil sie fast nie an gute, ursprünglich Nahrung gewöhnt wurden. Seriöse Untersuchungen belegen z.B. daß 85% der (in diesem Fall kindlichen) Probanden in Joghurt künstliche Aromen den natürlichen vorziehen. Iss es nich zum Kotzen!?

  15. #15
    Mutter des Hauses
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Oh Hannemann - daaanke! Würd ich gern, aber Zeit usw... Na vielleicht im Sommer. Hmm, Mayonaise rühren - interessant.

    @Achtpanther: mach einfach überall bissel Zucker dran

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Nanana! Drogen sollten nich einfach so nebenbei konsumiert werden! Schon gar nicht Zucker, der ist von den gängigen eine der gefährlicheren (gesundheitliche Probleme/hohes Suchtpotential usw).

  17. #17
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Question AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Da ist dieser Junge, 14, nennen wir ihn Simon. Er ist schon zweimal sitzengeblieben. Die Lehrerin sagt ihm auf den Kopf zu, daß aus ihm nie was werden könne. Die Eltern haben ihn abgeschrieben. In der Klasse ist er wegen seiner bisweilen verlogenen Art nicht gelitten. Aber er mimt den Coolen, den Unnahbaren. Er kennt manchen Vorbestraften. Dann lernt er ein Mädchen kennen, das ihm nicht gleichgültig ist, das ihm selbst das Gefühl gibt, bedeutsam zu sein. Doch junge Mädchen haben Launen. Heute sagte sie ihm, daß er weggehen solle.
    Simon wollte sich in einem hysterischen Anfall die Pulsadern aufschneiden. Mein Sohn und einige seiner Freunde konnten ihn zurückhalten. Noch.


    Das ist eine ganz und gar alltägliche Geschichte. Sie hat Bedeutung, weil sie mein Sohn erzählte. Und ich frage mich jetzt, wie ich Simon helfen kann. Soll ich ihn zu einem Wochenende zu uns einladen, mich in die Erziehung mengen? Soll ich ihm die Welt vorgaukeln, daß auch anderes möglich ist? Soll ich es ihn aushalten lassen? Soll ich den starken Mann zeigen, der die Dinge im Lot hält? Soll ich Conrad den Umgang verbieten oder ihn ermuntern, sich mit der Halbwelt zu befassen? Letztlich. Wieviel Verantwortung habe ich? Als Christ, als Mensch? Was kann ich, was muß ich, was darf ich?

  18. #18
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Soll ich ihn zu einem Wochenende zu uns einladen, mich in die Erziehung mengen?


    Lad ihn ein, aber meng Dich nicht in die Erziehung. Er wird etwas von Dir, Deinem Sohn oder Deiner Familie lernen. Wenn er will und Kann.


    Soll ich ihm die Welt vorgaukeln, daß auch anderes möglich ist?


    Mit gaukeln ist es nicht getan. Sei wie Du bist.


    Soll ich es ihn aushalten lassen? Soll ich den starken Mann zeigen, der die Dinge im Lot hält?


    Das ist sowieso nicht möglich. Außer Du entmündigst ihn. Er kann jetzt noch wählen, zwischen vielen Dingen. Aber das wird von Jahr zu Jahr weniger.


    Soll ich Conrad den Umgang verbieten oder ihn ermuntern, sich mit der Halbwelt zu befassen?


    Weder noch. Sag ihn, daß der Abstieg schnell geht. Wenn er Beispiele möchte kls oder ich stehen dafür gerne bereit. Ohne moralinsauer zu werden. Es ist wie bei den Anonymen Alkoholikern, er soll es mal 3 Monate lassen - den Umgang mit der Halbwelt - nicht für immer. Dann vielleicht noch mal 3 Monate. Kein Lebensentwurf. Das haßt jeder in dem Alter.


    Letztlich. Wieviel Verantwortung habe ich?


    Du hast alle bzw. auch gar keine. Es hängt von Dir ab. Mach nicht mehr als Du aushalten kannst.Aber auch nicht weniger. Ich weiß nicht wie belastet Du bist im Augenblick, seelisch. Hätten mir fremde Menschen nicht immer wieder geholfen und an mich geglaubt, ich wäre weiß Gott wo gelandet.
    Aber es ist ein Staffellauf, nach einiger Zeit sollte jemand anderes übernehmen. Oder der Junge sich selbst.


    Als Christ, als Mensch? Was kann ich, was muß ich, was darf ich?


    Mach Deinem Sohn auf jeden Fall klar, daß ER der Überlegene ist. Über ihn, kannst Du dem Jungen helfen. Wenn Dein Sohn es tragen kann, macht es ihn selbstbewusst und stark. Aber Du mußt hinter ihm stehen. Wie die Hilfestellung am Barren.


    Hat Dein Sohn ein Hobby was der Freund teilen könnte? Sport, Fußball? Das wäre eine gute Sache um einen Jungen aus einem Milieu zu holen. Wenn er mitmacht. Gib ihm Verantwortung. Eine Aufgabe. Ein krankes Pferd, einen Job im Tierheim (das machen viele Schüler), die Mitarbeit an einem Buchprojekt, was Du mit der Klasse machst. Er muß die Beiträge einsammeln, dafür sorgen, daß die Termine klappen. usw.

  19. #19
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    wenn du dir zeitlich und geldlich leisten kannst alles stehen zu lassen, nimm zwei junge männer mit, und mach zwei-drei wochen urlaub mit denen am abgeschiedenstem ort den du finden kannst. mit bäumen fällen, körperlichen anstrengungen und viel stile. oder so. überleben in natur. ohne leute und technik.ohne bequemlichkeit. ohne zivilisation. lauschen.nach eine schwierige woche, gestaltet sich etwas wie ein gleichgewicht......man MUß sich mit sich beschäftigen und mit eigenen gedanken, kommt nicht weg davon....naja. ratschläge sind scheiße. vorzeigen auch. ihm helfen sich selbe zu hören, das wäre es. "was will ich?"


    grüße

  20. #20
    Tochter aus gutem Hause
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    20

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    versuch ihm das gefühl zu geben, in dir einen freund zu haben. wie, ... keine ratschläge aus der ferne, aber ein bissl zeit musst du dir schon nehmen; wer nimmt sich schon zeit für ein 'fremdes' kind? und irgendwann wundern sie sich, wenn er sich die pulsadern aufschlitzt oder, anderes extrem, leute umballert,


    viel glück
    eule.

  21. #21
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Ich werde hier noch viele Problemfälle ansprechen. Im konkreten Fall habe ich schon geholfen, quasi. Der Junge klingelte gerade. Ich nehm mich seiner ein bißchen an.

    pjesma, die Idee gefällt mir sehr. Leider ist mir der Junge nicht sympathisch. Und das ist wohl Voraussetzung für eine gemeinsame Zeit. Sozialarbeiter bin ich nun nicht. Aber meinem Sohn ist er sympathisch. Also werd ich ihnen wohl eine kleine Erlebnisfahrt, wo es darauf ankömmt, sich selbst als Menschen zu erleben, einrichten müssen - auch wenn mir jedes Mal das Herz blutet, wenn mein Kind nicht bei mir ist.

    Ich stehe prinzipiell auf dem Standpunkt, daß Kinder ihre Probleme selber lösen müssen. Das funktioniert so lange, wie sie sich geliebt wissen. Simon fühlt sich nicht geliebt. (Ich liebe ihn auch nicht.) Das ist das Problem. Aber mein Sohn mag ihn zumindest. Da also gilt es anzusetzen. Diese Händchenhalter, die von Berufs wegen lieb sind, mag ich gar nicht. Aber, egal.
    Danke für die Aufmerksamkeit.

  22. #22
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Notizen September 2002

    15jährige: Sie sind anders als noch ihre großen Geschwister von vor drei Jahren. Sie sind interessiert, denken für- und aneinander und haben mehr lieb, als daß sie böse sind. Sie halten einander bei den Händen und singen. Sie sind beinahe so, wie wir damals waren, vor nunmehr zwanzig Jahren. Nur waren wir damals vier Jahre älter und hatten nichts mehr zu verbergen. Und das wundert mich doch sehr, daß sie, diese lieben Kleinen, uns so ähnlich sind, nur zeitiger. Sollte es doch einen Wechsel der Töne geben, jetzt am Anfang des Jahrhunderts? Irgend etwas sagt es mir. Sie sind anders. Und es ist schön, daß sie es sind.
    Ich habe seinerzeit den Schimmelreiter gehaßt, Sprache, Diktion, dieses ganze norddeutsche Gewäsch vom Fischer und siner Fru, letztlich. Aber ich hab's brav gelesen. Sie heute stört nicht mal die antiquierte Sprache, diese Fülle von Hypotaxen und Satzgefügen aus der Mottenkiste. Sie lesen's mit roten Köpfen! Gegen alles, was da Kommissionen als nicht mehr zeitgemäß in die Tonne kloppen woll(t)en. Und ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll, wenn mir die Hälfte der Klasse sagt, sie würden gern noch eine Stunde länger schreiben, nachdem sie schon drei Stunden gesessen hatten! Irgend was ist da anders als noch vor drei Jahren, aber es gefällt mir. Ich glaube, das fing alles mit der Flut an... Glaube ich. Sie brachte etwas zum Vorschein, etwas längst verloren Geglaubtes.

  23. #23
    kls
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Kyra, auch mir geht es ähnlich wie Dir. Wenn nicht immer wieder Menschen an mich geglaubt hätten, selbst dann, als ich selber gar nichts mehr vom mir hielt...


    Robert, es ist brutal, jemanden zum Schwund zu erklären, aber manchmal gibt es keine Alternative. Ändern kannst Du selbst nichts an seinem Schicksal. Manche lernen nicht die Kunst des Schwimmens - wollen es vielleicht auch gar nicht, und die Eltern werden dann schon sehen, was sie einem angetan haben. Dieses Muster: Selbstzerstörung um die anderen zu strafen ist kaum rückgängig zu machen und wird in jeder zukünftigen Stresssituation immer wieder durchschimmern. Wenn es zu heftig wird, musst Du halt abgrenzen oder den Jungen in die Hände von Profis geben. Wichtig ist Reizentzug, das öffnet. Wichtig ist das Elternhaus, - was herrscht dort für ein Geist? Denn der ist stärker als jede gutgemeinte Intention.

  24. #24
    Mutter des Hauses
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    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    sag mal, hast du eigentlich kinder oder theoretisierst du nur über andrer leute kinder rum? so liest es sich nämlich - wobei es auch unter den eltern schwund geben soll..

  25. #25
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Bildung und Erziehung - der Problemordner

    Ich habe ähnlich gelagerte Probleme wie im Eingangstext beschrieben. Ich sehe mir die Freunde meiner Tochter SEHR genau an. Ich weiß, dass ca. 30 % für?n Arsch sind. 10 % werden das 25 Lebensjahr nicht erleben. 40 % mindestens werden zu Gemüse mutieren. Und 20 % werden das Geschenk des Lebens annehmen und irgendwas Vernünftiges daraus machen, wobei mir egal ist, ob Friedhofsgärtner oder Astrophysiker. (Die Prozentzahlen habe ich gerade frei erfunden!) Ich bin mir meiner Grenzen der Einflussnahme sehr bewusst, ein fast 16-jähriges Mädchen ist über Logik nur geringfügig zu erreichen, geschweige denn maßgeblich zu beeinflussen.


    Aber ich kann ein wenig die Rahmenbedingungen gestalten, hoffend, dass sie sich die richtigen Impulse holt. Ich kann ihr zeigen wie andere Menschen klar/unklar kommen. Ich kann sie immer wieder darauf hinweisen, dass das Hirn der stärkste Muskel ist, vielleicht sogar diesen Appell im Unterbewusstsein verankern. Ich stand nie auf einem Podest. Hoffentlich nimmt sie nicht zu viel von meinen dunklen Seiten an. Ich bewege mich in einem Minenfeld - sie soll sich nicht in Richtung Schwund oder Gemüse entwickeln, aber in welche Richtung sie ihr Potential letztendlich nutzt oder ablehnt - Schaumerma... Aber ich bewege mich und habe gute Intentionen.


    Ansonsten spiele ich den Troubleshooter, hoffend, betend, liebend und Zeit investierend. Mehr habe ich ihr nicht zu geben. Zeit und Liebe, sehr unvollkommen, zu wenig, zu selten...


    Ein Hoch den alleinerziehenden Müttern. Und wo wir schon dabei sind - ein Hoch auch auf die alleinerziehenden Väter.


    Sorry lieber Robert, wenn ich dem Eingangstext nicht mehr Reflektion entgegenbringen konnte.


    Empfehlenswerte Literatur: Artur Janov

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